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E_1936_Zeitung_Nr.059

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BERN, Dienstag, 21. Juli 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang — N° 59 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS.PREISE) Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich FT. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. UnlallTersich.) xÄerteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insaftenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Das Ausland nnd wir Lehrreiches und Nachdenkliches zum Kapitel Fiskalbelastung des Automobils Amerika ermässigt die Benzinsteuer... Bisher hat die Automobilisten der Vereinigten Staaten der Schuh am selben Ort gedrückt wie uns : die fiskalische Belastung des Benzins überstieg alle Schranken der Tragbarkeit. In dieser Einstellung der Behörden zum Motorfahrzeug ist nun unlängst, wenigstens soweit der Staat New York in Frage steht, eine entscheidende Wendung zum Bessern eingetreten, eine Senkung der Benzinsteuern, von der man hofft, sie werde auch anderswo in den USA das Signal zu einem ähnlichen Vorgehen geben. Die Sache ist nämlich die, dass der Staat New York vom 1. Juli an seine Benzinsteuer von 4 auf 3 Cents pro Gallone herabsetzt. Freilich, die Behörden haben dabei durchaus nicht aus eigenem Antrieb gehandelt, vielmehr bildet diese Massnahme nur das Endresultat eines auf breiter Basis ausgetragenen Kampfes der automobilistischen Verbände, denen sich der Benzinhandel und die Landwirtschaft (! Red.) anschlössen. Zu bedenken ist dabei, dass der Staat New York mit einer Quote von 9,13 % weitaus am stärksten am Benzinkonsum Amerikas -beteiligt ist. Für die Automobilisten schaut mit der Herabsetzung der Steuer eine Ersparnis von über 15 Millionen Dollars heraus, immerhin kein Pappenstiel. Uebrigens hat dieser Entschluss bereits auch anderswo seine Früchte zu zeitigen begonnen. Ein erstes Echo löste er damit aus dass der Senat von Kentucky einen Antrag ablehnte, der auf die Einführung einer Schmierölsteuer in der Höhe von 8 Cents pro Gallone hintendierte und defti das Repräsentantenhaus bereits insofern seinen Segen erteilt hatte, als es eine Steuer von 4 Cents guthiess. Dabei hatte es jedoch sein Bewenden nicht, denn fast zu gleicher Zeit schickte der Staat New Hampshire eine Vorlage, die nach bewährtem Rezept die Benzinsteuer um 1 Cent pro Gallone erhöhen wollte, um die Mittel zur Behebung von Ueberschwemmungsschäden sicherzustellen, bachab. Nüt nahlaa gwünnt! Das Beispiel und der Erfolg der amerikanischen Automobilisten, den sie im Kampf gegen die Unersättlichkeit des Fiskus davongetragen, soll auch uns als Aufmunterung und als Beweis dafür dienen, dass Zähigkeit und Zusammenstehen schlussendlich doch zum Ziel führen. Allerdings — auf die Landwirtschaft als Bundesgenossen könnten wir uns nicht stützen. Erscheint Jeden Diensten and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal ,,G«Ik« UwU" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrminstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: AutoreTue, Bern Geschäftsstelle Zfirleh: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 —und Polen ebenfalls. Eine von Mitte Juni datierte, aus Warschau stammende Meldung besagt, die polnische Regierung prüfe gegenwärtig den Plan einer Ermässigung der Benzinsteuer, die von 0,7 auf 0,5 Zloty gesenkt werden soll. Den Anstoss zu diesem