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E_1936_Zeitung_Nr.036

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BERN, Freitag,!. Mai 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N» 36 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITU Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinlfiressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Untallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erseheint Jeden Dlenstan and Fraltag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe U»U" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Brcitcnrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: AutoreTue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Die INSERTIOJj^PREIS: achtgespaltene 2 mnvh^^^rundzeile oder deren Raun mserate nach Spezialtarif.. vor Erscheinen der „ Dir will ich den Meister zeigen!" , Reflexionen zum Kapitel Ueberholen Mit Recht hat Herr Dr. Leuenberger in Nr..25 der «Automobil-Revue» die gesetzlichen Bestimmungen über das Vorfahren in Erinnerung gerufen. Dieses Manöver ist tatsächlich eines der gefährlichsten und führt bei uns zu den meisten Unfällen. Von den Gerichten werden Verstösse gegen die Regeln des Vorfahrens meist streng geahndet. Wer beim Vorfahren einen Schaden stiftet oder eine Verletzung verursacht, hat vor Gericht stets einen schweren Stand. Wenn das Ueberholen als gefährliches Manöver gilt und wenn bei dessen Ausführung viele Unfälle passieren, so liegt die Ursache davon sehr häufig in unvorsichtigem Fahren des Überholenden. Nicht minder aber scheint mir das Verhalten derjenigen, die überholt werden, zur Erhöhung der Gefahr beizutragen. Da sind einmal jene zu nennen, die sich Sn ihrer automobilistischen Ehre gekränkt fühlen, wenn ihnen ein anderer Wagen vorfährt, jene « Auch-Automobilisten », die einem schneller fahrenden Wagen nur zögernd Raum geben und während des Vorfahrens ihre Geschwindigkeit erhöhen, um dem andern « den Meister zu zeigen ». Dass solche Elemente nicht ans Steuerrad gehören und eine grössere. Gefrhr bedeuten als die schlimmsten- Schriellfahrer, bedorf keiner weitem Begründung. Bemerkenswert ist dabei, dass aus dem Text des MFG nicht einmal eindeutig hervorgeht, ob der Gesetzgeber eine derartige Fahrweise verbietet oder nicht Art. 26 Abs. 4 sagt lediglich, dass dem schneller fahrenden Wagen die Strasse zum Ueberholen freizugeben ist Wo das Gesetz leider schweigt. Mir scheint, dass man bei der gesetzlichen Regelung des Vorfahrens einen Schritt weiter hätte gehen und dem zu überholenden Fahrer vorschreiben sollen, dass er das Vorfahren des andern zu erleichtern habe. Es dürfte Einigkeit darüber bestehen, dass das Ueberholen ein im Straßenverkehr notwendiges Manöver ist. Jeder schneller Fahrende hat ein Recht darauf, den Langsameren zu überholen. Dabei spielt es keine Rolle, aus welchen Gründen dieses Recht in Anspruch genommen wird, ob es der Vorfahrende sehr eilig hat, ob er einen stärkern Wagen besitzt oder ob er ein besonders temperamentvoller Fahrer äst. Am allerwenigsten liegt es in der Kompetenz des langsameren Fahrers, über die Berechtigung des andern zum Vorfahren zu entscheiden. Sobald die objektiven Voraussetzungen zum Ueberholen gegeben sind (genügende Strassenbreite, freie Vorfahr- F E U I L L E T O N Der Seewolf. Von Jack London. 