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E_1936_Zeitung_Nr.055

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— Sohluss. Die

— Sohluss. Die Taxameter hatten nicht sehr viel zu tun, und auch die Strassenbahn konnte ihren angekündigten Einsatzdienst ruhig einstellen; die Strassenbahnzüge waren halb besetzt, und auch die SBB sind mit ihren Extrazügen nicht auf ihre Rechnung gekommen. Strassenbahn und SBB hatten einen normalen Verkehr, wie dieser für sie an einem schönen Sommersonntag üblich ist. Auch der Gesellschaftswagenverkehr war minim. Eigenartig nahmen sich im Strassenbild am Sonntagvormittag die Postfourgon-Autos aus, die wohl auf Befehl umsig umherfuhren, als ob sie etwas zu tun hätten. Man munkelt, dass Expressbriefe am 5. Juli per Postauto überbracht worden seien! Fifcer kann man nicht mehr sein, ob es sich aber lohnt? Das Postdefizit wird damit sicher nicht kleiner werden. Grossartig war die Disziplin bei den Garagen, Reparaturwerkstätten und Tankstellen. Alle waren geschlossen, und nur für die ausländischen Fahrer war ein Notdienst eingerichtet. Die Zahlenergebnisse werden nun zusammengestellt und dürften Sensation machen. Hier nur ein Beispiel: In Tiefenbrunnen an der wichtigen rechtsufrigen Seestrasse passierten am Sonntagmorgen bis 11 Uhr keine 20 Wagen, wo doch in dieser Zeit sonst Hunderte gezählt werden. Aber auch auf dem Lande war die Disziplin vorbildlich. So meldete Meilen beispielsweise für den Vormittag nur etwa 25 Wagen, wovon fast alle mit Bewilligung. Auch die humoristische Note fehlte nicht. Schon am Morgen passierten in der Bahnhofstrasse Tretautos, d. h. Velos mit Autokarosserien. An ein Auto war ein Pferd gespannt, auf dem Auto ein Fass mit der Aufschrift Alkohol. Im Fahrzeugkorso der « Obsibewegung» bemerkte man Autos mit Pferden. Besonders drastisch war die Ausstellung der Amag, die im Schaufenster der Bahnhofstrasse all ihre Polizeikontrollschilder (etwa 20) ausgestellt hatte, um so zu dokumentieren, dass ihre Wagen nicht fahren. Es war alles in allem ein ungeahnter, voller Erfolg, wie ihn auch die Optimisten in diesem Au-imass nicht erwarteten. Besonderer Dank gebührt den Motorfahrzeugbesitzern für ihre Disziplin und Solidarität, Dank allen Mitarbeitern, Dank den Besitzern der Garagen und Reparaturwerkstätten und allen, die zum grossen, überwältigenden Erfolg beigetragen haben. Die Auswertung des statistischen Materials wird interessante Angaben liefern. Mögen diese dann im Bundeshaus gebührend berücksichtigt werden, damit weitere Aktionen nicht mehr nötig sind. Die Zürcher Automobilisten und Motorradfahrer haben durch Freiwilligkeit gezeigt, dass sie vollständig, zu 100%, hinter den Verbandsleitungen stehen und deren Stellungnahme vollständig billigen. V Ein imponierender Erfolg. Bern, 6. Juli. Wer gestern seinen sonntäglichen Spaziergang zu Fuss oder per Rad absolvierte, glaubte sich zurückversetzt in die ersten Jahre dieses Jahrhunderts. Weit und breit waren keine Wagen zu sehen und wenn noch einer auftauchte, eo handelte es sich in den meisten Fällen entweder um Ausländer oder um Autos der Militärbehörden. Wenn man aber von diesen Fahrzeugen absieht, so blieb vom gewohnten Verkehr überhaupt fast nichts mehr übrig. Ueber allen Dächern ist Ruh ... Die Stadt feierte wohl ihren stillsten Sonntag eeit Jahren. Wir machten gegen Abend einen kurzen Rundgang durch die Strassen der untern Stadt und empfingen einen mächtigen Eindruck von der vollständigen Abwesenheit parkierender Wagen. Und wo man noch in irgendeinem Seitengässchen eines Autos ansichtig wurde, so handelte es sich bestimmt um einen Ausländer oder einen Einzelreisenden mit dem weissen Plakat: « Ich muss ...» Anderseits sah man eine ganze Anzahl von Fahrern, die wirklich nur gerade die notwendige Strecke auf dem kürzesten Wege abfuhren und sich sofort nach Erledigung ihres Geschäftes ebenso rasch wieder nach Hause begaben, um den Wagen nur so kurz wie möglich auf der Strasse zu haben. Wir kontrollierten während mehreren Stunden des Nachmittags und Abends den gesamten Verkehr an einer der belebtesten Ausfallstrassen von Bern und konnten feststellen, dass der motorisierte Inlandsverkehr gegenüber andern schönen Sonntagen auf ungefähr 1,5% zusammengeschrumpft war, und «Schwarzfahrer» gab's noch weniger. Vor bekannten Wirtschaften in der Umgebung Berns, die als gute «Fressbeizen» landauf und landab einen ausgezeichneten Ruf gemessen und wo sonst Dutzende von Wagen parkieren, gab. man meist nicht ein einziges Fahrzeug. Berner Streiflichter. Ein Hochsommertag in strahlender Schönheit stieg der 5. Juli über der Bundesstadt empor. Es lockte die Ferne. Aber Autler und Motorradfahrer blieben hart und ausserdem zu Hause. Unbedenklich opferten sie den lockenden Tag ihrer guten Sache. Und wenn es schon nicht ohne Fahren ging — es gibt wirklich noch, irgendwo in der Tiefe einer Remise versteckt, aber vom Zahn der Zeit durchaus nicht angeknabbert, Kaiesehen, Droschken