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E_1936_Zeitung_Nr.062

E_1936_Zeitung_Nr.062

BERN, Freitag, 31. Juli 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 62 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Aufgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jahrlieh Fr. Aasland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag ond'Fnitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magaiin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Posteheck III414 - Telegramm-Adresse: AutoreTUe, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die, achtgespaltene 2 mm hohe Grandzeile oder deren Raum 45 Rp, Grossere Inserate nach Speztaltarif. Inieratcnsehlnss 4 Tage TOT Erscheinen der Nummern Landesverteidigung und Motorisierung Deutschland: Durch verkehrspolitische Ausmusterung alterer Motorfahrzeuge wird der Absatz neuer Fahrzeuge gefördert, was gleichzeitig ein technisch hohes FahrzeugniveBu gewährleistet. Eine wichtige Masenahme ist die gänzliche Aufhebung oder erhebliche Reduktion der Fahrzeugsteuern. Schweiz: Bei uns liegen die Verhältnisse gerade umgeiehrt. Steuern, Versicherungen, sowie der Preis des Benzine sind in den letzten Jahren gestiegen. Oberstdivisionär J: Laibhart, Chef der Generalstabsabteilung. (Auszug aus Nr. 52 der « Automobil-Revue ».) Politisch betrachtet, gleicht der europäische Kontinent je länger je mehr einem Pulverfass, dem der kleinste Funke gefährlich werden kann. Funken aber gibt es gegenwärtig an allen Ecken und Enden. Auf den einst mit so grossen Erwartungen geschaffenen Völkerbund, der zu den schönsten Hoffnungen zu berechtigen* schien, ist kaum mehr Verlass. Seine Bedeutung als Beschützer des Friedens, als internationaler Polizist, hat enttäuscht. Und mitten in diesem brodelnden Hexenkessel, eingekeilt zwischen in Waffen starrende Nachbarn, liegt unsere kleine Schweiz. War aber deren Rolle als Hüterin' der hauptsächlichsten Alpenpässe schon 1914—1918 von grosser Bedeutung, um wieviel wichtiger noch muss ihre heutige Aufgabe inmitten von vier mächtig aufgerüsteten Nachbarheeren sein ? Hinzu kommt, dass sich im Verlaufe der inzwischen vergangenen knappen drei Jahrzehnte unsefe internationale Lage merkbar verschlechtert hat. Umgaben unser Land damals vier ungefähr gleich starke Mächte, so haben wir zur Zeit im Osten eine wirtschaftlich wie militärisch stark geschwächte Nation, im Süden und Norden dagegen sind für die Bevölkerungen in erster Linie streng nationale Gesichtspunkte massgebend, d. h. die landesverteidigungspolitischen Interessen stehen durchaus im Vordergrunde. Im Westen steht wiederum eine starke Armee, die durch einen sich von der Schweizergrenze bis ans Meer hinziehenden Festungsgürtel wirkungsvoll unterstützt wird. Jahrelang haben wir als Mittelpunkt dieses Kräftespiels, dessen explosiver Charakter bereits wiederholt klar zutage trat, mit Friedenspalmen geliebäugelt. Warner — und es waren sicherlich nicht die schlechtesten Miteidgenossen — zieh man der Schwarzmalerei. Unterdessen verarmte unsere Armee materiell. Titanenarbeit war notwendig,, um der Wehrvorlage die Annahme zu sichern. Anerkennen wir ehrlich, dass'' sozialistische Hochburgen der Vorlage zum Erfolg verhalfen; viele als besonders staatserhaltend gerühmte und mit eidgenössischen Subventionen reichlich bedachte Landesteile