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E_1936_Zeitung_Nr.070

E_1936_Zeitung_Nr.070

BERN, Freitag, 28. August 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 70 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfall versieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Hütet Euch am Morgarten! t Volle 98 Prozent der schweizerischen Benzinkonsumenten haben am 5. Juli 1936 durch einen 24stündigen, freiwilligen Verzicht auf Inbetriebsetzung ihrer Motorfahrzeuge ihrem Unwillen gegen die Ueberwälzung neuer Fiskallasten Ausdruck verliehen. Die Geschlossenheit der Aktion, d. h. die einheitliche Stilllegung der gummibereiften Fahrzeuge mag denn auch der automobilistenfeindlichsten Presse bewiesen haben, dass selbst die kleinste Belastung heute genügen dürfte, um den seit Jahren bereits zum Zerreissen angespannten Geduldsfaden der Motorfahrzeugbesitzer und Benzinkonsumenten zu zerstören. Soweit haben es unsere grossen und kleinen Wirtschafts- und Finanzstrategen gebracht, deren Weisheit letzter Schluss hinsichtlich Sanierung der eidgenössischen Alkoholverwaltung der Beimischungszwang bedeutet. Eine nicht gerade glückliche Gesetzgebung und die einseitige, lediglich die Interessen einiger landwirtschaftlicher Grossproduzenten wahrende Interpretation derselben durch die Monopolverwaltung haben es geschafft, an Stelle der errechneten Millionengewinne weit höhere Millionenverluste herauszuwirtschaften. Und wie der Adler urplötzlich und pfeilgerade auf die erspähte Beute niederschiesst, so bemächtigte sich der Alkoholgewaltige .als grosser eidgenössischer Rechenkünstler der'Benzinkonsumenten. Denn nicht wahr — diese Sorte Bürger' hat als Retter des Bundesfiskus aus seinen Nöten bisher noch nie versagt. Das ging, solange es mochte. Einmal aber musste der Praxis, eidgenössische Fehlkalkulationen durch Unbeteiligte berappen zu lassen, in der man es übrigens bereits zu einer hübschen Meisterschaft gebracht hatte, gewehrt werden. Der 5. Juli 1936 hat gezeigt, dass, abgesehen von einigen Querulanten und Auto-Konkurrenten, die Forderung der Benzinkonsumenten: «Bis hieher und nicht weiter! » im ganzen Lande nicht nur auf Verständnis, sondern sogar auf Unterstützung stiess. Und das Resultat dieser Selbstschutzaktion? Um die Antwort vorweg zu nehmen: Es ist beim Alten geblieben. Die in Ausarbeitung befindlichen Verkehrsprojekte sind über das Stadium der Vorbereitung und nähern Abklärung noch nicht hinaus. Einzig dass die automobilistische Steuerschraube inzwischen keine weitern Umdrehungen erfahren hat, darf als Positivum gewertet werden. Bei dem chronischen Geldhunger des Bundes will das zwar immerhin einiges besagen. F E U I L L E T O N Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 5. Fortsetzung. Erscheint Jeden Diensten und Fr»it*o Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich, 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: AutoreTue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Unterdessen hat die Saure-Gurkenzeit auch im Bundeshause ihr Regime angetreten und naturnotwendigerweise wurde es deshalb um die Verlangen der Benzinkonsumenten recht still. Doch wer weiss! Vielleicht war dies Interregnum gar nicht so unvorteilhaft, wie es scheinen mochte. Am Ende verschafften gerade ihre wohlverdienten Ferien unsern 7 Bundesvätern Zeit und Müsse, die brennenden Probleme der schweizerischen