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E_1936_Zeitung_Nr.042

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BERN, Freitag, 22. Mai 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgan? — N° 42 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOB IL-ZEITU, Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsjptefessen ABONNEMENTS.PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „G»lbe Eilte" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 • Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSE Die acht*espalteno S-PREIS: e Grundzeile oder deren te nach Spezialtarit. vor Encbeinen Mein* Sicherheit im Strassenverfeelir! Schaffung vermehrter Verkehrssicherheit im Strassenverkehr, so lautet heute der dringende Ruf aller Strassenbenützer. Die beunruhigende Zunahme der Strassenunfälle im Verlauf der letzten Jahre mahnt eindringlich zur gründlichen Klärung der Bedingungen, unter welchen sich auch der dichteste Verkehr wohlgeordnet und relativ gefahrlos abspielen kann. In Kenntnis der genauen Ursachen, welche die verschieden gearteten, aber in der einen oder andern Form immer wiederkehrenden Unfälle zur Folge haben, kann man sich auf alle Massnahmen besinnen, die geeignet sind, eine erhebliche Reduktion der Unfallquote herbeizuführen. Verkehrsvolumen. Die allgemeine Unfallhäufung darf (sekundär) als eine fast natürliche Folgeerscheinung einer schnelleren Verkehrszirkulation einerseits und einer gesteigerten Verkehrsfrequenz anderseits erkannt werden. Zunehmende Verkehrsdichte bedingt teilweise rascher pulsierenden Verkehr. Die eigentliche (primäre) Ursache jedes Unfalles liegt jedoch weder im einen noch im andern dieser Momente. Das Studium der Unfälle bestätigt immer wieder; dass als Fundamentalursache fast aller Unfälle -falsche Handlungsweise der Strassenbenützer nachgewiesen werden kann. Somit Hessen sich theoretisch alle auf Grund unrichtigen Verhaltens passierenden Unfälle vermeiden. Dies anzustreben, sei unser Ziel. Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge. Die Ueberlegung, dass sich mit der technischen Vervollkommnung der Motorfahrzeuge eine Besserung der Verkehrssicherheit ergeben sollte, ist gewiss eine logisch richtige Folgerung. Für den Eisenbahn- und Flugzeugverkehr trifft sie denn auch fast absolut zu. Dagegen ist die Sicherheit des F E U I L L E T O N Der Seewolf. Von Jack London. 32. Fortsetzung. Der Rauch war noch mehrere Meilen achternaus, näherte sich aber schnell, als wir die Boote hinabliessen. Si^ trennten sich und fuhren in nördlicher Richtuhg über das Meer. Hin und wieder sahen wir ein Segel niedergehen, hörten die Büchsen knallen und sahen die Segel wieder hochgehen. Es wimmelte von Robben. Der Wind legte sich ganz; alles schien einen grossen Fang zu verkünden. Als wir ausliefen, um in Lee der Boote zu kommen, sahen wir, dass das Meer mit schlafenden Robben bedeckt war. Sie lagen da zu zweit, zu dritt, in ganzen Haufen, dichter, als ich sie je vorher gesehen, der Länge nach auf der Oberfläche ausgestreckt und fest schlafend, so sicher wie eine Schar träger junger Hunde. Unter dem näherkommenden Rauche wurden jetzt Rumpf und Aufbau des Dampfers sichtbar. Es war die ,Macedonia\ Ich las den Namen durch das Glas, als das Schiff uns, kaum eine Meile steuerbord, passierte. Wolf Larsen warf wilde Blicke auf den Strassenverkehrs im wesentlichen von