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E_1936_Zeitung_Nr.043

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22 Automobil-Revue —

22 Automobil-Revue — Am Abend. Bläuliche Schatten lagern jetzt über den Schrunden und Klüften. Die Felswand zur Rechten wirft ihr verzerrtes Bild über die Eraks und Spalten — fast bis zum andern Ufer hinüber. Nur wenige runde Schneebuckel, die äussersten Spitzen der ragenden Türme und Zacken trifft noch die Sonne. Vorbei die sengende Hitze des Tages. Die Eislawinen und stürzenden Blöcke verklungen. Durch kalte Eisgrüfte streicht jetzt der Abendwind. Eine Schneewolke wirft er mutwillig herab vom höchsten Eishang, der allein noch im Sonnenschein badet. Schneefähnchen rauchen von spitzen Eiszinnen dem Abenddunkel entgegen. Lichte, zittrige Nebelchen steigen aus tiefen Eisgründen empor, spielen tagesmüde mit verspäteten Sonnenblitzen, um im noch warmen Hauch der umliegenden Wände unsifchtbar zu zerflattern. Feierlich-still schickt der Eisfall sich an, die frierende Nacht zu empfangen. Neue Ausdauer und Kraft will sie ihm bringen, will ihm die wankenden, zuckenden Glieder liebevoll helfend verbinden. Im Mondlicht. Kaum ist das letzte Leuchten der höchsten Eiskante verlöscht, steigt die milchweisse Scheibe des Mondes hinter ihr auf. Grausig einsam und kalt fliesst das erstarrende Graueis still jetzt herab. Verstummt jedes Rauschen und Klirren. — Nacht. Einzig die ruhig gewordene Zunge hebt sich, vom bleichen Mondlicht übergössen, deutlich aus dem Chaos der stählernen Trümmer heraus. Alles übrige liegt noch im Schatten ,.. Bald kriechen jetzt Legionen von kleinen Leuchtkäferchen über die wollweichen Kappen der Seraks hinweg. Die letzten Nebelchen schwinden, und nur einen kleinen Augenblick später hüllt schon der weiche Mondschein den Eisfall von unten bis oben in Silber ... Wie um Mittag nur kurze Schatten, aber übersinnig fein jetzt, verschwommen. Kaum lassen sie die Spalten erraten. Dünstigweich, ein überirdisches Wesen, lauert die schlafende Schlange der schwindenden Nacht, um im lebenerweckenden Frühlicht der Sonne neu zu erwachen. Das ideale, mit einem Griff zusammenklappbare Universal-Stellbett als Gastbett für die Wohnung, für Terrasse oder Garten ein bequemerLiegestuhl, das richtige Bett für das Weekendhaus. Am See, im Zelt, auf der Autotour, überall gleich praktisch und bequem. Hundert Annehmlichkeiten für nur Fr. 50.—. Verlangen Sie kostenlos ausführl. Prospekt bei ED. SENFT A.G., Klybeckstr. 17, BASEL Josef Dahinden: Der Tödi Wenn unten in den Hochtälern der Schnee in der warmen Frühjahrssonne erkrankt, und der Gebrauch des Skis unzweckmässig wird, wandeln sich die wintersüber meist verblasenen, oft wegen Lawinengefahr und tiefem Pulverschnee äusserst schwer zugänglichen, und für den Ski meist ungünstigen Gletscherregionen zu wahren Skiparadiesen. Der Aufstieg zur Hütte ist an den Südhängen meist ausgeapert, so dass diese mühelos erreicht wird. Die Schneedecke auf dem Gletscher hat sich zu einer festen, schweren kontinuierlichen Masse gelagert, die die Bewegung des Gletschers überdeckt, Schrunde und Spalten in feinen Schattierungen anzeigt, so dass das Ueberschreiten ziemlich gefahrlos wird. Für den Ski findet man die denkbar günstigsten, von der Witterung kaum schlecht beeinflussbaren Schneeverhältnisse vor. Der Schnee schmilzt tagsüber zu einer führigen, sülzigen