und Chaisli mit samt den zugehörigen Rösslein. Diese grossväterischen Vehikel zog man an diesem 5. Juli ausgiebig zu Ehren, fühlte sich darin anscheinend kannibalisch wohl und machte mit solch ungewohntem « Aufzug » bei den andern nicht wenig Furore. Daneben trugen ein paar Lieferungswagen, Taxi, Ausländer und, wenn's besonders hoch kam, auch noch ein Car Alpin zur « Belebung > des sonst völlig durch Niehtvorhandensein glänzenden motorischen Verkehrs bei. Was indessen die Schweizer Fahrzeuge waren, so taten sie ausnahmslos durch das Via-Vita-Plakat kund und zu wissen, dass sie zwar fahren müssen, aber auch protestieren. Sonst aber zeichneten sich Berns Strassen an diesem denkwürdigen Tag vorzugsweise durch gähnende Leere aus. Frei und ungehemmt schweifte das Auge durch die Gassen und über die Plätze, da sich unter normalen Umständen Wagen an Wagen aufreiht und wo man mitunter in rasch entschlossenem Sprung hinübersetzen muss aufs and*re Ufer, um nicht im Verkehrsgetümmel als Stein des Anstosses zu wirken. Beim Schweizerhof-Parkplatz paradierten um die Mittagszeit ganze zwei Wagen, ein Ausländer und einer, der < musste». Bundes- und Bärenplatz, sonst allgemein beliebt und gesucht, weil sie viel Raum zum Stationieren bieten, warteten vollkommen vergeblich auf die Wagen, die nicht kommen wollten. Tram und Autobus beherrschten beim Bahnhof souverän das Feld, und an der ierüchtigten Loeb-Ecke konnte man fast schlafwandelnd hinüber auf die Insel gelangen, die an diesem besondern Tage durchaus keine rettenden Funktionen auszuüben hatte. Weil wir eben beim Bahnhof sind: es konnte ja nicht ausbleiben, dass die SBB auf den 5. Juli hin Konjunkturluft wittern würden. Taten sie auch. Fix im Erfassen der psychologischen Momente, wie sie nun mal sind, hatten sie während der beiden vorhergehenden Tage in den Zeitungen halbseitige Inserate eingerückt, preisend mit viel schönen Worten, dass die SBB am 5. Juli fahre. Inwieweit diese Werbung etwas abgetragen, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis. Einen seltsamen Anblick bot die Verkehrspolizei. Die Arbeit war ihr ausgegangen, sie erfreute sich ausgesprochen geruhsamer Zeiten, zog die Konsequenzen daraus und verliess am Nachmittag ihre Posten, um sich vom Trottoir aus als stiller Beobachter zu betätigen und sich so, symbolisch zwar, der Stillegung anzuschliessen. Dafür herrschte in einem Ressort der Polizei um so geschäftigerer Betrieb: tagaus, tagein flitzten Polizeimänner in Uniform auf ihren Motorrädern von einem Kontrollposten der Via Vita zum andern, um die Kontrolle zu kontrollieren ... und dabei festzustellen, dass sich alles in schönster Ordnung abwickelte und zum Einschreiten auch nicht der leiseste Anlass war. Den Fussgängern kam die Autofreiheit gerade eben recht. Frei und ledig aller Pflichten, erlöst vom « lästigen > Zwang zur Disziplin, nahmen sie von der Strasse frohlockend Besitz, pirschten mit Wonne neben den Streifen, schlugen sämtlichen Verkehrsordnungen ungestraft ein Schnippchen und kosteten überhaupt das aussergewöhnliche Ereignis mit sichtlichem Behagen aus. Im Tram und beim « Mann auf der Strasse > lieferte die Stillegung natürlich den Hauptgesprächsstoff. Und dabei machte man die überraschende Entdeckung, dass das Publikum mit den Benzinkonsumenten — nehmt nur alles in allem — auf der ganzen Linie sympathisiert. Kritisch musternde, ja vorwurfsvolle Blicke trafen jene «Fahnenflüchtigen >, die sich um die Parole nicht kümmerten, erstaunt drehte man sich nach diesen Sündern um, denen es mitunter zustatten kam, die Glossen, die über sie gemacht wurden, nicht mit anhören zu müssen. Es klang nicht immer liebenswürdig. Schmunzelnd erzählte ein Tramführer, die Brauerei Warteck, die halte noch Solidarität und verfrachte ihr Bier mit Pferdefuhrwerken, obwohl sie einen ganzen Lastwagenpark besitze ... Und an einem der Kontrollposten erlebten wir es, dass ein gänzlich Unbeteiligter einen der Unbotmässigen zur Anzeige brachte. Er habe ihn höchst «eigenhändig > am Sonntag früh um 1 Uhr durch die Stadt gondeln gesehen! Zahlreiche Geschäfte, die mit dem Automobil keineswegs in unmittelbarem Zusammenhang stehen, Schuhmacher beispielsweise, schlössen sich unserem Protest an und brachten die Plakate der Via Vila in ihrem Schaufenster zum Aushang. A propos Kontrollen: sie klagten durchs Band weg über Mangel an Beschäftigung. Es sei ja nichts zu tun. Was allerdings einleuchten muss, wenn man hört, dass z. B. beim Forsthaus, an der Hauptstrasse nach der welschen Schweiz, von morgens Ms. abends 6 Uhr ganze zwölf c Ungehorsame » gezählt worden seien. An der Länggasse waren es gar nur vier, an der Neubrückstrasse ebenfalls. Kurz:;die; Stillegung gestaltete sich auch in Bern zu einem durchschlagenden Erfolg, der alle Skeptiker und Nörgler Lügen straft — und von dem ein gewaltiger Eindruck ausgegangen ist, weil man den « Herren > Automobilisten eine derart lückenlose Disziplin gar nicht