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E_1936_Zeitung_Nr.035

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8 AUTOMOBIL-REVUE

8 AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 28. APRIL 1996 — N° 35 Einladung zur Subskription Mitte Mai erscheint die neue Ausgabe des CH-Touring-Führers. 30 Jahre sind es jetzt, seitdem die erste Ausgabe unseres Führers das Licht der Welt erblickt hat. Es war immer unser Bestreben, den CH-Touring von Ausgabe zu Ausgabe zu verbessern und den erhöhten Ansprüchen der Automobilisten anzupassen. So ist denn auch die neueste, demnächst fertig werdende Ausgabe 1936/37 wieder reich an mannigfachen Neuerungen, Verbesserungen und Erweiterungen, die zweifellos den ungeteilten Beifall aller Automobilisten finden werden. DIE ZAHLREICHEN 1. Das prächtige. 8 farbige Kartenwerk der Schweiz in 22 Blättern im Maßstab 1:300,000. Die erweiterte Auslandsausgabe enthält ausserdem 28 Karten des benachbarten Auslandes im Maßstab 1:500,000, die Gebiete des Schwarzwaldes, der Vogesen, Oberbayerns, Tirols, der Dolomiten, von Oberitalien, der französischen Alpen und der Riviera darstellend. 2. Die umfassende Illustration, die insgesamt nicht weniger als 150 Bilder umfasst. Sie sind nach genau umschriebenen Prinzipien ausgesucht und verfolgen den Zweck, den Text zu ergänzen, die Strassenzüge und Landschaften zu charakterisieren und auch die architektonischen Sehenswürdigkeiten zu veranschaulichen. 3. Die knnsthistorische Ueberarbeitung der Ortsbeschreibungen durch einen der bekanntesten Kunsthistoriker der Schweiz: St. Urban, Kt. Luzern, 457m (K.7 — bei Roggwü), 696 Ew. Dorf mit gr. kant. Irrenanstalt, ehemal. Zisterzienserkloiter. Ende des 12. Jahrhunderts gegründet. Shsw.: Ehem.Zisterzienserabtei. Prachtvolle Stiftskirche, erbaut 1711—1736, enthält das berühmte, reichgeichnitzte Chorgestühl, das nach der Klosteraufhebung 1848 nach einem Landsitz in Schottland verkauft wurde und 1011 wieder zurückerworben werden konnte. NEUERUNGEN 4 Die Klassifizierung der Hotels. Mehr denn je will der Automobilist heute wissen, mit welcher Kategorie von Häusern er es zu tun hat. Die nach der Preislage erfolgte Einteilung gestattet ihm, dasjenige Haus auszusuchen, das'seinen Ansprüchen am besten zusagt: Schlüssel: tat Luxushaus (Zimmerpreise ab ea. Fr. 8.-). Mt — Erstklassiges Haus mit modernstem Komiort (Zimmerpreise »b ca. Fr. 5.5p). tu — Gütbürcerl., komfortables Hotel u. währschafte Landgasthöfe. Beispiel: Üt Bellen« Hak KtM ReciM-Pilae* ffilNrt M SUraen 5. Die Angabe von Fnsstouren. Viele Automobilisten verbinden heute mit einer Fahrt kürzere oder längere Ausflüge. In allen Gebieten des Landes findet man zu diesem Zweck an geeigneter Stelle besonders ausgewählte Spaziergänge und kleinere Touren: Wessen, Kt. St. Gallen, 430 m. Ftmtouren: KapfeEberg 25 Min., schone Aussicht mit den Walensee; nach Mühleborn anf dem alten Kometweg 1 Std., SpKierginge. Btberlikopf, 678 m, mit entzackender Ansicht, 1 Std. Aul den 8peer, 1954 m. Über Untere Büti»Ip 4% Std., prächtige Aussiebt. Trotz dieser prachtigen Ausstattung DES CH-TOURING 6. 24 Stadtplane. Es sind nicht beliebige, sondern eigens für den Automobilisten gezeichnete Pläne, die dem ortsunkundigen Fahrer die Durchfahrt erleichtern und ihn ausserdem auf die verschiedenen Gebäulichkeiien und die Lage der Hotels aufmerksam machen. Muster eines Stadtplanes: ist es uns dank der grossen Auflage möglich, den neuen CH-Touring zum erstaunlich niedrigen Preis von Fr. 6.- für die Ausgabe «Schweiz» und Fr. 8.- für den erweiterten Auslandsband «Schweiz und Grenzgebiete» abzugeben. Ausserdem gelten bis zum Erscheinen der Bände folgende SUBSKRIPTIONSPREISE: AUSGABE „SCHWEIZ" Fr. 4.50 AUSGABE »SCHWEIZ UND GRENZGEBIETE" Fr.6.- Die Auslieferung erfolgt in der Reihenfolge der Subskriptionseingänge sofort nach Erscheinen — ca. 12. Mai. Fnck, Basel SMp£ß£_Iii7ßrn Verlag Hallwag Bern Abteilung für Autotouristik