Masse, darin die Ski wie in herrlichstem Pulver gleiten. Ueber Nacht gefriert die Decke und überkrustet auf der steinhart gefrorenen Unterlage mit einer spitzengewebeartigen, oft nur messerdünnen, glasigen Eishaut. Früh morgens auf dem marmorharten Grund wird das Steigen ohne Ski zum mühelosen Spaziergang. Die Ski folgen an der Leine hinten nach. Bis zum Abstieg hat die frühe Morgensonne die Kruste gelockert und die Unterlage geweicht, so dass die Abfahrt geschmeidig und flüssig wird. Bis zum späten Nachmittag kann der Skifahrer aus voller Lust seinen Skizze von Hans Morgenthaler (Aus „Ihr Berge") Sommer-Skifahren im Jungfraugebiet herrlichen Sport geniessen, und er findet hier die wahre Erfüllung seiner Sehnsucht im freudigen Spiel an sonnigen Hängen. Gegen Abend gefriert das muschelige, glasperlenartige Gefüge des Sülzschnees und die Fahrt wird schneller. Beim Dämmer in heller Mondnacht jagen die Ski mit ungeheurer Geschwindigkeit, ohne dass die Fahrt für den Geübten schwieriger würde. Dazu kommt die unvergleichliche Magie einer nächtlichen Skifahrt auf dem Gletscher. Tag für Tag wird die Före günstiger, der Schnee körniger, aus lauter kristallartigen Perlen. Die Tage werden länger, die Temperatur milder, so dass selbst bei Nacht ein Verweilen auf dem Gletscher oder in ungeheizter Klubhütte mit keinen Gefahren verbunden ist. Am Tage wird die Wirkung der Sonne gesteigert, und ihr Licht breitet sich in selbstvergessener Pracht und Feierlichkeit in den jubelnden Aether des frühlingsblauen Himmels, überstreicht in spendender Güte die unendlich dahingebreitete, blendend weisse Firnwelt, die in ihrer Fülle in lauter Gold und Silber schimmert und gleist. Wahrlich eine Märchenpracht, ein Zauber und Wunder ohnegleichen! Jubel des Herzens und der Seele feiern diesen einzigartigen, lebensspendenden Frühlingstag in beglückender Hochgebirgswelt, der mit geschickter Verwendung des Ski gefahrlosen, masslosen Genuss, zum hingebenden Erlebnis herrlichster Naturschönheiten wird. N°43 ©ücher und Zeitschriften Ernst F. Löhndorff. «Gold, Whisky und Frmnea in Nordland». Roman. (Carl Schönemann, Verlag, Bremen.) Die Bücher von Löhndorff sind sehr umstritten. Die einen loben sie in den Himmel, die anderen verdammen sie in die Hölle. Eines ist sicher: Als Reporter und Schriftsteller versteht Löhndorff sein Handwerk. Er trägt dick auf, er» blufft brillant, er fesselt atemraubend. Man weisg nur nie bei ihm, wo die Dichtung beginnt und die Reiseschilderung endet. Er scheint ein Phantast zu sein und als solcher darf man ihn nicht ernst nehmen, sonst fällt man hinein. Aber das Schreibhandwerk beherrscht er, die Leser werden von ihm behext, er unterhält, wenn auch vielleicht auf Kosten der seriösen Volkskunde. Riviera - Korsika. Reiseführer in Bildern. Von Hans 0. Leuenberger. Verlag Rascher, Zürich. Verfasser und Verlag gehen ganz neue Wege: Was man nicht unbedingt mit Worten dem Reiselustigen beibringen muss, sagen sie mit Bildern. Sie sind zweifellos der Meinung, dass der Reisende von heute nur noch ungern lange Abhandlungen kostet. Für ihn sind diese neuartigen Handbücher bestimmt. Die 600 Bilder, 50 Kartellen und gegen 200 knapp gefassten Textseiten orientieren ihn auf angenehme Art und Weise über die landschaftlichen Reize der Riviera und der Napoleoninsel, wobei das Kulturelle und Volkstümliche nicht übergangen wurde. Es ist ein