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E_1936_Zeitung_Nr.037

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BERN, Dienstag, 5. Mai 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 37 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS.PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. IC- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. UnfaUversieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit InsuienTersieherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Die Bedeutung der Blutprobe für den exakten Nachweis der alkoholischen Trunkenheit ! oder Nüchternheit •Von Prof. Dr. med. Dettling, Direktor des gerichtlich-medizinischen Institutes der Universität Bern. Ein schwerer Automobilunfall, der sich am vergangenen Donnerstag in Zürich ereignete und ein Todesopfer forderte, hat einmal mehr und mit erschreckender Deutlichkeit erkennen lassen, welche Gefahren der Sicherheit des Strassenverkehrs aus dem Verhalten betrunkener Fahrzeuglenker drohen können. Wir erteilen daher gerne Herrn Prof. Dr. Dettling, der übrigens selbst Automobilist ist, das Wort zu einer grundsätzlichen und zusammenfassenden Betrachtung des Problems c Automobil und Alkohol », wie er es auf Grund jahrelanger Beobachtung und Erfahrung als Leiter des gerichtlichmedizinischen Instituts Bern beurteilt, weil wir hoffen, durch eine solche Veröffentlichung einen weiteren Beitrag an die Sicherheit der Strasse xu leisten. In diesem Zusammenhang sei auch nochmals an die Ausführungen Herrn Dr. Röthlisbergers über die rechtliche Seite der Blutprobe erinnert, die in Nr. 32 der « A.-R. » Aufnahme gefunden haben. Red. Den wissenschaftlichen medizinischen Methoden ist es schon seit langem gelungen, den vom Menschen genossenen Aethylalkohol im Organismus festzustellen. Die Art der Aufnahme, der Verbrennung und Ausscheidung im Körper ist wissenschaftlich ausserordentlich genau bekannt. Unter dem Druck der grossen Zunahme der Bedeutung des Alkoholgenusses im heutigen Rechts- und Versicherungswesen ist die gerichtliche Medizin seit anderthalb Jahrzehnten darangegangen, diese wissenschaftlichen Methoden ins Rechtsleben einzuführen. Die Untersuchung vieler Tausende von Fällen hat eine sehr hohe praktische Zuverlässigkeit unserer Methode ergeben, welche selbstverständlich auch durch Experimente eingehend studiert wurde. So sind wir heute in der Lage, nicht nur die oft ausserordentlich wichtige Tatsache der Nüchternheit als Entlastungsbeweis exakt festzustellen, sondern auch die Alkoholkonzentration im Körper, speziell im Blute und Gehirn, ganz genau zu bestimmen, bezogen auf den Zeitpunkt der Blutentnahme beim Lebenden oder auf den Zeitpunkt des Todeseintrittes bei den Leichen (die Konzentration bleibt in der Leiche ausserordentlich lange unverändert). Der Umstand allein, dass man für einen ganz bestimmten Zeitpunkt die genaue Konzentration feststellen kann, gibt der Methode eine hohe Bedeutung. FEUILLETON Der Seewolf. Von Jack London. 27. Fortsetzung. Erscheint jeden Dienstag and Freitaf Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „G»lbe Uste" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: AutoreTue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Man könnte fehlgehen, wenn man nur auf Angaben über Alkoholkonsum für einen bestimmten kritischen Zeitpunkt abstellen würde, während wir schliesslich doch wissen müssen, wie der Zustand punkto Alkoholwirkung in einem ganz bestimmten,, rechtlich wichtigen Moment gewesen ist. Die Haupteinwände, welche gegen die Blutprobe (meistens infolge mangelhafter methodischer oder rechtlicher Sachkenntnis oder rein gefühlsmässig) erhoben werden, bestehen in der verschiedenen Verträglichkeit, der sog. Disposition («Trinkfestigkeit») des einzelnen. Manchmal wird auch entgegnet, dass im Organismus Alkohol ohne Alkoholgenuss vorkomme. Soweit es im Rahmen der vorliegenden Publikation möglich ist, wollen wir