andern Faktoren abhängig. Die Verfeinerung der Wagentechnik kommt zur Hauptsache nur dem Wagenführer zu statten. Das besagt, dass die Unfallherde nicht wohl im Fahrzeug selbst liegen können, also auch nicht dort zu suchen sind. Oder will wirklich jemand die unbestreitbare Leistungsfähigkeit moderner Strassenfahrzeuge der Schuld an den Unfällen bezichtigen ? Gewiss nicht: dagegen können sehr viele — vermeidbare — Unfälle auf Missbrauch der Leistungsfähigkeit zurückgeführt werden. Verkehrsgeschwindigkeit. Der Laie ist versucht, die Aufhebung der Geschwindigkeitsschranken für die vielen Verkehrsunfälle verantwortlich zu machen. Prinzipiell lässt sich dazu sagen, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, für jeden praktisch vorkommenden Fall Geschwindigkeiten vorschreiben zu wollen, weil örtlich unendlich verschiedenartige Situationen möglich sind. Die Verhältnisse werden zudem noch kompliziert dadurch, dass die Fahrerqualität nicht durchgehend gleich ist. Es gibt gute und bessere Fahrer. Zur Illustration: Unter gleichen örtlichen Verhältnissen fährt Herr A mit 20 km/St, möglicherweise etwas weniger sicher als Herr B mit 40 km/St. Oder: Im gleichen Verkehrsbild bedingen schwerere Wagen und glitschige Strassen längere Bremswege als leichte Wagen und rauhe Strassen. Vor einer Strassenkreuzung oder um eine Ecke herum können 10 km/St. Geschwindigkeit noch immer zu viel sein, währenddem ,auf einer Autobahn mit 100 km/St, so sieher gefahren werden kann wie auf einer guten Landstrasse mit 50 km/St. Deshalb wäre jede willkürliche Ansetzung von Geschwindigkeitsvorschriften — in Form der Festsetzung von Höchstgrenzen — ungefähr die unzweckmässigste Verordnung, auf die man verfallen könnte. Damit würde kaum ein Unfall verhindert, weil gegebenenfalls in kritischer Situation die «gesetzlich zulässige» Maximalgeschwindigkeit noch immer zu hoch ist. Noch von einem andern Standpunkt aus betrachtet vermag die Vorschrift von Höchstgeschwindigkeiten einen positiven Erfolg nicht zu gewährleisten. Denn die ordentlichen Fahrer bedürfen ihrer nicht; die andern, die dadurch zu vernunftgemässerem Fahren veranlasst werden sollten, würden sich ihr freiwillig kaum anpassen. Sie müssten schlussendlich doch auf andere Weise gefasst, das heisst — aus dem Verkehr ausgeschaltet werden. Dampfer, und Maud Brewster wurde neugierig. « Was für Scherereien denken Sie "zu bekommen, Kapitän ? » fragte sie heiter. Er blickte sie an, und ein freundlicher Blick huschte über seine Züge. « Ja, was meinen Sie ? Dass sie an Bord kommen und uns die Kehlen abschnitten ? » « Ja, etwas Derartiges », gestand sie. « Die Robbeniäger sind ja etwas so Fremdes für mich, dass ich beinahe auf alles gefasst bin.» Er nickte. «Ganz recht, ganz recht. Sie haben sich nur geirrt, wenn Sie nicht das Schlimmste erwarteten.» « Was kann denn noch schlimmer sein, als wenn einem die Kehle abgeschnitten wird ? > fragte sie überrascht und mit kleidsamer Naivität. « Wenn einem der Geldbeutel abgeschnitten wird », antwortete er. « Die Menschen sind heutzutage so eingerichtet, dass ihre Lebensfähigkeit durch den Inhalt ihres Geldbeutels bestimmt wird.» «Wer mir den Geldbeutel stiehlt, stiehlt wertlosen Plunder», zitierte sie. « Wer mir den Geldbeutel stiehlt, stiehlt mir das Recht, zu leben >, lautete seine Antwort. « Trotz aller Sprichwörter ! Denn wer mir mein Geld stiehlt, stiehlt