Verkehrspolitik einmal aus einer gewissen Distanz, mehr als Mensch denn als Departementsvorsteher, also etwas weniger gouvernemental zu betrachten. Die Aussprache zwischen Via Vita und Bundesrat. Jedenfalls fanden sich nun letzten Mittwoch der Chef des eidgenössischen Finanzdepartementes und derjenige des Post- und Eisenbahndepartementes mit dem Präsidenten der Via Vita und 6 weitern Vertretern der am motorisierten Strassenverkehr interessierten Verbände (A. C. S, T. C. S., U. M. S., S. R. B., Autogewerbeverband, Chambre syndicale) zu einer durchaus in Minne verlaufenden Aussprache zusammen. Der friedliche Verlauf dieser Versammlung muss besonders hervorgehoben werden, denn im Anschluss an das Mahnschreiben der Via Vita an unsere oberste Lahdesbehörde tönte es aus der regierungstreuen Presse verschiedentlich von Verbandsterror und Druckmitteln, wurde der Bundesrat als angegriffen dargestellt und vor solchen « Kriegstönen » in Schutz genommen. Das stadtbernische Hofblatt ging sogar in seiner Fürsorglichkeit soweit, unsere sieben Landesväter vor der Verbandspfeife zu warnen und ihnen nahezulegen, doch auf die sich durch ihr Vorgehen ins eigene Fleisch schneidenden Automobilisten ja nicht zu hören. An der erwähnten Sitzung war von einer solchen Kampfhaltung nicht das geringste zu spüren. Der Vorsitzende der Via Vita durfte sogar die gegenwärtige, äusserst schwierige Lage der schweizerischen Automobilwirtschaft skizzieren und ausserdem noch einige Wünsche äussern! Von strafenden Bundesvätern und unartigen Landeskindern war beim besten Willen nichts zu spüren. Selbst der eidgenössische Alkohöldirektor kam nicht dazu, seines Amtes als Kampfrichter zu walten. Neues hatte der Präsident der Via Vita eigentlich nicht zu berichten. Im Kampf um die Beimischungsprojekte ist in zahllosen Eingaben und mündlichen Aussprachen stetsfort erneut auf die Tatsache hingewiesen Staatsanwalt Wörnle erklärte seinem Nachbarn ein todsicheres Roulettesystem: '« Fabelhaft! Man kann fast nichts dabei verlieren !» Baby sass Hand in Hand mit ihrem Mann und war verloren für die übrige Gesellschaft. Sie flüsterten und tranken aus einem Glas, diese Kinder. Das alles aber geschah in unendlicher Entfernung von Sybil, tausend Lichtjahre weit, auf einem andern Planeten. «... ein tanzender Shiwa », sagte Konstantin. « Aus Bronze, mit Rubinaugen. Man hat ihn erst vor kurzem in einem verfallenen Tempel entdeckt...» Indische Plastik, Waffen der Fidschi, javanische Tanzmasken... So ging die Nacht. So kam der Morgen. «Konstantin hat mich heimgebracht. Ich glaube, damals hat es angefangen.. Weil er so sauber und korrekt war, nicht als wäre er die ganze Nacht in einem Tanzlokal gewesen, sondern als käme er geradeswegs aus seinem Zimmer, gebadet, gebürstet, ausgeruht. Wir alle hatten doch Tabakdunst im Haar, hatten Schatten unter den Augen und froren wie Katzen im Schneesturm... Als er mich am nächsten Tage anrief, da dachte ich schon...