27. Fortsetzung. «Die beiden haben sicher genug vom Desertieren», meinte ich. «Nehmen Sie sie an Bord und seien Sie anständig gegen sie. Was sie auch getan haben: sie sind dazu getrieben worden.» «Durch mich?» «Durch Sie», entgegnete ich fest. «Und ich warne Sie, Wolf Larsen, ich könnte meine Liebe zum Leben vergessen über dem Wunsche, Sie zu töten, wenn Sie in Ihrer Rache an diesen Unglücklichen zu weit gehen.» «Bravo!» rief er. «Sie machen mir wirklich Ehre, Hump! Sie machen sich, und darum habe ich Sie gern.» Er änderte Stimme und Ausdruck. Sein Gesicht wurde ernst. «Glauben Sie an Versprechungen?» fragte er. «Sind sie Ihnen heilig?» «Natürlich»,, erwiderte ich. «Dann sehliessen wir einen Pakt», fuhr er strecke usw.), so hat der langsamer "Fahrende die Strecke freizugeben. Dabei kommt der Schnellere stets in eine gewisse Zwangslage : einerseits sollte er das Ueberholungsmanöver rasch vollziehen, um die andere Strassenseite möglichst bald wieder freigeben zu können, anderseits schreibt ihm das Gesetz vor (Art. 46 der Vollziehungsverordnung zum MFG), dass er beim Ueberholen besonders vorsichtig fahren müsse. Hat nicht auch der zu Ueberholende Rücksicht zu nehmen? Meiner Auffassung nach hat es einzig und allein der zu Ueberholende in der Hand, dem Vorfahrenden die Befolgung dieser Vorschriften zu ermöglichen und ihm das" Manöver wesentlich zu erleichtern. Das geschieht dadurch, dass er genügend weit nach rechts fährt, durch ein Handzeichen zu verstehen gibt, dass er den andern vorlassen will und gleichzeitig sein Tempo etwas reduziert. Dadurch wird die Vorfahrtstrecke erheblich verkürzt und die Bahn für entgegenkommende Fahrzeuge schneller wieder frei, ohne dass der Ueberholende eine übersetzte Geschwindigkeit einzuhalten braucht. Es ist meines Erachtens unrichtig, wenn sich der langsamere Fahrer auf den Standpunkt stellt, dass er nur-auszuweichen habe und im übrigen berechtigt sei, sein bisheriges Tempo beizubehalten, der andere möge sehen, -wie er sich aus der Sache zieht. Das mag auf breiten Autostrassen ohne Gefährdung möglich, sein. Auf unsern kurvenreichen Strassen, In der Sitzung des Nationalrates vom 24. April wurde von Nationalrat Bratschi, dem, Sekretär der Eisenbahner, folgende Motion gestellt: « Der Transport von Gütern mit Motorfahrzeugen auf den öffentlichen Strassen hat einen Umfang angenommen, der vom Standpunkt der Konkurrenzierung der Eisenbahnen und damit der Finanzen dieser Unternehmungen und des Bundes, vom Standpunkt der Ausgaben für den Strassenbau und Strassenunterhalt und damit der Finanzen der Kantone, sowie vom Standpunkt der Sicherheit auf den Strassen -zu schweren Bedenken Anlass gibt. Der Bundesrat wird eingeladen, unverzüglich die organisatorischen und gesetzgeberischen Mässnahmen durchzuführen, beziehungsweise den eidgenössischen Räten zur Beschlussfassune vorzu- fort, dieser vollendete Schauspieler. «Wenn ich verspreche, keine Hand an Leach und Johnson zu legen, versprechen Sie mir dann, nicht zu versuchen, mich zu töten? — Qh, ich fürchte mich nicht vor Ihnen, das nicht», beeilte er sich hinzuzufügen. Ich wollte kaum meinen Ohren trauen. Was ging in dem Manne vor? «Abgemacht?», fragte er ungeduldig. «Abgemacht», antwortete ich. Er streckte mir die Hand entgegen, aber als ich sie herzlich schüttelte, hätte ich schwören können, seine Augen höhnisch aufblitzen zu sehen. Wir schlenderten über die Ruff nach Lee. Das Boot war jetzt fast zum Greifen nahe und befand sich in einem elenden Zustande. Johnson steuerte, während Leach