Schritt haben freilich nicht die Automobilisten selbst, sondern, bezeichnend genug, die Armeebehörden gegeben, denen es keinesfalls gleichgültig sein kann, ob der Besitz ihres Landes an Motorfahrzeugen wächst oder unter der drückenden Last der Zölle, Steuern und Abgabön schwindet. Aus ähnlichen Überlegungen heraus hat ja kürzlich auch bei uns Herr Oberstdivisionär Labhart in einem an dieser Stelle erschienenen Artikel den Satz geprägt, dass vom militärischen Gesichtspunkt aus jenes Land im Vorsprung sei, das, auf die Zahl seiner Einwohner bezogen, am meisten Motorfahrzeuge besitze. Diese Erkenntnis bestimmt offenbar auch das Vorgehen Polens, das dem Automobilverkehr mit der Herabsetzung der Betriebskosten neue Impulse zu verleihen hofft, eine Erwartung, worin es sich nicht verrechnen'" wTrdf'wie llie" Erfahrungen in Deutschland,. Oesterreich und Italien unwiderleglich beweisen. Erleichterungen des Automobilbetriebes in der Tschechoslowakei. Dem Beispiel anderer Staaten folgend, welche, wie Deutschland, Italien und Oesterreich, die Steuern für Automobile herabgesetzt oder teilweise sogar aufgehoben haben, hat nun auch die Tschechoslowakei einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der in vier Artikeln bedeutende Erleichterungen für den Verkehr mit Motorfahrzeugen vorsieht. Der Artikel 1 gewährt den Einkommensteuerzahlern, welche bis 31. Dezember 1937 für ihren eigenen Gebrauch ein neues Personenautomobil kaufen, einen Nachlass von 500 Kronen -für ein Automobil mit 0,7 bis 1,2 Liter Zylinderinhalt; von 1000 Kronen für 1,2 bis 1,5 Liter; 2000 Kronen für 1,5 bis 2 Liter; 2500 Kronen von 2 bis 2,5 Liter; 3000 Kronen von 2,5 bis 3 % Liter und 4000 Kronen von 3 bis 4 Liter. Demselben Steuerzahler kann diese Ermässigung im Verlaufe dreier Jahre beim Ankauf von höchstens zwei Automobilen bewilligt werden. Paragraph 2 des Gesetzes sieht die Befreiung von der Umsatzsteuer vor für inländische Lieferungen von Motorrädern und Motordreirädern. Die Zeit der Steuerbefreiung wird allgemein auf die Dauer von 1^ Jahren und von 4 Jahren für Fahrzeuge mit Ersatzbrennstoffen festgelegt, falls diese Fahrzeuge von der Zeit vom L April 1936 bis 31. Dezember 1939 in Betrieb gestellt werden. Weitere Erleichterungen sind vorgesehen durch die Bewilligung des Verkaufs von Betriebsstoffen für Motorfahrzeuge bei den Tankstellen auch Sonntags in der Zeit von 8 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr. Gleichzeitig haben Verhandlungen mit den Versicherungsgesellschaften über eine Herabsetzung der Prämiensätze für Automobilversicherung stattgefunden. Die Ermässigungen betragen für Lastautomobile 13 bis 33 Prozent, für Personenwagen 27 bis 33 Prozent und für Motorräder 30 bis 58 Prozent der allgemeinen Tarife. / Es wäre zu erwarten, dass endlich auch unsere Behörden darauf aufmerksam werden, was das Ausland für die Förderung des Automobilverkehrs tut. Während die umliegenden Staaten seit einiger Zeit dazu übergehen, dem Motorfahrzeugverkehr neue Impulse zu verleihen, weil sie darin eine konjunkturbelebende Massnahme sehen, tut man bei uns gerade das Gegenteil. Die Lebensbedingun- Zur Herstellung des finanziellen Gleichgewichtes im Bundeshaushalt wurden bekanntlich am 26. Juni 1935 auf dem Wege des Bundesratsbeschlusses die Zölle auf Motortreibstoffe wesentlich erhöht. Mit dieser Massnahme glaubte der Bund eine jährliche Mehreinnahme von 16 Millionen Franken aus dem motorisierten