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E_1936_Zeitung_Nr.041

E_1936_Zeitung_Nr.041

BERN, Dienstag, 19. Mai 1936 Gellte Liste Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 41 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: . Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5 , jfihrlieh Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljahrlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 10.- Erscheint jeden Diensta« and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" HEDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Aäresse: Autorerue, Bern Geschiftsslelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Ole achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Baum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratensehluss 4 Tane vor Erscheinen der Nummern Hinter den Kulissen... Zur Frage der Spritbeimischung zum Benzin. Die schweizerische Alkoholgesetzgebung kann bereits auf eine längere Wirksamkeit zurückblicken. In den 80er Jahren wurde erstmals eine Monopolisierung der Alkoholwirtschaft durch den Bund vorgeschlagen. Man begründete diese Massnahme mit der Notwendigkeit, die in der Schweiz herrschende « Schnapspest» zu bekämpfen. Ein einheitliches Vorgehen schien aber nur möglich, wenn sich der Bund der Sache anneh- F E U I L L E T O N Der Seewolf. von Jack London. 31. Fortsetzung. «Was soll ich noch sagen ? Mir ist die Rolle des Schwachen zugeteilt. Ich schweige und erdulde die Schmach, wie auch Sie schweigen und dulden werden. Das ist das Beste, was wir tun können, wenn wir am Leben bleiben wollen. Der Kampf entscheidet sich nicht stets für den Starken. Wir haben nicht die Kraft, mit diesem Manne zu kämpfen. Wir müssen heucheln, und wenn wir gewinnen, tun wir es durch Verschlagenheit. Wenn Sie sich von mir raten lassen wollen, so richten Sie sich hiernach. Ich weiss, dass meine Lage gefährlich ist, und die Ihre, das kann ich offen sagen, noch gefährlicher. Wir müssen zusammenhalten, müssen ein geheimes Bündnis schliessen, ohne dass jemand es merkt. Mir wird es nicht möglich sein, offen Ihre Partei zu ergreifen, und was Unwürdiges mir auch immer auferlegt wird : Sie müssen schweigen., men würde. Gegen eine teilweise sehr scharfe kantonale Opposition — für die Kantone bildete das vorher übliche « Ohmgeld» als Abgabe auf dem eingeführten Alkohol eine sichere Einnahmequelle — wurde die Einführung eines Alkoholmonopols beschlossen. Eines steht fest: der sozialpolitische Zweck der Alkoholgesetzgebung, der in erster Linie einen Rückgang des Schnapskonsums erstrebte, wurde erreicht. Während die Schweiz bis 1925 mit einem Schnapskonsum von 6,4 Liter pro Kopf der Bevölkerung noch an der Spitze aller Länder stand, ist seither ein starker Rückgang eingetreten. Der Preis des Schnapses ist von 60—90 Rp. auf Fr. 3— bis 3.50 pro Liter gestiegen. Jahrelang hat die Alkoholverwaltung zudem bträchtliche Summen (jährlich 5 bis 7 Millionen Fr.) an die Kantone abgeben können. Diese Beträge sind verfassungsmässig zur Bekämpfung der Alkoholschäden verwendet worden. Leider hat sich im letzten Jahr das Bild völlig verändert. Statt eines Ueberschusses weist die Alkoholverwaltung ein Defizit von 21 Millionen Fr. auf. Im Geschäftsbericht des Bundesrates über die Geschäftsführung der Alkoholverwaltung wird es damit begründet, dass durch die alten Branntweinvorräte die Preise für den Trinksprit stark gedrückt