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E_1936_Zeitung_Nr.070

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12 Automobil-Revue —

12 Automobil-Revue — N°70 Spiegelt die Straße ? Ein kleiner hübscher Wagen saust mit gleichmassiger Geschwindigkeit über die breite Landstrasse, die sich schnurgerade durch die sonnenglühende Ebene zieht. Die Strasse ist vor kurzem erneuert worden und liegt als mattschwarzes, hitzesaugendes Band in der prallen Sommersonne; vereinzelt prasseln noch teerklebende Steinchen an die Kotflügel. Am fernen Horizont wird in mächtigen grauen Ballen ein Gewitter aufgebaut; die Luft ist voll Elektrizität, die Mensch und Tier gereizt macht. Ab und zu verirrt sich durch das offene Dach ein wildes Insekt ins Wageninnere und erfüllt es mit Gebrumm und Stachelschreck. Im Wagen sitzt das Paar der Gegensätze. Am Lenkrad eine lange Gestalt mit kühnem Profil und tiefliegenden Fanatikeraugen, ganz Pathos und gesteigerte Erregbarkeit, neben ihm eine rundliche Frauenfigur mit wurstigen Mundwinkeln und beleidigter Stupsnase, ganz Materialismus und Phlegma. Man könnte die beiden Don Quichauto und Sancho Pansa nennen ... Aber wie ist es doch merkwürdig! Da der Mensch erst mit ausgewachsenem Charakter ans Lenkrad darf, so versucht er wenigstens in diesem neuen Leben, im Autodasein, einen Wunschbildcharakter zu verwirklichen, der dem bereits erworbenen Charakter entgegengesetzt ist. So wurde unser Don Quichauto um so kaltblütiger und ruhiger, je forscher er fuhr; Sancho Pansa dagegen, aus seiner Verdauungsruhe aufgescheucht und leicht seekränkelnd, entwickele sich zu einem lebendigen Beschwerdebuch. An diesem heissen Tag auf der geraden Landstrasse entwickelt sich nun folgendes Gespräch: Sancho Pansa: — Du sollst langsamer fahren, du bist immer unvorsichtig. Don Quichauto: — Was soll da passieren, auf diser breiten geraden Strasse? Sancho: — Dein Wagen schleudert doch so leicht, du könntest an eine Pappel prallen! Quichauto: — Wieso schleudern, auf diesem neuen Belag, bei diesem trockenen Wetter? Sancho: — Manchmal wird die Strasse gespritzt ... Quichauto: — Ja, um in zehn Sekunden so trocken zu sein wie zuvor! Sancho: — Und sie ist doch nass, sieh nur da vorne gradaus! In der Tat glänzt weit vorn die Strasse da, wo sie einen Buckel macht, wie frisch verregnet. Sancho triumphiert und man fährt schweigend einige Minuten. Don Quichauto: — Diese nasse Stelle müsste schon längst vorbei sein und wir haben nichts gesehen! Sancho Pansa: — Da, sie glänzt wieder, jetzt passen wir aber auf! Quickauto, nach einer Weile: — Und die Strasse war doch trocken. Es war eine Luftspiegelung. Pansa: — Nun hast du wohl den Sonnenstich. Wir sind nicht in der Sahara, aber du bist vielleicht ein Kamel, das eine Fata Morgana sieht! Wie soll diese Luft hier spiegeln, wo sie doch so durchsichtig ist! Oder soll die mattschwarze Strasse auf einmal glänzen? Quichauto, väterlich:—Die Strasse bestimmt nicht. Aber Wasser ist doch auch durchsichtig und kann bekanntlich prächtig glänzen und spiegeln. Gewiss sieht man manchmal auf den Grund des Gewässers. Aber wenn dieser dunkel genug, vor allem tief ist, so dass kdas durchfallende Licht verschluckt wird, so kann man an der Berührungsfläche zwischen Luft und Wasser das reflektierte Licht oder eben eine Spiegelung sehen. Das gehört ungefähr zu den Brechungserscheinungen, die man am deutlichsten an einem ins Wasser getauchten Stab sieht, also am Uebergang zwischen zwei durchsichtigen, aber verschieden dichten Medien. Uebrigens hast du dir sicher auch schon Gespräch in Algier. «Also, du gehst nach Frankreich?» —«Ja, man hat mir dort eine Stelle als Arbeitsloser in Lille angeboten.» («Petit-Journal.») Ein