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E_1936_Zeitung_Nr.034

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BERN, Freitag, 24. April 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N» 34 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTONOBIL-ZEITU Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsipteressen *• ABONN EM ENTS-PREISE: A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, fihrltch Fr. Ausland mit Portozusehlag, wenn nicht poJtamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversieh.) Vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C. (mi' Insassenversieherunel vierteiiälr-lich Fr. 7.50 Der Beimischungszwang — eine absolute Notwendigkeit Also spricht Herr Bandespräsident Dr. Meyer Wenn es bisher noch Optimisten gegeben hat, die nicht glauben konnten, noch wollten, der Bundesrat werde zum Mittel des Spritbeimischungszwanges zum Benzin greifen, um für die Alkoholschwemme, die unser Land überflutet, einen Abfluss zu schaffen, dann hat ihnen die Debatte in den eidgenössischen Räten vom vergangenen Montag und Dienstag sicher den Star gestochen. Was schon seit Monaten als Element der Beunruhigung in der Luft lag und durch das beredte Schweigen im Bundeshaus noch genährt wurde, das hat bei der Diskussion, welche in den Kammern über dem Geschäftsbericht der Alkoholverwaltung entstand, seine Bestätigung gefunden. In vollem Umfange. Heute nämlich wissen wir es aus dem Munde unseres Finanzministers: Der Bundesrat fordert die Spritbeimischung zum Benzin, ja mehr als das, er erblickt darin, nach den Worten Bundespräsident Meyers, eine absolute Notwendigkeit, in deren Angesicht jede Erörterung über die Frage nach der Wünschbarkeit einer solchen Prozedur hinfällig wird. Jetzt verstehen wir auch die ungewohnte Eile und das beschleunigte Tempo, womit man in den Amtsstuben des Bundes die Prüfung dieses Problemkomplexes gefördert hat. Bereits fiegt der Bericht des Militärdepartementes fix und fertig vor, und das Volkswirtschaftsdepartement wird seine Arbeiten in den nächsten Tagen zu Ende geführt h&ben. womit einer baldigen Beschlussfassung durch den Bundesrat nichts mehr im Wege steht. Geben wir uns keinen I'lusionen hin: Unsere Exekutive drängt mit aller Macht auf einen Entscheid hin, der die Spritbeimischung sanktioniert. Vollkommen unverblümt offenbaren unsere Landesväter ihre Absicht, zu einem neuen Schlag gegen das Automobil auszuholen. Keine Zeit zu verlieren, ist für sie dabei oberstes Gebot, haben sie doch den ganzen Operationsplan darauf angelegt, ihre Minen in der Junisession auffliegen zu lassen. Wir sind gewarnt. Die Sprache Bundespräsident Meyers beseitigt auch den letzten Zweifel über den neuen Anschlag, den man im Bundeshaus gegen uns im Schilde führt. Dieser unerhörten Zumutung, welche das F E U I L L E T O N Der Seewolf. Von Jack London. 25. Fortsetzung. Am nächsten Tage paukten Wolf Larsen und ich, während der Sturm sich austobte, schnell Anatomie und Chirurgie und setzten Mugridges Rippen wieder zurecht. Als' dann die Gewalt des Orkans wieder gebrochen war, kreuzte Wolf Larsen zurück über die Stelle, wo er uns überrascht hatte, und fuhr dann, während die Boote ausgebessert und neue Segel gemacht wurden, etwas weiter nach Westen. Ein Robbenschoner nach dem andern wurde gesichtet und geprait; die meisten hatten Boote und Mannschaften an Bord, die sie aufgelesen hatten und die ihnen nicht gehörten. Der grösste Teil der Flotte hatte sich westlich von uns befunden, und die weit verstreuten Boote hatten in wilder Flucht den ersten besten Zufluchtsort aufgesucht. Zwei unserer Boote mit wohlbehaltener Mannschaft nahmen wir von.der .Cisco' über, und zu Wolf Larsens grosser Freude und meinem Schmerz las er Smoke, Nilson und Leach von der ,San Diego' auf. So waren wir nach fünf Tagen nur um vier Mann ärmer — Henderson, Holoyak, Williams und Kelly — wieder hinter den Herden her. >«._. Erseheini teden Dien»tan and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal .Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Brehenrainstr. 97. Bern Telephon 28.222 Postcheck III 414 Telegramm-Adresse Autoittrue, Gpschlflsslrllf 7-flrlrh: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Automobil als Opfer eineS^ ganten Rattenkönigs von Fehlern und Irrtümern der Alkoholpolitik auszüerwahleh beliebt, die uns für die Versprechen bezahlen lassen will; womit der Bundesrat seinerzeit das Volk.-für. die Annahme des Gesetzes köderte, sagen wir den schärfsten Widerstand ah. Und wir können dabei, wie die Verhandlungen iin National-.und Ständerat gezeigt haben, auch auf die Unterstützung mutiger und einsichtiger Parlamentarier zählen, welche sich der schreienden Ungerechtigkeit und dem.wirtschaftlichen Widersinn eines solchen. Experimentes nicht verschliessen. Im Ständerat war es der Kommissionsreferent, Herr Käser (Schaffhausen) selbst, der die bundesrätliehe Politik, mit dem Ausspruch, desavouierte, man könne nicht verlangen, dass der Automobilist auch noch die Alkoholverwaltung saniere und der die Absurdität betonte, das Benzin, wofür wir an der Grenze 7 Rappen pro Liter bezahlen, teil^&i^e'-düTcH den Alkohol zu ersetzen, der uns auf mindestens "2 Fr. zu ste.- hen kommt. - Ein anderer Befürworter unseres Standpunktes erhob sich,, ebenfalls im Ständera-t, in der Person Hrn. De Coulons (Neüenburg). Er kann nicht verstehen, wieso gerade die an der Entwicklung, der Dinge im Alkoholwesen vollkommen unschuldigen Automobilisten für die begangenen Sünden herhalten sollen — sie, die man eben erst mit einer Erhöhung des Benzinzolls von 20 auf 28 Rp ; bedacht hat. Ihnen eine weitere Belastung aufzubürden, um das Loch in der Alkoholrechnung zu stopfen, wäre nicht nur unzulässig, sondern auch übertrieben, ganz abgesehen davon, dass die Spritbeimischung, soweit er orientiert sei, auch technisch nicht geringe Unzukömmlichkeiten im Gefolge habe. Trotzdem beharrt^ der, Bundesrat durch alle Böden hindurch "auf der sofortigen Verwirklichung des Beimischungszwanges. Wie hat doch unser Finanzminister gesagt ? Es müsse noch im Laufe dieses Jahres Wir verfolgten sie weiter nordwärts, und nun träfen ^ir auf die gefürchteten Seenebel, Tag auf Tag wurden die Boote hinuntergefiert und verschwanden, fast ehe sie noch das Wasser berührt hatten^ Wir an Bord stiessen in regelmässigen Zwischenräumen ins Hörn und gaben alle fünfzehn Ministen Signalschüsse ab. Beständig wurden Boote verloren und wiedergefunden, und es war üblich, mit dem ersten besten fremden Schoner zu jagen, der das Boot aufnahm, bis der eigene Schoner gefunden war. Da Wolf Larsen jedoch ein Boot fehlte, ergriff er Besitz von dem ersten fremden, das uns in die Quere kam, zwang die Mannschaft, auf der ,Ghost' zu .bleiben und erlaubte ihnen nicht, zurückzukehren, als wir ihren eigenen Schoner sichteten. Ich weiss noch, wie er dem Jäger und seinen beiden Leuten das .Gewehr auf die Brust setzte und sie nach unten trieb, als ihr Kapitän uns passierte und praite, um nach ihnen zu fragen. Thomas Mugridge, der sich so seltsam und hartnäckig ans Leben klammerte, humpelte wieder herum und kam seinen zweifachen Pflichten als Koch und Kajütsjunge nach. Johnson und Leach wurden schlimmer behandelt als je, und sie erwarteten, dass