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E_1936_Zeitung_Nr.058

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12 AutomoMl-Revue —

12 AutomoMl-Revue — N° 58 Peter Pee: Familien-Ferien Tatsächlich, genau weiss ich es nicht mehr, aber ich glaube, es war am 2. Januar, als die Familie bei gemütlichem Lampenschein beschloss, dieses Jahr nun einmal alle zusammen die Sommerferien zu verleben. Weil dies etwas ganz Neuartiges war, das bisher nie möglich war, kann man sich die Freude nach diesem Beschluss leicht vorstellen. Selbst Grossmütterchen zitterte vor Aufregung tagelang heftiger mit den Händen als im Normalzustand. Was immerhin etwas heissen will. Zudem muss vorausbemerkt werden, dass diese Familie eine von den Familien ist, die noch ein richtiges Familienleben zu führen wissen, mit gemeinsamen Spaziergängen, mit Abendmusik oder abendlichem Vorlesen eines guten Buches und mit gemeinsamem Teilen von Freud und Leid sämtlicher Mitglieder. Was um so erstaunlicher ist, als die ganze Familie aus 6 Personen bestand: Grossmutter, Vater, Mutter, Tochter Leni, Sohn Hans und Baby — wobei der Hund Jockei und der Kanarienvogel Euphrosine nicht mitgezählt wurden. Nun denn: Der Plan der gemeinsam zu verbringenden Ferien bestand seit Anfang des Jahres und in der Zwischenzeit kristallisierte sich auch das Ferienziel heraus: Irgendwo ans Meer, eventuell in die Bretagne. Zeichnung Jean-Louis Clere, ser fiel, erlaubten es die Eltern, dass Hans während'den Sommerferien in ein Camp seiner geliebten Pfadi nach Kandersteg gehen darf. Einer mehr oder weniger spielt schliesslich keine Rolle, dachte die Familie und war — um ehrlich zu sein — sozusagen froh, den in der Geographie herumstöbernden Jungen wohlversorgt zu wissen, ohne ihn selbst beaufsichtigen zu müssen. Hans durfte gehen und, ohne dass er es je zugegeben hätte, freute er sich insgeheim mehr, als wenn er sich unter dem immerhin gestrengen väterlichen Auge hätte am Meeresgestade zahm gebärden müssen. Dann kam die Tochter Leni, ein braves, arbeitsames Mädchen, das tagsüber seine acht Stunden auf einem Bureaustuhl verbrachte, ohne zu schwitzen 120 Silben stenographierte und seine Schreibmaschine in guter Ordnung hielt. Leni brachte eines Abends die erschütternde Nachricht auf den "Esstisch, dass heute grosse Ferieneinteilung gewesen sei und dass sie erst im September ihre 10 Tage nehmen dürfe. Es ist' zu vermerken, dass die Familie leicht erstaunte, solche Worte ruhig gesagt und ohne Tränenbegleitung vernehmen zu müssen. Da aber Leni — was (ausser Hans und dem Kanarienvogel) der Familie nicht bekannt war — einen lieben netten Freund besass, der zufälligerweise gleichfalls im September Ferien hatte (Zufälle gibt es im Leben!), verstehen wir das junge Ding, ohne etwas zu verraten und fügen unserer Sympathie beste, gemeinsame Ferienwünsche bei. Der Vater hätte nicht ungern mit seiner hübschen Tochter etwas geprotzt am Meer, um so mehr als Verlobungen bei Vollmond und unter Mit dem Sohn Hans fing es an. Er war leidenschaftlicher Pfadfinder und dies mit Recht. Was ein flotter Junge ist, muss, wenn er bei den Pfadfindern wirkt, leidenschaftlich wirken. Und obwohl der Originalplan damit ins Wasdem Rauschen der Wellen sozusagen ansteckend waren. Doch wollte er freundlicherweise Leni das Herz, der späten Ferien wegen, nicht noch schwerer machen und erklärte tröstend, es sei auch sehr ausruhend, mit den beiden Müttern und Baby allein zu sein, worauf man sich zu viert