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E_1936_Zeitung_Nr.042

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12 AntomoM-ReTne —

12 AntomoM-ReTne — N*ß Eifersticht vermerkt wird. Ordnung muss sein, and darum wird nach dem Essen das Geschirr samt Mobiliar von den Schimpansen selbst wieder hinausgetragen und dem Wärter unversehrt abgeliefert. Nun kann das Spiel beginnen! Es wird geturnt, gesprungen, wegen der schlanken Linie Gymnastik getrieben, gelegentlich auch gestritten, immer aber wird von dieser Affenfamilie dafür gesorgt, dass die Zuschauer nicht aus dem Lachen herauskommen und sich königlich amüsieren. Es ist die beste , Clown- und Artistengruppe, die man sich denken kann. Das Schimpansenleben entbehrt aber auch nicht der Dramatik, Toni ist äusserst eifersüchtig, besonders auf Nanette, die zu seinem Unglück eine sehr grosse Anhänglichkeit und Liebe zum Wärter an den Tag legt. Ganz harmlos ist die Sache für ihn nicht, denn Toni verfügt als erst vereinhalbjähriges Tier über eine Körperkraft von drei bis vier Männern. Es ist also besser, ihn nicht zu reizen, denn wenn erwütend ist, ist mit ihm nicht gut Kirschen zu essen. Unterschied der Gefühle. Mandjula, der Elefant, ist gegen alle freundlich und wohlgesinnt, doch besonders liebevolle Gefühle bringt er den Kindern entgegen, die er im Sommer auf seinem reichlich breiten Buckel durch den ganzen Park spazieren führt. Seine Spezialität in Menschenfreundlichkeit ist also Huckepack, womit er sich auch sein Leben ganz allein verdient. Die grossen Raubtiere sind natürlich weniger umgänglich. Doch stehen trotzdem die meisten •on ihnen auf freundschaftlichem Fusse mit der Direktion und mit ihren Wärtern. Besonders ein Besuch des Direktors ist für sie immer eine sichtlich freudige Abwechslung, für die sie sich auf ihre Art dankbar erweisen. Der König der Wüste, ein imposanter Löwe, streicht liebeheischend und kosend dem Gitter entlang und leckt behaglich schnurrend die dargebotene Hand. Doch ist niemand anzuraten, es dem Direktor gleich zu tun, denn nur er steht mit den Tieren auf Du und Du und kann sich deshalb solche Annäherungen erlauben. Der schwarze Panther benimmt sich sogar gegen ihn völlig unbotmässig und gestattet sich, ihn anzufauchen. Rand am die Welt in 45 Minuten. Wir stehen am Ententeich, um nochmals vor unserer Reise um die Welt das vertraute Bild unserer heimatlichen Gefilde in uns aufzunehmen. Da stolziert der Storch, da paddeln und grundein die Enten, am Ufer kräht der Hahn, und Tauben flattern klatschend über den Weg. Spatz und Edelfink tun sich als Zaungäste des Zoo überall am Futter der permanenten Zooinsassen gütlich. Sie fühlen sich hier so zu Hause wie wir selbst. Es ist schade, dass uns die Direktion des Zoo den Bau eines Weekendhäuschens an den idyllischen Ufern dieses von schönem und schönstem Gefieder dichtbevölkerten Teiches nicht gestatten konnte. So machen wir uns wieder auf den Weg und wandeln vorbei an dem See der Flamingos, in die Steppen und Urwälder Afrikas, entlang den tropischen Flüssen, wo die Alligatoren lauern, hinab ans Meer — ins wunderschöne Aquarium, wo uns die Fische wie den Tiefseetauchern vor der Nase herumschwimmen. Dann entsteigen wir diesem nassen Element am andern Ufer des grossen Teiches, drüben, in Südamerika, wo uns die tropisch-heisse Landschaft des Amazonas empfängt — die grüne Hölle der Orchideenjäger — mit all ihrem kriechenden, schwimmenden, fliegenden und schleichenden Getier des sumpfigen Urwaldes. So fesselnd all diese Bilder sind, so wird uns hier doch der Boden heiss und wir wandern weiter, auf märchenhaften Wegen, nach Australien, wo wir Freundschaft mit den