Hundstagsdialog von Eugen Pfister fTffi») in einem Zimmer, das keinen Spiegel besass, so geholfen, dass du den Fensterflügel gegen das dunkle Zimmer stelltest und dich so im Glase sehen konntest. Spiegelungen kommen aber nur an ganz glatten Flächen vor, also an Flüssigkeiten, an polierten oder lackierten Gegenständen. Oder eben an einer dunklen Strassenoberfläche, die an sich matt sein kann, aber z. B. von einer Flüssigkeitshaut überzogen ist. Pansa: — Sehr schön, sehr Lexikon, und ziemlich unverständlich. Nun spiegelt aber unsere Strasse, gerade obschon sie nicht von einer Flüssigkeitshaut.überzogen ist! Quichauto: — Hier sind es zwei Luftschichten von ganz verschiedener Dichte, die scharf aneinander grenzen. Die schwarze Strasse verschluckt eine enorme Menge Sonnenenergie und wird so heiss, dass man darauf bärfuss nicht mehr gehen kann. Durch die Berührung mit dem heissen Teer erwärmt sich die Luft so stark, dass sie eine viel geringere Dichte annimmt und so zur benachbarten Luft wie ein anderer Körper, wie eine Flüssägkeitshaut wirkt. Dadurch wird diese Spiegelung erzeugt, die derjenigen einer nassen Strasse täuschend ähnlich sieht. Wegen ihrer geringeren Dichte fliesst die erwärmte Luft zwar immer nach oben ab, aber die nachrutschende erwärmt sich sofort wieder in gleicher Weise. Das Durcheinanderfliessen ungleich dichter Schichten erzeugt nun eine flimmernde Brechungserscheinung, ähnlich wie wenn man in einem klaren Glas Wasser mit dickem Zuckersirup zusammenschüttet. Pansa: •— Welch ein Wortschwall, er macht mir direkt übel. Nehmen wir an, er treffe zu. Quichauto: r— Es sind bloss die Hitze und der Hunger, die dir übel machen. Wir werden bald Rast machen. Pansa, nach längerem Schweigen, brummend: — Und du sollst doch langsamer fahren, einfach weil ich es wünsche! Womit die gerechte Weltordnung wiederhergestellt ist: der Mann hat Recht und die Frau behält das letzte Wort. Rönnen Sie amerikanisch? Langsam bewegten sich die Autoketten in der Market street vorwärts. Als es wieder einige Meter weiter ging, wurde unser Wagen sanft vom Hintermann angestossen. Mein Freund am Steuer regte sich darüber nicht auf, sagte lächelnd: «Only the bumper!» (Nur der Bumper.) Der Dritte im Wagen, den wir gerade vom, Schiff abgeholt hatten, blickte fragend und hilfesuchend in das Menschengewühl: «Was ist Bumper?» Wir klärten ihn auf: Natürlich die Stossstange; sie macht bumps, wenn sie mit einer anderen in Berührung kommt. Nach dem Wörterbuch bedeutet bump: ein Stoss, Puff, Humpen oder Klavierdämpfer. Der Amerikaner liebt praktische, das Wesen der Dinge ausdrückende Begriffe. Den Reissverschluss nennt er kurzweg «zip». Oeffnen Sie einen Reissverschluss, und Sie werden nur einen Ton hören: zip... Aber das ist noch kein echter Slang. Die eigentliche Abgrenzung lässt sich schwer ziehen: was dem Londoner als Slang erscheint, ist Wir redigieren und administrieren, photographieren und retuschieren, klischieren und stereotypieren, entwerfen und zeichnen, setzen, drucken, binden Alles unter einem Dach HALLWAG A. G., BERN Das Geheimnis eines prächtigen Felles Die Schönheit des Felles eines Hundes hängt allein vom Zustand seines Blutes ab. Wenn sich ein Hund öfter haart, oder wenn er ein unansehnliches Fell besitzt, so ist das ein sicheres Zeichen, dass sein Blut nicht in Ordnung ist. Ihr Hund wird immer ein prächtiges Fell haben, ausgenommen während der normalen Zeit des Haarens, wenn Sie ihm regelmässig Bob Martin's Conditions-Pulver verabreichen. Diese Pulver reinigen sein Blut von allen Unreinheiten und verhüten alle davon herrührenden Krankheiten, wie zerzaustes Fell, LuBt- und Appetitlosigkeit, dauerndes Kratzen, Ekzema und Schwellungen zwischen den Zehen. Seine frohe ^^^ C% Laune und tadellose Erscheinung werden Ihnen diese kleine Ausgabe um ein Vielfaches belohnen. Preis pro Schachtel zu 18 Pulvern Fr. 2.