über ein neues Ferienziel den Kopf zerbrach, da das Meer eigentlich für die Jugend berechnet war und Baby noch nicht dazu gerechnet werden konnte. Es war wie verhext und die Schuld traf Vater weniger als seinen Kegel-Club, respektive den tüchtigen Kassier desselben, der urplötzlich verkündete, die Clubkasse habe nun eine Summe erreicht, welche die seit Jahren geplante Ferienreise nach Venedig ermögliche. Selbstverständlich war es ausgeschlossen, dass Vater als gefürchteter Kranzschütze nicht mitkam, ganz abgesehen davon, dass er der einzige im Kegel-Club war, der eine recht befriedigende Jodelimitation seiner Kehle zu entlocken vermochte, was doch in der Lagunenstadt eine grosse Rolle spielt. Klar, dass diese Botschaft ein harter Schlag war, weil sich nun die beiden Frauen mann- und schutzlos vorkamen, und weil aus Vaters stark bekümmerter Miene zu lesen war, wie peinlich ihm diese Fahnenflucht selbst war. Mit vereinten Kräften jedoch wurde der sich grämende Mann so wohl getröstet, dass er sich bald darauf auch äusserlich auf die erste Gondelfahrt auf dem Canale Grande freute. Keinen der Leser wird es erstaunen, dass Mutter zwei Tage später einen entzückenden Brief von ihrer Schul- und Jugendfreundin Marietta Kinkelbaum erhielt, durch den sie in das reizend gelegene Chalet «Alpenblick» nach Braunwald, wo die Kinkelbaums jeden Sommer verbrachten, einlud. Mutter sagte lange nichts von diesem Brief, es war ihr wirklich zu unangenehm. Als jedoch Grossmutter einmal das Gespräch auf Marietta brachte, wurde auch diese Hiobsbotschaft kund getan. Es gab zum Nachtessen neue Kartöffelchen und eigenartigerweise verschluckte sich Leni gleich nach Verbreitung der Nachricht so, dass man sich allgemein in erster Linie um die heftig hustende junge Dame bekümmerte und erst später auf Grossmutter aufmerksam werden konnte. Grossmutter aber war vorbildlich und ertrug das Verschwinden der letzten Hoffnung wie ein Mann. Ohne mit der Wimper zu zucken — und ganz im Versteckten bereits eigene Pläne zu schmieden. Als Verehrerin des Hotel-Planes beschloss Grossmutti, sich für wenig Geld viel zu leisten und promenierte bereits in Gedanken für ein paar Rappen während zehn vollen Tagen in Lugano herum. Eine Zeit später kam sie jedoch von dieser Idee ab, weil sie las, dass im Preis inbegriffen ein Aperitif sei und da ihr dieses Wort, aus eigentlich unerklärlichen Gründen, nicht angenehm war und sie nicht wusste, wohin sie es tun solle, entschloss sie sich kurzerhand, ihre Soloferien in einem währschaften « Ess-Bädlein » zu verbringen, allwo duftende Tannenwälder, kleine Spazierwege und ein wenig Kurorchester am Nachmittag zu einem Aufenthalt lockten. (Leider darf ich den Namen dieses Ortes nicht bekannt geben, da bereits sämtliche Fremdenzimmer ausverkauft sindl) Die Familie war für Grossmutters Aussichten begeistert — wie hätte sie auch anders sein können? — und versprach auf grosses Ehrenwort, mindestens alle drei Tage eine Ansichtskarte zu schicken. * Ohne den Hund Jockei zu fragen, fasste man den Entschluss, ihn ins Tierheim zu stecken. Jockei wackelte mit dem linken Ohr, was als ein Zeichen von « es-ist-mir-wurst » gedeutet werden konnte. Aber als der Sohn Hans erzählte, Onkel Arthur suche einen Grund, um diesen Sommer sein Bäuchlein « wegzulaufen », wurde man sich sofort einig, Jockei als Mittel zum Zweck Onkel Alfred anzuvertrauen. Um Jockei diese Aussicht zu versüssen, teilte man sie ihm erst nach Verabreichung eines Hundekuchens