Jikus dei Da der Anstoss zum Ausbau der schweizerischen Strassen — und speziell der Alpenstrassen — vom Auslande her kommt, gebührt es sich, dass wir eine kurze Betrachtung über die Strassenprojekte in der Schweiz, mit den Projekten des Auslandes beginnen. Seit 33 Jahren sind in der Schweiz keine neuen Alpenstrassen mehr gebaut worden. Die letzte war der Umbrail. In dieser Zeit hat uns das umliegende Ausland im Strassenbau den Rang abgelaufen. Wir nennen folgende wichtige Bauten: In Oesterreich wurden noch während des Krieges einige Tiroler Passstrassen ausgebaut, die jetzt teilweise in italienischem Besitze sind. Nach dem Kriege erkannte das verarmte Land bald den grossen Wert seines Fremdenverkehrs und baute seine Alpenstrassen aus. Zunächst den Arlberg und die Nordrampe der Brennerstrasse. Sodann wurde aber das grosszügige Projekt der Grossglocknerstrasse in Angriff genommen. Die Hochstrasse führt von Salzburg nach Heiligenbluth in Kärnten. Sie ist nach neuzeitlichen Erfordernissen mit einer Mindestbreite von 6 Meter ausgebaut, in den Kurven 8—10 Meter breit. Maximalsteigung nur ausnahmsweise 12%. An 16 besonders schönen Stellen wurden Parkplätze angelegt, damit die Fahrer in Müsse die Aussicht geniessen können. Die Kosten waren auf 25 Millionen Schilling veranschlagt. (Es soll auch Schweizer Kapital dabei beteiligt sein!). Durch den beabsichtigten Ausbau der Plöckenpassstrasse gewinnt Oesterreich quer durch Tirol einen Zugang bis nach Venedig und an die blaue Adria. Italien hat in den letzten Jahren — wie ja überall bekannt ist — im Strassenbau Grosses geleistet. Neben den bekannten Autostrassen in Oberitalien wurde eine Lastwagensträsse von Mailand nach- Genua gebaut und die berühmte Küstenstrasse an der Riviera ausgebaut. Von den Dolomitenstrassen nennen wir nur den Sella-, Falzarego- und Pordoipass. Rund um den Gardasee führt eine einzigartige Strasse, die ein Anziehungspunkt für alle fremden Automobilisten ist. An Projekten nennen wir, neben dem Ausbau des Autostrassennetzes in Oberitalien (Turin- Venedig) die Errichtung einer Hoohstrasse bis in 2000 Meter Höhe im Aostatal und eine Strasse auf den Monte Mattarone. Die Autöstrasse auf den Aetna ist vor kurzem dem Verkehr übergeben worden. Erfolg dieser ProieLtm Strassenpolitik: 1932 reisten in Italien 1900 Millionen Fremde ein, wovon 1100 Millionen mit dem Automobil! In Frankreich wurde die bekannte Route des Alpes ausgebaut. Es ist dies ein ganzes System prächtiger Bergstrassen. An der Riviera sind es die Grande Corniche und die Moyenne Cornjche, die dem Automobilisten eine aussichtsreiche Fahrt längst der Küste gewähren. In diesem •Jahre soll der «höchste Pass für Automobile», der Col de l'Iserän (2771 m) dem Verkehr übergeben werden. Doch die grössten Projekte gelangen in Deutschland zur Verwirklichung. Neben dem gigantischen Projekt eines Autostrassennetzes ist noch das Projekt einer Queralpenstrasse vom Bodensee nach Berchtesgaden (450 km) und das Projekt einer Schwarzwaldhöhenstrasse zu erwähnen. Beide Projekte werden unseren Bergstrassen ans die Seite gestellt werden können und eine. Konkurrenz für unsere Fremdenverkehrsgebiete bilden. Was tut die Schweiz? Auch bei uns existieren „, schon mehrere, Projekte, die auf ein respektables Alter zurückblicken können. So wird z. B. seit 120 Die weiten Kurven des Berninapasses. Jahren schon vom Projekt der Sustenstrasse geschrieben und gesprochen. 