Aufrufe
vor 6 Monaten

E_1936_Zeitung_Nr.071

E_1936_Zeitung_Nr.071

Indien braucht Bombay,

Indien braucht Bombay, im August 1936. Britisch-Indien ist ebenso gross wie Europa ohne europäisch Russland. Wenn die Schweiz im Vergleich zur Fläche Indiens gleichviel oder gleichwertig (!) Strossen mit einigermassen fester Oberfläche wie dies Land besässe, würde sie über 1000 (tausend) Kilometer Strassenlänge verfügen I Das zeigt, wie sehr Indien Strossen benötigt, zeigt aber auch, wje gewaltig sich dieser Kontinent ausdehnt. Ausser den einigermassen bearbeiteten Strossen gibt es 360,000 Kilometer Pisten — also Wäge, auf Mutter Erde aufgefurcht. Und der Automobilist? Hohe Verkehrssteuern auf Automobilen haben Zur Folge, dass die Stadtbewohner recht oft Kleinwagen wählen, wie sie England in grosser Auswahl bietet. Auch Opel und D.K.W, finden nun Eingang. Für Ueberlandfahrten jedoch wählt man immer noch die grossen Wagen. Einen durchgebildeten Service im ganzen Land besitzt vorderhand nur Ford. Indien hat vor einiger Zeit einen «Central Road Fund» geschaffen, der dem Bau grosser Ueberlandrouten dient. Stehen infolge der Krise die Strassenbauten von Dorf zu Dorf still, so hilft der «Fund» wenigstens, die grossen Strassenanlagen noch weiter zu fördern. Die Provinzregierungen und lokalen Behörden haben ihre Beiträge an die Strassenbauten oft eingestellt, weil ihnen das Geld dazu fehlt. Die riesigen Summen, die durch Zölle auf Autos und Zubehör, durch Verkehrssteuern und Benzintaxen eingehen, kommen dem Automobilisten nur in geringem Mass wieder zugute. Innerhalb weniger Jahre ist die Benzintaxe von sechs auf fünfzehn Rappen pro Liter gestiegen. In Bombay kostet heute der Liter Benzin 23 bis 25 Rappen, währenddem im Innern der Preis bis aufs doppelte ansteigt,. Indien besitzt in Burma eigene Oelquellen, "die Im Jahre 1934 \% Milliarden Liter Erdöl lieferten. Damit beteiligt sich Indien mit nur rund einem Prozent an der Weltausbeute von 150 Millionen Tonnen. Russisches und amerikanisches Oel konkurrenzieren das indische erfolgreich in seiner eigenen Domäne — etwa so wie das rumänische Benzin das irakische im Irak selbst unterbietet. Der Elefant auf der Betonstrasse. In indischen Zeitungen sah ich oft ein Inserat, das eine Betonstrasse zeigt, auf der ein Elefant einhertrampelt. Damit will man dem Indier plau- Von Hans O. Leuenberger. Strassen sibel machen, wieviel Beton aushalten kann. Es gibt aber genügend Teer im Land, um die Strossen zu teeren. Tatsächlich scheint man in Indien der Ansicht zu sein, dass sich geteerte Strossen im Unterhalt am billigsten stellen. Heute schon ziehen sich solche Strossen durch die Urwälder'Malabars Wenige Meter vom Rand entfernt wildert tiefster Dschungel, in den selten ein Mensch seinen Fuss setzt. Schlangen sonnen sich stellenweise auf diesem heissen Asphalt, um zischend in die Büsche zu fahren, wenn ein Auto daherbraust. Dass die Bauern und Bäuerinnen lieber auf der glatten Strassenfläche bleiben als auf; den durchweichten Straßenrändern zu gehen,, das. kann man ihnen nicht verübeln. Warum aber die Hunde, Ziegen, Rinder, Büffel, Hühner und kleine Kinder auf dem Asphalt herumliegen müssen, geht unseren Begriffen schon weniger ein. Gestern