mit. Das nachfolgende Schweifgewedel des Hundes nahm sehr wahrscheinlich eher Bezug auf den Leckerbissen als auf seine Ferien. Mit Euphrosine, dem Kanarienvogel, machte man keine langen Geschichten. Der Nachbar — es gibt liebe Nachbarnl — offerierte sich freiwillig, die frühmorgens singende gelbe Puderquaste ohne Entgelt aufzunehmen, unter der Bedingung, dass 2 kg Vogelfutter bei Ueberbringung des Vogels mitgeliefert werden. Blieb also nur das Baby! Baby, so klein es war, machte der Familie eine Menge Kopfzerbrechen. Man konnte es doch nicht Leni mit ins Bureau geben. Auch Onkel Arthur war kein ausgesprochen mit Erfolg geprüftes Kindermädchen. Im Chalet « Alpenblick» war für Baby kein Platz und Mutter wollte in den Ferien ausruhen. Hans weigerte sich energisch, als man ihm scherzweise den Vorschlag machte, Baby im Tornister ins Pfadfinderlager zu schleppen und für den richtigen Kunstgenuss der venetianisch«n Schätze war Baby noch zu ungebildet. Alle Mitglieder der Familie, ausnahmslos, waren «Es wird die Herrschaften vielleicht Interessleren,» erzählte der allseits beliebte Arzt, «wie es eigentlich kam, dass Ich mich In Kairo niederliess. Ich folgte dem Wunsche meiner [ungen Frau, die aus südlicher Provinz stammend, hier, In meiner Heimatstadt, entsetzlich fror. Geld war genügend da, und nach nicht langer Ueberlegung beschlossen wir, dass ich In Kairo für die Gesundheit der Araber Sorge tragen sollte. Wenige Wochen darauf wartete eine grosse, schöne Wohnung tn einer der besseren Strossen Kairos auf die Patienten. Sie kamen aber nicht. Unsere Türglocke schwieg wie verhext. Kein Araber und kein Europäer war zu sehen. Ich gäbe mir Inzwischen grosse Mühe, die arabische Sprache praktisch zu erlernen. Fast täglich unterhielt Ich mich zu diesem Zwecke mit einem älteren Araber, bei dem ich auf dem Markte Obst kaufte. Eines Tages fand Jch meinen Freund sehr schlecht aussehend und bei 30 Grad Reaumur vor Kälte zitternd. Zufällig hattte ich eine Tablette Aspirin bei mir und zwang ihn, diese einzunehmen. Am nächsten Tage umarmte mich mein Obsthändler. «Du bist ein grosser Zauberer, du hast mich gerettet,» wiederholte er, «durch dieses kleine, weisse, runde Stückchen bin ich gesund geworden. Aber ich merke, du bist nicht klug genug. Du verstehst nicht, meinen Brüdern zu beweisen, dass du sie gesund machen kannst. Ich werde meine Brüder zu dir schicken.» Der Obsthändler hielt sein Wort. Schon drei Tage später wurde mein Wartezimmer eingeweiht. Ein Araber kam, in schöner Tracht, ihm folgte seine Frau. «Mein Bruder, der Obsthändler, sagte mir, dass du ein grosser Zauberer bist und Wunder tust. Ich komme zu dir mit meiner kranken Frau. Wenn du ihr hilfst, werde ich dir viel Geld geben, denn ich bin reich und nicht geizig.» Er verliess das Zimmer. Kaum hatte ich mich umgedreht, hatte meine Patientin schon ihre Kleider abgeworfen und stand vor mir, wie sie der liebe Gott geschaffen hatte. Sie war hervorragend schön, schlank und ebenmässlg. Ein Körper wie aus Bronze. Ich untersuchte sie so gründlich, wie ein junger Arzt seinen ersten Patienten zu untersuchen pflegt. Ich war geneigt, die allerheimlichsten Krankheiten zu finden. Es war aber nichts zu machen: die schöne Araberin war kerngesund. Während sie sich ankleidete, ging Ich zu ihrem Gatten hinaus und machte ihm die freudige Mitteilung, dass seine Frau ganz gesund sei. Das Gesicht des Arabers verdunkelte sich. Seine Augen funkelten. «Mein Freund, der Obsthändler, ist ein