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E_1936_Zeitung_Nr.032

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12 Automobil-Revue —

12 Automobil-Revue — N° 32 « Da, wo es Prozäss gwünnt, verlürt d'Chutte, und da wo-n-en verlürt, no 's Hemli derzue ». « War Nyd u Hass gab Gras, so läbti mängi Chue dest bas », sagt ein träfes Wort, doch hat man nebst dem Neid auch Anerkennung bereit: « Jede Müller ist en Schölm, aber nid jede Schölm en Müller ». Wer die Rechnung ohne den Wirt macht, dem sagt man: « Es isch guet Hamme z'siede, wenn d'Chatz fürt isch ». Manche von diesen Sprüchen sind Warnungen vor Vertrauensseligkeit; «Lappi, tue d'Augen uf oder de Gäldseckel », soll dereinst am Schaffhausertor zu Zürich gestanden haben, eine deutliche Ermunterung !ür die zur Stadt fahrenden Bauern. Der Walliser sagt ebenfalls drastisch: «Meinu und nit wissu hat scho menge Biderma b'schissu ». Aber unrecht Gut gedeiht auch in der'Schweiz nicht: «^An einzige uhgrechte Chryzer, frisst hundert derzue », meint der Walliser, und «Wer um as guets Wort nyt tuot, dem geit es seltu guot». Es fehlt aber auch an der Schadenfreude nicht — der Appenzeller bekennt: «Di aanzig ond schönscht Freud off Gottserdbode ischt halt all no d'Schadefreud! » Die Appenzeller gelten nebst den Baslern als die schlagfertigsten Witzbolde der Schweiz; wir können uns nicht versagen, auch davon ein paar Beispiele herzusetzen: Ein Vater tadelte sein Söhnchen: « Schäm di. Wenn i näbis derigs g'macht hett, so hett-mi minn Vatter z'Hudle-n-ond z'Fetze g'schlage». — Der Sohn: « Joo — Vatter! Denn hascht du weleweg kann gschyde Vatter gkaa!» — Vater: «'s Muul zue, Luusbub! Weleweg en gschydere-n-as dul » — Eine andere Appenzeller Anekdote: «Jokeb! Woromm chönnd-r nie zuemmr i d'Cherche?» fragt der Pfarrer. «Joo, woromm, Herr Pfarer! I ha's halt mit euere Predege graad eso, aas wenn i gieng mit eme Chratte gi Wasser hole; wenn i amme hää chomm, so hani nütz meh!» — Ein anderer Pfarrer tadelte einen Buben, der am heiterhellen Tag unter einem Baum faulenzte. Der Bub erwiderte: « Herr Pfarer! Wenn i no näbes ringers wösst, ond so täät is ». Diese wenigen Proben mögen genügen, um die Alltäglichkeit der Mundart herauszuheben zur Trägerin von Gedankengut, Witz und Weisheit. Aber noch höher hinaufgehoben haben sie die. Dichter, zur Königin gekrönt und sie mit einem so zarten, leuchtenden, zierlichen Geschmeide umgeben wie irgend eine Sprache. Lyrik und Dramatik sind die Gärten und Ackerfelder der Dialektdichter, und es blüht ihnen auf dem kleinen Raum des Landes der Ruhm und die Liebe des Volkes, das seine Mundart im Spiegel einer sonntäglichen und herzensnahen Dichtung von neuem lieben und hegen lernt. So bleibt die angestammte Mundart das Heimatgut, das unverlierbar ins Gedächtnis des Kindes gepflanzt wird und es auf Lebenszeit bindet an das Erdreich der Vorfahren. Derjenige Herr, welcher ... Eines Tages stand in einem Blatte folgende Anzeige : « Der Herr, der gestern in der Mullerstrasse eine Brieftasche fand und einsteckte, wurde erkannt und wird hiemit aufgefordert, sie dem Eigentümer zurückzustellen.» Am andern Tage konnte man im gleichen Blatte lesen: «Der Herr, der vorgestern n der Müllerstrasse die Brieftasche fand und erkannt wurde, ersucht den Eigentümer, sie bei ihm abholen zu wollen.» Junge Leute