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E_1936_Zeitung_Nr.069

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AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 25. AUGUST 1936 —=•- N° ssss dachte ungeachtet aller Schmerzen nicht daran, die Segel zu streichen. Mit zusammengebissenen Zähnen verteidigte er seinen Platz bis zum Reifenwechsel in der 44. Runde. Dann erst liess er sich von Fagioli ablösen. Dei Rc^nnv^vlaiuf Kurz vor halb zwei Uhr stellen sich die 17 Konkurrenten 1 vor der Tribüne in folgender Ordnung zum Start auf: Achille Varzi Rosemeyer Caracciola Auto-Union Auto-Union Mercedes-Benz Lang v. Brauchitsch Mercedes-Benz Mercedes-Benz Fagioli Dreyfus Nuvolari Mercedes-Benz Alfa-Romeo Alfa-Romeo v. Delius Stuck Auto-Union Auto-Union Biondetti Farina J. P. Wimille Siata-Maserati Alfa-Romeo Bugatti Ruesch Sommer Alfa-Romeo Alfa-Romeo de Rahm Earl Howe Etancelin Maserati Bugatti Maserati Entgegen seinen ursprünglichen Absichten muss der Schweizer Ruesch auf den Start verzichten, da sein Maserati einen Getriebedefekt erlitten hat. An Stelle Stubers erscheint De Rham mit dem zweiten Maserati der Scuderia Maremmanni. Die Auto- Union hat ihre Dispositionen insofern geändert, als Hasse den Wagen von v Delius fährt, währenddem v. Delius selbst die Rolle des Ersatzpiloten übernimmt. Wer beim Samstag-Training nach dem « spurlosen » Verschwinden Wimilles mit dem neuen Bugatti etwa gewähnt hatte, der Franzose könnte zum Grand Prix möglicherweise mit dem alten 3,3-Liter antreten, der sah seine Befürchtungen unbegründet, denn Wimille fand sich mit dem neuen Wagen am Ablauf ein. Pünktlich um halb zwei senkt der Zentralpräsident des A. G. S., Herr Dr. Mende, die Startflagge und unter ohrenzerreissendem metallischem Singen stiebt die wilde Meute davon, Caracciola, Rosemeyer, Lang und Varzi an der Spitze. Zwei Minuten Ruhe, dann kündet das Klirren des Kompressors das Herannahen eines Mercedes. Es ist Caracciola, der ais Erster in die Tribünen-Kurve einbiegt, dicht gefolgt von Rosemeyer, Lang, Nuvolari, Varzi, von Brauchitsch, Fagioli, Stuck. Die «infernalische Runde » ist in vollem Gang und jetzt schon zeichnet sich ein erbittertes Ringen um die Führung ab. Von Anbeginn an legen die Spitzenreiter ein unheimliches Tempo vor, das allerhand Sensationen erwarten lässt. Bereits fordert übrigens das Rennen sein erstes Opfer: De Rham scheidet in der Kiesgrube aus. Bis zur zweiten Runde hat sich schon deutlich ein Spitzentrio herausgebildet, bestehend aus Caracciola, Rosemeyer und Nuvolari, der Lang das Nachsehen gegeben und sich den Anschluss nach vorn gesichert hat. In kurzen Abständen zischen hinter Lang, Varzi, v. Brauchitsch, Fagioli, Dreyfus und Stuck vorbei. Wimille mit dem neuen Bugatti hält sich im mittleren Feld, währenddem Biondetti und die Einzelfahrer den Schluss bilden. An der Front wütet der Kampf um die Führung mit unverminderter Heftigkeit weiter, Rad an Rad fast liegen Caracciola, Rosemeyer und Nuvolari, wie sie aal Ende der 3. Runde in geschlossenem Rudel einherbrausen. Lang, Varzi und v. Brauchitsch passieren mit geringem Rückstand als zweite Gruppe und Fagioli folgt etwas zurück als Deckung seiner Team-Kollegen. Wimille fällt aus. Zur allgemeinen Ueberraschung wird Wimille umsonst erwartet; nach einem kurzen Gastspiel, das sich auf ganze drei Runden erstreckt, verschwindet er beim Posten 6 vom Schauplatz. Wie hitzig es bei dem nervenaufpeitschenden Duell Caratsch-Rosemeyer zugeht, erhellt aus der Tatsache, dass Caracciola schon in der 2. Runde auf 2.39,9 Sek. kommt. Und weiter tobt der Kampf um die Führung. Wie eine Klette hängt sich Rosemeyer an den Leader Caracciola, währenddem Nuvolari nach Schluss der 4. Runde bereits