Esel!» schrie er, «er sagte mir, dass du ein Zauberer bist... Ich sehe aber, dass du nichts verstehst!» Er legte eine Pfundnote auf den Tisch und wandte sich zu seiner Frau: «Wir gehen zu einem richtigen Arzt, der wird sicher sofort wissen, was dir fehlt.» ferienwohlversorgt, nur Baby brachte eine Tragik in die haushoch gestiegene Vorfreude: Wohin mit Baby? Es stellt sich nun die Frage: Sollen 7 (in Worten: sieben) Ferienpläne jählings ins Wasser fallen, wegen einem winzigen Wesen, dessen ganzer Sprachschatz aus einem «atten « Buuuuuh » und einem wütenden « Fiiiiih » bestanden? Ich wende mich an das Volksempfindens Wer hilft?! Wer würde zwei Wochen lang einen Sonnenstrahl von einem Kindchen mit vielen Buuuuuhs und etwelchen Fiiiiihs gegen Bezahlung der Spesen aufnehmen, damit eine Familie mit gutem Gewissen und ruhigen Herzens in die Sommerferien fahren kann? Als Ärzt in Kairo Von Anlela Waidenberg Ich sprach mehrfach mit dem Obsthändler, er war aber nicht zu bewegen, mir zu sagen, was seiner». Freund so erzürnt hatte. Viele Wochen später, als Ich an einem Abend an seinem Obstkorb stand, griff er plötzlich nach meiner Hand und zeigte mir einen Araber, der mit seiner Frau in der Dunkelheit über den Damm ging. «Siehst du, das ist mein Freund. Seine Frau war ihm zu schlank. Der reiche Araber schämte sich vor seinen Freunden, eine so magere Frau zu haben. Du bist nicht klug genug gewesen, zu verstehen, dass wir Araber üppige Frauen lieben. Ein anderer Arzt hat es verstanden, sie zu heilen.» Es musste ein tüchtiger Kollege gewesen sein. Denn ich traf das Paar später wieder und stellte fest, dass von der Schönheit dieser Frau nur wenig übriggeblieben war. Sie wurde, hm... sagen wir vollschlank, hatte ein angeschwollenes Gesicht und einen wackeligen Gang. Der Wunsch ihres Gatten war erfüllt, und Irgendein Kolege von mir hat wohl keine geringe Zahl Pfunde eingesteckt. Nach dem ersten Misserfolg vergingen mehrere Monate. Ich wurde Immer nervöser, benutzte aber meine freie Zeit zum Studium der arabischen Sprache. Unerwartet klingelte mich ein Kollege an. Er musste wegen einer grözseren Erbschaft schleunigst nach Europa. Ob ich ihn nicht vertreten wollte? In einem reichen Hause, erwarte mich ein schwerer Fall: Tuberkulose bei einem 18jährigerr*Mädchen. Ich musste schon morgen früh die Kranke besuchen, wenn auch von ihrer Rettung keine Rede sein konnte. Die Eltern wären rechtschaffene Leute, aber sie hätten kein Verständnis für den Ernst der Krankkeit. Am nächsten Tage hielt ein schönes Auto vor meinem Hause. Ein arabischer Chauffeur kam herauf und fragte, ob der Herr Doktor zu sprechen sei. Hinter ihm erschien ein reichgekleideter Araber. Er faltete die Hände über der Brust, verbeugte sich tief und sagte: «Meine Tochter fühlt sich nicht wohl. Kannst du sie heilen, so komm gleich mit mir.» Nach einer Viertelstunde stand ich schon am Bette des kranken Mädchens. Ein Blick genügte, um die bevorstehende Katastrophe voraussagen zu können. Es waren nur noch spärliche Reste der Lungen verblieben, die kaum noch Luft zuist die Rasierklinge, wie sie sein sollt Blauband Rotband GrQnband Fr. 3.