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E_1936_Zeitung_Nr.069

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BERN, Dienstag, 25. August 1936 AU Aosfabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jahrlieh Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7J50 Erscheint jeden Dienste« and Freitag Wöchentliche Beilage „AutOrMagazin". Monatlich 1' mal • ..Gtlbe Liste" Telephon. 28222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: AutoreTue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Rosemeyer fährt seinen 4. Sieg der Saison nach Hause. — Von 17 'Gestarteten beendigen 5 das mörderische Rennen. Ob" die Wetterregie diesmal wirklich wieder gut machen wollte, was sie in den beiden letzten Jahren beim Grand Prix gesündigt, oder ob sie sich lediglich versah : es war alles in schönster Ordnung und ein besseres Rennwetter hätten sich auch- ausgewachsene Meckerer nicht wünschen können. Das Unwahrscheinliche, hier wards zum Ereignis, denn kein Tropfen Regen fiel während des ganzen Tages. Sondern im Gegenteil, die Sonne veranstaltete ein gründliches Grossreinemachen, nachdem sich der Himmel am Morgen nicht eben vertrauenerweckend benommen hatte. Und dazu strich ein fri-. sches Lüftchen dauernd übers Land, spielte mit den Baumriesen des Bremgartenwaldes und sorgte dafür, dass Fahrer und Zuschauer von sommerlicher Hitze verschont blieben. Mit einem Wort: ideales Rennwetter, das denn auch seine Zugkraft auf das Publikum nicht verfehlte. Es mögen schätzungsweise ihrer 50,000 gewesen sein, die sich an sämtlichen mehr oder weniger vorteilhaften Posten längs der prächtigen Rundstrecke aufpflanzten und die. Tribünen bevölkerten, für die Veranstalter ein durchaus erfreulicher Anblick. Gibt es somit am Publikumserfolg der dritten Auflage unseres Grossen Preises nichts zu tippen, so gesellte sich dazu eine sportliche Ausbeute, von der auch optimistisch veranlagte Gemüter kaum zu träumen gewagt hätten. Die Prognose, der Grand Prix werde sich zu einer * Hekatombe von Rekorden auswachsen, hat sich «vollumfänglich» erfüllt. Während der ersten, weitaus hitzigsten Phase, da der Kampf um die Füh- Rosemeyer (Auto-Union) hat sich auch im Grossen Preis der Schweiz als Fahrer grossen Formats ausgewiesen und einen überragenden Sieg gelandet. rung und die Positionen mit nie gesehener Schärfe entbrannte, da die Spannung bis zur Siedehitze stieg, in diesem ersten Viertel fielen .die Rekorde sozusagen am laufenden Band. Kaum geschaffen, wurden sie wieder dahingemäht. Darüber hinaus beendeten nicht nur der jugendliche Sieger Rosemeyer, der ein wahrhaft grandioses Rennen lieferte, sondern auch Varzi die 509,6 km in einer Zeit, die weit unter der von Caracciola im Vorjahr erzielten liegt. Benötigte der Mercedes-Benz-Fahrer 1935 noch 3 Std. 31 Min. 48,1 Sek. für diese Distanz, so erledigte sie Rosemeyer in 3 Std. 9. Min. 1,6 Sek., verbesserte somit das Vorjahresresultat um mehr als 21 Minuten! Auch hier also.eine « Rekordernte » im verwegensten Sinn des Wortes. Ist das nicht genug ? Darf sich dieses Fazit nicht sehen lassen? Selbst abgebrühte und mit allen Wassern gewaschene habitues werden zugeben müssen, dass eine sportlich derart glanzvolle Bilanz kaum zu. erwarten stand. Aber sie bildet ja — und darin liegt des Pudels Kern nur den sichtbaren Ausdruck dafür, dass ein jeder sein Bestes, sein Aeusserstes hergab und sein ganzes Können als Einsatz in die Waagschale warf. Allerdings hat dieses gigantische Ringen zwangsläufig noch eine andere Folge gezeitigt, die gegen den Schluss hin zu einer gewissen Monotonie führte und dem Interesse am Rennen etwelchen Abbruch tat. Bei dem infernalischen Tempo, das die Spitzenreiter von Anfang an vorlegten und das Rekord über Rekord dahinfegte, konnte es nicht verwundern, wenn die Maschinen, einer ungeheuren Zerreissprobe unterworfen, gefechtsuntüchtig wurden, wenn sich die Defekte und damit die Ausfälle häuften. Wie verheerend die Schlacht in den Reihen der Konkurrenten gehaust, das illustriert die Tatsache, dass von 17 Gestarteten bloss fünf durchhielten und als Ueberlebende das Ziel passierten, eine Quote, die kaum mehr als normal angesprochen • werden kann. Und unter diesen fünf befinden sich die vier Wagen der Auto-Union, davon drei auf den ersten Rängen, ein Triumph, wie er vollständiger wohl kaum gedacht werden kann und der die Ueberlegenheit der von Dr. Porsche konstruierten Wagen ins hellste Licht rückt. Der überwältigende Sieg ist absolut regulär und vollauf verdient, denn die Wagen standen das phantastische