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E_1936_Zeitung_Nr.050

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BERN, Freitag, 19. Juni 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 50 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jihrllch Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) *5erteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Wir und die Alpenpässe Gibt es einen Automobilisten in der Schweiz, der nicht den Wunsch hat, einmal seinen Wagen auf dem Netz unserer Pässe in die Berge zu lenken? Ich glaube kaum. Denn eine Alpenfahrt im Auto ist ein Erlebnis; sie wird unvergessliche Eindrücke hinterlassen mit der grossen Fülle einzigartiger Ausblicke. Wir sind ja begnadet in dieser Hinsicht. Wir müssen den Wagen nicht zuerst über Hunderte und ,aber Hunderte von Kilometern durch die Ebenen lenken, bis wir an den Berg kommen. Uns erwartet der Bergpass ja sozusagen vor der Tür. Und darum wünscht sich der Automobilist, kaum ist er flügge geworden, eine Pässefahrt. Ihm gelten ein paar wohlgemeinte Ratschläge. Dabei liegt es mir fern, den pedantischen Mahner zu spielen, aber es sei doch gesagt, dass man bei seiner ersten Autobergfahrt Problemen gegenübersteht, die man in der Ebene nicht lösen musste, und darum lohnt es sich doch, etwas darüber zu reden. Bald kommt ja dann die Zeit, da 1 man sich Uebung und Routine aneignet und sich auch vor einer Pässefahrt sicherlich nicht mehr «forcht». Aber das erstemal, Hand aufs Herz, da war es doch ein gewaltiges, schönes und aufregendes Abenteuer? Man sagt zu Recht, dass jedes durchschnittliche, moderne Automobil mit den Steigungen der Bergpässe fertig wird. Das ist wahr, wenigstens solange es in gutem Zustand gehalten wird. Es ist auch wahr, weil der Grossteil unserer Pässe (übrigens alle unsere grossen Pass-Strassenzüge) keine Steigungen über 10 bis 12 Prozent aufweisen. Hätten wir die 30prozentigen Strassen, wie sie in Oesterreich dem Fahrer noch Nüsse zu knacken aufgeben, dann änderte sich die Sachlage natürlich beträchtlich. Immerhin möchte ich darauf hinweisen, dass etwa die Forclaz, die doch auch recht stark befahren wird, bis auf 20 Prozent geht, eine Neigung, die mir als Anfänger einmal gewaltigen Eindruck machte. Selbstverständlich ist wohl, dass der Motor genügend Oel aufweisen soll, um für eine gründliche Schmierung bei der weitaus grösseren Hitzeentwicklung und Beanspruchung zu garantieren. Motoren die leicht zum Kochen neigen, muss man auf möglichst gleicbmässiger Tourenzahl fahren, natürlich nicht mit Vollgas, sondern etwa auf Halbgas. Das zögert den Siedepunkt des Wassers Eine Plauderei für Anfängen Erscheint Jeden Dienste« und Frdtag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gtlba Llit»" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 • Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorerue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 hinaus. Wichtig ist es auf jeden Fäll, den Motor nicht zu forcieren. Man schalte eher zu früh als zu spät. Es wirkt immer etwas komisch, wenn jemand erzählt, er könne mit seinem Wagen diese oder jene Strasse im «direkten Gang» herauf, welche die «andern» natürlich bescheidenerweise in einem unteren Gang nehmen müssen. Armer Motor, der so laienhaft überanstrengt wird, glückliche Re-r paraturwerkstätten, die sich über solche Fahrer freuen können! Ein Wagen soll am Bergpass nie an die äusserste Grenze seiner Kraft kommen, man muss immer noch etwas mit dem Tempo spielen können, sonst lieber schalten. Zudem habe ich die Feststellung gemacht, dass gegen die Zweitausend-Metergrenze viele Motoren an Kraft verlieren, dass also schon bei Steigungen geschaltet werden muss, bei denen man «normalerweise» nicht schalten müsste. Es ist auch wichtig, vor einer Kurve