1909 wurde darüber bereits eine bundesrätliche Botschaft erlassen. Die Pläne sind ebenfalls vorhanden und die Berechnungen, welche mit einem totalen Kostenaufwand von 20 Millionen Franken rechnen. Der Susten würde mit den anschliessenden Pässen Klausen, Flüela, Ofen nach Osten und Jaün nach Westen eine Transversalverbindung von Santa Maria in Graubunden- bis nach Genf bilden, die wir ruhig der Dolomitensfrasse oder der französischen Routes des Alpes an die Seite stellen könnten. Die wichtigen- Fremdenverkehrsgebiete am Genfersee, Bernar Oberland, Vierwaldstättersee und Graubündens würden damit untereinander verbunden. Als zweites wichtiges Projekt möchten wir die Walenseestrasse nennen. Auch dieses Projekt kann schon auf eine mehrjährige Existenz zurückblicken. Seinen Grund hat das Projekt in dem Hindernis der Kerenzerbergstrasse, welche für den durchgehenden Awtomobilverkehr und.•besonders den Verkehr im Winter ungeeignet ist. Die Strasse Mühlehorn-Wallenstadt ist dem zunehmenden Autoverkehr nicht mehr gewachsen. Man konnte sie}),., nicht gleich von Anfang an auf eine Strasse am linken Ufer einigen und so wurden sogar zwei Projekte ausgearbeitet, eines vom Kanton St. Gallen für eine rechtsufrige Strasse und eines vom Kanton Glarus und einem besondern Komitee für die Walensee- Automobil-Revue Nr. 35 II. Blatt Bern, 28. April 1936 3M diese* TUunmet: Graubundens Alpenstrassen. Rundfrage bei den ACS- Präsidenten. Vom Pillon zum Brünig. Das Sustenpröjekt. Eerenzerberg- oder Walenseestrasse? Die Gotthardstrasse. strasse für eine linksufrige Strasse. Die beteiligten Kreise einigten sich schliesslich auf das linksufrige Projekt, nachdem die Berechnungen und die Untersuchungen der Ingenieure dessen Ueberlegenheit ergeben hätten. Die Fahrbahnbreite dieser Strasse hält sich an die Normalien für Bergstrassen, nämlich 6 Meter Fahrbahnbreite, 2 Meter Radfährund Fussgängerweg. Höchststeigung 5K%, Kurvenminimalhalbmesser von 50 Meter. Die Länge der Strasse beträgt 20,9 km (linkes Ufer). Es sind zwei Tunnels von 90 Meter Länge und 104 Meter Länge projektiert. Die Kosten sind auf rund 10 Millionen Franken veranschlagt. Neuerdings wird wieder einer rechtsufrigen Stras.se der Vorzug gegeben, nachdem sich der Kanton Glarus an der Walenseestrasse desinteressiert erklärt hat. Das dritte grosse Alpenstrassenprojekt betrifft eine linksufrige Vierwaldstätterseestrasse. Auch dieses Projekt hat eine interessante Vorgeschichte. Es geht,nämlich zurück auf das Projekt einer linksufrigen Eisenbahn, für welche schon die Pläne für das Trace abgesteckt waren. Diese Pläne konnte das Komitee, für die linksufrige Vierwaldstätterseestrasse als Grundlage seines Projektes verwenden. Unter der Leitung von Herrn Direktor Fellmann arbeitete das Ingenieurbureau Erni & Schröter in Luzern ein Projekt für eine Strasse von Stansstad nach Altdorf dem linken Seeufer entlang aus. Die Strasse führt über Starts nach Buochs-Beckenried (das umfahren wird) und Seelisberg. Hier wurden zwei Varianten ausgearbeitet, die eine Beckenried-Schöneck-Emmetten-Seelis- Das Gesicht des Rlpenpasses Von Hans Rudolf Schmid. Die schweizerischen Alpenpässe sind Wege zum Süden. Von den zwanzig oder fünfundzwanzig Durchgangsstrassen der Alpen haben nur drei oder vier einen anderen Sinn als den, die Tiefländer des Nordens und des Südens zu verbinden. Der Alpenpass hat im Gedächtnis der deutschen Menschheit eine besondere Bedeutung; denn Süden ist mehr als ein geographischer