Tempo ohne die kleinste Störung, ohne den geringsten Defekt durch, sie liefen mit der Zuverlässigkeit und Regelmässigkeit eines Uhrwerks. Mercedes stand unter einem weniger günstigen Stern. Von den vier Wagen, die sie ins Feuer geschickt, brachte die Untertürkheimer Firma nur einen über die ganze Distanz. Wenn auch beim Rennbetrieb etwas Glück mit dazugehört, so geht man wohl kaum fehl mit der.Annahme, dass die Gründe für das Ausbleiben der Erfolge doch zum Teil anderswo gesucht werden müssen. Dafür spricht auch die Tatsache, dass Mercedes nach dem -Grossen Preis von Deutschland, der etliche Hoffnungen unerfüllt Hess, seine Wagen verschiedenen Aenderungen unterzog, wobei anscheinend vor allem das Chassis das Sorgenkind der Konstrukteure bildete. Ob das für die Fabrik nicht eben befriedigende Ergebnis vom Sonntag diesem «Umbau » zugeschrieben werden muss, lässt sich von 5 hier aus nicht mit Bestimmtheit beurteilen, aber die Vermutung, dass es sich so verhält, kann doch nicht ganz von der Hand gewiesen werden. Eine Enttäuschung erlebte man sodann mit Alfa- Romeo; das mit zwei" Zwölfzylindern und einem Achtzylinder den Grand Prix bestritt. Wie schon in Pescara, sa schied auch in Bern, der Achtzylinder Farinas zuerst aus. In der 18. Runde folgte Nuvolari mit dem einen Zwölfzylinder und in der 26. streckte auch Dreyfus mit dem zweiten die Waffen. Wenn Meister Tazio bereits im ersten Viertel zur Aufgabe gezwungen ward, so mag das zum Teil seine Ursache auch darin haben, dass er bei der höllischen Jagd, die Caracciola und Rosemeyer gleich zu Anfang entfesselten, seinen Wagen überdrehte, was ihm ja nicht zum erstenmal zustossen würde. Wenig zu bestellen hatte bei dieser Entscheidungsschlacht Maserati. De Rham wurde bereits in der 1. Runde nicht mehr gesehen und Biondetti war nie im Bild, bevor er zum Rückzug blies. Dass die Einzelfahrer angesichts der Uebermacht der Fabriken und Rennställe so gut wie auf verlorenem Posten kämpften, so viel wurde auch dem Laien klar. Womit allerdings keineswegs gesagt sein soll, dass sie sich nicht bis zum äussersten ihrer Haut gewehrt hätten. Und in dieser Hinsicht gehört vor allem dem Franzosen Sommer ein Kränzchen gewunden. Aller Widerwärtigkeiten und Schwierigkeiten spottend, nur auf sich selbst angewiesen, biss er sich, als echter Sportsmann unentwegten Mutes durch, immer und immer wieder der Tücke des Objektes trotzend. Und wenn er ihr schliesslich auch erlag, so mag ihm der Beifall des Publikums — sowohl draussen auf der Strecke als auch am Abend bei der Preisverteilung, als er für seine Leistung mit einer prachtvollen Vase belohnt wurde — gezeigt haben, wie hoch wirkliche «sportsmanship» bei uns im Kurse steht. Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang — N« 69 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS.PREISES REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Riesen-Erfolg der Auto-Union im Grossen Preis der Schweiz INSERTIONS-PREIS: Die aehtfwpaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grässere Inserate nach Spezialtarit. Inseratenschluss 4 Taue vor EnchelneO dir Nnmmern Wir berichten heute über: Seaman zum 3. Mal Sieger im Preis von Bern. Ruesch gewinnt das nationale Rennen. Die ersten 3 Etappen der intern. Alpenfahrt. Bilder: Seite 8. Feuilleton: Seite 12. Noch einer andern grossartigen Leistung sei in diesem Zusammenhang gedacht, die ebenfalls Zeugnis ablegt von höchster sportlicher Pflichtauffassung. Wir meinen Hans Stuck, der sich ungeachtet seiner noch nicht ausgeheilten Armverletzung, die er bei einem Sturz im Training von Pescara davongetragen, zähe und mit unbeugsamer Energie durch die mörderischen 500 km durchbiss, der sich nicht unterkriegen Hess, obwohl er wusste, dass er mit einem schweren Handicap an den Start ging, ja, es hinderte ihn' durchaus nicht, sich zwischen der 60. und 64. Runde mit Fagioli in ein wildes Duell einzulassen und dem Mercedesfahrer noch' vor Torschluss den dritten Rang abzuknöpfen. Ehre, wem Ehre gebührt'. Und weil wir.gleich dabei sind, so sei auch die tapfere Haltung Längs (Mercedes) erwähnt, der noch immer an seiner Handverletzung herumlaboriert. Durch die Erschütterungen des Lenkrades verschlimmerte sie sich während des Rennens wieder, aber Lang Zum drittenmal gewann der Engländer Seaman dieses Jahr auf seinem Delage den Preis von Bern. Das packende Duell Caracciola-Rosemeyer in vollem Gang. Noch liegt hier der Mercedesfahrer vom. Der Moment unmittelbar nach dem Start im Grossen Preis- Caracciola geht in Führung, gefolgt von Rosemeyer.