Strassenverkehr herausholen und gleichzeitig der verhassten Bundesbahnkonkurrenz eines auswischen zu können. Allen Warnungen zum Trotz glaubten unsere eidgenössischen Behörden, mit dem weitern Anziehen der Zollsohraube das richtige Mittel zur Deckung der Defizite gefunden zu haben, unbekümmert der Tatsache, dass die fiskalische Belastung des Benzins mit 240 Prozent des Warenwertes schon damals die weitaus höchste Besteuerung aller importierten Warengattungen ausmachte. Nach dem Rezept: «Man nehme am meisten bei denen, die sich am wenigsten wehren INSERTIONS-PREIS: Die aehtfefpaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarit. Inseratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Wir berichten heute Ober: Biondetti Sieger in der Develler- Les Rangiers-Bergprüfungsfahrt Grosser Preis von Deauville. Zürich—Peking im Automobil. Bedeutung der Abgaszusammensetzung. Autotourismus im Juni 1936. gen des Motorfahrzeugverkehrs werden ständig erschwert. Zuerst kam in allen Kantonen eine Erhöhung der Automobilsteuer, dann schritt der Bund zu der 40prozentigen Erhöhung des Benzinzolles und nun wird noch durch den Beimischungszwang eine weitere Verteuerung des Automobilverkehrs bewirkt. Sollen wir erst durch Schaden klug werden oder ist man bereit, noch rechtzeitig auf dem eingeschlagenen Wege umzukehren? (Fortsetzung Seite 2.) Eidgenössische Fehlspekulationen können*, wähnten unsere eidgenössischen Behörden den Nagel auf den Kopf getroffen zu- haben; ohne Rücksicht auf die immer schwieriger werdenden wirtschaftlichen Verhältnisse wurden dadurch Einkommen verkürzt und die Lebenshaltung verteuert, produktiven Arbeiten entzog man die Mittel, um dadurch die Arbeitslosigkeit zu erhöhen. Die zeitgemässe Warnung vor den nachteiligen Einwirkungen der Zollerhöhung auf die Gestaltung der Lebenskosten spies der hohe Bundesrat in der Bötschaft zum Finanzprogramm 2 mit der lakonischen Behauptung ab: Auch diese Bemängelung entbehre der Begründung. Und heute, etwa ein Jahr später, wie sieht es mit unseren Lebenskosten aus? Beinahe auf der ganzen Linie begannen die Preise anzuziehen, und zwar trotz *bundesrätlicher Gegenansicht. Dass in einer derart geführten Benzinpreispolitik grosse Gefahren verborgen liegen, musste jedem Unvoreingenommenen einleuchten. Einmal muss es sich nämlich rächen, wenn der Amtsschimmel glaubt, über die wirtschaftlichen Grundgesetze hinweggaloppieren zu dürfen. Um so schwerer fällt diese Finanzpolitik ins Gewicht, als an zahlreichen Beispielen des nahen und fernen Auslandes unseren Behörden die Schatten- F E U I L L E T O N Der Seewolf. von Jack London. 47. Fortsetzung. Die Nacht brach herein, und um die Situation noch zu verschlimmern, erhob sich ein Gegenwind. Jetzt kamen wir nicht nur nicht weiter, wir wurden auf das offene Meer zurückgetrieben. Ich kämpfte mit den Riemen, bis ich nicht mehr konnte. Die arme Maud, der ich die harte Arbeit nicht hatte ersparen können, lehnte sioh erschöpft gegen den Achtersteven. Ich zog die Riemen ein und beugte mich hinüber zu der Leine, die das Floss hielt. Aber Mauds Hände streckten sich abwehrend nach den meinen aus. «Was wollen Sie tun?» fragte sie mit erhobener Stimme. wiEs loswerfen», antwortete ich. Aber ihre Fänger umschlossen die meinen. «Bitte, tun Sie es nicht», bat sie. «Es hat keinen Zweck», erwiderte ich. «Es ist schon Nacht, und der Wind treibt uns vom Lande ab ins Meer hinaus.» «Aber denken Sie