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E_1936_Zeitung_Nr.036

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Automobil-Revue •—

Automobil-Revue •— N° 36 Ausgesprochene Bergseen haben diese bessernde Einwirkung auf den Fluss nicht nötig. Denn fast immer sind es nur Bächlein, die von Hängen niederhüpfen und ihn füllen: junge Wasser ohne langen Lebenslauf und Schwere des Schicksals. Gegen 1400 solcher Alpenseelein hat man gezählt, und wo wäre der Schweizer, der noch nie an solch einem stillen Orte gesessen und sich ausgeruht hätte! Fast jeder See hat sein besonderes Farbenspiel. Kleinere können in ihrer Farbe durch den Untergrund bestimmt sein, so wie das berühmte Blauseelein. Die Namen Weißsee, Schwarzsee, Rotsee, Blutsee, Braunsee bezeichnen stehende Wasser, die ihre Färbung hauptsächlich einer gewissen Schwebeflora und -fauna verdanken. Im allgemeinen erscheint aber das Wasser der meisten Seen in nicht zu dünner Schicht blau. Das Blau des Genfersees ist allbekannt, das des Thunersees ist ihm ebenbürtig. Kleinere Mittellandseen werden im Hochsommer so viele Kleinlebewesen beherbergen, dass ihr Wasser deutliche Grünfärbung erkennen lässt. Die Rotfärbungen — am Murtensee Burgunderblut genannt — werden durch massenweises Auftreten einer Fadenalge bewirkt. Moorseen können durch Humussäure braun bis schwärzlich gefärbt sein. Ungarischer Roman In der Ebene, wo schon die Wälder der Javonna beginnen und wo knallrote Füchse aus den weissen Karpathen bis an das sandige Flussufer schleichen, gibt es ein Jägerhaus. Der Jäger, der in dem Hause wohnt, ist ein bärtiger, eisgrauer Mann. Er trägt hohe Stiefel und sein Stutzen ist gross und schwer. Seine Geschichte ist kurz, sie hat aber eine dramatische Pointe und beginnt damit, dass der ungarische Baron Földvary — er hiess ganz anders, aber er hätte auch so heissen können — in den achtziger Jahren ein grosser Spieler war. Er spielte mit Leidenschaft und er verlor immer. Erst ging ein Schloss bei Szegszard verloren, samt dem dazugehörigen Gut, dann das Kastell bei Ipolysag und dann . . . und dann sass er eines Tages einem Engländer gegenüber. Dieser — er hiess, wie der Kerkermeister Napoleons, Löwe, und kaufte junge ungarische Stuten für alte englische Ställe — dieser gewann von Földvary in jener Nacht so viel, dass das letzte Kastell des Barons und der Besitz gerade noch dazu gereicht hätte, den Verlust zu decken. Da bot Földvary dem Engländer seine sechs Kaleschenpferde an, mischte die Karten und sagte seinem Diener, der während dieser Kartenpartie den Likör servierte, in, ungarischer Sprache, die der Engländer nicht verstand: «Wenn der Bursche meine Gäule gewinnt und das Herz hat, sie zu nehmen, dann stellst du dich an die Parkmauer und schiesst ihn, wenn er beim Tor herauskutschiert, nieder.» Der Engländer gewann, Földvary geleitete ihn gelassen in den Stall, übergab ihm die sechs prachtvollen Pferde samt der Kalesche und legte sich schlafen. Am nächsteh Morgen fand man diese sechs Gäule herrenlos auf einer Wiese. Die Kutsche lag mit gebrochenem Hinterrad im Strassengraben, der Engländer hingegen mit durchschossenem Schädel daneben. Vor Gericht sagte der Diener Josef Kondurka gegen seinen Herrn aus. «Ich bin nur ein einfacher Diener und habe den Befehl des gnädigen Herrn pünktlich erfüllt.» Daraufhin wurde der Lakai zu 10 Jahren Kerker, der Baron hingegen, der nicht leugnete, zu 20 Jahren Kerker verurteilt. Als Földvary die Strafanstalt verlies«, hatte er bereits graue Haare. Er hatte aber keine Frau, keine Schlösser und keine