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E_1936_Zeitung_Nr.067

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BERN, Dienstag, 18. August 1936 it Sonderbeilage z Grosser Preis der Schweiz Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N» 67 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Uniallversich.) Vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherungi vierteliährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal. ,,G»Ifc« Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 • Postcheck III414 - Telegramm-Adresse; Autorerue, Bern GesebSItsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grflssere Inserate nach Spezialtaril. Inseratanseblnsi 4 Tarne vor Enchelnen der Nummern Eine neue Aufosfrasse Luzern-Engelberg-Wassen Im nachstehenden geben wir ungern Lesern Kenntnis von einem neuen Autostrassenprogekt, zu dessen Ausarbeitung vornehmlich militärische Gesichtspunkte Anlass gegeben haben. Unserer Auffassung nach ist es unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen allerdings wenig zweckdienlich, das herrschende Wirrwarr an Alpenstraßsenund Tunnelprojekten durch Inbetrachtziehung weiterer Möglichkeiten noch unentwirrbarer zu gestalten. Solange ausserdem glücklicherweise nicht Kriegs- sondern Friedenszeiten die Regel bilden, geht es wohl auch nicht an, den schweizerischen Alpenstrassenbau ausschliesslich vom Standpunkt militärischer Erfordernisse zu betrachten. Lassen eich jedoch die militärischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkte eines Strassenneubaues in Uebereinstiminung bringen, dann allerdings betrachten •wir es als Pflicht, die zur Diskussion gestellten Strassenprojekte auf Vor- und Nachteile zu prüfen. Da diesem Engelberger Strassen- und Tunnelprojekt auch neue Ideen zugrunde liegen und es darüber hinaus in militärischer Hinsicht Vergleichsmöglichkeiten zur Susten- oder linksufrigen Vierwaldstätterseestrasse bietet, glauben wir, die Publikation der nachfolgenden Abhandlung, speziell mit Rücksicht auf die Landesverteidigung, als Diskussionsbeitrag zum Alpenstrassenthema dennoch verantworten zu können. Redaktion. Die sich in den Nachkriegsjahren stark verschlechterte, militärgeographische und in neuster Zeit" auch militärpolitische Lage der Schweiz und die fortwährend über Europa, lastenden Spannungen haben die hohe strategische'Bedeutung der schweizerischen Alpenpässe von neuem in den Mittelpunkt des Interesses gestellt. Nachdem unsere Nachbarn systematisch militärisch wichtige Strassen an die Schweizergrenze heranbauen, auch da, wo solche in wirtschaftlicher Hinsicht in keiner Weise begründet sind, wäre es geradezu Landesverrat, wenn neue Strassenbauten, die .militärisch nicht dringlich sind, ausgeführt, dafür aber militärisch dringliche Projekte aus lokalwirtschaftlichen Erwägungen heraus sabotiert würden. Wenn deshalb ein neues Strassenprojekt zur Diskussion gestellt wird, das in der Diskussion über den Alpenstrassenbau noch nirgends Berücksichtigung fand, so geschieht dies vom rein militärischen Standpunkt aus. Die vielen neuen propagierten Strassenprojekte hatten auf alle Fälle den Vorteil, dass sie immer auch einer eingehenden militärischen Diskussion riefen und dadurch eine willkommene Abklärung über- die militärisch wichtigsten und dringlichsten Projekte brachten. In letzter Zeit war wiederum die Rede über den Bau der Wallensee-, Panixer-, Pragel-, der lihksufrigen Vierwaldstättersee- und vor allem auch der Sustenstrasse. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfen in Uebereinstimmung mit den meisten militärischen Instanzen Panixer- und Sustenstrasse als die zur Zeit dringlichsten militärischen Bauten bezeichnet werden. Major Brunner hat kürzlich in überzeugender Weise in der « N. Z. Z. » die Notwendigkeit der Panixerstrasse dargetan. Sie allein kann- uns den Aufmarsch nach Graubünden im Kriegsfalle garantieren. Ist aber einmal dieser Strang gelegt, dann verliert das Wallenseeprojekt an militärischer Bedeutung und hat vorerst vor wichtigeren anderen Verbindungen zurückzutreten. Die militärische Bedeutung der Pragelpaßstrasse ist keineswegs zu unterschätzen. Sie ist aber deshalb nicht so dringlich, weil wir ja in diesem Räume in der Klausenstrasse bereits eine leistungsfähige Querverbindung besitzen. Die linksufrige Vierwaldstätterseestrasse würde eine ausgezeichnete und wertvolle Querverbindung vom Klausenpass zur Brünigroute liefern. Auch würde durch diese Kommunikation die Gotthardroute in dem militärisch besonders unangenehmen Teilstück der Axenstrasse ganz wesentlich entlastet. Der ganze Gotthardverkehr von Luzern aus könnte dann dem linken Seeufer entlang geleitet werden. Die militärische Bedeutung der Sustenstrasse für den Gotthard und als Querverbindung ist wiederum so bedeutend, dass sie neben der Panixerstrasse als dringlichstes Projekt bezeichnet werden darf. *) Ist aber einmal die Sustenstrasse erstellt, dann eröffnet sich eine Möglichkeit, die militärisch ohne Zweifel hochbedeutsam ist und den Bau dieser Querverbindung noch dringlicher als bisher erscheinen lässt. Wir stehen dann nämlich vor der Tatsache, dass wir von Luzern nach Engelberg eine ausgezeichnete Autostrasse besitzen (die allerdings auf dem Gebiete des Kantons Nidwaiden noch sehr zu wünschen übrig lässt. Red.) und dass der Anschluss von Engelberg an die Sustenstrasse mit einem Tunnel von zirka 4 km Länge und zirka 5 km Strassenbau hergestellt werden könnte. *) Vergl. dazu Major Schoch in der schweizer. 'Monatsschrift für Offiziere aller Waffen, 41. Jahrgang, Heft 1, Januar 1929. Von allen Seiten ist anlässlich der Auseinandersetzungen über die Geschäftspraktiken der eidgenössischen Alkoholverwaltung immer wieder mit Entrüstung auf die durch diesen iMonopolbetrieb getätigten Alkoholimporte hingewiesen worden. Mit den unmöglichsten Argumenten versuchte der eidgenössische Alkoholdirektor den gläubigen und vor allem den an Zahl stets zunehmenden, dies Geschäftsgebaren verurteilenden, d. h. ungläubigen Schweizerbürgern die Einfuhr ausländischer Schnapsquantitäten als unbedingtes Erfordernis zu rechtfertigen. Einmal musste das sonderbare Geschmäcklein, das dem eidgenössischen Bundesforanntwein anhaften soll, das nächste üaä das Unvermögen, im Lande chemischer Pionierarbeit hinreichend reinen Industriesprit herzustellen, und das dritte Mail die Minderqualität der zu übernehmenden inländischen Alkoholmengen zur Erklärung dieser Verschleuderung guter Schweizerfranken zum Zwecke ausländischen Wir berichten heute über: Dreifacher Auto-Union-Sieg an der Coppa Acerbo. Nennliste zum Grossen Preis der Schweiz. Internat. Alpenfahrt 5 Minuten Fahrschule. Was muss ein Rennreifen aushalten? Die militärischen Vorteile einer relativ so leicht zu erreichenden Verbindung sind gross: 1. Es würde dadurch zur bisherigen Gotthardroute von Luzern über Ehgelberg bis Wassen eine Parallelstrasse geschaffen, die eine linksufrige Vierwaldstätterseestrasse überflüssig macht. Denn die Strasse über Engelberg würde die Gotthardroute nicht nur von Luzern bis Altdorf, sondern bis Wassen entlasten und auch dadurch für die Querverbindung Klausen-Sustenpass Luft schaffen. (Forfsetzi/ha Seit« 2.) Noch immer strömt Alkohol in der Schweiz! Spritankaufes herhalten. Man schätzte diese und ähnliche Märchen als ausreichend, um dem Volke, das diese Misswirtschaft zu berappen hat, Sand in die Augen zu streuen.. Nur von einer Tatsache wurde an keiner Versammlung gesprochen, stand auch in den vom Alkoholgewaltigen via Mittelpresse lancierten Artikeln nichts zu lesen: dass nämlich der 7—8 Mal unter den Inlandsansätzen erworbene ausländische Alkohol die einzige Möglichkeit darstellt, um das an und für sich schon jammervolle Budget dieser Monopolverwaltung nicht noch erbärmlicher ausfallen zu lassen. Im. Kampf gegen den Beimischungszwang haben wir je und je auf die grossen, ja unüberbrückbaren Widersprüche hingewiesen,, welche zwischen den von der Alkoholverwaltung vertretenen und von ihren Mitläufern verbreiteten