von beute. Frau H., eine lebenslustige Siebzigerin, feiert ihren 51. Hochzeitstag. Bei dieser Gelegenheit sagt sie stolz: « Das gibt es heutzutage bei den jungen Leuten auch nicht mehr, dass sie 80 Jahre verheiratet sind.» Jäso ... Ein Vertreter für Staubsauger — so erzahlt die «Elektroindustrie» — spricht in einem einsam gelegenen Hause vor und versucht, die Hausfrau von den Vorzügen seines Fabrikats zu überzeugen. Um dem Drängen ein Ende zu bereiten, erlaubt sie dem Reisenden schliesslich die Vorführung des Gerätes. Er verlangt Asche und Sand, streut eine ganze Menge davon auf den Teppich vmd stampft darauf herum. Dann geht er hinaus zu seinem Wagen, kommt mit dem Staubsäuger zurück, blickt im Zimmer umher und fragt die Hausfrau: «Wo händ er de Stecker? » Worauf diese antwortet: « Ja, mir händ kei Elektrisch ...» IndividuaMock «Ich habe unseren Wagen etwas unilackieren lassen — du hast doch nichts dagegen? » Wenn man alt wird Aufruhr in der Pension Das grosse Speisezimmer füllt sich mählich. — Der Riese aus Niemandsland sitzt bereits am Tisch, und sein schwerer, schlaffer Oberkörper lehnt über einem Zeitungsblatt. Auf seinen schwammigen Zügen malt sich ironisches Staunen. « Gibt es das noch? — Gibt es so etwas wirklich noch?» Die kleine Berty Morf, der eine entzückende Rolle aschblonden Haares in das frische Sportgesicht, fällt, wendet sich schnippisch zu dem Dicken: « Was sollte denn in unserem alten Tagblatt so Aufregendes zu lesen sein, — hm? » — « Ein ganz seltenes Ereignis sogar. Denken Sie — ein Schweizer heiratet eine Schweizerin,» — Rings um die Tafel Gelächter und betretenes Schweigen. — « Was soll man da entgegnen? » meint die schlanke, sanfte Kontoristin neben mir — « es ist ja wirklich bald eis seltenes Ereignis.» — Die weisshaarige Directrice aus dem Moden- Atelier entgegnet in zornig aufwallendem Ton: « Verrat am Eigenen ist es, wann der Schweizer die Frauen seines Landes so gering achtet, seinen Namen, sein Heimatrecht so leicht verschenkt. » Der lässig ins Wasser geworfene Stein zieht weite Kreise, und das Gespräch an der Tafel steht ausschliesslich im Zeichen des erwachenden Nationalgefühls. — « Mir könnte das nicht passieren,» sagt die rundlich-hübsche Bankangestellte, die auf den schönen Namen « Zürcher » hört, — «ein Schweizer oder gar keiner. » — «Bravo!» — «Hört, hört!» — « Da bin ich gar nicht Ihrer Meinung, » widerspricht die kleine Morf und wirft ihre herbe Mädchenschulter hoch — «wenn unsere Herren fast ausschliesslich fremde Mädchen heiraten, so machen wir es halt auch so. Mein Innsbrucker Toni jedenfalls freut sich, dass er eine Schweizerin zur Frau bekommt.» — Der Sportlehrer, der einige Jahre in Spanien gelebt, meint, dass dort Mischehen ganz selten vorkämen. « Die Rasse hat sich dort ziemlich rein erbalten. Der Spanier, der eine Fremde heimführt, wird von seinen Landsleuten sehr scheel angesehen.» — «Was kann man da machen? — Wo die ' Liebe hinfällt — da fällt sie hin,» meint die Pensionsmutter versöhnend, und erzählt beim Dessert ein kleines, lustiges Intermezzo, so dass die Diskussion letztendlich doch in allgemeiner Heiterkeit endet. — «Meine Waschfrau, eine gemütliche Schwäbin, kommt da letzthin weinend zum Frühdienst und erwidert auf meine Frage nach dem Grund: « Ja wissen Sie, jedesmal wenn ich mit meinem Mann einen