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E_1936_Zeitung_Nr.056

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Automobil-Revue — 56

Automobil-Revue — 56 Mit der Bergbahn zur Höhe! In unserer pressanten Zeit erfüllen die Bergbahnen eine wichtige Aufgabe: Sie führen uns empor! Mühelos für den Fahrgast, gefahrlos und daher mit verdoppeltem Genuss. Längst ist man von dem Vorurteil abgekommen, das mancher währschafte Alpinist gegen die Bergbahnen hegte — bieten sie doch gerade dem Alpenwanderer Gelegenheit, in der gleichen Zeit mehr zu sehen als damals, als es noch keine von den prächtigen Zahnrad-, Seil- und Schwebebahnen gab, die wir heute 'besitzen. Jedesmal, wenn man sich einem solchen Transportmittel anvertraut, muss man wieder die Kühnheit der Ingenieure bewundern, die, allen Fährnissen der Natur zum Trotz, den Schienenweg auf den Berg erzwungen haben. Hier erst bekommt man einen richtigen Begriff von der Tragweite technischer Errungenschäften. Wenn wir sagen, diese Bahn habe so und so viele Prozent. Steigung, so können wir Laien uns darunter meist herzlich wenig vorstellen. Erst dann wird die technische Leistung recht gewürdigt, wenn man an Ort und Stelle erlebt, was niemand recht beschreiben kann: Der Abgrund unter den Rädern des Fahrzeuges, die Felswände oberhalb der Fenster, Ausblicke in fast endlose Tiefen — und zuletzt, wenn die Höhe erreicht ist, Blick ins sommerweite Land! Unser Leitartikel « Das Land der Bergbahnen » — der Titel ist gut gewählt, denn welches Land hat so viele und so schöne Bergbahnen wie das unsere? — erwähnt eine Reihe von solchen Bahnen; wir möchten die Darstellung noch etwas erweitern, obschon es uns kaum gelingen wird, vollzählig alle Schweizer Bergbahnen zu erfassen. Die Bahn auf die Schynige Platte — wie viele Schönheiten liegen an ihren Fenstern! Da kriecht der Motorwagen erst durch grüne Wälder, wenn er aber aus ihnen heraustritt, hat man Eiger, Mönch und Jungfrau im Angesicht. Unvergesslich ist eine Mondscheinnacht auf der Schynigen Platte. Auch auf dem Niesen ist die Schönheit der Natur packend, und hier gesellt sich zu den Bergen noch der See, der den Fuss der schönen Niesenpyramide umspült. Ein Erlebnis besonderer Art ist eine Fahrt auf das Brienzer Rothorn. Es gibt Leute, die sagen, es sei auf allen Bergbahnen des Berner Oberlandes dasselbe. Geht selbst und überzeugt euch, dass dem nicht so ist! Das Brienzer Rothorn nämlich steht ganz am Rand der Berner Berge, man sieht von dort sehr weit hinüber ins Unterwaldnerland und hinaus ins Mittelland. Die Urner Alpen sind zum Greifen nahe, fast so nahe wie das Wetterhorn. Und dass die Fahrt selbst, in ihrem untern Teil in der Felswand und in ihrem oberen Teil in dem einsamen Grüntal, ihre eigentümlichen Reize hat, davon überzeugt man sich am besten selber. Wechseln wir Hinüber zum Vierwaldstättersee, so haben wir nebst der altberühmten Vitznau-Rigi-Bahn den Zahnschienenstrang auf den , Pilatus (die Bahn wird elektrifiziert), diesen wilden, männlich sein Haupt erhebenden Berg, Alpnachstad hat sich, wie alle Ausgangspunkte dieser Bahnen, mit schönen Parkplätzen versehen. Auch der Schieninstrang auf den freien Gipfel