etwas Terrain eingebüsst hat. Von hinten pirscht sich der bravurös fahrende Lang an den Italiener heran; allerdings hat er dabei Varzi und v. Brauchitsch auf den Fersen. Fieberde Spannung bemächtigt sich der Massen, denn soviel ist auch dem Letzten klar, dass eich die «Keilerei» zwischen Caracciola-Rosemeyer noch weiter zuspitzt, wobei Nuvolari als gefährlicher Dritter im Bunde im Hintergrund lauert. Wird es Caracciola gelingen, sich auf dem ersten Platz zu behaupten, wird er den ihm wie einen Schatten folgenden Piloten der Auto-Union abschütteln können? Das ist die Frage. Die 5. Runde bringt insofern eine Veränderung, als Nuvorali noch stärker zurückgefallen ist und nunmehr von Lang aufs Korn genommen wird. Ein paar wenige Meter nur trennen dahinter Varzi und v. Brauchitsch, währenddem das übrige Feld sich erheblich in die Länge gezogen hat und bereits auch die erste Ueberrundung zu verzeichnen ist. Stand des Rennens nach 5 Runden: 1. Caracciola (Mercedes-Benz) 13:28,0 2. Rosemeyer (Auto-Union) 13:28,4 3. Nuvolari (Alfa-Romeo) 13:36,6 4. Lang (Mercedes-Benz) 13:37,4 • 5. Varzi (Auto-Union) 13:44,1 Auch in der 6. Runde bleiben Caracciola und Rosemeyer c unzertrennlich », denn der Auto-Union- Fahrer lässt und lässt nicht nach. Dagegen hat Lang nunmehr Nuvolari zum Platzen gebracht und ihn auf den 4. Rang verwiesen. Hinter Varzi und v. Brauchitsch taucht Fagioli auf, landet zur allgemeinen Verblüffung an der Boxe und gibt wegen Bruches der Oelleitung auf. Sein Beispiel wird übrigens kurz darauf von Farina imitiert, der ebenfalls nicht mehr «in" dem Ding syn» will. Am Schluss der 7. Runde erscheinen die beiden Kampfhähne Caracciola und Rosemeyer allein auf weiter Flur, denn im Verlauf ihrer erbitterten Auseinandersetzung haben sie all ihre Konkurrenten glatt abgehängt. Wie eine Sensation wirkt es, dass Nuvolari abermals Um einen Rang abgestiegen ist; auch Varzi hat ihn nämlich inzwischen geschnappt. Aber dabei hat es sein Bewenden nicht; eine Runde später schon muss der Campionissimo auch vor Brauchitsch die Segel streichen. Er sinkt damit auf den 6. Platz zurück, nachdem er 3 Runden,zuvor noch Dritter warl Bei dem unerhörten Tempo der Kopftruppe setzt es — nebenbei bemerkt — Uebrerundungen am laufenden Band. In der 9. Runde Rosemeyer an der Spitze. «Nicht nachlassen gewinnt», nach diesem Rezept handelt offenbar Rosemeyer. Was man bereits ahnte, das wird in der 9. Runde zur Wirklichkeit: Rosemeyer, der eine überragende Partie liefert, entreisst Caracciola die Führung und setzt sich an die Spitze, immerhin hart bedrängt von seinem Gegner. Lang, v. Brauchitsch und Varzi behalten ihre Positionen unverändert bei. Jetzt, wo er das Heft in den Händen hat, gibt Rosemeyer noch etwas zu und prompt wirft er denn auch in der 10. Runde mit 2.36,3 Sek. (167.230 km!) den im Training von Caracciola geschaffenen Rundenrekord von 2.37,9 über den Haufen. Im übrigen wird jetzt auch die Aufgabe von Biondetti gemeldet, den ein Antriebswellenbruch aus dem Rennen geworfen hat. Stand nach 10 Runden: 1. Rosemeyer auf Auto-Union 26:42,7 2. Caracciola (Mercedes-Benz) 26:46,3 3. Lang (Mercedes-Benz) ' ~ 27:0 1 7,0 4. Varzi (Auto-Union) 27:09,5«'' * 5. v. Brauchitsch (Mercedes-Benz) 27:11,6' -' Während des ersten Siebentels ist das Feld schon erheblich dezimiert worden, die Reihen haben sich gelichtet, sind doch bereits fünf Mann auf der Strecke geblieben: de Rham, Wimille, Fagioli, Farina und Biondetti. Unerbittlich heischt das Rennen seine Opfer. Rosemeyer ruckt aus und Varzi kommt. Jetzt aber rückt Rosemeyer entschlossen aus, er fährt wie toll, setzt alles, auf Sieg und brinjrt es fertig, Caracciola in jeder Runde ungefähr zwei Sekunden abzunehmen. Inzwischen ist aber auch