Disput habe oder eine kleine Meinungsverschiedenheit, gleich heisst es: «Gang du nur wieder hl. wo d'här cho bisch — du! » — Und da glauben die Mädchen immer, es sei ein so grosses Glück, mit einem Schweizer verheiratet zu sein.» — All der Tand, den Jugend schätzt, Auch von mir ward er verehrt: Locken, Schlipse, Helm und Schwert, Und die Frauen nicht zuletzt. Aber nun erst seh ich klar, Da für mich, den alten Knaben, Nichts von allem mehr zu haben, Aber nun erst seh ich klar, Wie dies Streben weise war. Zwar vergehen Band und Locken Und der ganze Zauber bald, Doch was ich mir sonst gewonnen, Weisheit, Tugend, warme Socken, Ach, auch das ist bald zerronnen, Und auf Erden wird es kalt. Herrlich ist für alte Leute Ofen und Burgunder rot Und zuletzt ein sanfter Tod, Aber später, noch nicht heute. Marianne Imhof. Stadttheater Abends 8 Uhr, Sonntag nachmittags 3 Uhr. Fr abend 17 Aoril Margarethe, Oper von Ch. Gounod (B-Ab. 15). Sa. abend 18. April Zu _ m .. erstenmal: Der Janz_ ins So. nachm. 19. April Rossini in Neapel. 19. April Das Dreimäderlhaus, Operette nach Schubert. 2D. April Volksvorstellung. 21. April Volks Vorstellung. So. abend Mo. abend Di. abend Mi. abend Do. abend Fr. abend Sa. abend So. nacfim So. abend Mo. abend Hermann Hesse. unc • • 22. April Tanz ins Glück, Operette. 23. April Kaiserin Josephine. 17. April Der Lügner. 18. April Schwester Vera. Ein gesundes Schweizer- Bergbauern-Geschlecht Eine Schweizerzeitung brachte kürzlich folgende Notiz: «Gesunde Luft scheint in der Berggemeinde Muotatal im Kanton Schwyz zu wehen. Aus dem kleinen Geschlecht Schmidig leben heute noch acht männliche Personen, die das respektable Alter von zusammen über 640 Jahren aufweisen, also auf den einzelnen im Durchschnitt gut 80 Jahre. Drei von ihnen zählen zusammen 270 Lenze.» Der Presse-Photograph hat den Weg unter die Füsse genommen, um die Mannen Schmidig der Nachwelt im Bilde zu überliefern. Er suchte jeden einzelnen auf seinem Gütlein auf. Die Gütlein dieser stämmigen Bergbauern liegen teilweise gut zwei Wegstunden auseinander. Jeder der Mannen Schmidig ist noch täglich auf seinem Betriebe beschäftigt, trotz hohen Alters und damit verbundener Beschwerden. Alle bewirtschaften den Boden und ringen ihm die spärlichen Gewächse ab. Gerade ihrem harten und einfachen Leben haben sie es aber zu verdanken, dass sie allesamt heute noch rüstig sind und die Last ihrer Jahre rüstig tragen. Kaum eine Schweizergemeinde hat in ihren Registern ein solch rüstiges Geschlecht aufzuweisen wie die Berggemeinde Muotatal bei Schwyz. Mit Stolz weist das Gemeindehaupt dem Kanzleibesucher das Bürgerregister vor, an dessen Spitze als älteste Talbewohner die acht Mannen Schmidig aufgeführt sind. Als man mit dem Presse-Photograph in «Meienen», dem Gute Balz Schmidigs, zusammenkam, um noch ein Gruppenbild anzufertigen, gab's gar viel zu berichten, hatte man sich doch schon recht lange Zeit nicht mehr gesehen. Auch ein guter Tropfen wurde am einfachen Bauerntische noch getrunken. Dann wurde jeder einzelne wieder heimgebracht. (Photopress) Empfehlenswerte Unterhaltungs- u. Gaststätten Abends 8K Dhr. Sonntag nachm. 3H Uhr 19. April 3 Uhr: Die erste Legion. 19. April Schwester Vera. 20. April Gastspiel Dramat. Verein Zürich: Expertise. Gymnastik — Tanz im Conservatolre de Danse, Obere Zäune 20 Ltg.: Mario Volkart, du Theätre nat. de l'Opöra de Paris. Allgemeine Körperkultur, Rhythm. Atmungs-Heil-Gymnastik. 