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E_1936_Zeitung_Nr.036

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10 AUTOMOBIL-REVUE

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BERN, Freitag, 1. Mai 1936 Automobil-Revue. II. Blatt - Nr. 36 Hermann Hiltbrunner Unsere Täler Ein Tal ist immer etwas Abgeschlossenes oder doch etwas Geschlossenes, und behauptet eine relative Selbständigkeit bis in die Gebräuche, bis in die Bauart von Häusern und Menschen und bis in deren Dialekt. Täler sind Einheiten, Individuen, Sonderexistenzen. Unser Land hat viele hundert Täler. Wir sind daher nicht unter einen Hut zu bringen, nicht über einen Leisten zu schlagen. In dieser Hinsicht ist uns das Flachland entschieden überlegen, aber kein Schweizer wird es um d i e s e Ueberlegenheit beneiden. Sehen wir uns um in unsern Tälern: wie liegen sie schosshaft still und voller Friede zwischen den Bergen! Der Talgrund ist grün, Matten, Wiesen, denen kein Wasser fehlt, umgeben das Dorf. Die beiden Talhänge sind vielleicht ungleich, der Schättenhang ist bewaldet, der Sonnenhang aber eine grosse, von Ställen und Hirtenhütten besetzte Weide. Befinden wir uns aber im Wallis oder in einem südlichen Tale, dann sehen wir dessen Sonnseife als Weinberg. Auch die Innenseite des Jura, ewigschön der Sonne zugeneigt, trägt Weinberge; der ansteigende Jura ist der Sonnenhang des grössten Tales der Schweiz: des Mittellandes. Unsere Täler, insbesondere unsere Alpentäler, lehren uns das Wunder der steigenden und fallenden Erde und der steigenden und fallenden Wasser — der steigenden, wenn die Nebel talaufwärts ziehen — sie lehren uns Höhenunterschiede, und Höhenunterschiede sind Wesensunterschiede. Verglichen mit einem Alpental ist die Ebene von tötender Gleichartigkeit. Gleiche Eigenschaften und gleiche Verhältnisse auf weiteste Strecken erwekken den Eindruck von etwas Eigenschaftslosem. Hier aber wechselt das Antlitz der Erde von hundert zu hundert Meter im Erstrecken wie im Erheben. Jedes Dorf hat seine eigene Heuernte. Die Jahreszeiten bewegen sich nicht nur im Kalendersinn, sondern auch im räumlichen Landschaftssinn. Alles Ergrünen, Blühen und Reifen schreitet vom Tal zum Berg, alles Aufhören, Erlöschen und Ausruhen schreitet vom Berg zum Tal. Niveau — das ist hier nicht Schall und Rauch eines Wortes, das ist Erlebnis, Ausdruck, Wirkung. Und weiter lehren uns unsere Täler das menschliche Eingeborensein in die Landschaft. Die Talgemeinschaft ist eine Tatsache, ein Resultat, das Ergebnis einer langen, urlangen Entwicklung. Sie ist etwas Gewachsenes, nicht, wie das Kollektive, etwas Gepredigtes, Geplantes, künstlich Gewolltes. Unsere Täler haben Stufen, Stufen im Längsverlauf und Stufen im Querprofil. Alpauffahrt und Alpabfahrt sind jahreszeitliche Wanderungen von Stufe zu Stufe. Maiensässe vereinigen sich auf diesen Schultern im Hange zu wahren Sommerdörfern. Zwischen Terrasse und Terrasse schwingt sich der steilere Hang, und der Fichtenwald, der ihn besetzt hält, steht unter der Obhut der ihn nützenden Talbewohner. Dort oben, wo die Tallehne in ihrem Aufschwung zu den Gipfeln Halt, wo sie gleichsam eine Pause macht und ausruht, wandern wir ohne Ermüdung ebenen Weges und sehen hinab ins Tal und hinüber zu den Gipfeln. Der Horizont ist unendlich geweitet, das Hohe ist noch höher, die Tiefe aber noch geräumiger geworden. Der Rauch aus dem Schosse des Tales steigt auf zu den Bergen. Er ist gleich einem Dankopfer für die göttlich Thronenden, die das Licht der Welt aus erster, aber auch aus letzter Hand erhalten. Wir hören die stumme Bergpredigt, wir lauschen den Verkündern der ungeheuren Stille, die den Himmel zu tragen scheinen, wir lehnen uns in Gedanken über diese äusserste Brüstung und schauen hinaus in die heilige Leere des Weltalls.... und Seen Jetzt aber ertönt der Gesang des Tales, ein Orgelbrausen aus der Tiefe bringt uns der Erde zurück. Der Talfuss rauscht und sein Rauschen ist ein Choral unter den abendlich glühenden Gipfeln, ist eine Litanei unter der rötlich durchstrahlten Leere. Dem Talfluss, auch ihm gebührt Ehre, er ist der König des Tales, er ist der Schöpfer, aber auch der Erhalter dieser grossen Wohnstube, in die wir nun, innern Friedens voll, gemächlich hinabsteigen. Die grossen Geschiebetransporte der tälerbildenden und tälererhaltenden Flüsse würden unser Land in nicht geringe Verlegenheit versetzen, ja, würden es geradezu in Not und Gefahr bringen, wenn wir nicht in unsern Seen ausreichende Klärbecken für alle diese schaffenden Wasser besässen. Da liegen sie, alle diese wunderbaren Augen unserer Muttererde, blank und blau unter den Jahreszeiten und ihren Tagen, silbern und rätselhaft unter dem Glanz des Mondes. Die Flüsse rauschen heran, ergiessen sich in diese Becken, schütten die ganze Last ihres langen, ihres