—. Aufklärende Broschüre gratis durch d. Chemosan A. - 6., Limmatquai 3, Zürich. Telephon 46.388 in Amerika im Laufe der Jahre salonfähig geworden. Es formt sich hier ein neues Englisch, ein Englisch, in dem die Seele der neuen Welt hörbar wird: Tempo, Humor und Erfindungsgeist. Es mag uns kindlich erscheinen, wenn der Amerikaner den Wagenheber «Jack», die Brechstange «Jimmy» nennt; doch in diesem Spiel steckt Weisheit: durch kurze siegelhafte Namen vereinfachen wir die Welt der tausend Dinge, mit denen wir ständig zu tun haben. Wer sich Amerika nur «anschaut», spürt nichts davon, wie zwischen Wolkenkratzern und Geschäftigkeit der Humor blüht; man muss das Land auch «anhören», Arbeiter und Geschäftsleute, wenn sie einander lachend ein paar Worte zuwerfen. Sie lieben «wisecracks», kurze, witzige Zwischenrufe, Abkürzungen und romantische Umschreibungen. Von dem Mann, der sich Luftschlösser baut, sagt der Amerikaner, dass er «seinen Wagen an einen Stern hängt.» Wer sein Ziel erreicht hat, «sitzt auf dem Gipfel der Welt» (on the top of the world) und nicht «into a jam», in der Marmelade, das heisst: in einer bedrängnisreichen Lage. «No skin of your nose» ist die Versicherung: bei diesem Geschäft kannst du nichts verlieren — nicht einmal die Haut deiner Nase. Im echten Slang wird die traditionelle Aufforderung: «Hände hoch!» zum «Reach for the ceiling!» (Hände hoch bis zur Zimmerdecke!), das Gefängnis zur «can» (Konservendose), der Detektiv zum «gumshoe». Slangwörter für Hehler sind «fence»' (Zaun), für Revolver «rod» (Stange), für Schutzmann «flatfoot». Das gehört schon in die Gaunersprache, die leider auch hier in die Sprache des bürgerlichen Alltags gedrungen ist Viele Redensarten sind in ihrer stenographisch kurzen Ausdrucksweise schwer übersetzbar. «Ready in two shakes of a lambstail» bedeutet: bevor ein Lammschwanz zweimal hin und herschlägt, bin ich mit meiner Arbeit fertig. Deutliche Aeusserungen des Misstrauens drückt der Amerikaner durch die Redensarten aus: «Ich vertraue dir so wenig, wie ich ein kleines Klavier schwingen kann», oder: «Du hast nicht mehr Glück bei mir als ein Schneeball in der Hölle». Uebrigens sagt der Amerikaner nicht: «Scher dich zum Teufel», sondern: «Geh in die Hölle». Hier in San Franzisko sagt man auch: «Jump into the bay!» (springe in die Bay!) Ein echtes, viel gebrauchtes Slangwort ist «nuts» (gesprochen: nats). In der Boxersprache ist der Kopf die Nuss, aus der Gleichsetzung wurde «nuts», ein Schmähwort für alles Verrückte, Sinnlose, Dumme. Auf der Strasse, im Film, am Radio tönt dem Fremden dies Wort in allen möglichen und unmöglichen Verbindungen entgegen. «He is nuts about her», sagte ein junger Mann auf dem Fussballplatz neben mir zu seinem Freund. Der unerfahrene Besucher in USA würde den Sinn kaum verstehen. Im «deutschen Slang» bedeutet die Redensart: «Er ist verrückt nach ihr». Ueberspannte Verliebtheit bezeichnet man hier auch gern als «caveman style» (er liebt wie "ein Höhlenmensch der Vorzeit). Beim Slang versagen die besten englischen Sprachkenntnisse. Dass ein hinterlistiger Mensch «a snake in the grass» (eine Schlange im Gras) ist, wird als Gleichnis verständlich sein; warum aber ein ulkiger Mensch «a card» (eine Spielkarte) ist, lässt sich so schwer erklären wie die Gleichsetzung von Aufschneiderei und «applesauce». Es kommt auch nicht auf die etymologische Berechtigung an. Sie ist nicht massgebend für die Bildung eines Slangwortes, sondern das Volk, sein Humor und seine Einfälle, die nichts mit Logik