Känguruhs schliessen. Wir wollen nicht verfehlen, am Weltkongress der Vögel teilzunehmen, der in Permanenz in 1 der grossen Voliere tagt und wo fortgesetzt gesprochen und debattiert wird. Herrlich sind auch die vielen Gehege des gehörnten Wildes, das da vor uns ein äucserst friedliches und beschauliches Leben führt, anberührt von höheren Problemen. Nach kleinen Abstechern in die südliche und nordliche Arktis, zu Seelöwen and Eisbären, kehren wir zurück in die Heimat, zu unserem Ententeich, von dem nicht weit entfernt das schöne Zoo- Restaurant mit einem guten Imbiss auf alle wartet, die auf Schusters Rappen die Reise um die Welt beendigt haben. BL Tante Karla Tante Karla spricht zu ihren Fischen, Wenn sie abends, Obern Stuhl gelehnt, Sanft ermüdet durch das Kuchenwischen, Sich nach einem andern Wesen sehnt. Denkt, die Fische können sie verstehen! Was kein Mensch aus derVerwandtschaft glaubt. Tante passt drum, bis die Gaste gehen, Weil man ihr sonst diese Meinung raubt. Doch nachher, da sitzt sie zu den Fischen Und schaut sinnend durch die Scheibenwand... Wer es war: stets wuchs ein Wall dazwischen, Bis man schliesslich sich nicht mehr verstand. Tante Karla spricht zu ihren Fischen Und hält ihren Finger hin zum Kuss. Hoffen wir, es komme nichts dazwischen, Weil der Mensch doch jemand haben muss. ihren Ursprung mag wohl diese realistische Tanzschöpfung in einer Marseiller Hafenkneipe haben. «Java» nennt sich dieser Tanz, ich sah ihn zum erstenmal in einem Pariser Kabarett. Die Tänzer, Partner und Partnerin, arbeiten derart echt, dass, selbst unter dem dortigen verwöhnten Publikum Spannung herrschte, ja, sogar eine gewisse Entspannung werden einzelne Zuschauer verspürt haben, denn dieser Tanz ist brutal, beinahe sadistisch. Die beiden Artisten sah ich vor kurzem in Genf wieder, wo sie in einem kleinen Kabarett auftreten. Ich trete in den Saal, nähere mich der kleinen Bühne, wo eben ein Varietesänger seine Schlager zum besten gibt. Müde und verbraucht tönt seine Stimme, gleich einer ungehörten Klage mischt sie sich in den Lärm der unbekümmert sprechenden Menschen, die trinken und rauchen, geht unter im Geklirr von Gläsern, Rauchschwaden und geräuschvoller, vielfarbiger Politik. Ich setze mich. Vor mir liegt ein Wolfshund, die Schnauze ruht auf dem Boden, die Augen blinzeln durch einen winzigen Spalt. Keulenartig heben sich im Halbdunkel seine Läufe vom Körper ab. Wem mag er gehören? Man hatte ihn am Tischbein angebunden und auf eine Weile vergessen. Ich drücke eine Zigarette aus, die, so schien es mir, erbost war, dass man sie weggeworfen hatte, ihren giftigen Rauch schwelend dem armen Tier in die Nase sandte. Da blinzelt mich der Hund dankbar an, und ich kraue ihm freundschaftlich das Fell. Jetzt wird es dunkel, nur die Bühne scheint plötzlich wie mit rotem Licht beschmiert. Der Conferencier meldet die beiden Artisten und deren Tanz an: Den Tanz cjava», wie ich ihn in Paris sah. Immer noch grölt und lärmt das Publikum. Da, man verstummt plötzlich: Ein siebzehnjähriges Mädchen, eines jener schmalen, feingliedrigen Pariserpflänzchen, tritt auf die Bühne. Ihre Jugend ist bei jedem Schritt, bei jeder Geste so untrüglich, dass es sich im Nu wie ein frischer Hauch über den Saal breitet. Sie trägt ein dünnes Fähnchen, das sich ihr um den Leib schmiegt, Schultern und Arme* frei lässt und bis zu den Knien reicht. Während sie kleine Tanzschritte macht, zum yalse musette, den das Klavier spielt, tritt aus einer Bühnenecke ein Apache mit kartierter Mütze und rotem Halstuch. Max Randstein. Java oder getanztes Verbrechen Nur Gesten und Mimik: Herausfordernd gebietet der Apache dem Mädchen, mit ihm zu