wollte ich mir die Sympathien der Hindus erwerben, indem ich vor einem winzigen Hund von zehn Zentimeter Rückenhöhe anhielt, statt um ihn herumzufahren. Das Biest erhob sich erst ganz langsam auf die Vorderbeine, denn es wäre eine z^grosse Kraftvergeudung, im feuchtheissen Monsun sich mit. einem Ruck aufzurappeln, worauf es mich mit einem ungemein verächtlichen Blick mass und ausgesprochen langsam zur Seite hoppelte., Wie ich durch war, sah ich rückwärtsblickena, wie behend sich das Hündchen zu bewegen verstand! Seit diesem Ereignis hupe ich nun auch heilige Rinder weg... . Bombay lärmfrei? . Wenn man von Bagdad kommt,, herrscht in Bombay Grabesstille. In Bagdad besteht zum Beispiel ein Fahrrad aus vier Signalglocken und zwei Signalhörnern. Der Rest ist weniger wichtig. Ich sah Araber, die es verstanden, gleichzeitig mit den Händen die vier Glocken zu bedienen, mit den Ellbogen zu hupen und mit den Knien eine, Hupe in «Betrieb zu setzen». Ueberdies haben nun alle Araber mit ihren neuesten Stromlinienwagen Dreiklanghörner erhalten. Niemals werden sie sich davon trennen. Es gäbe eine Revolution, wenn man sie.Jhrer berauben wollte. Bombay ist also «lärmtechnisch» ein Grab im Vergleich zu Bagdad. Aber in Bagdad diskutiert man heute wütend das* Problem des lärmfreien Verkehrs. Ich traf:,bisber keine Stadt, in der die Fussgänger so oft zurückgehen, wenn sich ein Auto nähert. Denn in seirjempassiven Wesen gibt der Hindu'leicht nach ^uiid das tut er auch auf der Strasse. Deshalb rfi'uSs man immer bremsen, bis der Fussgänger.iOer schon, fast ganz-auf «der andern* Seite'gelaRfilet AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, i.-SEPTEMBER 1936 — N° 71 Sftiuassen Autostrassen in Belgien. Trotz des beträchtlichen Kraftwagenverkehrs besitzt Belgien bisher keine Nur-Autostrassen. Nunmehr soll der Bau der ersten Autosträsse in Angriff genommen werden, die Brüssel mit der Küste verbinden wird. Die Strasse soll zwei Bahnen von je 7 Meter Breite erhalten, die durch einen Grünstreifen getrennt sind. Als erster Abschnitt wird die Strecke Gent- Brügge gebaut' werden. Mit der neuen Autostrasse Brüssel-Ostende würde ein Teilabschnitt der Verbindung hergestellt werden, die yon London durch Deutschland über den Balkan nach Istanbul führen wird. Aus Anlass des bevorstehenden Beginns dieses Strassenbaues ist. das am 1. August in Dienst gestellte belgische Autotransportschiff für den Ostende-Dover-Verkehr auf den Namen «London-Istanbul» getauft worden. Zürcher Strassenfragen. Mit dem Ausbau der rechtsufrigen Seestrasse soll es wieder einen Ruck weiter gehen, indem das Teilßtück vom Bahnübergang Tiefenbrunnen bis zum Kasino Zollikon, dessen Fahrbahn sehr schmal ist, und das beidseitige Trottoirs erhalten sollte, in Angriff genommen wird. Damit ißt dann das letzte Teilstück der untern, rechten Zürichseestrasse ausgebaut. Die Stadtbehörden haben einem schon lange geltend gemachten Begehren für vermehrte Parkplätze in der Weise Folge gegeben, dass das unbebaute Areal, zwischen der Werdmühlestrasse und Beatengasse neben dem neuen Amtshaus 5 für einen neuen Parkplatz zurecht gemacht wurde und nun demnächst freigegeben werden seil. Folge gegeben wurde auch einem Vorschlag der Seition