2 schöne, helle Säle, Douchen, Massage. Odeon-Bar: hau Wiener Stimmungskanonen. — Jecki, der Humorist Hungaria - Jonny Bar Beatengasse 11 Erstkl. Küche, gepflegte Weine. — Täglich Konzerte erster Orchester. Parkplatz vor dem Haus. Inh.: Farn. Zürcher. StlldlO Nord-SÜd Schiffländeplatz Un film des plus amusants: Raimu (un pinceau qui pense) dans la petite choeolatiere. Prfvatpension Telephon 32.363 Moderne Zimmer. Reine Butterkücbe. Zeitgemässe Preise. Besitzer: Rösler-MIsar, Chef de cuisine. Limma hau am Limmatplatz Telephon 53.911 Hotel - Restaurant - Säle. Wannen- und Medizinalbäder. Zimmer m. fl. Wasser 3.50. Zentralheizung. Geheizte Garage im Hause. Eigener Parkplatz. Cafe-Restaurant zur Katz Talstrasse 83 Feinschmecker sind begeistert über unsere Grill-Spezialitäten. 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AutomoMl-Revue 13 Bei den Tippelbrüdern der Landstrasse « Es kehrt alles wieder auf der lieben Erde. ^ Ich tippelte schon ein ganzes Jahr, frech und harmlos zugleich, durch Europa, als ich an mir eine Wandlung verspürte, die mich geradezu ins Bodenlose zu werfen schien. Ein normaler bürgerlicher Mensch kann in einer drei- oder vierwöchigen Ferienfahrt nicht genug bekommen von der blausilbernen Höhenschönheit der Berge, den kleinen und grossen Seen im wechselnden Licht des Tages, von dem traurigen Glänze verlorener Wege, die in die blaue Hügelwelt führen. Diese schöne Welt regt ihn auf, wenn er sensibler Natur ist, manchmal kommt er erschöpfter heim als er auszog. Aber ein junger Mann, der auf langen Märschen durch den April schreitet, die dröhnende Einkehr des Frühlings mit Sternfall und kalten Schauern in nächtlichen Heuschobern als ein beissendes elementares Ereignis bis in 4 Mark spürt, dieser junge Mann ist im Sommer schon etwas abgebrühter. Er lässt sich hinter weltstillen Hecken den Bauch von der Sonne bescheinen, zwickt sich grüblerisch in seine koketten Bartstoppel und spuckt mit Prusten und murmelnden Verwünschungen die fleischigen Kerne unreifer Pflaumen in die Luft. Im Herbst kommt er, vorausgesetzt, dass ihn nicht eine fragwürdige Landstrassenliebe kopfscheu gemacht hat, im Herbst kommt er bereits wie ein Seemann daher. Wie ein Seemann, der sich alle Augenblicke fluchend die Hosen hochbindet; er greift mit beiden Plattfüssen breit aus, als sei der Globus Erde ein schwankend Schiff. Lerchentriller sind ihm zu lyrisch geworden, er hört lieber eine däftige Schifferklaviermusik. Er weiss jetzt auch eine Flasche hellgoldenen Achkarer zu schätzen — jawohl — prost! Ein breithüftiges Mädel im Dämmer, und er liebt mit Inbrunst die grausig knarrenden böhmischen Waldnächte. Gott ja — dann kommt der Herbst. Im Herbst tippelt er da irgendwo am Palatonsee in Ungarn herum, genau gesagt: zwischen Fonyodfürdo und Siofok. Diesem schmetternden Trompetensolo der Farben und Lichteffekte kann ja kein lebendiger Mensch widerstehen. Er gibt sich daher auch bedenkenlos hin. Die Kelter kreischen in den Dörfern. Vor Seligkeit und Trunkenheit kreischt er mit. Dieses Kreischen gefällt einigen Musikanten so gut, dass sie ihn mitnehmen. Er stöbert nach der Mundharmonika in seinem Mantelsack. Und nun geht's — heidi — in die Dörfer. NORD-AFRIKA mit den