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E_1936_Zeitung_Nr.049

E_1936_Zeitung_Nr.049

BERN, Dienstag, 16. Juni 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N« 49 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Aufabe A (ohne Versicherung) halb jährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 1 O.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dlenstan und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal .,G»lbe Uste" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Lflwenstrasse 61, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grandzeile oder deren Raum 45 Rp, Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratensehluss 4 Taue vor Ericheinen der Nummern Unlösbare Widersprüche In der unlängst erschienenen bundesrätfichen Botschaft über die Durchführung einer Sonderwerbung für die Förderung des Reiseverkehrs findet sich der Satz : «Die Krise im Fremdenverkehr, ihre besorgniserregende Verschärfung in der letzten Zeit und die getrübte Aussicht in die nächste und in die fernere Zukunft rechtfertigen ausser der Beibehaltung der bisherigen Nothilfe gewisse neue Massnahmen und weitere Aufwendungen des Bundes für diesen wichtigen Zweig unserer Volkswirtschaft.» Als erste dieser wichtigen Massnahmen, die, wie er selbst sagt, zu einer Geschäftsbelebung in unserem Verkehrsgewerbe führen sollen, fasst der Bundesrat eine < weitere Verbilligung der Reisekosten» ins Auge. Diese an und für sich richtige Erkenntnis, dass eine Ankurbelung des Verkehrs nur von der Seite eines Abbaus der bei uns noch immer exorbitanten Reisekosten kommen kann, setzt er dadurch in die Tat um, dass er zum einen den Rabattansatz für die kurzfristigen Generalabonnemente der SBB von IS auf 30 Prozent erhöht, währenddem er zum andern, wie bereits gemeldet, auf dem Ausländerbenzin eine weitere Reduktion von 36 auf 30 Rp. pro Liter gewährt, was bei einem Benzinpreis von 43 Rp. einer Ermässigung um 30 % entspricht. Durch diese freilich nur teilweise Gleichstellung des fremden Automobilisten mit dem Bahngast gibt unsere Behörde zu erkennen, wieviel ihr auch an einer Belebung der internationalen Autotouristik nach der Schweiz gelegen ist. Sie anerkennt damit, gewollt oder ungewollt, die Bedeutung dieses zusätzlichen Verkehrs für unser Gastgewerbe und alle jene Wirtschaftszweige, die mit ihm stehen und fallen. Halten wir dieses Eingeständnis einmal fest. Aus dem Kuchen der Botschaft lässt sich Jedoch noch eine andere Rosine herausklauben : Der Ausspruch nämlich, die Massnahme der weiteren Verbilligung des Benzins für die fremden Automobilisten dürfte ganz besonders angebracht sein und verkehrsfördernd wirken. Für unsere Ohren zwar klingen solche Worte, ausgerechnet aus dem Munde des Bundesrates, wie eine Offenbarung. Womit allerdings seine bisherigen « Leistungen » auf dem Gebiet schweizerischer Automobilpolitik in schroffstem Widerspruch stehen. Dennoch, halten wir auch das fest: Billiges Benzin verleiht dem Verkehr neuen Auftrieb. Also sprach der Bundesrat. Dass er sich zu dieser Einsicht durchgerungen hat — wenn auch etwas sehr spät — dürfen wir schon deshalb als Fortschritt buchen, weil wir von ihm in den Belangen der Förderung des Autoverkehrs keineswegs verwöhnt worden sind. Man hat 'das Motorfahrzeug gerade noch als willige, geduldige und ertragreiche Milchkuh gelten lassen und es im übrigen nach dem Wahrspruch traktiert : Seh' ein jeder wie er's treibe und wer steht, dass er nicht falle! Oder : Hilf dir selbst, so ist dir geholfen. Und jetzt? Kündet die bis ins Allerheiligste des Bundeshauses vorgedrungene Erkenntnis, dass ein billiger Benzinpreis den Verkehr auf Touren bringe, die Morgendämmerung einer neuen Aera, die auch dem Auto gibt, was des Auto's ist ? Mit nichten ! Besagte Erkenntnis nämlich erstreckt sich einzig und ausschliesslich auf den vom Ausland her über unsere Grenzen flutenden Automobilverkehr. Sie gilt nicht für uns Schweizer. Sie macht vor uns Halt, denn merk Dir, Bauer, das ist etwas ganz anderes. Zwar verschliesst sich der Bundesrat keineswegs der « harten, von Monat zu Monat sich ver- •schlimiaernden Notlage in allen Zweigen der Fremdenverkehrswirtschaft, insbesondere im Gastgewerbe >. Aber was er ihm durch das Mittel einer weiteren Preisermässigung des Ausländerbenzins und andere Vergünstigungen mit der einen Hand gibt, das nimmt er ihm mit der andern wieder, weil die Schweizer Automobilisten