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E_1936_Zeitung_Nr.058

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BERN, Freitag, 17. Juli 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 58 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Am&be A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlieh Fr. 10.- Aasland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgat* B (mit gew. Unlallversieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Die Sanierung der Bundesbahnen und das Problem Schiene und Strasse *> Nun ist es aber mit den von der Generaldirektion der Bundesbahnen berechneten 30 Millionen nicht getan. Wie schon erwähnt, ist der Bundesrat entschlossen, die Sanierung der wichtigeren Nebenbahnen in die Lösung des Verkehrsproblems einzubeziehen. Herr Bundesrat Pilet-Golaz hat ausgeführt, diese Sanierung könne nur jene Nebenbahnen betreffen, deren volkswirtschaftliches Interesse unbestritten ist, wie etwa die Lötschbergbahn, die Rhätischen Bahnen usw. Er wird einen schweren Kampf auszufechten haben, um den andern Bahnen nachzuweisen, dass sie volkswirtschaftlich oder vom gesamtschweizerischen Standpunkt aus gesehen nicht genügend wichtig seien, um subventioniert zu werden. Rechnet man mit dem Eisenbahndepartement vorläufig nur mit einer Subvention von jährlich 5 Mill. Fr., so steigt der Geldbedarf des Bundes über die im zweiten Finanzprog'ramm vorgesehenen Mittel hinaus auf 35 Millionen jährlich an. Im weitern muss erwähnt werden, dass die Rechhüngsaufstellung der Bundesbahnen über die künftige Belastung der Bundesrechnung dem Abbau der Tarife keine Rücksicht trägt. Es lässt dies die Vermutung zu, dass ein solcher Taxabbau nur im Rahmen der Mehreinnahmen geschehen soll, die man nach der durch gesetzliche Massnahmen erreichten Schwächung des Automobilverkehrs zu erzielen hofft. Nach der Fassung des Entwurfes zu einem Bundesbahngesetz müssen nach der Deckung der Betriebsausgaben, nach Vornahme der gegenüber früher höheren Abschreibungen und besonderer Rückstellungen und nach der Bezahlung der Zinsen für das Schuldkapital in der Höhe von jährlich 70 Mill. Fr., sofern ein Einnahmenüberschuss verbleibt, auch die Zinsen für das Dotätionskapital bezahlt werden. Diese würden 17,5 Mill. Fr. jährlich betragen. Die Volkswirtschaft müsste* also, selbst wenn die Automo- "bilkonkurrenz wesentlich geschwächt werden könnte, solange auf einen nennenswerten Tarifabbau warten, bis über die Einnahmen des Jahres 1935 .hinaus die 17,5 Mill. Fr. gedeckt und weitere Einnahmenüberschüsse erzielt würden. Endlich noch nimmt die Rechnung der Verwaltungsbehörden der Bundesbahnen auf die ) Als Vortrag gehalten im Schweiz.. Handelsnnd Induetrieverein. F E U I L L E T O N Der Seewolf. Von Jack London. 46. Fortsetzung. «Nicht halb so stolz, wie ich es auf Sie bin, und mit nicht halb so viel Grund», antwortete sie und sah mir sekundenlang in die Augen, während die ihren mit einem flackernden Licht leuchteten, das ich noch nie in^ ihnen gesehen hatte, und das mir, — ich" wusste nicht, warum — eine Welle heissen Entzückens durch die Adern jagte. Dann senkte sie den Blick, um ihn gleich darauf wieder lachend zu heben. «Wenn unsere Freunde uns jetzt sehen könnten !» sagte sie. « Sehen Sie uns an. Haben Sie sich nie einen Augenblick Zeit gegönnt, um uns zu betrachten ? » « Doch, ich habe Sie oft betrachtet», erwiderte ich, verwirrt über das, was ich in ihren Augen gesehen hatte, und