zu tun haben. Geprägt von einem WM Bob Martin's Conditions - Pulver Erhältlich in allen Apotheken vergessenen Witzbold, einem Zeitungsmann oder Radioautor, weitergetragen vom Leser ^oder Hörer, erweiterten Slangwörter das Sprachgut. Jeden Tag wird ein neuer Slang geboren. Es gibt Spezialisten auf diesem Gebiet. Einige bekannte Zeitungsleute in ihrer täglichen Glosse, «Gagmen», am Radio und Film überbieten einander in der Erfindung neuer Slangwörter. Nicht immer geht das Publikum darauf ein; aber wenn es «anbeisst», dann läuft das neue Wort durch alle 48 Staaten der Nation — schneller als ein Radiotelegramm. Nein, der Amerikaner ist nicht so nüchtern, wie das abgenutzte Schlagwort eines falsch verstandenen Amerikanismus vermuten lässt. Er hat Humor — wenn es ernst wird, einen romantischen Humor. «He kicks the bücket» (er stösst den Eimer um). Was könnte das wohl bedeuten? Es ist eine Redensart für Sterben. Handelt es sich um einen Seemann, so kommt er in «Davie Jones' Schrank» (nach einem alten sagenhaften Kapitän). Da ist noch eine hübsche Redensart, die wir nicht dem Slang zurechnen wollen. Als mir kürzlich ein Freund die Einladung für ein Konzert übergab, wollte ich aus Zeitmangel ablehnen. Aber er widersprach: «Du brauchst einmal etwas anderes zwischen der Arbeit — hyacinths for thy soul». Ja, Hyazinthen für die Seele! Die Redensart muss uralt sein; denn das «thy» ist das «dein» der Quäkersprache. Wer arbeitet, braucht Hyazinthen für seine Seele, schöpferische Pausen, kleine Freuden, um Körper und Geist gesund zu erhalten. Das weiss auch der Amerikaner, und darum liebt er seinen Slang, diese heiteren Seifenblasen der Sprache. Büifaei Confoederatio helveüca. Die vielgestaltige Schweiz. Herausgegeben von Hans Richard Müller. Friedrich Bohnenberger Verlag Zürich. Soeben kommt der zweite Band dieses prachtvollen Buches über die Schweiz heraus — ein paar Wochen vor dem ersten Band, der ebenfalls angekündigt ist. In dieser Nummer geben wir unsent Lesern unter dem Titel «Festland und Vereinsland Schweiz» ein paar interessante Ausschnitte aus dem Beitrag, den der Auto-Magazin-Redaktor diesem Buch beisteuern durfte. Wer immer die Reihe der Mitarbeiter durchgeht, wird sich sagen müssen, dass es dem Herausgeber in ausgezeichneter Weise gelungen ist, die rechten Leute zu: finden: Professor Gottfried Bohnenblust (Genf), schreibt über «Schweizergeist und Schweizerdichtung», Professor Charley Clerc über «Lea lettres en Suisse romande», Prof. Giuseppe Zoppi über «Lettere e arti nella Svizzera italiana», Dr. Reto Bezzola schildert die rätoromanische Kultur, Hans Jenny, der Verfasser des bekannten. Schweizer Kunstführers, behandelt die bildenden Künste, Gotthard Jedlicka die Malerei und Plastik, Willi Schuh die Musik, Dr. Hans Wyss die Volkserziehung, und der bekannte, feingeistige und mutige Zürcher Redaktor Edwin Arnet schliesst den Band mit einem originellen Essay über «Die schweizerische Zeitung » ab. — Eine Aufzählung vermag nur anzudeuten, nicht auszudrücken, was für ein Reichtum in diesem Werke angesammelt liegt — ein besonderes Lob verdient der Herausgeber für die prachtvolle, originelle Bebilderung. Annemarie Koffler «Liebe in Kilometern». Mit Zeichnungen im Text. Brunnen-Verlag. Willi Bischoff, Berlin. Wie ein Zauber liegt es über jedem Wagen: Die ganze Welt ist uns erschlossen. Wir brauchen nur hineinzusteigen, um wie ein Welteroberer durch Länder und über Berge zu fahren. Welt und Zeit gewinnen eine neue, andere Bedeutung, denn wir sind schnell, unabhängig und ungebunden und doch — bleiben wir Menschen mit allen kleinen und grossen Schwächen und Gefühlen. Von alle dem weiss Annemarie Koffler zu plaudern. Er und sie und ihr Wagen, das ist eine eigene Welt, in die sich — wie oft! — mehr als nur ein Fünkchen Liebe hinein verirrt. EngÜSCh oder Italienisch gar ntiert in zwei Monaten in der Ecole Tarne, Neuchatel 78 Auch Kurse nach beliebiger Dauer, zu jeder Zeit und für jedermann. Vorher, z. Examen für Staatsstellen. Lebenstüchtige Erziehung bietet das voralpine Knaben-Institut und L.E.H. „Felsenegg"» Zugerberg !££ Höhenaufenthalt ohne Unterbrechung der Studien. Gegründet 1903. Sämtl. Schulstulen mit folgenden internen staatL Dipl.: Handelsdipl., Handelsmat., Sprachdipl.

