Aufrufe
vor 6 Monaten

E_1936_Zeitung_Nr.057

E_1936_Zeitung_Nr.057

BERN, Dienstag, 14. Juli 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 57 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS.PREISE: Aatgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht pottamtlien abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) Vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Der 5. Juli — sein Sinn, sein Erfolg! Bericht von Herrn Zentralpräsident Dr. E. Mende, anlässlich der Delegiertenversammlung und« des Zentralfestes des A. C. S. Der 5. Juli, eine Urabstimmung. Am 15. Juni fand im Bundeshaus unter dem Vorsitz von Nationalrat'"Stutz und in Anwesenheit des Herrn Bundespräsidenten eine Konferenz mit den Vertretern der verschiedenen automobilistischen Verbände und weitern Interessentengruppen statt zur Besprechung des Beimischungszwanges. Auf die Zumutung, wir sollten zur Sanierung der Alkoholregie einen weiteren Benzinrappen zu den übrigen 43 noch auf uns nehmen, wurde mit einem klaren «Nein» geantwortet. Dem Ersuchen des Konferenzpräsidenten, die Sache nochmals im " Club zur Sprache zu bringen und wohlwollend «u prüfen, wurde zugestimmt. Heute soll ich Ihnen die Frage vorlegen, ob Sie sich nicht doch entschliessen könnten, dem Bund diesen einen Rappen noch zu geben. Sie haben mich dieser Aufgabe enthoben, indem Sie am 5. Juli, gewissermassen durch Urabstimmung, eine unzweideutige Antwort gegeben haben. Die passive Abwehraktion vom 5. Juli war ein grosser Erfolg. Im ganzen Lande wurde der von der Via Vita ausgegebenen Parole nachgelebt, und wenn führende Zeitungen mit Erstaunen konstatierten, dass am 5. Juli plötzlich das Bild einer einigen Eidgenossenschaft erstanden sei, so war das nicht übertrieben. Denn tatsächlich gab es zwischen Norden, Osten, Süden und Westen keinen Unterschied; überall die gleiche Ueberzeugung, dass man einer gerechten Sache diene; überall die gleiche, absolute Disziplin, die auch von den Gegnern unserer Manifestation mit respektvollem -Erstaunen anerkannt wurde ; überall auch, tyas vielleicht das Bemerkenswerteste ist, eine ganz unerwartet breite Sympathie zu unserer Aktion in den nicht-autömobilistischen Kreisen. Wir möchten denen, an deren Adresse die Manifestation ging, wünschen, dass sie die unzähligen Beweise dieses Interesses und dieser Zustimmung, die die Kontrollposten der Via Vita am letzten Sonntag entgegennehmen durften, einzeln kennen lernten! Sie würden noch nachdenklicher werden, als sie es nach diesem Tage ohnehin schon sein müssen. Schwierigkeiten. Das praktisch hundertprozentige Gelingen «rar keine Selbstverständlichkeit. Verschiedene Gründe Hessen es denen, die in die Dinge hineinsahen, als nicht ausgeschlossen erscheinen, dass sich nur etwa eine 70—80- prozentige Beteiligung ah der Aktion ergeben würde. Um die wichtigsten dieser Gründe zu nennen: Erstens stand der Via Vita, den in dieser fcusammenarbeitenden Organisationen und den kantonalen Zentralstellen nur eine ganz kurze Zeitspanne zur Organisation zur Verfügung. Der beste-Beweis dafür ist, dass die Aktion erst am 17, Juni im Prinzip beschlossen wurde, dass man die Details erst am 22. Juni festlegen konnte, und dass die ersten Instruktionen erst am 23. Juni den Sektionen der teilnehmenden Verbände zugingen. Zweitens lehnten es die für die Festlegung der ganzen Manifestation Verantwortlichen auf das