verwarfen. Seither haben sich die Wolken rings um unsere Grenzen in bedrohlicher Weise zusammengezogen und auch über der Schweiz selbst ist der Himmel düster. Die am 17. April 1936 durch den Bundesrat erlassene. Botschaft zuhanden der eidg. Räte betreffend Verstärkung der Landesverteidigung hat beruhigend gewirkt, wurde darin doch zu den militärischen Erfordernissen unseres Landes in eindeutiger Weise Stellung genommen. Der Kernpunkt dieser bundesrätlichen Ausführungen nun bildet die durch die technische Entwicklung bedingte Motorisierung unserer Armee, und zwar sowohl zu Lande als auch in deHL-üft. "In Nr. 51 und 52 der «Automobil-Revue» hat Oberstdivisionär Labhart dieses Problem der Motorisierung unter Berücksichtigung der neuen Truppenordnung meisterhaft skizziert. Kein Zweifel, die entschlossene und energische Persönlichkeit des neuen Chefs der Generalstabsabteilung bietet volle Garantie für restlose Durchführung der auf Anfang 1938 vorgesehenen Neugestaltung unserer Armee. Seine Ausführungen verdienen alle Beachtung, denn sie weisen den Weg, auf welchem die modernen Auffassungen hinsichtlich vermehrter Motorisierung unserer Truppen in die Praxis umzusetzen sind. Wie verhält es sich nun aber mit der Frage: Fahrzeugbestand — Mobilmachung — Motorisierung ? Die auf unsere Verhältnisse zugeschnittene Militärorganisätion stellt sowohl bezüglich Mobilmachung als auch bezüglich Motorisierung in der Hauptsache auf die Fahrzeugbestände des Zivilverkehrs ab. Schon hier klafft zwischen Theorie und Praxis ein abgrundtiefer Riss. Der selbe Bundesrat näinlich, der in der vorerwähnten Botschaft vom 17,April a.c. schrieb: »Wichtig ist" für uns namentlich, dass wir gerade zu Beginn des Krieges in,gesteigertem Masse mit einem motorisierten Angreifer rechnen müssen», damit.also die Notwendigkeit einer vermehrten Motorisierung der eigenen Truppen als wirksamste Abwehr anerkennt, setzte am 25. Juni .1935 den Zoll auf Benzin von 240% auf 320% de,s Warenwertes hinauf, mehr noch — er laboriert heute an einer eidgenössischen Verkehrssteuer herum, versucht den Alkoholskandal zu Lasten der Benzinkonsumenten, also der Motorfahrzeugbesitzer, zu «sanieren» und gedenkt, den notleidenden Bundesbahnen durch Drosselung des Schwerverkehrs der Strasse unter die Arme zu greifen ! Während der Staat'einerseits durch die prohibitive Höhe der Motorfahrzeugbelastüngen automatisch jede weitere Motorisierung des Strassenverkehrs verunmöglicht, und auf diese Weise der Armee die unentbehrlichsten Hilfsmittel nimmt, soll anderseits die neue Truppenordnung im selben Momente auf vermehrte Fahrzeugbestände zurückgreifen können. Mit andern Worten: Die Politik de? eidgenössischen wie kantonalen Motorfahrzeugbesteuerung steht in krassem Widerspruch zu den elementarsten Erfordernissen der Landesverteidigung! Dass dieser Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis eines Tages grösste Tragweite zukommen könnte, liegt auf.der Hand. Ein überalterter, ungenügender und-über zu wenig PS- Leistung,'verfügender Motorfahrzeugpark, wie ihn die heutige Besteuerungspolitik geradezu erzwingt, leistet schon der Wirtschaft keinen Dienst, 'militärisch betrachtet aber kann er dem Lande zum Verhängnis werden. Wie weit die üblen Wirkungen dieser oiotorisierungsfeindlichen Politik schon gediehen sind, zeigt die stagnierende, resp. in Rückbilr