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E_1936_Zeitung_Nr.066

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12 Automobil-Revue —

12 Automobil-Revue — N° 66 Olympia-Cocktail Die Wunderbar ohne Alkohol und Sex-Appeal Eine Begegnung, die immer wieder erfreut und erfrischt, ist die mit Meister Siess — nomen est omen — dem olympischen Barmixer. Es ist — das versteht sich — eine antialkoholische Bar. Kein Tropfen Gin oder Genever, auch nicht der Hauch eines Wisky, geschweige denn ein Atom von einem Pernod oder Brandy ist dort zu verspüren — aber vom «Milk Shake» mit Blaubeeren bis zum «Fraise-Special Frappee», von der «Grape-Fruit» bis zum «Lemon Squash» wird dem Gaste alles kredenzt, was die Karten zweier Erdteile an Prohibition-Drinks enthalten. Die Umsätze sind enorm. Man sieht den Australier-Dreispringer Metcalf neben dem japanischen Crawlwunder Arai sitzen, der Niggerboxer Lovell, Argentiniens Schwergewichtler, stösst mit dem Philipinos Christiansen — ja bitte: Nils Christiansen — an, dessen Vorfahren mal zu Zeiten Klaus Störtebekers von der Küste der Nordsee nach dem östlichen Inselreich verschlagen worden sein müssen. Jose Farias Rios, Perus Marathonläufer, folgt der Einladung eines indischen Sahibs im Turban, irgendeines prominenten Hockey-Maharadschahs, der immer sagt: «Have a drink, old Chap...», eine Aufforderung, die allgemein verstanden wird. Es ist eine babylonische Bar, eine Wunder-Bar, aber — don't forget that! — eine Bar ohne Frauen... Denn das ganze olympische Dorf ist ein Dorf ohne Sex appeal. Es gibt — glaube ich — irgendwo im Verwaltungsgebäude eine Sekretärin der Dorfkommandantur. Aber sie darf nicht über ihre Amtssphäre hinaus. Selbst Ehefrauen und Kindern weiblichen Geschlechts ist der Zutritt zum Dorf verboten. Es ist ein Reservat der Männer. „Darmstadt" . . . „Worms" Die Häuser im. olympischen Dorf sind bekanntlich nach den Namen deutscher Städte getauft. Es gibt ein Haus Frankfurt, ein Haus Helgoland. Es gibt Leipzig, Lübeck, Heidelberg und Stettin, München, Bremen und Dortmund. Es gibt auch ein Haus Darmstadt. Das sollte erst Aerztenaus werden. Aber die Medizinmänner protestierten heftig. Es seien zwar, sagten sie, unter ihnen auch Magenspezialisten, aber «Darm>-stadt sei deswegen doch deplaciert. Man gab den Aerzten dann ein anderes Haus. Eislaufen im Sommer Warum soll das nicht möglich sein? Skifahren im Sommer ist nichts Neues. Warum soll man da nicht auch Schlittschuhlaufen können? Wir hören von Skirennen im Diavolezzagebiet, in der Silvretta und auf dem Jungfraujoch. Weniger bekannt ist, dass auch mitten im Sommer, bei einer Aussentemperatur von 30 Grad auf dem Jungfraujoch Schlittschuh gelaufen wird. Allerdings ist die Eisbahn nicht an der Oberfläche, sondern sie liegt 20 Meter unter dieser, aus der dicken Gletscherschicht ausgehauen. Die Erbauer, die Herren Alfred Gertsch aus Wengen und Christian Bohren aus Grindelwald, haben in mühevoller Arbeit aus einer ursprünglichen Eisgrofte eine Von Paula Stuck Es gibt natürlich auch ein Haus «Worms». Als die Australier ankamen, blieb die Rotte von Leichtathleten vor der Tür dieses Hauses stehen und begann markerschütternd zu lachen. Die Stewards, der Lagerkommandant, der Postdirektor, der Zollinspektor, ja selbst das Känguruh (siehe unten) liefen zusammen, um zu sehen, was los sei. ...