mit der Jagdzeit auch ihr Leben zu Ende sein würde. Aber auch die übrige Mannschaft lebte ein wahres Hundeleben unter ihrem erbarmungslosen Herrn. Ich selbst kam ganz gut mit Wolf Larsen aus, obgleich ich nie den Gedanken loswerden konnte, dass ich am richtigsten handeln würde, wenn ich ihn tötete. Er übte einen Bern Raum für die Alkoholverwaltung gescbaffe werden, im Hinhlick auf die kommenden 1 Obsternten! Raum: Das sind Lager für neue-Schnapsvorräte. Wer dafür aufkommt? Der Automobilist natürlich. Denn — so argumentiert der Chef des Finanzdepartementes (für uns nicht ohne Pikanterie) — man kann doch von einer defizitären Verwaltung nicht verlangen, dass sie auch noch Keller baue ! Dafür ist die Automobilwirtschaft offenbar eben recht. Schon weil es ihr sonst viel zu gut geht Ueber die Frage der wirtschaftlichen Zweckmässigkeit der Spritbeimischung nämlich äussert sich der Bundesrat, wie in der Ständekammer auch Herr Käser feststellte, mit keinem Wort. Er setzt sich kühl und gelassen darüber hinweg, obwohl der Auftrag der nationalrätlichen Finanzkommission zur Prüfung und allfälligen Anordnung dieser Massnahme ausdrücklich an die Voraussetzung der « wirtschaftlichen Zweckmässigkeit» geknüpft war. Der Zweck heiligt das Mittel. Und in der heutigen Politik ist alles zweckmässi'g, was dem Fiskus' frommt. Die wirtschaftlichen Interessen werden den fiska- Mschen ohne Wimperzucken geopfert. Nur eine Kleinigkeit bleibt dabei offen, die Frage nämlich, ob man die Finanzen dadurch saniert, dass man bisher noch lebensfähige Wirtschaftszweige zu Schänden reitet und ihnen durch unaufhörliche neue Belastungen das; Blut aus den Adern prösst. So ganz von ungefähr kam es nicht, dass auch im Ständerat die Befürchtung laut wurde, die Spritbeimischüng, welche uns heute der Bundesrat als « NotmaSsnahme » mundgerecht zu machen versucht, könnte sich zu einem Dauerzustand INSE Die achtgespaltene V ungeheuren Zauber auf mich aus, und ich fürchtete ihn grenzenlos. Und doch konnte ich mir nicht vorstellen, dass er tot hingestreckt daliegen sollte. Es war ein Hauch von Ewigkeit über ihm. Immerwährende Jugend umwehte ihn und verscheuchte das Bild. Ich konnte ihn mir nur immer lebend vorstellen, immer herrschend, kämpfend und vernichtend, alles überlebend. Eine seiner Zerstreuungen war, wenn wir mitten in einer Robbenherde lagen und die See zu hoch ging, um die Boote niederzulassen, selbst mit zwei Pullern und einem Steurer hinauszugehen. Er war ein guter Schütze und erbeutete viele Felle unter Verhältnissen, die die Jäger einfach unmöglich nannten. Aber er schien gerade seine Freude daran zu finden, sein Leben auf diese Weise aufs Spiel zu setzen und gegen fast unüberwindliche Schwierigkeiten anzukämpfen. Ich lernte immer mehr von der Navigation, und an einem schönen Tage — etwas, was uns jetzt selten begegnete — erlebte ich die Befriedigung, selbst die ,Ghost' führen, steuern und die Boote auflesen zu dürfen. Wolf Larsen war von seinen Kopfschmerzen befallen, und so stand ich nun von morgens bis abends am Rade, kreuzte über das Meer nach dem letzten Leeboot, legte bei und nahm dieses und die andern fünf auf, und das alles ohne Kommando oder Anweisung von dem Kapitän. • Hin und wieder wehte es steif, denn wir waren in eine stürmische Breite gekommen. S-PREISt ohe tirundzeilc oder deren erate nach Speztaltaril Tane vor Ersehenen te jnjßbitmkungen im Lastwagenbewerbe. Kommt der Simplon-Autotunnel? Aus der Welt des Sports. Transozeanluftverkehr. Schalthebel und Handbremse. auswachsen. Wirkt es an sich schon kennzeichnend, für das Unsinnige eines solchen Vorgehens, dass