Güter mehr. Sein Vermögen bestand aus 20 Silbergulden, dieses Geld war im Szegediner Kerker durch ehrliche Arbeit erworben. Für ein paar Gulden kaufte Földvary eine Lederjoppe, ein Paar Stiefel und einen Bund Hühnerschnüre und meldete sich drei Tage später beim Fürsten Hohenlohe, wo gerade der Posten eines Revierjägers frei wurde. Der Fürst sagte «Ja» und der Baron zog in das Jägerhaus an der March. Er ist ein sehr guter, verlässr licher Jäger geworden. In seinem Revier gibt es keine Wilderer, in seinem Garten kein Unkraut. Er ist ein stiller, ruhiger Mensch, der seine Pfeife raucht, selten redet und noch seltener lacht. Bloss wenn ein Gast kommt und ihn zufällig fragt, was der eingeritzte Name «Löwe» mit dem Datum «3. 11. 1881» auf seinem alten Stutzenkolben zu bedeuten hat, lächelt der 80jährige alte Mann und antwortet: «Da müssen Sie einen gewissen Korn durka in Szegedin fragen. Der hat mir die Waffe vor vielen Jahren geschenkt, ich selbst habe aber alles vergessen.» N. F, PJ Alle diese Seen, denen wir den Untergang vorausgesagt haben, haben auch eine Entstehungsgeschichte. Viele Alpenseen sind einfache Ausräumungsbecken, kleinere Mittellandseen, Moränenstauseen, oft auch Grundwasserseen. Von ihnen wird noch zu reden sein. Die grossen Becken sind gleichzeitig mit ihrer Umgebung gebildet worden, ihr Dasein ist von den grossen erdgeschichtlichen Vorgängen nicht zu trennen. Die Seen am Alpenrand und am Jurafuss stellen Becken dar, deren Uebertiefung gegenüber dem Talboden aufs engste mit der Gebirgsbildung verknüpft ist: Ein sich auftürmendes Gebirge sinkt, wenn die schiebenden und wölbenden Kräfte sich für einmal ausgewirkt haben, um einen gewissen Betrag in die Magmazone des Erdinnern zurück. Solch ein Rücksinken bewirkte rückläufiges Gefälle: der Fluss staute sich an der Gefällsknickung und füllte das Tal hinter dieser mit Wasser. Vorzeitliche Seen befanden sich überall dort, wo Talriegel bestehen. Seit aber der Fluss diese Riegel durchschluchtet hat, ist der ehemalige See trockengelegt worden. Nirgends als in Seegebieten und im Hinblick auf Seen sind die menschlichen Eingriffe in die Natur besser erkennbar, nirgends macht der Mensch spürbarer Geographie und verändert er die Erdoberfläche auffälliger. Unser Wasser liegt als eingefrorenes, aber dennoch versendbares Kapital auf höchsten Horizonten. Dass es in seiner flüssigen Form durch künstliche Sperren in Hochtälern festgehalten wird, dass ganze Landschaften in einem Stausee ertrinken, ist nur bedauerlich, wenn der Kraftwerkbau weitergehen, wenn er überhandnehmen und Landschaften ergreifen sollte, deren Verschwinden wir früher oder später bereuen müssten. Fachleute beweisen dem Laien, dass wir unbedingt elektrische Energie exportieren müssen, Laien beweisen den Fachleuten, dass wir die teuersten Strompreise haben, der Inland-Verbraucher also eigentlich die billige Kraft bezahlt, die wir dem Ausland sozusagen verschenken. Von hier aus gesehen, muss jeder neue Kraftwerkbau als ein Aergernis empfunden werden. Es ist bezeichnend, dass die Elektrizitätswirtschaft nicht eidgenössisch geregelt ist. Der Grimselstausee ist eine Zierde der Grimselpasslandschaft geworden. Das Künstliche an ihm wird gering durch die übermächtige Natur, in der er liegt. Der Aaresee unterhalb Bern, der Limmatsee unterhalb Zürich sind weniger erfreuliche Bilder. Dem Wäggitalerse haftet etwas Unnatürliches an. Vielleicht wird der Sihlsee natürlicher. Nicht alles, was wir aus der Natur machen, entspricht dieser Natur. Nicht immer bedeutet das, was wir durch unsere