ungezwungener Bilderführer, durch den ein frischer Wind bläst. Wer an den überlieferten Reiseführern keinen Gefallen findet, der wird es an diesem Band haben. -id. Der Zapfenstreich. '- Im allgemeinen sind die Namen der militärischen Signale, wie Tagwache, Fassen, Sammlung, Rapport, Lichterlöschen usw. einfach und für jedermann leicht verständlich. Beim abendlichen Trompetenund Trommelsignal « Zapfenstreich » aber, das die Soldaten zu den Schlafstätten ruft, müssen wir schon nach dem Ursprung forschen, um die Bezeichnung verstehen zu können.DasneuesteHeftder ülustrierten Jugend-Zeitschrift « Der Spatz » bringt die genaue Erklärung über das aus dem Mittelalter stammende Wort « Zapfenstreich ». Der Spatz mit dem farbigen Titelblatt, das eine Dromedar-Karawane in der Wüste darstellt und die erste Geschichte illustriert, enthält noch viele andere interessante Sachen, für die sich gross und klein interessieren werden. Farbenkünstlern ist Gelegenheit geboten, ihre Kunst an verschiedenen Bildern zu probieren, kleine Bastler erhalten Anleitung zu ganz neuen Bastelarbeiten und zum Studieren gibts einen richtigen Preis-Wettbewerb betitelt: « Tiere spielen Verstecken ». Diese schöne illustrierte Jugend-Zeitschrift « Der Spatz » kann zu Fr. 2.50 halbjährlich beim Art. Institut Orell FüssU, Dietzingerstr. 3, Zürich, abonniert werden. Probenummern sind gratis erhältlich. Der Spatz ist auch an Kiosken oder in Buchhandlungen käuflich. 2367 m ü.M. erwartet Sie auf Pfingsten Hotels - Karsaal - Strandbad - Bergbahnen und Schiffahrt im Betrieb Für Ihre Ferien neues Wochen-Generalabonnement mit Interlaken als Standort 14 auserwählte Bergbahn- u. 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NM3 JAutomöbii-RevTie 23 ist der vollkommenste Zweckbau, den man sich vorstellen kann. Jahrhunderte haben daran gebaut, bis es zu dem wurde, was es heute ist: eine schwimmende Stadt, die ihre Kraft und ihr Licht selbst erzeugt und in der nichts dem Zufall überlassen, ein Ding sinnreich auf das andere eingespielt ist, aufgebaut auf jenem Dreiklang: Sicherheit, Schnelligkeit, Bequemlichkeit. Zu unterst im Riesenrumpfe, immer ins Meer getaucht, aber von diesem durch vielfache Wandungen getrennt, ruhen die schweren Oel- und Wassertanks. Süsswasser wird mitgenommen, viele Tonnen voll; eisgekühlt kommt es auf den festlich gedeckten Tisch, warm wird es in schmucken Kübelchen vor die Meerwasserbadewanne hingestellt. Das Meerwasser selbst wird durch Pumpanlagen hmaufbefördert, in die Kabinen geleitet, warm und kalt, dient vielen Zwecken und lässt uns vergessen, dass wir weit entfernt von einer Quelle sind. Zu unterst auch ist die Ladung: immer neue Kisten, Laden, Koffern, Säcke werden durch die viereckige Oeffnung in die abgrundtiefen Löcher versenkt. Und dann wird zugedeckt, ein Tuch darüber gebreitet, und die Fahrgäste spielen Tennis darauf. Ueber den Tanks beginnt der Höllenraum der Maschinen. Kohlenschaufler, tödliche Hitze? Nein, nicht mehr im modernen Schiff mit Oelfeuerung. Nur der dröhnende Lärm ist geblieben, es ist ein andauerndes Schrillen von bezwungener Kraft, schier unerträglich im Räume selbst, dringt bis in den entferntesten und höchsten Punkt des Schiffes, begleitet von dem immer gleichmässigen und so tröstlichen Rollen der Turbinen. Aber vor den mächtigen schwarzen Kesseln, welche die gelbe, offene Flamme bergen, steht je vier Stunden