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E_1936_Zeitung_Nr.066

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BERN, Freitag, 14. August 1930 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 66 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Aatgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jihrlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) VS«ttel]ahrlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Die Rechnung ohne den Wirt gemacht? Die Periode 1920—1936 der schweizerischen Brennstoffwirtschaft ist gekennzeichnet durch die grossen Umwälzungen, welche sich im Gefolge vermehrten Verbrauchs flüssiger Brennstoffe präsentierten. Schon seit 1921 spielen die Automobiltreibstoffe innerhalb des Mineralölverbrauchs eine durchaus dominierende Rolle : Benzin-, Benzol- und Gasölimporte. Jahr in Wagen ä 10 Tonnen Benzin und Benzol Gasöl 1913 166 1921 2,301 1922 3 910 1923 4477 1924 4 766 1925 6 980 1926 7 620 4,*? 1927 9 514 1 1928 11831 4 1929 14 002 10 1930 15 889 99 1931 18189 272 1932 20425 518 1933 19 542 698 1934 21854 853 1935 20669 1534 Aus dieser Entwicklung, d. h. vor allem aus dem zunehmenden Benzinkonsum, später dann auch aus demjenigen des Gasöls, zog der Staat alsbald seinen Nutzen. Die eidgenössischen Finanzminister verstanden es vortrefflich, hier ergiebige Einnahmenquellen zu erschliessen. Einstmals mit 5 Fr. pro 100 kg belastet, waren 1921 dann 10 Fr. pro 100 kg Benzin als Zoll zu entrichten. Am 21. Dezember 1923 erfolgte die Verdoppelung dieses Ansatzes auf 20 Fr. pro 100 kg. Von diesem Zeitpunkte an kommt die Belastung dieses Treibmittels kaum mehr einem Zolle, sondern vielmehr einer Benzin-, resp. eidgenössischen Verkehrssteuer gleich. Einzig die den Kantonen zugestandenen Konzessionen (Verteilung eines Viertels der Benzinzolleinnahmen zwecks Verbesserung ihrer Strassennetze) bewogen das Parlament, dem Antrage des Bundesrates zuzustimmen. Ob die Einführung einer solch regelrechten Zollsteuer auf Grund der Bundesverfassung überhaupt zulässig war, blieb dahingestellt. Dass die Belastung auf Benzin bereits damals den Charakter einer eidg. Verkehrssteuer trug, erhellt eindeutig aus der Nichtanwendung der Zollerhöhung bei Treibstoffen für industrielle, feststehende Motoren. Mit Rücksicht auf die grossen Mittel, welche eine Anpassung des Strassennetzes an die Erfordernisse des Motorfahrzeugverkehrs F E U I L L E T O N Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. Copyright 1930 by Universitas Deutsche Verlags-AG., durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien. 2. Fortsetzung. Zweites Kapitel. Gerade als Sybil sich endgültig zum Aufbruch entschlossen hatte, kam Lukas. Marion hatte mit einer vagen Geste die zeremonielle Brücke gebaut. « Das ist Lukas, ein Freund von Toni... > «... und meine Freundin Sybil. » Eine Hand streckte sich aus, kühl und braun wie poliertes Metall. Aber sie war merkwürdig leicht, man fühlte sie kaum. Lukas sah diese fremde Hand an, sah in das dazugehörige Gesicht. Er schwieg. Alle Männer, die Sybil das erstemal sähen, schwiege/i beängstigend. Es schien, als würden sie plötzlich von Erinnerungen überfallen, von verschollenen Dingen bedrängt. Als rechneten sie im geheimen alle Posten ihres , Lebens nach und machten in rasender Eile Bilanz; das Beste waren doch die Träume.**. Erscheint jeden DUnstaa und Freitag ' Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Lift»" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 erheischte, fand sich der Verkehr mit dieser weiteren Belastung ab. Die am 25. Juni 1935 durch dringlichen Bundesbeschluss dekretierte nochmalige Erhöhung der Belastung auf Benzin auf 28 Fr. pro 100 kg, sowie die gleichzeitige scharfe fiskalische Erfassung des stetig zunehmenden Konsums an Dieseltreibstoffen (angeblighe Eisenbahnkonkurrenz) aber bildete, den Auftakt zu einer Fiskalpolitik, welche ruhig als Aktion zur Drosselung des Motorfabrzeugverkehrs qualifiziert werden kann. Der Bundesrat und später auch das eidg. Parlament setzten sich dabei über vitale volkswirtschaftliche Interessen unseres Landes einfach hinweg. Noch anlässlich des diesjährigen Genfer Salons zog der Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartementes zur Rechtfertigung dieses Vorgehens den einstigen Säulenpreis von 55 Rp./ Liter heran. Nun — aus seiner frühern privatwirtschaftlichen Tätigkeit dürften dem Herrn Bundesrat gewisse Relationen zwischen Weltmarktpreis und Verkaufspreisen in der Schweiz nicht unbekannt sein. Er hat vergessen, im Zusammenhänge mit diesem einstigen Säulenpreise von 55 Rp./Liter zu erwähnen, dass beispielsweise 1930 15,388 importierte Wagenladungen Benzin und Benzol einen Wert von 39,9 Millionen Fr. repräsentierten, dass 1935 der Importwert nur mehr 20,8 Millionen Fr. betrug, also beinahe um die Hälfte zurückging, trotzdem — und das ist der springende Punkt — trotzdem in diesem Berichtsabschnitte 20,669 Wagen ä 10 t Benzin zur Einfuhr gelangten ! Ein eindeutigerer Beweis für den klaren Widerspruch zwischen Benzinpreiserhöhung und bundesrätlichen Theorien von Anpassung auf der ganzen Linie lässt sich kaum finden. Während das Weltmarktpreisniveau durchwegs eine Senkung erfuhr, erhöhte der Bundesrat den Benzinzoll in einer Art und Weise, die nicht nur bei den Benzinkonsumenten heftige Opposition auslöste, sondern auch in weiteren Kreisen der Bevölkerung Unwillen erregte. Offiziell erklärt man jeder Art der Preisinsel-Polltik den Krieg, schreckt aber vor einer Erhöhung der Benzinbelastung von 240 % auf 320 % des Warenwertes nicht zurück. Wer soll da noch mitkommen ? Eigentlich war es ein Schweigen, das mit Sybil nichts zu tun hatte. Die Männer starrten ihr ins Gesicht, aber sie dachten dabei an sich. «Wenn ich Sybil ansehe, fällt mir immer ein, dass ich als Bub Seeräuber werden wollte», hatte Toni gesagt. «Warum ist eigentlich nichts daraus geworden, warum wohl... ? » Vielleicht hatte Lukas als Bub Asket werden wollen ? Er Hess diese merkwürdig leichte Hand brüsk fallen und griff nach seiner Aktentasche. «Wollen Sie Toni diese Briefe geben, Marion ? » Höchst unnatürliche, eilige Geschäftsstimme ! Marion lächelte. « Und da, in der Mappe, sind die neuen Zeichnungen. Liebe Marion, wollen Sie einen Augenblick zuhören ? Und Toni bitten, dass er unbedingt...» Sybil war ausgeschaltet. Papiere raschelten, Zahlen tanzten. « Bis zum Achten muss alles fertig sein, sagen Sie es ihm, Marion.» Sybil war ausgeschaltet, man konnte ihr jetzt sogar wieder zulächeln, um Entschuldigung bitten: « Toni arbeitet nämlich an dem Haus mit, das ich.Jetzt All die zahlreichen, wohlbegründeten Eingaben durch die am motorisierten Strassenverkehr interessierten Kreise haben an dieser unverständlichen Tatsache nichts zu ändern vermocht. Kein Wunder, dass Motorfahrzeugbesitzer und Benzinkonsumenten sich zu geschlossener Protestaktion fanden; kein Wunder, dass es zur Verkehrsstillegung vom 5. Juli 1936 kam! Eines jedenfalls dürfte man im Bundeshause bei dieser Gelegenheit eingesehen haben : Die Wortführer der Automobilisten sind kein Generalstab ohne Truppen und der eidg. Finanzminister wird gut daran tun, seine Hefte diesbezüglich zu revidieren. Doch was wollte der Bundesrat mit dieser neuerlichen Benzinzollerhöhung eigentlich erreichen ? In erster Linie hätte sie als wichtige Verankerung seines Finanzprogramms II dienen sollen, denn die daraus resultierenden Mehreinnahmen waren auf jährlich 16 Millionen Franken,, oder also 1,35 Million Franken pro Monat veranschlagt. Das Ergebnis von 13 Monaten liegt nunmehr vor. Hat man die Rechnung am Ende ohne den Wirt gemacht ? Betrachten wir einmal die Entwicklung der Benzin- und Benzolimporte während der einzelnen Berichtsabschnitte der Jahre 1934—1936: Benzin- und Benzoleinfuhr. 