des Stanserhorns sei nicht vergessen. Dieser Berg hat durch seine Stellung am Rande der Unterwaldner Alpen seine besonderen Rundblick-Reize. Von den neuen Bahnen ist vor allem die Hängebahn Beckenried-Klewenalp geniessenswert. Im Winter erschliesst sie ein weites Skigelände, im Sommer eine weite Flur von grünen Alpweiden. Drüben am Fronalpstock klettert die Stoos-Bahn aus der Taltiefe der Muotta auf die prachtvolle Plattform des Stoos-Gebietes hinauf. Und wer nach Engelberg kommt, wird sich die beschwerliche Pfaffenwand schenken und lieber mit dem Bähnchen hinaufturnen nach Trübsee- Alp, in die Nähe des Titlis und des Reissenden Nollen. Gehen wir über den Klausen, so fällt uns in Linthal ein Bahnhöfli auf, ganz in die Felsnischen gekuschelt. Dort steigt man ein zur Fahrt nach Braunwald, dieser unvergleichlichen Sonnenterrasse, die das Glarnerland hat. Im Bündnerland ist die berühmteste Bergbahn unstreitig die Parsenn-Bahn. Wenn sie schon im Winter Tausende von Skibegeisterten hinaufführt in die blaue Höhe, so ist sie im Sommer erst recht ein Genuss. Und die Gornergratbahn? Wir haben sie nicht darum aufgespart, weil sie so weit hinten • im Wallis liegt, sondern weil sie am höchsten hinaufführt von all den Bahnen, die wir hier — für ein paar Augenblicke, leider nur im Geiste — bestiegen haben. Gornergrat! Mitten in den Eisströmen steht man drin, die von der Monte-Rosa-Gruppe herniederkommen. Mark Twain hat auch hier seine Witze gemacht. Er sagte, er brauche die Bahn nicht, um ins Tal zu gelangen. Er könne mit dem Gletscher fahren. Als ihm 'dann jemand sagte, das könnte zweihundert Jahre dauern, fand er doch die Fahrzeit der Gornergratbahn ausserordentlich kurz. H. R. S. Die grösste Luftseilbahn der Schweiz Kaum je hatte ein Unternehmen so viele- Schwierigkeiten und Hindernisse zu überwinden, als der Bau dieser grössten schweizerischen Luftseilbahn. Ein unerschrockener Wagemut warf die stählernen Seile über 3 Stützen von der Bergstation (2483 m über Meer) hinunter auf die 'Schwägalp (1361 m über Meer) und ermöglichte damit, dass gediegen ausgestattete Kabinen, mit einem Fassungsvermögen von 35 Personen, den ganzen Höhenunterschied Von 1122 m (2170 m schiefe Seillänge) in rund zehn Minuten durchfahren können. Die vorerst zulässige Höchstgeschwindigkeit wurde mit 4 m/Sek. festgesetzt. Die durchschnittliche Neigung der Bahn beträgt 60 %, die maximale zirka 90 %, einen Wert, der nur von ganz wenigen Bahnen 'erreicht wird. Die Anlage wurde von der Arbeitsgemeinschaft Bleichert & Cie., Leipzig, und Giesserei Bern, der L. von Roll'schen Eisenwerke Bern nach dem abgeänderten System Bleichert-Zuegg erbaut, dessen normale Anordnung in einem Zweiwagenpendelbetrieb mit straffen, gespannten Zugseilen, einer seitlich auf das Tragseil wirkenden Federklemmbremse und einem separaten, während des normalen Betriebes in Ruhe befindlichen Hilfsseil besteht. Die Befolgung der strengen Vorschriften des Eidg. Amts für Verkehr führte zu zahlreichen Sonderkonstruktionen, die vornehmlich durch die Forderung einer doppelspurigen Fahrbahn, also zweier Tragseile für jede der beiden Kabinen und zweier Zugseile für die gegenläufige Bewegung derselben