verwundert, dass sie so plötzlich den Gegenstand wechselte. « Du lieber Gott!» rief sie. « Und wie sehe feh ans, wenn teh fraeen darf?» Von Dir. O. Zipfel, Arbon. II. Erscheint Jeden Dienstag and Freitan Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Salbe Lifte" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 • Postcheck 111414 • Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 technische Entwicklung keine Rücksicht. Die Bundesbahnverwaltung hat sich bisher, und sehr wahrscheinlich mit Recht, gegenüber dem Problem der Leichtzüge und Triebwagen zurückhaltend gezeigt. Gegenwärtig werden damit die ersten Versuche gemacht. Sollten sie positiv ausfallen oder müssen die' Bundesbahnen unter dem Druck der öffentlichen Meinung zum Schnellverkehr übergehen, so bedingt dies ganz bedeutende Abschreibungen am vorhandenen Lokomotiv- und Wagenmaterial, daneben aber auch in erheblichem Umfange Neuanschaffungen. Es sei die.s lediglich erwähnt, um vor einer allzu optimistischen Beurteilung der Rechnungsaufstellung zu warnen. • Zusammenfassend muss also gesagt sein, dass das neue Bundesbahngesetz, auch wenn die in seinem dritten Teil vorgesehenen Bestimmungen einen unzweifelhaften Fortschritt bedeuten, wenig Freude auszulösen vermag. Auf jeden Fall ist dieses oder ein ähnlich gestaltetes Gesetz nur annehmbar, wenn das ganze Verkehrsproblem deri Bedürfnissender Volkswirtschaft und nicht nur den Wünschen der Eisenbahnen entsprechend gelöst wird. Die Konkurrenzfrage Schiene/Strasse ist ausserordentlich schwer zu lösen. Das uns noch in Erinnerung stehende Verkehrsteilungsgesetz stellte in der Schweiz den ersten Versuch dar, auf dem Wege der Verständigung den Verkehr zwischen Schiene und Strasse zu teilen. Es enthielt zweifellos gute Gedanken und seine Durchführung wäre insbesondere ohne die Vernichtung von Vermögen und ohne die Verschärfung der Arbeitslosigkeit möglich gewesen, da die gewerbsmässigen Transport - Unternehmungen grösstenteils in den Dienst der Asto überführt worden wären. Das Gesetz wurde in der Volksabstimmung verworfen, weil die Bevölkerung ein Transportmonopol der Eisenbahnen und der mit ihnen lose verbundenen Genossenschaft der gewerbsmässigen Transportunternehmer ablehnte. Dies, obgleich der Werkverkehr frei geblieben wäre und die Funktion eines Regulators der Frachtpreise hätte erfüllen können. In der alten Form kann nach dem negativen Volksentscheid eiDe Lösung nicht mehr gesucht « Wie eine Vogelscheuche — wir brauchen uns nichts vorzumachen», erwiderte ich. « Sehen Sie nur Ihren schmutzigen Rock und die vielen Risse. Und die Bluse ! Hier bedürfte es keines Sherlock Holmes, um zu beweisen, dass Sie über einem Lagerfeuer abgekocht haben, ganz zu schweigen von unserm Robbentran. Und um allem die Krone aufzusetzen: die* Mütze ! Ist das wirklich die Frau, die den .Erduldeten Kuss* geschrieben hat?> Sie machte mir einen eleganten kleinen Knicks und sagte : «Und was Sie betrifft, mein Herr — —» Wir scherzten einige Minuten in dieser Weise, und doch hatten unsere Scherze einen Unterton von Ernst, den ich ganz unwillkürlich mit dem seltsamen Ausdruck in ihren Augen in Verbindung brachte. Was war das ? War es möglich, dass unsere Augen ausplauderten, was unser Mund verschwieg ? «Es ist eine Schande, dass wir nach dem schweren Tagewerk nicht einmal unsere Nachtruhe ungestört haben sollen !» klagte ich nach dem Abendbrot. «Was für eine Gefahr könnte uns drohen ? Von einem Blinden ? » fragte