Zürich des AGS, beim bevorstehenden- Umbau des Eecher-Wyss-Platzes von der Erstellung einer neuen Tankstätion zwischen Zoellystrasse und Sihkruai abzusehen. Einmal- besteht dort ein Bedürfnis für eine solche Tankstation gar nicht, indem sich an der benachbarten Hardturmstrasse bereits einige solche Servicestationen befinden und dann bedeutet' das Ein- und Ausfahren von einer solchen Anlage an einem vielbefahrenen Platz wie dies der Escher-Wyse-Platz ist, stets eine gewisse ist, glücklich wieder kehrt macht und zurückkrebst. Da Tob ich mir die Araber in Bagdad; Die vollführen eine Art 'Lüftsprung vorwärts, wenn sich ein Auto zu rasch nähert, weil sie eben aktivere Leute sind... ' Uebrigens neigen nicht wenige Automobilisten fn Bombay zu der Ansicht, dass das Publikum durch überhitzte Kühler erzogen werden könne. Das geht so, man fährt von hinten ganz nahe an die Leute heran, die meist nur mit einem dünnen, weissen Tuch bekleidet sind. Und die Wirkung bleibt nicht aus, denn die Kühlerhitze dringt auch auf Distanz durch dies Tuch.-. Andere wieder schwören auf das Hupen,, worin sie das alleinseligmachende Mittel zur Erziehung eines reibungslosen Verkehrs erblicken. Auch hier schleicht man sich auf leisen Sohlen an das «Opfer» heran und entlockt dann der Hupe einen einzigen gellenden Aufschrei. «A spectacular show» nennt das der Engländer. Man kann nichts dagegen machen, die Inder Bombays lieben einfach den Asphalt. Warum den Bürgersteig benützen, wo man doch auf der Strosse so viel Platz hatl Denn Indien ist das Land der Meditation. Und zu «meditieren» scheinen hier alle Leute — besonders auf der Autostrasse. Ich hatte immer das Gefühl, sie ersf durch Signalgeben in die Gegenwart zurückrufen zu müssen. (Fortsetzung folgt.) Gefährdung des Durchgangsverkehrs. Man •wird dem Bauamt I dafür dankbar sein dürfen, dass es diesen Schönheitsfehler am neuen Projekt noch rechtzeitig ausgemerzt hat. Im Zusammenhang mit den Parkierunsssorst«^ der Limmatmetropole drängt sich immer mehr die Umgestaltung des Bellevue-Platzes in den Vordergrund.. Dass dieser Umbau auf die Landesausstellung hin kommen muss. ist klar, eine frühere Ausführung aber äueserst wünschenswert. Denn nicht nur ist die heutige Benützung des Platzes eine wenig befriedigende (Lunapark, Zirkus etc.), sondern auch die Parkierungsfrage verlangt, bedingt durch die verschiedenen Vergnügungestätten und das Parkverbot an der untern Rämistrasse, dringend nach Abhilfe. Mit dem Umbau des Bellevueplatzes dürfte dann auf die Landesausstellung hin die Verbreiterung der Quaibrücke wieder aktuell werden. Denn durch die Verteilung der Ausstellung auf die beiden Seeufer wird die Quaibrücke eine sehr starke Belastung durch den Strassenbahn-, Automobil- und Fussgängerverkehr erhalten, zumalen eine Verkehrsteilung auf Quai- und Münsterbrücke wegen der ausserordentlich schlechten Verkehrsverhältnisse beim Helmhaus nicht möglich sein dürfte. Die Verbreiterung der Quaibrücke, die bereits vor wenigen Jahren anlässlich der auszuführenden Verstärkungsarbeiten geprüft wurde, damals aus finanziellen Gründen aber unberücksichtigt blieb, -wird auch durch die Neugestaltung, der Uferanlagen am Bürkliplatz wieder in den Vordergrund gestellt