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E_1936_Zeitung_Nr.043

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20 Automobfi-Revue —

20 Automobfi-Revue — N° 43 Autoverlart in Atrolo »****«)• • • * * • •M^MWM^ Wmm Ein Wagen reiht sich hinter den andern. Photo Nino (S V Z) Bereitmachen zur Ausfahrt. Photo Steinmann, Locarno (S V Z ) Das Auia ist

IV. Blau Automobil-Revue Nr. 43 BERN, 26. Mai 1936 Blumen Lass Blumen in Haus und Garten sein, Pfleg sie mit sorgsamer Hand, Wie eine kleine Schar Kinderlein Werden sie fröhlich und glücklich sein, Und du bist im Märchenland. All das, was das Leben lieblich macht, Die Menschen zusammenweht, Leid überbrückt und uns Freude macht, Liegt in dieser zarten Blütenpracht, Die jedes Jahr neu ersteht. E.E.L Zum Pfingstausflug! Der Wagen wartet ... (Photo Rumbucher) Hermann Hiltbrunncr: Begriissimg' des Niesen blick dieses Niesen, den die tiefsohligen Täler der Kander und der Simme aus jeder ebenbürtigen Umgebung losgelöst, den die Naturkräfte in seine göttliche Form gebracht haben. Jeder Gang aus dem Hause, jeder Blick aus dem Fenster ist hier oben eine Konfrontation des Menschen mit dem Berg, den ich den Berg der Berge nenne. Um seinen pharaonischen Aufriss spielen die Lichter und die Schatten des Himmels ihr nimmeraufhörendes Spiel; Wolken verhüllen seine heilige Höhe, Nebel, silberweisse, queren in wagrechten Bänken seine verwitterte Front, und graue fluten um seinen Fuss. Heute aber hat ihn der Föhn den Blicken aller freigegeben, in den Furchen seiner Flanken liegt noch Schnee; es geht noch eine kleine Zeit, bis das aufsteigende Grün das schwindende Weiss ersetzt hat — dann aber wird das Gipfellicht aufflammen wie ein zweiter Abendstern. Ich habe meinen Balkonplatz in dieser Halle des gesammelten Rundblicks wieder eingenommen, um das stumme Zusammenspiel von See und Gebirge, Licht und Schatten, Tag und Nacht wieder zu betrachten. Es ist wohl noch nicht voller Sommer, aber ein Blick der Sonne auf dieses Plateau über dem See kann schon Hochsommer sein. Manchmal bedeuten die Nachmittage noch einen Rückfall in die Wehen des Frühlings. An den höhern Hängen, auf die über Nacht vielleicht Schnee gefallen ist, liegen sich zwei Jahreszeiten in den Haaren nicht auf weite Erstrekkung, nicht in breiter Front wird gekämpft, es wird vielmehr im vertikalen Sinne um Höhenzonen gerungen, besonders an jenem Berg, zu dessen Begrüssung ich jetzt vor die Türe getreten bin. Bald wird der Sommer" den Niesenschnee erreicht haben, dann werden die menschlichen Gaststätten dort oben wieder bezogen, dann wird das nächtliche Gipfellicht wieder aufflammen und melden, dass die beiden Wagen am Drahtseil wieder wechselweise steigen und fallen und diejenigen, die das Geheimnis des Thunersees wenn nicht lösen, so doch überschauen wollen, zu Berge fahren können. Bis dahin sitze ich auf meinem hohen Platz oder kreuze auf dem See umher, dessen Farbenspiel nicht in der Ausdehnung, wohl aber in der Intensität und Wechselfülle dasjenige des Genfersees übertrifft, und besuche alle die Orte, die meiner Erinnerung eingeschrieben sind. Nirgends aber kann jenes stumme Spiel in seiner Lebendigkeit besser beobachtet werden, als auf den Stufen von Beatenberg und Sigriswil-Ringoldswil, denn da liegt fast die ganze Fläche des Halbmondsees