die Erhöhung der Fiskallasten am laufenden Band damit quittieren und quittieren müssen, dass sie den Fahrbetrieb einschränken oder ihre Fahrten ins billigere Ausland verlegen. Dabei gibt ihnen die erhebende Aussicht auf den Spritbeimischungszwang den Rest. Sie hat gerade noch gefehlt, um dieser Abwanderung erheblicher schweizerischer Fahrerkontingente Vorschub zu leisten. Was sagt die Hotellerie dazu ? Und was sagt sie zu Briefen wie diesem: « Der Kampf unserer maesgebenden Behörden rnr Drosselung des Automobilisnuus und um die gleichzeitige Gesundung der überschuldeten SBB nimmt leider immer unsinnigere Formen an. Diese Benzinzollpolitik hat mich veranlasst, in den letzten JaTrren meine Ferien restlos im Ausland zu verbringen und die Schweiz, die ich früher niemals verlassen und wo ich mein Geld ausgegeben habe, zu meiden. So fahre ich nun mit meinem Wagen in die Dolomiten, ins Salzkammergut, nach Dalmatien, ins Rheinland, nach der Normandie oder der Bretagne, an die Riviera oder nach Spanien. Ich habe dank dieser, die eigene Volkswirtschaft aufs empfindlichste schädigenden Benzinzollpolitik, nun ein schönes Stück Europa kennen gelernt, das mir als gutem Schweizer sonst ewig fremd geblieben •wäre. Solange jedoch der Liter Benzin nicht auf mindestens 30 Rp. herabgesetzt wird, wende ich mich konsequent dem Ausland zu, weil ich einfach nicht dumm genug bin, unseren Magistraten diesen übersetzten Zoll zu bezahlen... Ich weis«, dasß Taugende und Abertausende von Automomlisten gleich denken und handeln wie ich. Sie alle sind überzeugt, dass unsere ganze schweizerische Volkswirtschaft wieder angekurbelt werden könnte, wenn der Benzinpreis auf 25 bis 30 Rp. reduziert würde, und zwar nicht nur für Ausländer, sondern auch für uns Schweizer. > An Freimut und Deutlichkeit lässt diese Kritik nichts zu wünschen übrig. Aber — und hier liegt das Symptomatische daran — Stimmen dieser Art erheben sich durchaus nicht etwa bloss vereinzelt. Tagtäglich fast fliegen uns in letzter Zeit solche Zuschriften aufs Pult, Spiegel der Stimmung, besser gesagt deF Verbitterung, die heute weiteste Kreise unserer Automobilisten erfasst hat. Dafür, dass sie, zur Selbsthilfe greifend, nach fremden Gestaden ausrücken, anstatt im Lande zu bleiben und sich redlich zu nähren, dafür mögen sich unsere Hoteliers beim Bundesrat bedanken. Mit intuitiver, geradezu tramwandlerischer Sicherheit hat er alles vorgekehrt und unternimmt er auch heute noch (siehe Beimischungszwang!) alles, um diesem Zug nach dem Ausland neue Nahrung zu geben.. Derselbe Bundesrat, der im nämlichen Moment einen Hälbmillionenkredit zur Förderung des Fremdenverkehrs, zur Gewährung von Reisevergünstigungen verlangt. Legt er sich denn keine Rechenschaft darüber ab, dass es ein offenkundiges Unding ist, auf der einen Seite durch eine Sonderwerbung den Fremdenstrom nach der Schweiz zu neuem Leben erwecken zu wollen, währenddem er auf der andern, dank seiner schlechterdings prohibitiven Benzinzollpolitik, das Abspringen der einheimischen Automobilisten — sicher nicht der schlechtesten Gäste unserer Hotels — ins Ausland nicht nur begünstigt, sondern direkt provoziert? Vielleicht werden die fremden Autotouristen unserm verstärkten Lockruf folgen, Vielsagende Unter dem Titel « Vielsagende Echos» gaben wir in unserer letzten Ausgabe einige Musterehen von Pressekommentaren, da und dort durch die von den Automobilverbänden in Aussicht gestellte Protestaktion gegen den Beimischungszwang ausgelöst, wieder. Dass dieser Stein des Anstosses, d. h. ein eventueller Benzinstreik, derartige Mengen von Drukkerschwärze mobil zu machen vermöchte, hat jedenfalls den Initianten die Richtigkeit ihres Vorgehens eindeutig bewiesen. Denn die Schärfe der Verurteilung, die einzelne besonders regierungstreue Blätter diesem automobilistischen Rechtsprechung des Bundesgerichts in Automobilsachen. Rosemeyer siegt imEifelrennen. Die Brüder Maserati. Flugzeug und Eisenbahn— eine Konkurrenz? Kohlenstaub als Motorenbrennstoff. Regierungstreu, doch volksfremd. Wir berichten heute über: Motorfahrzeug-Aussenhandel im April. bestimmt aber wird der Schweizer seine Fahrten nach dem Ausland orientieren, wenn er nicht überhaupt unter der würgenden Hand des Fiskus seinen Wagen vollkommen stillegt. Wo angesichts solcher Verhältnisse der Effekt der Verkehrspropaganda-Aktion bleibt, soweit sie den Autotourismus in sich schliesst, kann man sich an den