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E_1936_Zeitung_Nr.052

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BERN, Freitag, 26. Juni 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - W 52 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-FR EISE: Aasgabe A (ohne Versicherung) halbjahrlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe List«" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 5l, Telephon 39.743 An unsere Abonnenten und Leser! Man mag in der Geschichte des schweizerischen Automobilwesens zurückblättern, soweit man nur will, wohl kaum wird man dabei auf einen Abschnitt stossen, worin sich die Entwicklung der Dinge auf diesem Gebiet unserer Volkswirtschaft gleichermassen zugespitzt und nach einer Lösung gedrängt hätte, wie gerade in der gegenwärtigen Zeit. Es sind — dessen gilt es sich bewusst zu sein — Tage von entscheidender Bedeutung, welche unsere Automobilpolitik heute durchlebt. Der unentwegte Kampf, der seit Jahren gegen die bis zur Unerträglichkeit gesteigerten Fiskallasten entbrannt ist, welche unsere Behörden dem Motorfahrzeug zumuten, dieser Kampf ist jetzt in eine neue Phase eingetreten, deren hervorstechendstes Charakteristikum die von der «Via Vita » auf Sonntag, den 5. Juli geplante Aktion der Stillegung des motorischen Verkehrs bildet. Darin entlädt sich die Verbitterung unserer Kreise über die schweren Schläge, welche der Bundesrat mit der Benzinzollerhöhung vom Juni 1935 und neuerdings wieder mit dem Spritbeimischungszwang gegen das Motorfahrzeug geführt hat. Wenn der Widerstand gegen diese « ratenweise Erdrosselung » solch drastische Formen annimmt, dann müssen wir betonen, dass wir diese Auseinandersetzung durch das Mittel der Tat weder gesucht noch leichtfertig vom Zaun gebrochen haben, sondern dass man sie uns aufgezwungen hat. Immer und immer wieder mussten wir aus bitterer Erfahrung lehren, dass bei der Haltung, welche unsere Landesbehörden dem Automobilismus gegenüber einnehmen, alle andern Wege versagen. An diesem Punkt stehen wir heute. Und wir hoffen, die Historik werde ihn einmal als Wendepunkt im Entwicklungsgang unserer Motorfahrzeugwirtschaft verzeichnen dürfen, als Anbruch einer neuen Aera, die auch in dieser Domäne dem Wort vom Leben und Lebenlassen wieder mehr Ehre antut, die dem Auto als Träger gewaltiger wirtschaftlicher Werte wieder gibt, was des Autos ist. Die Frage ist nicht ganz unangebracht, wieso es überhaupt soweit kommen konnte, dass die Automobilistenverbände sich vor den Zwang gestellt sahen, die Parole für einen Verkehrsstreik auszugeben. Man hat uns an den massgebenden Stellen bisher allzu leicht übersehen! Nicht ganz zu Unrecht konnte man dabei mit der Ueberlegung operieren, es sei ja mit der Solidarität unter den Automobilisten noch nicht soweit her, als dass sie sich in geschlossener Abwehrfront zusammenfinden würden. Diese unsere Schwäche hat man richtig erkannt — und die Folgen sind nicht ausgeblieben. Was sich für alle Autofahrer unseres Landes als Konsequenz daraas ergibt? Die unbedingte Notwendigkeit eines engern Zusammenschlusses ohne Unterschied der Stellung, ohne Ansehen der Partei und Person. Halten wir uns klar und unverrückbar vor Augen, um was es in dieser Stunde geht, da die grossen Organisationen der Motorfahrteugbesitzer der Benzinzoll- und Beimischungspolitik des Bundes ihre entschlossene Fehde angesagt haben: Es geht darum, den Druck des Jochs jener Lasten zu mildern und zu erleichtern, der in irgendeiner seiner Auswirkungen einen jeden unter uns unmittelbar in seiner Existenz trifft, wenn nicht gar bedroht. Wenn überhaupt je, dann tut heute lückenloses Zusammenstehen dringend not. Im Nationalrat hat vor einem halben Jahr der