> Sybil erzählte, manchmal legte sie ihre Fingerspitzen auf Lukas' Rockärmel, als müsste sie Halt suchen. Sie hielt ihm ihr Gesicht entgegen, ihr wundervolles, bewegtes Gesicht und Hess kleine herzliche Worte ins Gespräch fallen: « Carissimo, interessiert es Sie ? •» oder : « Lieber, wie schön dieser Abend ist! » Einmal sagte sie sogar «Lukas ! ». Das war ein Versehen, aber Lukas nahm es als beglückendes Geschenk. Warum sollte ihm verwehrt sein, sich mit Brosamen zu nähren, die vom Tisch der Reichen fielen ? Sybils Kleid, blau wie Spiritusflammen, hatte seine Farbe geändert. Jetzt war die Seide dunkler und dichter geworden, als gäbe es auch bei ihr Tag und Nacht. Man wäre nicht erstaunt gewesen, wenn plötzlich über die Falten Mond und Sterne hingezogen wären. Vielleicht unterblieb es nur deshalb, weil der Nachthimmel wolkig war, dumpf über den Bäumen hing. worden, die tragbare Belastung des schweizerischen Motorfahrzeugverkehrs habe ihren Höhepunkt nicht erst erreicht, sondern bereits überschritten. Besonders betont hat der Sprecher diesmal die Erwartung der Tausende in der Automobilwirtschaft Beschäftigten und der Tausende von Motorfahrzeugbesitzern, dass im Hinblick auf die herrschende Wirtschaftslage endlich gewisse finanzielle Erleichterungen gewährt würden. Ewig könne weder Staat noch Bund neue Steuerauellen erschliessen und wenn man sich endlich zu einem unerbittlichen Nach-der-Decke-strecken entschlösse, sei dies auch nicht notwendig. Ausserdem besitze der Bundesrat an der Uhrenindustrie ein kostspieliges Beispiel für die Auswirkungen einer Fiskalpolitik, wie sie gegenwärtig auf das Motorfahrzeug angewendet werde. Das Endresultat bleibe sich gleich: Staatliche Unterstützung von Tausenden, die durch Steuern und Zölle aus dem Arbeitsprozess ausgeschaltet wurden. Uebrigens sei eine angemessene Benzinzollreduktion schon im Hinblick auf die rückläufige Entwicklung der Benzinimporte durchaus angebracht. Dieses letzte Postulat dürfte in dem Momente spruchreif werden, da der eidgenössische Alkoholdirektor seine, nunmehr auf einen Rappen reduzierte Mehrbelastung infolge Beimischungszwanges durchgesetzt haben wird. In diesem Zusammenhange wird übrigens von Demissionsabsichten gemunkelt Wenn die «Sesa» die Gelegenheit erfasst, um in ihrem Jahresbericht 1935 ein Lamento über die Automobilkonkurrenz zu erheben und gegen sie vom Leder zu ziehen, so können und wollen wir ihr diese « Rechtfertigung » vor sich selbst und andern nicht verwehren, obwohl uns die Melodie schon reichlich abgedroschen und banal vorkommen will. Aber offenbar geriete man auf der Bahnseite in erschröckliche Verlegenheit, müsste man sich dieses « zügigen » Argumentes begeben, womit sich die wahren Gründe der heutigen katastrophalen Situation so hübsch bemänteln lassen. Und nichts spricht dafür, dass das Auto als Prügeljunge der SBB und zugewandter Orte ausgedient habe. Wenigstens vorläufig nicht. Möglicherweise aber muss man doch noch umlernen, wenn einmal die in Entstehung begriffene Statistik über die Güterbeförderung auf der Strasse zu Ende geführt sein wird... Sybil schwieg und zog eine Rose aus der Vase. Sie Hess das feste, glänzende Laub durch die Finger gleiten, knickte den Stengel, streichelte die weisse Blütenkrone — schliesslich lag eine lockere Blätterpyramide vor ihr, duftender Scheiterhaufen. Sie nahm die Blätter wieder auf, presste sie ans Kinn, an Augen und Lippen. Sanfte, weisse Rosenkühle ... Ein Blatt warf sie ins Weinglas. Es sank nicht unter, schwamm und drehte sich leise — zartes Boot in goldenem See. « Aber Konstantin war gar nicht verliebt. Er kam zum Tee und ging. Er ging und kam wieder — nach vier Wochen hatte er noch kein einziges .Wort über sich selbst gesagt. Wenn man verliebt ist, interessiert es einen viel mehr, wenn ein Mann von seiner Schulzeit erzählt, einer Skitour