düng begriffene Entwicklung des schweizerischen Motorfahrzeugbestandes mit aller Deutlichkeit: Kategorie 1931 1933 1934 1935 (Ende Juni) Personenwagen 63 945 66 394 76 274 70 663 Autobusse 1161 1304 1445 1367 Lastwagen, Traktoren 17 752 18 986 19 580 20 074 Motorwagen total 82858 68 684 88 299 92 374 Motorräder 46 875 31 235 28 948 30 369 Widerspiegelt sich in diesen Ziffern noch eine leichte Zunahme der Motorfahrzeuge, so ist in Betracht zu ziehen, dass es sich hierbei nur in bescheidenem Masse um Neuzulassungen handelt. Namentlich die Zollstatistik liefert diesbezüglich recht aufschlussreiche Vergleiche. Wurden beispielsweise noch 1934 nur 1883 Kleinwagen eingeführt, so waren es Wir berichten heute Ober: , Streik der obern Zehntausend. Rückblick zum Grossen Preis von Deutschland. XVI. Coppa Ciano auf neuer Strecke. Ein Motorfahrer-Rekrut berichtet. Bilder: Seite 6. Beilage: 1935 bereits deren 2249. Der Import schwerer Wagen, d. h; im Stückgewicht von 800 bis über 1600 kg, dagegen ging von 8899 auf 7165 Einheiten zurück. Diese gegensätzliche Entwicklung hat auch im laufenden Jahre unvermindert angehalten: es,kamen im ersten Halbjahre 1454 gegen 1154 Kleinwagen zur Einfuhr, der Import schwererer Einheiten ging von 4333 auf 3676 Fahrzeuge zurück. Ausserdem nimmt der für die Armee besonders wichtige Motorradbestand seit 1931 un~ unterbrochen ab und es hält in den Militärkursen bereits oft schwer, geübte Motorradfahrer zu finden. Mit dieser vermehrten Indienstnahme typischer Kleinwagen geht der Rückgang der Benzinimporte Hand in Hand. Von 1934 mit 2,185,470 qi gingen sie auf 2,066,925 q pro 1935, resp. von 950,075 q auf 877,909 q für die ersten 6 Monate des laufenden Jahres gegenüber der vorjährigen Parallelperiode zurück! Man sieht — Abbau der Motorisierung auf der ganzen Linie mit entsprechender Versteifung des Arbeitsmarktes. Wohl redet der Bundesrat theoretisch vermehrter Motorisierung das Wort, in der Praxis aber bewirkt ar durch seine Politik eine Entwicklung, die für die Landesverteidigung einen Verlust bedeutet, der um so grösser zu bewerten ist, als unsere zu rund 70% elektrifizierten Bahnnetze bestimmt erste und lohnende Zerstörungsobjekte für feindliche Luftangriffe sein würden. Unsere sämtlichen Nachbarn haben die Schattenseiten einer solch überbordenden Motorfahrzeugbesteuerung rechtzeitig erkannt und den Kurs, wohl nicht (Fortsetzung Seite 2.) Der Seewolf. Von Jack London. 50. Fortsetzung. So lief ich denn wieder zu Wolf Larsens Koje. Dort stiess ich auf Maud. Wie länge sie sich schon in dieser erstickenden Luft befand, wusste ich nicht. «Schnell an Deck!» befahl ich entschieden «Aber Humphrey —» begann sie mit seltsam heiserer Stimme. «Bitte gehen Sie!> herrschte ich sie an. Gehorsam zog sie sich zurück. Da fiel mir ein: «Wie wenn sie die Treppe verfehlt!» Ich eilte ihr nach und blieb am Fusse der Treppe stehen. War sie schon oben? Als ich noch zögernd dort stand, hörte ich sie leise rufen: «Ach, Humphrey, ich kann nicht herausfinden.» Ich stiess auf sie, wie sie sich am Paneel vorwärts tastete, und trug sie halb zur Treppe. Die reine Luft wirkte wie Nektar. Maud war nur schwach und benommen, und ich Hess sie an Deck liegen, während ich zum zweiten Male nach unten ging. Die Rauchwolke musste ganz dicht bei Wolf Larsen sein — diesen Gedanken hielt ich fest, als ich gerade