Verwaltungsratspräsident der S. B. B. den Ausspruch getan, die Automobilisten stellen eine Macht dar, mit der zu rechnen sei. An uns, ausschliesslich an uns liegt es jetzt, den Beweis zu erbringen, was es damit auf sich hat. Denn freilich setzt gemeinsames und damit machtvolles Auftreten voraus, dass ein jeder sich seiner Pflichten auch dem andern gegenüber erinnere und unverbrüchlich zur Fahne halte. Von allem Anbeginn an — und es sind über 30 Jahre seither — hat sich unser Blatt in den Dienst des schweizerischen Automobilwesens gestellt. Nach bestem Können und Vermögen hat es versucht, seine Mission als Sprachrohr dieser Kreise, als Plattform, von der aus alle mit dem Motorfahrzeug zusammenhängenden Probleme unseres Landes zu Nutz und Frommen jedes einzelnen erörtert werden, zu erfüllen. Inwieweit uns bei den mitunter harten Sträussen, die wir auszufechten nicht müde geworden, Erfolg beschieden war, davon zeugen die spontanen Anerkennungen, womit unsere Leser uns immer wieder überraschen. Auf diesem Weg unverdrossen weiterzuschreiten, uns jederzeit für die berechtigten Interessen des Automobils in die Bresche zu stellen, ist uns selbstverständliche Pflicht. Allerdings: Nur dann vermögen wir dieser Aufgabe gerecht zu werden, wenn Leser und Abonnenten uns auch weiterhin Treue bewahren, nur dann wird man uns als Herold im Widerstreit der Meinungen Gehör schenken, wenn man bei den Behörden die Automobilistengemeinde der ganzen Schweiz hinter uns weiss. Verlag und Redaktion. Artillerie. Mit Ausnahme der 15-cm-Haubitzbatterien ist bereits unsere schwere Artillerie motorisiert. Auf Grund der im Dezember 1933 bewilligten Kredite für die- Bewaffnung und Ausrüstung der Armee wurde die Neubewaffnung eines Teils der schweren Mötorkanonen-Abteilungen ermöglicht. Heute gilt es, die Umbewaffnung weiterer Motorkanonen-Batterien vorzunehmen. Die alten, aus den achtziger Jahren stammenden Geschütze leiden ausserordentlich unter dem Motorzug, für den sie seinerzeit nicht gebaut wurden. Sie sollen durch ein 10,5-cm-Geschütz ersetzt werden. Ausserdem ist vorgesehen, noch weitere Gebirgsgeschütze anzuschaffen, die ebenfalls für den Motorzug gebaut sein sollen. Damit ergibt sich für einen grossen Grenzabschnitt, denen solche Batterien zugeteilt sind, eine bessere Verschiebungsmöglichkeit. Die Transportfahrzeuge für alle diese neuen Batterien sind schwere Motorlastwagen. Die in der Armee schon vorhandenen Artillerietraktoren einheimischen Fabrikats können beibehalten werden. Die Artillerie-Beobachtungskompagnien, die bereits motorisiert sind, werden um 6 vermehrt. Alle diese Vermehrungen zwingen uns, den Bestand an schweren Lastwagen weitgehend zu beanspruchen. Genietruppe. Schon die Gebirgs - Sappeur - Kompagnien der Gebirgsbrigaden erhalten für den Transport von Sprengstoff, Stacheldraht, Kompressoren und Stegmaterial eine erhebliche Zahl .von Lastwagen zugeteilt. In den Stabskompagnien der Sappeurbataillone sind 22 Lastwagen enthalten. Gänzlich motorisierte Sappeur-Kompagnien werden für die leichten Brigaden aufgestellt. Für den Mannschaftstransport sind diesen Kompagnien Transportwagen: (Car Alpins) zugegeben. Die Organisation der Pontonier-Bataillone, die bekanntlich ein neues Material für den Bau von Kriegsbrücken zu 12 Tonnen Tragkraft erhalten, ist noch nicht festgelegt. Als Zugwagen sind Strassentraktoren mit speziellen Anhängern vorgesehen. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Baum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtariL Inseratensehluss 4 Tage vor Ericheinen der Nummern Wir berichten heule Ober: Selbstschutz durch Stillegung. Vor 30 Jahren: Der 1. Grand Prix. Vervollkommnung der Funktion des Vergasers, Zürich rüstet auf den Verkehrsstreik. Bündner Verkehrssorgen. Beilage: Lastwagen und 5 Motorräder. Eine Anzahl Lastwagen muss als Korps- und Instruktionsmaterial neu beschafft werden. Die Fliegertruppe ist selbstverständlich ganz motorisiert. Der grosse Bedarf an Motorfahrzeugen für diese Truppe erhellt daraus, dass allein für eine einzige Flieger-Kompagnie 3 Personenwagen, 10 Lastwagen, 1 Zisternenwagen und 2 Motorräder benötigt werden. . ~. Sanitätstruppe. i Bekanntlich spielt der Kranken- und wundetentransport durch Motorfahrzeuge heute eine wichtige Rolle, die wegen der Gefährdung der Bahnen durch Flieger eher, noch an Bedeutung gewinnt. Da die Zahl der if ransportkolonnen bis anhin den Bedürfnissen nicht genügte, sollen nunmehr 66 gegenüber^ heute bloss 48 aufgestellt werden.Vorgeseheti3st die Zuteilung von Personenwagen für sitzend-zu transportierende Kranke und Verwundete und geschlossene Lieferungswagen, die mlt> einer sinnreichen Vorrichtung im Wageninnern für Motorisierung und neue Truppenordnung Von Oberstdivisionär Labhart, Waffenchef der Kavallerie. Den Aufklärungs-Abteilungen der Divisionen soll ein Panzerwagen-Detachement, bestehend aus 4 Panzerwagen, zugeteilt werden. Bekanntlich unterscheidet die heutige Kriegstechnik leichte, mittlere und schwere Panzerwagen. Leichte sind solche bis ungefähr 7 Tonnen, mittlere bis 12 Tonnen und schwere bis zu 70 Tonnen Gewicht. Fahrzeuge mit derart hohen Gewichten bestehen übrigens nur in vereinzelten Exemplaren. Schwere und mittlere Kampfwagen sind vorgesehen für die Verwendung in der Schlacht. Sie sind gleichsam die Schlachtkavallerie früherer Zeiten. Ihnen folgt in der motorisierten Division die Infanterie zum Halten der erreichten Stellungen. Diese wird auf geländegängigen oder Strassenfahrzeugen den Panzern nachgeführt. Es ist ohne weiteres klar, dass die leichten Panzerwagen den mittlern und schweren bezüglich Geländegängigkeit und Raschheit erheblich überlegen sind. *) Siehe auch No. 51. Unser Gelände stellt hohe Anforderungen an die Beweglichkeit solcher Fahrzeuge. Für mittlere und schwere Panzerwagen besitzen wir ungleich mehr tanksicheres Gelände als anderswo. Wir bedürfen vornehmlich der Abwehrwaffen gegen solche Fahrzeuge (Infanteriekanonen) und eine Anzahl rascher Aufklärungsfahrzeuge. Die Panzerwagen der Aufklärungsabteilungen dienen einzig diesem Zweck. Sie sollen in Verbindung mit Motorradfahrern, Radfahrern und Reitern als Patrouillen vorstossen und die Lage beim Gegner ermitteln. Auf langwierigen Kampf haben sie sich nicht einzulassen. Der Panzer gibt ihnen einen Schutz gegen die leichten Infanteriewaffen, so dass es ihnen eher als einem Motorradfahrer oder Reiter möglich ist, Einsicht in die Lage des Gegners zu gewinnen. Unserer Industrie wird es möglich sein, diese Fahrzeuge selbst zu bauen. Panzerwagen der deutschen Armee. Auch bei den Verbindungstruppen werden ganz motorisierte Einheiten aufgestellt. Bei diesen Einheiten führen wir die Mannschaft ebenfalls auf Car Alpins nach. Weitgehend sind ebenfalls die Funker-Kompagnien motorisiert. Die Stationen mit zugehöriger Mannschaft werden, je nach Grosse, mittelst Personenwagen oder leichten Lastwagen transportiert. Bin Kompagnietyp verfügt über 25 Personenwagen, 55 leichte und 7 mittlere Lastwagen, zudem 5 Motorräder; eine Kompagnie anderer Stärke 29 Personenwagen, 66 Hegend zu Transportierende versehen werden. Eine Sanitäts-Transport-Abteilung umfasst 12 Kolonnen. Motortransporttruppe. , Inskünftig muss beim Motorwagendienst zwischen Angehörigen der Kampftruppen (Panzerwagen, motorisierte leichte Maschinengewehr-Kompagnien usw.) und den Motortransporttruppen unterschieden werden. Bei den Motortransporttruppen werden drei Arten von Transportorganisationen gesehaf-