70 « Automobil-Revue 13 Das Mobiga-Dioba isi eine gute Tagesreise von Miloville entfernt, einem einst nicht unwichtigen Handelszentrum des Gabun im französischen Aequatorial-Afrika. Tief im Schosse des Urwaldes, unter Jahrhunderte alten Waldriesen, liegt es einsam und verborgen. Der Eingang ist, wie fast durchwegs in dieser Gegend, durch einen breiten, roh gezimmerten Zaun versperrt, der sich auf der ganzen Stirnseite der Siedlung hinzieht. Heute mag er wohl nur noch wilden Tieren das Eindringen ins Dorf verwehren. In frühern Zeiten diente er als Brustwehr gegen menschliche Feinde. Dicht hinter dem Zaun steht inmitten der Dorfstrasse das kleine Zusammenkunftshaus der jungen Männer und verwehrt den Einblick ins Innere des Dorfes. Es bildet zugleich auch den Wachtposten der Siedlung. Nähert sich dem Dorfe ein Fremder, oder gar ein Feind, so wird von dort den Bewohnern ein Alarmsignal gegeben. In wohlgeregelter Flucht stürzen sich dann die Insassen in den angrenzenden Wald, um sich in der nächsten Umgebung des Dorfes, stets auf der Lauer,, vor den Ankömmlingen zu verbergen. Tropisch gleisst die Mittagssonne auf die Urwaldsiedlung hernieder. Schweigen liegt über den Palmblattdächern. Nur hin und wieder dringt aus dem Dorfinnern ein langgezogenes Hundegebell, das Blöken eines Schafes, das nach seinem Jungen sucht, oder das kreischende Geschrei eines Weibes in den nahen Wald hinaus. Sie verraten, dass im Dorfe Leben ist. Die Dorfstrasse ist weiss von glühendem Licht. Auf der Strasse sieht man rauchende Feuer, träge herumliegende Schafe, junge, nackte, dickbäuchige Kinder, schnüffelnde Hunde und bis auf einen kleinen Fetzen nackte Weiber, die mit der Zubereitung des Mittagsmahls beschäftigt sind. Auf beiden Seiten der Strasse zieht sich in gerader Linie eine lange Reihe viereckiger, niederer Hütten hin. Nur hin und wieder ist sie durch einen schmalen Spalt zwischen den Hütten unterbrochen, der er gestattet, in den das Dorf eng umschliessenden Urwald zu gelangen, ohne das Innere der Hütten durchqueren zu müssen. Ein etwa anderthalb Meter breites Vordach beschattet eine offene, niedrige Veranda. Vor jeder Hütte brennt auf der breiten Dorfstrasse ein Feuer: der Kochherd des Hüttenbewohners. Er ist aus drei dicken, ein bis zwei Meter langen Rundhölzern zusammengesetzt. Wagrecht auf dem Boden liegend, laufen sie in der Mitte zusammen. Der Eingeborene lässt die Hölzer nur an der inneren Stirnseite brennen; mit zunehmender Verbrennung werden diese immer näher gegeneinander geschoben. Wird dies unterlassen, so erlischt die Flamme, und es bleibt nur eine leichte Glut, die indessen, wenn kein Regen fällt, ein bis zwei Tage weiterglimmt. Durch Ineinanderschieben der Hölzer und Abschlagen der noch schwelenden Kohle wird der Brand neu entfacht. Bei nahendem Regen wird der Kochherd mit wenig Mühe unter das Vordach geschoben, wo die Zubereitung der Mahlzeit sofort weitergeführt werden kann. Die Hütten bestehen aus einem mit Rinden verkleideten Holzgerüst, das durch darübergelegte, mit Lianen verbundene Bambusstangen zusammengehalten wird. Dieses leichte Baumaterial findet der Schwarze in grosser Fülle