werden, dass ferner der Verbrauch an gebrannten Wassern stark zurückgegangen sei, dass die Aufwendungen für die Übernahme von Kernobstbranntwein gesetzlich gebunden sind und dass infolge der veränderten handelspolitischen Verhältnisse der Absatz an Mostobst nach dem Auslange völlig unterbunden worden ist. Diese Gründe mögen zutreffen. Sie sind aber nicht allein ausschlaggebend für das schlechte Ergebnis der Alkoholverwältung im Jahre 1934/35. Die Alkoholverwaltung besitzt die Verpflichtung zur Uebernahme des Kernobstbranntweins. Die Inlandproduktion betrug 1933/34 und 1934/35 total 186,335 hl. Der Verbrauch belief sich in der gleichen Zeit auf 229,275 hl, woraus sich ein Mehrverbrauch von 42,940 hl ergibt. Diese Menge hätte somit aus dem Ausland eingeführt werden müssen, um das Manko der Inlandproduktion zu decken. Statt dessen hat aber die Alkoholverwaltung von 1933 bis 1935 109,369 hl importiert. Die gewaltigen Vorräte, deren Abnahme heute den Automobilisten zugemutet wird, stammen also nicht vorwiegend aus der schweizerischen Produktion, sondern aus dem übermässigen Import ausländischen Alkohols. Selbst 1934/35, als die Lager bereits durch eine Rekordernte stark angefüllt waren, wurden 74 Wagen zu 10 Tonnen mehr importiert als zur Deckung des Bedarfs nötig gewesen wären. Man stutzt vor diesen Importmengen um so mehr als die eidg. Alkoholverwaltung anfangs 1933 über einen Lagerbestand von 1793 Wagen, 18 Monate später über einen solchen von 2371, und Ende Juni 1934 sogar über 2442 Wagen verfügte, ganz abgesehen" von ihren Lagern an Vergällungsstoffen. Heute will man nun dem. Volke weis machen, dass einzig und allein die Ueberproduktion an schweizerischem Kernobstspiritüs an der prekären Lage der Alkoholverwaltung schuld sei! Soll die Alkoholproduktion gefördert werden ? Wir glauben, dass es dem Sinne der Atfcoholgesetzgebung entspräche, wenn gleichzeitig mit dem Rückgang des Verbrauchs auch eine Verminderung der Alkoholproduktion angestrebt würde. Leider ist dies nicht der Fall. Setzte sich das Alkoholgesetz einerseits eine syste'matische Reduktion der Brennereibetriebe zum Ziel, so wirkt-es-erstaunlich, wenn anderseits gerade unter der Herrschaft dieses Gesetzes die Produktionsmöglichkeiten gefördert wurden und die Zahl der Brennauftraggeber von 84,728 auf 115,521 anstieg. Heute sind wir glücklich so weit, dass nach dem eigenen Geständnis der Alkoholverwaltung sogar die Besitzer von Gartengrundstücken Brennauftraggeber mit steuerfreiem Eigenbedarf werden ! Ganz zufällig kommt es nicht, dass sich die Zahl der Hausbrennereien in 12 Monaten (1933/34) stark vermehrt hat. Einer besseren Obstyerwertung reden einsichtige Leute seit Jahren das Wort. Es wäre interessant zu hören, was die Alkoholverwaltung nach dieser Richtung vorgekehrt hat. Hat sie sich bemüht, eine Umstel- Wir dürfen es nicht auf einen Streit mit diesem Manne ankommen lassen, und wir dürfen seinen Willen nicht durchkreuzen. Wir lung der Obstproduktion auf hochwertiges Tafelobst durchzuführen ? Hat sie' die Förderung der Dörrobstproduktion unterstützt ? Hat sie sich, für die Verwendung von Dörrobst als Futtermittel eingesetzt? Alles das sind Fragen, auf welche der Bericht der Alkoholverwaltung keine befriedigende Antwort gibt. Wohl schliesst er mit der Feststellung: Die Brennerei darf sich nicht zur eigentlichen Grundlage der Obstverwertung auswachsen. Leider aber steht das Ergebnis in direktem