der Bund, um neue Millionen für die Alkohol Verwaltung zu retten, vorerst eine Entwässerungsanlage mit einem Aufwand von 2 Millionen errichten will, so hat diese Aussicht genügt, im Parlament heftige Bedenken zu wecken. Offenbar kennt man auch dort seine Pappenheimer und hat für einen neuen Regiebetrieb verzweifelt wenig übrig. Und das auch dann, wenn er angeblich um der « Kontrolle » willen ins Leben gerufen wird. Das Missbehagen, das diese Befürchtungen in unserem Herrn Finanzminister auslösten, spiegelt sich drastisch irt seiner « Beschwörung » des Ständerates, er brauche für eine Vergrösserung des Regiebetriebes nicht zu bangen. Der Bundesrat macht aus seinem Vorhaben kein Hehl. Klar und offen liegt es zutage. Selbst wenn er aber heute die Beimischung nur als Provisorium, als vorübergehende Massnahme ins Auge fassen sollte, so wird er bestimmt den Rank finden, sie für alle Zeiten zu verewigen. Von der Ueberzeugung dieser dem Automobil und damit der gesamten Wirtschaft drohenden Gefahr lassen wir uns» kein Jota rauben. Ist die Dehydrierungsanlage erst einmal da, dann müsste es schon wunderbar zugehen, würde sie nach ein paar wenigen Jahren wieder ausser Betrieb gesetzt. Die parlamentarische Mehrheit möchtön' wir »sehen, die sich zu dem Entschluss durchringet! könnte, die teure Entwässerungsanlage nach kurzer Zeit des Gebrauches stillzulegen., Aus, dem Provisorium würde sich mit automatischer Sicherheit ein Dauerzustand entwickeln, der den Fiskus in Steigendem Masse'belasten würde. Dafür liefern uns die Erfahrungen des Auslandes hinreichend warnende- Beispiele. Ein Zurück gibt es nach dem ersten Schritt auf dem Wege zum Spritbeimischungszwang nicht mehr. Mit unerbittlicher Konsequenz nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Immer neue Köpfe wachsen dieser gefrässigen Hydra. Denn hat sich für die Alkoholproduzenten, dank der Einführung der Beimischung, erst einmal ein neues Absatzfeld erschlossen, so werden sie der Versuchung nicht widerstehen können, die Alkoholerzeugung noch weiter auszudehnen, auf Kosten des Konsumenten natürlich, vor allem somit des Automobilisten. Das aber heissen wir den Teufel mit dem Beizebub austreiben. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass' der Nationalrat nach Annahme des und Mitte Juni erlebten wir einen Taifun, der sehr denkwürdig für mich und bedeutungsvoll für meine ganze Zukunft werden sollte. Wir wären fast von dem Zentrum 'des Wirbelsturms gepackt worden, und Wolf Larsen lief nach Süden davon, zuerst mit doppelt gerefftem Klüver und zuletzt mit gänzlich gestrichenen Segeln. Nie hatte ich gedacht, dass es so ungeheure Wogen geben könnte! Die Wellen, denen wir bisher begegnet waren,.erschienen im Vergleich zu ihnen wie sanftes Gekräusel. Von Kamm zu Kamm massen sie wohl eine halbe Meile, und ich bin fest überzeugt, dass sie unsern Topp überragten. So gewaltig waren sie, dass selbst Wolf Larsen nicht beizudrehen wagte, obgleich wir Gefahr liefen, weit nach Süden und aus den Robbengründen getrieben zu werden. Wir mussten etwa bis in die Route der Transpazifik-Lihie gekommen sein, und als der Taifun nachüess, befanden wir uns zur Ueberraschung der Jäger inmitten einer grossen Robbenherde — einer Art Nachhut, wie sie erklärten, etwas sehr Seltenes. Aber die Folge war, dass den ganzen, Tag die Büchsen knallten und die Tiere mitleidslos abgeschlachtet wurden. Gegen Abend näherte Leach sich mir. Ich war gerade damit fertig, die Häute zu zählen, die das letzte Boot an Bord gebracht hatte, als er in der Dunkelheit neben mich trat und leise fragte: «Herr van Weyden, können Sie mir sasjen,