Varzi warm geworden, er biedert sich bei Lang an und zusehends schwindet die Distanz zwischen dem beiden. Da wird sich gelegentlich was tun! Und ob? Zwei Runden später schon hat es der Italiener geschafft und ist am Mercedes-Fahrer vorbeigezogen. Fünf deutsche Wagen liegen an der Spitze, zwei Auto-Union und drei Mercedes, dann erst schieben sich Nuvolari und Dreyfus zwisebenhinein. Viel auszurichten gibt es für die beiden schon jetzt nicht mehr und sie müssen zufrieden sein, *venn es noch zu einem Ehrenplatz reicht. Von seinem kühnen Angriff auf die Spitze sieht sich Nuvolari biunrm weniger Runden in die Defensive gedrängt, weil er in der Hitze des ersten Gefechts seinem Wagen zuviel zugemutet. Tatsächlich ist einige Minuten später — wir schreiben die 18. Runde — das Schicksal Nuvolaris besiegelt Zur allgemeinen Ueberraschung gondelt er an seine Boxe, trifft Anstalten zum Tanken und Wasser fassen, aber der Aufenthalt am Stand zieht sich weiter und weiter in die Länge, und sehliesslich schieben die Mechaniker den Wagen hinter die Boxen. Defekt des Magnetantriebs! Aus! Fertig! Neue Rekorde — natürlich Rosemeyer. • Caracciola vermag Rosemeyer nicht mehr die Stange zu halten, er wird zusehends stärker distanziert, währenddem umgekehrt der junge Draufgänger der Auto-Union seinen Elan und sein Brio noch steigert, in der 14. Runde mit 2:35,7 Sek. (Stundenmittel 168,724 km/St.) abermals einen neuen Rundenrekord aufstellt, den er jedoch schon in der 15. neuerdings verbessert, wobei er die fast unwahrscheinliche Zeit von 2:34,5 Sek. herausbringt, die einen Durchschnitt von 169,633 km/St, ergibt. Kurz darauf muss Stuck die erste Runde an seinen Fabrikgefährten abgeben. Varzi, Lang und v. Brauchitsch bewahren ungefähr die gleichen Absfände untereinander, afeer Caracciola kann Rosemeyer nichts mehr anhaben und mus« ihn wohl oder übel ziehen lassen. Sein Rückstand a,nf den Leader •vergrössert sich unaufhörlich und beträft in der 20. Runde bereits 18 Sekunden. * Stand bei 20 Runden: , 1. Rosemeyer auf Auto-Ünion 52:55,5 2. Caracciola / 53:13,9 3. Varzi auf Auto-Union 53:37,4 4. Lang auf Mercedes-Benz 53:49,1 5. v. Brauchitsch auf Mercedes 54:01,9 1\ Wenn nicht alles täuscht, ist die Entscheidung um die Führung bereits gefallen. Sofern Rosemeyers Wagen durchhält, kann ihm der Sieg kaum mehr streitig gemacht werden. Uebrigens komnjt auch Varzi immer mehr in Schuss, und Lang müsste sich schon gewaltig sputen, wojlte er den verlorenen Boden wieder aufholen. Abermals meldet der Lautsprecher einen Ausfall: Lord Howe, der bisher als Zweitletzter die Piste rundete, fährt in der Eymatt übers Strassenbord hinaus und wird nicht mehr gesehen. In der.23. Runde ist der. Vorsprungr Caracciolas auf Varzi auf 20 Sekunden zusammengeschmolzen, und die Läge scheint sich fürihnkri- Graphische Darstellung des Rennverlaufes im Grossen Preis der Schweiz. 8 = Varzi (Auto-Union); 4 = Rosemeyer (Auto-Union); 12 = Caracciola (Mercedes-Benz); 16 = Lang (Mercedes-Benz); 10 = von Brauchitsch (Mercedes-Benz); 14 = Fagioli (Mercedes-Benz); 28 = Dreyfus (Alfa Romeo); 32 = Nuvolari (Alfa Romeo); 2 = Hasse (Auto-Union); 6 = Stuck (Auto- T Union; 36 = Biondetti- (Siata-Maserati); 30 = Farina (Alfa Romeo); 22 = Wimille (Bugatti); 20 = ' Sommer (Alfa Romeo); 38 = De Rham (Maserati);24 — Earl Howe (Bugatti; 18 = Etancelin (Mas.). tisch gestalten zu wollen. Unvermerkt ist Lang an Dreyfus herangekommen und macht Miene, den letzten Ueberlebenden der Scuderia Ferrari zu überrunden. Was denn auch in der 24. Runde geschieht, als Dreyfus einen Halt an der Boxe einschaltet, um zu tanken, eine Operation, wobei er 32,1 Sekunden verliert. Auch Dreyfus gibt auf. ••>•- Doch die Liebesmüh war vergebens. Viej; Runden