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E_1936_Zeitung_Nr.039

E_1936_Zeitung_Nr.039

BERN, Dienstag, 12. Mai 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N» 39 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. J O.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Niveau-Ucbcrgängc und „Eisenbahngefährdung" Unser Postulat: Arbeitsbeschaffung durch Beseitigung der Niveauübergänge — ist so alt wie der Automobilverkehr selber. Leider befinden wir uns heute wieder so weit wie je von diesem Ziel. Aus statistischen Angaben der SBB geht hervor, dass alljährlich 172 bis 245 Kollisionen an Niveauübergängen zwischen SBB und Strassenverkehr stattfinden. Davon betreffen allein 82 bis 124 Fälle *das Einfahren von geschlossenen oder sich schliessenden Barrieren durch kreuzende Automobile und Motorräder. Für den Fahrer ist eine solche Kollision, auch wenn sie technisch noch glimpflich ablaufen mag, immer eine heikle Sache. Das schweizerische Bundesstrafrecht hat nämlich dem Tatbestand der Eisenbahngefährdung einen eigenen Artikel gewidmet, und es kann den Automobilisten nur empfohlen werden, mit diesem nach Möglichkeit nicht in Konflikt zu geraten, da er sich durch besondere Strenge auszeichnet. Es handelt sich um den Artikel 67, der von der Sicherheit des Eisenbahn-, Dampfschiff- und Postwagenverkehrs ausgeht und mit Strafe bedroht, wer diesen Verkehr gefährdet. Dabei braucht ein tatsächliches Unfall- oder Schadensereignis gar nicht eingetreten zu sein. Eine Handlung ist schon dann als sogenanntes Gefährdungsdelikt im Sinne des Art. 67 strafbar, wenn in ihrem ursächlichen Zusammenhang ein solches Ereignis hätte eintreten können. Die Berufung auf den Art. 67 pflegt nach heutiger Praxis namentlich dann regelmässig in Erscheinung zu treten, sobald es sich um eine Kollision von Schienenbahn und Motorfahrzeug handelt, wobei auch eine Einrichtung, die in irgend einer Form zum Betrieb der Schienenbahn gehört unter den gleichen Tatbestand fällt. Der gegenwärtige Art. 67 des Bundesgesetzes geht seinem Sinne nach bis auf das Jahr 1863 zurück und lautete damals, in etwas anderer Fassung: « Wer durch irgendeine Handlung absichtlich Personen oder Waren, die sich auf einem zur Beförderung der Post dienenden Wagen oder Schiffe oder einer Eisenhahn befinden, einer erheblichen Gefahr aussetzt, wird mit Gefängnis, und wenn ein Mensch erheblich verletzt oder sonst ein beträchtlicher Schaden verursacht worden ist, mit Zuchthaus bestraft. » Diese strenge Vorschrift war damals durchaus nicht überflüssig, wenn man sich F E U I L L E T O N Der Seewolf. Von Jack London. 29. Fortsetzung. * Ich erinnere mich, eine Besprechung über ein Bändchen von Ihnen geschrieben zu haben — —», begann ich, aber sie unterbrach mich. « Sie ! » rief sie. « Sie sind > Jetzt nickte ich meinerseits zustimmend. « Humphrey van Weyden ! » schloss sie — dann fügte sie mit einem Seufzer der Erleichterung hinzu, ohne daran zu denken, dass Wolf Larsen ihn bemerken musste : « Wie mich das freut! » « Ich entsinne mich recht wohl der Besprechung », fuhr sie fort, als sie sich bewusst wurde, wie seltsam ihre Bemerkung wirken musste. « Sie war wirklich zu schmeichelhaft. > « Keineswegs », verneinte ich schnell. « Sie setzen meine nüchterne Urteilskraft herab und entwerten meine Kritik. Im übrigen Erscheint jeden Dlenitaa and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe litte" REDAKTION u. ADMINISTRATION* Breltenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: AutoreTue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Lfiwenstrasse 51, Telephon 39.743 die missgünstige, ja feindliche Aufnahme vergegenwärtigt, welche sich jedes neue Verkehrsmittel bei seinem ersten Auftreten gefallen lassen muss. Die älteste Gilde unserer Automobilisten wird sich noch lebhaft an die Steinwürfe und das Nagelstreuen der Dorfjugend und das « entgegenkommende » Verhalten der Fuhrleute erinnern. Gegen eine ähnliche Einstellung musste sich damals die Bahn vorsehen. Der ursprüngliche Wortlaut des Art. 67 lässt jedoch keinen Zweifel darüber, dass nur Handlungen verfolgt werden sollen, die geeignet sind, die im Zuge befindlichen Passagiere bezw. die transportierten Fracht- und Postgüter einer erheblichen Gefahr auszusetzen. Dieser eindeutige Sinn der Vorschrift ist durch die Revision im Jahre 1905 einigermassen verwischt worden. Der entsprechende Passus des