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E_1936_Zeitung_Nr.040

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18 Automobil-Revue —

18 Automobil-Revue — 40 das andere Mal als Kellner oder zeitungslesender Gast, dann als Soldat und Tänzer mit einer Trachtenmaid und schliesslich kraftmeierte er mit einem Artgenossen beim Hosenlupf. Als mächtiges Standbild hütete er Schirme im Ständer, oder im Kleinformat umfassten seine Talpen ein Tintenfass. Was aber hat ein Bär mit Schirmen und Tintenfässern zu tun? Der Mensch sah eben nur sich in allem und war scheint's in sich verliebt. Ob nicht dieser ganze Aufwand dem Zeitalter entsprach, — um 1900 schien man so gerne «mehr» und anders als man war. Gewiss hat das Reiseandenken seine hintergründige Psychologie. Die neue Sachlichkeit kommt auch dem Kindergeschenk zugute. Für das bildsame Kind ist nur der beste Früheindruck gut genug. Keramik und Weberei. Es dessen sich viele Gegenüberstellungen zwischen Kitsch und Geschmack machen. Die Keramik gibt wohl den reichsten Aufschluss. Auch hier müssen wir bei guten Produkten nicht mehr fragen: «Bist du ein Schwan oder ein Aschenbecher?» Wenn man heute Pflanzliches, Erdiges und Kleiderstoffliches säuberlich auseinanderhält, so ist das ein Erfolg der dreissigjährigen heimatschützlerischen Bemühungen. Nur schon die Blumenvase hat eine Revolution durchgemacht. Was gab es (und gibt es noch) nicht alles für Blumenvasen, rosa, himmelblau, mit einer fleischfarbenen Frauenhand, die sich malerisch heraufwand aus einem Rüschengekräusel, und eine Visitenkarte herausstreckte «Zum Andenken an...» Nun stellen uns Langnau, Heimberg, Steffisburg so gediegene Ge- bücher, Notizblöcke, Schreibunterlagen mit allem Zubehör. Auch im bergigen St. Gallen haben fässe zur Verfügung, dass sich die holde Frauen-: 5Männer einen Erwerbszweig als Heimarbeiter, und hand beleidigt in den Trödlerladen zurückzieht. zwar als Drechsler. Vergessen wir nicht die Toggenburger Bauernmalerei, sie eignet sich beson- Die Kunsttöpferei des Kantons Bern ist schon aus dem 16. Jahrhundert rühmlich bekannt. Selbst die ders zu Geschenken. Aber auch st. gallische Tülldurchzüge und Klöppeleien von Iselfwald erfreuen einfachste dunkelbraune Kaffeekanne hat etwas so Einladendes an sich, dass wir sie gerne als Reiseandenken aus dem Oberland sich grosser Anerkennung. heimbringen. Heutzutag haben die wenigsten Menschen viel Geld zur Verfügung. Kaufen sie ein, dann ist's ein Gebrauchsgegenstand oder ein Kleidungsstück. Hier bietet die Heimarbeit genug Erfreulichstes. Lieber als japanische Tessinerpuppen sind uns Tessiner Handwebereien. Die Frauen dort bereiten Taschen aus verwobenem Bast oder aus «Drapponi», das sind Abfallstoffe, die sie in schmal zugeschnittenen Bändchen als Einschlag verweben. Eine dritte Art Tasche besteht aus buntem solidem Gurtenstoff. Gerne verwendet man in einem bestimmten Atelier des Tessins auch Kupferfäden als Stoffgrund. Mit grobem Material wird darauf gestickt. Kissenanzüge, Bucheinbände, Divan- und Der Autodecken, Teppiche, ganze Möbelbezüge aus Schafwolle werden überall hergestellt, wo man webt: Im Simmen- und im Haslital, im Bündnerland und Tessin. Auch die Frauen aus dem Saanenland gehören zu den besten Weberinnen. Heute wird wieder handgesponnen und handgewoben. Ein Kleid aus handgesponnener, pflanzengefärbter Schweizer Wolle ist sicher eine angenehme Ferienerinnerung. Man hat vielleicht den Tessinerinnen am Färbebrunnen zugeschaut, und wenn man später das Endprodukt trägt, wird das anmutsvolle Bild jener Geschäftigkeit wieder gegenwärtig. Auch Garn zum Verarbeiten ist ein schönes