später hat auch Dreyfus seine Rolle ausgespielt. Eine Störung am Magnetantrieb zwingt ihn zur Kapitulation. Dem Angriff Varzis, der sich in immer bedrohlichere Nähe schiebt, vermag Caracciola kaum genügend kräftigen Widerstand entgegenzusetzen und bei 27 Runden trennen die beiden nur noclt 12,5 Sekunden. Caracciola, soviel ist offensichtlich, hat beträchtlich nachgelassen und es kostet ihn Mühe, Varzi abzuweisen. Ganz ausgezeichnete Figur macht übrigens Stuck, der mit verletztem Arm seine Runden erstaunlich regelmässig herunterspult. Und jetzt ist die Reihe an Caracciola. Unentwegt arbeitet sich indessen Varzi an Caracciola heran, der Moment scheint unvermeidlich, da er den Mercedes-Fahrer auf die Knie zwingt... aber -da ereignet sich am Ende der 29. Runde ein Coup de scene: Caracciola lässt auf sich warten. Fällig wäre er schon längst, doch an seiner Stelle prescht jetzt Varzi als Zweiter an den. Tribünen vorbei! Noch immer hofft man, allein umsonst, bis es ruchbar wird, dass Caracciola an der Forsthauskurve mit einer gerissenen Hinterachsverstrebiing festsitzt und damit ausgekämpft hat. An Zwischenfällen, an dramatischen Momenten und an Peripetien herrscht also durchaus kein Mangel, aber diese «Betriebsamkeit» besitzt den schwerwiegenden Nachteil, dass dabei das Feld unaufhörlich zusammenschrumpft. 1 Stand des Rennens nach der 35. Runde (In der Mitte des Rennens): 1. Rosemeyer (Auto-Union) 1:32:33,7 -2. Varzi (Auto-Union) 1:33:13,7 ' " 3. Lang (Mercedes-Benz) 1:34:13,2 ; 4. v. Brauchitsch (Merc.-Benz) 1:34:14,7 ; 5. Stuck (Auto-Union) 1:32:56,0 Stuck liegt zwei Runden zurück, hat also in diesem Moment erst 33 Runden gefahren. Halbzeit! Der Augenblick des Tankens und des Reifenwechsels. Rosemeyer erledigt, von Dr. Feuereissen mit Umsicht dirigiert, die Verpflegung als Erster und wird von Jubel und Bravorufen empfangen, wie er an die Boxe geht. Auch für die Mechaniker der Auto-Union fällt ein Spezialapplaus ab, denn wie sie in 35 Sekunden das Reservoir wieder auffüllen und neue Pneus aufziehen, das ist schlechthin eine Glanzleistung. Varzi fährt weiter und richtet sieh vorübergehend auf dem ersten Platz ein; immerhin nicht für lange, denn in der 37. Runde tankt auch er und wechselt die Pneus aus, womit die frühere Lage wieder hergestellt ist. Der Zeitaufwand für diese Verrichtungen beträgt bei Varzi 39 Sekunden, bei Lang (für Reifenwechsel) 30 Sekunden, bei Brauchitsch für das Tanken 30 Sekunden. Merkwürdigerweise werden an Brauchitsch's Wagen keine neuen Pneus aufgezogen, was sich im spätem Verlauf der Dinge dann allerdings rächen sollte. Für Lang, der durch seine Handverletzung stark behindert ist, springt beim Boxenhalt Fagioli ein, um das Rennen mit dem Wagen. Nr. 16 zu beendigen. Wohl hat sich bei diesen Zwischenhalten das Klassement da und dort verschoben, doch handelt es sich nur um vorübergehende Aenderungen, und schon zwei, drei Runden später steht man wieder vor der frühern Ordnung der Dinge. Dann allerdings, kurz vor der 40. Runde, steigt v. Brauchitsch vor Fagioli in den 3. Rang empor, und dabei bleibt es für weitere 10 Runden. Da auch Etancelin, nachdem er das Ravita'illement erledigt hatte, in der Kiesgrube an- Balten inuss, das Opfer eines Gashebelbruches und eines Benzintankdefekts, wird der Kampf nach der Mitte des Rennens noch von 7 Fahrern ausgetragen. Trotzdem er noch keine neue Reifengarnitur gefassV dreht Brauchitsch auf und biedert sich langsam bei Varzi an. Aber der Annäherungsversuch misslingt, denn schon in der nächsten Runde passiert Brauchitsch die Tribünen mit einem zerfetzten linken Hinterradreifen und muss dann natürlich auswechseln, wobei er kostbare, unwiederbringliche Sekunden einbüsst, trotzdem die