«worms, worms...» kreischten die Insulaner und schüttelten sich vor Heiterkeit. Schliesslich klärte sich das Missverständnis auf. Die Männer aus Australien hatten geglaubt, es handle sich hier um ein Heim für jene kleinen Kriechtiere, die der Engländer mit «worms», der Deutsche mit «Würmer» bezeichnet... „Assi" Dieses Känguruh, von dem oben die Rede war, hört auf den Namen «Assi». Die Australier, die bekanntlich dieses Springtier zusammen mit dem Strauss Emu als Wappentier auf ihren Blazers tragen, haben es als Mascotte mitgebracht. Es geht Von ihm die Legende, dass es das ganze Dorf rebellisch mache und den Lagerkommandanten neulich nächtens aus dem Bette geklopft habe. Ich muss gestehen, dass ich zwar oft im Dorf war, dass mir aber «Assi» nur ein einziges Mal begegnete. Das war bei seiner Ankunft. Aber da steckte es in einem Käfig. Der Zehntel-Kollege Kommt da neulich ein olivenfarbiger Gent auf die Pressestelle des Organisationskomitees. In etwas gebrochenem Deutsch bittet er um eine Pressekarte für die Spiele. Er sei Angehöriger eines lateinamerikanischen Kleinstaates, der in Berlin vertreten sei. Das freundliche Fräulein von der Pressestelle bittet den Gast, Platz zu nehmen, dann schlägt sie eine Liste nach: «Gewiss», sagt sie, «Ihr Land entsendet, wie ich sehe, 1 (sprich einen) Vertreter zu den olympischen Spielen — ich glaube, einen Radi fahrer... Nach dem olympischen Reglement erhält jede Nation. 10% der Anzahl der Aktiven als Pressekartenkontingent zugeteilt...» Der Mann aus Lateinamerika: «?????» — «Nun ja», meint das Fräulein bedauernd, «ich kann Ihnen also genau eine Zehntel-Pressekarte zuteilen. Was Sie damit anfangen können, das weiss ich allerdings nicht...» cpr. Jeden Besucher, der nur ein bisschen Schlittschulaufen kann, wird es «glustig» machen, hier in einer Höhe von 3500 Metern seine Kunst zu versuchen. Und er wird nicht enttäuscht sein. Spiegelblankes Eis, wie es nur auf gefrorenen Seen anzutreffen ist, erfreut den Läufer. Täglich wird die Eisbahn gereinigt und gespritzt. Bei einer beständigen Temperatur von minus 3 Grad ist es leicht, in kurzer Zeit eine frische Eisfläche herzustellen. Interessant ist, dass der Gletscher vollständig ruhig liegt. so dass in der Eishalle keine Verschiebungen und Risse durch Bewegung entstehen. Diesen Sommer findet vom 10. bis 16. August in diesem originellen Eispalast auf dem Jungfraujoch ein Eislaufkurs statt. Die Preise sind durch das Entgegenkommen der Bahn und des Hotels Berghaus bescheiden gehalten. Neben zwei bis drei Stunden Eislauf täglich ist es möglich, einige der herrlichen Gipfel der Umgebung zu besteigen, Ski zu fahren oder in der Sonne sich zu bräunen. Alles in allem versprechen diese sechs Tage in Sonne, Bergen, Schnee und Eis, den verwöhntesten Ansprüchen zu genügen. Ueber den Eislaufkurs erteilt die Ju/igfraubahn Eigergletscher, Tel. 4301, Auskunft und nimmt auch die Anmeldungen entgegen. F. Sjursen.. Die Zeitlupe als Zielrichter bei-den olympischen Kämpfen Bei den Wettläufen der Olympischen Kämpfe wurde für die einwandfreie Ueberwachung und Festlegung des Zieldurchganges eine Apparatur für kinematographische Zeitlupenaufnahmen