zugetraut hätte. In Interlaken. Die Auswirkung war niederschmetternd. Der Höheweg, an Sonntagen sonst eine Autopromenade, lag verödet da. Eine bekannte Konfiserie mit Restaurant am Höheweg, ein beliebtes Rendez-vous der Automobilisten, hatte um die Lunch- und Teezeit mehr Tische und Stühle leer als besetzt. Aber auch die Hotels mussten unter der Aktion mit ganz bedeutenden Ausfällen rechnen. Interessant ist festzustellen, dass die grösseren Hotels auch diesen Sommer prozentual mehr Ankünfte per Auto als per Bahn verzeichnen. Die Hotellerje, von dieser Protestaktion wenig erfreut, zeigt doch Verständnis für die Selbstwehr der Automobilisten, hofft jedoch, dass es bei dieser einen Aktion bleiben werde. W. Vom 5. Juli in Basel. Die Protestaktion vom 5. Juli war in Basel sehr gut vorbereitet worden. Zu einer orientierenden und konstituierenden Sitzung waren 28 verschiedene Verbände zusammengerufen worden, die sich wie ein Mann hinter die Aktion der Vja Vita stellten. Das Los entschied zwischen A.C.S. und T.G.S., wem die Leitung der Propaganda und der Durchführung zufallen solle. In vorzüglicher Weise erledigte der T.G.S. die Sache in Basel und Umgebung. Aufrufe und Zirkulare wurden an alle Benzinverbraucher geschickt, der rote Via Vita-Knopf mit dem Schweizerkreuz fand seinen Weg in ungezählte Knopflöcher, und das Strassenbild schien tagelang beherrscht von den orangefarbenen Zetteln mit der Parole: «Am 5. Juli fahren wir nichtig Plakate erschienen überall; zu ihnen gesellten sich Aushängeschilder in zahlreichen Schaufenstern. Ein Motorradkorso warb am Samstag nochmals eindrücklieh. Rund um Basel und in der näheren Umgebung wurde ein Netz von 23 Kontrollposten gelegt, so dass sämtliche Ausgänge aus Basel abgeriegelt waren und keiner unbemerkt entschlüpfen konnte. Nur eine ganz beschränkte Zahl von Lieferwagen, Taxis und Gesellschaftswagen erhielt die Genehmigung zum Fahren. Allen Zweiflern zum Trotz bot der Sonntag in Basel ein gänzlich überraschendes, ungewohntes Bild. Beinahe aufdringliche Stille überall, die Strassen leer wie um 4 Uhr morgens, die Parkplätze öde und verlassen, die Tankstellen, wo sonst regstes, sonntägliches Treiben zu herrschen pflegt, geschlossen, tot. Vor einer bekannten Grosstankstelle steht ein alter, zerbeulten Wagen, zusammengebrochen unter der Last eines überdimensionierten Sack.es mit den entsprechenden Inschriften, eine drastische Veranschaulichung der auf dem Auto ruhenden Riesenlästen. Ein Rundgang bei den Posten, die von den Präsidenten des A.C.S. und T.C.S. per Velo besucht wurden, zeigte überall freudige, begeisterte Bereitschaft. An den Grenzstellen wird dennoch ein gewisses Kontingent einfahrender Fremder aus Frankreich und Deutschland registriert, sowie einige fremde Gesellschaftswagen, die sich ihre Schweizertouristen auf Schweizerboden, mitten aus der Stadt, schon am frühen Morgen abholen. Wir begegneten einem Radfahrerverein, der sich seine Velos unter Zuhilfenahme von kunstfertig bemalten Kartons zu Motorradattrappen umgebaut hatte, um auf AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 7. JULI 1936 — N° 55 diese, etwas absonderliche Art mitzuhelfen. Auoh Breakfahrten waren arrangiert worden. Man hörte vom Sonntagfahrverbot erzählen, und alte Leute seufzten kopfschüttelnd, so Bei es vor 40 Jahren immer gewesen. Die Disziplin darf als sehr gut angesehen werden. Trotz des strahlend-schönen Wetters waren bis mittags keine 15 schwarzen Schafe, an allen 23 Posten zusammen, ermittelt worden. Man kann praktisch von einem lOOprozentigen Erfolg für Basel sprechen. An der Kreuzstrasse. Dort, wo sich die beiden bedeutenden Verkehrsadern Nord-Süd und West-Ost (Basel-Luzern und Bern-Zürich) schneiden, an der Kreuzstrasse bei Aarburg-Oftringen, bekam man am 5. Juli einen besonders guten Eindruck von der Tragweite, welche die StillegungßaktiOn der schweizerischen Automobilisten- und Motorradfahrer-Verbände angenommen hatte. Während an diesem wichtigen. Punkt an einem Sonntag durchschnittlich 2000 Motorfahrzeuge defilieren (bei der vorgestrigen glanzvollen Witterung wären es zweifellos noch mehr gewesen), sah man sich geradezu um Jahrzehnte zurückversetzt in eine Zeit, da es noch eine Seltenheit war, ein solches Vehikel auf der Landstrasse anzutreffen. Fünf, zehn Minuten, oft lange Viertelstunden vergingen, bis am Horizont ein Automobil auftauchte und dabei war es in den meisten Fällen ein Ausländer. Dies an der gleichen Stelle, wo üblicherweise Auto, Gesellschafts wagen und Motorrad beinahe Schlange fahren! Die Strasse gehörte diesen Sonntag in erster Linie dem Fussgänger, dann dem Heer der Velozipedisten und schliesslich ist auch das sozusagen aus der Landschaft verschwundene Break wieder einmal zu Ehren gekommen. Wie haben hier an der Kreuzstrasse eines vorbeifahren gesehen, das hinten Pneus mit der Aufschrift T. C. S. aufgehängt hatte (!). Man kann nicht behaupten, dass die Arbeit des S.R.B.