bedingt wurden. Zu einer Attraktion ersten Ranges für den Automobilisten und Motorradfahrer ist die kunstvoll angelegte, breite und staubfreie Asphaltstrasse von Urnäsch nach der Schwägalp geworden, welche auch im Winter offen gehalten wird. Erwähnenswert sind noch die ausgedehnten, längs der Strasse gelegenen bewachten Parkplätze, in unmittelbarer Nähe der Talstation. Das in diesem Jahr neu eröffnete Zufahrtssträsschen von Nesslau übers Rietbad nach der Schwägalp bietet für den Automobilisten zweifellos eine interessante Abwechslung im Tourenprogramm nach Schwägalp-Säntis (für breite Wagen verboten). Was die Erschliessung der Schwägalp bedeutet, hat sich schon während des Bahnbaues gezeigt. Man war über die landschaftlichen Schönheiten dieser Alp direkt erstaunt. In der Tat haben seit der Eröffnung des Stationsrestaurants schon "Tausende und Abertausende erkannt, dass da ein Ausflugsziel von prächtigem Reize geschaffen worden ist. Sommernächte Der Nebel löst sich leis vom Fluss Und streift mich feucht und macht mich alt Sein Hauch ist wie ein kühler Kuss, Sein Steigen heimliche Gewalt. Des Abends Netz und Nebeltraum Hat seine Macht um mich geballt; Er bindet mich mit Berg und Baum Zu einer einzigen Gestalt. Urträume steigen auf wie Rauch Aus meines Blutes kühlem,Fluss — Es ruht das Tal — ich ruhe auch: Ich fühle deinen fernen Kuss — Der Mond steht tief und halb und spät — In was für Leid mein Herz gerät? Ist es der Mond, der drüben winkt. Und hinterm Horizont versinkt? Du bist dem Schicksal unterstellt, Du hörst den Pulsschlag einer Welt, Das Atemholen dieser Nacht, Das Brausen, das dein Blut entfacht. Du lebst, bist gegen nichts gefeit — Kühl haucht dich an die Ewigkeit... Es ist der Mond, der drüben sinkt Und seltsam blickt und heimlich winkt. Der Sterne Atem trifft mich süss und kühl. Ich bin wie tot, ich habe kein Gefühl, Nur grossen Glanz und einen lichten Kern Und eine Bahn, wie jeder Sonnenstern. . III. Ich flieg durchs All auf meiner Bogenbahn Wie ich in Zeit und Ewigkeit getan... Da zuckt das Herz: Erinnrung trifft mich heisj — Ich bin kein Stern, bin trübe, bin nicht weiss. Und über mir der helle Stern erlischt, Die lichte Spur ist hinter mir verwischt — Und feuchter Regenatem trifft mich schwül Und macht mich schwer und schwach und voll Gefühl. Hermann Hiltbrunner. Die Jungfraubahn Die N. Z. Z. schrieb kürzlich in einem Artikel: Alpinistische Karikaturen cVom Sechseläutenvor vierzig Jahren», dass, wenn eine Sache der öffentlichen Heiterkeif preisgegeben werde, man voraussetzen dürfe, dass diese Sache eine hinreichende Popularität und Ungewöhnlichkeif besitze. Dieser Ausspruch trifft in vollem Umfange für die Jungfraubahn zu. Im Sechseläuteblatt von 1894 wurde das Projekt eines Bahnbaues auf den Gipfel der Jungfrau witzig glossiert. Einige Bilder könnten der heutigen Wirklichkeit entnommen sein. Die Idee des Baues einer Bahn auf den Jungfraugipfel stammt nicht von Guyerzeller. Schon vorher entstanden bereits drei Projekte, die den Ausgangspunkt der Bahn im Lauterbrunnental hatten. Der Verdienst Guyerzellers liegt darin, dass er mit seinem praktischen Geiste ein Projekt entwarf, dessen Verwirklichung im