oder seiner ersten Zigarette, als wenn er über ägyptische Ausgrabungen und den letzten Derbysieger spricht. Nichts ist so furchtbar für die Liebe als Konversation... * Konstantin war der erste Mann, der nur Höflichkeit für mich hatte. Ich war verzweifelt. Oh, was für schöne Dinge haben mir Kartenaufschlägerinnen und Verliebte vorgeschwatzt ! Zweiundzwanzig Jahre — da hat man seine grosse Zeit. Aber wenn Konstantin INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarU. Inseratcnsehluss 4 Tage vor Enehelnen der Nummern Wir berichten heute über: Grand-Prix-Nachklänge und ; Internat. Alpenfahrt. Vom Energie-Umsatz im Wagen. Grand-Prix-Bilder: Seite 18. Beilage: — ja man spricht sogar von Rücktritt aus eigener Initiative von der Leitung dieses so wenig erfolgreichen Regiebetriebes. Die Bälgerei mit den Automobilisten sei doch recht anstrengend gewesen und Erholung auf dem hübschen Baselbieter Landsitz nicht zu verachten. Allerdings — erst wenn die berstend vollen Lager der Alkoholverwaltung sich in die über 100 000 grossen und kleinen Benzintanks entleert hätten. Denn diese Tat setze dem Wirken des ersten eidgenössischen Alkoholdirektors nach Inkrafttreten der neuen Gesetzgebung die Krone auf! ^Wahrhaftig ein teurer Preis! Der Zweck heiligt das Mittel , • *' (Schluss Seite 2.) Item, die Sesa fühlt sich bewogen, über das Auto zu Gericht zu sitzen. Sie stellt kurzerhand fest, dass die Kosten des Motorwagenbetriebes seit einem Jahrzehnt ununterbrochen gesunken seien und heute etwa die Hälfte der früheren Kosten erreicht haben. Sie stellt weiter fest, die Entwicklung sei begründet durch die inzwischen eingetretene gewaltige Verbesserung der Strassen, durch die damit verbundene Möglichkeit der Erhöhung der Reisegeschwindigkeit und der täglichen Fahrleistungen, ferner durch die Einführung der Luftbereifung, die Senkung der Anschaffungskosten der Fahrzeuge, und endlich durch die Einführung des Dieselmotorenbetriebes, der die Brennstoffkosten um ein Bedeutendes vermindere. Und diese Erkenntnisse krönt die Sesa mit dem Satz : « Diese für die schweizerischen Eisenbahnen unerfreuliche Entwicklung hatte zur mit mir sprach, hatte ich jedesmal Angst, er könnte meinen Namen vergessen haben... Im April — damals kannten wir uns ein Vierteljahr — hatte ich plötzlich genug. Basta ! Ich packte meine Koffer und fuhr zur Bahn. Als ich die Fahrkarte nach Triest gelöst hatte, fiel mir ein, dass ich kein Visutti für Italien hatte. Aber der Mann am Schälter war reizend ! Haben Sie schon bemerkt, wie liebenswürdig Beamte sind ? Wir überlegten, für welches Land man keine Einreisebewilligung braucht. «Schweiz !» riet der Beamte und gab mir ein Bittet nach Davos. Es war gut gemeint, und ich fuhr ja auch ganz freiwillig — aber Davos im April ist eine trübe Sache. Halb Schnee, halb Krokusblüten, und zwischendurch Regen. Ich ging vier Nächte lang ins Kurhaus tanzen, dann war ich fertig mit meinem Vorrat an Abendkleidern. Am nächsten Tag spielte ich mit einem holländischen Ehepaar Poker. Aber Poker zu Dritt ist nicht das Rechte, die Karten werden nicht heiss — es war noch langweiliger als Bar. Blieb also nichts als das Telephon.. Ich Hess mich mit einem Berliner Hotel verbinden und bestellte ein Zimmer. Dann musste ich mit meiner Wirtschafterin sprechen, ihr die neue Adresse mitteilen und streng auftragen, niemand zu sagen, wo ich bin. Ich hatte absolut