-Kontrollpostens eben kurzweilig gewesen wäre. Im Durchschnitt alle fünf Minuten einen Wagen kontrollieren, war aber auch gar alles! Für die Ausländer, unter ihnen wohl 75% Franzosen, muss es auf den verlassenen Strassen ein herrliches Fahren gewesen sein: So weit das Auge reichte, kein Fahrzeug, dem man auszuweichen hatte oder vorfahren konnte. Der Kontrollposten war immerwährend von Schaulustigen umlagert, die aber nichts zu «echauen> bekamen, weil ganz einfach nix zu «echauen> war! Interessant übrigens, wie jung und alt aus allen Volksschichten einem herannahenden Wagen entgegensahen und dessen Nummer «aufs Korn» nahm. Und das zahlenmäßige Ergebnis? Hier ist es: Von morgens 6 Uhr bis abends }£10 Uhr passierten total 223 Fahrzeuge, von denen die Ausländer das Hauptkontingent 'ausmachten mit 133. Verbleiben noch 90 schweizerische Vehikel, die sich wie folgt verteilen: 22 Gesellschaftswagen, 4 Lieferungswagen, 1 Taxi, 9 eidgenössische Autokurse; schliesslich 47 Personenwagen mit der Aufschrift: «Ich muss fahren, aber auch ich protestiere» und sage und schreibe ganze 7 Fahrzeuge, die gegen diese Aktion glaubten protestieren zu müssen. Hätten sich die schweizerischen Motorfahrzeugbesitzer ein besseres Zeugnis über ihre Solidarität und ihre Einmütigkeit in den sie berührenden schwerwiegenden Problemen ablegen können? Wir glauben nichtl In Luzern. Wohl in keiner Stadt mochte man die Protestkundgebung mit so berechtigter Spannung erwartet haben wie in diesem von der Hochsaison beherrschten Fremdenplätz, wo der 5. Juli einen Opfertag im wahrsten Sinne des Wortes darstellte. Trotz dem Internat. Concours Hippigue und dem Vortage zur grossen Sempacher Schlachtfeier haben die Automobilisten der Stillegungsparole solidarisch Folge geleistet Die verschwindend kleine Zahl «Unbotmässiger» schweizerischer Nationalität tauchte vollständig unter in der relativ beträchtlichen Zahl der ausländischen Fahrzeuge, welche die Strassen noch einigermassen belebten und die Bevölkerung aufsehen Hessen. Der Parkplatz des Rennplatzes, wo sonst die Wagen zu Hunderten- sich ansammeln, bot mit 20 bis 25 Wagen (worunter viele Ausländer) ein klägliches Bild: Man fuhr eben originellerweise im Landauer oder auch im Charabanc mit zwei PS vor Ȧlle Garagen hielten ihre Tore geschlossen, und die vereinsamten Tankstellen hatten nur ausländische Kundschaft. Taxameter waren über die Hauptverkehrszeiten sehr beschäftigt, doch war ein vermehrtes Aufgebot von Pferdedroschkeü zu beobachten. Die Fahrzeuge der Reisebureaus und die Gesellschaftswagen fuhren auffallend spärlich aus, so dass auch die Umgebung der Stadt und die kleinern Fremdenorte von absoluter Verkehrsstille beherrscht waren, wie sie nicht einmal die missliehste Witterung hervorbringen könnte. An humoristischen Bildern fehlte es nicht, was in Anbetracht der trüben Hintergründe der ganzen Angelegenheit Beachtung verdient. Die Fussgänger freuten sich, an Ihrem Tag die Strasse wieder nach Hühnerart zu überqueren. Die Altstadt bot mit ihrer feudalen festlichen Beflaggung und dem auferstandenen Pferdeverkehr durchaus das Bild eines zufriedenen mittelalterlichen Ortes, doch zerstören gewisse Plakate alle romantischen Illusionen ... Mancher passionierte Automobilist führte am heutigen Tage sein A.C.S- oder T.C.S.-Abzeichen zu Fuss spazieren, und jeder ist stolz auf die imposante Solidarität, welche die Aktion offenhart hat * nlm - Im St Gallischen. Die Stillegeaktion der Via Vita hat in der Ostschweiz einen hundertprozentigen Erfolg zu buchen. Sie wurde in aller Ordnung und ohne Zwischenfälle durchgeführt. Von den ganz vereinzelten « Wilden » ist gemäss den erteilten Instruktionen niemand angehalten worden, aber sozusagen alle, welche keine Aufschrift mitführten, meldeten sich selbst zur Rechtfertigung und Entschuldigung. Der Tankdienst ruht vollkommen. Die Verkehrspolizei hält stille Wacht und die dienstfreien Kantonspolizisten sind mit Pferdefuhrwerk ausgefahren. Bei den Motorfährzeugbesitzern ist die Proteststimmung durchgreifend. Die Solidarität ist absolut und geschlossen und macht sichtlichen Eindruck. Die hemmungslose, immer grösser werdende Belastung wird scharf kritisiert. Die Geduld ist am Ende. Das Vorrehen der Via Vita wird allgemein begrüsst. Verschiedene Veranstaltungen öffentlichen Charakters, wie das Stoßschiessen, erleiden starken Besucherausfäll. Die Strandbäder am See weisen reduzierte Frequenzen auf. Pferdefuhrwerke kommen wieder zu ihrem Recht: An einem Einspänner ist die Aufschrift zu sehen: « Wir fahren einpferdig ohne Schnaps und protestieren mit». Auf einem stationierten alten Wagen ist aufgemalt zu lesen: « Heute wird nicht gefahren. Ich alter Knabe saufe keinen Bundesschnäps.» Für die Kontrollposten meldeten sich eifrige Mitkämpfer. Die Posten nehmen ihre Sache ernst, sind aber sozusagen arbeitslos. Sie feiern den Sonntag auf ihre Weise mit Am Samstagabend wurden innert 3 Stunden von einem Posten nahezu 500 Wagen, meistens Zürcher und