1934 1935 1936 q i q Januar 111011 118 863 95 207 Februar 113 457 129 003 127 040 März 158 362 • 125 406 135 541 April 176 516 164 986 157 306 Mai 214 384 195 990 177 542 Juni 208 291 215 828 185 273 Juli 209 035 211519 182 916 August 238 769 212 664 September 200 347 202187 Oktober 220 748 207 826 November 169 272 147 957 Dezember 165 278 134 695 2 185 470 2066 925 Trotzdem die notwendige Umstellung eine gewisse Zeitspanne benötigte, hat sich die Anpassung,des motorisierten Verkehrs an die ihm aufgebrummten neuen Fiskallasten — man ist fast versucht, zu sagen: Konkurrenzabgaben — wie ersichtlich recht behend vollzogen. Wurden beispielsweise von Anfang Juni 1934 bis Ende Juni 1935 noch 236,182 t Benzin und Benzol importiert, so waren es von Juli 1935 bis Juli 1936, also nach Inkraftsetzung der neuerlichen Zollerhöhung nur noch deren 217,767 oder 18,815 t weniger. Für die ersten 7 Monate des laufenden Jahres resultiert im Vergleich zur vorjährigen Parallelperiode ein weiterer Importausfall von 10,076 t. Mit Ausnahme der Monate Juli und September 1935 sowie März 1936 verzeichnen « Aber das macht doch nichts », sagte Sybil zerstreut. Sie ging zum Schreibtisch und blätterte im Telephonbuch. Es war spät geworden, Modistin und Photograph mussten telephonisch abgesagt werden. Sie warf Hut und Handtasche auf den Schreibtisch. Müller Nathanson Oberbauer Optische Klinik, Orthopädie... Photographisches Atelier... da war es: «U,28-530». Sie schob das Buch fort, hastig, so dass die Schreibmappe mitrutschte. Auf der nackten, spiegelnden Holzplatte lag ein Brief. Weiss, gross, zerknittert. An Frau Marion Gäl das war Konstantins Schrift! Dünne, zierliche Buchstaben, das war Konstantins Schrift, ein eingeschriebener Brief aus Zürich, dick wie ein Paket — und es war Konstantins Schrift!'Die Buchstaben zitterten, wurden kleine schwarze Punkte. Als sie sich wieder geordnet hatten, steckte Sybil den Brief in ihre Handtasche. Sie tat es so ruhig, als hätte sie die vierundzwanzig Jahre ihres Lebens nichts anderes gemacht als Briefe gestohlen. «Das wäre in Ordnung», sagte Lukas und sah auf. Langsam, ohne sich zu beeilen, rückte Sybil die Schreibmappe zurecht, legte das Telephonbuch darüber bin. Ordnung 1 Sie griff INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 46 Rp. Grossere Inserate nach Spezialtarif. Inseratenschluss 4 Tane vor Erscheinen der Nnmmern Wir berichten heute über: Das Recht auf Schnelligkeit. «Ein nicht gerade seriöses Bundesamt». Bevorstehende Grosstage im Autosport Schweizerisches Benzin. Beilage: sämtliche Berichtsabschnitte zum Teil recht ansehnliche Einfuhrrückgänge, so z. B. der Juli mit 2860 t. Nach Voranschlag hätten die Mehreinnahmen aus Benzinzoll für die 13 Monate vom Juli 1935 bis und mit Juli 1936 17,35 Millionen Franken betragen sollen. Laut nachstehender Rechnung wurden in Wirklichkeit jedoch nur 12,8 Millionen Franken mehr eingenommen als während der Parallelperiode des Vorjahres: 1935/36, 217.767 t zu Rp. 31.30 %/kg = 68,1 JfilL Fr. 1934/35, 236.184 t zu Rp. 23.40 %/kg = 55,3 MM. Fr. Mehreinnahme 1935/36 12,8 Mill. Fr. Noch wesentlicher sind die Ausfälle, welche für das laufende Jahr zu verzeichnen sind. So macht statt der errechneten 8 Millionen Franken die Mehreinnahme während der ersten 6 Monate 1936, verglichen mit demselben Berichtsabschnitt des Vorjahres (im Juli war der neue Zollansatz bereits in Kraft), nur 5,3 Millionen Franken aus. Bedenklich mutet ferner die Entwicklung der Gasölimporte an: Gasölimporte 1934 1935 1936 q tt q Januar 7 931 14669 1861 Februar 4 073 2 707 1457 März 2 650 9 601 5 040 April 7 672 11130 1021 Mai 3 977 9 803 3082 Juni 5 371 13 084 6163 Juli 5 346 5 198 2 916 August 5 238 12 730 September 3166 17 672 Oktober 9 337 22187 November 18 498 12 527 Dezember 12 069 22168 85 329 153476 (Fortsetzung auf Seite 2.) mechanisch nach ihrem Hut, aber sie vergass, ihn aufzusetzen. Hut, Handtasche, Handschuhe, Ordnung.... Lukas hörte Marions Meinung über Innenarchitektur an, Innenarchitektur unter besonderer Berücksichtigung von Tonis Arbeiten. «Seine Ideen sind doch gut, nicht wahr, Lukas?» «So neu», sagte Lukas und holte tief Atem. «So fremd...» Glattes schwarzes Indianerhaar, schmaler Nacken! Jetzt drehte sich Sybil um und kam zum Tisch. «Adieu, Marion. Ich werde dir schreiben.» Das klang kalt und dunkel. «Gehst du wirklich? Ach darling, darling!» Sybil Hess sich küssen und starrte Lukas ernst ins Gesicht. Augen wie leere Brunnen! Augen, sterblich schöne Sterne! Dann waren Marions Arme plötzlich leer, blaue Seide wehte vorüber, die Tür fiel ins Schloss. «Laufen Sie ihr nach, bitte bringen Sie Sybil bis zum Auto!» Während Lukas Aktentasche und Hut packte, mit zwei Sprüngen zur Tür setzte, rief es hinter ihm her: « ... sie ist so ungeschickt.»