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E_1936_Zeitung_Nr.074

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10 AUTOMOBIL-REVUE

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Es handelt sich- um die Existenz des Chauffeurs. Zuschriften an Advokaturbureau Dr. S. Brin, Basel, Falknerstrasse 8. 73573 im Waldhaus Lützelflüh. 12.—16. Sept. 75297 Gebr. Bartschi Automobil-Revue, Bern. Partnerin sportlich gesinnt, die Zeltleben mitmachen kann, für ine Tour durch Graubünden, Tessin und Wallis Zelte; Schlafsäcke etc. vorhanden. Partnerin müsste lediglich für ihre Selbstkosten aufkommen. Dauer der Reise zirka 5 Wochen. — Eilofferten mit Bild bis spätestens "18. September erbeten unter Chiffre 73590 an die Automobil-Revue, Bern. Autoreparaturwerkstätte Altes Autogeschäft mit Garage und Boxenanlage für ca. 50 Wagen, Rep.-Werkstatt, 6 Wohnungen, in Verkehrszentrum an wichtigst. Durchgangsstr., umständehalber sofort zu verkaufen, ev. für länger zu vermieten. Nur kapitalkräft. Käufer mit mindestens Fr. 40000.- wollen sich meld. unt. Chiffre 73542 and. Automobil-Revue. Bern. 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BERN, Freitag, 11. September 1936 Automobil-Revue, II. Blatt - Nr. 74 ^"Gayec^ Frauenschicksale der Weltgeschichte W t dh ^^k 4%. in • V*. & ^ M Karneval in Rom. Das wilde, ungezügelte Leben der Spätrenaissance gestattete Adel und Volk in den Tagen, welche der grossen «Fasten- und Bussezeit> vorangingen, sich noch etwas Besonderes zu leisten. Ueppige Gastmähler, Maskeraden, Aufzüge, Schauspiel und Tanz genoss ein jeder so gut er nur konnte. Dass jede Fastnacht im Duell und Handgemenge eine Anzahl Tote kostete, gehörte gewissermassen zur «Nachtordnung» und beeinträchtigte die allgemeine Festfreude kaum. Anfang Februar des Jahres 1556 — der Karneval war schon ziemlich auf der Höhe — gab der Geheimschreiber des Herzogs von Paliano ein glänzendes Souper. Der Herzog selbst, sowie seine beiden Brüder — der Marchese di Montebello und Kardinal Carlo Carafa — waren anwesend. Leider auch eine zu jener Zeit «hochberühmte» römische Kurtisane, die Martuccia. Man vergnügte sich in äusserst freier Weise, und die Ausgelassenheit erklomm ihren Gipfelpunkt, als plötzlich eine Anzahl ungeladener Edelleute in den Saal drängte. Nach kurzem Wortwechsel will ein junger Adeliger die Martuccia, auf deren Hiersein er masslos eifersüchtig ist, mit fortziehen. Natürlich protestieren die Gastgeber — es erhebt sich ein unglaublicher Tumult, und man zieht gegenseitig die Waffen. Schliesslich wälzt sich der ganze Knäuel Streitender auf die nächtliche Strasse — es gibt einen Auflauf, Verwundete — ober keine Tote. Die Opfer dieses «Karnevalvergnügens» werden später fallen... Vorerst aber ergibt sich ein Riesenskandal, denn trotzdem Rom allerlei gewöhnt ist, so entrüstete sich doch der sittenstrenge Papst Paul IV. flammend darüber, dass Kardinale (es waren noch zwei weitere anwesend) sich für die «Ehre» einer Martuccia schlugen! Und Paul IV. ist nicht gesinnt, sich mit den Entschuldigungen seiner Neffen zu begnügen. Zwar hatte auch er — dieser Neapolitaner aus dem vornehmen Hause der Carafa — gleich seinen Vorgängern auf dem Stuhle Petri dafür gesorgt, dass seine nächsten Verwandten zu Macht und Ansehen kamen. Er hatte dem Kardinalneffen die gesamte Leitung