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E_1936_Zeitung_Nr.074

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Verwertung grosser

Verwertung grosser Obsternten. Und da sollen nun Frachtbeiträge dem schweizerischen Mostexport wieder auf die Beine helfen! Klarheit scheint jedenfalls nicht die stärkste Seite dieses Regiebetriebes. Hinsichtlich «Förderung des Frischverbrauches an Obst» wird vor allem der verbilligten Abgabe von Frischobst an die Gebirgsbevölkerung, sowie an notleidende Volkskreise das Wort geredet. Rein menschlich, dann aber auch vom Standpunkte der Volksgesundheit aus, ist dies soziale Postulat aller Unterstützung wert. Wie steht es aber hinsichlich der Vorkehrungen, die das Verschnapsen solcher Liebesgaben-Sendungen verhindern? O ja, auch das soll schon vorgekommen sein. Dann wird die Beschränkung des steuerfreien Eigenbedarfes vorgeschlagen. * Durchaus lobenswert, diese Absicht — nur etwas spät. Der eidgenössischen Alkoholverwaltung war nämlich längst bekannt, dass derselbe von einst 20 Liter nicht selten auf deren 2000 und mehr angewachsen war. Dasselbe gilt für die Massnahmen hinsichtlich Schwarzbrennerei und Schwarzverkauf. Die Hintertürchen, welche das Betreiben dieser beiden* einträglichen Gewerbe gestatteten und die Alkoholgesetzgebung damit unwirksam machten, waren zuständigenorts längst nichts Unbekanntes mehr. Doch einer Katze gleich, ging man um diesen heissen Brei herum. Man hütete sich wohl, in dies Wespennest zu stechen. Oberst Tanner, der sich vor allem und in allem als Soldat fühlt, hat hier kläglich versagt. Mut und Entschlusskraft zur Ausmerzung bestehender Uebelstände sind erste Tugend eines jeden Truppenführers! Doch eben — ein pflichtgemässes Eingreifen hätte vorab landwirtschaftliche Kreise tangiert. Unbekümmert der wiederholten Richtigstellungen enthält auch dieser Ergänzung*, bericht neuerdings das Märchen vom qualitativ minderwertigen inländischen Industriesprit. Direkt bewundernswert ist übrigens die Tarnung der Alkoholimporte! Es sieht wirklich viel besser aus, wenn an Stelle der auf 5 000 000 Liter oder 4000 t lautenden Lieferungsverträgen mit ausländischen Firmen von solchen über 120+160+120 Wagenladungen Feinsprit gesprochen wird, oder man anstatt von 300 000 Litern, resp. 2300 t einfach von 4+4+15 Wagen Alkohol absolutus schreibt. Die Behauptung, die eidg. Alkoholverwaltung habe diese neuen Verträge (1935 und 1936) nur abgeschlossen, um die Industrie ohne die Gefahr von Qualitätsbeanstandungen beliefern zu können, • stellt eine bewusste Irreführung dar! Wohl sollen Reklamationen wegen ungenügender Spritqualität seitens der chemischen Exportindustrie vorgekommen sein, doch die oben angeführte Behauptung des Alkoholdirektors sei einmal mehr Irrtum und Fehlrechnung, indem es sich bei diesem beanstandeten Industriesprit um solchen ausländischer Provenienz gehandelt haben soll! Was soll man davon halten, wenn Herr Tanner im Ergänzungsbericht ausführt: Die Alkohol Verwaltung könne keinen Feinsprit herstellen, denn die diesbezüglichen Bestrebungen seien noch immer im Versuchsstadium, diese aber bereits am 1. Januar 1936 Feinsprit fabrizierte und damit auch verschiedene Kunden belieferte ? Ausserdem geben wir zu bedenken, dass sämtliche in der Schweiz erzeugten alkoholhaltigen pharmazeutischen Produkte nicht ausreichen, um eine einzige Eisenbahnwagenladung herzustellen. Ferner sei festgestellt: die eidg. Alkoholverwaltung schloss am 12. Februar 1936 einen