mir mein Brot, mein Fleisch, mein Bett, und gefährdet daher mein Leben.» Die einzige zurzeit bestehende Vorschrift, welche die Geschwindigkeit zum Gegenstand hat, lautet: Die Geschwindigkeit ist stets den gegebenen Strassen- und Verkehrsverhältnissen anzupassen. In anderer Formulierung: Fahre immer nur so schnell, als dir dein Sicherheitsgefühl gestattet. Fah zeug, persönliche'Fähigkeiten des Fahrers und die örtlichen Verhältnisse bestimmen die Maximalgeschwindigkeit in jedem Moment. Die Befolgung dieser Bestimmung schliesst alle jene Unfälle aus, die auf « Nichtbeherrschung der Situation » zurückzuführen sind. Verkehrsregelung und Verkehrsordnung. Die wenigen gesetzlichen Vorschriften, die den Verkehrsfluss regeln, genügen, um Ordnung und Sicherheit — auch im dichtesten Verkehr»— zu wahren. Sie müssen nur befolgt werden! Achtung vor den Gesetzen und deren Befolgung sind persönliche Angelegenheiten,— abhängig vom individuellen Willen und vom persönlichen Vermögen, sie befolgen zu können. Zur Erfüllung eines jeden Willensentschlusses bedarf es stets eines Impulses, der vom Charakter wesentlich beeinflusst ist. So selbstverständlich für uns die genaueste Beachtung aller Streckensignale im Eisenbahnverkehr und die Richtungssignalisierung im Strassenverkehr ist, so darf und muss auch von jedem Strassenbenützer verlangt werden, dass er sich nach Massgabe der geltenden Verkehrsregeln in das Verkehrsbild einordnet. Er darf weder selbst zum Hindernis werden, noch sich über Hindernisse willkürlich hinwegsetzen. Maschinen haben keinen Verstand, deswegen bedürfen sie fremder Führung. Ihr Lenker ist der Mensch, der von seinem Verstand geleitet wird. Aber selbst der Verstandist nicht absolut selbständig im Disponieren; vielmehr bedarf er noch einer höheren «Direktion » : er untersteht der Kontrolle des Charakters. Immer wieder bestätigt sich die fundamental wichtige Erkenntnis, dass die charakterliche Veranlagung einen entscheidenden Einfluss auf das Verhalten des Motorfahrzeuglenkers im Strassenverkehr ausübt. Tatsächlich besteht zwischen Charakter und Handlungsweise eine kausale Verbundenheit ! Nebenbei bemerkt : Mit Androhung von Bestrafung in Form von Bussen und Gefängnis sind üble Charaktere nicht zu bessern. Zu nachträglich besserer Erziehung wird es meistens zu spät sein. In solchen Fällen ist der Allgemeinheit am besten mit zeitlichem oder dauerndem Entzug der Fahrbewilligung gedient. Zusammenfassend dürfen wir festhalten: Grosser Preis der Schweiz in Gefahr? Zu Caracciolas Sieg in Tunis. Luftrennen Paris—Saigon. Automatische Bremsen. Strassenanlage. Die Strassen sind die Träger des Verkehrs. Ihre Beschaffenheit spielt dabei in Bezug auf die Verkehrssicherheit eine bedeutsame Rolle. Eine Strasse ist leistungsfähig in dem Mass, wie sie der Verkehrsdichte, -geschwindigkeit und -Sicherheit genügt. Diese Qualitäten richten sich nach Anlage und Belag. Leider aber hat der schweizerische Strassenbau mit -der Verkehrszunahme und Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge nicht Schritt gehalten. Die meisten Ueberlandstrassen des schweizerischen Strassennetzes sind vor vielen Jahren angelegt worden, als man an einen durchgehenden Automobilverkehr wohl gar nicht dachte. Fast alle diese Strassen sind zu schmal, daher gefährlich, infolgedessen auch unwirtschaftlich. Der Zeitlauf lässt sich nicht aufhalten, ebenso