Mercedes- Mechaniker den Wechsel in der fabelhaften Zeit von 34,5 Sekunden erledigen. Für Varzi ist damit die Gefahr gebannt, und er braucht sich nicht 1 mehr sonderlich zu sputen. Einzig er und Rosemeyer befinden sich noch in derselben Runde, währenddem das ganze übrige Feld zum Teil bis zu 5 Runden zurückliegt. Der 50. Runde bleibt eine weitere Ueberraschung vorbehalten: v. Brauchitsch hält wieder an der Boxe. Die Motorhaube wird entfernt, Wasser nachgefüllt, aber die Manipulationen ziehen sich bedenklich in die Länge, bis sehliesslich der Wagen hinter den Boxen verschwindet, weil die linke Hinterradbremse blockiert. Zeiten nach der 50. Runde: 1. Rosemeyer, Auto-Union 50 Runden in 2:13:57,7 2. Varzi, Äuto-Union 50 Runden in 2:14:42,8 3. v. Brauchitsch, Mercedes 49 Runden in 2:14:01,9 4. Fagioli, Mercedes-Benz 49 Runden in 2:15:02,3 5. Stuck, Auto-Union 48 Runden ia 2:12:46,7 6. v. Delius, Auto-Union 47 Runden 7. Sommer, Alfa Romeo 45 Runden Alle übrigen sind ausgeschieden. Im Verlauf der nächsten 10 Runden begibt sicli nichts von besonderer Bedeutung, die Positionen sind gemacht, die Lage hat sich stabilisiert, und eine gewisse Eintönigkeit schleicht sich ein, die nur dadurch unterbrochen wird, dass in der Tribünenkurve in den Pausen zwischen den einzelnen Passagen emsig gepflastert wird, zumal sich die Steine in der kürzlich neu angelegten Zielkurve gelockert haben und mit List und Tücke wieder gegeneinander versperrt werden müssen, ein Schauspiel, das immerhin etwelche Abwechslung bietet und das vom Radioansager «gebührend» glossiert wird. Sintemal für die Auto-Union jegliche Gefahr beschworen ist, wird auch das Tempo etwas gemässigt. Am Schluss der 60. Runde landet Fagioli mit plattem rechtem Hinterreifen an der Boxe, wechselt aus, verliert aber dabei seinen vierten Rang äfi'Shicic; j;"".';n Stand nach 60 Runden: ~ ••-- 1. Rosemeyer, Auto-Union 600 Runden ia in. 2-AU32ß 2:il:32ß 2. Varzi, Auto-Union 60 Runden in 2:42:16,5 3. Fagioli, Mercedes-Benz 59 Runden in 2:42:59,2 4. Stuck, Auto-Union 58 Runden in 2:43:00,8 5. v. Delius, Auto-Union 56- Runden in 2:42:00,1 Jetzt geraten sich Stuck und Fagioli in die Haare. Der Mercedes-Fahrer setzt dem «ramponierten> Hans mit Vehemenz nach, verweist ihn in der 62. Runde auch hinter sich, aber so leicht gibt sich Stuck nicht geschlagen. Mit ungeheurem Willensaufwand geht er zum Gegenangriff über, und in der nächsten Runde schon hat er seinen Rivalen wieder niedergerungen; eine ganz grosse Leistung, wenn man bedenkt, in welchem Masse das Rennen den- verletzten Stuck mitgenommen hat. Durch das Ausscheiden v. Brauchitsch's ist dem Auto-Union-Fahrer Hasse, der in Bern sein zweites Rennen bestreitet, schon seit der 51. Runde der 5. Platz zugefallen. Noch muss der Franzose Sommer, der sich als Einzelfahrer gegen die Uebermacht der grossen Rennorganisationen mutig tind wacker durchgeschlagen und sich trotz aller Heimsuchungen nicht dazu hat bewegen lassen, klein beizugeben, in der 64. Runde vor der c Macht des Schicksals» in Gestalt eines Kardanwellendefekt« weichen, dann ist die Geschichte dieses III. Grossen Preiss der Schweiz abgeschlossen, denn die verbleibenden 6 Runden rollen vorbei, ohne dass irgend etwas Besonderes geschieht. Umrauscht vom Beifall der Fünfzigtausend quert Rosemeyer nach einem Rennen, das er über 62 von 70 Runden sauverän beherrschte, als Sieger die Ziellinie, womit er seinen vierten grossen Triumph dieser Saison feiert. Schlussklassement: 1. BERND ROSEMEYER auf Auto-Union, 70 Runden = 509,6 km, in 3:09:01,6 (Stundenmittel 161,777 km, Rekord). 2. Varzi auf Auto-Union In 3:09:54,2. 3. Stuck auf Auto-Union, 68 Runden in 3:10:41. 4. Fagioli-Lang auf Mercedes-Benz, 68 Runden In 3:11:04,8. 