Begriff, Süden ist die Verheissung der gelobten Stadt, nach welcher die deutschen Könige pilgerten, um die letzte Weihe zu empfangen und mit den Insignien des Römischen Kaisertums belehnt zu werden. Ihr Fuss heftete sich auf den Felsenpfad der Alpen, bald auf den Septimer, bald auf den Lukmanier, bald auf den Grossen Sankt Bernhard, der seinen Beinamen nicht zu Unrecht trägt, sind doch gerade mit seinem Namen Ereignisse verknüpft, die auf Höhepunkte der europäischen Geschichte hinweisen. Karl der Grosse,. Friedrich Barbarossa, Bonaparte habe ihn mit ihren Heeren überschritten. So hat man die Bedeutung der Alpenpässe für die Strategie in frühester Zeit erkannt, wo eben dieser Grosse St. Bernhard vielleicht schon eine römische Fahrstrasse besass. Napoleon Hess den Simplon bauen, und der Sieger von Waterloo, Wellington, forderte auf dem Wiener Kongress die Zerstörung dieses damals unerhört modernen Alpenübergangs, weil sonst die Franzosen über Nacht in Pantoffeln auf die Lombardei losmarschieren könnten ! Die Strasse, die als weisses Band über hängende Wiesen und nackte Felsenhalden emporflattert, ist auch eine technische Angelegenheit. Ihren Baumeistern stellt sich die Aufgabe, die Strasse so zu führen, dass die Ueberwindung der Höhenunterschiede für die : treibende Kraft des Fahrzeuges eine gleichmassige Beanspruchung bedeutet. Somit gibt es Höchstmasse für Steigung und Gefälle, die die Bildung ausgedehnter Schleifen nötig machen; haarnadelförmige Kehren werden übereinander getürmt, die Strasse ragt bei jeder Biegung in die Luft hinaus. Die bekanntesten Beispiele dafür sind die Strecken vom Gotthard-Hospiz durch die Val Tremola nach Airolo und die Grimselstrasse an der Maienwand zwischen Totensee und Gletsch. An solchen Stellen kommt es nicht selten vor, dass die Strassenstrecke ein Vielfaches der Entfernung ihrer Endpunkte in der Luftlinie darstellt. So misst die Strecke Gletsch-Totensee in gerader Linie anderthalb Kilometer, die Strasse legt deren 5,6 zurück und überwindet dabei 400 Meter Höhenunterschied. An der San Bernardino-Strasse ist das Verhältnis auf einer. 16 Kehren zählenden Strecke zwischen der Rheinbrücke bei Hinterrhein und dem Masekbach sogar 0,6 zu 3,4 Kilometer, und die obgenannte Strecke des Gotthard- Südhanges zwischen den beiden Brücken über die Tremola zeigt 0,98 Kilometer Luftentfernung, wogegen die Strasse mit ihren 24 Kehren eine Länge von 4,5 Kilometern aufweist. * Ausser den Höhenunterschieden bildet aber auch die örtliche Bodengestaltung für den Strassenbau einen bestimmenden Faktor. In engen, schluchtenreichen Tälern ist die Führung von langen, geraden Strecken oft unmöglich. Rutschhalden und Lawinenzüge müssen umgangen, Partien von faulem Fels und solche mit Steinschlaggefahr gemieden werden. Die Rücksicht auf Schneeräumungsarbeiten führt oft dazu, dass man die Sonnenseite der Täler für Strassenbauten bevorzugt. Die Steigung der Alpenstrassen wird , in der Schweiz immer, in Prozenten angegeben, d. h. nach der Höhe, um welche die Strasse auf 100 Meter ansteigt. Während die neueren Bauten normalerweise 8 und nur in Ausnahmefällen auf kurze Strecken 9 oder 10 Prozent Steigung aufweisen, kann man Steigungen bis zu 11 Prozent an der Furka, an der Flüela- und an der Malojastrasse, bis zu 12 Prozent am Julier, an der Lenzerheide und am Bernhardin finden; die Strasse über den Simplon steigt stellenweise bis zu 13, diejenige von Andeer nach Avers-Cresta bis zu 14 Prozent, das Höchstmass von 16 Prozent Steigung ist am Grossen St. Bernhard zu suchen. Den Wechsel zwischen steilen und schwächer ansteigenden oder sogar flachen