auch zu diesen Fragen Stellung nehmen. II. Die rechtliche Bedeutung des exakten Nachweises der Nüchternheit oder der Trunkenheit. Dem Nachweis der Nüchternheit kommt heute eine immer grössere Bedeutung zu, nicht nur um zu eruieren, ob eine, verdächtige Person überhaupt nichts getrunken hat, sondern wenn in bestimmten gewerblichen Betrieben oder z. B. in -ärztlichen Anstalten Abstinenz vorgeschrieben ist. Wichtig geworden ist z. B. die Nüchternheitspflicht der Führer von Motorwagen zur gewerbsmässigen Ausführung von Personentransporten (Art. 57 VV) und Lokomotivführer. Es hiesse unsere Zeit schlecht verstehen, wenn man nicht erkennte, wie brennend und akut die Frage der alkoholischen Beeinflussung der psychomotorischen Funktionen des Menschen geworden ist durch Eroberung des Strassenverkehrs durch die Motorfahrzeuge. Die Statistiken über die Zahl von Verkehrsunfällen, herbeigeführt durch Trunkenheit, zwingen schliesslich die verantwortlichen Behörden zur Stellungnahme im Interesse der an- Wieder jagte die .Ghost' mit dem Wind um die Wette dahin, 2 Stunden lang folgten Johnson und Leaoh uns. Wir drehten bei und liefen fort, und immer noch stieg das kämpfende Segel himmelwärts und stürzte in die vorbeischiessenden Täler. Eine Viertelmeile von uns entfernt zog eine dichte Regenbö das Boot unsern Blicken. Es kam nie wieder zum Vorschein. Der Wind verwehte den Regen, aber kein. Segel zeigte sich auf der bewegten Fläche. Einen Augenblick glaubte ich, den schwarzen Boden des Bootes sich von dem Gischt einer brechenden Welle abheben zu sehen. Das war alles. Für Johnson und Leach war der Kampf ums Dasein beendet. Die Mannschaft blieb in einer Gruppe mittschiffs stehen. Keiner ging nach unten, und keiner sprach ein Wort. Nicht einmal Blicke wurden ausgetauscht. Alle schienen wie betäubt — sie standen in Betrachtungen versunken da und versuchten, sich das Geschehene klarzumachen. Wolf Larsen liess ihnen indessen nicht viel Zeit zum Nachdenken. Er setzte die ,Ghost' in den Kurs auf die Robbenherden und nicht nach Yokohama. Aber die Leute hatten ihren Eifer beim Hahlen und Fieren verloren, und ich hörte manchen Fluch, der ihren Lippen entschlüpfte, schwer und dumpf wie sie selbst. Nicht so die Jäger, Smoke, der Unbezähmbare, erzählte eine Geschichte, und unter schallendem Gelächter begaben sie sich ins Zwischendeck. Als ich auf der Leeseite nach achtern ging, näherte sich mir der Maschinist, den wir gerettet hatten. Sein Gesicht war weiss, und seine Lippen zitterten. • «Grosser Gott, was ist das für ein Fahrzeug?» rief er. «Sie haben ja selbst Augen im Kopf», antwortete ich fast brutal, so sehr schnürten Schmerz und Furcht mir das Herz zusammen. «Ihr Versprechen?» fragte ich Wolf Larsen. «Ich dachte gar nicht daran, sie an Bord zu nehmen, als ich es gab», erwiderte er. «Und was auch geschehen ist, so werden Sie mir jedenfalls zugeben, dass ich nicht Hand an sie gelegt habe... Im Gegenteil, im Gegenteil», lachte er einen Augenblick später. Ich antwortete nicht. Ich war unfähig, zu sprechen, mein Geist war verwirrt. Ich wusste, dern Strassenbenützer und uns, die wir wissenschaftlich und beruflich mit diesen Fällen zu tun haben, zur Aufklärung und Warnung des Publikums. . III. Das Beweisverfahren der Trunkenheit. Es ist medizinisch jedenfalls viel schwieriger, aus den Angaben (Zeugenausgaben, Selbstgeständnissen) über Alkoholkonsum den Grad der sich hieraus ergebenden Trunkenheit für die Zeit des Ereignisses zu schätzen, als durch die exakte Messung der Alkoholkonzentration, so dass das Verfahren der Zeugeneinvernahme hinter der unverrückbaren Messung der Blutprobe zurücksteht. Soll man aber im Rechtsfalle auf die Aussagen und Beobachtungen von medizinischen Laien, speziell der, Polizei, ausschliesslich abstellen müssen, ob ein Mensch in einem wichtigen, meistens folgenschweren Moment wirklich betrunken gewesen sei oder nicht?, Angesichts der grossen rechtlichen