vor einem, liegt zwischen der Lichtquelle und dem Betrachter und wirkt als doppelter Spiegel, einmal als Reflektor, dann aber als eigentlicher Spiegel, der die grünen und die weissen Erhebungen, Vorberge und Hochgebirge, in seiner Tiefe um deren Höhe mehrt. Und so stehe ich wieder vor ihm; stehend will ich ihn wiederbegrüssen: den Berg, der das allseitige, unverwechselbare Wahrzeichen aller Thunerseelandschaft ist. Aber sollte mein erster Gruss nicht der Gesamtheit, dem Gebirge in breitem Aufmarsch, der alpinen Kollektiv-Erhebung in allen ihren Dimensionen gelten? Kann man denn einen Berg aus der Verkettung aller loslösen, ihn allein betrachten, ihm allein die Ehre geben, einem allein ein Preislied singen? Gewiss, man kann es. Man kann es schwerlich im Hochgebirge selber, wo das Gesetz der Gipfelflur auf einem begrenzten Umkreis annähernd gleiche Höhen geschaffen hat. Aber dort kann man es, wo Vorgebirge an den Rand einer andern Geländegestaltung herantreten, dort, wo alpines Vorland in ebenes Hinterland vorstösst oder Mittelland in die Voralpen hineingreift. Solche Umstände sind nirgends deutlicher ~ als hier am Thunersee. Die breiten Mittelland-J? täler der Aare und Gürbe, wenig unterhalb \ Münsingen überhaupt nicht, oberhalb Wich- •" trach nur mehr durch niedrige Ausläufer des Belpberges geschieden, vereinigen sich gleich- • sam wieder in der Ebene dieses Sees, dessen .^ Fläche, schon allein nach der Höhe über Meerr* als ein in die Voralpen greifendes, fingerförmiges Stück Mittelland angesehen werden kann. Es muss uns wohl in Erstaunen setzen, dass der Thunersee nicht so hoch liegt wie beispielsweise die Sternwarte von Bern. Ja, Thunersee, Bödeli und, man mag auch noch den Brienzersee hinzunehmen, sind zusammen eine unerwartet breite Zufahrt zum Gebirge, verkehrsgeographisch eine Strasse ohne Steigung, morphologisch aber können sie' als ein Fortsatz des Mittellandes oder als dessen erste Anfänge betrachtet werden. Jedenfalls wirkt diese breite Rinne als Ebene. An sie heran, besonders an ihren Südrand, tritt nun das Senkrechte, Hohe in Gestalt einiger Vorgebirgsketten, Unter diesen aber ist, wenigstens für alle Orte des Beckens-Nordrandes, keine so eindrücklich wie die Niesenkette, weil sie rechtwinklig auf die Achse des Sees steht, dem Schauenden sich also nicht mehr als Kette zeigt, sondern mit ihrer ersten Norderhebung einen Endberg und zugleich den. Querschnitt der ganzen Kette darstellt. Ueberall, wo in den Alpen ein Haupttal sich gabelt, steht hinter der Gabelung ein solcher pyramidaler Eckstein; keiner aber erreicht eine so vollendete Gestalt, wie dieser Niesen, keinem kann der Betrachter so gegenübergestellt werden, dass der himmelspaltende Bergkeil sein Gesichtsfeld aus drei Himmelsrichtungen immer wieder füllt. Alle rechtsufrigen Orte des Thunersees haben dieses unvergessliche Gegenüber, sind dieser denkmalhaften Urgestalt von Berg gegenübergestellt und leben jahraus, jahrein im An- Hans Morgenthaler: Der Eisfall Vielen Bergsteigern unter unseren Lesern mag die nachfolgende Dichtung bekannt vorkommen. Sie stammt aus einem Buch, das sich bei seinem ersten Erscheinen eines grossen Erfolges erfreuen durfte — aus einem Buch, das soeben eine neue Ausgabe erlebt hat: Hans Morgenthaler: «Ihr Berge». Der früh verstorbene Berner