installiert, die den Endkampf in seinen kleinsten Einzelheiten zeigen und es in Zweifelsfällen gestatten, ihn beliebig oft wieder vorzuführen. Die Einrichtung besteht aus zwei nebeneinander liegenden, übereinstimmend arbeitenden Geräten für Schmalfilm-Zeitlupenaufnahmen, die, auf dem Schiedsrichjerturm aufgestellt, wie zwei Augen auf die Ziellinie ausgerichtet sind. Sie haben einen solchen Abstand voneinander, dass bei der späteren Wiedergabe der Aufnahmen der gleiche räumliche Eindruck hervorgerufen wird, wie ihn der Zielrichter bei der Beobachtung des Laufes hatte. Durch Verwendung hochempfindlicher Filme und ausserordentlich lichtstarker Aufndhmeobjektive können 100 Einzelaufnahmen in der Sekunde von jedem der beiden Geräte gemacht werden. Auf dem einen der Filme wird gleichzeitig die genaue Uhrzeit, auf dem zweiten durch ein neu konstruiertes Zählwerk die seit dem Start vergangene Zeit aufgezeichnet. Die Auslösung des Zählwerkes erfolgt durch einen Kontakt an der Startschusspistole, der durch den Sfartschuss geschlossen wird. Der Film kann vermittels eines Schnellentwicklungs- und Umkehrverfahrens, sowie durch Schnelltrocknung in 10 Minuten zum gebrauchsfertigen schöne Eisbahn mit 260 Quadratmeter Grundfläche geschaffen. Monatelang arbeiteten sie von früh bis spät mit ihren Eispickeln an diesem Werk. Mancche hundert Säcke Eissplitter wurden auf dem Rücken aus der Tiefe herausbefördert, bevor die Eisbahn das war, was sie heute ist. Sie ist in den horizontalen Gletscher des Jungfraujochs eingebaut. Ueber ein paar Dutzend Stufen steigt man in dieses Eiswunder hinunter. Ein Teppich und ein Holzgeländer schützen vor Ausgleiten. Tadellose elektrische Beleuchtung sorgt für die nötige Sicht. Sie wurde vBn der Direktion der Jungfraubahn gespendet. Bevor wir die Eisbahn erreichen, fuhrt von der Treppe ein Seitengang in eine Bar mit VorführfiTm umgewandelt werden. Nischen, Wandbänken, mit einem Klavier und einem Öfen, alles aus Eis, dann folgt weiter unten ein Seitenstollen, der ins Freie führt. Er sorgt für die nötige Luftzufuhr und wurde von den Erbauern zum Wegbringen des Materials gebraucht. Wunderbare Eiskristalle, die bereits zu wissenschaftlichen Zwecken von Studierenden des Forschungsinstitutes auf dem Jungfraujoch photographiert wurden, funkeln von den Wänden. Die Eisbahn selbst gleicht einem grossen Kellergewölbe. Drei mächtige Eissäulen, die einen Durchmesser von je 3 Meter haben, stützen es. Links und rechts sind in Nischen Bänke eingelassen. Ein kleiner Raum dient als Garderobe. Darin fehlt nichts. Da sind Kleiderhaken, Schäfte, gefüllt mit zirka 20 Paar Schlittschuhen und Stiefeln. Um die Vorgänge bei den Endkämpfen der Läufe im Film völlig klar verfolgen zu können, wird die Wiedergabe so durchgeführt, dass die Bilder räumlich erscheinen. Dies geschieht durch die gleichzeitige Vorführung der beiden Filme in zwei Projektionsapparaten, die miteinander gekuppelt sind, dsren Objektive aber verschieden polarisiertes Licht aussenden. Bei Betrachtung des auf einer Mattscheibe geworfenen Bildes durch eine spezielle Brille erhält dann der Beschauer einen raumhaft-körperlichen Eindruck, der es ihm gestattet, die Vorgänge klar zu überblicken. Dies wird noch dadurch erleichtert, dass die Vorgänge auf