und wirtschaftlichen Bedeutung der Frage der Trunkenheit bei Verkehrsunfällen muss jedenfalls heute eine Sicherung der Beweise verlangt werden. IV. Die Erkennung des Alkoholisiertseins aus äussern Erscheinungen. Die Erkennung der Trunkenheit, selbst eines anscheinend schweren Rausches, ist nicht immer so einfach, wie sich dies der Laie vorstellt. Die Annahme eines Rausches kann heute in Einzelfällen so weitgehende Nebenfolgen haben, dass sich ein Irrtum ausserordentlich verhängnisvoll auswirkt. Eine unrichtige Eintragung in einem Polizeirapport oder in einer Krankengeschichte kann für den Betroffenen von schweren Folgen begleitet" sein, wie z. B. Entzug der Fahrbewilligung. Auf welche Weise wird gewöhnlich (besonders auch von den Laien) auf Rausch geschlossen? Es wird allzu sehr auf Geruch nach Alkohol abgestellt, während es doch bekannt sein dürfte, dass ein solcher Geruch schon bei ganz geringen Mengen, wie nach einem Schluck Bier, nach einigen Likörpralines, Trinken von wenig Kirsch etc. auftritt. Anderseits kann der Alkoholgeruch verdeckt werden. Die Erfahrung lehrt aber, dass leicht Gehirnverletzte, viele Menschen auch nach körperlichen und psychischen Schockwirkungen, sich ganz ähnlich verhalten. Da es gerade bei Verkehrsunfällen häufig nicht nur zu leichten Schädelverletzungen und Schockwirkungen kommt, sondern auch zu starken psychischen Erregungen, Schreckwirkungen etc., so erscheint es oft auch für uns geradezu unmöglich, ohne die Blutprobe zu entscheiden, was im auffallenden alkoholverdächtigen Verhalten des Betreffenden auf Alkoholwirkung und was auf Schock oder Hirnschädigung zurückgeführt werden müsse. Man ist auch gerne bereit, eine Person als berauscht anzusehen, sofern sie erbricht, schwankt oder gar bewusstlos aufgefunden wird und wenn sich zugleich Alkoholgeruch feststellen lässt. Solche Hirnreizungs- und Hirnlähmungserscheinungen können aber aus verschiedenen ändern krankhaften Gründen auftreten, so bei vielen Vergiftungen (speziell Kohlenoxyd), bei Nierenkranken (Urämie etc.), nicht selten kombiniert mit Alkohol! , Ganz besondere Schwierigkeiten macht die sog. Ernüchterung. Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass schreckhafte Ereignisse zur psychischen Ernüchterung führen können; ferner ist immer damit zu rechnen, dass es dem einzelnen gelingt, durch Zusammennehmen die Umgebung zu täuschen. In diesen beiden praktisch wichtigen Fällen wird die exakte Aethylalkoholbestimmung Klarheit verschaffen, ob und wieviel Alkohol im Organismus wirk^ sam gewesen war. Schon aus diesen Ausführungen ergibt es sich, wie notwendig in einem rechtlich oder medizinisch wichtigen oder überhaupt unklaren Falle eine exakte Messung der Alkoholkonzentration ist, um eine sichere zahlenmässige Grundlage für die Beurteilung des Falles zu schaffen. Wir müssen uns auch darüber klar sein, dass die Forderung des neuen schweizerischen Automobilgesetzes nach der Nüchternheit des Personenchauffeurs und dem Verbote des Fahrens im trunkenen Zustande illusorisch bleibt, wenn wir nicht als Grundlage für die Beurteilung bestrittener Fälle diese exakte Messung haben. dass ich Zeit brauchte, um über das Geschehene nachzudenken. Die Frau, die jetzt unten in der Kajüte schlief, bürdete mir eine Verantwortung auf, die mir schwer aufs Herz fiel, und der einzige vernünftige Gedanke, der mir durchs Hirn flackerte, war, dass ich nichts übereilen durfte, wenn ich ihr überhaupt eine Hilfe sein wollte. Zweiter Teil Der Rest des Tages verging, ohne dass sich etwas ereignet hätte. Der frische Wind mit seinen Regenschauern legte sich. Der vierte Maschinist und die drei Heizer wurden nach einer heftigen Auseinandersetzung mit Wolf Larsen neu eingekleidet, erhielten ihre Plätze unter den Jägern in verschiedenen Booten und in den Schiffswachen angewiesen und wurden dann in die Back geschickt. Sie wagten nicht, zu protestieren. Was sie von Wolf Larsen gesehen, hatte