Fingern abzählen. Solange man sich im Bundeshaus nicht zu einem radikalen Kurswechsel der automobilistischen Fiskalpolitik aufrafft, solange wird auch die kräftigste Reklametrommel ausserstande sein, den Schaden, den unser Gastgewerbe durch den Exodus der Schweizer erleidet, zu kompensieren und wieder gutzumachen, Echdts Selbstschutzversuch angedeihen lassen, ist mit in Würdigung der für die Bundesfinanzen tatsächlich auf dem Spiel stehenden Interessen verständlich, waren doch anhin die Belange des motorisierten Strassenverkehrs, dessen Aufkommen und Entwicklung angeblich von durchaus nebensächlicher Bedeutung. Um so erfreulicher ist deshalb die wachsende Einsicht, welche einige mehr lokalen Charakter tragende Blätter hinsichtlich der nun von den Benzinkonsumenten zu tragenden Defizitmillionen der eidg. Alkoholverwaltung beweisen. So schreibt der «Toggenburger Anzeiger» beispielsweise kürzlich folgendes: F E U I L L E T O N Der Seewolf. von Jack London. 38. Fortsetzung. « Nein», meinte sie nachdenklich. «Es iöeht nur vorwurfsvoll aus. > t Dann ist es ein ehrliches Gesicht und 'drückt nur aus, was ich fühle. Sie haben unrecht sowohl gegen sich selbst wie gegen mich gehandelt. Wie soll ich in Zukunft Vertrauen zu Ihnen haben ? » Sie sah ganz reuevoll aus. « Ich werde brav sein», sagte sie wie ein unartiges Kind. < Ich verspreche » « Zu gehorchen, wie ein Matrose seinem Kapitän gehorcht ? » «Ja», sagte sie. «Es war dumm von mir, ich weiss. » « Dann müssen Sie mir etwas versprechen», meinte ich. «-GenL> « Sie dürfen nicht zu oft .Bitte, bitte !' sagen, denn sonst untergraben Sie meine Autorität. » Sie lachte belustigt. Auch sie hatte die Macht ihres .Bitte, bitte !' bemerkt. « Das Wort ist schön > begann ich. « Aber ich darf es nicht ausnutzen », unterbrach sie mich. Dann lachte sie müde und Hess den Kopf wieder zurücksinken. Ich überliess das Ruder sich selbst, um ihre Füsse in die Decken zu wickeln und ihr einen Zipfel,über das Gesicht zu ziehen. Ach ! sie war nicht kräftig ! Ich sah mit Besorgnis nach Südwest und dachte an die sechshundert Meilen, die mit ihrer Mühsal vor uns lagen — —, ach, wenn es nur nichts Schlimmeres als Mühsal werden sollte. Einige Stunden später sichtete ich den Rauch eines Dampfers am Horizont in Lee. Es musste meiner Ansicht nach entweder ein russischer Kreuzer oder, wahrscheinlicher, die .Macedonia' sein, die noch auf der Suche nach der ,Ghosf war. Die Sonne war den ganzen Taz nicht zum Vorschein gekommen, und es war bitterkalt gewesen. Als die Nacht sich herabsenkte, wurden die Wolken dunkler, und der Wind frischte noch mehr auf, so dass Maud und ich mit Fausthandschuhen Abendbrot assen und ich am Ruder blieb und nur hin und wieder zwischen den Windstössen einen Bissen zu mir nahm. Inzwischen war es ganz dunkel geworden, Wind und Wogen wurden zuviel für das kleine Fahrzeug, und so holte ich das Segel ein und versuchte, einen Dregg- oder Seeanker zu machen. Ich hatte diese Kunst durch Gespräche mit den Jägern erfahren, und es war eine ganz einfache Sache. Ich legte das Segel zusammen, surrte es gehörig an Mast, Baum, Spriet und zwei Paar Reserveriemen fest und warf es über Bord. Eine Leine verband es mit dem Bug, und da es tief im Wasser lag und dem Winde keinen Widerstand bot, trieb es langsamer als das Boot. Infolgedessen hielt es den Bug in See und Wind — die sicherste Lage, um sich gegen das Kentern zu schützen, wenn Sturzseen kamen. • < Und jetzt ? » fragte Maud fröhlich, als die Arbeit vollbracht war und ich mir die Fausthandschuhe wieder anzog. « Jetzt fahren wir nicht mehr nach Japan », sagte ich. « Wir treiben in der Richtung nach Südost oder Südsüdost mit einer Schnelligkeit von mindestens zwei Meilen die Stunde.» «Das sind vierundzwanzig Meilen», meinte sie, «wenn der Wind die ganze Nacht weht.» «Und hundertundvierzig, wenn er drei Tage und Nächte anhält.» « Aber er wird nicht anhalten ! » sagte sie zuversichtlich. «Er wird sich drehen und wenden, wie wir ihn brauchen.» «Das Meer ist der grosse Treulose.» « Aber nicht der Wind!» erwiderte sie. Sie wurde ganz beredt, wenn sie auf den prächtigen Passat zu sprechen kam. « Wenn ich nur daran gedacht hätte, Wolf Larsens Chronometer und Sextanten mitzunehmen », sagte ich niedergeschlagen. «In einer Richtung segeln und in der andern treiben, gar nicht zu reden von der Strömung, die einen in einer dritten entführen I kann — was dabei herauskommt, kann der