der Projektionsfläche mit mehr als sechsfacher Verlangsamung im Vergleich zur Wirklichkeit erscheinen, da die Vorführung mit einer Geschwindigkeit von 16 Bildern in der Sekunde erfolgt, während im Aufnahmegerät, wie erwähnt, 100 Aufnahmen in der Sekunde gemacht wurden. Auch kann der Weitergang der Filme an jeder beliebigen Stelle angehalten werden, so dass einzelne Momente des Kampfes als stehendes Raumbild betrachtet werden können. Die beiden Zeichnungen sind von Jean-Louis Clerc, Der August Wie einst der grosse Feldherr Julius Caesar seinen Neffen Augustus an Sohnes Statt annahm und ihn als Haupterben über sein Reich einsetzte, so setzt der Monat Juli den ihm so nah verwandten August zu seinem Generalerben ein. Kein Wunder, dass der Nachfolger seinem Vorgänger gleicht. Wie dieser ist er ein Freund der Herrlichkeit, der Pracht und des Sonnenglanzes, auch ein grosser Herr des Feldes und eine erhabene Herrschernatur. Aber wie es eben vorkommt, dass der Nachkomme den Vorfahren an Prunk noch zu übertreffen sucht, so geht auch der August stets darauf aus, das glänzende Regime des Juli womöglich noch zu überbieten. Liebte es schon dieser, mit der Wärme verschwenderisch umzugehen, so tut dies der August noch viel mehr. Pflegte schon jener fürstlich in aller Pracht zu • schwelgen, so ist diesem der Hang zum Schwelgen in der Fülle des Sommers geradezu zur Leidenschaft geworden, denn umsonst will er nicht Augustus, d. h. der Erhabene, der Herrliche, Prächtige heissen. Und so gibt er sich denn der Pracht und Fülle hin, dass es eine Art hat. Und wenn der Juli seine Herrschermacht oft in tüchtigen Gewittern zu beweisen liebte, so sucht ihn sein Nachfolger durch noch grössere Gewitterschlachten zu überbieten. \ Wenn er aber am frühen Morgen die Wiesen rings umher mit lauter Perlen bestreut, dass es nur so funkelt und glitzert, als ob die Juweliere aller Länder hier an der Arbeit gewesen wären, und die goldene Sonne, die mächtige Freundin und Verbündete des grossen Herrschers, sich in den zahllosen, klaren Perlen glitzernd und lachend spiegelt, dann überkommt den August eine wahrhaft königliche Laune; freudestrahlend wandelt er dann unter dem blauen Baldachin des Himmels dahin. Seine Prachtliebe hindert ihn aber nicht, auch für das Wohl des Volkes besorgt zu sein. Seine Devise lautet in dieser Hinsicht: « Dem Volke das tägliche Brot!», und so lässt er nicht allein das Getreide allenthalben ernten, sondern auch das « Brot des armen Mannes », die Kartoffeln, wie er auch schon die ersten gelben Maiskolben sorgfältig sammeln lässt, als wären es Goldbarren. Fülle, Kraft und Grosse, Schönheit und Pracht, danach trachtet der August, solange er regiert, und wenn ihm in der Glut der Augustsonne der helle Schweiss von der Stirne tropft und der ringsum ausgegossene Glanz fast sein eigenes lichtgewohntes Auge blendet, dann erfüllt ihn hoher Stolz auf den Besitz seines schier unüberwindlichen Reichtums. Freilich befällt ihn auch manchmal eine seltsame Angst, dass Macht und Pracht nicht mehr lange dauern dürften, und indem er dann erst recht in ihnen schwelgt, fördert er noch deren Niedergang. Siehe, in all dem heissen Sonnenglanz haben sich hier und dort an seinen Bäumen schon braune und gelbe Blätter gebildet... Schaudernd