nicht die allgemeine Entwicklung, die Verbesserung der Fahrzeuge im besondern. Der Strassenbau muss der Leistungsfähigkeit guter Strassenfahrzeuge angepasst werden, so gut wie der Unterbau der Schienenwege das Rollmaterial der Eisenbahnen mit genügender Sicherheit zu tragen hat Die Verkehrsfrequenz ist ein Faktor, der verkehrstechnisch volle Berücksichtigung verdient. Eine (bedingt mögliche) Abdrosselung des Verkehrstempos, um dieses an technisch rückständige Strassenanlagen anzupassen, wäre eine unzeitgemässe, auf die unsere bestehende Verkehrsregelung ist gut. Dauer unhaltbare Zwangsmassnahme, deren Durchführung ausserdem mit zunehmender Verkehrsdichte problematisch würde. Wenn sich ihr alle Strassenbenützer willig unterziehen, so erreicht sie ihren Zweck. Praktisch fehlt es nur an der ihr gebührenden Achtung seitens einer Minderheit. « Aber ich kann nicht einsehen, wieso dieser Dampfer irgendwelche Absichten auf Ihren Geldbeutel haben sollte.» « Warten Sie nur ab, dann werden Sie es schon sehen », erwiderte er grimmig. Wir brauchten nicht lange zu warten. Als die ,Macedonia' mehrere Meilen jenseits unserer Bootslinie war, begann sie, Boote auszusetzen. Wir wussten, dass sie vierzehn gegen unsere fünf hatte (eines war uns durch die Flucht Wainwrights abhanden gekommen), und sie begann damit weit in Lee unseres äussersten Bootes, kreuzte unsern Kurs und endete weit in Luv unseres ersten Luvbootes. Damit war die Jagd für uns verdorben. Hinter uns gab es keine Robben, und vor uns fegte die Linie der vierzehn Boote wie ein ungeheurer Besen die Herde vor sich hin. Unsere Boote jagten über die paar Meilen zwischen der .Macedonia' und ihren Booten und gingen dann zurück. Der Wind flüsterte nur noch leise, das Meer wurde immer ruhiger, und alles dies im Verein mit der grossen Robbenherde machte den Tag zur Jagd wie geschaffen — es war einer der zwei oder drei ganz besonders bevorzugten Tage, die man in einer glücklichen Jagdsaison erwarten darf. Eine Schar zorniger Menschen, Puller, Steuerer und Jäger kletterte über die Reling. Jeder einzelne fühlte sich beraubt. «meiange federal». Auto-Praxis des Bundessrerichts. (Schluss folgt.) und die Boote wurden unter Flüchen eingeholt, die Tod Larsen in alle Ewigkeit abgetan haben würden, wenn Flüche wirkliche Macht besässen.. « Tod und Verdammnis für ein Dutzend Ewigkeiten », erklärte Louis und zwinkerte mir zu, als er sein Boot hochgeheisst und festgesurrt hatte. «Hören Sie sie an und sagen Sie selbst, ob es schwer ist, den Lebensnerv ihrer Seele herauszufinden », sagte Wolf Larsen. < Treue und Liebe ? Hohe Ideale ? Das Gute ? Das Schöne ? Das Wahre ? » « Ihr angeborner Rechtssinn ist gekränkt >, mischte Maud Brewster sich in die Unterhaltung. « Sie sind sentimental », höhnte er, « ebenso sentimental wie Herr van Weyden. Die Leute fluchen, weil ihre Wünsche durchkreuzt sind. Das ist alles. Was sie wünschen ? Gutes Essen und weiche Betten, wenn sie an Land kommen und eine gute Löhnung erhalten — Weiber, Suff und Völlerei und das Tierhafte, das wahrlich das Beste in ihnen, ihr höchstes Ziel, ihr Ideal ist. Die Gefühle, die sie zeigen, sind wahrhaftig kein rührender Anblick, und doch sehen wir, wie tief diese Gefühle gehen, denn Hand an ihren Beutel, heisst Hand an ihre Seele legen. > « Sie benehmen sich doch nicht so, als ob es Ihren Beutel betroffen hätte », meinte sie lächelnd.