Andenken. Am meisten würde uns die Tessiner Spindelwolle gefallen, die Wolle, die ohne Spinnrad, nur durch den Rocken entstand. Heute, wo so vieles handgestrickt wird, arbeitet man sich ganze Jackenkleider selber. Es bleiben noch die vielen gemischten Erzeugnisse der Heimarbeit: Aus derselben warmhaltenden Schafwolle wie die schweren Decken werden Strümpfe, Sportsocken, Mützen und Pullower gearbeitet. Grosse Auswahl finden wir in Leinen. Bestickte Tischdecken aus dem Haslital, farbige Grindelwaldkitteli für Kinder. Warum nicht ein Stück Bettwäsche? Das Tannzapfenland im unteren Thurgau hält fest an einer ehrwürdigen Ueberlieferung. Hier stickt man Leinen nach Motiven aus dem 17. Jahrhundert. Die Frauen im Saanenland arbeiten Buchhüllen aus Leinen, ihre Männer verfertigen Ledersachen: Mappen, Gäste- Zu jedem Geschäft gehört die Reklame. Warum aber soll aus einem schweizerischen Kurort ein amerikanisches Geschäftsviertel werden? Wie mache ich Reklame, die meinem Geschäft nützt und die zugleich taktvoll wirkt? Die beste .Reklame ist sogar heute noch die Qualität der Ware. Es gibt immer noch Menschen, welche gediegenes volkskünstlerisches Schaffen erkennen und schätzen, und wir hoffen, sie werden immer zahlreicher. Es sei noch erwähnt, dass im Jahr der Landesausstellung 1914 eine Genossenschaft zur Beschaffung guter Reiseandenken gegründet wurde. Auch diese stand im Zusammenhang mit dem Heimatschutzverein. G. E. Sieger von Honte Carlo Der einzige Mann, der mit Systematik '-— ich wähle mit Absicht das Wort Systematik statt System — die Bank besiegt hat, war Ingenieur Jagger. Ein aus Deutschland nach England ausgewanderter Mechaniker und Mathematiker, der sich mit dem Problem der Roulette lange Jahre bevor er in Monte Carlo erschien, innigst befasst hatte. Während, Garcia, Wells und die anderen provisorischen Sieger trotz ihrer Niederlage Weltruhm erreicht haben, ist die Gestalt Jaggers nie in dieses mystische Licht gerückt worden, die sein definitiver Sieg eigentlich verdient 'hätte. Aber Jagger war kein Abenteurer. Er war ein ernster, ruhiger Arbeiter, der sein System, das eigentlich kein' System war, sondern nur der Abglanz einer geduldigen Beobachtung der Roulettescheibe, in jahrelanger, mühseliger Arbeit ohne jeden dekorativen Tand zusammengetragen hat. Zehn Jahrelang arbeitete er zu Hause in einer kleine* nordenglischen Stadt an dem mathematischen Problem, die Gesetze des Zufalles mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitsberechnung in ein einheitliches festes Gebäude zusammenzufügen. Während aber die Mathematik, wie bei so vielen anderen, gänzlich versagt hat, machte er die Beobachtung, dass sein Roulette gewisse unregelmässige Regelmässigkeiten betreffs Bevorzugung gewisser Nummern aufwies. Er schaffte sich noch einige andere Roulette an, die besten Präzisionsinstrumente, die in der damals einzigen Pariser Fabrik zu haben waren. Er konstatierte nun bei diesen Experimenten, dass jedes seiner Rouletten, ihre Eigentümlichkeit hat. Nachdem diese Tatsache konstatiert war, fasste er seine Beobachtungen in folgenden logi- PfERDI schen Satz zusammen: «Nichts, was die Menschenhand herstellt, ob rein handwerksgemäss oder maschinell, ist perfekt. Wenn es auch nun möglich ist, durch die Wasserwaage die Drehscheibe der Roulette bis zur letzten Feinheit gleichzustellen, so ist es ausgeschlossen, dass die 37 Abteilungen, in die die Roulettekugel hinrollt, ganz gleich gross sein können. Die mindeste Abweichung in den Grössenverhältnissen der Nummernabteilung müsse aber in der Auswirkung des Durchschnittes, wie oft jede Zahl erscheint, sich ganz merklich in der