seiner Hausund Kirchenpolitik übertragen, den Herzog von Paliano, sowie den Marchese di Montebello mit Schlössern und Ländereien des Kirchenstaates belehnt, kurz, diese drei geliebten Söhne seines verstorbenen Bruders mit Glücksgütern überhäuft. In einem aber unterschied sich der achtzigjährige Papst sehr deutlich von Alexander VI. oder Leo X. — er hielt auf eine unbefleckte Familienehre. Die «Riforma» der, Kirche, welche der Papst mit solch lebendigem Eifer betrieb, durfte nicht am unwürdigen Wandel ihrer Vertreter scheitern. Also berief Paul IV. ein Konsistorium, an dem er seine Neffen all ihrer Aemter entsetzte und sie aus Rom verbannte. Der Herzog von Paliano musste sich ins abgelegene, öde Sorino vor den Demnächst Erster Preis: Fr. 200.« in bar! Sämtliche richtige Lösungen werden prämiert. l ie Jlerzocfm von Albanerbergen zurückziehen. Er ging nicht allein. Etliche Anhänger und treue Freunde begleiteten den Gestürzten und klaglos auch die jäh'aus allem Glanz gerissene Gemahlin Violante mit ihren drei Kindern. Violante Diaz Cardone aus dem Hause der spanischen Grafen von Alife liebte ihren Mann, den Herzog, über alles. Sie liebte ihn trotz seiner Fehler, trotz seiner ewigen Untreue. Ihre Sittenstrenge stand ausser allem Zweifel; für die schöne Herzogin von Paliano existierten die tausend Versuchungen Roms nicht. Violantes Schönheit war ihrer Bildung ebenbürtig. Dante, Petrarca, Ariost — dieses Trifolium geistiger Grosse schenkten ihr andere und höhere Genüsse als flüchtige Sinnenreize. Ihren Kindern war die Herzogin eine treue und zärtliche Mutter. — Wie Violante ihren Gemahl liebte, so sehr, so feurig wurde auch sie geliebt - von dem Herzoge. Denn trotz seinen Ausschweifungen wusste Giovanni Carafa sehr wohl, welch seltene Perle ihm das Schicksal in Violante geschenkt, und er hütete diese Kostbarkeit mit eifersüchtigen Augen. Herzogin Violante hatte eine Freundin und Vertraute um sich, ihre Kusine Diana Brancaccio, ein hübsches, rothaariges Edelfräulein. Diana war wenig bemittelt, und so stellten sich denn die der Familie genehmen, ebenbürtigen Freier nicht ein. Denn zu jener Zeit dachte man streng realistisch — die Romantik hatte höchstens Raum in der Dichtkunst! So ging denn die leidenschaftliche Diana schon in ihr dreissigstes Jahr, als sie sich heftig verliebte. Leider war der Erwählte nur ein «kleiner» Adeliger in der Suite des Herzogs — ein Mann ohne Mittel, ohne Zukunft. Trotzdem hoffte Diana, und sie beschwor die Herzogin um Beistand und Fürbitte vor ihrem Gemahl. Denn Violante allein hatte Macht über den hochfahrenden Carafa; und so warteten denn beide Damen auf eine günstige Stunde. Sonderbarerweise wohnten Violante und ihr Gemahl während der Verbannung nicht im selben Schlosse — der Carafa «residierte» im Kastell zu Sorino, während die Herzogin und ihr Gefolge im etwas entferntem Gallese wenig komfortabel untergebracht war. — Nun hatte Violante unter ihren Hofleuten einen jungen, vornehmen Edelmann aus Neapel. Dieser — Marcello Capece mit Namen — genoss eine Vertrauensstellung, die er offenbar nur ausübte, um sich irgendwie zu betätigen. Öenn Marcello Capece war reich — dazu schmückten ihn Anmut, Wohlgestalt und Geist. Wie leicht, wie mühelos schien unter diesen Vorzeichen ein Aufstieg zu Erfolg und Ruhm — aber seine Lose fielen anders. Denn