gewahrt dies der August und fühlt, dass etwas, früher oder später eine ihm bisher fremde Macht in sein Reich eingreifen und eine neue, veränderte Zeitepoche hervorrufen will. Mit Wehmut gewahrt er die ersten Anfänge des Zerfalls, von der Ahnung erfüllt, dass jede Pracht auf dieser Welt einmal der Zeit ihren Tribut zollen und ihr Ende finden muss, mag sie noch so stolz in der Sonne prangen. Und da nun auch schon die Tage immer kürzer geworden sind, beschleicht den August manchmal eine tiefe Trauer, dass er — der letzte Fürst des Sommers — keinen leiblichen Nachkommen hat, gleich jenem grossen römischen Kaiser seines Namens, der wohl eine Welt beherrscht, aber kein Kind hinterlassen hatte. So stirbt er dann einsam am letzten Tage seiner Regierungszeit, in stummer Trauer, dass all die Herrlichkeit so bald zu Ende gehen musste, weil seine grosse Freundin und Helferin, die Sonne, deren Liebe seine Macht genährt hatte, ihm nicht mehr so ergeben war, wie in den ersten Zeiten. Noch einmal schaut er der purpurn im Westen scheidenden Sonne nach — dann schliesst er seine königlichen Augen. Emil Hügli. Es gibt eine Reihe erregender Getränke, allerlei Medikamente und Kräftigungsmittel, die wirken wie Peitschenhiebe: Sie spornen an, ohne zu kräftigen. Es ist gefährlich, zo versuchen, mit solchen Mitteln die Leistungsfähigkeit zu beben, Ovomafrine dagegen enthalr in Konzentrierter, leich> verdaulicher Form die wertvollsten Nahrungsmittel. Ovö ist der richtige Hochleistungsnahrstoff, erhält uns gesund und widerstandsfähig« auch bei starker Beanspruchung, OVOMHLTINE stärkt auch Sie! Preise: Fr. 2,— die Buchse zu 250 gr^ Fr. 3.60 die Büchse zu 500 gr. Dr. A.WANDER A.-G., BERN

JJO 66 *-> Äutomobil-Revue 13 Die Stimme In dem kleinen Cafe, das sie Jeden Nachmittag für eine Stunde besuchte, hörte sie die Stimme zum erstenmal. Und jener Augenblick, da sie die Stimme vernahm, änderte ihr Leben von Grund auf. In dieses Cafe hatte sie ihre Freundin gebracht. Von draussen kam der vielfältige Lärm der Stadt hierher, Zeitungen raschelten, an manchen Tischen klirrte das Kaffeegeschirr leise. Es kamen wenig Menschen hin. Der Raum war daher nicht angefüllt vom Bienenlärm jener Massenlokale, die sie nur ungern besuchte. Man vernahm hier die Stimmen einzeln und konnte aus ihrer Farbe und ihrem Klang auf die Menschen schliessen, die hinter diesen Stimmen waren, irgendwo in der Dunkelheit. Die Freundin begleitete sie öfter hierher. Das Cafe lag nah ihrer gemeinsamen Wohnung. Man ging durch ein paar Parkanlagen und über die Brücke der Spree, um hinzugelangen. Nachdem sie ein paarmal zu zweit hier waren, kannte sie den .Weg bereits so genau, dass sie die Freundin nicht mehr in Anspruch nahm. Der freundliche Kellner sorgte dafür, dass ihr Platz am kleinen, runden Ecktischchen stets frei war. Und sie bewegte sich jetzt schon so sicher zwischen den Tischen, dass von den neuen Gästen, die sie zum ersten Male sahen, wohl niemand mehr merkte, dass sie blind war... Die Stimme hörte sie an einem Montag, als sie noch mit der Freundin hier war. Eine Männerstimme, die sie ungewöhnlich stärk fesselte und der sie noch gebannt nachlauschte, als säe schon lange verklungen war. Merkwürdig genug schien es ihr, dass die Stimme, wenn