zu schalten, statt sie vielleicht mit der letzten Puste zu nehmen und zu schalten, wenn der Motor dann auch die Steigung im nächstfolgenden unteren Gang nicht mehr bewältigen kann. Kocht die Maschine, dann stelle man den Motor nicht ab, sondern lasse ihn (natürlich haltend) langsam weiterdrehen, bis er sich einigermassen beruhigt hat. Auch fülle man nicht kaltes Wasser in den kochendheissen Kühler ein, wenn der Motor stillsteht. Man lasse ihn drehen und schütte sehr langsam Wasser 1 nach, am besten natürlich warmes Wasser, so man welches hat. Man mache es keineswegs wie ich, der ich als Anfänger einmal Schnee in den kochenden Motor stopfte, bis er sich beruhigte. Freilich hatte ich dabei das Glück, dass es mir den Zylinderblock nicht sprengte, aber darauf kann man sich nicht verlassen. Steiles Bergabfahren löst die ersten Male ganz entschieden ein etwas hohles Gefühl in der Magengegend aus. Und es ist ja auch tatsächlich so, dass man einen Wagen in der Steigung besser beherrscht als im Gefälle. Aber auch ans Abwärtsfahren gewöhnt man sich rasch. Natürlich soll man bei starken Senkungen nicht den direkten Gang und dazu ausgiebig die Bremse benützen; das nützt nicht nur die Bremsen ab, sondern ist ausserdem mühselig und riskiert. Man wähle einen Gang, in dem man fast ohne zu bremsen auskommt, man lasse also den Motor bremsen. Auch etwas Gasgeben schadet von Zeit zu Zeit nicht, besonders wenn der Motor zur Verölung neigt. Wie sind die Alpenstrassen zu befahren? Ganz einfach, mit Vorsicht. Hier überblickt man nicht mehr weite, hindernislose Strecken wie auf der Ebene, sondern oft nur ein paar Meter, weil sich die Wege den Faltungen des Geländes anschmiegen. Hier kann man den Wagen nicht auf Touren treiben. Unübersichtliche Kurven. Tunnels, Gale- Die Kurven der Splügenstrasse. INSERTIONS-PREIS: - Die aehtcetpattene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grfissere Inserate nach Spezialtarif. Imeratansehlnes 4 Tage vor Ericheinen der Nummern Wir berichten heute Selbstschutz ist Gebot. Zwischen Eifel und Gr. Preis von Ungarn. Stoewer Greif-Junior. Zürich-Peking im Automobil. Grosser Preis der Schweiz 1936 gesichert Beilage: über: rien, Schluchten und schmale Brücken gebieten ein beherrschtes Fahren. Doch schliesslich fahren wir ja nicht durch die Alpenwelt um zu rasen, sondern zum Schauen und zum Geniessen. Deshalb werden wir uns, gerne dem Fahrgelände anpassen. Wir werden nur vorfahren, wenn es wirklich gefahrlos geht. Mit einem Wort, wir werden Rücksicht nehmen auf die übrigen Benutzer der Bergstrassen, eine Rücksicht, die wir ja auch von den andern wünschen. Mit all diesen Ratschlägen sei der neugebackene Autofahrer nicht abgeschreckt, denn bald genug wird er es heraus haben, wie er seinen Wagen am besten und sichersten über die hohen Pässe steuert. Er wird sich freuen über diese anregendere und abwechslungsreichere Fahrt, die sportlicher ist als die in der Ebene. Auf den meisten Paßstrassen begegnet man den Postautomobilen. Man kennt sie ja von weitem und kann sich, wenn der Weg schmal ist, einen geeigneten Platz zum Ausweichen suchen. Nur auf einigen wenigen Strassenstücken kreuzen die Postautornobile bergseits. Diese Strecken sind durch Tafeln genau bezeichnet, immer aber weichen die Postautos auf den Bergpoststrassen dem Vorfahrenden bergseits aus. Zur weiteren Sicherheit und Bequemlichkeit der Autofahrer sind eine grosse Anzahl Alpenstrassen mit dem SOS-Telephon-Hilfsdienst, teilweise auch mit dem Wasserdienst, versehen, Und nun auf zur Alpenfahrt! Agra. F E U I L L E T O N Der Seewolf. Von Jack London. 