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E_1936_Zeitung_Nr.065

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6 AOTOMOBIL-REVUE

6 AOTOMOBIL-REVUE B1EWSTAG, W. 'SmuSt »35 m» N° (R> Ugale Erlebnisse In einem lettischen Dorf Am 28. September 1933 brach das Wiener Ehepaar Rogler von seiner Heimatstadt aus mit einem selbstgebauten Wohnwagen, dessen Kraftquelle ein 2-Zylinder-Tatra-Motor bildet, zu einer Studienreise auf, die bis heute durch ganz Europa geführt hat, mit Ausnahme Englands und der Balkanstaaten. Im nachstehenden Artikel gibt Josef Rogler eine lebendige Schilderung seiner trüben Erfahrungen mit dem lettischen Brennstoffgemisch Latol; daneben weiss er aber auch Schönes und Sympathisches von den Menschen Lettlands zu erzählen. Red. Was schimpfen wir nicht alles zusammen! Es hat schon etwas auf sich mit dem Fluchen. Ohne dieses befreiende Ventil würde vielleicht manch einer zerplatzen. Unser Wagen, ein Tatra, ging durch Lettland einen Golgathaweg. Es gab nichts mehr, was ihm nicht auferlegt wurde. Vom Latol angefangen, einem Treibstoff, bestehend aus 50 % Sprit, aus Pressprodukten aus esthnischem Oelschiefer und einer Spur Benzin, sozusagen als Salz zu dieser Suppe, die die Maschine heiss werden liess und die Leistung tüchtig reduzierte, bis zu den glitschigsten, unmöglichsten Strassen und Sandwegen, wo der Wagen oft 20—30 cm einsank. Der Motor flehte direkt um Hilfe, um Erlösung aus diesem Staub, Dreck, Sand, Kot und den bis zur Nabenhöhe ausgefahrenen Bauernwagenspuren. Wo Spuren waren, ging es noch, da war der Boden wenigstens einigermassen hart und tragfähig. Auf unserer dreijährigen Studienreise, die uns durch 22 Staaten führte, hatten wir schon allerhand mitgemacht, aber mit dem Wagen gab's fast nie Unannehmlichkeiten. Er lief sonst wie eine Uhr, nahm die schärfsten Pässe, wo andere sich mächtig terhitzten>, begnügte sich im Notfalle auch mit Petroleum, wenn wir nämlich kein Benzin bekamen. Aber diesmal war es besonders arg, und wenn wir, die wir Etliches gewöhnt sind, «besonders arg» sagen, muss es wirklich «dick» gewesen sein. Wir steckten mitten drin. Zum zwanzigsten Male sprang ich aus dem Wagen, ihm zu helfen, denn ich habe ein Herz auch für Maschinen. Ich verstellte den Magnet, wechselte die Zündkerzen, die Düsen, stellte zum xten Male die Ventile ein, es nützte nichts. Einige Liter Benzin... und alles wäre gut gewesen. Was ich alles zusammenschimpfte, geht auf keine Kuhhaut. Wir verwünschten aus enrlichem Herzen jene Herren, die, in ihrer bureaukratischen Kurzsichtigkeit, das Latol einführten, die, um eines scheinbaren fiskalischen Vorteils willen, den Einzelnen schwer schädigen. Die Lebensdauer der Automobile sinkt auf die Hälfte, auf ein Drittel des Normalen. Sprit soll eben weder der Mensch genehmigen, viel weniger noch die Maschine, wenn sie für Benzin gebaut ist. Auf den Zylindern hätte man Kartoffeln oder Marroni braten können. Auspuffgase hatten wir wie eine kleinere Lokomotive. Wir verseuchten die ganze Landschaft, die wirklich schön war. Die Kolben klopften als wenn man mit einem schweren Hammer auf Holz trommeln würde. Mir wurde angst und bange. 