tanzen. Er reisst sie zu sich, sie wehrt es ihm. — Die Akrobatik, begleitet von überzeugendem Gebärdenspiel, beginnt. Tänzerisch zugleich entwickelt sich ein Kampf zwischen Schurke und Mädchen, entsteht der Eindruck eines Verbrechens im vollen Gange. Die meisterhafte Akrobatik allein ist es, die eine solche Szene ermöglicht, und, sagen wir auch, entkitscht. — Doch die Zuschauer bemerken sie kaum. Jedermann nur sieht atemlos, wie der Apache das Mädchen an den Haaren zerrt, wie er es zu Boden wirft, es durch die Luft wirbelnd über die Rampe hinaus bis beinahe in die atemlose Menge schleudert. So aufdringlich scheint die Roheit, dass die Leute sich kaum auf den Stühlen zu halten vermögen. Irgendwie möchten sie dieser Szene ein Ende machen, sie vergessen ja: Alles ist Tanz! Eben erhebt sich mühsam das Mädchen. Entkommt es? ... Zu spät! Der Apache nähert sich wieder, boshafter, drohender als zuvor, katzenartig ... streckt die Hand nach ihr aus... da! dicht bei meinen Füssen regt sich etwas, zerrt, — die Gläser klirren auf dem Tisch — etwas Dunkles, ein Tier... ein Hund schnellt wie rasend unter dem Gewirr von Tisch-, Stuhl- und Menschenbeinen hervor. Er schiesst gegen die Bühnentreppe, ein, zwei Sprünge... er schnellt sich zum Apachen hin, der eben seine Partnerin um die Hüfte fasst, springt an ihm hoch, reisst ihn zu Boden! Mäuschenstill liegt der Apache. Knurrend, zähnefletschend hält ihn der Hund am Kragen fest. Im Saal ist kein Laut zu vernehmen. Kaum regt sich der Apache, und schon wächst das wütende Knurren um Viertelstöne, steigert sich die Gefahr: «Der Hund wird beissen!> — Da, die Tänzerin, immer noch niedergekauert, bewegt sich, richtet sich auf, sieht mit ihren Rehaugen dem Hund in die seinigen. Der wird plötzlich unsicher, erstaunt ist er auf einmal über seine Selbständigkeit und bellt, bellt! Getanztes Verbrechen, — es täuschte den »charfen Sinn des Tieres, weckte den Hund aus seinem Dösen, machte ihn zum Zuschauer und dann zum alleinigen Beherrscher der Handlung. Hans Traeber, Vorahnungen bei Tieren von Dr. Hans Simkovsky. Die Vorahnung, das Gefühl für das Eintreten Ungewisser Ereignisse, gehört zu den eigenartigsten Erscheinungen des menschlichen Seelenlebens. Noch niemand hat zu ergründen vermocht, woher diese Vorahnungen kommen, und man wird wohl auch schwerlich jemals ihre eigentliche Ursache erfahren.- Noch merkwürdiger und geheimnisvoller als beim Menschen ist das Auftreten von Vorahnungen bei manchen Tieren. Ein bezeichnendes Beispiel für das Ahnungsgefühl eines Hundes liefert eine Begebenheit, die sich vor längerer Zeit in dem unterfränkischen Dorfe Obersinn zugetragen hat. Dort lebte einst ein Fleischhauer namens Rösch, der einen überaus klugen und zuverlässigen Hund besass. Bisweilen ging Rösch auf den Viehhandel und während seiner Abwesenheit blieb der Hund stets mit der Frau des Fleischhauers zu Hause, ohne dass es in seinem Betragen jemals etwas hätte merken lassen, selbst wenn sein Herr manchmal mehrere Tage lang ausblieb. Eines Tages, als Rösch eben wieder im Begriffe war, sich auf den Viehmarkt zu begeben, wollte der Hund durchaus nicht zu Hause bleiben. Er zeigte eine merkwürdige Unruhe und beruhigte sich auch nicht, als Rösch bereits fort war. In der folgenden Nacht wurde der Hund noch unruhiger; ex winselte und heulte kläglich, lief unausgesetzt aus der Stube und war auf keine Weise zu beruhigen. Am nächsten Morgen traf die Nachricht ein, dass Rösch, einige Stunden von seinem Heimatdorf entfernt — in dunkler Nacht in ein Kellerloch gestürzt und auf der Stelle verschieden war. Der brave Hund hatte also im voraus den harten Verlust empfunden, der ihm bevorstand. Ein