Bereiche der Möglichkeit lag, frei von aller Phantasterei. Das erreichte er damit, dass er zum Ausgangspunkt der werdenden Jungfraubahn den Scheitelpunkt der Wengernalpbahn, die 2064 m hoch gelegene Scheidegg wählte. Mit zäher Energie und unter Einsatz eines Grossteils seines Vermögens setzte er allen Widerständen zum Trotz seinen Lieblingsgedanken in die Tat um. Obwohl die Jungfraubahn heute noch fern vom Gipfel der Jungfrau ist, stellt sie mit dem Erreichten eine Höchstleistung der Technik dar und ist mit den 3457 m Höhe, der Endstation Jungfraujoch, die höchste Bahn Europas. Kaum ein anderes Bauunternehmen kann sich einer so interessanten Geschichte rühmen wie die Jungfraubahn. Ihr Bau war Pionierarbeit. Ohne Vorbilder hat sie ihren Weg in das Wilde, damals besonders im Winter von allem Verkehr abgeschlossene Hochgebirge suchen müssen. Die Eröffnung des Jungfraujoches im Jahre 1912 war ein Triumph für die Technik, aber ebenso sehr für den Arbeitswillen und die Arbeitsleistung der mit dem Werke verbundenen Menschen. Vor allem war sie eine Ehrung für den leider schon im Anfangsstadium des Baues verstorbenen Schöpfer. Der heute im eleganten Wagen durch den langen Tunnel fahrende Reisende hat keine Ahnung von den Schwierigkeiten, die überwunden werden mussten, um ihm den Genuss einer Jungfraujochfahrt zu verschaffen. Mit der Eröffnung der Station Jungfraujoch hat der Bau aber noch lange nicht seinen Abschluss gefunden. Neue Felswege wurden gebaut, um dem Besucher den Zugang zu den Aussichtspunkten und auf die Gletscher zu erleichtern. Verschiedene grosse Gebäude, so das Berghaus, das Haus über den Wolken für die Unterkunft der Reisenden, das Internationale Hochalpine Forschungsinstitut und das astronomische Observatorium der Universität Genf für die Wissenschaft, die an dem einzigartigen Standpunkt durch Beobachtungen und Untersuchungen verschiedenster Art sich der Menschheit dienstbar zu machen versucht. Finden schon die Felsstationen Eigerwand und Eismeer die Bewunderung des Beobachters, so staunt er noch mehr über die gewaltigen Anlagen des Jungfraujochs. Die Fahrt von Lauferbrunnen zum Jungfraujoch mit Rückfahrt nach Grindelwald gehört zum Kontrastreichsten und Schönsten, was die Alpen zu bieten vermögen. Ueber prachtvolle Weiden und durch dunkelgrüne Wälder führt die Fahrt in die Arktis, in die Region des ewigen Schnees und Eises. Wie klein kommt sich da der Mensch dieser Allgewalt der Natur, diesem Schweigen der Ewigkeit gegenüber vor. In der heutigen Zeit der Unruhe, der Hast, wo nur der*Rekord der Höchstgeschwindigkeit und Leistung Geltung hat, ist ein Aufenthalt am Jungfraujoch geradezu ein Ruhepunkt. Die Jungfraufour ist wohl die lohnendste Alpenfahrt. Sie bietet so mannigfache Naturschönheiten von den blauen Seen Inferlakens, den rauschenden Gewässern des Lauterbrunnen- und Grindelwaldtales entlang über die von der Wengernalpbahn durchquerte liebliche Voralpenlandschaft der Scheidegg bis hinauf zum ewigen Schnee des Jungfraujochs, dass man behaupten darf: Wer die Jungfrautour gemacht hat, kennt das Beste der Alpenwelt. In (nterlaken, Lauterbrunnen oder Grindelwald findet der Automobilist Parkplätze und