Marcello Capece liebte die Herzogin. Er liebte sie schon seit Jahren, schon in den Glanzzeiten zu Rom und nun hier, in der fristen Verbannung noch weit inniger! Aber Marcello liebte hoffnungslos. Er kannte das Herz dieser seltenen Frau, besser wohl als ihr leichter Gemahl, und wusste, dass es niemals für ihn zu gewinnen war. Trotzdem entriss ihm seine Leidenschaft eines Tages, da er mit der Herzogin endlich einmal für kurze Augenblicke allein blieb, ein Geständnis! Violante Carafa erwiderte seine Liebesworte mit der strengen Frage: «Marcello, sag mir, hat irgend etwas in meinem Benehmen dich zu solcher Kühnheit gebracht, habe ich dich glauben lassen, dass auch nur der Schatten eines Gefühles für dich mein Herz bewegt?» Giovanni verneint heftig. «Nun dann, mein Freund, so will ich zu deinen Gunsten annehmen, du seiest das Opjer einer — wie ich glaube und hoffe — vorübergehenden Sinnesverwirrung 1 Täusche ich mich aber in diesem Glauben, dann Giovanni, will und werde ich den Herzog unterrichten;» und damit lässt Violante den erregten und beunruhigten Verehrer allein. Die Herzogin aber begibt sich zu Diana, und schildert ihr das soeben Erlebte. Macht am Luqarversee. Diana ist eine Frau von anderem Format. Für sie bedeutet eine leidenschaftliche Liebe alles! Um so grösser ist darum ihre Verzweiflung, als kurz hernach jener Edelmann, den sie so intensiv begehrt, spurlos verschwindet. Denn jener — die Verschiedenheit von Stand und Familie ermessend, zog eine freiwillige Flucht dem in solchen Fällen beliebten «Stummgemachtwerden» durch des Herzogs Leute vor! — Diana rast, als sie von dieser Flucht hört. Sie stürzt sich in Verzweiflungsausbrüche — weint, klagt und jammert und erschöpft schliesslich derart die grosse Geduld und verstehende Güte der Herzogin. Violante bittet Diana, sich endlich wieder zu beruhigen, es sei nun des Elends genug l Diana, heftig und verstört, lässt sich keinen Verweis gefallen. Und plötzlich, mit der ganzen Triebhaftigkeit ihres Wesens, wandelt sich die Ergebenheit gegen Violante zu glühendem Hass. — «Wie — diese Frau da, diese Herrin, soll alles haben, die Liebe ihres Mannes, das Umworbensein durch den schönen Capece — und sie, Diana, soll hungrig bleiben nach den Genüssen des Lebens?? Nun gut, dann wird sie wenigstens die Rache befriedigen... Und nun geht Diana zum Herzog. Sie erzählt ihm von der Liebe Marcellos zur Herzogin, sie schildert die unerlaubte Beziehung seiner Gattin zu dem jungen Manne. — Aber der Carafa bleibt zunächst kühl. Denn er, der Ungetreue, baut auf Treue; der Leichtsinnige spürt irgendwie wie rein und klar die Seele seiner Frau ist. Darum sträubt sich sein Herz, der Verläumderin zu glauben. Aber Diana sagt sich: «steter Tropfen höhlt den Stein»; sie findet stets neue Vorwände, um nach Sorino zum Herzog zu gehen und ihm allmählich die detailliertesten Angaben über die Untreue seiner Gemahlin einzuflüstern. — Schliesslich wird der Herzog doch unruhig (weshalb er nicht einfach zu seiner Gattin eilt und sie freimütig ausfragt, wirft auf die Ehesitten jener Zeit ein sehr sonderbares Licht!). Als nun der Carafa eines Abends zufällig im Schloss zu Gallife weilt, da stürzt Diana herein und berichtet dem Herzog aufgeregt, soeben sei Marcello Capece im Schlafgemach der Herzogin verschwunden. (Fortsetzung folgt.) (Photo Klein)