über 1200 t Feinsprit lautenden Lieferungsvertrag mit einer holländischen Firma ab — trotzdem die eigene Verwaltung im eigenen Lande Feinsprit herstellt! Die Feststellung des Berichtes: «Die Belieferung der chemischen Exportindustrie darf Führerschein mit Strafenregister. Durch einen Erlass des deutschen Innenministeriums ist angeordnet worden, dass alle nach dem 31. Juli 1936 rechtskräftig verhängten Strafen wegen Vergehens gegen die Verkehrsvorschriften in den Führerschein einzutragen sind; bei Verwarnungen, auch gebührenpflichtigen., erfolgt eine Eintragung bis auf weiteres nicht. Taxameter mit Dieselmotor. Bei den hohen Benzinpreisen, ist es verständlich, dass gerade die Pariser Taxichauffeure sich für einen neuen Motor interessieren, der zur Zeit in den Citroen-Werken zum Zweck des Einbaues in Taxameter ausprobiert wird. Es handelt sich um einen Vierzylinder-Dieselmotor von 75 mm Zylinderdurchmesser, 100 mm Hub und einer Höchstdrehzahl von 3500 U./Min. Auch bei uns würde mancher erhöhte Anschaffungskosten nicht scheuen, um die prohibitiven Benzinsteuern zu umgehen. < Vor-Wegweiser » vor Kreuzungen und Gabelungen. Der deutsche Reichsverkehrsminister hat die Einführung von « Vor-Wegweisern » angeordnet, die etwa 150 Meter vor wichtigen Kreuzungen und Gabelungen der Landstrassen errichtet werden sollen. Auf gelbem Grunde wird schematisch der Lageplan mit entsprechender Beschriftung aufgezeichnet, so dass der Automobilist rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht wird, welche Richtung er einzuschlagen haben wird. Zunahme des tschechischen Automobilabsatzes. ; Während in der Schweiz die automobilisüschen Fiskallasten eher im Steigen begriffen sind, was sich in einer deutlichen Stagnation des Automobilbestandes dokumentiert, beginnen sich die in der Tschechoslowakei kürz* lieh durchgeführten Steuererleichterungen nur mit einwandfreier Ware erfolgen. Die Monopolverwaltung hat dafür die Verantwortung zu tragen», regt zur Aufstellung paralleler Forderungen an. Wenn doch die Verantwortung bei der Eidg. Alkoholverwaltung so ernst genommen wird, dann nenne man uns endlich den für den ausgewiesenen Verlust von 21,6 Millionen Franken an Stelle des pro 1934/35 «vorsichtig» berechneten Gewinnes von 25 Millionen Franken Verantwortlichen oder die resp. verantwortliche Stelle. Das genarrte Schweizervolk ist ganz Aufmerksamkeit! Wahrlich, die Säuberung dieses Augiasstalles scheint auf enorme Schwierigkeiten zu stossen. Vielleicht könnte sich der Chef des Finanzdepartementes odei- dann die eine oder andere der beiden Alkoholkommissionen der eidgenössischen Räte dazu entschliessen, einmal statt dem Direktor dieser Monopolverwaltung oder Mitgliedern der ihm treu ergebenen landwirtschaftlichen Gruppe Fachleute der technischen und der juristisch-koinmerziellen Gruppen anzuhören und zu befragen. Wer weiss, ob dann nicht endlich Licht in dieses Dunkel käme? Jedenfalls übernimmt unser Bundesrat mit diesem neuesten Flick auf die bröckelnde Fassade der etdg. Alkoholverwaltung eine grosse Verantwortung. Ungezählte Millionen dass er nichts anderes wusste, als Sybill dafür anzuklagen. Er überlegte, was er ihr alles sagen wollte, baute eine grosse Rede, in der einiges von zarten Illusionen vorkam, die durch weibliche Brutalität zerstört wurden. Auch ein paar treffende Bemerkungen darüber, wie gleich alle Frauen wären, ach, so verächtlich gleich ! Gab es denn wirklich keine, die den grossen Schwung des Herzens besass ? Von Augenblick