Dkh- * ter war einer der ersten, der — etwa im Gefolge seines Landsmannes Andreas Fischer — das Lied des Hochgebirges sang, ohne die gewaltige Natur vermenschlichen und verniedlichen zu wollen. Aus jeder Zeile spricht die Ehrfurcht vor der Grosse und Zerrissenheit von Fels und Gletscher, aus jeder seiner geschriebenen und gezeichneten Skizzen daß Erlebnis des leidenschaftlichen Bergsteigers, der sich selbst immer wieder auf die Probe stellt und sich von jedem Gipfel, den er erstürmt, das Leben neu schenken lässt. Der Berg als Freund, der Berg als Feind, als Symbol eigenwilliger und dem Menschen nicht nachfragenden Naturmächte — so hat Hans Morgenthaler die Berge erlebt und erkämpft. Mag man auch in unserer Zeit, die den Hochgebirgswinter beinahe über den Hochsebirgssommer zu stellen liebt, fast mit Wehmut an die Zeiten zurückdenken, wo die Ber?e nicht nur Sportobjekt, sondern Herzenserlebnis waren, so wird das Werk in seiner neuen Gestalt für viele wieder ein Ruf zur Verinnerlichung des Landschaftserlebnisses sein. (Orell Füssli-Verlag, Zürich.) H. R. S. Um Mittag. Tausendfach gleissend und glitzernd im Licht der hochstehenden Sonne, ein weisses Wirrwarr geborstener Schollen: Der Eisfall ringt mit den Fesseln des engenden Schosses graugrün-granitener Wände. In sprudelndem Lauf erstarrte Spritzer und Wellen. Zerschartete Türme, schräghängende Zacken ragen mit weisser Silhouette zum schwarzblauen Himmel auf. Kaum werfen sie Schatten. Einzig die breitesten Klüfte im Eis vermögen die Sonne zu bannen. Abgrund-gähnend stechen sie scharf aus dem Mittagsglast blendender Weisse heraus. Wirre, gestörte Formen. Hoch oben zur Linken ein zahmeres Bild. Einer funkelnden Eisflanke Himmelskante steigt elegant geschwungen ins Blau. Windstill. Drückende Hitze. Jeder Eisblock droht mit Sturz. Schon zerspringen Eiszapfen hellklirrend auf blanken Klippen, Ein dumpfer Knall ohne sichtbare Bewegung. Das Brüten, die Schwüle nimmt zu. Kurz aufrauschend rutscht die lose Decke, der schiefe Hut eines Eisturms herab. Ehe du siehst, wo's lärmt, ist's wieder still. Ein Pfeiler aus bläulichem Eis bricht sausend zusammen •— Scherbengeklirr — eine Eismauer unter dem Druck nachdrängender Wellen in ihr lange schon offenes Grab. Immer häufiger wankende Massen. Ein hausgrosser Block schiesst über Eissäulen einen Ueberhang hinaus frei durch die Luft. In handgrosse Knollen zerfetzt, ver-' schwindet sein zerbröckelter Leib im unergründlichen Schlund einer zehn Meter klaffenden Spalte. — Hörst du sein Grollen? Ein schief heraushängender Lappen des Eisbruchs kalbt mit besonderem Eifer. Eine Trümmerstrasse zieht durch den eisigen Graben von seiner Zunge bis hinunter zum ebenen Gletscher. Metertief überdecken ihre Brocken die Spalten und Löcher, die sie in ihrem geraden Lauf trifft. Schmal, aber unverzagt dringt sie zur Tiefe, unten kreisförmig sich weitend, und die Sprengstücke jedes neuen Eissturzes kugeln und rollen die alte Bahn abwärts und purzeln wie Kiesel, bald an dieser, bald an jener Stelle über die frühere Grenze des Eistrümmerkegels vorstossend ,.. Eine wechselwarmblütige Schlange von Eis in äusserster Sonnenhitze zu höchster Ekstase gereizt! Reichhaltigste Auswahl in prima Konfektion — Eigene Maßateliers •— Vortei I hafte Preise !? Leonhardseck .. ^^ D©irn ^ontroJi Zürich