schöpfte. Wolf Larsen bedeutete Louis, etwas seitwärts zu halten, und wir schössen, keine zwanzig Fuss in Luv, an dem Boot vorbei. Die ,Ghost' narrte sie. Das Sprietsegel flatterte schlaff,-und das Boot richtete sich auf, was die beiden Männer schleunigst veranlasste, die Plätze zu wechseln. Das Boot stampfte, und während wir uns jetzt auf einer hohen Woge hoben, stürzte es tief hinab. I besonders im Gebirge, kann eine solche M^p- j talität sehr verhängnisvoll werden. Oft wi es dem schnelleren Fahrer deswegen au 1 lange Strecken überhaupt nicht möglich sein, vorzufahren, wenn er nicht ein grösses Risiko auf sich nehmen will. Wer'schon von Amsteg bis Göschenen hinter einem langsameren Wagen hergegondelt ist, der wird bezeugen können, wie lästig eine solche Fahrerei ist und wie wenige Strecken es gibt, an welchen vorgefahren werden kann. Anderseits kostet es den Vorausfahrenden nur wenig Mühe, für einige Sekunden seine Geschwindigkeit zu reduzieren und dem Andern ein Zeichen zu: geben, dass er das Vorfahren vollziehen könne. Leider gehört bei uns eine solche Fahrweise noch zu den Seltenheiten. Gewiss : keine Regel ohne Ausnahme. So kann man es erleben, dass die grossen Cars alpins auf der Strecke Engelberg-Grafenort anhalten oder ihr Tempo stark, reduzieren, um die schnelleren Wagen vorfahren zu lassen. Dadurch gestaltet sich das Ueberholen auf dieser Bergstrecke völig ungefährlich, während der grosse Wagen kaum eine Minute Zeit verliert. Leider bietet uns das Gesetz keine Handhabe dafür, eine solche Fahrweise zu erzwingen. Das MFG schreibt lediglich vor, dass dem sich ankündigenden, schneller fahrenden Fahrzeug durch Ausweichen nach rechst die Strasse zum Ueberholen freigegeben werden müsse. ,Aber auch ohne gesetzliche Vorschrift sollten die Strassertbettützer so weit kommen, sich das Vorfahren durch gegenseitige Rücksichtnahme zu erleichtern und diesem Manöver damit das Odium der besonderen Gefährlichkeit zu nehmen. Dr. B. Wettstein, Zürich. Snndesrat ?ilet winkt ab Die Motion Bratschi wird begraben! legen, die notwendig sind, um zu einer Gesundung im schweizerischen Verkehrswesen zu gelangen. Dabei ist insbesondere die Angliederung eines einfachen und den Verhältnissen entsprechenden bahneigenen Zubringerdienstes an die Bundesbahnen, die enge Zusammenarbeit dieses Bundesbetriebes mit der eidgenössischen Postverwaltung und die Einschränkung des Lastwagenverkehrs jeder Art auf grössere Distanzen in Aussicht zu nehmen. > Heute erhebt sich von allen Seiten der Ruf nach dringlichen BundesbescHlüssen. Sogar aus dem Lager der Gewerkschaften, die sich sonst als ganz besonders Wachsame Hüter der Demokratie aufspielen. Nachdem alle Versuche gescheitert sind, auf dem Wege freiwilliger Verständigung In diesem Augenblick sahen Leach und Johnson in die Gesichter ihrer Kameraden, die mittschiffs über die Reling lehnten. Keiner grüsste. In den Augen der andern waren sie Tote, und zwischen ihnen lag der Abgrund, der Lebendige und Tote scheidet. Gleich darauf befanden sie sich der Ruff gegenüber, auf der Wolf Larsen und ich standen. Wir sanken in das Wellental, während sie sich auf den Kamm erhoben. Johnson blickte mich mit. einem unsagbar zerquälten Ausdruck an. Ich winkte ihm zu, und er erwiderte meinen Gruss, aber mit einem Winken, das hoffnungslos und verzweifelt war. Es war, als nehme er Abschied. Leachs, Augen konnte ich nicht fangen, denn er schaute mit dem alten