Gegensatz dazu. Wir sind heute soweit, dass der Bauer es vorzieht, statt ein qualitativ hochwertiges Obst zu produzieren, möglichst billige Sorten für den Brennhafen zu verwerten und sich so mühelos eine verhältnismässig hohe Einnahme zu verschaffen. Die Verluste der Alkoholverwaltung rühren nicht in erster Linie vom Betriebsdefizit her — obschon sie mit jährlichen waltungskosten von 970,000 Franken nicht etwa billig arbeitet —, sondern von den Abschreibungen auf bestehenden Spritvorräten. Rund 3000 Eisenbahnwagen Schnaps mussten seit 1932 mit einem Verlust von 23 Millionen Fr. übernommen werden. Sanierung auf dem Rücken des Automobils. Angesichts dieser Sachlage sucht man nun den Ausweg darin, dass die Automobilwirtschaft jährlich einen Betrag von 60,000 hl Bundesfusel zur Mischung mit Benzin übernehmen soll. Abgesehen von den schwierigen Verteilungsproblemen und der noch heikleren Preisfrage (dieser Bundesschnaps kostet nämlich pro Liter 2 Fr. mit Einschluss der Entwässerungskosten) stellt sich die weitere Frage, ob mit dieser Politik nicht dem Sinn des Alkoholgesetzes entgegengehandelt würde. Die Alkoholverwaltung glaubt, dass mit diesen 60,000 hl ihr Defizit jährlich um 9 Mill. Fr. verbessert werden könnte. Sie gibt damit indirekt zu, dass sie auch weiterhin mit einer c Jugend kennt keine Tugend », pflegt man zu sagen. Aber selbst dieses allgemein beliebte Sprichwort kann und darf besagter Jugend wohl keinen Freibrief für die ungehemmte Verübung von Schabernack und Allotria gewähren. Damit wir uns recht verstehen : Wir sind durchaus nicht moralinsauer angekränkelt, wir sind die letzten, die nicht bereit wären, mal bei einem übermütigen Jungenstreich ein bis zwei Augen zuzudrücken und fünfe grad sein zu lassen. Denn so viel, haben auch wir — die wir von müssen lächeln und freundlich zu ihm sein, so widerwärtig es uns auch sein mag.» Sie strich sich mit der Hand über die Stirn und sagte verwirrt: « Es ist mir immer noch unverständlich.» «Sie müssen tun, wie ich sage», unterbrach ich sie gebieterisch, denn ich sah, wie Wolf Larsens Blick uns traf, während er mit Latimer mittschiffs auf und ab wanderte. « Tun Sie, wie ich sage, und Sie werden bald sehen, dass ich recht habe.» « Was soll ich denn tun ? » fragte sie, als sie den ängstlichen Blick bemerkte, den ich auf den Gegenstand unserer Unterhaltung warf, und — so schmeichle ich mir — durchdrungen von dem Ernst meiner Worte. «Lassen Sie alle Ihre Begriffe von sittlichem Mut fahren», sagte ich rasch. «Reizen Sie nicht den Unwillen dieses Mannes. Seien Sie ganz freundlich zu ihm, sprechen Sie mit ihm, streiten Sie sich mit ihm über Literatur und Kunst —er liebt diese Dinge. Sie werden in ihm einen aufmerksamen, verständnisvollen Zuhörer finden. Und um Ihrer selbst willen vermeiden Sie es, soweit möglich, Zeuge der Brutalitäten zu sein, die auf diesem Schiffe geschehen. Das wird es Ihnen erleichtern, Ihre Rolle zu spielen. «Ich soll also lügen», sagte sie fest und mit Empörung in der Stimme. «Lügen in Wort und Tat.» Wolf Larsen hatte Latimer stehen lassen und kam auf uns zu. Ich erschrak tief. «Bitte, bitte, missverstehen Sie mich nicht», sagte ich rasch, indem ich die Stimme senkte. «Alle Ihre Menschenkenntnisse, alle Ihre Erfahrungen sind hier wertlos. Sie müssen ganz umlernen. Ich weiss — ich kann es sehen: Sie haben in anderen Verhältnissen gelebt, sind gewohnt, Menschen mit Ihren Augen zu