5. Hasse auf Auto-Union, 66 Runden in 3:11:02,8. Seaman's 3. Sieg im Preis von Bern Ein Solo-Rennen des Delage Fahrers. - Prinz Biras unerhörtes Pech, -y Vergaser- und Kerzendefekte an der Tagesordnung. \ Des Morgens in aller Frühe wohnt man im gramm- und Bulletinverkäufer haben einen Bremgartenwald draüssen einem imposanten ganz grossen Tag und bringen ihre Ware Aufmarsch der Massen bei. Hunderte von mit mehr oder weniger Geschicklichkeit an Rennbegeisterten sind von den Extrazügen den Mann. im Bahnhof Bern ausgespien worden — Hunderte haben im Auto die halbe Nacht durch- seine Sache diesmal ausgezeichnet gedreht. Was den Wettermacher angeht, so hat er gefahren, kommen aus allen Landesgegenden, um den Grossen Preis «er Schweiz, den noch mit Nebel verhangen ist, so will das Wenn auch am Frühvormittag der Himmfel dritten seiner Art in allen seinen Phasen mitzuerleben und was sich an Zuschauern per Zügigkeit gewinnende Bise fegt über Bern weiter nichts bedeuten. Eine immer mehr an To'ff und per Velo an die Strecke begibt, ist hinweg und wie es langsam gegen zehn Uhr schlechthin unschätzbar. Das Hauptkontingent, das Fussvolk, strömt in unübersehbaren des Himmels Blau durch den zerrissenen geht — es ist herbstlich kühl —, da lacht Knäueln, mit Proviantsäcken und Wolldecken, Feldstechern und Photoapparaten nun ab weiss man, dass Petrus den Organi- Wolken- und Nebelschleier hindurch. V

— DIENSTAG, 25. AUGUST 1936 AUTOMOBIL-REVUE diesem Eindruck tritt man denn auch in die erste Phase der sonntäglichen Grosskämpfe ein. Das Rennen der Wagen bis zu 1500 ccm Hubvolumen beginnt. Um 9.45 Uhr "werden die in den verschiedensten Farben prangenden Vehikel zur Startlinie geschoben. Kohlrausch auf MG isi nicht zugegen; er hat bereits vor einigen Tagen abgesagt Melinant kann wegen eines unlängst erlittenen Unfalls nicht mit von der Partie sein, und die Officine Maserati, deren Duett Tenni-Graf Trossi allüberall mit mächtiger Spannung erwartet wurde, ist ebenfalls nicht zur Stelle, da die Wagen nicht frühzeitig genug fertig geworden sind. Hingegen erscheint als neuer Pilot der Engländer Tongue auf ERA, so dass total 17 Fahrer in den Kampf treten. Gemäss den erreichten Trainingszeiten lautet die Startaufstellung. Prinz Bira Seaman Fairfield E. R. A. Delage E. R. A. Bianco Kautz Maserati Maserati Earl Howe Mays Embiricos E. R. A. E. R. A. E. R. A. Mac Evoy Tongue Maserati E. R. A. Ruesch Belmondo Villoresi Maserati Maserati Maserati Hug Bäumer Bugatti Austin Herkuleyns Plate M. G. Talbot Die Motoren werden angeworfen, ein tolles Huronengebrüll setzt ein, die Spannung ist auf allen Gesichtern zu sehen. Punkt 10 Uhr senkt sich die Startfahne. Seaman schiebt sich nach vorn, gefolgt von Bianco und dem siamesischen Prinzen Bira und im Nu ist die ganze Meute unserm Gesichtskreis entschwunden mit Ausnahme von Earl Howe, dessen ERA sich nicht so schnell zum Leben erwecken lässt. Schliesslich enteilt auch er unsern Blicken. In der Ferne hört man's schon « donnern » und eh man sich's versieht, braust die eherne Brut von der Forsthauskurve heran, an der Spitze der schwarze niedrige Delage von Seaman, der seine Startrunde in 3:10,7 erledigt hat. In einigem Abstand folgen Fairfield, Bira, Mays, dann Bianco, der italienische Automobilmeister 1934/35, Tongue und der Grieche Embiricos. Weiter zurück notiert man Belmondo und Villoresi auf Maserati, Bäumer auf Austin und den Schweizer Ruesch, Lord Howe, Hug, Plate und Herkuleyns. Wo ist Kautz ? Nachdem Herkuleyns längst hinter der Alleetribüne verschwunden ist, kommt der Maseratifahrer in Sicht. Er trudelt langsam zu seiner Boxe, repariert einen Kerzenschaden und verliert dabei volle 2 Minuten. Schon taucht Seaman wieder auf — mit einem neuen