sie. «fcfi träne ihm nfcfii » beharrte ich. « werden. Es wäre aber verfehlt, wenn nun durch die bereits in der Abstimmungskampagne angedrohten dringlichen Bundesbeschlüsse eine dem Volkswillen zuwiderlaufende Regelung erzwungen würde. Die bisher zum Schutz der Bahnen von Bundes wegen ergriffenen Massnahmen haben ohnehin wenig Zustimmung gefunden, da sie sich für die Wirtschaft unheilvoll auswirkten, ohne den Bahnen den erwarteten Nutzen zu bringen. Es sei nur an die Gewichts- und Geschwindigkeitsbeschränkungen für schwere Motorfahrzeuge im Automobilgesetz hingewiesen, durch die der Verkauf einheimischer Lastwagen zugunsten jenes der leichteren ausländischen Fahrzeuge erschwert wurde, ferner an das Nachtfahrverbot, an die Arbeitszeitvorschriften, die Erhöhung des Zolles auf Benzin und Dieselöl, den Spiritusbeimischungszwang usw. Alle diese Hilfsaktionen ergaben nur eine Verteuerung der Transportkosten und damit der Lebenshaltung. Das Problem der Konkurrenz von Schiene und Strasse darf nicht einseitig vom Standpunkt der Eisenbahnen und des Staates aus betrachtet werden. Es kann sich heute nicht darum handeln, festzustellen, dass wir unter einem Uebermass an Transportmitteln leiden und zu fordern, dass dieses Uebermass durch Einschränkung der Konkurrenz beseitigt werde. Wir müssen genau untersuchen, welchen Einfluss die Einschränkung des nicht zu leugnenden Ueberflusses auf die Volkswirtschaft hätte, Das Uebermass an Angelbot ist keineswegs eine Erscheinung, die sich auf das Transportwesen beschränkt. Die ganze Weltwirtschaft leidet unter dem Uebermass an Angebot und dem Mangel an Nachfrage. Glaubt man nun wirklich, in einem bestimmten Wirtschaftsgebiet die Konkurrenz nur deshalb unterbinden zu können, weil sie staatlichen Unternehmungen unangenehm wird? Wäre der Strassentransport dem Schienentransport nicht in manchen Belangen überlegen, so wäre die Konkurrenz nie entstanden. Da sie aber vorhanden ist, so muss daraus geschlossen werden, dass für die Wirtschaft ein dringendes Bedürfnis für die Verwendung von Motorfahrzeugen besteht. Dieses Bedürfnis wird übrigens durch die sehr weitgehende Verwendung von Motorfahrzeugen in den Betrieben des Bundes, 'der Kantone und der Gemeinden bestätigt. Auch aus den öf feilt- INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Baum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarit Inseratensehluss 4 Tan« vor Erscheinen der Nummern Bergrennen Develier- Les Rangiere. Eyston fährt 18mal Weltrekord. Sparsamer Fahren — aus Solidarität. Merkwürdige Auffassungen. Beilage: liehen Fuhrbetrieben entsteht den Bahnen eine gewisse und nicht vermeidbare Konkurrenz. Die Lage ist heute zweifellos so, dass die Wirtschaft ebenso wenig wie der Staat ohne die Motopfahrzeuge auskommen kann. Das ganze System der Warenverteilung, der Vorrathaltung usw. ist durch den Strassentransport umgestellt worden. Dazu kommt, dass durch ihn die Transportkosten wesentlich gesenkt und das Beförderungswesen vereinfacht und beschleunigt worden vist. Wenn die Bahnen ebenfalls ihr Transportsjstem verbessert und beschleunigt haben, so ist dies fast ausschliesslich der Konkurrenz der Strasse zuzuschreiben. Ohne diese Konkurrenz-wäre auch der starke Personalabbau bei den Bundesbahnen unterblieben. Durch ihn habea die Bundesbahnen bei grösserer Fahrleistung ala früher jährlich wenigstens 30 Mill. eingespart, also eine Summe, die etwa jener entsprechen dürfte, die ihnen an Einnahmen