bestimmteste ab, an die Stelle der freiwilligen Solidarität der Automobilisten und Motorradfahrer einen irgendwie gearteten Zwang zu setzen. Ich kann Ihnen verraten, dass es nicht an wichtigen Stimmen fehlte, die ein bedeutend schärferes Vorgehen — z. Beispiel die Schliessung aller Tankstellen und Garagen — verlangten. Ich kann Ihnen weiter verraten, dass die Solidarität des Lesen Sie unser Feuilleton „Der Se.ewolf" Seite 9 Erscheint Jeden Dtenita« und Fiwitaa Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „CMba UM*" REDAKTION a. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Posteheck III414 - Telegramm-Adresse: AuTorerae, Bern Geschäftsstelle Zürich: LÖwenstrasse 51, Telephon 39.743 Autogewerbes mit uns sich als so stark zeigte, dass es keine Schwierigkeiten gemacht hätte, diesen Vorschlägen stattzugeben. Es wurde aber konsequent abgelehnt, die Aktion in dieser Weise weiter auszudehnen. Denn der gegnerischen Seite durfte niemals das billige Argument geliefert werden, die in diesem Fall sicher zu erwartende grosse Beteiligung sei eine Folge des Zwanges und gebe die tatsächliche Stimmung nicht wieder. Die Ablehnung eines schärferen Vorgehens erhöhte al-, lerdings die Gefahr eines weniger vollständigen Gelingens der Aktion. Das dritte Moment, das die ganze Bewegung beeinträchtigen konnte, waren die Verunglimpfungen, Verdächtigungen und Verleumdungen, die von der Gegenseite ausgestreut wurden, um unser Vorhaben zu diskreditieren. Man scheute sogar vor Ausdrükken wie « Streikterror » und « Vergewaltigung » nicht zurück. Durch diese Stimmungsmache mussten in manchen Kreisen Bedenken über die politische Opportunität unserer passiven Abwehr entstehen. Verschiedene Automobilisten Hessen uns sogar wissen, dass sie aus Protest gegen die Protestaktion- fahren würden. Wir können in diesem Zusammenhang den kantonalen Regierungen für ihre Erlasse betr. das Recht auf die Strasse nur dankbar sein, denn sie beseitigten allfällige Hemmungen, die der Ausführung solcher Absichten im Wege stehen mochten. Für Gegendemonstrationen wurde dadurch die Bahn freigemacht. Und endlich ein viertes Moment, das die Aktion beeinträchtigen konnte. Etwas Aeusserliches, das aber von allergrösster Bedeutung ist: das Wetter. In der Vorbereitungszeit tat manch einer den sehnlichen Wunsch, es möchte doch am 5. JuK regnen, damit den Freunden des Motors die Solidarität nicht gar zu schwer gemacht würde. Nun, der Wettergott tat der Via Vita diesen Gefallen nicht; der 5. Juli wurde der strahlendste Sonntag, den wir seit langem gehabt haben. Der Erfolg um so eindrucksvoller. Aber all diese Hindernisse vermochten den Erfolg unserer Parole nicht zu schmälern. Ihnen zum Trotz war die Stillegung praktisch vollständig. Heute haben wir allen Anlass, darüber froh zu sein, dass das Experiment vom 5. Juli nicht unter den leichtesten Bedingungen durchgeführt wurde; der Beweis der Solidarität der Motorfahrer ist dadurch um so klarer und zwingender. Und die Verbandsleitungen dürfen um so mehr überzeugt sein, dass sie die volle moralische Unterstützung ihrer Mitgliedschaft haben. Auseinandersetzung mit den Kritikern. Wie ist unsere Protestaktion vom allgemeinen staatsbürgerlichen und politischen Standpunkt aus zu würdigen? Die ungeheuerlichsten Vorwürfe sind gegen uns gerichtet worden. Wir wurden mit Terroristen und Kommunisten in den gleichen Tiegel geworfen. Unsere