lang ein Mann mit der einzigen Aufgabe, den Blick auf dinen kleinen Spiegel hoch über ihm zu heften: in einem fingerbreiten Spalt zeigt er ihm den genauen Stand des Feuers an. Hell, hoch, gut gelüftet ist der Raum, und doch ist jeder Quadratdezimeter unheimlich und bedeutungsschwer. Daneben liegt das Elektrizitätswerk voller Hebel und Schalter und neuer Geheimnisse; Kraft und Licht werden erzeugt, genug für eine kleine Stadt, meist zuviel für das Schiff, trotzdem es in einem Ueberfluss von Lichtern erstrahlt (jedes Bett hat seine eigene kleine Nachtlampe, jeder Schrank seine Innenbeleuchtung) und alles elektrisch gekocht wird; der Ueberfluss wird in Akkumulatoren übergeführt. Zu beiden Seiten dieser Räume eine lange Welle, die sich dreht: die Turbinen, die hinausführen und den Riesen mit zusammen. 22,000 Pferdekräften vorwärts bewegen. Ein kaum merklicher Griff der Hand und eiserne, täglich nachgeprüfte Schottertüren schliessen die verschiedenen Räume wasserdicht voneinander ab. Höher schon, doch nur knapp über dem Wasserspiegel, ist das Reich der Köche. Für alle drei Klassen und für die Mannschaft, also für die ganze Stadt, wird in derselben Küche gekocht, gebraten, gebacken, geschnitten, zugerichtet — da gibt es während den paar Tagen Ueberfahrt keine Tagesstunde des Müssiggangs. Elektrizität kocht, Dampf Ostsee Das moderne Ozeauschiifi FERIEN ZUR SEE Mittelmeer wäscht ab, Kälte beschenkt. In zahllosen Gefrierhallen wird alles mitgenommen, was irgendwie gebraucht werden könnte, vom Fleisch und der rahmlosen Milch bis zu den zartesten Früchten. Die Vorratskammer gemahnt an einen hablichen Spezereiladen. Auch hier Schotter- und Feuertüren, Wärme, aber Lüftung. Auf dem gleichen Boden, wenn auch voneinander getrennt, liegen die Speisesäle der drei Klassen. Sie sind auf Fröhlichkeit abgestimmt: helle Trompetenstösse rufen zu den Mahlzeiten, Orchesterklänge suchen die Maschinen und — bisweilen — das Klatschen der tobenden Wogen an die hermetisch verschlossenen Luken zu übertönen. Bei Sturm wird unter dem immer blendend weissen Tuch diskret ein Holzrahmen angebracht und die bequemen Stühle sind festgebunden. Auch stehen dann die freundlichen Stewards gelangweilt an den Wänden und warten auf die .Gäste, die... nicht kommen. Ein, zwei, drei Stockwerke höher — die erste Klasse kennt sogar einen Lift — und die langen, spiegelglatten Korridore" führen' zu den einzelnen «Stuben», den Schlafkabinen. Wie auf kleinem Räume vieles untergebracht werden kann, lerne man dort. Heftig blasende, jedoch verstellbare Luftlöcher sorgen für die nötige Lüftung, wenn die Luke von dem geduldigen, aber strengen Kabinenstewart zugeschraubt werden muss. Noch höher oben: die Wohnräume, behaglich ausgestattet, tags dennoch lieber gemieden, und die Aussendecks, je nach Klasse und Schiffsart mit mehr oder weniger Ausdehnung. Feierlich und vertraulich grüssen zu beiden Seiten die Rettungsboote. Alles ist blendend weiss, wird vor jeder Fahrt neu gestrichen und jeden Tag von patschigen Matrosenhänden abgewaschen. Aber immer noch geht es höher hinauf, zu den Zimmer der Ingenieure, zur Wohnung des Kapitäns, zum Steuerraum. Hier erst ist der Blick nach allen Seiten gleich frei, hier ist auch Ohr und Mund des Schiffes. Nicht mehr fährt es, wie ehemals, allein auf weitem Ozean, sich selbst überlassen, heute ist es in dauernder Verbindung mit den andern Cie. G