sie ihr nachsann, sie zergliederte und wieder in ihrem Herzen erklingen Hess, nicht eigentlich unter die schönen Stimmen gehörte. Sie war nicht weich und melodisch wie das Organ der Südländer, nicht hart und hell wie die Stimmen der Soldaten und auch nicht von jenem tiefen, vibrierenden Bass, der Frauenohren so verlockend klingen kann. Es war eigentlich eine farblose Stimme. Anscheinend hatten an einem entfernteren Tische zwei Herren Platz genommen, die vielleicht in einer Bureaupause hierher gekommen waren. Sie unterhielten sich über gleichgültige Dinge und sprachen wenig, mit langen Pausen. Ein gewöhnlicher Mensch hätte wohl nicht vernommen, was sie sagten, aber die Hellhörigkeit der Blinden ist gross. Es ist, als wolle die Natur hier einen Teil ihres Unrechts wieder gutmachen. Die Stimme sprach von ihr. Sie LA U j A N N E (Lac Leman) ; K; Lausanne-Paiace-Beau-Site Hotels TOUI CONFÖRT •Vuf'SÜPERBE.:'. EXCELIENTE CUISINE B A R - G RIL L - R O O M ä prix raisonnables r -„::v^;-. PARCPOUR AUTOS Von Alexander von Sacher-Masoch sagte: « Siehst du das Mädchen dort am Fenster. Sie ist ein Beispiel für das, was ich meinte. Sie ist sehr unvorteilhaft gekleidet und wirkt im ganzen mehr als einfach. Wenn du aber genauer hinsiehst, dann wirst du bemerken, dass sie ein schönes Mädchen ist; ihr Haar, ihre zart geschwungenen Brauen, das feine Naschen, ihre Lippen. Sie hat schöne, schlanke Hände, und ihre Figur ist gewiss tadellos. Und sieh, welch seltsame Augen sie hat... Man könnte eine kleine Prinzessin aus ihr machen.» Worauf der andere entgegnete: «Das alles zeigt nur, dass sie wenig Geschmack besitzt. » « Ich weiss nicht », sagte die Stimme nachdenklich, «ich weiss nicht, ob du recht hast,» Später hörte sie den Kellner etwas sagen. Er sprach mit den beiden Herren. Er sprach von ihr. Jetzt wusste der Mann mit der Stimme, dass sie blind war. Die Stimme ging verloren unter den vielen Stimmen der grossen Stadt. Sie kam täglich in das kleine Cafe, sie lauschte angestrengt, aber sie vernahm ihren Klang nie wieder. Sie wusste nicht, dass dieser Mensch, der alles für sie bedeutete, immer da war, um sie zu sehen. Doch er kam stets allein, also sprach er nicht. Vielleicht empfand sie irgendwie seine Gegenwart. Aber ihr Verstand sagte ihr immer wieder, dass er fern war, irgendwo unter den vielen Menschen, denn wie sollte er zu ihr gelangen können durch die grosse Nacht ihres Lebens. Ihre aber brachte die Stimme vieles Leid. Denn erst jetzt, als dieses Licht in ihr zu brennen begann, erkannte sie die schwere Last des Schattens. Denn erst jetzt wusste sie von ihrer unermesslichen Einsamkeit, die nicht zu messen war an der Einsamkeit der sehenden Menschen. Diese ihre Stimme verfolgte sie und raubte ihr das Gleichmass der Tage, den Frieden ihrer Arbeit — sie war Stickerin — und vergiftete ihr Leben. Eines Tages ging sie aus dem Cafe fort, und es wäF soviel Traurigkeit in ihren Schritten, in der Haltung ihres zarten, schlanken Körpers, dass der junge Arzt, der seit jenem Gespräch mit seinem Freund täglich ihretwegen hierher gekommen war, ohne den Mut zu finden, sich ihr zu nähern, ihr folgte. In den Anlagen hatte schon der Frühling sein junges Regiment begonnen. Die Erde atmete einen feuchten, herben Duft. AuE der