Bevorzugung jener Nummern zeigen, deren Abteilungen, wenn auch nur um eine Haaresbreite, breiter sind als die anderen.» Diese Beobachtung war wissenschaftlich absolut richtig. Gewisse weitere Beobachtungen, wie die über Zahlenfolgen, dass zum Beispiel bei gewissen Rouletten nach der Zahl 33, 1, 20, meistens die Zahl 15, 32 und 0 gekommen ist usw., baute er zu seiner Systematik, die man das «System der Unvollkommenheit der Roulette» nennen könnte, aus, Er ging an" die Arbeit mit derselben Gründlichkeit, wie man an den Bau einer Eisenbahn gehen würde. Er nahm sechs Gehilfen auf, fuhr mit ihnen nach Monte Carlo und verteilte seine Gehilfen bei sechs verschiedenen Rouletten. Die Gehilfen hatten keine andere Aufgabe, als die Nummern zu notieren. Abends setzte sich dann Jagger in sein Hotelzimmer und fing an zu rechnen. Nach drei Wochen hatte er ein genaues Verzeichnis über die Naturgeschichte der beobachteten sechs Roulettetische. Diese Schwerarbeiter des Hasards lebten während der ganzen Zeit sparsam und zurückgezogen, wie Bankerotteure. Ein sanik eit Die Liebe hat uns hoch emporgefragen In Sphären, die der Sehnsucht letztes Ziel, Doch blieben wir sogar in jenen Tagen Getrennte Wesen in des Schicksals Spiel. Und ob auch tausend Schranke^ überwunden, Geheime Schluchten lagen nackt und bloss: Die letzten Tiefen blieben doch gebunden Und einsam sah'n wir in den eignen Schoss. Das gesamte Kapital Jaggers betrug ja nur 5000 Pfund, und trotz der bescheidenen Lebensweise verschlang die Expedition bedeutende Summen. Der Montagvormittag, an dem Jagger mit seinen Gehilfen bei den Spieltischen erschien, war wohl das bedeutungsvollste Ereignis der Geschichte der Spielbank, denn das war die erste und vielleicht auch die letzte Gelegenheit, wo ein unter den damals gegebenen Umständen unfehlbares System in Tätigkeit gesetzt wurde. Jagger und seine Leute spielten auf sechs Tischen auf einmal jene besonderen Nummern, die Jagger seinen. Leuten zu spielen befohlen hatte. Das Resultat einer zweistündigen Schlacht war, dass er sein Spielkapital von 5000 Pfund vervierfacht hatte. Das Aufsehen war ungeheuer. Die Ruhe und Präzision, womit die Angestellten Jaggers arbeiteten, die Leidenschaftslosigkeit des Spieles, die Unbegreifbarkeit,' was und warum sie so spielen, hatte sowohl Spielpublikum wie die Direktion der Bank unerhört aufgeregt. Am selben Nachmittag erschien Jagger mit seiner Leibgarde zum zweiten Male. Sie spielten von vier bis sechs Uhr nachmittags und wieder war die Bank um 25 000 englische Pfund ärmer geworden. Am nächsten Tag wiederholte sich dasselbe Schauspiel. Mit ruhiger Sicherheit erschienen Jagger und seine Gehilfen bei den Tischen. Sie ordneten ihr Geld, machten gerade so sachlich ihre Sätze, kassierten ihre Gewinne ein, wie wenn sie am Schalter irgend einer Bank beschäftigt wären. Der zweite Tag endete wieder mit einem Gewinn von 40 000 Pfund. Der dritte ebenfalls. Die Bankdirektion wurde von einer Panik betroffen. Camille Blanc, der Sohn des Gründers, rechnete mit dem Bleistift m der Hand bereits aus, dass er sein Unternehmen innerhalb von 14 Tagen sperren könne, wenn man Jagger und seiner Gefolgschaft nicht irgendwie das Handwerk legt. Nach dem dritten Tag kamen die Rouletteverständigen Camille Blancs darauf, dass die kleinen Fehler der einzelnen Rouletten von Jagger ausgenützt werden. Man tauschte demzufolge in der Nacht die Roulettescheiben aus. Und richtig: Der vierte Tag des Jaggerschen Angriffes endete mit einem Misserfolg. Er verlor 40 000 Pfund und zog sich daraufhin zurück. Drei Tage beobachtete Jagger und seine Helfer die Roulettetische und bemerkten an