sie eingeschüchtert, und was sie in der Back über ihn hörten, benahm ihnen die letzte Lust zur Auflehnung. Miss Brewster — ich hatte ihren Namen von dem Maschinisten erfahren — schlief immer noch. Beim Abendbrot bat ich die Jäger, leiser zu sprechen, um sie nicht zu stören, und erst am nächsten Morgen kam sie zum Vorschein. Ich hatte ihr das Essen gesondert INS ERTIONS -PREIS: Die aehtgesptltene 2 mm hohe Gnindzeile oder deren Raum 45 Rp. Grfissere Inserate nach Spezialtaril. Inseratensehlnss 4 Tage TOT Erscheinen der Nummern Wir berichten heute über: Anpassung bei der S.B.B, tut not. Aus der Welt des Autosportes. Staatliche Flugsportförderung. Fehler am Amperemeter. Nochmals Walenseestrasse. Motorfahrzeug-Aussenhandel. V. Das Verhalten der Alkoholkonzentration nach Alkoholkonsum im Blut und den Körpergeweben. Die Resorption (Aufnahme in die Blutbahn) erfolgt zum grössten Teil im Magen, nur' zu einem kleinern Teil vom Darm aus. Alkoholkonzentration des Getränkes, Raschheit dee Trinkens spielen eine Rolle. Ein mit Speisen gefüllter Magen, namentlich wenn viel Fett vorhanden ist, führt den Alkohol viel langsamer ins Blut als ein leerer. Im allgemeinen dürfen wir annehmen, dass etwa 2 bis 3 Stunden nach Einnahme der alkoholischen Getränke die Konzentration und damit die Wirkung im Blute und im Gehirn die höchste ist und eine: bestimmte Zeit anhält, und dass darauf ein Abfall erfolgt. Der konsumierte Alkohol verschwindet aus dem lebenden Körper durch Verbrennung im Organismus und Ausscheidung wieder vollständig. Schon nach 6 bis 8 Stunden ist der jirösste Teil aus dem Blut verschwunden, wenn es sich nicht um ganz schwere Vergiftungen handelt. Nach etwa 15 Stunden ist praktisch aller Alkohol wieder aus dem Körper verbrannt und ausgeschieden. ' Verschiedenheit der Alkoholkonzentration bei gleichem Alkoholgenuss? Es hat sich ergeben, dass der Organismus des chronischen Trinkers sich etwas anders verhält, indem er einerseits den Alkohol schneller verbrennt und ausscheidet als der Nichtgewöhnte, ja er drückt überhaupt die Konzentration im Blut und in den Organen mit der Zeit herab. Darin liegt die Erklärung, weshalb der chronische Trinker anscheinend mehr « verträgt» als der nicht gewohnheitsmässige TTrinker. Der gewöhnte Organismus verbrennt den Alkohol rascher, deswegen bleibt die Blutkonzentration niedriger. Da sich der Alkohol durch Diffusion verteilt, muss das Körpergewi c h t im Anstieg der Konzentration eine wichtige Rolle spielen. Die Frage der sogenannten Dispositon oder Trinkfestigkeit kann weitgehend erklärt werden durch die Gewöhnung an Alkohol im obigen Sinne, das Körpergewicht und die konstitutionelle und momentane Toleranz auf Alkohol. Ueber die Bedeutung der Ge- bringen lassen wollen. Aber Wolf Larsen durckreuzte meine Absicht. Wer sie wäre, dass sie zu gut für den Kajütstisch und die Kajütsgesellschaft sei, hatte er gefragt. Aber ihr Erscheinen bei Tisch hatte eine seltsame Wirkung. Die Jäger wurden stumm wie die Fische. Nur Jock Horner und Smoke Hessen sich nicht einschüchtern, warfen verstohlene Blicke auf sie und beteiligten sich selbst an der Unterhaltung. Die vier andern hoben nicht die Augen von ihren Tellern, sie kauten unaufhörlich mit nachdenklicher Gründlichkeit, und ihre Ohren bewegten sich im Takt mit ihren Kinnladen wie bei fressenden Tieren. Auch Wolf Larsen sagte anfangs nicht viel; er antwortete nur, wenn man sich an ihn wandte. Nicht etwa, dass er verlegen gewesen wäre. Weit entfernt! Diese Frau war für ihn nur ein neuer Typ, völlig verschieden von dem Schlage, den er bisher kennengelernt hatte, und er war neugierig. Er studierte sie, seine Augen Hessen kaum von ihrem Gesicht, es geschah denn, um die Bewegungen ihrer Hände und Schultern zu beobachten. Ich selbst studierte sie ebenfalls, und obwohl ich die Kosten der Unterhaltung trug, war ich doch e'n weirr schüchtern. Er hingegen war die Ruhe, das unerschütter-