werden. Was übrigens der Stadt Luzern dieses Jahr möglich war, sollte auch in Gross-Zürich trote finanzieller Bedenken durchführbar sein. V Monstre-Autoverkehr. Der neue Merser-Tannel, der den Vorort Birkenhead mit Liverpool verbindet, hatte schon im ersten Jahr der Inbetriebnahme einen Rekordverkehr zu bewältigen, der sich nu. in dem am 17. Juli 1S36 zu Ende gegangenen, zweiten Betriebsjahr noch um 343,520 Fahrzeug« und 100,682 Personen erhöht hat Die Frequenzziffern pro 1935/36 betrugen nicht weniger als 3,245,882 Fahrzeuge und 3,746,442 Personen oder rund 9000 Fahrzeuge und über 10,000 Personen pro Tag. In den ersten Monaten d#s laufenden Jahres hat sich dieser unterirdische Strassenverkehr derart entwickelt, dass die Verkehrskontrollorgane "der Liverpooler Polizeibehörden für das Betriebsjahr 1936/37 eine Frequenz von mindestens 4,000,000 Fahrzeugen heute schon, voraussagen. V Sehr komplettes Lager zu neu herabgesetzten General-Motors-Preisen in ACCUMULATEUR leclanche Yverdon Keine Originalzeugnisse beilegen, wenn Sie auf Chiffre-Inserate Offerten einreichen. Wir können keine Gewähr für deren Wiedererlangung übernehmen und müssen die Adressen derlnseraten- Aufgeber unter allen Umständen geheimhalten. Ausscliliesslich Abschriften einreichen! M. ESCHLER • Zürich 39764 • Solothurn23042 • Neuchätel 53367 Zu verkaufen BUICK CABRIOLET 6 Zyl., 4/5 Plätze, ^in .gutem Zustand, - sehr -• billig. ganz durchrevidiert, neues 10,8 PS, 4 Zylinder, Motor J. Schwarz, Socinstr ; 7, Lederpolster, Brückli dazu,' billigst. 73451 Basel: Tel. 21.122. " 440 Jak. Heusser, Hafnermeister, Töss-Winterthur, Zürcherstrasse 144. Grand Sport Alfa Romeo 8 Zyl. Kompressor in wie neuem Zustand, garantiert 180 km, kontroll- und abnahmebereit, mit Garantie äusserst günstig. H. Kessler, Zürich 7, Minervastrasse 28. Telephon 28.122, ausser Geschäftszeit 49.768. Offizielle Distributoren für die ganze Schweiz von Ersatzteilen für General-Motors-Wagen Zu verkaufen Lancia 5-PIätzer Zu verkaufen umständehalber 73464 CHRYSLER- PLYMOUTH Modell' 1.934, 4türig. Karl Enz, Garage, Glarus. Telephon 770. MERCEDES CABRIOLET 1932 in neuwertigem Zustand, zu Fr. 2900.— abzugeben. Offerten unter Chiffre 15592 an die 11911 Automobil-Revue. Bern. Preiswerte Fiat-Occasionswagen (und andere Marken) z. T. revidiert, kaufen Sie am besten bei der FIAT Automobil - Handels A.-G. Verkaufsstelle Zürich - Wiesenstr. 7—9 - Tel. 44.741 - - Auszug aus der Stock-liste: Type Zyl. PS PL Jahrg. Prell "FIAT*508, Innenlenker 4 5 4 1933 1700.— FIAT 514, Cabriolet 4 7 4 1931 1400,-* FIAT 518 C, Innenlenker 4 10 4/5 1934 2800.— FIAT 1500, Innenlenker 6 8 4/5 1935 4200.— FIAT 522 C, Innenlenker 6 13 4/5 1931 1700.— FIAT 522 L, Innenlenker 6 13 6/7 1932 2800.— FIAT 522 S, Innenlenker 6 13 4/5 1933 3000.— FIAT 503, Torpedo ta. Brücke 4 7 2/4 1927 600.— FIAT 503, Fourgon 4 7 2 1928 700.— NASH, Innenlenker 6 15 4 1928 450.— NASH, Innenlenker 6 18 4/5 1929 800.— CHEVROLET, Innen!.m.H'türe 6 15 4 1930 700.— DODGE, Innenlenker WHIPPET, Innenlenker NASH, Innenlenker MERCEDES, Innenlenker 6 13 4/5 1930 700.— 4 12 4/5 1930 450.— 8 19 4/5 1932 1500.— 6 9 4/5 1933 2500.— Auf- Wunsch unverbindliche Vorführung. — Pöstwendende Auskunft eventuell Umtausch.