Aktion wurde als der «Streik der reichen Herren» hingestellt. Man behauptete, wir entfachten wegen eines einzigen Rappens eine Revolution. Man belehrte uns, als anständige Schweizerbürger hätten wir die Pflicht gehabt, «demokratische Mittel» zu wählen, um unserer Unzufriedenheit Ausdruck zu geben. Das alles zwingt mich, einige ganz klare und ganz deutliche Feststellungen zu machen. Der volkswirtschaftliche Widersinn der Benzinbesteuerung. Zunächst: Der Automobilverkehr sei der Verkehr der reichen Leute. Wer das behauptet, beweist, dass er es entweder mit der Wahrheit nicht genau nimmt, oder dass er in einer bestaunenswerten Blindheit durch das Leben schreitet Jeder selbständig Erwerbende mit einigermassen ausgedehnter Geschäftstätigkeit braucht heute ein Auto, wenn er den Konkurrenzkampf 1 nur halbwegs erfolgreich bestehen will. Das Auto war vielleicht früher ein Ding des Luxus; heute ist es etwas, das so gut zu «inem Geschäftsbetrieb gehört, wie Maschinen, Werkzeuge* und Bureaitmaterialien. Jedes Kind weiss bald, dass man vom Bundeshaus aus die Notwendigkeit der Anpassung und der Kostensenkung betont Bald jedes Kind weiss aber auch^ dass eine Verteuerung des Benzins eine allgemeine Kostenverteuerung nach sich zieht Heutzutage ist eine Besteuerung des Benzins nahezu das gleiche wie eine allgemeine Umsatzsteuer. Staatsbürgerliche Rechte. Mag sein, dass eine solche zur bequemen Fortführung der Subventionspolitik notwendig ist Aber wir haben nicht darauf Rücksicht zu nehmen, was man" in den politischen und bureaukratischen Zirkeln für bequem hält. Wir haben darauf Rücksicht zu nehmen, was für unsere Volkswirtschaft nottut, und wir stützen uns auf das, was von der für unsere Volkswirtschaft verantwortlichen ' höchsten Steile selbst als notwendig erklärt wurde. Als Schweizerbürger haben wir das Recht, von unserer Regierung konsequente Einhaltung der einmal festgelegten Linie zu verlangen! Als Schweizerbürger .haben wir ganz besonders das Recht, zu verlangen, dass diese Linie nicht verlassen wird, weil man die Tatkraft nicht aufbringen will, eine verfuhrwerkte Gesetzgebung und eine nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe stehende Monopolverwaltung zu sanieren. Man kann wirklich auch vom friedliebendsten Schweizerbürger nicht erwarten, dass er einer solchen «Wirtschaftspolitik » stillschweigend zusieht! Als Schweizerbürger haben wir weiter das Recht, zu verlangen, dass man uns über die Eisenbahnsanierungspläne Aufschluss gibt. « Demokratie ist Diskussion », hat man jüngst Die aehtgesptltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp, GrSssere Inserate nach Spezialtarit. Inaeratansehlusa 4 Tage vor Ericheinen der Nummern Spritünporte. Sport vom Sonntag. Der A. C. S. tagt in St Moritz. Neue Laufdeckenprofile. Nachklänge zur Stillegungsaktion. Güterverkehr und Werkverkehr in Deutschland. im Zusammenhang mit dem Bahnproblem gesagt Die Diskussion soll aber nützlich sein, und deshalb muss sie auf konkreten Projekten und Vorschlägen aufbauen. Weshalb verheimlicht man so sehr, was man durchzuführen beabsichtigt? Wo bleiben die konkreten Vorschläge über die betrieblichen und wirtschaftlichen Reorganisationen der Staats- und Pri- Vatbahnen, die die finanzielle Hilfe des Bundes beanspruchen? Weshalb versucht man statt dessen, bald hier, bald dort dem Auto Belastungen anzuhängen, ohne dass die breite Bürgerschaft