Garagen, wo er seinen Wagen während des Abstechers mit der Bergbahn ruhig zurücklassen kann. Die Wengernalpbahn und Jungfraubahn gewähren Gesellschaften günstige Fahrfaxen, und im schönen Speisesaal des Berghauses Jungfraujoch, wo die Gletscher vor den Fenstern blitzen, kommt' ein gutes Mittagessen nicht teurer als im Tal. Schweizer, unser Land ist so reich an Naturschönheifen, lerne es kennen und lieben! Der neue sparsame Kompressor-Kühlschrank mit sehr niederem Stromverbrauch 120 Liter Fassung Anschluss einfach, ohne Schaltuhr. - Vollautomatisch, ohne jede Wartung. - Keine Kontrolle. Kühlung stets unverändert. Mode 60 Liter Fr. 675.— Preis 625 Franken ROBERT BOSCH A.-G., GENF - ZÜRICH

N°5ft Äutomöbii-rteme 15 H.-J. Magog: Das Parfüm Man kann eigentlich nicht sagen, "dass das Schicksal Georges Merandier und Frau Hautrebois in dem Autobus zusammengeführt hatte, denn ein korpulenter Herr, der zwischen ihnen sass, trennte sie, und wenn der junge Mann sich an dem Anblick seiner hübschen Nachbarin erfreuen wollte, musste er die anstrengendsten gymnastischen Uebungen vornehmen, sich nach vor- oder nach rückwärts neigen und sich unter dem Vorwand, die Schönheiten einer alles Schönen baren Landschaft zu bewundern, aufstellen und hin- und hergehen. Dieses Manöver, das ebenso kompromittierend für die Dame wie störend für die Nachbarschaft war, verfehlte zwar seine Wirkung auf das Objekt, nicht aber auf ,den dicken Reisenden, der alsbald aufgeregt zornige Blicke auf den jungen Menschen warf. Merandier kümmerte sich nicht im geringsten Harum. Wahrscheinlich dachte er, dass der Anblick von Jolyse Hautrebois, deren Namen und gesellschaftlichen Rang er im übrigen nicht kannte, bei weitem die Unannehmlichkeit aufwog, die schlechte Laune eines flüchtigen Nachbarn übeT sich ergehen zu lassen. «Möchten Sie sich nicht etwas ruhiger verhalten, junger Mann? » «Was wollen Sie eigentlich? » fuhr Georges grob auf. « Ich kann auf meinem Platz — und mehr als einen Platz nehme ich nicht ein — machen, was ich will. Wenn es Ihnen nicht passt, können Sie sich ja wo anders hinsetzen.» Er wagte nicht, ihm offen seinen Sitz anzubieten, und so wurde das kleine Scharmützel nur mehr durch ein Wort abgeschlossen, das der dicke Mann wütend vor sich hinbrummte. Georges wandte sich jedoch verächtlich ab, ohne weiter darauf einzugehen, obwohl er die Beleidigung gut verstanden hatte: « Flegel!» «Schon recht! Ganz wie du willst!» dachte der unerträgliche Georges. « Auf dich hab' ich es nicht abgesehen.» Sondern, scheinbar, auf die hübsche Reisende. Es gibt derartige Wahnsinnsausbrüche. Sobald er sie erblickt, sobald er ihren Duft eingesogen hatte, litt es ihn nicht mehr auf seinem Platz. Mit bebenden Nasenflügeln atmete er tief das Parfüm ein, das seiner Nachbarin entströmte. Es war auch tatsächlich ein ganz besonderes Parfüm, berauschend, herb und bezaubernd. Es stieg zu Kopf wie ein alter Wein. Georges Merandier selbst lieferte den Beweis dafür. « Einzigartig!... Wunderbar!... Aber wonach riecht es eigentlich? » fragte er sich begeistert, während er entzückt und neugierig in der Luft herumschnupperte. « Das ist weder Maiglöckchen, noch Veilchen, noch Rose... Es