W 71 « DIENSTAG. T. SEPTEMBER 1938 AUTOMOBIL-REVUE . - 7 E U I L L E T O N Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 6. Fortsetzung. Aber nein! Dann begann ja erst die Unordnung... Konstantin fing an, von unglücklichen Bhen und tödlichem Zwang zu sprechen. ,Qut, das sind Tatsachen, sogar betrübende -Tatsachen — aber ich verstand nicht recht, warum er gerade in unserer Situation solche Themen erörterte. Jedenfalls war es nicht, sehr taktvoll. Und noch dazu passte es gar nicht auf uns : wir hatten uns doch lieb. Konstantin wehrte sich also gegen unsere heirat. Es gibt Männer, die ihre Bequemlichkeit' nicht durch eine Frau stören lassen wollen. Und andere, die keine andere Leidenschaft haben als Freiheit. Aber für Konstantin: kam r das-alles nicht in Betracht. Er hatte einfach theoretische Bedenken. Dass er seit Sechs Wochen die ganze Theorie vergessen hat, dass sie unwichtig geworden ist, und wir jetzt doch heiraten... ^Grosses Rätsel..,>, sagte SybiL «Ich fürchte den Tag, an dem ich es lösen muss! » r Eine Weile blickte sie in den Nachthimmel. Dann sagte sie : J.,« Ich werde trotzdem sehr glücklich sein! Icjv bin fest entschlossen, glücklich zu sein, deinn ich hab es mir verdient. In der schlimmsten Zeit dachte ich einmal,'dies ganze Fremdbleiben käme nur daher, weil ich nichts von Konstantins Beruf verstehe. Er lachte mich au?,* aber ich fing trotzdem an, zu lernen. Auf meinem Schreibtisch waren ganze Stapj^l Bücher, Meine Freundinnen wollten nicht zurückbleiben, sie legten Keanes ,Ethymology\ ,Die Reise nach Lhassa' auf ihre Tische und fanden, ich wäre sehr chic. Aber ich war gar nicht ,chic', ich habe alle Bücher durchstudiert. Und jede Zeile sofort vergesc en. Ich weis? nicht, wieso das kam. ich atte doch grosses Interesse, aber... Bitte, geben Sie mir eine Zigarette ! » • Sybil atmete hastig den Rauch ein und erhärte : r< Ich habe heute noch immer keine Ahnung von diesen Dingen. Es tut mir bitter leid— aber ich kann nichts dafür. Häuserbaüen ist mir viel, viel klarer! Ich verstehe sjcher mehr von einem Wolkenkratzer als von den Kulturparallelen zwischen Osterinsel ind^Sudari'.vZ > - '•••>• •••'" • = - -" -"•'•••• '• ' Die Stimme brach ab, jäh, als wäre sie in einen Abgrund gefallen. Erst nach ein paar Sekunden sprach Sybil weiter: « Architektur oder jeder andere Beruf... Sie verstehen: jeder beliebige Beruf scheint mir eben leichter fassbar als Naturhistorie! » Sie richtete sich auf und sah Lukas an. Ihre Augen schimmerten kalt und drohend. « Nun...», murmelte Lukas, aber er brachte den Satz nicht zu Ende. Er sass da, geduckt wie ein Schuljunge, der die Prüfung nicht bestanden hatte. Er fuhr sich verlegen mit der Hand übers Haar — eine starke, gutgefügte Hand, starkes, dunkles Haar, das an den Schläfen grau schimmerte. Jahrzehntelang hatte das Leben dies Gesicht zurechtgehämmert, einen kühnen starken Männerschädel geformt. Aber jetzt verschwammen die harten Winkel und Linien, lösten sich und machten Platz. Ein trotziges, verletztes Kindergesicht stieg auf, mit zusammengebissenen Lippen und wehrlosen Augen. «Zanken Sie mich lieber aus!» sagte Sybil. «War ich gereizt? Hab ich Sie gekränkt? » Sie lächelte und zeigte ihre blanken, feuchten Zähne. « Ich glaube, es ist mein Schicksal, andere Menschen zu kränken und mir dann meine Sünden verzeihen zu lassen 1 » Das