Eingriffe an Schönheit verlieren, einen Gewinn an Tugend. Von den Seen als Wasserstrassen wird ein anderes Kapitel berichten. Und so wollen wir sie denn noch einmal als prachtvolle, verlockende Gelegenheiten unseres Landes betrachten, als vollkommene Spiegel, die das Hohe in ihre Tiefe nehmen, die das grosse Stehen in Ruhen verwandeln, die eine Tafel sind, auf die die Winde ihre mannigfaltige Schrift schreiben und auf denen die Grossgestirne in vertausendfachtem Glanz ihre blitzenden Spiele spielen. Wo sind die Seen der Pyrenäen, wo sind die Seen des Kaukasus, des Karakorums, der Anden? Welch eine unbegreifliche Gnade ist uns verliehen? Der Seenreichtum unseres Landes ist grösser als derjenige irgendeines Gebirgsstaates. Wie hätten wir Grund, finster zu blicken, da doch die Schöpfung gerade in unserem Lande so holdselig lächeln wollte! Die eisgepanzerten Gipfel, sie sind die Fürsten unseres Landes, die Seen aber sind seine Königinnen. (Vorabdruck aus «Confoederario Helvetica».) ihre, ganze Pracht entfalten... dann wird SEVA3 Fr. 1,800,000.— unter 15037 Gewinner verteilen. In der Tat: Die Ziehung wird bald, wird spätestens am 31. Juli durchgeführt. Drei Grunde, weshalb Sie Ihr Seva- Los jetzt, nicht erst später kaufen sollten: 1. werden alle Lose viel früher abgesetzt sein. 2. Unzählige kamen bei den ersten Seva-Lotterien zu spät. 3. lässt sich vielleicht der Lospreis später nicht mehr so gut erübrigen. Trefferplan. Wer ihn gründlich mit andern vergleicht, nimmt wahr, dass SEVA 3 mehr bietet: Nicht weniger als 60% der Lossumme sind Treffer - die mittleren Treffer sind besonders zahlreich I Lospreis Fr. 20.—/flO-Los-Serie, worunter sich ja 1 sicherer Treffer befindet, Fr. 200.—) plus 40 Cts. für Porto auf Postcheck III10026 - Adresse: Seva-Lotterie, Bern. (Bei Vorbestellung der Ziehungsliste 30 Cts. mehr.) Lose auch bei den bernischen Banken erhältlich. WORINGER DIE GANZ KURZFRISTIGE • ZIEHUNG: 31. JULI1936

N" 36 — Automobil-Revue 13 Kino Karl von Clement. Draussen stand Michelitsch mit den Bauern. Der «Grün« Baum> war festlich erleuchtet. Die Strosse herauf kamen viele Menschen, die kleine Stadt war auf den Beinen. Schon seit Tagen verkünde* ten grellrote Plakate das Kino. Die meisten wussten gar nicht, was man darunter verstand. Man hatte zwar schon davon gehört, aber so ein Kino mit richtigen, beweglichen Bildern besass die Stadt noch nicht. So wurde das Wanderkino neugierig aufgenommen. Herr Seidler, der Besitzer des Unternehmens, kam mit einem vorsintflutlichen Automobil angefahren, die ganze Stadt stank noch eine Weile nach Benzin. Michelitsch hatte seine Schafe heimgetrieben. ET kam gerade von den Berge der Muntje herunter, hatte ein weisses Hemd angezogen und stand mit seinen mächtigen Schultern gross wie ein Baum bei seinen Bekannten. Er überragte die andern um Haupteslänge. Natürlich war er hungrig nach Neuigkeiten, und da kam ihm das Kino gerade recht. Es war Abend und nachdem die Honoratioren Platz genommen hatten, zogen auch die Bauern in den grossen Saal des Wirtshauses ein und stellten sich hinten auf. Das war lange her. Ich mochte damals sechs Jahre zählen und habe diesem Kino nicht beigewohnt. Aber später sprachen sie öfter davon, wie es bei dieser bemerkenswerten Aufführung zugegangen war, und so erfuhr ich alles. Als es dunkel wurde, begannen sich die Bauern unbehaglich zu fühlen. Der alte Marcu stiess Michelitsch an und sagte laut: «Zum Deubel, was ist hier los, der Kontakt scheint durchgebrannt zu sein.» Michelitsch räusperte sich, denn er war ein überlegender Kopf