merkt, worum es geht? Man zeige uns die Verfassungs- und Gesetzesbestimmungen, die zu einem solchen Vorgehen berechtigen! Die Form der allgemeinen Manifestation itnbesondern. Bevor wir zum Mittel der Verkehrsstillegung griffen, haben wir alle andern Mittel auf das ernsthafteste und genaueste geprüft und, soweit als möglich, auch angewendet (Fortsetzung Seite 2.) Die Sanierung der Bundesbahnen und das Problem Schiene und Strasse Am 27. März dieses Jahres haben Verwaltungsrat und Generaldirektion der Bundesbahnen dem Vorsteher des eidg. Post- und Eisenbahndepartements den zweiten Bericht über die Reorganisation und Sanierung der Bundesbahnen mit dem Entwurf zu einem neuen Bundesbahngesetz übermittelt. Die Gründe, die eine Reorganisation und Von Dir. O. Zipfel, Arbon. INSERTIONS-PREIS: Wir berichten he«ie Dbtr: Sanierung unserer Staatsbahn notwendig machen, dürfen als bekannt vorausgesetzt werden. Die Leitung der Bundesbahnen hat sie in ihrem Bericht vom 7. Februar 1933 über die Finanzlage eingehend geschildert. Inzwischen haben sich die Verhältnisse nur insofern verändert, als die Schuldenlast der Bundesbahnen weiter gestiegen ist. Die Generaldirektion schätzt den über das Vermögen hinausgehenden Schuldenbetrag unter Einschluss der Entwertung der Bahn auf über eine Milliarde Franken, d. h. auf einen Drittel des Betrages der festen Anleihen oder 38 % des Anlagekapitals. Der unhaltbar gewordenen Lage soll das vom Verwaltungsrat und der Generaldirektion der Bundesbahnen ausgearbeitete neue Bundesbahngesetz ein Ende bereiten. Der Entwurf zum neuen Bundesbahngesetz sieht eine Gliederung in drei Teile vor. Der erste Teil befasst sich mit der Verwaltung und dem Betrieb der Bundesbahnen und regelt im ersten Abschnitt die Verwaltungsgrundsätze und die Stellung der Bahn zur Gesetzgebung des Bundes und der Finanzhoheit der Kantone. Wichtiger ist der zweite Abschnitt, der die Befugnisse der Bundesversammlung und des Bundesrates umschreibt. Der Bundesversammlung soll künftig lediglich das Recht zustehen : a) der Genehmigung des Nachweises über die Uebergangsschuld; b) der Genehmigung der vom Bundesrat aufzustellenden allgemeinen Grundsatz« für die Tarifbildung; „ c) der Genehmigung der Jahresrechnung und des 'Geschäftsberichtes; d) der Beschlussfassung über die Erhöhung der beim Inkrafttreten des Gesetzes vom Bunde zur unmittelbaren Verzinsung und Rückzahlung übernommenen festen und schwebenden Schulden, unter Vorbehalt des Referendums; e) der Beschlussfassung über Massnahmen zur Deckung von Fehlbeträgen; f) der Beschlussfassung über die Erwerbung weiterer Eisenbahnen sowie den Bau neuer Liniett durch den Bund, unter Vorbehalt des Referendums; g) der Genehmigung der Stillegung von Eisenbahnlinien. Der Bundesrat übt die Oberaufsicht über die Geschäftsführung und den Finanzhaushalt der Bundesbahnen aus. Er regelt unter Wahrung des Oberaufsichtsrechtes seine eigenen Befugnisse sowie diejenigen des Post- und Eisenbahndepartements und 'der leitenden Organe der Bundesbahnen, wobei durch weitgehende Abtretung von Befugnissen an diese Organe für eine einfache, rasche und unabhängige Geschäftsbehandlung gesorgt sein soll. Im dritten Abschnitt sind die Organe der Bundesbahnen aufgezählt. Der zweite Teil des Gesetzes behandelt den Finanzhaushalt und die Rechnungsführung. Hier interessiert besonders, dass das von den Bundesbahnen zu verwaltende Anlage-