war gelogen, denn Sybil verzieh sich ihre Sünden immer selbst. Die Absolution des anderen war angenehme, aber unwichtige Beigabe. Aber jetzt fügte sie ernst hinzu : « Ja, so ist es !» und war beinahe davon überzeugt. Lukas äusserte ein halbes Dutzend törichter Höflichkeiten. Sybil hörte freundlich zu, aber dann sagte sie heftig: « Wenn es wenigstens grosse Sünden wären — nicht immer diese kleinen, fahrplanmässigen Vergehen! » «Fahrplanmässig...», wiederholte sie ein paarmal. Das Wort schien ihr zu gefallen. « 0 Gott, der Fahrplan kann einen .Menschen zugrunde richten! Diese Verschwörung von geraden Schienensträngen und unerbittlichen Minuten! Von A nach B sind es 860 Kilometer, um 3 Uhr 40 fährt man ab von A, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 Kilometer die Stunde, und erreicht B zur vorgeschriebenen Zeit... Rechts und links vom Fahrplan ist die Welt ausgebreitet, unbegrenzt und herrlich, aber man darf es nicht beachten. Man hat von A nach B zu reisen...» • • ! - ' -•• < ^ Sie warf den Kopf zurück, kindlich-triumphierende Geste : ( ...ich habe immer versucht, auf einer anderen Station auszusteigen! Geht es Ihnen auch so ?...» «Nein. Aber ich kann verstehen, dass Sie...» Lukas, der sein Leben mit Arbeit ausgemessen und mit Pflicht begrenzt hatte, der beglückt war, seine Zukunft vor sich zu sehen wie eine schnurgerade Landstrasse mit Meilensteinen, Kilometerzahlen und einem Ziel — für Sybil begann er zu träumen! Keine Landstrassen für Sybrl, keine Schienenstränge ! Die Unendlichkeit der Wälder für sie, Ebenen, die sich erst am Horizont verlieren. Keinen Fahrplan, der knarrend die Minuten ausschreit — das Schweigen der Prärie für Sybil! Ach, dass man seine Hand nicht auf alles Grosse und Berauschende dieser Erde legen konnte und zupacken und rufen : Für Sybil! Viertes Kapitel. Um zehn Uhr fuhren zwei Automobile bei der Schlösslrampe vor, ein blitzend neuer Mercedes und ein klappriges Taxi. Es war eine heitere Gesellschaft, Gelächter schwirrte, alles schwatzte durcheinander. Breitrandige Hüte wippten, zarte Schuhe tasteten sich vom Wagentrittbrett zum Kiesweg hinunter. c Vorsicht, Lilli! Hier ist eine Stufe ! » « Und wo ist Tibor ? Tibor ! » « Hier bin ich », sagte Tibor und fuhr sich mit dem Taschentuch über die Stirn. «Gott verdamm mich, ich hab diesen Sommer satt!» Im Saal klirrte die Jazzband auf, durch die offene Tür sah man die Musiker, ihre grellen Uniformen. « Wir werden tanzen ! » rief Baby. Sie riss begeistert den Hut herunter und schüttelte sich, dass ihr die Locken in die Stirn flogen. « Tanzen und trinken ! Es ist göttlich ! » « Zum Ersticken ist es », zischte ihr Mann. «In einem geschlossenen Saal tanzen ! Warum nicht gleich die Nacht in einem Backofen zubringen ? » «Wenn du geruhen würdest hinzusehen, könntest du bemerken, dass alle Fenster offen sind! > < Ach was — Fenster. Wir hätten an die Donau fahren sollen und baden. Aber wenn ich etwas vorschlage...» jDiese Kinder, sie tranken nicht mehr aus einem GlSs^wie vor zwei Jahren im Tabarin. Sie flüsterten nicht mehr, sondern zankten laut vor allen Leuten. - « Ruhe, Baby ! Ruhe, Paul. Relsst sie auseinander ! » « Benehmt euch, bitte >, kommandierte ;Catherina. «Paul, Sie kommen, zu mir. »• Sie ging eilig Voran, ihr helles Spitzencape flatterte wie ein Segel. Baby beschloss den Zug, von Tibor" und