neuen Art. 67 lautet: < Wer vorsätzlich die Sicherheit des Eisenbahnverkehrs gefährdet, wird mit Gefängnis etc. » «Wer durch Fahrlässigkeit die Sicherheit des Eisenbahnverkehrs erheblich, gefährdet, wird mit Gefängnis bis -zu einem Jahr und wenn ein Mensch bedeutend verletzt oder getötet oder sonst^ein erheblicher Schaden verursacht worden ist, mit Ge^, fängnis bis zu drei Jahren bestraft. Mit der Ger fängnisstrafe kann auch Geldbusse verbunden werden. In leichtern Fällen kann der Richter auf Geldbusse allein erkennen.» «Eisenbahngefährdung» —ein sehr weiter Begriff. Die Möglichkeit, sich in leichtern Fällen auf Geldbusse zu beschränken, bedeutet allerdings eine Milderung. Nur ist die Grenze zwischen einem leichten und einem schweren Fall Ermessenssache und wird darum von den Gerichten sehr verschieden gezogen. Anderseits bedeutet die stark verallgemeinerte Fassung : « Sicherheit des Eisenbahnverkehrs > einen Freibrief für die öf- stimmen alle Kritiker mit mir überein. Hat Lartg nicht Ihr Gedicht ,Der geduldete Kuss' zu den vier grössten Sonetten gezählt, die von Frauen in englischer Sprache geschrieben worden sind ? » « Sie sind sehr gütig», murmelte sie, und gerade das Konventionelle ihrer Worte und der ganze Schwärm von Vorstellungen des früheren Lebens auf der andern Seite der Welt durchzuckten mich — reich an Erinnerungen, aber auch stechend vor Heimweh. « Also Sie sind Maud Brewster », sagte ich feierlich und blickte sie an. < Und Sie sind Humphrey van Weyden >, sagte sie und erwiderte meinen Blick ebenso feierlich und furchtsam. < Wie seltsam ! Es ist mir alles ganz unverständlich. Wir haben sicherlich eine wildromantische Seegeschichte von Ihnen zu erwarten.» «Nein, ich sammle keinen Stoff, das versichere ich Ihnen», lautete meine Antwort. « Ich habe weder Geschick, noch Neigung für phantastische Literatur. > Und dann vergassen wir ganz, wo wir waren, und liessen Wolf Larsen stumm und wie ein gescheitertes Schiff inmitten der Brandung unserer Unterhaltung. Die Jäger fentlichen Transportanstalten, auch solche Fälle vor den Strafrichter zu bringen, die mit einer wirklichen Gefährdung von Passagieren oder Gütern in keinem unmittelbaren Zusammenhang mehr stehen. Ein Automobilist, der in einer unübersichtlichen Kurve eine Eisenbahnschranke anfährt, oder irgend eine Umzäunung beschädigt, die zum Bahnkörper gehört, hat bereits ein Strafverfahren wegen Eisenbahngefährdung zu gewärtigen. Diese einseitige Praxis gegenüber dem Motorfahrzeugverkehr wird leider ausdrücklich bestätigt durch die Vollziehungverordnung zum Bundesgesetz vom 15. März 1933 ! über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr. Nach Art. 42 muss der Führer sein Fahrzeug ständig beherrschen und die Geschwindigkeit den gegebenen Strassen und Verkehrsverhältnissen anpassen. Er hat namentlich in Ortschaften, bei Bahnübergängen... usw. den Lauf zu massigen, oder nötigenfalls anzuhalten. Gerade in. Bezug auf die Niveauübergänge ist diese ganze Praxis gegenüber dem Automobilisten denkbar einseitig und ungerecht. Die eine Gruppe von Verkehrsmitteln geniesst Umgekehrt gegenüber dem privaten Automobilverkehr eine privilegierte Rechtsstellung, die in keiner Weise begründet ist. Heute, da der Automobilverkehr an wirtschaftlicher Bedeutung dem Schienenverkehr zum mindesten ebenbürtig ist, lässt sich die einseitige Gefährdungsiustiz zugunsten der Schienenbahn in der Tat nicht mehr rechtfertigen. Gerade an Niveauübergängen ist übrigens die Bahn verkehrstechnisch ebenso sehr Strassenverkehr wie die kreuzenden Motorfahrzeuge. Nur bedeutet die Bahn an diesen Stellen eine viel grössere Gefahrquelle für den Automobilverkehr, als umgekehrt. Die Allgemeinheit nimmt heute an diesem modernen Strassenverkehr mindestens das gleiche Interesse wie am Schienenverkehr, Unter diesen Umständen lässt sich aber eine einseitige Begünstigung der einen Verkehrsgruppe, Welche die andere schutzlos lässt, nicht mehr rechtfertigen. Wir wiederholen: es gibt nur ein System, welches diesen Schutz in einwandfreier Weise für beide Verkehrsmittel gewährleistet: die Beseitigung der gefährlichen Niveauübergänge und ihre Ersetzung durch getrennte Über- respektive Unterführungen. Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. GrSssere Inserate nach Spezialtarit Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Das Automobil in Palästina. Dramatischer Kampf in Tripolis. Int. Alpenfahrt 1936. «Potez 60». Das Sonnendach. Kerenzerberg- oder Walenseestrasse. Bilder: Seite 8. Wie wirbt die Schweiz für den Autotour ismus? standen auf und gingen an Deck, und wir sprachen immer noch. Nur Wolf Larsen blieb. Plötzlich wurde ich seiner Anwesenheit inne, er sass zurückgelehnt am Tisch und lauschte neugierig unsern fremdartigen Reden über eine Welt, die er nicht kannte. Ich brach mitten im Satze ab. Die Gegenwart mit all ihren Gefahren und Schrecken lähmte mich. Fräulein Brewster musste es ähnlich gehen, ein unbestimmtes namenloses Entsetzen trat in ihre Augen, die jetzt auf Wolf Larsen fielen. Er erhob sich und lachte verlegen mit einem seltsamen, metallischen Klang. « Oh, kümmern Sie sich nicht um mich », sagte er mit einer Handbewegung, als wolle er seine eigene Unterwürfigkeit kundgeben. «Ich zähle nicht mit. Bitte fahren Sie nur fort.» Aber die Tore der Beredsamkeit waren geschlossen. Auch wir erhoben uns und lachten verlegen. Der Verdruss, den Wolf Larsen empfand, weil Maud Brewster und ich ihn in unserer Unterhaltung bei Tisch ignoriert hatten, musste sich irgendwie Luft machen, und INSERTIONS- PREIS: Wir berichten heute Ober: Wir werden uns für dieses Postulat immer wieder einsetzen. Solange wir noch die heutigen mangelhaften Zustände haben, möchten wir allerdings auch nicht unterlassen, vermehrte Vorsicht vor Bahnübergängen zu empfehlen. Man vergewissere sich, wenn man durch unbekanntes Gebiet fährt, vorher an Hand der Karte, wenigstens in grossen Zügen, wie die Bahnlinie verläuft und wo Bahnübergänge zu erwarten sind. Akustischen und optischen Haltsignalen ist unbedingt Folge zu leisten. Wir möchten an dieser Stelle auch eine Empfehlung, die uns aus SBB- Kreisen zugeht, an unsere Leser weitergeben, das Bedienungspersonal bei geschlossenen Barrieren nicht etwa durch Zurufen oder Hupen zu einem unvorsichtigen Wiederöffnen « aus Gefälligkeit» zu verleiten. Die gewonnene Minute verlohnt den Einsatz des Lebens gewiss nicht. Zu bemerken ist auch, dass zwar das Automobilgesetz eine Haftpflichversicherung vorschreibt, eine persönliche Unfallversicherung jedoch der privaten Initiative überlässt. -n- Wie den jeweiligen Veröffentlichungen über die Einreise ausländischer Motorfahrzeuge in die Schweiz in der « Automobil-Revue» zu entnehmen ist, hat der Autotourismus im vergangenen Jahr leider eine rückläufige Entwicklung zu verzeichnen gehabt. Auch Januar und Februar 1936 zeigten Ausfälle gegenüber den entsprechenden Monaten des Vorjahres, hingegen Hess der März erfreulicherweise doch wieder eine Zunahme erkennen. Die Ursachen für den Rückgang des Autotourismus sind bekannt; für die Schweiz und die mit der Werbung für ihren Fremdenverkehr beauftragten Instanzen ergibt sich die heute besonders schwierige und durch die Einstellung des Bundes erschwerte Aufgabe, Autogäste für unser Land zu gewinnen. Für diese Propaganda besteht bei der schweizerischen Verkehrszentrale eine besondere Abteilung unter der fachmännischen Leitung von Dr. M. Senger, der dem Schreiber dieser Ausführungen kürzlich Mitteilungen über die Werbung für den Autotourismus im kommenden Sommer gemacht hat. Einmal hat die Schweiz. Verkehrszentrale (SVZ) eine Neuausgabe der S trass enkar.te in Vorbereitung. Die Nachfrage danach war im Thomas Mugridge sollte der Sündenbock sein. Trotz seiner gegenteiligen Behauptung hatte er weder sein Benehmen noch sein Hemd gewechselt. Dieses Kleidungsstück widerlegte ihn ebensosehr, wie die Fettablagerungen auf Ofen, Töpfen und Pfannen, die aller Begriffe von Reinlichkeit spotteten. «Ich habe dich gewarnt, Köchlein», sagte Wolf Larsen, « und jetzt hilft's dir nichts mehr, jetzt kriegst du deine Medizin. » Mugridge wurde kreideweiss unter der Rußschicht, und als Wolf Larsen nach einem Tau und ein paar Mann rief, schoss der verzweifelte Cockney in wilder Flucht, aus der Kombüse, machte weite Sätze über das Deck und duckte sich, um der Verfolgung der grinsenden Mannschaft zu entgehen. Der hätte kaum etwas grösseres Vergnügen machen können, als ihn ein bisschen ins Schlepptau zu nehmen, denn was er der Mannschaft an Essen und Trinken vorgesetzt hatte, war einfach scheusslich gewesen. Auch die äusseren Verhältnisse begünstigten das Unternehmen. Die ,Ghost' glitt mit nur drei Meilen Fahrt dnrrti da* w a««r und die See war ziemlich ruhig. Aber Mugridge verspürte nur geringe Neigung, untergetaucht