zu Augenblick wurde die Rede sanfter. Jetzt hiess es darin nur mehr, dass es für eine Frau nicht kränkend sein könnte, von einem Mann geliebt zu werden, der kein Recht dazu hatte. Aber wenn es sein musste, bat auch er dafür um Verzeihung. Und Sybil sollte sich nicht sorgen, wie lang er brauchen würde, Form und Atem ihres Mundes zu vergessen. Ach, besser wäre es gewesen, das alles nie zu erfahren... Sybil brauchte sich nicht um ihn zu kümmern — nein, sie sollte nur weitergehen, leicht und unbeschwert. Es waren schon viele ordentliche, brave Männer an solchen Dingen zugrundegegangen. Wobei noch dahingestellt blieb, ob er ein ordentlicher und braver Mann war. Um das aufzuklären, müsste er viel erzählen, sehr viel... Als Lukas endlich zu sprechen anfing, sagte er nichts von alldem. Er hatte nicht einmal so viel Mut, ihre Hand zu fassen oder sie beim Namen zu nennen. «Ist es wirklich so schrecklich, dass wir uns geküsst haben ? Fürchten Sie, dass ich mir jetzt'verschiedene Dinge einbilde? Nein, ich weiss, das hatte nichts zu bedeuten...» Er holte Atem, aber es wurde ihm schwer zu sprechen. « Das hat nichts zu bedeuten, als dass diese Nacht schön ist, und dass ich neben Ihnen war und nicht...» Er ersetzte den gefährlichen Namen durch eine Pause. Dann murmelte er: «Natürlich weiss ich sehr gut, dass ich Ihnen nichts bin. Lassen Sie es mich doch nicht entgelten, dass ich zufällig in einer JVünuta aufgetaucht .bin, in der AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, 11. SEPTEMBER 1936 — N° istischer bereits auszuwirken. War in den ersten 6 Monaten des laufenden Jahres der Absatz noch kleiner als in der entsprechenden 'Vorjahresperiode, so lagen im Monat Juli, unter Einwirkung der Steuererleichterungen, die verkauften Mengen weit über denjenigen im Juli 1935. Der Gesamtabsatz vergrösserte sich von 1153 (1222) im Juni 1936 auf 1299 (1130) Wagen im Juli. Die Absatzziffern lagen somit im Monat Juli 1936 um 12 % über denjenigen des Vorjahres. Vom Gesamtabsatz entfallen 1040 Stück auf Personenwagen. Seit Jahresbeginn wurden insgesamt 6567 (6530) Automobile verkauft. Ford-Montage auch in Oesterreich. Dem Vernehmen nach schweben zur Zeit Verhandlungen zwischen den amerikanischen Ford-Werken und einer alten österreichischen Automobilfabrik über den Lizenzbau von Fordwagen in Oesterreich. 1,500,000 gestohlene Autos. Eine soeben veröffentlichte amerikanische Statistik stellt fest, dass seit dem Jahr 1922 in der ganzen Welt rund 1$ Millionen Autos gestohlen worden sind. In den USA selber rechnet man mit einem täglichen Durchschnitt von 1000 gestohlenen Wagen. Gummi aus Petroleum und Gummispionage. Die österreichischen Chemiker Mehner und Dr. Rostler haben in Wien Laboratoriumsarbeiten durchgeführt, bei denen es ihnen gelang, aus Raffinationsrückständen des Petroleums einen gummiähnlichen Stoff zu gewinnen, der vor allem als Hilfsprodukt bei der Gummi- und Lackindustrie verwendet werden kann. Das technisch bisher am i. meisten vollendete Kunstgummiprodukt, das von der deutschen Industrie hergestellt und dessen Geheimnis sorgsam gehütet worden war, ist auf bisher ungeklärte Weise auch englischen Chemikern bekannt geworden; man nimmt an, dass es sich um einen sehr ernsten Fall von Industriespionage handelt. sind verschleudert worden; wie viele sollen es noch werden, ehe es endlich zu durchgreifenden Massnahmen kommt? Ausserdem — die Heranziehung der gänzlich unbeteiligten Benzinkonsumenten zur Berappung dieser Misswärtschaft