kleinen, minimalen Anzeichen, dass die Scheiben ausgetauscht wurden. Nach drei Tagen hatten Jagger und seine Helfer aber herausgefunden, dass jede Roulettescheibe irgend ein kleines Erkennungszeichen hat. Einen kleinen Kratzer, einen Punkt am Email, eine gewisse andere Tönung in der Farbe der Nummern. Mit diesen Beobachtungen ausgerüstet, war er wieder Herr der Situation. Er kannte wieder jede Eigentümlichkeit der Instrumente und gewann innerhalb von drei Tagen das Verlorene zurück, wie weitere 70 000 Pfund. Die Bankdirektion Hess in ihrer Ratlosigkeit den technischen Leiter der Roulettefabriken aus Paris holen. Sie setzte ihm das System Jagger auseinander und der findige Roulettetechniker hatte sofort eine Th de Kriesi. Abwehrmassnahme. Man musste nur den inneren Teil der Roulettescheiben, wo die Abteilungen ruhen, beweglich drehbar machen» So konnte jeden Tag die Roulettescheibe verstellt werden, und die Fehler der Roulette, die nicht zu beseitigen waren, konnten jeden Tag auf eine andere Nummer verlegt werden. Dadurch war die Beobachtungsmöglichkeit für den Fehlerkoeffizienten beseitigt. Das System Jagger hatte ausgelebt. Jagger war ein Mann der exakten Wissenschaften, kein Phantast und kein Spieler. Bereits als die Bank die Kardinalpunkte seines Systems entdeckt hatte, wusste er, dass seine Herrschaft der Bank gegenüber nicht von langer Dauer sein wird. Er verbiss sich nicht, sein Ziel unter allen Umständen, um jeden Preis zu verfolgen. Solange die Entdeckung von der Feh- Ierlosigkeit der Roulettekonstruktion sein alleiniges Eigentum war, solange die Bank ihre eigenen Schwächen- nicht gekannt hat, stand er über der Situation. In derselben Minute, wo die Bank erkannte, wieso und warum sie gegen Jagger verlieren muss, hörte seine Ueberlegenheit auf. Nachdem der technische Direktor der Pariser Roulettefabrik die Verstellbarkeit der Nummernscheibe eingelegt hatte, spielte Jagger nurmehr einen einzigen Tag noch und auch da sehr vorsichtig, tastend. Nach kaum 1 % Stunden Spiel konstatierte er, dass sein System keine Lebensberechtigung mehr hat. Es war auch nur natürlich, dass die Bank in derselben Sekunde, wo sie die Richtung des Angriffes erkannte, auch fähig war, für die Gegenwehr zu sorgen. Jagger verschwand aus Monte Carlo gerade so bescheiden, ohne Aufsehen, wie er gekommen war. Sein Bankkonto wies die stattliche Summe von 180 000 Pfund auf, ein Betrag, den die Bank nie mehr von ihm zurückholen konnte, denn Jagger begab sich wieder nach England, entlohnte seine sechs Gehilfen und lebte in den grünen schottischen Bergen das Leben eines wohlhabenden Gentlemans. Einen Spielsaal betrat er nie mehr. Für ihn war der Glückstraum des Roulettes mit Erfolg ausgeträumt. In den Annalen der Bank, in der tagebuchartigen Aufzeichnung über alle Vorkommnisse des Spielbetriebes nimmt Jagger trotz der kurzen Zeit seines Auftrittes einen wichtigen Platz ein. Alle Phasen seines Spieles, die ganze Art und Weise seiner Spielmethode, jeder einzelne der Sätze, deren Folge, ist haargenau aufgezeichnet. Die Schlussbemerkung des Berichtes lautet: «Jagger ist am heutigen Tag abgereist. Die Bank verlor an ihm beinahe vier Millionen Francs. Dieses Geld kann nicht mehr zurückgeholt werden, denn Jagger ist kein Spieler, sondern Techniker und Mechaniker. Er setzte gegen die mathematischen Vorteile der Bank, die mechanischen Fehler der Roulette ein.» Mit dieser Schlussbemerkung der Bankaufzeichnung über die kurze meteorartige Karriere Jaggers ist mehr über Spielsystem gesagt, als in vielen hunderten einschlägigen, wissenschaftlichen Werken zusammen. J. Haringer. Sonntag, 17. Mai 1936 Sonntag, 