3 Liter Oel verbrauchten wir auf je hundert Kilometer, mehr als achtmal zuviel, dehn schon nich 400 Kilometer Latolfahrt durch Lettland war die Kömpression dahin. Und Kolbenringe gab es nur in Riga, das noch 300 Kilometer weit Tag. Der Wagen ersoff im Oel, frass doppelt soviel Latol als Benzin, stank'wie eine Lokomotive und lief wie ein Bauernwagen mit «Kuh-Traktion». Ein Zylinder streikte schon gänzlich, ich nahm ihm die Kerzen weg, damit er wenigstens Luft bekomme und nicht bremse. So fuhren wir mit einem Zylinder schon 140 Kilometer, und dabei wiegt unser kleines Wohnauto immerhin 1000 Kilo. Weit und breit kein Dorf, kein Haus, kein Mensch. Lettland ist sehr dünn besiedelt. War die Gegend bisher sehr schön gewesen, so wurde sie nun immer öder, der Sand immer feiner und tiefer, bis wir in einer Mulde, wo keine Strasse mehr zu erkennen war, festsassen. Und dazu kein Wasser, an dem wir unseren brennenden Durst hätten stillen können. Boby, unser Schnauzer, «erlechzte» sich an spärlich wachsendem Gras und lag dann röchelnd im Schatten des Autos. Die Sonne brannte wie Feuer, und' brütender Dunst lag über dem Talkessel. — Später wurde uns erzählt, dass gruselige Sagen um diese Gegend weben, die «Mördertal» genannt und gemieden wird.' Sie sah auch ganz danach aus. Der ruhende Wagen rauchte und rülpste von Zeit zu Zeit in den Oelzuleitungsrohren. Ich kannte ihn gut, hatte ich ihn doch schon einige Male auf der Strasse in seine Bestandteile zerlegt. Aber diesmal war er mir über. Ich fürchtete mich vor dem Biest. Wir konnten es ganz einfach nicht fassen, dass er noch aushielt, und was er aushielt! Wieder starteten wir — 2 Meter — Ruck, Schluss. Starten — Ruck — Schluss. Wir sprangen aus dem Wagen und fingen aus Leibeskräften mit dem Waschbecken, mit Küchengeschirr und einem Bleche zu Schaufeln an, aber trotzdem sank der Wagen immer tiefer und tiefer — bis zur Karosserie und noch 10 Zentimeter darüber. 2 Stunden Arbeit — 2 Meter weiter. — Total verschwitzt, mit klebenden Zungen und trockenen Gaumen standen wir da. Mehr braucht der Mensch nicht mehr, um rabiat zu werden. Wir waren es aber nicht mehr, sondern sassen ganz still und erschöpft. Endlich, oh Wunder, tauchte ein Motorradfahrer auf und holte irgendwo Leute her. «Ho — ruck» — und wir waren über die böse Stelle hinweg. Auf einem Zylinder und unter Mitwirkung kräftiger Arme, die uns schoben, krochen wir einen Hügel hinauf und landeten schliesslich in einem Dorfe: Ugale. Ein jüdischer Kaufmann nahm sich unserer an, hängte sich ans Telephon (es gibt sehr viele Telephone in Lettland) und mobilisierte einen Mechaniker, der uns abschleppte. Bald war das gesamte Dorf beisammen und bot uns teilnehmend seine Hilfe an. Nie werden wir Dgale vergessen. Eine Bauernhüfte nahm uns auf. Von einer Mechanikerwerk-1 statte, denn eine solche suchten wir ja, keine I Von seiner Faihrt von Zürich nach Peking im Automobil sendet uns unser Mitarbeiter Hans 0. Leuenberger noch das obenstellende, Bild, das einen lebendigen B©griff von den «Annehmlichkeiten» der Durchquerung Anatoliens gibt. Hilflos steckte der Wagen zwei Tage lang im Schlamm, bis ihm ein Autobus heraushalf. Durch Verwendung grosser Winden gelang es, Steine zu unterlegen, bis das Fahrzeug auf einer Art Kunststrasse stand und rückwärts herausgeschleppt werden konnte. Spur. Es zeigte sich aber, dass der Mann, der da vor uns stand, doch allerhand fertig brachte. Tagelang arbeiteten und plagten wir beide uns ab, unterlegten zur Not die Kolbenringe mit Blechstreifen, gössen die Lager neu aus. Abends sassen wir mit den Dorfleuten zusammen, tranken Quass, selbstgebrautes Bier, assen schwärzestes Schwarzbrot mit Rohschinken, spuckten mit ihnen unter den Tisch. Sie sangen