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E_1936_Zeitung_Nr.048

E_1936_Zeitung_Nr.048

BERN, Freitag, 12. Juni 1936 Nummer 20 Rp. 32.Jahrean* — N° 48 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen Amfbe ABONNEMENTS-PREISE: ausgelöst. Es macht Mühe einzusehen, dass das Eselchen, das sich Jahr für Jahr Last um Last aufbürden liess und sie willig schleppte, trotz all der unmotivierten Hiebe und Fusstritte, nun auf einmal nicht noch mehr aufgebürdet haben will, dass es störrisch und bockstill zu stehen droht. Es verdriesst im Bundeshaus, und nicht zuletzt bei der Spitze ei- A (ohne Versicherung) halb jährlich Fr. 5.-, jährlich Er. IC- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 750 Vielsagende Echos Die fiskalische Belastung der schweizerischen Motorfahrzeughalter hat in den letzten Jahren Dimensionen angenommen, welche deren Qualifizierung als « prohibitiv » mehr als nur rechtfertigen. Nachfolgende Zahlen legen beredtes Zeugnis von der Höhe der dem Benzinkonsumenten auferlegten Lasten ab: Am 25. Juni 1935 erhöhte der Bundesrat auf dem bequemen Wege eines Dringlichkeitsbeschlusses den Zoll auf Benzin von 243 % auf 320 % des Nettoeinfuhrwertes, den Ansatz für im Schwerverkehr Verwendung findende Qasöle von 46 % auf 245 %, und das, obschon die Zollbelastung von Motortreibstoffen weder eine schutzzöllnerische noch eine zollkämpferische Massnahme, sondern eine rein fiskalische Belastung des Motorfahrzeugverkehrs darstellt und trotzdem Art. 49 der Bundesverfassung festlegt, dass nicht die für Industrie und Landwirtschaft notwendigen Stoffe, wohl aber die Gegenstände des Luxus den höchsten Taxen unterliegen sollen! Ueber 90 Millionen Fr. betragen die der Eidgenossenschaft ••••aaä den Kantonen aus dem motorisierten Strassenverkehr jährlich zufliessenden Einnahmen. Absichtlich ausser Acht gelassen oder sogar direkt herabgewürdigt wird zudem noch immer die Bedeutung des Automobilverkehrs" innerhalb der schweizerischen Verkehrspolitik. Im blinden Kampf zwischen Schiene und Strasse vergisst man in Rechnung zu setzen, dass der Motorfahrzeugverkehr bestimmt mehr Leute beschäftigt als Bundes- und Privatbahnen zusammen, dass der Wert der Automobile und der für deren normale Unterbringung aufzuwendenden Investitionen mehr als 1100 Millionen Fr. ausmacht, dass der Jahresumsatz des Motorfahrzeugverkehrs mit rund 400 Millionen Fr. eingestellt werden ntuss. Zugegeben, wir haben noch weisse Raben, d.h. Automobilisten, die, wie ein Bundesrat kürzlich in Genf erklärte, selbst 55 Rp. pro Liter Benzin auslegen können, ohne dabei das geringste Missbehagen zu • empfinden. Für alle jene aber, denen das Motorfahrzeug ein unentbehrliches Erwerbsmittel bedeutet, für unsern gesamten gewerbs- und werkmässigen Schwerverkehr haben sowohl der Benzinpreis, als auch die vielgestaltigen kantonalen Motorfahrzeugsteuern und Gebühren F E U I L L E T O N Der Seewolf. Von Jack London. 