— Fr. 2.25 Fr. 1.60 10 Stic SITTEN Hotel de Ia Gare Schattige Terrasse. - Lebende Forellen. - Walliser Spezialitäten. - Schweizerweine. - Berühmte KOche. - Park. Säle. - Garage-Boxen. A. Qruss-Qrossenbacher. PalaceThunerhofSef,evu e Thun Unser erstkl. Orchester spielt täglich beim Lunch und zum Th£ und Diner Dansant Pension v. Fr. 10.50 an. Arrangements HOTEL & RESTAURANT ELITE Anlässlich eines Besuches von Biel und der General-Motors-Werke «rwarten wir Sie auch in unserer wirklich schönen u. behaglichen Gaststätt«. Prompte Bedienung für grössere und kleinere Gesellschaften. Auserwählte Mahlzeiten und Spezialitäten zu zivilen Preisen. Restaurant - Cafe - Bar - Billard > Täglich Konzerte Telephon 5441 - Garag*. T. Ming. GENF Rest, du Parc des Eaux-Vives Vprzügl. 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No 58 - 13 führten. Ich sagte zu Ihrem Vater hn Vorraum« «Nur ein Wunder könnte Ihre Tochter retten. Ich glaube, dass sie nicht länger als 24 Stunden leben wird.» Es war gegen elf Uhr vormittags. Wieder läutete es an der Haustür und wieder kam der Chauffeur. Beim Betreten des Zimmers grüsste er mich sehr ehrerbietig und bat mich, sofort mitzukommen, um ein Todesattest auszustellen. Das junge Mädchen war am Morgen gestorben. Im Palais des Arabers herrschte Schwelgen. Der Vater des jungen Mädchens, sowie die weiblichen Mitglieder der Familie verbeugten sich tief vor mir. Ich tat meine ärztliche Pflicht und fuhr nach Hause. Es waren nur wenige Tage vergangen, da hörte ich wieder das mir schon bekannte Tuten des Autos. Der Chauffeur kam herauf und schien sich in tiefen Verbeugungen zu überbieten. «Herr,» sagte er, «du bist nicht nur ein Doktor, du bist ein Zauberer. Deine Innere Kraft hat dir gesagt, dass die Blume unseres Hauses nur noch 24 Stunden auf unserer Welt weilen wird. Genau auf die Stunde hat ihr Geist uns auf Immer verlassen. Mein Herr wünscht dich wieder zu sprechen.» Wieder war ich im Hause des reichen Arabers. Jetzt stellte er mir seine Schwiegermutter vor und liess mich mit ihr allein. Die alte Frau war so dick, dass sie sich kaum rühren konnte. Ein Klumpen Fett. Bei der Untersuchung kreischte und schimpfte sie ununterbrochen, meine arabischen Kenntnisse reichten aber nicht so weit, um den Slang von Kairo zu verstehen. Die Diagnose lautete: Fettherz und starke Hysterie. Entfettungstabletten und Brom würden Ihre Wirkung nicht verfehlen. Auch reichliche Bewegung wollte ich ihr verschreiben: Der Herr des Hauses wartete Im Vorraum auf mich. Er legte eine Fünf-Pfund-Note auf den Tisch und sagte In feierlichem Tone: «Herr, du bist ein grosser Zauberer. Du hast den Tod meiner Tochter auf die Stunde vorausgesagt. Sage mir nun, wann meine böse Schwiegermutter von dieser Welt abberufen wird.» Ich schmiss ihm die Fünf-Pfund-Note fast ins Gesicht und eilte nach Hause. Schon in den nächsten Tagen begann meine Frau und ich zu packen. Wir verstanden nun, dass man in Kairo nicht Aerzte, sondern Zauberer brauchte. Allerdings: eine Zauberei ist mir gelungen. Wenn ich mit meiner Frau von Kairo spreche, friert sie nicht mehr so entsetzlich, wie sie es vor meiner dortigen Praxis getan hat.» Bücher Tom Reisen Gneben-Reiseführer Band 184. «Bodensee». Vorarlberg und Rheinfahrt Konstanz-Schaffhausen. 8. Auflage, mit 8 Karten, einer Rundsicht und 10 Abbildungen. 