auf seine Koje zuging. Während ich unter seinen Decken herumtastete, fiel mir »etwas Heisses auf den Handrücken. Jetzt begriff ich: Durch die Oeffnung hindurch hatte er dieMatratze der Oberkoje in Brand gesteckt. Seine Linke war noch imstande gewesen, es zu tun. Einige Eimer Wasser genügten, um den Brand zu löschen. Zehn Minuten später hatte sich der Rauch genügend verzogen,'dass ich Maud erlauben konnte, herunterzukommen. Wolf Larsen war bewusstlos, aber die frische Luft brachte ihn bald wieder zu sich. Während wir noch mit ihm beschäftigt waren, machte er uns durch Zeichen verständlich, dass er Papier und Bleistift wünschte. «Bitte, stören Sie mich nicht,> schrieb er, «ich lächle.» «Sie sehen, dass ich immer noch ein Stückchen Hefe bin», schrieb er kurz darauf. «Aber nur ein sehr kleines Stückchen, Gott sei Dank!» sagte ich. «Danke», schrieb er. «Und doch bin ich noch voll und ganz hier, Hump. Ich vermag schärfer zu denken als je zuvor in meinem Leben. Nichts stört mich mehr. Die Konzentration ist vollkommen. Ich bin voll und ganz hier, ja mehr als das!» «Ich glaube, meine linke Seite wird auch lahm >, schrieb Wolf Larsen am Morgen nach seinem Versuch, das Schiff in Brand zu stecken. «Die Gefühllosigkeit nimmt zu. Ich kann kaum die Hand bewegen. Sie müssen lauter sprechen. Die letzten Leinen sind bald gekappt. > « Haben Sie Schmerzen ?•» fragte ich. Ich musste meine Frage laut wiederholen, ehe er antwortete : < Nicht immer. » Seine Linke tastete langsam und mühevoll über das Papier, und mit grösster Schwierigkeit entzifferten wir das Gekritzel Es war wie eine Geisterschrift. « Aber ich bin noch hier, voll und ganz hier», kritzelte die Hand langsamer und mühseliger als je. Der Bleistift entfiel ihr, und wir mussten ihn wieder zwischen seine Finger stecken. « Wenn ich keine Schmerzen spüre, habe ich ganz Ruhe und Frieden. Ich habe nie so klar gedacht. Ich kann über das Leben nachdenken wie ein weiser Hindu. > «Und die Unsterblichkeit ? » rief ihm Maud ins Ohr. Dreimal versuchte die Hand zu schreiben, tappte verzweifelt. Der Bleistift fiel. Vergebens wollten wir ihn ihm wieder reichen. Die Finger vermochten sich nicht mehr zu schliessen. Da umschloss Maud seine Hand mit der ihren und drückte sie zusammen, und er schrieb mit grossen Buchstaben und so langsam, dass zwischen v Minuten vergingen: « 0—u—a—t—s—c~h. » jedem einzelnen Dies war Wolf Larsens letztes Wort: Quatsch — skeptisch und unbezwinglich bis zuletzt. Arm und Hand sanken nieder. Ein leichtes Zucken durchfuhr seinen Körper. Dann regte er sich nicht mehr. Maud Hess seine Hände los. Die Finger öffneten sich durch ihr eigenes Gewicht, und der Bleistift fiel zu Boden.' « Körrhen Sie noch hören ? » rief ich, indem ich seine Hand fasste und auf den einmaligen Druck wartete, der ,ja' bedeutete. Es erfolgte keine Antwort. Die Hand war tot. «Ich habe bemerkt, dass die Lippen sich leicht bewegten », sagte Maud. Ich wiederholte die Frage. Die Lippen bewegten sich wirklich. Maud legte die Fingerspitzen darauf. Nochmals wiederholte ich die Frage. «Ja», verkündete Maud. Wir blickten uns erwartungsvoll an. «Was nun?» fragte ich. «Was sollen wir ihn fragen?» «Ach, fragen Sie ihn » Sie zögerte. «Fragen Sie ihn etwas, das ein Nein als Antwort erfordert», schlug ich vor. «Dann werden wir Gewissheit haben.» «Sind Sie hungrig?» rief sie.