und sagte dann bedächtig: «Es wird schon wieder so irgendeine Teufelei der Herren im Gange sein,» und er spuckte kräftig aus, dass es gegen den Parkettboden klatschte. Er hegte tiefes Misstrauen gegen die Herren und alle ihre Erfindungen, so auch gegen das elektrische Licht. Vorn wurden einige Stühle gerückt, der dicke Kaufmann Mantl und der .kleine Bürgermeister Pilz riefen abwechselnd pst, pst, .worauf es eine Weile still wurde. Irgendwo begann in der Dunkelheit ein Klavier jämmerlich kreischend und knarrend die Stimme zu erheben, dann erschien vorn ein kleiner, weisser, kreisrunder Lichtfleck, in dem Herrn Seidlers Kopf sichtbar wurde. Herr Seidler hielt einen Vortrag: «Meine Damen und Herren, Sie stehen hier vor dem grössten Wunder der Technik. Auf dieser Leinwand, hinter der, wie Sie sich überzeugen können, gar nichts ist, werde ich Ihnen bewegliche Bilder vorführen, lebendige Menschen werden hier zu sehen sein, die sich bewegen wie Sie oder ich, ohne jedoch wirklich vorhanden zu sein ...» . In diesem Augenblick rief Michelitsch von hinten, Indem-er Marcu und die anderen aufgeregt anstiess: «Das gibt es nicht, das kann nicht sein/ Lügner, verdammter!» Pilz und Mantl zischten pst, pst, nach hinten und Michelitsch sagte noch, wenn auch bereits leiser: «Wer hat je sowas gehört? Das ist wieder so eine teuflische Spiegelfechterei von den verdammten ...» Dann wurde es wieder still, aber von Zeit zu Zeit spuckte Michelitsch in den Saal, laut und klatschend. - Herr Seidler, ein grosser, langer Mensch mit wirren Künstlerlocken und krummer, vorspringender Nase, lief jetzt nach hinten, und es wurde nach einer Weile wieder finster. Marcu sagte: Eine schreckliche Verrwirrung entstand viereckiges Licht wieder auf der Leinwand aufflammte. Leises Gekicker entstand. Herr Seidler hantierte hinten aufgeregt am Apparat herum. Es stellte sich heraus, dass er die falsche Linse eingeschraubt hatte, und er bat in beschwörenden Worten um noch etwas Geduld. Michelitsch begann laut und drohend zu husten. Herr Seidler wurde immer nervöser. Seine Füsse verhedderten sich in der Kontaktschnur, die zu einem Kronleuchter des Saales hinaufführte, er fiel lang hin, und fast hätte es ein Unglück gegeben, der Kronleuchter über den Häuptern der Zuschauer schwankte bedenklich. Endlich war es soweit. Zeichnungen von Paul Bachmann «Einen Augenblick, gedulden Sie sich nur, meinv Herrschaften, einen kleinen Augenblick bloss, ich werde die Sach"e sofort haben. Ein unbegreifliches Versehen.» Und er schraubte wie wild an seiner Maschine herum. Lautes Murren erhob sich hinten bei den Bauern. In diesem Augenblick ging das Licht aus. Plötzlich und endgültig. Michelitsch brüllte: «Nieder mit dem Banditen! Zurück mit dem Geldl» Eine schreckliche Verwirrung entstand. Türen krachten, Fenster wurden eingeschlagen, man riss die Leinwand in Stücke, denn dahinter war ein Ausgang, der sonst nur bei Feuersgefahr benutzt wurde. Allen voran aber segelte Michelitsch, Herrn Seidler am Kragen, in den mondbeschienenen «Achtung!» rief Herr Seidler. Dann zeigte sich eine Ueberschrift auf der Leinwad. Sie lautete: «Moritz bekommt Besuch.» Das ganze flimmerte erbärmlich, so dass man die Hof hinaus. Marcu und die andern Bauerh waren Worte nur mit Mühe entziffern konnte. Und dann dicht hinter ihm. Er stellte den schlotternden Wanderkino-Besitzer auf die Beine, sahr ihn zornig an zeigte sich plötzlich die Einrichtung eines Zimmers. Und in einem Lehnstuhl mit dem Rücken zum und fragte: Publikum sass ein Mann. Herr Seidler rief in diesem Augenblick: «Jawohl,» wollte Herr Seidler sagen, denn «Sie bewegen sich also, deine Teufelsbilder?» es ' «Achtung, meine Damen und Herren, gleich wird steckte etwas von einem Märtyrer der Technik in er aufstehen. Es ist Moritz in eigener Person.» ihm. Aber Michelitsch gab ihm eine hinter die Ohren, dass ihm Hören und Sehen verging. Ohne Gleichzeitig setzte das Klavier wieder ein. Herr zu mucksen setzte er sich auf den Boden. Seidler drehte eine Kurbel an seinem Kasten, er «Bewegen sie sich?» fragte Michelitsch von seiner grossen Höhe herab. drehte und drehte, das Bild flimmerte und flammte, plötzlich knackte etwas im Apparat. Herr Seidler «Nein» flüsterte Herr Seidler kaum vernehmlich. fluchte leise vor sich hin. Jetzt wandten sich Michelitsch und die andern «Er bleibt sitzen, der Kerl!» schrie Michelitsch ab, denn nun interessierte sie der Fall nich mehr. „Nein", flüsterte Herr Seidler kaum vernehmlich ... aufgebracht dazwischen. Stampfend und dröhnend zogen sie die Strasse «Ein Sündengeld ist das, zwanzig Kreuzer für «Ich wusste ja, dass wir hier beschwindelt werden,» erwiderte Marcu laut. Türe blieb Michelitsch noch einmal stehen. Er hinauf, geradewegs in ihre Stammkneipe. Vor der diesen gemeinen Betrug I Man müsste ihn ohrfeigen, den Gauner!» Herr Seidler drehte schwitzend die Kurbel, er sagte zu Marcu gewandt: Michelitsch spuckte über, die Köpfe der weiter sah von vorn und hinten in den schwarzen Kasten «Ich habe gleich gewusst, dass es Betrug ist.» hinten Sitzenden hinweg, was ihm bei seiner hinein, aber er konnte nichts daran ändern: Moritz Und Marcu erwiderte darauf: Grosse sehr leicht fiel und traf einen Spiegel blieb sitzen. Verzweifelt rannte er zum Schalter «Nieder mit den Herren!» gerade in dem Augenblick, als ein grösseres, und drehte das Licht an. Er rief beschwörend. Dan verschwanden sie im Haus. 1 unc • • Stadttheater Abends 8 Uhr, Sonntag nachmittags 3 Uhr. i u Fr. a j 3 Ballette von Richard Strauss (B-Ab. 16) Sl. ibend 2. Mai Rossini Neapel, Komische Oper von B. Faumgartner. -SO. nachm. 3.Mai " er Troubadour, mit Sigrid Onegin. uf vielseitigen Wunsch: Drei So. abend 3. Mai Walzer, Operette von Oscar Strauss. Schauspielhaus f* 1 * 3 8 * üh Q 1 v 4 s ? T n , n - r Fr. abend I.Mai Unentschuldigte Stunde. Raimu (un pinceau qui pense) dans la petite chocolatiere. ln Empfehlenswerte Unterhaltungs- u. Gaststätten tag nachm. 3H Uhr. Privatpension 28 Moderne Zimmer. Reine Butterküche. Zeitgemässe Preise. Besitzer: Rösler-Misar, Chef de cuisine. mma hau am Limmatplatz Telephon 58.911 Hotel - Restaurant - Säle. Wannen- und Medizinalbäder. Zimmer m. fl. Wasser 3.50. Zentralheizung. Geheizte Garage im Hause. Eigener Parkplatz. Cafe-Restaurant zur Katz Talstrasse 83 Feinschmecker sind begeistert über unsere Grill-Spezialitäten. Täglich Poulet vom Grill garniert 2.50. - Parkplatz vor dem Hause. Hotel RothUS Marktgasse 17 Allabendlich «Bunte Bühne». Zimmer mit Zentralheiz, und fliessend Kalt- u. Warmwasser. Fr. 3.50. Frühstück Fr. —.80, Bedienung 50 Cts. Jos. Füchslin-Hensler. Vegetarisches Rest. Engehaus General Willestrasse 8 Erstklassige Diätküche. Parkplatz v. d. Haus. Zeughauskeller am paradeplatz Eine Sehenswürdigkeit. Küche und Keller berühmt. Familie Biedermann-Sutter, Besitzer des Hotel Engel in. Baden, b. Turm. Nach dem KINO essen |£Q |_| g p | Autoparkplatz - off. bis 24 Uhr - Nüschelerstr. 