Theorien und den tatsächlichen, praktischen «Erfolgen» bestehen. Jedenfalls scheint man an der Spitze dieses landwirt- Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 3. Fortsetzung. Mitten an einer Lachtriole verstummte der Brief. Vielleicht hatte Konstantin eine Uebercaschung vorbereitet? Etwas ganz Wundervolles, das er nicht für sich behalten, sondern Irgend jemand erzählen wollte? So konnte es «ein, so musste es sein! «Jetzt sind wir gleich beim Reisebüro, gnä- Jdiges Fräulein.» Und dann? dachte Lukas. Cook & Son. Die Buchstaben wuchsen, kamen näher, ganz nah. COOK & SON. Und dann? Ganz einfach: Shakehands, Verbeugung, Adieu.. wahrscheinlich würde man diese Dame Sybil nie mehr wiedersehen. Sie kaufte ein Billet und verreiste in die Welt. Aber die Tür war versperrt. Sybil rüttelte an der Klinke. *Ist es schon so spät? Es muss doch jemand hier sein? Der Geschäftsteiter, oder ein Beamter — irgend ein Tippmädchen muss doch noch hier sein!» Grünlich-mattes Licht strömte aus dem leeren Büro. Die Klinke tanzte. «Ich will nach Zürich fahreni» rief Sybil verzweifelt. Sie trommelte an die Tür, mit ihrer kleinen Handschuhfaust schlug sie auf das harte Holz. «Ich will ein Ticket nach Zürich!» «Es ist halb sieben. Aber Sie können ja auf dem Bahnhof die Karte kaufen. . .» Sybil Hess langsam die Hand sinken. Die Finger brannten. «Ein böses Omen!» flüsterte sie. Sie konnte nicht atmen, die Worte zerbrachen ihr im Mund. «'Nicht wahr, ein böses Omen?» Lukas lief neben ihr her, was für ein Tempo, wohin wollte sie denn? Er war keine Kinderfrau! Madame beliebte, seine Existenz zu vergessen. Schliesslich hatte man wichtigere Dinge zu tun, als vor einem bösen Omen zu flüchten. Toni anrufen, Baurat Wagner besuchen ... Und schon halb sieben! Höchste Zeit! Sybil fegte um eine Ecke. Aber plötzlich blieb sie stehen und fragte sehr vernünftig: «Sie bauen ein Haus?» *Ja.» Lukas neigte sich beglückt vor. Ein bisschen Parfümduft wehte ihm entgegen, roch nach Jugend und süsser Spezerei. «Dann sind Sie also Baumeister?» «So etwas Aehnliches. Architekt.» Sybil wandte sich ab, drehte sich zu dem Schaufenster, vor dem sie standen. Büromaterialien: Rechenmaschinen, Kartothekmappen, Registraturen, Schreibtischlampen. Sehr aufmerksam betrachtete sie alles, Stück für Stück, die Stirn an das kühle Glas gelehnt. «Und fürchten sich nicht? Ich meine : haben Sie keine Angst, dass eines Tages alle Mauern einfallen?» Lukas vergass seinen Aerger, seinen Aufruhr, die wichtigen Telephonanrufe. Er vergass, dass er sich einen Maulesel und Sybil holde Mondsüchtige genannt. Er brachte die Zähne endlich auseinander und konnte sprechen: «Dort drüben ist ein Kaffeehaus. Wollen Sie sich nicht ein bisschen ausruhen? In einem bequemen Sessel sitzen, eine Zigarette rauchen. Und Limonade trinken — ja? Gute, eiskalte Limonade... > Sybil hob die Augen und sah zum erstenmal sein Gesicht. Wann hatte der Himmel seine Farbe gewechselt? War dies klare Türkis schon lange hingewelkt? Die goldenen Herzen der Laternen schimmerten jetzt stärker auf, gesammelter. Lichtketten spannten sich durchs Abendblau. Die Autos glitten über den grossen Platz, knapp an der Brüstung des Cafehauses vorbei. Winzige Tischchen, Korbsessel mit bunter Menschenlast. Das Cafehaus summte und klirrte, roch nach Früchten, nach Tabak, nach Abend. Lukas hatte sich zu Sybil hinübergebeugt. Nichts war zwischen ihnen als ein bisschen laue Luft. Er sprach, — langsam, suchend, aber mit sehr natürlicher Stimme. Ja, Zement war etwas Schreckliches, Zement erstickt einen. So nach und nach; zuerst merkt man es gar nicht... Aber schliesslich hatte Häuserbäuen auch sein Gutes. Man schafft etwas Neues und weiss, es wird dauern, fünfzig, hundert Jahre und noch länger... Eigentlich konnte er mit seinem Leben zufrieden sein. Häuserbauen war richtiges gutes Männerhandwerk. «Ja», sagte Sybil, und die Rathausuhr wiederholte achtmal «Ja ja ». Tiefer Glockenruf durch Lärm und Schwüle. ' Das Haus, das jetzt entstand — es war ein