nebenan im Urwald. Eisenteile, auch Nägel, sind ihm als Baumaterial unbekannt. Die zum Bauen verwendeten Rinden werden von einigen besonders geeigneten Baumarten gewonnen. Um sie leichter abschälen zu können, werden sie erst mit einem zu diesem Zwecke verfertigten Holzhammer am Stamme bearbeitet. Unter den Hammerschlägen erhalten sie eine Zeichnung wie das schöngesprenkelte Fell des Leoparden. Nun werden Stücke von zwei bis zweieinhalb Meter Länge abgeschält und während einiger Wochen am Schatten getrocknet. So werden sie geschmeidiger und auch im Alter nicht spröde. Der Eingang auf der Vorderseite der Hütte gewährt gerade einem Menschen Durchlass. Die Türe, die aus Rinde besteht, kann auf der Innenseite nur weggehoben oder an einer Liane zur Seite geschoben werden. Fenster oder sonstige Oeffnungen sind nicht vorhanden. Dies rührt von der abergläubischen Furcht der Eingeborenen vor bösen Geistern her, welche durch jede Oeffnung in die Hütte eindringen könnten. Im Innern der Hütte wird ein ständig glimmendes Feuer unterhalten, das den Dachgiebel fortwährend in eine dichte Rauchwolke hüllt. Aufgehängte Nahrungsmittel trocknen über dem Feuer und werden gleichzeitig geräuchert. Dicke, wurstähnliche, kunstgerecht mit dünnen Theo Steimen umtödor Lianen geschnürte Pakete hängen in der dunstigen Luft. Sie enthalten die für die nächste Saat bestimmten Erdnüsse. Dazwischen baumeln aber auch Fische und Fleisch zum Räuchern, zu unkenntlichen Klumpen zusammengeschrumpft, auch Wurzeln, Rinden, seltsame Früchte und Gräser, die vom heilkundigen Weib in Krankheitsfällen als Medizin verwendet werden, oft mit gutem Erfolg. Friedlich hängen daneben dickbauchige Kalabassen, das sind getrocknete Kürbisflaschen, die als Wasserbehälter dienen. Alle diese Dinge sind mit einer dicken, russigen Schicht überzogen. Um das Feuer stehen einige aus Lehm verfertigte Kochtopfe, Auch die zur Arbeit untauglich gewordenen alten Weiber kauern tagsüber darum, ihre nackten, gebrechlichen Glieder wärmend. Zuweilen findet man in den Hütten abgemagerte, fiebernde Kranke. Sie liegen am rauchenden Feuer und schmiegen ihre Körper so nahe wie möglich an den warmen Herd heran. Die alten Frauen pflegen sie mit eigenartigen Heilmitteln, die sie ihnen einflössen oder als kühlende Umschläge auflegen. Vielleicht aber morgen schon wird der eine oder der andere darunter, falls seine Krankheit ansteckend ist, aus dem Dorfe ausgestossen sein. Nimmermehr wird er dann den Geruch des heimatlichen Herdes einatmen dürfen, und wie ein verendendes Tier wird er in der Wildnis erliegen. Rings an den Wänden liegen einige durch den Gebrauch glänzend und schwarz gewordene Strohmatten, die den Frauen als Schlafstätten dienen. Meistens teilt eine mannshohe Wand das Innere der Hütte in zwei ungleich grosse Räume. Hinter dieser Wand, im kleineren Teil, -befindet sich die Schlafstätte des Hausherrn. Auch sie ist äusserst primitiv. Immerhin ragt hier das Lager etwa kniehoch über dem Erdboden auf vier, in die Erde eingelassenen, dünnen Pfählen, die oben mit gabelförmigen Astansätzen versehen sind. In diesen Gabeln ruhen zwei Längshölzer und quer darüber liegen mehrere fingerdicke Stecken, die mit den Längshölzern mittels Lianen verbun-- den sind. Darauf sind getrocknete Rinden und Strohmatten ausgebreitet, und damit ist auch das Lager des Gebieters vollständig. Als Kopfkissen dient fast allgemein ein Stück Holz. Mit seltsamen Gegenständen sind hier rings die leichten Wände behangen. Kleine Beutelchen enthalten die Zaubermittel des Hausherrn, getrocknete Felle der Tigerkatzen beschützen vor den Geistern, an denen die Einbildung der Schwarzen so reich ist. Auch die roten Schwanzfedern des einheimischen