Brücke blieb sie stehen. Unten schlugen kleine Wellen gegen die Betonpfeiler. In diesem Augenblick sprach er sie an. Er sagte: «Weshalb sind Sie so traurig? » Und als sie die Stimme hörte, veränderte sich ihr Gesicht mit einem Schlag, und sie lächelte in ihrem grossen Glück wie ein Kind, das man beschenkt hat. Es geschieht selten, dass ein blindes Mädel heiratet. Und darum ist dies eine seltene Geschichte. IHarguerite Schone Blume, darf auch ich dich fragen (dunkel ist der tiefre Sinn des Lebens): Soll ich glauben, dass ein Herz zu eigen mir, das herrlicher als alle andern, oder muss ich wissen, dass ein Irrtum, lieblich wohl, nur meine Stunden schönte, da ein jäher, unbedachter Anruf meine Seele lockt ans Licht der Liebe —? Ein Besuch in „Scotland Yard" Einem Bericht William C. White's im «Herald Tribüne Magazine» entnehmen wir einige mg interessante Ausführungen über das We 'esen der Londoner Kriminalpolizei. Red. Ungefähr zwanzigtausend Beamte unterstehen Scotland Yard. Die Mehrzahl, über neunzehntausend, Fut uniformiert Dienst in den zahlreichen Polizeistationen: Verkehrsregelung, Aufrechterhaltung der Ordnung, Revierpatrouillen usw. Mit dem Namen Scotland Yard meint der Laie meist die kleinere Abteilung der Detektive in Zivil, die eigentlich «C. I. D.» (Criminal Invesfigation Department) heisst, nicht ganz tausend Beamte umfasst und ausschliesslich die Ermittlung und Klärung von Verbrechen bearbeitet. Sie hat den Weltruhm von Scotland Yard begründet. Der erste Grundsatz ihres Systems lautet: Geschwindigkeit. Die Praxis hat bewiesen, dass in den ersten zwölf Stunden mehr zu ermitteln ist als in den folgenden zwölf Tagen. Im Oktober 1922 wurde ein Londoner, der sich mit seiner Frau auf dem Heimweg durch einsame,«nachtdunkle Strassen befand, plötzlich von hinten angegriffen und getötet. Die Frau konnte keine Angaben machen, und der Hauptkonstabler Wensley, der berühmteste Detektiv des Amtes, musste ohne jeden Anhaltspunkt mit seinen Nachforschungen beginnen. Aber er ging sofort ans Werk, schon um Mitternacht. Tags darauf gegen sechs Uhr abends hatte er einen Verdächtigen sistiert, am folgenden Morgen war er geständig. Die Lösung? Wensley hatte sofort durch Scharen von Detektiven alle Verwandten und Bekannten des Ehepaares ermitteln und ausforschen lassen. Einer von ihnen hatte die Frau des Ermordeten zufällig beobachtet, als sie sich mit einem Dritten ohne Wissen ihres Mannes traf. Und die Frau hatte auf die polizeiliche Aufforderung, ihre sämtlichen Bekannten zu nennen, ausgerechnet den Namen "dieses jungen Mannes" sorgfältig «vergessen». Daraus ergab sich eine Kette von Anhaltspunkten, die zu seiner Ueberführung ausreichten. Der Grundsatz grösster Geschwindigkeit in der Ermittlung hat die «Fliegende Abteilung» (Flying Squad) ins Leben gerufen; sie verfügt über eigene Autos, die beispielsweise auch als Lastwagen maskiert werden können und die durch Radio-Sender und Empfänger in steter Fühlung mit der Zentrale bleiben. Die sorgsame Beachtung auch unscheinbarster Kleinigkeiten ist die zweite Maxime. So fand man einen alten Mann tot auf; in seiner Mietskaserne stiess man unter anderm auf eine Petroleumlampe, die die Nachbarn vorher nicht bei dem Alten gesehen hatten. In dieser Lampe fand