24. Mai 1936 ZÜRICH, Wollishofer Allmend, nachmittags 2 Uhr, bei jeder Witterung Preise über 24000 Franken Aus dem Programm vom 17. Mai: Preis v. Sihltal, Soldaten-Rennen mit 26 Nennungen: Preis von Regensberg, Groß. Flachrennen mit 11 Nennungen; Preis von Wollishofen, Hürdenrennen mit 17 Nennungen; Preis vom Muggenbühl. PREIS VON ZÜRICH, Steeplechase, Internat. Herrenreiten über 5000 m, Preise von total Fr. 4000. — unter Beteiligung französ. Offiziere in Uniform, und mit den Siegern v. 1932 (Mullinger) u. 1935 (Salam). Weitere Nennungen v. Klassesteeplern wie Similor, Rol des Resquilleurs, Nix u. Rumilly des Strassburger Stalles Goeldlin TOTALISATOR Vorverkauf im Sekretariat, Zunfthaus zur Waag, und Reisebureau Kuoni. (Nur für gedeckte Tribüne). Schweiz. Rennverein, Sektion Zürich

Boxkampf Rings um mich brandet ein Meer von braunen, schwarzen, blonden und schamlos kahlen Köpfen. Leises Summen zieht darüber und von Zeit zu Zeit taucht ein helles Wort daraus hervor. Scheinwerfer bestrahlen einen Platz vorne, der mit Seilen umspannt und allem Anscheine nach der Kampfplatz ist. Plötzlich flattert helles Klatschen auf und das Summen verstummt. Die Boxer sind in den Ring getreten. Freudige Zurufe ertönen. Ich betrachte mir beide etwas genauer, man sieht schliesslich nicht alle Tage einen Menschen, dessen Beruf es ist, das Gesicht von andern Menschen zu Hackfleisch zu verarbeiten. Der Kleinere gefällt mir sehr gut — was ich vom Grösseren nicht behaupten möchte. Er zeigt keine Spur von Intelligenz, die Nase ist breit, das Kinn roh, die Stirne schmal, und es sieht fast aus, als begänne der Haarwuchs bei ihm schon bei den Augenbrauen. Solange ich diesen Menschen betrachten muss, erinnere ich mich stets mit einem gewissen Vergnügen an den sympathischen Gesichtsausdruck der Menschenaffen im Zoo ... Nun tönt ein Gong und der Kampf beginnt. Erst umschleichen sie sich wie zwei Katzen, einer versucht den andern zu täuschen und wo sich eine Blösse zeigt, da schnellt die Faust vor und knallt auf das Gesicht oder den Leib des Gegners. Anfangs sieht es fast aus, wie eine gemütliche Spielerei, es ist, als ob die Schläge nicht schmerzten, weil sie beide so ruhig ertragen, aber langsam beginnt es ernst zu werden. Schon ist das Gesicht des Kleineren voll Blut und das linke Auge schwillt auf — doch ihre Ermüdung erkennt man immer erst, wenn sie, wie hingeworfen, auf den Ses-* sein liegen und, von Männern betreut, schwer atmen. Der Kleinere gerät immer mehr in Nachteil, einige wohlgezielte Schläge lassen ihn erzittern oder taumeln wie ein Betrunkener. Meine Sympathie ist entschieden auf der Seite des Kleineren und manchmal, wenn er auch gar zu viel einstecken muss, empfinde ich das lebhafte Verlangen, hinunterzugehen und ihm zu helfen Nun tönt der Gong und der Kampf beginnt. — wenn ich dann aber wieder beobachte, wie der Grössere zuschlägt, dann bin ich mir sofort klar, dass es meiner ohnehin wackligen Gesundheit zuträglicher ist, neutral zu bleiben. Für kurze Zeit liegt eine bleierne Stille über den Zuschauern. Manchmal atmet einer auf — tief und schwer. Wie mit tausend Fäden hat die Spannung die Menschen gefangen... Rechts von mir sitzt ein bemaltes Dämchen, ihre Augen glitzern, weisse Zähnchen graben sich in die schreiend rote Unterlippe und auf ihrem Gesicht liegt es, wie ein Kampf zwischen Spannung und Ekel — aber keinen Blick wendet sie von den Kämpfenden. So liegt über allen eine gepresste, fiebernde Aufgeregtheit, an der neuen Automobiistrasse Luzern-Bern. „Rendez-vous der Automobilisten" bei Ia. 