wie oft gehemmten Laufes, in deren Schoss. Sie brausen heran, wenn sie Hochwasser führen, erdbraun sind ihre Fluten und beladen mit der Wucht fester und schwebender Stoffe — aber den See vermögen sie kaum zu trüben. Die grobe Fracht schütten sie beim Eintritt in die Seen zu einem Schuttkegel auf. Unter Wasser wächst er heran, langsam taucht er auf, ein Delta entsteht, Land, Neuland bildet sich, bildet sich auf Kosten des Sees, aber sein Auge bleibt klar, obwohl er ahnen muss, dass sein Schicksal besiegelt ist... Unsere Seen Hingen nicht Brienzer- und Thunersee einst zusammen und bildeten einen See? Waren in noch frühem Zeiten Zürich- und Walensee nicht eins? Wird nicht die Maggia ihr Delta an das gegenüberliegende Ufer schieben und einen Restsee zwischen Locarno und der Tessinmündung abschnüren, der dann von den Geschieben in kurzer Zeit ausgefüllt sein wird? Mauern nicht Rhein und Rhone ihre Schuttkegel bedrohlich breit und schnell hinaus in ihre Seen? Die Reuss ladet bei Flüelen Jahr um Jahr wenigstens 150,000 Kubikmeter Gestein in den Urner-, die Kander beinahe doppelt so viel in den Thunersee ab. Diese Schottermassen, verteilt auf die Einzugsgebiete der beiden Flüsse, ergeben eine Gesteinschale von einem Fünftel-Millimeter für das Reuss-, von drei Zehntel-Millimeter für das Kandergebiet. Niemandem fällt es schwer, an Hand dieser Zahlen Erkenntnisse über das Schwinden der Alpen zu gewinnen. Aber es kommt noch ein weiterer Betrag dazu: der auf das Flussgebiet verteilte Abtrag an gelösten oder vielmehr im Flusswasser als Flusstrübe schwebenden Stoffe. Im Gegensatz zum gerollten Material, das liegen bleibt, wo der Fluss seine lebendige Kraft verliert, wird das geschwemmte, geschlämmte Material weit in den See hinausgetragen. Es bleibt tage-, ja wochenlang im gesamten Seewasser schweben, gleichsam aufgehängt, suspendiert. Mit ten im Brienzersee liegt in einer Tiefe von 250 Metern ein Zinnkasten, mit dem die Höhe des jährlichen Schlammabsatzes gemessen wird Im Sommerhalbjahr setzt sich eine Schlammschicht von 18 Millimeter ab, im Winterhalbjahr eine solche von vier Millimeter. Um mehr als zwei Zentimeter also erhöht sich der Boden des Brienzersees jährlich. Auch das ist Aufschüttung, auch das ist Landbildung in aller Stille und Heimlichkeit. Lässt man diesen Schlammabsatz abtrockne und bringt die kalkigen Ausscheidungen des Sei s selbst in Abzug, dann ergibt sich, dass die Besamte Schlamm-Menge ungefähr ein Drittel Zier Schottermenge ausmacht. Was sich beispielsweise während eines Jahres auf dem Boden des /rnersees an Schlamm niederschlägt, entspricht' Kubikmeter zerriebenen Gesteins. UmgerecT auf die Flächeninhalte der jeweiligen Flussgebiete hat man den jährlichen Gesteinsabtrag der Alpen insgesamt auf 0,4 bis 0,5 Millimeter bestimmt. Das sind Zahlen, blosse Rechnerei, vielleicht nicht einmal völlig zutreffende Rechnerei; aber hinter all diesen auch noch so unpräzisen Zahlen braust die Musik des Untergangs. Wenn diese Vorgänge in gleicher Weise andauern, so ist der Urnersee in 20,000 Jahren zugeschüttet. Auch das ist Zukunftsmusik. Poesie des Werdens vielleicht, ein fernhertönendes Lied der Entstehung und des Aufbaus. Auch eine solche Betrachtung der Dinge ist gerechtfertigt. Hat nicht der Mensch es sich immer schon zur Ehre angerechnet, dem Wasser Land abzugewinnen und die Natur zu korrigieren? Nicht jeder See ist der Zuschüttung in gleicher Weise ausgesetzt, nicht in jeden fliessen gleich zwei so starke Gletscherflüsse wie in den Brienzersee. Aber das Wort muss fallen: alle stehenden Gewässer, die nicht Meer sind, verfallen der Verlandung. Sie wachsen zu von unten her, aber sie wachsen auch zu von der Seite her. Alle Moore sind verlandete Seen. Wasser- und Uferpflanzen Im Rhythmus der Scholle. unterstützen die Tätigkeit der Flüsse. Es gibt eine biologische oder organische und eine mineralogische, anorganische Verlandung. Alle unsere grossen Seen zeigen ihren Ufern entlang einen mehr oder weniger geschlossenen Verlandungsgürtel. Vorläufig aber freuen wir uns an unsern Seen, an diesen wassererfüllten Tälern, an all diesen Becken, die uns als Ueberreste des Meeres erscheinen, das unser Land einst beherrschte. Die Schneeschmelze macht ihren Spiegel steigen, die Winterkälte macht ihn sinken. So haben auch sie eine Ebbe und Flut, haben sie in Form jahreszeitlicher Gezeiten. Wenn der Schnee auf den Bergen schmilzt, wenn Regenfluten das Land überbrausen, die Schleusen des Himmels sich öffnen, dann sind unsere Seen die Aufnahmebecken: sie halten auf und halten zurück und regulieren das Regellose. Ein Fluss kann zum Fluch werden, ein See ist immer ein Segen. Gesegnet, erleichtert, innerlich gewachsen und geläutert, schöner und grösser geworden, verlässt ihn der Fluss. S&sSiiilläiiU&asi mmm msm Photo Nino (Zlan)