uns russische und lettische Volksweisen, worin jene sehnsüchtige und herbe Schwere der slawischen Seele schwingt, und wir revanchierten uns mit Wiener Liedern. Die Honoratioren, der Postmeister, die Gutsbesitzer, der Doktor beeilten sich ebenfalls, uns einzuladen. Dreissig, vierzig Gedecke breiteten sich auf dem Tisch, zehnerlei Weine, zwanzigerlei Schnäpse, lettischer «Champagner» wanderten auf. Und doch war es armselig gegen unsere Abende im Dorf. Anfangs waren wir für die Dorfleute «Herren». Erst als ich ihnen bedeutete, dass sie nur meinen Rock anzuziehen brauchten, um auch einer zu werden, fiel dieser vermeintliche Gegensatz. Schon nach zwei Tagen bemühten sie sich, nicht mehr unter den Tisch zu spucken, abends besser gekleidet zu sein. Wir waren ihre Freunde geworden, zu denen sie mit all ihren kleinen und grossen Leiden und Freuden kamen. Mit den Honoratioren konnten wir keineswegs mit einer derart unverbildeten Offenheit über alle Lebensprobleme sprechen, wie mit den Dorfleuten. Täglich suchten sie uns auf, erkundigten sich nach dem Fortschritt der Arbeit. Nach acht Tagen war es so weit. Acht unvergessliche Tage blieben wir in Ugale. Als ich beim Mechaniker die Rechnung verlangte, war mir etwas bänglich zumute. Aber da blickte ihn seine Frau mit ihren guten, warmen Augen erstaunt an, und plötzlich brachen sie in ein schallendes Lachen aus, als ob ich einen glänzenden Witz produziert hätte. «Sie waren doch unser Gast, und Sie sind doch unser aller Freund», sagte er, womit die Sache endgültig erledigt war. Ugale ist ein Dorf, irgendwo in Lettland, mit ein paar kleinen Bauernhütten, einem Sägewerk und einer Fabrik. Weitab von den grossen Kulturzentren, weitab vom grossen Kulturstrom. Die es bewohnen, lesen und schreiben sehr wenig, kaum können sie es. Ihr Buch ist das Leben. Wie gross ist Ugale, das winzige lettische Bauernnest, mit den kleinen Hütten, wo die Leute unter den Tisch spucken, ihren selbstgebrauten Quass trinken, wo die Kultur nicht nach Seifenverbrauch berechnet wird! Weiter ging dann die Fahrt gegen Riga. Unser Tatra aber war fürderhin für Latol immun. AUTO-REPARATUREN Abschlepp- Dienst Offizieller Martini-Service Martini-Ersatzteile Sehr komplettes Lager zu neu herabgesetzten General-Motors-Preisen in Walter Ofnei-, Möösiistr.i, Zürich 2 Telephon: 54.502, ausser Geschäft 27.858 M. 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!fö«5 IL Blatt BERN, 11. Aug. 1936 Automobil-Revue N°65 IL Blatt BERN, 11. Aug. 1936 Störungen der Zündspule. Zunächst wollen wir mit einigen Worten sauf die Funktion der Zündspule näher eingehen. Bekanntlich hat der Strom der Akkumulatorenbatterie nur eine niedrige elektrische Spannung (auch Voltstärke genannt), die an sich nicht ausreicht, die für die Entzündung des Gasgemisches im Zylinder erforderliche Funkenstrecke zwischen den Elektroden der Zündkerze zu überspringen. Es ist deshalb notwendig, den Strom auf eine höhere Spannung zu bringen, was mit Hilfe der Induktions- oder Zündspule erfolgt. Die Induktionsspule besteht aus zwei Wicklungen, und zwar einer Primär- und einer Sekundärwicklung. Wenn der elektrische Strom durch die .Primärwicklung fliesst, so entsteht ein Magnetfeld, das die Sekundärwicklung schneidet. Tritt nun irgendwelche Veränderung im Magnetfeld ein, so wird die elektrische Spannung in der Sekundärwicklung induziert. Die Veränderung des Magnetfeldes erfolgt durch Ein- und Ausschalten des die