Rundenrekord in der Tasche, der 3:00,2 beträgt und einem Durchschnitt von 145,200 km/St, entspricht. Fairfield und Bira fahren ebenfalls eminent rasch und man konstatiert, dass dieses Spitzentrio dem übrigen Feld glatt durch die Latten gegangen ist. Wo nur Bianco steckt, der rasche Italiener mit seinem teufelsroten Maserati ? Bäumer hat sich mit seinem kleinen, aber schnellen Austin Villoresi geholt, während die übrigen Positionen keine Verschiebung erfahren. Immerhin konnten sich alle um einen Rang verbessern, denn Bianco landet nun plötzlich vor seiner «Loge» und doktert während beinahe 4 1 /2 Minuten am Vergaser herum und nach der 3. Runde verliert er aus dem gleichen Grunde kostbare Zeit. Graphische Darstellung des Rennverlaufes im Preis von Bern. 90 = Bira (ERA); 60 = Seaman (Delage); 64 = Fairfield (ERA); 72 = Bianco (Maserati); 86 = Kautz (Maserati); 66 = Earl Howe (ERA); 68 = Mays (ERA); 58 = Embiricos (ERA); 52 = Mac-Evoy (Maserati); 92 = Tongue (ERA); 88 = Ruesch (Maserati); 70 = Belmondo (Maserati); 7.6 = Villoresi (Maserati); 84 = Hug (Bugatti); 62 = Säumer (Austin); 82 = Herkuleyns (M.G.); 74 = Plate (Talbot). Die Rekorde fallen gleich Kartenhäusern in sich zusammen, hat doch Seaman die 3. Runde in 2:58,7 durchmessen. Das entsprechende Mittel hört sich mit 146,783 km/St, beinahe phantastisch an; unsere Prophezeiung, wonach die Rundenrekordzeit bei den 1500-ccm-Rennwagen an den letztjährigen Generaldurchschnitt der Grand-Prix-Boliden herankommen werde, ist somit nicht nur in Erfüllung gegangen, sondern sogar übertroffen worden. Man erfährt nun auch, dass der Maserati von Kautz beim Hasligut schon 20 Minuten nach dem Start in der 2. Runde das Lebenslicht ausgehaucht hat. Das ist rabenschwarzes Pech für unsern Landsmann, der nach seinem vielversprechenden Saisonanfang an der Turbie und im Kleinwagenrennen um den Pokal des Prin^] zen Rainier einmal übers andere die Segel streichen muss. « Bira •» pirscht sich an seinen Markenkollegen Fairfield heran, der denn auch in der 4. Runde seiner Majestät dem siamesischen Prinzen nicht mehr zu trotzen vermag und auf den 3. Platz zurückfällt. Dass Bianco nach der 3. und 4. Runde wiederum wegen Vergaserstörung seine Boxe besucht, sei nur nebenbei erwähnt. Und schon sind 5 Runden zurückgelegt; dabei ist es nicht verwunderlich, dass Seaman dem MG-Fahrer Herkuleyns — der gewissermassen das Schlusslicht, allerdings ein grünes — der ganzen illustren Gesellschaft bildet, längst in den Rücken geschossen ist Siand des Rennens nach 5 Runden. 1. Seaman auf Delage 15:10,5 2. Bira auf E. R. A. 15:22,6 3. Fairfield auf E. R. A. 15:37,2 4. Mays auf E. R.A. 15:51,0 5. Tongue auf E. R. A. 15:54,1 In der Spitzengruppe trabt man fröhlich weiter drauflos, schafft sich einen hübschen Vorsprung — Positionskämpfe setzt es indessen keine ab. Hingegen hat das Tempo von Fairfield wesentlich nachgelassen, so sehr sogar, dass er in der 7. Runde einen weitern Platz an seinen Stallgefährten Mays abgeben muss. An 10. Stelle ist Ruesch, so weit wir ihn verfolgen können, in schneidiger Fahrt begriffen. Er jagt mit Zähigkeit dem Austinfahrer Bäumer nach und erscheint denn auch in der 8. Runde mit einem kleinen Abstand auf diesen < Kleinsten der Kleinen». Im übrigen gehört es nachgerade zur Tradition, dass die Boxen nach jeder Runde den Besuch von Bianco erhalten, mit dessen Vergaser es heute ganz bedenklich hapert. Dies ist um so bedauerlicher, als Bianco im Training glänzende Beweise seines Könnens abgelegt hat, was ihm denn Blich die gute Startposition eintrug. Der Betrieb an den Boxen wird immer interessanter. Soeben fährt auch Hug auf Bugatti vor;.als Ursache wird Kerzehdefekt angegeben, und Belmondo hat es mit den Bremsen zu