wird den Rest an Vertrauen in eine über Partei- und Verbandsinteressen stehen sollende bundesrätliche Wirtschaftsund Finanzpolitik in weiten Kreisen unseres Volkes vernichten. Wer übernimmt die Verantwortung? a« ^ Verkehrssteuern im Kanton Zürich. Was sich an Hand der anfangs 1935 stärker einsetzenden Betriebsstillegung von Motorfahrzeugen hat voraussehen lassen, ist nun auch eingetreten: Erstmals hat der Kanton Zürich keine Zunahme an Verkehrssteuern, sondern vielmehr eine erhebliche Abnahme von rund 60000 Fr. zu verzeichnen. Zwar haben die bezüglichen Erträgnisse schon 1934 eine weit geringere Zunahme aufgewiesen als frühere Jahre, indem der bezügliche Betrag von 6 219 995 Fr. im Jahre 1933 nur noch auf 6 252101 Fr. gesteigert werden konnte, um aber 1935 auf 6,1 Mill. zurückzufallen. Sybil wandte sich zu ihm und sah ihn verständnislos an. Sie schüttelte den Kopf. Aber Lukas hatte die kindliche Idee, Sybil würde gern daran glauben, mit diesem Kuss nicht ihn, sondern Konstantin gemeint zu haben. Und dann alles leicht nehmen, wieder heiter sein. Ein Lächeln, Sybil! Noch ein einziges Wort, bevor diese Fahrt zu Ende ist! • w «Denn wenn ich Ihnen ein anderes Mal begegnet wäre, übermorgen zum Beispiel...» < Wenn ich Sie übermorgen getroffen hätte », sagte Sybil langsam, « vielleicht auf dem Konsulat, vielleicht gerade, wenn ich den Ehekontrakt unterschreiben sollte... dann hätte ich die Feder wieder hingelegt, und ... trotzdem ich Konstantin liebe, verstehen Sie, über alles liebe, hätte ich Sie geküsst — so... und so... und so...» Sybils Handtäschchen lag auf dem Sitz, unbeachtet und überflüssig wie ein herrenloser Hund. Als es an den Rand glitt und klatschend zu Boden fiel, nahm niemand Noiiz daxon. Da lag es nun,, auf dem- staubigen Nach der vorliegenden kantonalen Polizeidirektion sich die Gesamteinnahmen fahrzeugverkehr wie folgt: Staats- und Schreibgebühren (lies Gebühr für Erneuerung des Führerausweises) Gebühren für Prüfung von Fahrzeugen und Führern Verkehrssteuern Kontrollschilder und CH- Schilder Abrechnung der pro 1935 stellen aus dem Motor- 1935 1934 385.761 378.315 188.521 207.636 6.193.556 6.252.101 31.708 58.581 Total 6.799.549 6.896.63-i Dazu sei ergänzend nachgetragen, dass sich die bezüglichen Totaleinnahmen pro 1933 sogar auf 6971936 Fr. gestellt hatten, also hier schon' eine namhafte Abnahme in nur zwei Jahren, die den ganz hübschen Betrag von rund 172 000 Fr. ausmacht. Als verschärfendes Moment in dieser bedauerlichen Sachlage kommt noch hinzu, dass die Abnahme der Erträgnisse speziell beim Posten Gebühren für Prüfung von Fahrzeugen und Führern rund 10 % beträgt — ein Zeichen dafür, dass die Inbetriebstellung neuer Fahrzeuge stark zurückgeht, ebenso die Zahl neuer Fahrer. Entsprechend sind auch die Einnahmen aus der Abgabe von Kontroll- und Nationalitätsschildern um rund 27 000 Fr. zurückgegangen, d. h. um etwa 46 %. Anderseits spiegelt sich die prosperierende Entwicklung im Fahrradverkehr des Kantons Zürich auch in der 1935er. Staatsrechnung wider. Die Erträgnisse aus dem Fahrradverkehr sind von 1934 auf 1935 um rund 32 000 Fr. angestiegen. Die Abwanderung vom Motorfahrzeug zum Fahrrad dürfte sich vornehmlich auf Konto des Motorrades ergeben haben, was durch den Bestandesrückgang an solchen bestätigt wird. Rechnet man noch die Erträgnisse aus dem Schiffahrtsverkehr und Diversem hinzu, so ergibt sich eine Totaleinnahme aus dem Motorfahrzeug-, Fahrrad- und Schiffsverkehr pro 1935 von 7 305 129 