beherrschen, durch sie gewissermassen Ihren sittlichen Mut sprechen zu lassen. Sie haben mich bereits mit Ihren Augen beherrscht, mit ihnen über mich geboten. Aber versuchen Sie es nicht mit Wolf Larsen. Ebenso leicht könnten Sie einen Löwen beherrschen, und er würde sich nur über Sie lustig machen. Er würde — ich bin immer stolz darauf gewesen, dass ich ihn entdeckt habe», sagte ich, indem ich den Gesprächsstoff wechselte, da Larsen in diesem Augenblick zu uns auf die Achterhütte trat. «Die Redakteure fürchteten ihn, und die Verleger wollten nichts mit ihm Wir berichten heute Ober: Internat. Autotourismus. Caracciola beim Grossen Preis • von Tunis in Front. Sternfahrt und Jubiläum der Sektion Waldstätte TCS. Zürich—Peking im Auto. Kompressoren. Packer-Höhenstrasse. übermässigen Produktion rechnet. Weite Kreise unseres Volkes sind aber der Ansicht, dass nun vor allem -einmal mit der übersetzten Alkoholerzeugung Schluss gemacht werden sollte, sind wir doch heute bereits so weit, dass gerissene Industrielle daran denken, aus billigem Zucker Alkohol in grossen Mengen herzustellen, um ihn dem Bund zu hohen Preisen anzubieten. Solchen Praktiken muss ein für allemal ein Riegel geschoben werden.. Während es den eingeweihten Kreisen schon lange bewusst war, dass die Alkoholverwaltung das Opfer eines, regelrechten Beutezuges geworden ist, scheint dies die Verwaltung nicht merken zu wollen. Bereits ist auch in Eingaben an den Bundesrat die Frage der Verantwortlichkeit aufgerollt worden. Wie in andern Bundesbetrieben, muss auch in der Alkoholverwaltung eine raschere Umstellung auf die Bedürfnisse der Zeit erfolgen. Zu kostspieligen Experimenten haben wir heute keine Zeit und kein Geld mehr. Gr. Lasst die Finger davon, Kinder! Eine leidige Unsitte: das Bemalen parkierender Autos Sachkenntnis in pädagogischen Dingen sonst gänzlich unbeschwert sind — erfasst, dass es ein Unding, eine Absurdität wäre, das Kind sozusagen in ein « Truckli » zu sperren, aus Angst,' es könnte in seinem Spieltrieb über die Stränge schlagen. Mit dem Anbruch der Fahrsaison mehren sich jedoch wieder die Klagen darüber, dass sich dieser Spieltrieb mit ganz besonderer Vorliebe parkierende Automobile als Betätigungsfeld auserwählt. Staubbedeckte Karosserien scheinen auf die Jugend einen offen- zu schaffen haben. Aber ich hatte ihn erkannt, und sein Genie und meine Urteilskraft wurden gerechtfertigt, als er den fabelhaften Erfolg mit seiner .Schmiede' hatte.» «Und dabei war es ein Zeitungsgedicht», sagte sie, ebenfalls im Gesprächston. «Es erschien zufällig in einer Zeitung», erwiderte ich, aber es hatte schon manchem Zeitschriftenredakteur vorgelegen. «Wir sprechen von Harris», sagte ich zu Wolf Larsen. «Ach ja», stimmte er zu. «Ich entsinne mich gut der .Schmiede'. Eine Fülle schöner Gefühle und ein allmächtiger Glaube an menschliche Illusionen. Aber Herr van Weyden, Sie sollten sich lieber nach Köchlein umsehen. Er klagt und ist unruhig.» So wurde ich auf recht derbe Weise von der Achterhütte weggeschickt, und nur, um Mugridge in tiefem Schlummer zu finden nach dem Morphium, das ich ihm gegeben hatte. Ich beeilte mich nicht, wieder an Deck zu kommen, als ich es aber schliesslich tat, sah ich zu meiner Freude Fräulein Brewster in angeregter Unterhaltung mit Wolf Larsen. Wie gesagt, freute ich mich über diesen Anblick. Sie befolgte also meinen Rat..Und doch durchzuckte mich ein leichter Schmerz, als