dem Rechtsanwalt Tony geleitet, zorniges Tigerweibchen zwischen höflichen Dompteuren. * «... und Lilli, diese Komödiantin! Glaubt ihr, ich hab nicht bemerkt, dass sie Paul die ganze Zeit Augen macht ? Letztens hat er sie im CafShaus getroffen. Zufällig... Was für ein Paragraph ist das, Tony ? > « Es kann ein Fünfhundertfünfundzwanziger sein. Ehestörung », sagte Tony automatisch. Tibor trabte nebenher und pfiff leise den Blues mit: Madeleine. « Deine roten Lippen will ich küssen, Madeleine...» Jedes, Madeleine' dichtete er in ,SybU' um. « Dich umarmen, eh wir scheiden müssen...» Blind und melancholisch stieg er die Treppe zur Balustrade hinauf, in den Saal. « Baby, was ist mit Sybil ? » «Ich weiss nicht. Ist sie nicht schon in Zürich ? Tony, bitte, was versteht man eigentlich unter Ehestörung ? » Tibor seufzte und betrachtete sein schmales Gesicht in dem Kristallspiegel. Frisur, Krawatte — alles in Ordnung. June war man, schön, blass vor Gram — und Sybil war verloren, für alle Ewigkeit verloren an diesen Trottel Konstantin! « Wie gewöhnlich, Herr Baron ? » erkundigte sich der Kellner. «Ja », sagte Tibor, ohne sich von seinem Soiegelbild zu trennen. «Einen doppelten Whisky.» «Kann ich die Handtasche haben ? Nein, ich lese den Brief nicht— ich will nur die Puderdose...> Sybil bekam das Täschchen. Als sie die schmale Dose suchte, streifte sie das zerknitterte Kuvert. Sie tastete mit den Fingerspitzen darüber hin, vorsichtig und bereit, die Hand schnell zurückzuziehen, wenn elek-: trische Funken aufzucken sollten. Aber es geschah nichts. Sie griff fester zu, das Papier bog sich ein wenig, das war alles. Merkwürdig, dieser Brief unterschied sich durch nichts von andern Briefen. (Fortsetzung folgt.)" " SATAM Mess- und Zapfapparate in den verschiedensten Ausführungen für alle Zwecke, mit Hand- und automatischer Umschaltung, werden in der grössten Benzinpumpenfabrik Europas hergestellt. 325000 SATAM- Apparate sind über den ganzen Erdteil zerstreut; in der Schweiz allein sind mehr als 3000 SATAM - Apparate im Betrieb. Eine solohe grotse Produktion bietet grosse Vorteile in bezug auf Bewährung und Preis. Prospekt und nähere Auskunft durch: Ein Amerikaner- Wagen Mit minimalem Benzinverbrauch ^Jf f!*|i / * ,; ' Ausführliche Pro- . spekte auf Verlan- ' ;MotÖr gebundene Motorenöl. •gratis. Generalvertretung für die Schweiz: BÜRKE&CO. Tel. 34:677/79 Zu verkaufen HORCH, Cabriolet, 4/5 PL, Motor 12 Zyl., 30 PS. Sehr schneller Wagen, mit allen Schikanen ausgerüstet. 6 tadellos bereifte Drahtspeichenräder, Koffer und Gepäckträger. Der Wagen ist mechanisch und äusserlich in absolut einwandfreiem und gepflegtem Zustand. Konstruktion der Auto-Union, grösste Sieger der diesjährigen Rennsaison. — Offerten gefl. unter Chiffre 73473 aa die Automobil-Revut, Bim. PEUKANSTRASSE 9 Tel. 71.130 S AK- ANHÄNGER üionrUt & Jost. ZÜRICH WUHRSTRASSE12. TEL 3t.595 Fratelli Ambrosoli, Locarno BASEL: Ed. Contelly. Hochstrasse 26 BERN: Gebr. Marti, Eigerplate 2 BRUGO: Zulaul, Garage LANGENTHAL: Moser & Cie. LUZERN: Capitol-Garag* WEINFELDEN: J. Minikus, Schlossgarage WINTERTHUR: H. Rooa ZÜRICH: G*rag«-M«tropol A^„ Utoouai 49 für Traktoren, kombinierbar für: Ladebrücke, Kiesbenne, Jauchefass sind praktisch, solid und preiswert. Nähere Auskunft und Vorschläge unterbreiten Schuler & Käser Telephon Frauenfeld 3.66