Berner Nummern, mit Richtung österreichische Grenze gezählt. Die Zollämter hatten ungewöhnlich viel Abfertigungen. Fussgänger gemessen die Ruhe des sonnigen Tages. Manch treffendes und unzutreffendes Argument wird vernommen. Die Aufklärung des Publikums über die Ursachen der StiHegung ist nicht weit gedrungen. Die Tagespresse ist in dieser Angelegenheit gouvernemental eingestellt gewesen. Gerne möchte man die zahlreich eingegangenen Klagen der Hotels und Restaurateure über den erlittenen Einnahmenausfall all jenen Miteidgenossen zu Gemüte führen, die nur die persönliche Annehmlichkeit der sonntäglichen Ruhe als Argument gelten lassen. Die Statistik über die volkswirtschaftliche Auswirkung der Verkehrsstillegung wird mit grossem. Interesse erwartet. In der Kantonshauptstadt St. Gallen sieht es aus wie zur Gottesdienstzeit auf dem Lande. Die im Verband der nordostschweizerischen Transportanstalten angeschlossenen Privatbahnen haben für den 5. Juli unter dem Titel « Ausflüge mit der Bahn und zu Fuss > die Ausgabe von Billetten einfacher Fahrt zur freien Rückfahrt am gleichen Tage ausgeschrieben. Auf die Reiselust der Automobilisten scheint dieses Angebot keine besondere Anziehungskraft ausgeübt zu haben. E. B. In Schaffhausen. Schaffhausen verzeichnete mit der Stillegungsaktion vom 5. Juli einen prächtigen Erfolg, leisteten doch mindestens 95% aller Motorfahrzeugbesitzer der von den Verbänden ausgegebenen Parole Folge. Am frühen Morgen starteten einige Autocars nach der Innerschweiz, aber natürlich waren sie mit dem Bewilligungsschild «Ich muss fahren, aber ich protestiere auch» versehen. Einen ebenso ungewohnten wie erfreulichen Anblick bot der Bahnhofplatz. Nicht ein einziger Taxi oder Privatwagen war zu entdecken. Selbst die deutschen Motorfahrzeuge passierten unsere Stadt in auffallend geringer Zahl. F.s erfüllt mit Genugtuung, zu sehen, welch einen ausgezeichneten Verlauf der Abwehrkampf in Schaffhausen genommen hat. Nicht nur bei den Automobilisten und Motorradfahrern zeigte sich ausgesprochen starkes Interesse an der Aktion, nein, sie fand auch beim Publikum einen unerwarteten Anklang. Besonders «zeitgemäss» nahmen sich die Pferdedroschken aus, die an Stelle der Automobile zum kantonalen Schützenfest zogen und zum Teil ebenfalls Protestplakate trugen. Lobende Erwähnung verdient übrigens die Falken- Brauerei, die sich strikte an die Parole hielt und ihre diversen Hektoliter Bier anstatt mit Lastwagen auf Fuhrwerken nach dem Festplatz führte. Das Engadin im Zeichen der Stillegung. Ein tiefblauer Himmel wölbte sich am 5. Juli über dem Engadin; das Hochtal bot sich im Sonnenglanz in seinen herrlichsten Farben dar. Trotz dieses lockenden Reisewetters haben die Automobilisten der Schweiz ihre Wagen in den Garagen stehen lassen. Von einigen Ausländern, vonwiegend Deutschen, abgesehen, die nur das Land durchfuhren, war der Verkehr schweizerischer Fahrzeuge sozusagen gleich Null. Das zeigt sieh schon bei einem Vergleich der Frequenzen des Julierpasses. Querten Sonntag, den 28. Juni, 29 Bündner, 40 andere Schweizer und 75 Ausländer diesen Uebergang, so sanken die Ziffern vom 5. Juli auf 3 Bündner, 6 andere Schweizer und 32 Ausländer. Von den Schweizern befanden sich alle im Besitz der Bewilligung. An der Kontrolle von Celerina passierten 11 Fahrzeuge mit dem Schild «Ich muss», 6 ohne diesen Ausweis, 7 Gesellschaftswagen und Taxameter und 82 ausländische Fahrzeuge. Im Gegensatz zu diesem minimalen Motorfahrzeugverkehr schwelgte der Verkehr mit Pferdefuhrwerken in derartigen Dimensionen, dass im Oberengadin überhaupt kein «Hafermotor» mehr aufzutreiben -war. In diesem Zusammenhang sei noch auf die Erklärung einiger Mitglieder des Hoteliervereins St. Moritz hingewiesen, welche die Stillegung des motorischen Verkehrs zwar bedauern, sich aber mit dieser Aktion trotzdem solidarisch erklären, weil sie schlagend die Bedeutung des Motorfahrzeugs für die Touristik darlegt Engelberg ohne Autoverkehr. Die Stillegung des Autoverkehrs am Sonntat, den 5. Juli wirkte eich auch entsprechend im Hochtale von Engelberg aus. Bekanntlich ist der Kurort Engelberg zufolge seiner Lage und bequemen Zufahrt, wie den Ausflugsmöglichkeiten nach Trübsee mit den Bahnen ein beliebter Ausflugsort für Automobilisten. Der Ort hat sich im Sommer, wie im Winter dem regelmässigen Autoverkehr angepaest und wiederholt wurden in Engelberg die stationierten Wagen an Sonntagen aufgenommen und wiesen Bestände auf von 250. 300. 