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E_1936_Zeitung_Nr.030

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AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 7. APRIL 1938 — N° 30 Räder • Achsen • Gehäuse Modernste Spezialwerkstätte fürs RICHTEN und Instandstellen von Felgen, Scheiben- und Drahtspeichenrädern, Vorder- und Hinterachsen, Diff.- Wellen etc. Großes Lager in Drahtspeichen beliebiger Stärke und Länge. - Zwanzigjährige Erfahrung. Achten Sie einmal darauf, wieviel Berna-Wagen Ihnen begegnen, die seit 15 Jahren nnd mehr ihren Dienst Tag für Tag unentwegt verrichten! Sie zeigen, dass es sich lohnt, einen Berna-Wagen zu wählen und dadurch auf lange Sicht zu disponieren. Denn wer auf lange Sicht handelt, kommt schliesslich immer zur Ueberzeugung: ZÜRICH8, Dufourstrasse 201 Tel. 46.868 • Außer Geschäftszeit: Tel. 911.105 1—7 Tonnen Nutzlast Einfache Fahrkarten gelten zur Rüdefahrt MOTORWAGENFABRIK BERNA A. G., ÖLTEN durch die Aussteller und

^EÜbEe BERN, Dienstag, 7. April 1936 Automobil-Revue, III. Blatt - Nr. 30 Osterlied Osterhasen grüssen Dich I Osterfest Photo Wirth Es war, als ob die Traumnacht lang ein jauchzendes Rauschen riefe: Der Bach sprang über den Felsenhang und rief es in die Tiefe: «Wacht auf! Er kommt! Er ist schon nah, es trog mich nicht mein Ahnen ... Ein Wunder geschah, der Lenz ist da mit wehenden blau-grünen Fahnen.> Und als der Morgen nun erschien, war wahrlich das Wunder geschehen: Auf Erden sah man die Banner grün, am Himmel die blauen wehen, und die Glocken verkündeten's hell im Geläut, und die Drosseln sangen's im Hage: «'s ist Osterzeit, o Menschen, erfreut euch am Auferstehungstage!» 's ist Osterzeit, 's ist heil'ge Zeit, die Steine der Gräber erbeben, zum Blühen ist die Welt bereit, den Tod besiegte das Leben. Es singen's und klingen's die Stimmen von Erz erdwärts und nach himmlischen Höhen: «O Menschenherz, befangen im Schmerz, auch du sollst auferstehen!» Emil Hüglu «Kommt, lasst uns wieder Ostern feiern, den frohen Auferstehungstag!> So heisst es in einem Liede zu dieserrf Fest. Und wer wollte nic.ht gerne der freudigen Mahnung folgen? Wer wollte nicht gerne dabei sein, wo es gilt, ein Fest zu begehen, das mit der Christenheit auch die ganze Natur jubelnd mitzufeiern scheint? Wer wollte sich nicht frohen Herzens rüsten, dem allmächtigen Walten seinen Dank darzubringen, weil es uns nach langer frostiger Winterszeit wieder den holden Frühling, neues Leben und neue Daseinsfreude schenken will? Wir sehen es ja mit eigenen Augen: In allen Adern der Natur pulst der Strom des Lebens wieder frisch und kraftvoll; denn Auferstehung heisst ja die frohe Botschaft des Frühlings. Zu gleicher Zeit aber lautet die christliche Osterbotschaft: «Der Herr ist auferstanden!» Und so hat unter den christlichen Festen die Osterfeier stets noch ihren besonderen Zauber auf die Menschen ausgeübt, weil sich die geistig-religiöse Bedeutung derselben gleichsam im Walten der Natur widerspiegelt und dieses auch wieder im christlich-religiösen Auferstehungsgedanken ein geistiges Abbild findet. Und wie machtvoll kontrastiert das frohe Osterfest mit dem schmerzenreichen Karfreitag, der nach Christi Tod am Kreuze die trauervolle Grablegung brachte! Aber siehe! Am Ostermorgen fanden die Jünger den Stein vom Grabe ihres Meisters weggerückt und dieses selbst war leer. Wohl wurden sie zuerst von grossem Schmerz erfasst im Bewusstsein, dass alles Irdische ihres Meisters dahingegangen war; aber bald entsprang aus diesem Schmerz die glaubensfrohe Erkenntnis, dass hier nicht sowohl ein Verlust zu beklagen, als ein hoher, höchster Gewinn freudig zu begrüssen war: Die Wiederauferstehung im Geiste, die von keiner Zeitlichkeit mehr bedingt und von nun an durch nichts mehr einzuschränken war. Darum lautet denn auch die geradezu triumphierende Osterverkündigung: «Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?» Wenn die Weihnachtsbotschaft verkündet, dass Christus, der Heilbringer, geboren sei, so sagt die Karfreitagsbotschaft, dass er für alle gläubigen Christen den Opfertod erlitten habe. Die Osterbotschaft jedoch verkündet als Wunder, dass er wieder aus dem Grabe auferstanden ist, um ewiglich weiterwirken zu können. So wirbt denn nun die christliche Lehre immer wieder von neuem für den Frieden auf Erden und für die wahre, echte Menschenliebe. Und so gut wie das Weihnachtsfest wäre das Osterfest dazu angetan, uns alle näher zueinander zu führen; gibt es doch in unseren Zonen kaum eine Feier, die von arm und reich, von alt und jung, von Kranken und Gesunden herzlicher willkommengeheissen würde als gerade Ostern. Und da der Lenz zu allen als ein froher Gast kommt und in allen Herzen wieder Lebenslust und Lebenskraft wecken will, so wäre gerade das Osterfest auch als Frühlingsfest dazu angetan, es uns zum Bewusstsein zu bringen, dass wir Menchen im Grunde genommen doch alle mehr oder weniger Schicksalsbrüder sind. Wie sehr wir dies in Buropa sind, hat uns ja der Weltkrieg in bitterster Weise gezeigt, und wir haben an diesen Erfahrungen angesichts der anhaltenden Krisenzeiten und der allgemeinen Unsicherheit noch bis auf den heutigen Tag schwer genug zu tragen. Sehen wir uns des näheren um, so erkennen wir, dass es zum guten Teil immer wieder die Missachtung oder wenigstens nicht die genügende Beachtung der christlichen Lehre ist, durch die unsere Menschheit von Leidensstation zu Leidensstation geführt wird. Wie weit könnte die Menschheit in kurzer Zeit gelangen, wenn sie als unverbrüchli-, ches, ehernes Gebot die heilige Mahnung befolgen wollte, die in den Worten liegt: «Friede auf Erden!» Wie müsste das Vertrauen unter den Menschen und Nationen wiederkehren, wenn der Frieden auf der Welt gesichert wäre! Und mit dem allgemeinen Vertrauen würden auch unendlich viele seelische und wirtschaftliche Kräfte frei, und für jeden, der guten Willens ist, würde das Leben auf dieser Weif erleichtert, erhöht und verschönt, wie es jetzt der Frühling ringsum verschönen will. Das ist ja die Wahrheit, die auch der auferstandene Christ immer von neuem verkündet, dass nur der Geist der Brüderlichkeit Welt und Menschen zu verbinden und zu retten vermag. Solch eine geistige Wiedergeburt im Sinne der christlichen Lehre täte unserer Zeit not und vermöchte uns erst die wahren frohen Menschheits-Ostern zu bringen. Gute Osterreisel Photo Schottal