ganz ähnlicher Fall trug sich im Hause eines Lokomotivführers zu, der bei einem Zugszusammenstoss tödlich verunglückte. Auch hier ahnte de Hund die Gefahr, die seinem Herrn drohte, voraus, indem er zur kritischen Zeit seinen Gefühlen durch jämmerliches Geheul Ausdruck gab. Noch seltsamer mutet eine Begebenheit an, die sich im Kanton Graubünden zugetragen hat. Ein Bauer überwinterte dort seine kleine Rinderherde in einem Stalle, der unweit einer Schlucht gelegen war, in die er seine Kühe jeden Tag zur Tränke führte. Eines Morgens waren die Kühe unter keinen Umständen zu bewegen, die Schlucht zu be^ treten, alle Anstrengungen, sie vorwärtszutreiben, blieben erfolglos. Die Tiere Hefen, sobald sie an den Rand der Schlucht kamen, immer wieder zurück, und es blieb daher nichts übrig, als sie schliesslich wieder in den Stall zurückzuführen. Kaum hatte die Herde den Stall erreicht, da ging in der nahen Schlucht unter heftigem Getöse eine mächtige Lawine nieder und riss den Brunnenkasten, an dem die Kühe hätten getränkt werden sollen, mit in die Tiefe hinab. Wären die Kühe geduldig wie sonst zu ihrem Brünnen gegangen, so wären sie wohl alle mitsamt ihrem Herrn unter den herabstürzenden Schneemassen begraben worden und zugrunde gegangen. Bekanntlich sollen auch die Ratten die Fähig'- keit besitzen, bevorstehende Gefahren lange Zeit vorauszuahnen. So will man des öfteren beobachtet haben, dass sie ein von ihnen bewohntes Schiff verlassen, sobald diesem ein Unheil droht. Aber nicht nur unheilvolle, sondern auch fretf dige Ereignisse ahnen manche Tiere zuweilen voraus. So berichtet Prof. Perty, dass einer seiner Schüler, der Sohn eines Pfarrers, einmal eine besonders kräftige und begabte Amsel aufzog, die innerhalb eines halben Jahres fast alle Kirchenmelodien pfeifen lernte und deshalb allgemein bewundert wurde. Während der Sommerferien praktizierte der junge Mann auf einem grossen Gutsbesitz, der etwa drei Stunden vom Wohnsitz seiner Eltern entfernt lag. So oft er nun ganz unvermutet nach Hause kam, wusste dies die Amsel schon eine Viertelstunde vorher; sie unterbrach plötzlich ihren Gesang, geriet in äusserste Unruhe und lief wie rasend in ihrem Käfig umher, bis ihr junger Pflegevater ins Zimmer trat und sie in gewohnter Weise aus dem Käfig herausliess. Der Versuch wurde mehr als zwanzigmal wiederholt und hatte jeweils den gleichen Erfolg. Ein Zufall erscheint hier also ausgeschlossen;

—' Äutamölfl-Revue E r i c h K n n d In der Todesfälle Schon über zwei Wochen hatte ich mich in der Farm von Giovanni Sorzetti, die etwas nördlich von Rustenburg, mitten im Gebiet der alten Transvaal-Republik liegt, aufgehalten, Gemäss dem Auftrag meiner Firma sollte ich schon wieder an der Küste sein, aber der alte Sorzetti Hess mich einfach nicht los. Er hatte seit vielen Jahren nicht mehr die Abende gemütlich in seiner Muttersprache verplaudern können, und da ich aus meiner Neapolitanerzeit her noch so leidlich italienisch konnte, war ich für Giovanni Sorzetti einfach unbezahlbar. Eines Abends sassen wir wieder auf seiner, für dortige Verhältnisse beinahe eleganten Veranda, als zwei Neger aufgeregt Einlass in den Hof begehrten. Sie wurden am Tor energisch von unserem weisshaarigen Pietro, dem Faktotum der Farm, zurückgehalten. Sorzetti hob den Kopf und schaute hinüber. « Zwei Kinder hat er gestern zerrissen, > « Heute die alte Mnugu...» Sorzetti sprang entsetzt auf: « Wer? Was ist los? » « Der reissende Geist ist da, Herr, und wer weiss, wer heute die Nacht überlebt! » Den reissenden Geist nennen die Schwarzen von Transvaal den Leoparden, der heute fast ganz verschwunden ist. Nur hie und da taucht er noch