350, 400, 450, 500 Autos. Die letzten Sonntage waren verregnet und kalt und trotzdem registrierte man an die hundert Autos. Sonntag der 5. Juli war ein prachtvoller Sommertag, sonnig, klar und warm und man darf sagen, dass nach der Schlechtwetterperiode sicher mit einer minimalen Autofrequenz von ca. 350 bis 400 Wagen zu rechnen gewesen wäre. Statt dessen: A11 e s s t i 11! Die grossen Parkplätze am Dorfeingange, der Bahnhofplatz, die untere Station dar Gerschnialpbahn, der neue Parkplatz am Kloster: alles vollkommen leer. Die Weisungen wurden rigoros durchgeführt. Die Grossgarage leer und geschlossen. Man war ßich an das Bild nicht mehr gewöhnt und diese Ruhe wirkte bei der allgemeinen Lage der diesjährigen Saison geradezu beängstigend. Es wurden lediglich drei Gesellschaftswagen registriert, welche fahren mussten und den bekannten Protestanschlag aufwiesen, dazu ein Motorrad, und zwei ausländische Autos. In den Restaurationen fehlte der sonntäglich bewegte Passantenverkehr, wie auch in den Konditoreien. Die Stansstad-Engelberg-Bahn brachte keinen vermehrten Einzelverkehr, hatte aber auf diesen Tag verschiedene Gesellschaften und Vereine zu transportieren, wie eine S.B.B.-Gesellschaftsreise von der Station Zürich. Diese Vereine belebten dann auch einigermassen die Bahnen nach Trübsee, vermochten aber den ganz auffälligen Ausfall nicht zu decken, Es ist klar, dass diese Stillegung dem Kurorte einen bedeutenden finanziellen Ausfall verursachte, einzelne Gaststätten sprechen sogar, trotz dem schönen Wetter, von einem geringeren Umsätze als am vorhergehenden Sonntage. Mögen diese Tatsachen in der Zeit der scharfen Fr«ndenverkehrskrise nicht übersehen werden. s.

JJO 55 _ DIENSTAG, 7. JULI 1936 AUTOMOBIL-REVUE 3 Sportnachrichten Zwischenbilanz (Mit dem Grossen Preis von Ungarn, der am 21. Juni im Stadtwäldchen von Budapest seine Uraufführung erlebte, ist die erste Hälfte der diesjährigen Sportsaison abgeschlossen worden. Die Motoren der deutschen und italienischen Grand-Prix-Boliden sind verstummt; das fiebernde Leben und Treiben wurde für einige Wochen von den Rennstrecken Europas in die Werkstätten von Untertürkheim, Zschopau und Mailand verbannt, wo alles, was unter der Motorhaube seinen Platz hat, c unter Ausschluss der Oeffentllchkelt» von Kennerhänden eine Prüfung auf Herz und Nieren erfährt Für denjenigen, der mit der Materie nicht näher vertraut ist, herrscht im europäischen Automobilrennsport vom 21. Juni bis 26. Juli ganz einfach absolute Ruhe. Doch ist es eben, wie gesagt, nur äussere Ruhe, die berühmte « Stille vor dem Sturm », vor jenem Sturm nämlich, der am 26. Juli, also am nächsten Sonntag in 14 Tagen, als Grosser Preis von Deutschland über die 22,8 km lange Nordschleife des Nürburgrings dahinfegt. Abermals vier Wochen später, am 23. August, wird der Grosse Preis der Schweiz auf der Bremgarten-Rundstrecke in Bern die Gemüter aufs neue erhitzen; am 13. September (dass es ausgerechnet der 13. sein muss !) steigt der Gran Premio d'Italia und der Grosse Preis von Spanien figuriert als Abschluss des Rennsommers 1936 im internationalen Sportkalender. Diese fünfwöchigen « Rennferien » bieten willkommene Gelegenheit, Zwischenbilanz zu ziehen, einen Rückblick zu werfen auf das, was war und Ausschau zu halten auf das, was im Anzug ist, resp. sein dürfte. Wie steht es bei Saisonhalbzeit mit der Kräfteverteilung zwiden drei berühmtesten Rennorganisationen der Gegenwart, zwischen Mercedes-Benz, Auto-Union und der Scuderia Ferrari als Vertreterin der Alfa-Romeo-Werke ? Zitieren wir hier kurz die Ergebnisse der bisherigen Grosskämpfe: 13. APRIL: GROSSER PREIS VON MONACO. 1. Caracciola auf Mercedes-Benz, 2. Varzi auf lAuto-Unkm, 3. Stuck auf Auto-Union, 4. Nuvolari auf Alfa Romeo, 5. Farina auf Alfa Romeo. 10. MAI: GROSSER PREIS VON TRIPOLIS. 1. Varzi auf Auto-Union, 2. Stuck auf Auto- Union, 3. Fagioli auf Mercedes-Benz, i. Caracciola auf Mercedes-Benz, 5. Pintacuda auf Alfa Romeo. 17. MAI: GROSSER PREIS VON TUNIS. 1. Caracciola auf Mercedes-Benz, 2. Pintacuda auf Alfa Romeo. 7. JUNI: GROSSER PREIS VON BARCELONA. 1. Nuvolari auf Alfa Romeo 12 Zyl., 2. Caracciola auf Mercedes-Benz, 3. Farina auf Alfa Romeo, 4. von Delius auf Auto-Union, 5. Rosemeyer auf Auto-Union. 14. JUNI: INTERNATIONALES EIFELRENNEN. 1. Rosemeyer auf Auto-Union, 2. Nuvolari auf Alfa Romeo, 3. Brivio auf Alfa Romeo, 4. Farina auf Alfa Romeo, 5. Lang auf Mercedes-Benz. 21. JUNI: GROSSER PREIS VON UNGARN. 1. Nuvolari auf Alfa Romeo 8 Zyl., 2. Rosemeyer auf Auto-Union, 3. Varzi auf Auto-Union, 4. Tadini auf Alfa Romeo, 5. Stuck-von Delius auf Auto-Union. Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, dass sich die drei Rennställe in ihren Erfolgen genau die Waage halten. Mercedes-Benz hat durch Caracciola in Monte Carlo und Tunis gesiegt; Auto-Union durch Varzi in Tripolis und durch Rosemeyer im Eifelrennen, und die Scuderia Ferrari durch Nuvolari in Barcelona und Budapest Verhältnis somit 2:2:2. Wenn man die Siege mit zehn, die Zweitangekommenen mit neun, die Dritten mit acht Punkten usw. bewertet, so ergibt sich folgendes Bild (in Klammer jeweilen die Anzahl der gestarteten Wagen): Mercedes- Auto- Scuderia Benz Union Ferrari Monaco 10 (4) 17 (3) 13 (4) Tripolis 17 (4) 19 (3) 18 (4) Tunis 10 (2) — (3) 9 (2) Barcelona 14 (2) 13 (2) 18 (3) Eifel 11 * (4) 19 (4) 24 (3) Budapest — (3) 23 (3) 17 (2) 91 Stellen wir vorab einmal fest, dass Italien, will