135 Seiten. Preis RM. 1.60. Wer seinen Aufenthalt in den Allgäuer Bergen mit einem Besuch des Bodensees verbindet, wird gleichfalls einen erst 1936 erschienenen, also das letzte Wissen berücksichtigenden Grieben als Reiseberater wählen können. Charakteristisch und nicht ohne tiefere Bedeutung dürfte es sein, dass dieses Bändchen eine im Verhältnis zur eigentlichen Beschreibung überaus umfangreiche Einleitung besitzt, die uns das Verständnis für das Werden der Landschaft und die Bedeutung ihres uralten Kulturbodens erschliesst. Darüber hinaus erführt der interessierte Laie noch vieles über Geographie, Klima und die im Zusammenhang mit beiden stehende Entwicklung der Wirtschaft — lauter Dinge, die ihm erst einen reicheren und tieferen Genuss seiner Reise verbürgen. Selbstverständlich kommt darüber auch der praktische Teil nicht zu kurz. Sorgfältig zusammengestellte Auskünfte über Pass- und Devisenvorschriften, über Hotels und Pensionen geben uns das Rüstzeug für zweckmässige Einteilung von Zeit und Geld. Dem Fahrer in eigenem Wagen wird eine am Schluss befindliche Uebersicht von Autoausflügen willkommene Anregung geben. Gneben-Reisetührer Band 181. «Ällgäu». Mit Angaben für Automobilisten und Wintersportler. 6. Auflage, mit 6 Karten und 14 Abbildungen. 180 Seiten. Preis RM. 3.—. Mit lieblicher Blumenpracht im Tal und zackigen, bis in den Sommer hinein schneebedeckten Gipfeln grüsst uns das Allgäu im Titelbild des soeben in neuer Auflage erschienenen Grieben. Blättern wir ein wenig in dem Führer, werden wir feststellen, dass unsere Erwartungen nicht enttäuscht werden. Schon vor Antritt der Reise erhalten wir wertvolle Winke für die Wahl unseres Aufenthaltortes oder die Zusammenstellung von Wanderund Autotouren. Der Hauptteil bringt zunächst eine Beschreibung des Vorlandes (mit Ulm, Bad Wörishofen), folgt dann der Hauptstrecke München- (bzw. Augsburg-) Kempten-Immenstadt-Lindau und schliesst mit dem Ober-Allgäu, dessen Glanzpunkt Oberstdorf allein 24 Seiten gewidmet sind. Eine vorzügliche Karte des Hauptteils der Allgäuer Alpen im Maßstab 1:78,000 wird dem Benutzer normalerweise genügen. Hans Albrecht Moser: « Geschichten einer eingeschneiten Tafelrunde.» Verlag Huber & Co., Frauenfeld. Dieses Buch, das kürzlich von der Schweizerischen Schillerstiftung mit einem Preis ausgezeichnet worden ist, verdient hervorgehoben zu werden. Es ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, aber diese Erzählungen und Erlebnisse grotesker, tragischer oder humoristischer Art sind mit sehr geschickter Hand ineinander verwoben. Die Uebergänge werden stets wieder durch kleine Diskussionen unter den Mitgliedern der eingeschneiten Tafelrunde belebt, die Rahmenerzählung ist immer wieder aufgenommen, und daraus entsteht eine ungemein schöne Wirkung. Der literarische Wert dieses Erstlings — der Verfasser ist Berner und steht schon im reifen Mannesalter — beruht aber auf der überlegenen Erzählungskunst Mosers, auf einem Stil, der an grosse Erzähler erinnert und doch der persönlichen Eigenart nicht entbehrt. Die formschöne, abgewogene und doch sinnvolle Ziemlichkeit des Ausdruckes lässt uns an ein stilvolles Biedermeier denken — aber ein Thema wie das der Straflösigkeit für Verbrecher ist doch wieder modern genug, um darzutun, dass diese Tafelrunde nicht im 19., sondern im 20. Jahrhundert eingeschneit worden ist. Ein geistreiches, ein erbauliches, ein liebenswertes, ein vorzügliches Buch. H. R. S. Mit dem Automobil zu den Olympischen Spielen. Fahrt in deutscher Landschaft. Von St. M. Zentzytzkl. Die für die Besucher der XI. Olympischen Spiele 1936 geschaffenen Einreiseerleichterungen für Kraftfahrer, die für die Zelt vom 23. Jult bis 16. August den Grenzttbertritt nach Deutschland ausserordentlich vereinfachen, werden den Zustrom sportfreudiger und reiselustiger Gaste ganz erheblich vermehren lassen. Es häufen sich letzt schon die Anfragen, wie man die Fahrt durch Deutschland am besten dazu verwenden kann, um etwas