ist ebensowenig Jasmin, Primel oder Nelke. Und doch ist von all dem ein wenig darin. Ein Cocktail von Frühlingsblütenessenzen. Etwas ganz Persönliches, Aussergewöhnliches. Ein Liebestrank!» Und er fuchtelte herum, fixierte die Dame über den nachbarlichen Bauch hinweg, durch die dreiund vierfachen Hautfalten am Nacken hindurch und zwischen dem Ansatz eines eiförmigen, teilweise mit grauem Flaum bedeckten Schädels und dem Einschnitt eines Stehkragens aus Zelluloid. Frau Jolyse Hautrebois, die so tat, als ob sie ganz in den Anblick der weiten, reifenden Kornfelder versunken wäre, konnte dieses Gehaben, dem sie keinerlei Beachtung schenkte, unmöglich übersehen. « Hübsch — aber unnahbar. Nichts zu machen, » bedauerte Georges, eher verzweifelt als gekränkt. Er liess sich jedoch nicht entmutigen. Er zitterte vor Aufregung. Als der Autobus am Hauptplatz eines kleinen Marktfleckens im Schatten von Platanen anhielt und die Dame ausstieg, knapp vor dem korpulenten Reisenden, sprang Merandier gleichfalls aus dem Wagen, zu jeder Dummheit bereit. Die erste war jedenfalls, dass er seinen Platz verlassen und auf den Rest seiner Reise verzichtet hatte. Denn er war noch lange nicht an seinem Ziele angelangt und er konnte billigerweise nicht verlangen, dass der Autobus seinetwegen länger als die obligaten zehn Minuten stehen bleibe. „Was wollen Sie eigentlich?" Zeichnungen Faul Bachmann. Aber was kümmerte das Georges? Die Flügel des Tores an, sprang los und sass sofort tadellot der Leidenschaft trugen ihn, und eilig folgte er rittlings auf der Parkmauer. den Spuren der parfümierten Dame. « Hopp!» Nur den Spuren allerdings, da er sie alsbald Rasch den zweiten Fuss auf die andere Seite. „aus, dem Gesicht verloren hatte. Denn der korpulente Passagier war langsam ausgestiegen, hatte Hindernisse genommen habe. Ein verwegener Es sah so aus, als ob er bereits wiederholt derartige sich Zeit gelassen und sich über die Wut und Sprung ins Unbekannte. Und er fiel, nach den den Aerger seines unruhigen Nachbarn gefreut. Inzwischen hatte Frau Hautrebois einen Vorsprung beuge, weich auf die schwarze Erde eines Gemüse- besten sportlichen Prinzipien mit einer tiefen Knie- gewonnen, den Platz überquert und war in eine s Die Davos-Parsennbahn gartens. Seitengasse eingebogen. führt von Davos (1S50 m ü. M.) in 20 Minuten nach dem Weüwfluhjoch (2660 m) Als Merandier im Laufschritt an der Ecke angewissem, dass das gesuchte Parfüm die Luft er- Dort hatte Merandier kaum Zeit sich zu ver- in ein vielfältiges, botanisch, geologisch gelangt war, war die Strasse leer. Sie musste entweder bereits am anderen Ende angekommen oder von riesenhaften Ausmassen sein musste, im Schloss füllte, als auch schon ein Schlüssel, der jedenfalls und landschaftlich einzigartiges hochalpines Wandergebiet. Der Höhenweg hinter einer der Haustüren verschwunden sein. des Tores herumgedreht wurde, das sich unter (von der Mittelstation Höhenweg der Eifrig schnupperte Merandier in der Luft herum. Denn glücklicherweise liess die Dame eine Der Reisende aus dem Autobus trat ein, so einem kräftigen Stoss kreischend öffnete. Parsennbahn) und der neugebaute Schia-Fel»weg (vom Weissfluhjoch