Schiffen und Rundreisen der cfreoeh «&i& CIE Gle TRANSATLANTIQUE Pauschalpreise Huuu, wir schrien, grunzten, tobten, stampften mit den Fassen auf und schlugen uns die Schenkel. Der noch vor kurzem so würdige Oberst sprang auf den Tisch und improvisierte «inen Csardas, an einem Fuss ein rassiger Kavalleriestiefel, am andern — ein richin Verbindung 40 °/o Reduktion auf den französischen Eisenbahnen. Prospekte, Auskunft, Platzbelegung, BilleUusgabe • besorgen unsere Agenturen: Beiiebnreau Danzag & Co. in Basel; Zwilchenbart A.-G. in Basel, J. Veron, Graner & Cie in Genf u. La Ch'-de«Fonds; Reisebureau A. Kuoni A.-G. in Zürich; alle Agenturen der Wagons Lits-Cook und Amerietn Express Co., sowie alle patentierten Reisebureaux. Ein kleines Erlebnis indes möchte ich hier nicht übergehen. Wir spielten des Abends einmal vor einem prächtigen alten Schloss am See auf. Ach dieses Schloss: Düsterer und schöner könnte es keine Phantasie erdichten, ein Schloss von Eichendorffscher Romantik umwittert. Vom Schlossherrn, einem aktiven ungarischen Obersten, wurden wir eingeladen. In einem grossen Esssaal mit allen obligatorischen Requisiten, wie Gehörn, Waffen und ehrwürdigen Bildern mit bleichen und langnasigen Ahnfrauen wurden wir von einem Lakai bedient. Heil dir, Frau Musika! Mit dem Schlossherrn auf Du ... Dann begann das unvermeidliche Becherkreisen. Ein gläserner»Zweiliterkrug, der mitten auf dem niedrigen eichenen Tisch stand, wurde immer wieder frisch gefüllt. Der Oberst soff immer das Doppelte, hatte bald einen weg und begann jedesmal, wenn wir ein Liedchen mit bumm-bumm oder tschingtara beschlossen hatten, unmotiviert und grässlich zu lachen. Wir lachten zuerst gezwungen und pflichtschuldigst mit. Blödsinnig schien es uns, aber dann kniff es uns in den Backen, unsere feierliche Musikantenwürde fiel nach und nach wie ein schlechter Kitt von uns ab. Der behangene Saal begann zu atmen und sich zu drehen wie ein lebendiges Etwas. Das Lachen kollerte gleichsam^aus der Bauchgegend herauf und erschütterte den ganzen Adam. Sxhwethotiq&l Dsr neue SONOTON- Knochenleitungs - Hörapparat ist eine Höchstleistung von Wissenschaft und Technik im Dienste am Schwerhörigen. Der Sonoton-Knochenhörer bedeutet einen Markstein in der Hörmitteltechnik. Anschauung und Gebrauch dieses Apparates bedeuten für den Schwerhörigen, der gute Knochenleitung besitzt, einen Markstein in seinem Leben. Keine Nebengeräusche, keine Ermüdung des Kopfes oder der Nerven, kein «Telephonhören», sondern ein ermüdungsfreiea Hören durch die Knochenleitung in natürlicher Klangfarbe und Tonreinheit, das geeignet ist. Freud», Zufriedenheit und zu bringen. — Auskunft und Lebenslust gewissenhafte Beratung durch den schwerhörigen Fachmann: W.TOKGLEIt , ZÜRICH 7 Haiwnerstr. 98 Telephon 43.183 tiggehender Pantoffel (er hatte geschwollene Zehen). Aber es misslang ihm, er fiel und landete am harten Steinboden auf seinem Allerwertesten. Er fiel uns in die Arme und nannte uns mit glucksender Stimme « Freinde », und wir ihn umgekehrt « Bruder ». — Dann muss ich eingeschlafen sein... Als ich nach einer — so schien es mir — Unvorstellbar langen Zeit erwachte — du lieber Herrgott — wo befand ich mich? Noch im Halbschlaf konstatierte ich ungläubig: Ackerwagen Und nochmals Ackerwagen, silberblitzende Zigeunerlandauer, Meckern von