heissen Alfa Romeo, im dritten Jahr der Gültigkeit der internationalen Rennformel mit Geschützen in den Kampf zieht, welche den Erzeugnissen der deutschen Rennwagenindustrie völlig gleichgestellt werden können. Dieser plötzliche Aufschwung der italienischen Konkurrenz hat im deutschen Blätterwald mannigfache Kommentare im Gefolge gehabt. Da wurde unter anderm behauptet, dass Mercedes-Benz nicht mehr so ganz « auf der Höhe » sei, ja sogar versagt habe, wobei man eben vollständig ausser Acht Hess, dass Alfa Romeo nunmehr im dritten Jahr des Bestehens der internationalen Rennformel an die letztjährigen Leistungen der Untertürkheimer Firma herangekommen ist, also mit andern Worten die Ueberlegenheit, welche Mercedes-Benz 1935 so viele Siege brachte, einholte. Mit einem solchen Gang der Dinge hat man in Stuttgart durchaus gerechnet. Man schuf für 1936 eine Neukonstruktion. Es ist nun bekanntlich eine ausserordentlich schwierige Aufgabe, einen neuen Rennwagen auf den ersten Anhieb so vollkommen fertigzustellen, dass er höchsten Spitzenanforderungen unter allen nur denkbaren Verhältnissen zu genügen vermag, schwierig schon deshailb, weil jeder einzelne Teil bis zur Grenze seiner Haltbarkeit beansprucht wird und infolge der Gewichtsbeschränkung auf 750 kg keine wünschenswerten Verstärkungen als Sicherheitsfaktoren vorgesehen werden können. So traten bei den letzten Rennen, hauptsächlich in der Eifel und in Budapest, trotz aller vorheriger sorgfältiger Erprobungen neue unvorhergesehene Höchstbeanspruchungen auf, die gelegentlich zu verhältnismässig unbedeutenden Defekten führten, welche aber leider genügten, den Mercedes-Benz- Leuten den Sieg streitig zu machen. Kein Zweifel übrigens, dass die Fehlerquellen erkannt sind und man fieberhaft auf den Grossen Preis von Deutschland hin arbeitet und vervollkommnet. Endlich sei noch, beigefügt, dass Mercedes-Benz vom Rennglück, das heute mehr denn je eine bedeutende Rolle spielt, im bisherigen Verlauf der Saison sehr wenig verspürt hat. Erinnern wir in diesem Zusammenhang nur an die Vorfälle in Monte Carlo, wo es schon in der zweiten Runde durch den Ölverlust Brivios zu einer Carambolage kam, die drei von den vier gestarteten Mercedes-Benz-Wagen ausser Gefecht setzten; ferner in Budapest, wo Nuvolari auf v. Brauchitsch auffuhr, dessen Wagen sich um die eigene Achse drehte und zwei dünnere Chausseebäume abknickte, wobei der Lenkschenkel angebrochen wurde. Anderthalb Runden vor dem Ziel, als sich v. Brauchitsch in sicherer dritter Position befand, brach der Schenkel ganz entzwei, wobei das Schicksal des Fahrers besiegelt war. Nun geht es mit Volldampf hinein in den zweiten Teil der Rennsaison. Wir machen uns kaum einer Übertreibung schuldig, wenn wir behaupten, dass Mercedes-Benz und Auto-Union am 26. Juli besser gerüstet als je zum Grossen Preis von Deutschland starten werden. Denn am Nürburgring lauert die italienische Gefahr! So viel steht fest, dass die Scuderia Ferrari mit mindestens drei 12-Zylinder Alfas auf dem deutschen Forum erscheint. Es dürfte einen wahnwitzigen Kampf um die Vorherrschaft im europäischen Automobil- Rennsport absetzen. Nuvolari wird jedenfalls nichts unversucht lassen, um seinen vorjährigen Beutezug zu wiederholen. Rennwagen und -fahrer werden sich am letzten Julisonntag gründlich überholt und ausgeruht in diese eigentliche Entscheidungsschlacht stürzen. Fy. Am Sportwagen-Rennen um den Grossen Preis der Marne, der am vergangenen Sonntag auf dem sehr schnellen Circuit von Reims ausgetragen wurde, vermochte Jean-Pierre Wimille auf Bugatti einen neuen Sieg zu erringen. Die Molsheämer Fabrik hat In den Tagen nach dem Grossen Preis von Frankreich fieberhaft an der Beseitigung der zutage getretenen Kinderkrankheiten gearbeitet, was sich im Klassement des Grossen Preises der Marne deutlich ausdrückt: Auf **t • Sie können ein Auto mit jedem Oel schmieren. VJCW1SS 9 ihre Erwartung, durch billige Oele Ersparnisse zu erzielen, wird sich aber nicht erfüllen. Ungenügend schmierfähiges Oel muss häufig gewechselt werden, hat einen grossen Verbrauch und beschleunigt auch den Materialverschleiss. Häufige kostspielige Reparaturen und vorzeitige Unbrauchbarkeit des Motors sind die Folge. Darum muss das Beste gerade gut genug sein! garantiert ein einwandfreies Arbeiten der Maschine auch bei höchster Beanspruchung und ist durch geringen Verbrauch und lange Verwendbarkeit das praktisch billigste Schmiermittel. In guten Garagen jetzt auch in plombierten erhältlich. 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Der Besuch blieb bedeutend hinter demjenigen des Vorjahres zurück und auch die Begeisterung hatte gegenüber den früheren Rennen nachgelassen. 