39. Fortsetzung. In dieser Nacht muss der Sturm seinen Höhepunkt erreicht haben, aber ich achtete seiner nicht. Auf dem Achtersitz übermannten mich Müdigkeit und Schmerzen, und ich schlief ein. Am Morgen des vierten Tages war der Sturm zu einem leisen Hauch gesunken, die See beruhigte sich, und die Sonne schien auf uns herab. Oh, diese gesegnete Sonne ! Wie wir unsere armseligen Körper in ihrer köstlichen Wärme badeten ! Wir lebten auf wie Käfer und Gewürm nach einem Sturm. Wir lächelten wieder, sagten lustige Dinge und erörterten hoffnungsvoll unsere Lage. Tatsächlich war sie schlimmer als je. Wir waren weiter von Japan entfernt als in der Nacht, da wir die ,Ghost' verlassen hatten. Dazu konnte ich Längen- und Breitengrade nnr ganz ungefähr erraten. Wenn ich annahm, dass wir in den siebzig Stunden, die der Sturm gedauert hatte, zwei Meilen in der Stunde gemacht hatten, mussten wir mindestens hundertundfünfzig Meilen nach Nordost getrieben sein. Stimmte diese Berechnung aber ? Es konnten ebensogut vier wie zwei Meilen in der Stunde gewesen sein ! Dann waren wir noch hundertundfünfzig Meilen weiter in der falschen Richtung gekommen. Wo wir uns befanden, wusste ich nicht, sehr wahrscheinlich aber in der Nähe der ,Ghots'. Rings um uns her gab es Robben, und ich erwartete jeden Augenblick, einen Robbenschoner auftauchen zu- sehen. Am Nachmittag, als der Nordwest wieder aufgekommen war, sichteten wir einen. Aber das fremde Fahrzeug verlor sich bald hinter dem Horizont, und wir waren wieder allein auf dem weiten Meer. Es kamen Nebeltage, an denen selbst Maud den Mut verlor und keine frohen Worte mehr über ihre Lippen kamen, Tage mit Windstille, da wir auf der unermesslichen Meeresfläche dahintrieben, bedrückt von ihrer Grosse und voller Staunen über das Wunder, dass wir in unserem winzigen Boot noch lebten und um unser Leben kämpften; Tage mit Hagel, Wind und Schneegestöber, an denen nichts uns warmzuhalten vermochte; Tage mit feinem Sprühregen, an denen wir unsere Wasserfässer von dem tropfenden Segel zu füllen versuchten. Und immer weiter wurden wir geschleudert, immer weiter nach Nordosten. In einem solchen Sturm, dem schlimmsten, den wir überhaupt erlebt hatten, warf ich zufällig einen Blick nach Lee. Was ich sah, konnte ich zunächst kaum glauben. Diese schreckensvollen, schlaflosen Tage und Nächte hatten mich zweifellos wirr gemacht. Ich blickte auf Maud, um mich von der Wirklichkeit von Zeit und Raum zu überzeugen. Der Anblick ihrer lieben, feuchten Wangen, ihres fliegenden Haares und ihrer tapferen braunen Augen bewies mir,, dass meine Augen gesund waren. Wieder wandte ich den Blick leewärts, und wieder sah ich den vorspringenden Felsen, schwarz, hoch und nackt, die rasende Brandung, die sich an seinem Fusse brach und ihren Gischt hoch hinaufschleuderte, und die schwarze, unheilverkündende Küstenlinie, die, von einem mächtigen weissen Gürtel umgeben, nach Südwesten lief. « Maud », sagte ich, « Maud ! » Sie wandte den Kopf und schaute. « Es kann doch nicht Alaska sein! » rief sie. « Ach nein», antwortete ich und fragte: « Können Sie schwimmen ? » Sie schüttelte den Kopf. «Ich auch nicht», sagte ich. « Dann müssen wir eben an Land, ohne zu schwimmen". Es muss ja irgendwo eine Lücke zwischen den Klippen sein, durch die wir mit dem Boot hineinkönnen. Aber es gilt, schnell zu sein, sehr schnell — und aufzupassen. » Ich sprach mit einer Zuversicht, die ich, wie sie wohl wusste, nicht besass, denn sie blickte mich mit ihrem ruhigen Blick an und sagte : «Ich habe Ihnen noch nicht gedankt, für all das, was Sie für mich getan haben, aber...» Sie zögerte, als wäre sie im Zweifel, wie sie ihre Dankbarkeit am besten in Worte kleiden sollte. « Nun ? » sagte ich hart, denn es war mit nicht recht, dass sie mir danken wollte. « Sie könnten, mir gern ein wenig helfen », lächelte sie. «Ihre Verpflichtungen anzuerkennen, ehe Sie sterben ? Sicher nicht. Wir werden nicht sterben. Wir werden auf dieser Insel landen