von den Schönheiten des Landes kennenzulernen und sich womöglich gleichzeitig an der Olympia-Sternfahrt zu beteiligen. Da der Olympia-Sternfahrer täglich nur e I n e n der Insgesamt 61 Kontrollorte anfahren darf, hat er Zelt genug, sich richtig umzusehen. Die folgenden Ratschläge wenden sich daher nicht an die eiligen Fahrer, — die brauchen ia nur den Nummern der grossen, nach Berlin führenden Fernverkehrsstrassen nachzufahren, — sondern sie wollen jenen Fahrern das Kennenlernen Deutschlands erleichtern helfen, die, wie die Sternfahrer, Zeit und Lust haben, möglichst viel Schönes zu sehen. Die Zufahrtstrassen aus Süddeutschland kommen in erster Linie für die Besucher aus Oesterrelch und der S c h w e i z in Betracht, natürlich auch für Fahrer, die aus anderen Lindern über diese beiden Länder zureisen. Für die Oesterreicher hauptsächlich Strasse 8 (Passau—Nürnberg) und 2 (Mittenwald —Manchen—Nürnberg). Freunde urwüchsiger Landschaft können auf einer der Fahrten von Passau aus die nordwestlich durch den Bayerischen Wald fahrende neue Ostmarkenstrasse benutzen, die sehr gut instand Ist und herrliche Höhenfahrten bringt; andererseits kann man von München aus die Strasse 10 nach Salzburg nehmen und auf diese Welse mit kleinen Umwegen die Autobahn München—Holzkirchen und den neuesten Teil der Alpenstrasse Inzell—Schnelzlreuth mit dem rommantischen Welssbachtal kennenlernen. Wie sich schon zeigte, laufen diese Strassen etwas weiter nördlich zusammen, da sie alle nach Berlin fuhren sollen; mit Ausnahme der Anfahrt werden also die Oesterreicher und die Schweizer zum Teil dieselben Strassen benutzen. Anfahrt für die Besucher aus der Schweiz hauptsachlich auf Strasse 3 über Basel—Freiburg—Heidelberg (In Freiburg Abbiegen auf die Schwarzwaldhöhenstrassen empfehlenswert und leicht zu finden; man kommt dann bei dem Weltkurort Baden-Baden mit seinem Kasino heraus und auf Strasse 3 zurück); weiter auf Strasse 27 über Neuhaus, die Schwäbische Alb nach Stuttgart, durch das entzückende Neckartal nach WUrzburg. Von Nürnberg bzw. Würzburg fahren Schweizer und Oesterreicher wie folgt: Nürnberg (Stadt der Reichsparteitage der NSDAP), Bayreuth (Bayreuther Bühnenfestspiele vom 19. bis 30. Juli und vom 18. bis 31. August) und nahebei die Fränkische Schweiz, dann auf herrlicher Strasse über den Thüringer Wald nach der Messestadt Leipzig (Autobahn Halle—Leipzig) zur Lutherstadt Wittenberg und nach Berlin (alles auf Strasse 2); zweite Verbindung, entweder für Hinoder Rückfahrt: Wittenberg—Leipzig (2), Naumburg (Dom). Weimar (Goethe-Stadt, 87), Erfurt (Dom), Gotha, Luther-Stadt Elsenach (Wartburg, 7), durch den Thüringer Wald zur Bonifatiusstadt Fulda mit dem nahebei befindlichen Segelfliegerlager auf der Wasserkuppe In der Rhön, und von da nach Würzburg. Beide Strassen zeigen Interessante, kulturell wichtige Stidte und führen durch schöne Landschaften. Schweizerisch« Unfallversicherung«- Gesellschaft Hl Wir redigieren und administrieren, photographieren und retuschieren, klischieren und stereotypieren, entwerfen und zeichnen. setzen, drucken, binden Alles unter 6 GUMMI Fr. 2.50 Beste Qualität Sicherster Schutz. Diskreter Versand. die wirksamen materiellen Schutz vor mancherlei Schicksalsschlägen gewähren. Verlangen Sie unsere Prospekte und Offerte. „Winterthur" Für den Automobilisten sind nicht nur Haftpflicht-Versicherungen notwendig, sondern auch Unfall- und Lebensversicherungen. 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