ein gründlicher Inspektor einen primitiven, selbstgemachten Docht, Gertrud Bürgi. zu dem ein Stückchen Stoff von einem Frauenkleid zusammengedreht war. Das > führte die Polizei nach gründlichem Suchen zu einem jungen Mädchen, das dieses Kleid trug, und durch sie fand man den Mörder. Ein anderer bemerkenswerter Bestandteil der Scorland-Yard-Methoden ist die Registratur, in der die Technik der verschiedenen Verbrechen in zahlreichen Variationen mit Hinweisen auf Verdächtige katalogisiert ist. Auch sonstige Faktoren erleichtern ein erfolgreiches Arbeiten. So der Umstand, dass Grossbritannien rings vom Meere umschlossen ist. In allen Häfen wird der Verkehr von Scotland- Yard-Beamten peinlich überwacht; sobald diese Hafendetektive alarmiert sind, ist es dem Rechtsbrecher praktisch fast unmöglich, aus dem Lande zu entkommen. Schliesslich hat es die Londoner Behörde mit einer Bevölkerung zu tun, die zum überwiegenden Teile aus Einheimischen besteht. Von den sieben Millionen Einwohnern Londons sind noch nicht 140,000 im Auslande geboren. Daraus ergibt sich einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Tätigkeit von Scotland Yard: das Verhalten des Durchschnittsbriren gegenüber Gesetz und Ordnung. «Die Einwohner sind die Verbündeten der Polizei,» sagte mir ein Londoner Detektiv. Zeitungsaufrufe wie «Scotland Yard sucht...., wer irgendeine Auskunft geben kann, wende sich an...», haben stets den Erfolg, dass Scotland Yard acht Tage lang alle Hände voll zu tun hat, um die einströmenden Auskünfte zu sichten und zu prüfen, tn einem solchen Falle — es handelte sich um eine Serie geheimnisvoller Räubereien — meldete sich auf die Presseauf rufe hin eine alte Zimmervermieterin am Telephon: «Ich möchte nur sagen, dass ich einen Zimmermieter habe, der den ganzen Nachmittag schläft. Möglicherweise tut er es, weil er nachts mit den Räubereien zu tun hat.» Und weil Scotland Yard keine Kleinigkeiten unbeachtet lässt, wurde durch diesen vagen Hinweis der Schuldige gefun 1 den. Weil die Polizei in England geachtet ist, kann sie sogar auf das Tragen von Schusswaffen verzichten. Und wirklich trägt kein Beamter der grossen Londoner Polizei, auch nicht der Detektiv des «C. I. D.», einen Revolver mit sich herum, so überraschend diese Tatsache auch den Ausländer anmutet. Nur bei der Festnahme eines Verbrechers, von dem man genau weiss, dass er bewaffnet ist, wird eine Schusswaffe mitgenommen. Aber solche Fälle sind Ausnahmen. Das hängt auch mit der britischen Strafjustiz zusammen: ein unbewaffnet erwischter Einbrecher erhält zwei Jahre Gefängnis, hat man aber eine Waffe bei ihm gefunden, so sind es — zwölf Jahre! Der zünftige englische Rechtsbrecher zieht es daher vor, für alle Fälle unbewaffnet zu gehen. (Deutsch von A. Kg.) Prachtvolle neue Panoramastrasse Urnäsch - Schwägalp. Neue Verbindungsstrasse auch ab Nesslau via Eietbad und den gewaltigen Kräzerenwald. Gelobte und billige Bahnhofbuffets in Schwägalp und auf dem Säntis. Eine Fahrt auf den Säntis ist ein Erlebnis. Beatenberg B. O. 1200 bis 1300 m ü. M. Hotels in allen Preislagen, Automobilzufahrtsstrassen von Interlaken. Grosser Parkplatz und Boxen in der Talbahnstation Beatenbucht Prospekte durch das Verkehrsbüro. Die Sonnenterrasse des Berner Oberlandes