aus) parfümierte Fährte hinter sich zurück, die sich nur wie er hier zu Hause wäre, mit angriffslustiger verbinden das Parsenngebiet mit dem langsam verflüchtigte und die einen Verliebten Miene und zornigen Blicken. Strelagebiet und der Schatzalp. leicht den richtigen Weg führen konnte, vorausgesetzt, dass dieser mit einem guten Geruchsinn schritt, ganz aus der Fassung gebracht, auf Georges « Ah ! Schon wieder Sie !» rief er aus, und begabt war. Das war offensichtlich bei unserem los. jungen Mann der Fall. Er ging langsam vorwärts, «Ich . v. ich bin gekommen, um ein Geschärt schnüffelte wie ein Hund und ging an einem bestimmten Gartentor kaum drei Schritte vorbei, um Mann, der offenbar die Absicht hatte, seine Frech- mit Ihnen zu besprechen,» stamrnelte der junge alsbald wieder kehrt zu machen. heit bis zum Aeussersten zu treiben. « Hier muss es sein!» « Ausgezeichnet. Dann folgen Sie mir, » befahl Er war seiner Sache so sicher, dass er die Türe der Dicke und jagte ihn vor sich her. zu öffnen versuchte und sodann automatisch die Merandier, wie ein Strohhälmchen von einer Hand nach dem Griffe einer altertümlichen Kette Sturzflut fortgeschwemmt, betrat ein graues, einförmiges Haus mit geschlossenen Vorhängen, dessen COGNAC ausstreckte. Er zog vergebens daran. Die Glocke J. FAVRAUD & CIE. musste ruiniert sein. Wütend rüttelte er am Tor. blosser Anblick Friedhofstimmung erweckte. Ei Es schien von innen mit einer Eisenbarre, die eine hatte gerade noch Müsse zu bemerken, dass die *** erstklassig misstrauische Besitzerin vorgelegt hatte, verschlossen einzigen Bäume im Garten Zypressen waren, und Das Steigen hat Dich hergenommen, worden zu sein. Endlich entschloss sich Georges dass ringsherum Steinwiegen standen, die auf peinliche Art an Grabsteine erinnerten. Hast - wie man sagt ,,'nen Ast" bekommen, Ein Favzaud***-Schluck tat sicher gut, Merandier zum äussersten. Warum auf halbem Schafft neue Kraft und frisches Mut. N. P. U. wärmend. Weg umkehren? Er verliess sich auf seine Geschicklichkeit, hielt sich mit den Händen am Griff Erstaunen, das dem Entsetzen sehr nahe kam. «Wo bin ich nur?» fragte er sich mit einem 17. bis 20. Juli Sektionsturnen. Einzelturnen: National, Kunst, Leichtathletik. Männertu rnen. Spiele. Vorführungen ^•»lyenzellevlancl 19. Juli Festzus 20. Juli Allg.Obungen d. 20000Turner Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich in O.R.Wagners CH Touring, Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. C. S. 12., 17., 20. und 26. Juli Große Abendveranstaltungen GAIS Hotel KroneHEIDEN Hottl Gletscherhügel T.C.S. direkt beim Kurpark. Altbekanntes, gutbürgerliehes Haus. Zimmer ä Fr. 2.50. Pension ä "Fr. 7.-. Terrassen-Restaurant. Sorgfältige Küche. Selbstgekelterte Weine. Neu renovierte Zimmer. Garage. Grosser, schattiger Garten. Höfl. Empfehlung: H. Baumann, K'chef. Parkplatz, Garage, Tel. 21. A. Gander, Bes. HERISAU Hotel BRISTOL Automobilisten ZUM sind gute Kunden YUI Erstes Haus am Platze. Zentralheizung, fliessend Wasser. Autogarage. Spez. Küche, Keller. Gewinnen Sie dieselben durch das VERBILLIGTE EXTRAZUGE 7.-20. ULI 936 Auto-Magizl n K. Malzacher-Blattmann, Aktivmitglied der Sektion Luzern