Papageis fehlen nicht. Sie sind hie und da in die quer über die Rinden laufenden Bambusstangen gesteckt und beleben mit ihrer zinnoberroten Farbe schmückend die Eintönigkeit der Wände. Auch sie stehen mit dem Geisterglauben der Schwarzen in Beziehung. Hier besagen sie, dass der Inhaber der Wohnung zur religiösen Gemeinschaft des Buiti gehört. Das gleiche bezeugt auch die am Kopfende des Lagers an der Wand befestigte kleine, rohgeschnitzte Holzfigur. Sie bekundet, dass in ihrer Nähe, unter der Schlafstätte, die grosse Medizin, das Reliquarium des Buiti, vergraben liegt. Dem Lager gegenüber, in der Hinterwand der Hütte, ist ebenfalls eine Oeffnung angebracht. Sie ist aber bedeutend kleiner als die Türöffnung auf der Vorderseite und gerade gross genug, dass ein Mensch hindurchschlüpfen kann. Meistens ist sie von innen sorgfältig verschlossen. Sie dient den Eingeborenen als Geheimausgang, der den Dorfeinwohnern ermöglicht, bei der Annäherung unerwünschter Besucher, hauptsächlich Weisser oder gar der schwarzen Soldaten, unmerklich und spurlos aus dem Dorfe zu verschwinden. So kann es geschehen, dass der fremde Ankömmling, der eben noch das Durcheinander von menschlichen Stimmen und den Lärm des Alltagsbetriebs vernommen hat, das Dorf bei seiner Ankunft wie ausgestorben vorfindet. Gar oft brodeln noch die dampfenden Kochtöpfe über den Feuern, und alles trägt die Spuren regen Lebens, und doch ist jede Hütte sorgfältig verschlossen, kein menschliches Wesen ist zu erspähen. Freilich, nicht immer ist es so gewesen. Erst viele bittere Erfahrungen haben den Schwarzen so scheu und misstrauisch gemacht. Zu rücksichtslos und unbarmherzig ist er von den weissen Eindringlingen im Namen ihrer ihm so wesensfremden Zivilisation missbracht worden. Da ihm die Möglichkeit, sich zur Wehr zu setzen, genommen wurde, sucht er sich zu retten durch überstürzte Flucht. Die kleine Wachstube am Ein- und Ausgang des Dorfes ist in der Hinterwand mit einem Guckloch versehen- Sobald ein Unerwünschter sich nähert, wird er von den wachthabendee Posten, die sich beständig hier befinden, sind. Scharf beobachtend verfolgen sie aus Spalten der Hüttenwände auf ihn gerichtet im Dorfe gemeldet. Gleich flüchtet sich die ihren Verstecken jede seiner Bewegungen mit ganze Bevölkerung, Männer, Frauen und Kinder, durch die wenigen Zwischengänge und der Weisse in guter oder schlechter Absicht grösster Aufmerksamkeit und Spannung. Ob besonders durch die Hintertürchen der Hütten gekommen sei, ob er bösen, gewalttätigen Charekters, ob ehrlich und freigebig, das und vie- in den das Dorf umschliessenden Urwald, nachdem sie, wenn irgend möglich, auch Hühner, les andere haben die zurückgebliebenen alten Schafe und Ziegen dorthin getrieben haben, um Weiber von den Lastträgern, die das alles wissen, inzwischen erfahren. auch sie vor den Augen der Eindringlinge in Sicherheit zu bringen. Allenfalls lassen sie • Die Eingeborenen sind nämlich ausgezeichnete Beobachter. Eine oder zwei Wochen ge- einige alte, gebrechliche Frauen zurück. Genügen ihnen, um die Eigenschaften eines im Lande neu angekommenen Weissen zu erfassen. Je nach dem Ergebnis dieser Beobachtung erhält "der Weisse von den Einheimischen auch einen Beinamen, z. B. «Dem die Natur viel Kraft verliehen hat», «Der eigensinnig ist », « Der jähzornig ist », « Der viel trinkt », « Der die Frauen liebt >, « Dessen Zunge gespalten ist», d. h. der lügt, und so weiter. Unter einem solchen Beinamen wird und bleibt in der Folge der Weisse bei ihnen bekannt. Schon weil den Eingeborenen die Aussprache' der europäischen Namen Schwierigkeiten bereitet, aber auch wegen der Wichtigkeit der Charaktereigenschaften, wird nur selten der wirkliche