37. Fortsetzung. < Nein, wir haben beide keine andere Möglichkeit als das offene Boot >, wiederholte ich tapfer. « Wollen Sie sich, bitte, so warm wie möglich ankleiden und alles, was Sie mitnehmen wollen, zusammenpacken. — Und machen Sie so schnell wie möglich», fügte ich hinzu, als sie sich umwandte, um ihre Kajüte aufzusuchen. Die Vorratskammer befand sich gerade unter der Kajüte, ich öffnete die Falltür, nahm ein Licht und stieg hinunter, um mich mit Proviant zu versorgen. Ich wählte hauptsächlich Konserven, und als ich fertig war, streckten sich mir von oben ein Paar Hände willig entgegen, um in Empfang zu nehmen, was ich ihnen zureichte. Wir arbeiteten schweigend. Ich verschaffte mir auch Decken, Fausthandschuhe, Oelzeug, Mützen und ähnliches aus der Vorratskiste. Es war keine Kleingkeit, sich in einem kleinen Boot der rauhen, stürmischen Erscheint Jeden Diensten und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal ..Gtibe REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autoren», Bern Geschäftsslelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Grau und frostig brach der Tag an. Das Boot lag scharf an dem frischen Winde, und der Kompass zeigte, dass wir genau den Kurs nahmen, der uns nach Japan führte. Trotz der Fausthandschuhe waren meine Finger kalt und klamm vom Halten des Steuereine Höhe erreicht, deren Ueberschreitung tiefgreifende Auswirkungen haben musste, weil sie ganz einfach untragbar ist, d.h. den Ruin der gesamten schweizerischen Automobilwirtschaft nach sich zieht. Dass unter diesen Umständen der vom Bundesrat erlassene Zwang der Beimischung von Alkohol zum Benzin eine neue Welle der Entrüstung und Erbitteruns' unter den Automobilisten auslösen musste, ist nicht verwunderlich, denn herausfordernder kann man einer Minderheit von Bürgern nicht begegnen. Diese erneute Zuspitzung der Situation macht denn auch die durch einen, diesmal von unten und nicht von oben ausgeübten Druck diktierte Haltung der' Automobilverbände begreiflich. Nachdem der ACS sich, wie bereits in der letzten Nummer berichtet, zu einer Abwehraktion genötigt sieht, hat nun auch der TCS der allgemein herrschenden Stimmung Rechnung tragend, folgendes Communique erlassen: nes eidgenössischen Regiebetriebes, dass dessen gehandelte Produkte, von Gesetzes wegen dem Automobilisten nur in kleinsten Dosen erlaubt, nicht ohne weiteres den Explosionsmotoren sollen einverleibt und deren Besitzer zur Berappung der Unkosten dieser Bewirtschaftung herangezogen werden können. Es enttäuscht, dass die Rechnung nicht stimmen will und diese Enttäuschung macht sich vor allem in den Kommentaren der regierungsfreundlichen Zeitungen zur Resolution der Automobilverbände gebührend Luft. So schreibt ein in der Zentralscnweiz erscheinendes Blatt u. a.: < Der Plan einer Stillegung des Automobilverkehrs wird durch den Umstand, dass eine grössere Zahl von Verbänden mitmachen "will, um nichts besser. Er bleibt ein Ausfluss einer aufs schärfste zu verurteilenden Mentalität. > Vielsagend erscheint uns nur, dass dieses selbe Blatt, das über die Losung der Eisenbahnergewerkschaft, im Zusammenhang mit dem Lohnabbau, welche, um eine «Verarmung» ihrer Mitglieder zu steuern, die Wiedereinführung von eigenen Einkaufsgenossenschaften in Erwägung zog, stillschweigend hinwegging, die geplante Abwehraktion der Motorfahrzeugbesitzer, die letzten Endes ja auch nur der Verarmung dieser Kreise steuern «Die am Samstag, den 6. Juni 1936, in Bernwill, als «eine aufs schärfste zu verurteilende