auf. Bevor er zum erstenmal Menschenblut gekostet hat, ist er beinahe ungefährlich. Kommt er aber irgendwie dazu, artet er zu einer wahren Landplage aus. Vor fünf Jahren war der letzte Einzelgänger in der Gegend gewesen. Er war nicht abgeschossen worden, aber dennoch nach einigen verwegenen Raubzügen verschwunden. Nun jagten wir schon seit einer vollen Woche mit fanatischer Leidenschaft hinter der buntfleckigen Katze her, ohne ihrer auch nur ansichtig zu werden. Fast täglich forderte sie ihre Opfer. In verzweifelter Angst wagten die Schwarzen nach Eintritt der Dunkelheit sich kaum mehr ins Freie. FERIEN ZUR SEE Cie. Generale TRANSATLANTIQUE Wir legten Aas aus, um das Tier anzulocken. Vergebens! Wir Hessen Fallgruben mit lebender Lockspeise anlegen, die wir sorgsam zudeckten, so dass die Stelle auch für Menschen beinahe unkenntlich war. Vergebens! Wir durchstreiften den Urwald im Umkreis von fünfzehn Kilometern kreuz und quer, um todmüde und abgehetzt zu Hause zu erfahren, dass die Katze gerade auf der entgegengesetzten Seite auf offenem Felde einen vierzehnjährigen Jungen zerfetzt hatte. Eins Morgens hatte mein Gastgeber geschäftlich auswärts zu tun und er bat mich, seine Rückkehr abzuwarten. Ich wartete bis Mittag, aber er kam nicht. Die Geschäfte hielten ihn auf einer benachbarten Farm zurück. So lud ich schliesslich meinen schwerkalibrigen Jagdkarabiner und beschloss, einen kleinen Inspektionsgang zu machen. Dem alten Pietro sagte ich, dass ich nur im Kral ein wenig nachsehen wollte. Dann verliess ich das Haus. Mitten am Weg änderte ich jedoch meinen Plan und ich schlug mich quer durch die Felder, im Bogen nach rechts, dem Berg zu. Ich mochte bereits an die drei Stunden den Busch durchstreift haben, ohne etwas Besonderes erlebt zu haben. Schliesslich schlug ich verdrossen den Heimweg an. Gewohnheitsmässig machte ich den Umweg zu unserer grossen Falle, um zu kontrollieren. Wohl zwanzig Male war ich schon dort gewesen, immer erfolglos. Die Sonne stand bereits tief. Ich schritt schneller aus, denn ich hatte über eine Stunde von der Falle bis zur Farm. Endlich langte ich an. Doch ich traute meinen Aqgen nicht: vom Mittelpflock fehlte das grosse Stück Kalbfleisch! Es wird ein anderes Kleintier gewesen sein, dachte ich aufgeregt, oder —. Ich trat rasch näher, um zu sehen. Da gab unter mir der Boden nach und ich schlug krachend in die Tiefe. Hart fiel ich unten auf. Schon nach einer Sekunde sprang ich entsetzt auf. Ich begriff, dass ich in der Erregung zu weit nach vorne gegangen und dass das dürre Geäst über der Grube unter meinem Ge- J wicht nachgegeben hatte. Und nun war ich unten, und kaum sechs Schritte vor mir stand, halb zusammengeduckt, ein Leoparde. Die vergeblichen Befreiungsversuche hatten das Tier erschöpft. Seine grünlich funkelnden Augen zwinkerten mich böse an. Es schien durch meinen Sturz noch mehr verblüfft als ich. Unruhig scharrte es mit den Vorderpfoten. Als ich wieder imstande war, einigermassen zu denken, wollte ich nach meinem Gewehr greifen. Nun erst bemerkte ich, dass es beim Sturze am Rande der Fallgrube hängen geblieben war. Ich blieb unbeweglich an der lehmigen Wand angelehnt stehen. Die Katze fixierte mich und ich starrte ihr unablässig in die Augen. Unendlich langsam verstrich die Zeit. Die Falle war gut sechs Meter tief, und hier unten \ herrschte ein unangenehmes Halbdunkel, in dem die Leopardenaugen wie zwei fahle Knöpfe glommen. Die Grube war am Boden ungleich und ich sah, dass das Raubtier, sich einen fast meterhohen Erdhaufen zusammengekratzt hatte. Schnell brach die Nacht herein. Gleichzeitig begann es zuerst ganz leise, dann aber immer heftiger zu