tun. Inzwischen wird an der Spitze im Eiltempo Runde um Runde erledigt — Seaman bewegt sich auf der kurvenreichen Piste mit einer Geschmeidigkeit und Behendigkeit sondermassen. Ppbei verzichtet sein Delage darauf. < viel Lärm um, nichts > zu machen; eben aus diesem Grunde würde man ihm die unerhörte Schnelligkeit auch gar nicht zutrauen. — Mit Belmondo verschwindet ein weiterer Konkurrent vom Plan, so dass in der 11. Runde noch 14 Fahrer im Treffen liegen. Stand des Rennens nach der 10. Runde • 1. Seaman auf Delage 30:11,9 2. Bira auf E. R. A. 30:35,3 3. Mays auf E.R.A. 31:05,3 4. .Embiricos auf E. R. A. 31:23,6 5. Fairfield auf E. R. A. 31:47,8 Fairfield, welcher in der 11. Runde auch den E. R. A.-Fahrer Tongue an sich vorbeiflitzen sieht, hält an der Boxe zur Vornahme eines Kerzenwechgaserdefektes ganz aus. Mays läßst seinen E.R.A. zu gleicher Zeit' hinter den Stall abführen und Ruesch, der durch das Missgeschick einiger Konkurrenten bereits an sechster Stelle einherzieht, weist in der 15. Runde auch Villoresi hinter sich, der sich ebenfalls mit Kerzen- und Vergaserschäden herumschlägt. Stand des Rennens nach 15 Runden 1. Seaman auf Delage 45:23,3 2. Bira auf E.R.A. 46:07,6 3. Embiricos auf E.R.A. 46:42,4 4. Tongue auf E. R. A. 48:05,0 5. Ruesch auf Maserati 48:42,7 Das Rennen ist bis dahin nicht sehr abwechslungsreich gewesen. In Front Seaman, der vom Leder zieht, dass es eine Art hat und dem ganzen Feld tinter der Devise «Auf und davon!> durchgebrannt ist — hinter ihm Bira, dessen E. R. A. das Tempo 5 n 10 * 11 » 13 H des Spitzenfahrers bei weitem nicht halten kann : — dann Embiricos, welcher infolge des Ausfalls von Mays und von Fairfield vom anfänglich innegehabten 6. auf den 3. Platz vorrückte, und in weiter Ferne das sehr in die Länge gezogene Gros der übrigen Fahrer, von denen keiner mehr Aussicht hat, in den vorderen Rängen ein Wort mitzureden, und jeder froh sein muss, wenn es zu einem einigermassen annehmbaren Platz reicht. In der 15. Runde erscheint Bira an den Boxen, um Kerzen zu ersetzen. Mit unregelmässigem, ruckweisem Geknatter fährt er wieder von dannen. die Maschine will nicht mehr recht; langsam schiebt er sich die Kiesgrube hinunter, und wie er die 16. Runde beendigt und seinen Wagen wiederum den Mechanikern anvertraut, da weiss man; Bira ist zur Strecke gebracht. Er hat ausgekämpft. Seine Helfer tun das Menschenmöglichste, um den Motor wieder in Schwung zu bringen, aber es ist aus, endgültig fertig — Bira schwingt sich mit einem Satz entrüstet und entmutigt in die Boxe hinein, und sein E. R. A. wird hinter den Stall geschoben. Als Ursache des Ausscheidens meldet der Lautsprecher ein verbranntes Einlassventil. Embiricos, begünstigt durch die ungewöhnlichen Pechsträhnen seiner Mitkonkurrenten, ist somit auf dem zweiten Platz gelandet, wo er jedoch nichts anderes zu bestellen hat, als diese Position durch kluges, vorsichtiges Fahren bis zum Schluss des 28 Runden dauernden Rennens zu halten. nunmehr das 2, • 3 N 6 n ? « 8 * 9 » 1L * 15 H 16 « 1? » Spannung bringt Duell Bäumer-Ruesch mit sich. Es ist grossartig, wie der kleine Austin, der notabene einen Zylinderinhalt von nur 750 ccm aufweist, mit einer erstaunlichen Regelmässigkeit und in forschem Tempo hinter Ruesch herjagt und ihn schliesslich in der 16. Runde überholt. Kerzen, Kerzen, nochmals Kerzen! Bis zur 20. Runde ändert sich nichts mehr; Hug" ist wegen Kerzendefekts auf der Strecke geblieben, Bericht über das nationale Rennen und die Wagenabnahme auf Seite 15. Grosser Sieger: B.Rosemeyer auf Auto-Union Zweiter: A.Varzi auf Auto-Union Fünfter: Hasse Dritter: H. Stuck Vierter: FagiOli auf Auto-Union Scfiive« auf Auto-Union auf Mercedes-Benz Sämtliche auf den bewährten Reifen