unversöhnlichen Hass Wolf Larsen an. Dann waren sie achteraus gekommen. Plötzlich füllte sich das Sprietsegel mit Wind, und das offene Fahrzeug kfengte so, dass es aussah, als sollte es kentern. Eine Sturzsee schäumte darüber hinweg und begrub es unter schneeweissem Gischt. Dann hob sich das Boot wieder. Es war halb voll Wasser, und Leach schöpfte wie wahnsinnig, während ragen in Phantasie und Wirklichkeit. Mercedes-Benz « LOF 6 » Dieselmotoren. Aus der Welt des Sports. Einfahren eines Wagens. eine vernünftige Einschränkung der Konkurrenz im Motortransportgewerbe zu erreichen, und nachdem durch die Ablehnung des Verkehrsteilungsgesetzes auch die beabsichtigte Ordnung des Tarifwesens ins Wasser gefallen war, hat die Aspa — wie wir kürzlich dargelegt — keinen andern Ausweg gesehen als angesichts der schweren Notlage im freien Transportgewerbe den Staat um einschränkende Mässnahmen anzugehen. Die Aspa befindet sich mit diesem Begehren in guter Gesellschaft. Vorangegangen sind die Hoteliers, die Warenhäuser, die Uhrenfabrikanten, die Schuhmacher, und heute folgen ihren Fußstapfen bereits die MöbelindüstrieTlen und Möbelhändler. Und alle sind damit einverstanden, dass der Staat der Berufsfre> heit Grenzen ziehe. Wie in andern Wirtschaftsgebieten ist auch in der Domäne unseres Verkehrswesens eine Ueberdimensionierung festzustellen. Unter der Herrschaft der freien Konkurrenz ist unser Verkehrsapparat allmählich in eine Ueberentwicklung hineingeglitten, die volkswirtschaftlich keine guten Früchte tragen kann. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Hypertrophie, welche durch das Motorfahrzeug bewirkt worden wäre, nein, diese übermässige Ausdehnung des Verkehrsappärates hat schon unter der Herrschaft der Eisenbahnen eingesetzt. Natürlich wollen das die Herren Kritiker aus den Gewerkschaftskreisen nicht wahr haben. Vielmehr belieben die Koryphäen der Bundesbahnen — weil es billig ist wie Brombeeren am Weg — im Automobil den einzigen und ausschliesslichen Sün^enbock zu erblicken. Vom gleichen Geiste ist auch die oben zitierte Motion Bratschi erfüllt, verlangt sie doch 1. einen bahneigenen Zubringerdienst als Asto-Ersatz; 2. eine Zusammenarbeit der Motortransporte der Bahnen mit der Postverwaltung; 3. die Einschränkung des Lastwagenverkehrs jeder Art auf grössere Distanz. Johnson sich, weiss vor Angst, an die Ruderpinne klammerte. Wolf Larsen lachte kurz und spöttisch und schritt nach der Achterhütte. Ich erwartete, dass er befehlen würde, beizudrehen, aber die ,Ghost' hielt ihren Kurs, und er gab kein Zeichen. Louis stand unbeweglich am Steuerrad, aber ich bemerkte, dass die vorn in Gruppen stehenden Matrosen uns bestürzt anblickten. Immer weiter schoss die ,Ghost\ bis das Boot nur noch ein kleiner Punkt war. Da ertönte Wolf Larsens Stimme, die befahl, steuerbord, zu halsen. Wir gingen zurück, zwei Meilen oder mehr in Luv der mit den Wellen ringenden Nussschale, dann wurde der Aussenklüver niedergeholt, und wir drehten bei. Robbenböötesirid nicht dafür eingerichtet, gegen den Wind zu gehen. Sie sind darauf angewiesen, sich in Luv zu halten, um, wenn der Schoner anfährt,- vor dem Winde laufen zu können. In dieser ganzen wilden Einöde gab es" jedoch 1 keine Zuflucht für Leach und Johnson aüsser der ,Ghost', und sp begannen sie entschlössen gegen den Wind anzukämpfen. Es ging nur langsam in der schweren See. Jeden •Augenblick konnten sie unter den schäumenden