tagende Konferenz der Präsidenten der Mentalität» bezeichnet. deutschschweizerischen Sektionen des T. C. S. Sicher wird nicht nur der Automobilist, legt Verwahrung ein gegen den vom Bundesrat beschlossenen Beimischungszwang von Steuerzahler uns beipflichten, wenn wir besondern mit ihm jeder gerechtdenkende .haupten, nicht die in Frage stehende Abwehraktion, wohl aber der bündesrätliche Vorschlag, die Schulden der Alkoholverwaltung Alkohol zum Benzin und die damit verbundene Ueberwälzüng von Defiziten einer absolut unfähigen eidgenössischen Monopol-Verwaltung auf Bevölkerungskreise, die schon heute mit Abgaben an den Bund übermässig belastet sind. Die Konferenz beschliesst, der Via Vita als der einzigen Stelle, welche die Kräfte des gesamten Aittomobilismus zusammenzufassen in der Lage ist, eine gemeinsame Aktion aller am Strassenverkehr interessierten Gruppen (z. B. eine zeitweise Einstellung des Automobilverkehrs) nahezulegen.'» Verständlicherweise hat die Möglichkeit einer solchen, dem Benzinkonsumenten durch die eidg. Alkoholpolitik aufgezwungenen Notwehr im schweizerischen Blätterwald die verschiedenartigsten, teilweise recht vielsagende und aufschlussreiche Echos See anzuvertrauen, und es war durchaus notwendig, sich gegen Kälte und Nässe zu schützen. Ich war mir auch bewusst, dass es nicht unwichtig für uns war, Waffen zu besitzen, und so ging ich in Wolf Larsens Kabine, um sein Gewehr und seine Büchse zu holen. Ich sprach ihn an, aber er gab keine Antwort, obgleich sein Kopf hin und her schwankte und er nicht schlief. «Leb' wohl, Lucifer ! » flüsterte ich bei mir, während ich leise die Tür schloss. Das nächste, was ich mir verschaffen musste, war Munition — ein leichtes, obwohl ich dazu auf die Laufbrücke musste. Hier bewahrten die Jäger die MunitionsVorräte auf, die sie mit in die Boote nahmen, und hier, nur wenige Schritte von ihrem wüsten Gelage, nahm ich zwei Kisten. Dann musste ein Boot hinabgelassen werden. Dies war keine Kleinigkeit für einen einzelnen Mann. Ich vergewisserte mich, dass es richtig mit Riemen, Klampen und Segel versehen war. Das Wichtigste war Trinkwasser, und ich nahm daher sämtliche Fässer aus den andern Booten. Da es alles in allem neun Boote waren, hatten wir nun Wasser die Hülle und Fülle und zugleich Ballast, obwohl wir jetzt Gefahr liefen, das Boot 1934 wurden annähernd 3 Millionen Hektoliter Benzin eingeführt Unter der Voraussetzung einer gerechten, der Wirtschaftslage angepassten Besteuerung dürfte mit dem Abbau der Fiskallasten die Wiederbelebung des Motorverkehrs rasch einen Konsum von 3 Millionen Hektoliter Benzin zur Folge haben. Dieses Quantum soll einen Steuerbetrag von 70—75 Mill. Fr. abwerfen, das macht pro Liter rund 25 Rappen Brennstöffsteuer, «alles inbegriffen», namentlich die Ablösung der Jahrestaxen. Um die Auswirkung der neuen Methode mit dem jetzigen System vergleichen zu können, haben wir die Steuerbelastung in Rappen pro Kilometer für sechs verschiedene Fahrzeugtypen berechnet, und zwar: zu überlasten, wenn wir den ganzen Proviant übernahmen. Nach einigen Minuten waren wir mit dem Verladen fertig, und ich Hess das Boot zu Wasser. Als ich Maud über die Reling half und ihren Körper dicht an dem meinen