infolge der Lastwagenkonkurrenz entgeht. (Schluss auf Seite 2.) Geht es wirklich aufwärts mit dem intern. Autotourismus ? Man sollte es auf den ersten Blick zwar glauben, denn, wie bereits an dieser Stelle ausgeführt worden ist, verzeigen mit Ausnahme des Januars alle Monate bis zum Juni eine Zunahme gegenüber dem betreffenden Monat des Vorjahres, wenn auch das Plus des Aprils mit 75 Motorfahrzeugen nicht gerade sehr imponierend ausgefallen ist. Bei einer totalen Einreise von 56,200 ausländischen Fahrzeugen für die ersten 5 % Monate 1936 ergibt sich eine Gesamtzunahrne von 3569 Vehikeln. Dabei haben der März mit einem Zuwachs von 1589 und der Mai mit einer solchen von 2172 den Ausschlag gegeben. jetzt, da er blind ist, weniger als je. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird seine teilweise Hilflosigkeit ihn nur noch boshafter machen. Das weiss ich: Das erste, was ich morgen früh tun werde, ist, den Schoner ein kleines Stück, vom Strande abzulegen und zu verankern. Dann bleibt Wolf Larsen jeden Abend, wenn wir an Land rudern, als Gefangener an Bord zurück. Wir waren zeitig auf und hatten gerade unser Frühstück eingenommen, als es hell wurde. «Ach, Humphrey !» hörte ich plötzlich Maud bestürzt rufen. Ich sah sie an. Sie starrte auf die .Ghosf. Ich folgte ihrem Blick, konnte jedoch nichts Ungewöhnliches bemerken. «Die Schere», sagte sie mit bebender Stimme. Ich hatte unser Werk ganz vergessen. Jetzt schaute ich wieder hin und sah die ,Schere' nicht. « Wenn er —» knirschte ich. Sie legte beruhigend ihre Hand auf die meine und sagte : «Dann müssen wir wieder von vorne anfangen.» «Oh, glauben Sie mir, mein Zorn hat nichts zu bedeuten, ich könnte keiner Fliege etwas zuleide tun ». lächelte ich bitter. « Und Wir berichten heute über: Allerhand, wird man sagen, prächtig, wie es mit dem internationalen Autotourismus in •der Schweiz wieder aufwärts geht! Und doch ist noch kein Grund zum Jubilieren da, denn man übersehe nicht, dass der Mai 1934 mit einer Totaleinreise von 24,153 Fahrzeugen aufwarten konnte, während es im Mai dieses Jahres erst 17,144 waren, also immer noch rund 7000 Motorfahrzeuge weniger als vor zwei Jahren. Bei einem Vergleich mit dem Mai 1935 muss ferner berücksichtigt werden, dass heuer die ersten Pfingsttage noch in den Mai fielen, letztes Jahr aber das Schlimmste ist, dass er das weiss. Sie haben recht: Wenn er die .Schere' zerstört hat, bleibt mir nichts anderes übrig; als -wieder von vorne anzufangen. » «Aber in Zukunft werde ich nachts an Bord bleiben.», machte ich mir einen Augenblick später Luft. « Und wenn er mir wieder in den Weg tritt > «Aber ich wage es nicht, nachts allein an Land zu bleiben», sagte Maud, als ich mich wieder beruhigt hatte. «Es wäre doch zehnmal schöner, wenn er sich freundschaftlich zu uns stellte und uns hülfe. Dann könnten wir alle so gut an Bord wohnen.» «Das werden wir auch», sagte ich, immer noch erregt, denn die Zerstörung meiner lieben .Schere' hatte mich schwer getroffen. «Das heisst: wir beide werden an Bord wohnen, mit oder ohne Wolf Larsens Freundschaft.» «Es ist kindisch», lachte ich kurz darauf, «kindisch von ihm, etwas Derartiges zu tun, und von mir, sich darüber aufzuregen.» Aber ich konnte mich doch nur mühsam beherrschen, als ich an Bord kletterte und die Verwüstung sah, die Wolf Larsen angerichtet hatte. Die .Schere' war verschwunden. Alle Masten, Spieren und Gaffeln, die ich klargemacht hatte, waren fort. Er hatte die