daran, Humphrey, wenn wir nicht auf der «Ghost» fortsegeln, können wir jahrelang auf der Insel bleiben — vielleicht das ganze Leben. Ist sie bis heute nicht entdeckt worden, so wird sie es vielleicht nie.» «Sie vergessen das Boot, das wir auf dem Strande fanden», erinnerte ich sie. «Das war ein Robbenfängerboot>, entgegnete sie, «und Sie wissen gut, dass die Männer wenn sie entkommen wären, zurückgekehrt sein würden, um auf der Rookery ihr Glück zu machen. Sie wissen, dass sie nicht entkommen sind.» «Lieber Jahre auf der Insel, als heute nacht oder morgen oder einen der nächsten Tage in dem offenen Boot umzukommen. Wir sind nicht in der Lage, dem Meere standzuhalten. Wir haben weder Nahrung, noch Wasser, noch Decken, gar nichts. Sie werden die Nacht nicht ohne Decke überleben. Ich kenne Ihre Kräfte. Sie zittern jetzt schon.» « Nur aus Nervosität. Ich fürchte, dass Sie die Masten trotz meiner Bitte loswerfen. — Ach bitte, bitte, Humphrey, tun Sie es nicht!» rief sie. Und so endete es mit den Worten, die, wie sie wusste, eine solche Macht über mich besassen, dass ich nicht widerstehen konnte. Wir litten furchtbar die ganze Nacht Gegen drei Uhr morgens wurde Maud von einem Krampf befallen, und als ich sie durch Reiben wieder zu sich gebracht hatte, lag sie eine Zeitlang ganz still da. Ich war tief erschrocken. Ich legte die Riemen aus und Hess sie rudern, obgleich sie so schwach war, dass ich bei jedem Schlage fürchten musste, sie in Ohnmacht fallen zu sehen. Der Morgen brach an, und in dem wachsenden Licht hielten wir lange Ausschau nach unserer Insel. Schliesslich zeigte sich ein kleiner schwarzer Punkt, volle fünfzehn Meilen entfernt, am Horizont. Ich sah mit dem Glase über das Meer. Ganz in der Ferne, in Südwest, konnte ich einen dunklen Strich auf dem Wasser sehen,- der sich immer mehr vergrösserte. «Günstiger Wind! » rief ich, aber so heiser, dass ich meine eigene Stimme kaum erkannte. Maud versuchte zu antworten, konnte jedoch keinen Ton hervorbringen. Ihre Lippen waren blau vor Kälte — aber ach, wie tapfer blickten ihre braunen Augen mich an! Wieder begann ich, ihre Hände und Füsse zu reiben und die Arme auf und nieder zu schwingen, bis sie es selbst vermochte. Dann kam der Wind, ein frischer, günstiger Wind, und bald arbeitete sich das Boot durch eine schwere See der Insel zu. Um halb vier Uhr nachmittags passierten wir das südwestliche Vorgebirge. Wir waren jetzt nicht nur hungrig, sondern litten auch Durst. Unsere Lippen waren ausgetrocknet und aufgesprungen, und wir konnten sie nicht mehr mit der Zunge befeuchten. Da legte sich der Wind. Gegen Abend herrschte völlige Windstille, und ich arbeitete wieder mit den Riemen — aber schwach, sehr schwach. Um zwei Uhr morgens stiess der Bug unseres Bootes gegen den Strand der inneren Bucht, und ich wankte an Land, um die Fangleine festzumachen. Maud konnte nicht mehr auf den Fassen stehen, und ich hatte nicht die Kraft, sie zu tragen. Ich fiel mit ihr in den Sand, und als ich wieder hochkam, begnügte ich mich, sie unter die Schulter fassen und den Strand hinauf nach der Hütte zu ziehen. Am nächsten Tage arbeiteten wir nicht. Wir schliefen bis drei Uhr nachmittags, oder wenigstens ich tat es; denn als ich erwachte, war Maud schon dabei, das Mittagessen zu bereiten. Es war wunderbar, wie schnell sie sich erholte. Ihrem zarten Körper wohnte eine Kraft inne, die man ihr nicht zugetraut hätte. Als dann der kurze Tag verschwand, ka-