22 von 30 gemeldeten Piloten stellten sich dem Starter, bei dem es sich um keinen Geringeren handelte als um Philipp Etancelin, der im Grossen Preis der Marne dreimal Sieger war. Um 2 Uhr stob die Meute mit Dreyfus an der Spitze davon, welcher bereits nach der ersten Runde einen Abstand von 9 Sekunden auf Wimille aufwies, der seinerseits von Renoist, Heide, Michel-Paris, Divo, Morel, Schell, Brunet, Veyron, Perrot, Le Begue, Maillard-Brune, Paul, Villene'uve, Lehoux, Danniel, ontet, Cavot, Mestivier, Madame Roux und Mao Evoy gefolgt wurde. Dreyfus schlug ein. phantastisches Tempo ein. Sein Generaldurchschnitt betrug in der zweiten Runde 142,245 km/St., in der dritten 143,450 km/St, und in der vierten 144,202 km/St., während er in der 2. Runde mit 146,890 km/St, schon einen Rundenrekord aufgestellt hatte. Der Talbot schien diesmal auf Sieg zu fahren. Genau genommen wäre er hierfür auch in Frage gekommen, nachdem Delahaye in Marseille und Bugatti in Montlhery zum Erfolg gekommen waren. Nach dem ersten Fünftel des Rennens, das über 51 Runden = 399,126 km ging, befand sich Wimille auf den Spitzenfahrer 26 Sekunden im Rückstand. Die Durchschnittsgeschwindigkeit nahm ständig zu; sie hatte nach der 11. Runde 144,784 km/St, erreicht, und noch drehte Dreyfus immer mehr auf. Bis dahin ereigneten sich auf den ersten, vier Plätzen keine Verschiebungen, hingegen verdrängte Veyron in der zehnten Runde den Delahaye-Piloten Divo auf den 6. Platz, der bald darauf von Morel in bestechendem Fahrstil erobert wurde. Inzwischen etablierte Dreyfus einen weitern Rundenrekord mit 147,660 km/St. Michel-Paris, der Sieger von Marseille, schied nach der 20. Runde aus, und Dreyfus, der seinen Vorsprung auf Wimille weiter vergrössert und auf 37 Sekunden vorgetragen hatte, fuhr um die 25. Runde, also bei Halbzeit, ganz langsam bei den Boxen vor und gab ebenfalls auf, wodurch Jean- Pierre Wimille automatisch das Kommando übernehmen konnte. Inzwischen setzte ein ausgiebiger Regen ein, die Tempi gingen etwas zurück. Um diese Zeit meldete der Lautsprecher, dass sich Michel-Paris mit seinem Delahaye überschlagen hatte, ohne Schaden zu nehmen. Bald nach der 30. Runde machte Perrot in schneller Fahrt mit einer Telephonstange Bekanntschaft. Mit Ausnahme einiger Beschädigungen am Wagen, die allerdings zur Aufgabe zwangen, nahm auch dieser Zwischenfall einen harmlosen Verlauf. Der Regen'hatte nach 4 Uhr wieder aufgehört, aber die Strasse blieb noch lange nass, was zur Folge hatte, dass weiterhin unter der .möglichen Spitzengeschwindigkeit gefahren werden musste. Dreyfus löste in der 42. Runde Heide; am Steuer ab, während im übrigen bis zum Schluss alles c beim alten > blieb. Schlussklassement; 1. Wimille (Buoatti) 2:50:45 = 140,245 km/St 2. Benoist (Bugatti) 2:51:48 1/10 = 139,390-km/St 3. Heide-Rene Dreyfus (Talbot) 2:52:55 6/10 (50 Runden). 4. Veyron (Bugatti) 2:53:34 1/10 (50 Runden). 5. Morel (Talbot) 2:53:44 4/10 (50 Runden). 6. Divo (Delahaye) 2:51:20 4/10 (49 Runden). 7. Brunet (Delahaye) 2:51:25 5/10 (49 Runden). 8. Le Begue (Delahaye) 2:53:55 1/10 (49 Runden). Schnellste Runde: Dreyfus 148,126 km/St, in der 23. Runde. 17 Fahrer am Ziel, 5 ausgeschieden. Internationales Tourist-Trophy-Rennen. Soeben ist das Reglement zum diesjährigen internationalen Tourist-Trophy-Rennen erschienen, das am 5. September auf der Ards-Rundstrecke bei Belfast zur Durchführung gelangt. Obwohl wie bei früheren Auflagen der Veranstaltung nur Sportwagen zugelassen werden, hat das Reglement verschiedene Aenderungen erfahren. Das Rennen geht nicht mehr, wie letztes Jahr, über 35 Runden, sondern nur mehr über deren 30, was einer Distanz von 410 Meilen = ca. 650 Kilometer entspricht. Wimille und die Scuderia Ferrari. An den in der französischen Presse herumgebotenen Gerüchten, wonach Jean-Pierre Wimille, der Sieger in den Grossen Preisen von Frankreich und der Marne, mit der Scuderia Ferrari in Unterhandlungen stehen soll, scheint doch etwas Wahres zu sein. « Intransigeant > meldet, dass Wimille als Vertreter de« Modaneser Rennstalles am Grossen Preis von Amerika teilnehmen werde (12. Oktober auf der Roosevelt-Field-Rundstrecke), falls er hiezu von der Molsheimer Fabrik die Erlaubnis erhalte. «Gazetta dello Sport > berichtet hiezu, dass alle Meldungen über den Abschluss eines Vertrages zwischen den beiden genannten Partnern als verfrüht anzusehen seien, hingegen sei es durchaus möglich, dass der Franzose an vereinzelten Rennen auf Alfa. Romeo starte. E. R. A. mit Zoller-Kompressor. Raymond Mars hat in seinen E. R. A.-Wagen einen Zoller-Kompressor eingebaut, mit dem er gegenwärtig Versuche unternimmt. Auf den Geraden (sein Fahrzeug nahm mit diesem Kompressor schon am Eifelrennen teil) erreichte er spielend eine Geschwindigkeit von 240 km/St., hingegen scheint es mit der Beschleunigung nicht so gut zu klappen wie beim kompressorlosen E. R. A. £•»«»••# an d Sihwe VIII. Internat. Alpenfahrt 1936. 18.—27. August. In Ergänzung unserer Ausführungen in Nr. 39 der «Automobil-Revue vom 12. Mai geben wir hie* noch die wichtigsten Punkte aus dem soeben erschienenen Reglement wieder. Die Veranstaltung wird vom A.C.S. unter Mitwirkung des Automobil-Club de France, der ober-