regnen, bis grosse Tropfen in unsere Grube, in der sich bald eine grosse Lache bildete, hereintropften. Nun wurde ^die grosse Katze unruhig und wandte ihre Aufmerksamkeit von mir ab. Sie kratzte erregt auf dem Erdhaufen herum, wobei sie ein leises Jaulen von sich gab. Nun erkannte auch ich die furchtbare Gefahr. Das Wasser konnte in den Lehmboden nur schlecht einsickern und begann daher schnell zu steigen. Nun kehrte ich mich zur Wand und versuchte, an ihr hinaufzuklettern. Vergebens! Dann machte ich mich daran, mit meinem Taschenmesser Stufen in den Lehm zu graben. Der Regen jedoch hatte den Lehm in eine klitschige Masse verwandelt, und wenn es mir endlich gelang, mich einen Meter hinaufzuarbeiten, so glitt ich regelmässig wieder herab. Völlig zerschunden und erschöpft Hess ich schliesslich von den verzweifelten Anstrengungen ab. Das Tier hatte aufmerksam meine erfolglosen Bemühungen beobachtet. Als ich resigniert aufgab, fing es durchdringend zu jaulen an. Das Wasser hatte eine Höhe von nahezu einem Meter erreicht und stieg ununterbrochen weiter. Ich stand bis über die Hüften darin. Der Leoparde kauerte auf seinem Erdhaufen, der nun auch langsam unter Wasser gesetzt wurde. Kurz entschlossen watete ich auf die Katze zu. Sie sah mir schweigend entgegen. Das machte mir Mut. Ich fing an, mich den Haufen, auf dem sie stand, hinaufzuarbeiten. Er war so schmal, dass wir aneinanderstiessen, als M. S. „LAFAYETTE" 25,000 Tonnen Zelchnn r«ti rtr Jean-Lotnt der» Ich oben war. Sie zuckte zusammen, rührte sich sonst aber nicht. Und das Wasser stieg und stieg... Das Gewitter raste unterdessen knatternd und donnernd über uns weg. Ein paarmal schlug der Blitz neben unserer Falle in die hohen Urwaldbäume, Nach und nach legte sich das Getöse. Aber das Wasser stieg und stieg— Der Leopard neben mir heulte, dass es durch Mark und Bein ging. Nach und nach fing auch ich zu brüllen an, da ich hoffte, Sorzetti werde mich suchen lassen. Bis mir einfiel, dass ich dem alten Nigger ja die entgegengesetzte Richtung als mein Ziel angegeben hatte ... Endlich graute der Morgen, Fahl hoben sichi die Umrisse der Grube aus dem Zwielicht. Fast hätte ich in freudigem Erschrecken aufgeschrien: neben uns war ein Baum vom Blitz gespalten worden. Ein Ast hing zum Greifen nahe am anderen Ende der Falle. In der Fin-t sternis der Nacht hatte ich ihn nicht bemerkt. Der Ast war allerdings dünn. Würde er halten? In fieberhafter Spannung verliess ich meinen Standplatz, um, bis zum Hals im Wasser, in die Richtung des hereinhängenden Astes zu waten. Ich stellte mich auf die Zehen und erreichte mit der rechten Hand den Zweig. In einer plötzlichen Eingebung versuchte ich mit ganzer Kraft einen Hechtsprung und einige bange Minuten später zog ich mich keuchend über den Grubenrand. Der erste Griff galt meinem unversehrten Karabiner. Ich lud das Gewehr frisch und trat an den Grubenrand. Der Leoparde stand bis an die Schultern im Wasser und starrte mich mit weitaufgerissenen Augen an. Ich warf die Büchse über und holte ein Stück des vom Blitz zerfetzten Baumstammes, den ich mühsam in die Grube wälzte. Aechzend Hess ich das eine Ende hinunter« während das andere leiterartig zu mir aufragte. Mit zwei Sätzen war die Katze oben. Drei Schritte vor mir blieb sie stehen und blickt« mich unverwandt an.' Wenn ich jetzt geschossen hätte, wäre sie unmöglich zu verfehlen gewesen. Aber ich rührte den Karabiner nicht an. Der Leoparde schlug einige Male mit dem Schweif auf den nassen Boden auf und schlenderte dann langsam ins Innere des Waldes. Einmal noch sah er sich nach mir um, hierauf verschwand er. Ich jedoch begann taumelnd den Heimweg* anzutreten... s P n