Fohlen und Ziegen, im Hintergrund Leinwand und Buden, Karusselgeklingel. Ja, zum Donnerwetter, ich reibe mir die Augen, Und ich selber? In einem Ackerwagen auf einer Schütte Stroh, mitten im Pferdemarkt von Karad. Von meinen Gefährten keine Spur. Aber irgendein guter Geist hat meine Habseligkeiten zu einem Bündel verschnürt. Als ich darin herumwühle, entdecke ich wahrhaftig meine Mundharmonika. Ich legte mich wieder auf den Rücken und blies mit Zungenschlag sehr traurig die Weise vom «armen Wandergesell». Als ich fertig war, verspürte ich einen sehr alltäglichen Hunger und beschloss, mich nach einem Mittagessen umzusehen. Aber eines Tages meldet sich der Winter an. Nebel liegt kalt und feucht auf den fremden Ebenen. Der junge Mann auf der Landstrasse pfeift und singt immer seltener. Bald sind die Füsse kalt, bald der Rücken, die Landstrassen sind nass und glitschig, und wenn sich donnernd die letzten Gewitter über ihm entladen und der Frost nächtens die Zähne bleckt — weiss der Teufel — schön ist das ganz und gar nicht mehr! Ich weiss auch gar nicht, was ich machen soll. Wenn ich vor den Fenstern auf der geliebten Mundharmonika blase, dann ist das bloss noch ein klägliches Wimmern. Früher hat die ganze Natur mitgespielt, und meine kleine Musik war die selige Oberstimme in diesem Konzert, aber jetzt — es ist einfach abscheulicht Arbeiten? — sagst du, lieber Mann hinter dem warmen Ofen. Vorgestern habe ich in einer kleinen Fabrik Kannen gespült und geputzt. Aber schon am zweiten Tag war der serbische Gendarm da und hat mich zum Teufel gejagt. Gestern habe ich einem liebenswürdigen jüdischen Arzt einer kleinen Kreisstadt meine letzten Bücher verkauft. Er hatte in Zürich studiert, und nur darum nahm er mir Gottfried Kellers Gedichte ab. Nun bin ich, wenn ich so will, frei von jeder, wenn auch noch so zarten und angenehmen Kulturfessel. Ich tipple zwischen Belgrad und Sarajewo und Folgendes kann ich als mein unbeschränktes Eigentum anführen: Ein fragwürdiger englischer Radanzug mit vier grossen und zwei kleinen Flicken und mit einem Farbenglanz, als könne er den Herbst nicht vergessen. Ein paar ziemlich schofle Schuhe, die aber immerhin den Vorteil erlauben, dass meine Zehen diesen oder jenen lieben Dingen ein rührendes Winke-Winke machen. Ein Kamm mit sechseinhalb Zinken. Eine Mundharmonika. Eine alte Nummer der Vossischen Zeitung mit einem besonders schönen Gedicht von Hermann Hesse darin. Eine Zahnbürste (auf die ich übrigens besonders stolz bin). Ein Stück Schnur. Als Talismann ein Billett der Amsterdamer Elektrischen, zwei Togaltabletten. Eigentlich doch allerhand, wie? Schon eine solche Zahnbürste — welcher Kulturfortschritt! Ich erinnerte mich einer Julibegegnung in einer verräucherten Kneipe eines österreichischen Städtchens. Dort sass ein schon «bemooster » Tippler und Wandervogel. Er würzte seine Reden mit lateinischen Sprüchen. Vor 15 Jahren war er Studienassessor in Deutschland gewesen. Von einer harmlos begonnenen Ferientour war er nicht wieder zurückgekehrt. Die Landstrasse hatte ihn « gefressen », wie man sagt. Oder er sie — das kann man nie genau feststellen, zudem ist das zweite unglaubwürdiger. Er verleugnete, vergass den ganzen Klüngel der Zetermordio schreienden Verwandtschaft und tippelte, tippelte ... Ich sehe noch sein von tiefen Erlebnissen