fühlte, konnte ich nur mit Mühe den Ruf «Ich liebe Sie ! Ich liebe Sie ! » unterdrücken. Wirklich : Humphrey van Weyden ist verliebt, dachte ich, als ich sie ins Boot hob und ihre Finger sich um die meinen klammerten. Ich hielt mich mit der einen Hand an der Reling fest und stützte sie mit der andern, und mich durchzuckte einen Augenblick ein Gefühl von Stolz. Ich besass Kräfte, wie ich sie noch vor wenigen Monaten nicht gehabt — an dem Tage, als ich mich von Charley Furuseth verabschiedet hatte, um mit der unglückseligen ,Martinez' nach San Franzisco zu fahren. Das Boot hob sich auf einer Woge, Mauds Füsse berührten den Boden und ich liess ihre Hände los. Dann warf ich die Takel los und sprang ihr nach. Ich hatte noch nie im Leben gerudert, aber ich legte die Riemen aus und bekam mit grosser Anstrengung das Boot klar von der ,Ghots\ Dann versuchte ich, das Segel zu setzen. Ich hatte beobachtet, INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtaril. Inseratcnschluss 4 Tane vor Erscheinen der Nummern Wir berichten heute Ober: Nachträgliches zum Bergrennen von Shelsley-Walsh. Vor dem int Eilelrennen. Luftkühlung. Fortschritte der deutschen Motorisierung. Der Tanz um den Brei. Beilage: und die Auswirkungen der unrichtigen Handhabung des Alkoholgesetzes von einer an diesem Fiasko gänzlich unbeteiligten Wirtschaftsgruppe tragen zu lassen, sei Ausfluss einer aufs schärfsten zu verurteilenden Mentalität. Wenn die Bermnkonsumenten heute für die Verluste der Alkoholregie haftbar sein sollen, dann dürfte der Tag, an dem sie auch noch für den Milliardenbetrag der Bundesund Privatbahnschulden verantwortlich erklärt werden, nicht mehr fern sein. Fortsetzung Seit« 2. Vorschlag einer Kilometersteuer* * Siehe No. 47. (Schluss.) 1. für ein 500-ccm-Motorrad (2,5 St.-PS), Verbrauch 4 Liter auf 100 km, Jahxestaxe Fr. 70.*—; 2. für einen 6-St.-PS.-Personen-wageri, lO'/ioo km, Taxe 170 Fr.; 3. für einen 15-St.-PS-Personenwagen, 17 l lv» km» Taxe 350 Fr.; 4 für einen 27-St-PS-Personenwagen. 25 */«• km, Taxe 590 Fr.; 5. für einen 44-St.-PS-Benzm-Lastzug, GO 1 !*» km, Taxe 1150 Fr.; 6. für einen 44-St.-PS-Die6el-Lastzug, 40 Vt« km, Taxe 1150 Fr. Die Ermittlungen erstrecken sich auf 3 verschiedene Belastungen: a) Alter Benzinzoll (16,7 Rp. pro Liter), resp. Gasöl (3 Rp.) plus Jahressteuer. b) Neuer Benzinzoll (23,4 Rp.). resp. 16 Rp. plus Jahressteuer. c) 25 Rappen Benzinsteuer, resp. 20 Rp. Gasöl, «alles inbenriffeVi». wie die Bootssteurer und Jäger ihre Sprietsegel setzten, aber es war doch mein erster Versuch. Ich brauchte zwanzig Minuten, um zu machen, was sie in vielleicht zweien schafften, aber schliesslich war es getan, und, die Ruderpinne in der Hand, ging ich in den Wind. « Dort liegt Japan», bemerkte ich, « gerade vor uns.» «Humphrey van Weyden, Sie sind ein mutiger Mann ! » sagte sie. « Nein », antwortete ich, « aber Sie sind eine mutige Frau.» Wie auf eine gemeinsame Eingebung wandten wir den Kopf, um noch einen letzten Blick auf die ,Ghost' zu werfen. Ihr niedriger Rumpf hob sich und rollte auf der Woge, ihre Segel schimmerten undeutlich in der Nacht, das festgemachte Rad kreischte, dann entschwand sie unsern Blicken, und wir waren allein auf dem dunklen Meer.