30 Betrug bei der Hinrichtung Alexander Lernet-Holenia. ken, eine gewisse Madeion an den Galgen hängen? Ein hübsches Mädchen, nicht wahr? Es wäre schade um sie! Findest du nicht auch? Ueberdies ist sie die 'Geliebte des Grafen Montfort. Nun, und ich bin einer seiner Bedienten. Der Graf lässt dir durch meine Wenigkeit sagen, dass du Madeion gefälligst nicht mit aufknüpfen wirst, verstehst du, mein Sohn? Ein anderes Frauenzimmer, meinetwegen, magst du aufhängen, oder eine Leiche aus der Anatomie unterschieben, aber die Freundin meines gnädigen Herrn wirst du nun einmal nicht hochziehen. Sonst geht's dir selber an den Kragen! Ucberhaupt ist jene Person eigentlich unverletzlich. Denn es ist ihr geweissagt worden, sie werde nicht sterben, zumindest nicht auf dem Schafott. Hast du davon nicht gehört? Du könntest sie also auch gar nicht hinrichten, selbst wenn du wolltest. Es würde dir einfach nicht gelingen. Tust du hingegen, was der Graf von dir verlangt, so wird man sich dir erkenntlich erweisen, und ein hübsches Trinkgeld kannst du dir nachher holen. Hier jedenfalls ist zunächst einmal ein kleiner Vorschuss!» Und er drückte ihm einen Beutel mit ein paar Goldstücken, die von den Revolutio- «Der Herr von Paris» heisst eine Erzählung nären mühsam genug waren aufgetrieben worden, in die Hand. aus der Zeit der grossen Revolution in Frankreich, die Alexander Lernet Holenia eben im Herbert Reichner-Verlag (Wien) veröffentlicht hat. Unter Der Henker fragte den vorgeblichen Lakaien dem Herrn von Paris ist Monsieur de Paris verstanden, der Henker. Auf dem Hintergrund des Da aber die Korruption in Frankreich damals zwar zunächst, ob er verrückt geworden sei. blutigen Geschehens jener Tage lässt Alexander schon so weit vorgeschritten war, dass es nicht Lernet-Holenia einen sonderbaren Vorfall, in dem Politik, Liebe und Zufall einander in die Hände spielen, abrollen. Nachstehend eine bemerkenswerte Stelle. Am Tage vor der Hinrichtung erschien ein Lakai, der aber eigentlich gar kein Lakai war, sondern ein verkleideter Revolutionär, nämlich Hubert selber, bei dem Henker, der das Urteil vollstrecken sollte. «Höre!» sagte er. «Höre, mein Junge! Sollst du nicht morgen, nebst einigen anderen Schur- ganz ausgeschlossen schien, sogar,,eine Hinrichtung einmal fälschen zu können, so Hess Monsieur de. Paris sich schliesslich auf Verhandlungen ein. Sie dauerten reichlich lange. Zuletzt aber einigte man sich, und es geschah folgendes: Die Galgen waren auf dem Greve-Platz errichtet. Nachdem die Wagen mit den Verurteilten unter militärischer Eskorte vorgefahren, ward den Hinzurichtenden das Urteil nochmals verlesen. Die Männer versuchten, mit einiger Haltung dem Unabänderlichen ins Auge zu sehen. Madeion aber täuschte einen Ohnmachtsanfall vor. Der Henker hob sie auf und trug sie mit einem seiner Gehilfen zum Wagen zurück, wo sie auf dem Stroh liegen blieb, während die anderen aufgeknüpft wurden. Sie starben, indem sie ihre letzten Energien in den Ruf zusammenfassten: «Tod den Tyrannen! Es lebe die Freiheit!» Das Volk, das in gewaltiger Zahl erschienen war, sah dem Schauspiel in dumpfem lastendem Schweigen zu. Als man dann aber Madeion nochmals vom Wagen holte, war es nicht mehr Madeion, die man, als eine anscheinend immer noch Ohnmächtige, zum Galgen trug. Es war eine Leiche aus der Morgue, die der Henker gestohlen und auf dem Wagen im Stroh versteckt gehabt hatte. Madeion lag nun ihrerseits im Stroh verkrochen, während man an ihrer Statt die Leiche, die angekleidet worden war wie die Lebende, hochzog. Danach ging das Volk, unheilvoll schweigend, wie es der Hinrichtung zugesehen, seiner Wege und der Wagen fuhr davon. Den anderen Verurteilten hatte Hebert nicht mehr helfen können, Madeion aber war gerettet.