und Erfahrungen gefurchtes Gesiebt vor mir und dann, wie er rief, indem er sich mir zu- Begegnung mit der Obrigkeit. wandte: « Wir sind die Ratten, die das sinkende Schiff verlassen », und, als ich dumm dreinschaute, erklärend: «Das sinkende Schiff ist Europa, mein Grünling. Wir sind die stummen Boten einer Sendung, die wir nicht kennen.» War auch ich eine solche «Ratte»? Hatte ich vielleicht schon heimlich die Grenze überschritten bis dahin, wo das Bodenlose, das grosse Reich der ewigen Vagabondage anfängt? Kälte, Hetze der Gendarmen, die ersten Schneefälle, Husten und Katarrhe, ich war daran, ein Verbitterter, ein Menschenfeind, ein ewig Verlorener zu werden! Aber eines Tages genas ich an Leib und an Seele. Im Hause eines kleinen serbischen Bauern fand ich Aufnahme, Arbeit, eine schöne Menschlichkeit, alles Dinge, an die ich anfänglich gar nicht mehr glauben wollte. Eines Tages konnte ich wieder den Hut in die Höhe werfen und Juhu rufen. Ich hatte auch allen Grund dazu: Die ersten kleinen Blümlein blühten im noch kalten Aprilwind. Die Landschaft erwachte in so weichen, fraulichen Zügen. Und über mir im Aether, da ruderten wahrhaftig mit irrem Geschrei wilde Gänse oder Schwäne. Ich konnte das nicht genau feststellen, so aufgeregt war ich. Mein Freund Horduj trat vor das Haus, winkte mir und rief ein paarmal: « Dobro, dobro! », was dasselbe wie gut, gut heisst, und dann hörte ich ganz deutlich, wie er zu meiner Geliebten, seiner Tochter, sagte: «Alles kehrt wieder auf unserer lieben Erde. » Edouard H. Steenken. Zeichnungen Jean-Louis Clere. Rundreise bei den Ausland-Schweizern Zwei junge Lausanner Journalisten, Jean Bauverd und Francis Genoud, sind am 23. März mit ihrem Auto zu einer Reise um die Welt aufgebrochen. D. h. um die Welt geht es noch nicht gleich vom Fleck weg: zuerst machen die beiden jungen Leute eine Tour durch Mitteleuropa, wo sie die Gelegenheit zu einer Reihe schon verabredeter Interviews mit internationalen Sportgrössen benützen wollen. Erst im Hochsommer fahren sie dann auf dem Weg über den Balkan, die asiatische Türkei, Arabien, Pereien, Afghanistan, Indien, Allein ich sprach im Anfang von einer Siam, China und Mandschurei nach Japan, von wo Wandlung, die ich an mir verspürte. Wie begann sie doch noch gleich... via Amerika der Rückweg angetreten werden soll. Die Reise, die im Einvernehmen mit den touristischen Organisationen der Schweiz unternommen Es begann plötzlich damit, dass ich die Frage Warum? stellte, oder die Frage Warum? wird und — im Gegensatz zu vielen ähnlichen stellte mich. Das ist ja auch gleich. Unternehmungen — gut und seriös finanziert ist, Warum tippelst du hier im nassen Dezember in Serbien auf und nieder? Warum bist zern und Schweizer-Kolonien im fernen Ausland» wird unter dem Motto «Rundreise bei den Schwei- du nicht schon längst wieder in der Heimat unternommen und dient daneben — vor allem und hobelst zum Beispiel, dass die Späne durch Veranstaltung von Lichtbilder'Vorträgen — fliegen? Ja, warum? warum? warum? Tausendfältig, wie Pilze aus dem Erdreich, schoss der Reise ist auf 2—3 Jahre veranschlagt. cpr. der schweizerischen Verkehrswerbung. Die Dauer da ein ganzes Bündel Fragen auf. «Du musst nicht etwa denken, Paul, d»ss jcl gar nichts tue... ich bremse die gaiwe Zeit, damit der Wagen nicht wieder abwärt« rutscht!»