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Mir wird beinahe unheimlich inmitten dieser brüllenden und tobenden Masse, und um mich abzulenken, sehe ich wieder auf die beiden Kämpfer. Noch immer schlagen sie auf sich ein, verbissen, verbittert, und man fühlt, dass es bei beiden auf das Ganze geht. Ich kann fast nicht fassen, dass ein Mensch so viel Schläge aushalten kann, ohne sofort sein Leben auszuhauchen ... Plötzlich zuckt aber die Faust des Grösseren vor und der andere sackt zusammen. Nun gellt ein Geheule los, dass die Wände beben, ein beinahe wahnsinniges Klatschen und Schreien brandet auf, und unten steht ein Was Felix Weingartner sagt. In seinem Werk «Unwirkliches und Wirkliches» schreibt Felix Weingartner über den Applaus: Das Verhältnis zwischen Publikum und Künstler beruht auf Leistung und Gegenleistung. Der Künstler gibt sein Alles, seine Kräfte, seine Intelligenz, die Frucht seiner Arbeit und seines Lebens. Das Publikum kann ihm nichts wiedergeben als die Anerkennung. Da der einzelne meistens nicht in der Lage ist, das auszusprechen, was er fühlt, so gibt es nur ein gemeinsames Mittel, die Anerkennung auszusprechen, nämlich das allgemein verständliche und instinktiv ausgeübte Händeklatschen. Wohl dem Künstler, wenn es ihm ohne falsche Nachhilfe reichlich zuteil wird. Unehrlich ist, wer behauptet, er mache sich nichts aus dem Applaus, der ihm doch ebenso notwendig ist wie das Wasser dem Fisch. Nichts ist so verletzend Der Sieger. Mensch, der diesen Beifall als etwas Wohlverdientes entgegennimmt, hat er doch den andern zusammengeschlagen und selber auch eine nette Portion Prügel erhalten — was. mich übrigens herrlich freut! Die Zuschauer strömen auf die Strasse, einige ganz enthusiastische bleiben diskutierend stehen, und geraten sich beinahe ia di« Haare, weil jeder für seintn Lieblingsboxer eintritt. Andere gehen lebhaft gestikulierend heimwärts — immer noch im Banne des Ringes... Zeichnungen Htm* Hessen. Rossini applaudiert... ' Bei einer Premiere sass Rossini in einer Loge und trug, nach italienischer Sitte von damals, den Zylinder auf dem Kopf. Bei verschiedenen Arienstellen zog er mehrfach den Zylinder und schwenkte ihn fröhlich hin und her. Voller Unruhe über ein solches Gebaren fragte der neben ihm sitzende Komponist: «Aber verehrter Meister, haben Sie etwas?» Darauf Rossini: «Gewiss habe ich was! Ich habe eben ein paar gute alte Bekannte von mir gegrüsst, das darf man doch!« R. Schneitet, Küchenchef wie die Kälte des Publikums und das Gefühl, mit seinem Besten unverstanden geblieben zu sein. Gewiss gibt es Fälle, wo die Menge schwer oder gar nicht mitgeht, weil ihr das Gebotene zu fernab liegt von dem, was sie zu geniessen gewohnt ist. Töricht aber ist es, ein Publikum zurückhalten zu wollen, seine Begeisterung ehrlich zu zeigen. Die bedeutendsten Männer der Vergangenheit haben den Beifall gewünscht und gewürdigt, ja gefordert. Beethoven beklagt sich bitter über das Publikum der damaligen Berliner Singakademie, das bei seinem Spiel mehr gerührt als begeistert war, und als Goethe ihm gegenüber in sinnendem Erstaunen verstummt, machte er ihm Vorwürfe. Der berühmte Wagner-Dirigent Anton Seidl erzählte mir, dass auf der «Nibelungen»-Tournee durch Italien der Dreigesang der Rheintöchter stets wiederholt werden musste. «Gewiss wäre der Meister entsetzt gewesen, wenn er davon erfahren hätte», wägte ich einzuwerfen, worauf mir Seidl in seiner gemütlichen Art erwiderte: «Gar keine Spur, die grösste Freud* hätt' er g'habtl» LAUSANNE (Lac Uman) Roger Lehmann. Schüpfheim Zäziwil i.E. Gasthof zum Weissen Rössli T.C.S. (an der Thunstrasse) Telephon 4 Hotel Löwen T.C.S. 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