lassen und scheinbar teilnahmslos hocken die Greisinnen als stumme und doch scharfe Beobachter vor den Hütten. Fragend richtet der Angekommene das Wort an die stumm Dasitzenden. Sie schlagen in ihrer eigentümlichen, apathischen Weise die Hände zusammen und drücken damit ihr Nichtverstehen aus. Oder aber sie stellen sich überhaupt taub. Unterdessen sind einige Lastträger des Weissen angekommen. Durch diese erfahren nun die Alten mit einigen Fragen rasch, in welcher Absicht der Fremdling gekommen sei. Das kurze Gespräch wickelt sich in gleichgültigstem Tone ab und scheint in keiner Beziehung zu dem Ankömmling zu stehen. Eine gute Stunde mag so vergangen sein. Nichts scheint sich geändert zu haben. Inzwischen sind aber die meisten der geflüchteten Bewohner, sofern sich nichts Aussergewöhnliches ereignete, unbemerkt durch die Hintertürchen wieder in ihre Hütten zurückgekehrt. Der Fremdling vermutete die Leute in weiter Ferne. Er ahnt nicht, dass aus nächster Nähe Hunderte von unsichtbaren Augenpaaren durch kleine Ritzen und In dei verträumten, schönheitstrunkenen Luzerner Bucht — dem lockenden Ziel unzähliger Ferienfreudiger — liegt vor Anker das glückverheissende ARVE-Schiff. Bald wird es seine jubelnde Fahrt zu den Gestaden des Reichtums antreten. Sein Millionenschatz kommt dann unter 2S044 Glückspassagieren zur Verteilung. 250000. 100000. 60 000. 25 000 Bar-Franken etc. gibts da einzuheimsen. Lösen auch Sie Ihre Karte mit raschem Entschluss. Nur 10 Fr. kostet sie. Eine Kleinigkeit bei den Chan- Di« Lazerner Kantonalbank garantiert die Auszahlung der Treffer. Lose sind erhältlich bei sämtlichen luzem. Banken. Reisebureaul md bei den bezeichneten Verkaufsstellen. Für ungeschriebene Zustellung der Lose Bszeüese f>. 10—. Zeknerserie ft. 100— Namen des Weissen gebraucht. Verlässt der Weisse die Gegend, um in ein anderes Gebiet zu übersiedeln, so folgt ihm fast immer auch sein Beiname dorthin nach. Er verbleibt ihm während seines ganzen Kolonialaufenthaltes. Schon diese Benennung allein sagt dem Eingeborenen sofort, wie der Angekommene ist und was er von ihm zu gewärtigen hat. Unbemerkt wird das Vernommene durch die alten Weiber den Versteckten bekannt gegeben. Fallen die Auskünfte befriedigend aus, so tauchen die Einwohner nach und nach, scheinbar völlig harmlos, wieder auf. Die verlassene Dorfstrasse beginnt sich allmählich zu beleben. Die zurückgekehrten bleiben aber immer noch zurückhaltend und misstrauisch. Erst einige freundliche Worte oder kleine Geschenke machen sie zutraulicher. Sind dagegen die Berichte über den Angekommenen unbefriedigend ausgefallen, so wird er kaum andere Gesichter zu sehen bekommen, als die alten Weiber. Da wird ihm alles Flüchen und Toben nichts nützen. Im Gegenteil, er würde die Lage nur noch verschlimmern. Am besten, er verlässt das Dorf und zieht seines Weges weiter. Aus dem Buche «Ekia Lilanga und die Menschenfresser». Von Theo Steimen, Schweizer-Spiegel, Verlag. cen, die Ihnen winken; Eine geschlossene ZehnerseriezulOOFr. gewinnt garantiert mindestens einen Treffer. Postwendend erhalten Sie Ihr Los zugestellt, wenn Sie den Betrag auf Postcheckkto. VII 6700 einzahlen. 250 000 25 000 mal 10 000 „ 5 000 • .,1000 • „ 500 200 „ 200 7S0 .. 100 4 000 „ 40 20000 .. 70 15044 Tr.fl.r 1,350,000 i'ar- . gewinn« - DasAKVE-Glttcksscttfifttxdle schönste Fahrt Ihres Lebens! 40 Rappen lür Porto beifügen: Zlehang»- Usl«, wenn, nach Erscheinen gewünscht. 30 Rappen. Lotterfeburean: rfiracb* KaalOBalbank-Gasaiirle. DUkretex Lnsren.nrl Lazerner Lotteria für Arbeitsbeschaffung Bewilligt vom Regierungsrat des Kantons Luzern ZIEHUNG: 5. Dezember 1936 Die Gewinne werden nach allen Kantonen ohne jeden Abzug ausbezahlt.