Primärwicklung durchmessenden Stromes. Die Höhe der elektrischen Spannung hängt von der Schnelligkeit ab, mit der der Zustand des magnetischen Feldes wechselt sowie von der Zahl der Windungen der Sekundärwicklung. Die beste Wirkung wird erzielt durch ein plötzliches Unterbrechen des Primärstromes. Es wird dadurch das magnetische Feld in der kürzesten Zeit von seinem Höchstwert auf Null herabgemindert, und so entsteht als •Ergebnis ein sehr hochgespannter Induktionsstrom in der Sekundärspule, wie er für die Ueberbrückung der Funkenstreke an den Wir sind als erste kontinental-europäische Fachzeitschrift in der Lage, ihn unsern Lesern vorzustellen. Seine Hauptmerkmale lauten: Ganzstahlkarosserie mit Ganzstahldach, dessen vordere Hälfte zum Zurückschieben eingerichtet ist. Polsterung und Innenverkleidung der Türen ganz in Leder. Geräumiger Kofferraum mit eingebautem Koffer und Fach für Reservepneu. Der in Gummi gelagerte Sechszylindermotor von rund 1,7 Liter Hubraum erteilt dem Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von rund 125 km/St. Ein Versuchswagen absolvierte mit sechs Personen und Gepäck belastet bereits eine Alpenfahrt über die schwierigsten Pässe, die zur vollen Zufriedenheit der Konstrukteure verlief. Auf einer Probefahrt konnten wir uns selbst von seiner ausgezeichneten Strassenlage überzeugen. ' Zündkerzen erforderlich ist. Zunächst sei angenommen, dass in der Primärspule Kurzschluss vorhanden ist, wasDer Fehler wird durch Auswechslung der spule mehr als 6 Ampere ermittelt werden. Zu bemerken wäre noch, dass die Zündspule aus einem Spezialdraht hergestellt ist, dessen Widerstand mit zunehmender Strommal ansteigt, dass die Zündkerzen nur schwach Masseschluss der Primärspule daraus hervorgeht, dass der Zündstrom anor- Spule beseitigt. Beim stärke ansteigt. Bleibt der Zündschalter bei zünden, dass der Motor zeitweise aussetzt treten dieselben Anzeichen auf. Der Zündstrom fällt nicht auf Null, wenn die Kontakte abgestelltem Motor längere Zeit geschlossen, oder gar nicht anspringen will. In diesem so bildet der Widerstand einen Schutz für Fall liegt eine beschädigte oder mangelhafte getrennt werden, der Motor setzt aus oder die Spule. Isolierung in der Spule vor, die sich auch springt nicht an und die Zündkerzen bekommen nur eine schwache Funkenstrecke. Auch Nach diesen notwendigen theoretischen Erläuterungen gehen wir nunmehr auf einige höhere als Handwärme annimmt. Beim Mes- hier ist die Isolierung beschädigt oder man- noch dadurch bemerkbar macht, dass sie eine Störungen an der Zündspule sen des von der Spule entnommenen Stromes gelhaft oder aber der Kondensator hat Kurzschluss. Der Zündspulenanschluss wird näher ein. •wird man finden, dass für eine Sechsvolt- am Stets vollkommene Federung mit dem doppelseitig wirkenden, alle Stösse sicher auffangenden Elastic - Stossdämpfer Er gewährleistet komfortables.schwebendes Fahren, erhöht die Fahrsicherheit und die Lebensdauer des Wagens. Spezialmodelle für diverse Wagen. PEUKANSTRASSE 9 Tel. 71.130 Nur Tethnik BÖGE Einbau-Werkstätten werden nachgewiesen. — Prospekte durch Originalersatzteile geben Ihnen volle Sicherheit. - Wir führen komplette Lager für die Marken: PLYMOUTH - CHRYSLER DE SOTO - OPEL FARGO - BLITZ Billigste Preise, prompter Versand nach auswärts. RITZI & WAGNER, AMRISWIL Centralgarage Telefon 500 Ein Amerikaner- Wagen sSSesä Der neue Austin Twelve-Six . . . * . • der gestern in England debütierte. \?%