Fr. gegenüber 7 371 841 Fr. im Vorjahre und 7 422 654 Fr. 1933. Seit zwei Jahren somit ein Rückgang von über 117 000 Fr.! Die Angaben der 1935er Staatsrechnung über die Ausgaben der kantonalen Motorfahrzeugkontrolle ergeben eine Totalausgabe von 450 391 Fr. (461 474) gegenüber einer Einnahme von 7 305 129 Fr. (7 371 841). Aus dem Ueberschuss wurden folgende Ueberweisungen vorgenommen: An die Stadt Zürich als Anteil an Strassenunterhalt 969 863 Fr. (976833), an die Stadt Winterthur 365 875 Fr. (368 504), ferner an den Fonds für Verbesserung und Unterhalt der Hauptverkehrsstrassen 4 906117 Fr. (4 920 748). Dieser letztere Fonds stellte sich per 1. Januar 1935 auf 9 451 504 Fr. und erhöhte sich durch folgende Einnahmen: Anteil an Verkehrssteuern 4 906117 Fr., Baueinnahmen 1447 821 Fr., Anteil am Benzinzollertrag 1 203 876 Fr. und Zinsen 331162 Fr. auf 17340 482 Fr. Durch Entnahme von 6 852172 Fr. für Verbesserung und Unterhalt von Hauptverkehrsstrassen betrug der Fonds per Ende 1935 10 488 310 Fr., d. h. 1036 805 Fr. mehr als Ende 1934. Es ist verständlich, wenn die Entwicklung der Einnahmen aus dem Motorfahrzeugverkehr des Jahres 1935 den zürcherischen Behörden zu denken gibt und man heute vielleicht dem Vorschlag der Verkehrsinteressentenverbände für eine Verbesserung der Steueransätze etwas williger Gehör schenkt. Wenn inskünftig weitern Betriebsstillegungen vorgebeugt werden soll, so muss baldmöglichst eine Aenderung in den Steueransätzen vorgenommen werden. Man sollte nun auch endlich bei uns soviel Einsicht und Verständnis aufbringen, dass nur mit geeigneten tauglichen Erleichterungen eine dauernde Besserung der Verkehrswirtschaft erzielt werden kann. Es ist höchste Zeit, dass man sich von den bisherigen, längst überholten gesetzlichen Regelungen trennt, um mit neuen Mitteln den immer mehr notleidenden Strassenverkehr wieder anzukurbeln. V Fussteppich, schönes Etui aus schuppiger Schlangenhaut mit kostbarem Briefinhalt, ohne dass Sybil sich darum kümmerte. Sybil schmiegte sich an Lukas, sie lachte ein bisschen, zitterte ein bisschen und benahm sich überhaupt töricht. «Lieber, zerdrück mich doch nicht... Mein Engel, ich muss Atem holen, und glaubst du wirklich, dass der Chauffeur schlecht hört?» Zwischen, zwei Küssen fiel ihr ein: Ich könnte doch nicht so glücklich sein, wenn dieses Glück nur gestohlen und Betrug wäre! Vielleicht ist es trotzdem Ungerechtigkeit — aber sie zählt nicht, weil die grosse Gerechtigkeit des Schicksals mir noch diese Stunde schenkt, bevor... Bevor? Sie richtete sich plötzlich auf, starrte vor sich hin. Lukas erschrak. «Sybil, was ist?» «Ich habe Angst — ich...» Die Welt war plötzlich voll Dunkel und Bängnis, roch nach Moder und Jammer. Fortsetzung folgt.

flfO 74 ~ FREITAG, IT. SEPTEMBER 1936 ÄtHDMÜBTE-RgVUfr • ^JPi Sportnachrich ten Vor dem Grossen Preis von Italien Als letzte europäische Grossveranstaltung des Jahres, welche nach der internationalen Rennformel ausgetragen wird, steigt am kommenden Sonntag auf der Auto-Bahn von Monza der 14. Grosse Automobilpreis von Italien. Zwar figuriert im internationalen Sportkalender unterm 27. September noch der spanische Grand Prix auf der Lasarte^Rundstrecke, auf dessen Organisation indessen aus naheliegenden Gründen verzichtet werden muss. Dem Grossen Preis von Italien kommt somit für diese Saison abschliessender Charakter zu und es ist nur aufs lebhafteste zu bedauern, dass dieses Kennen nicht alle Tenöre des europäischen Automobilsports vereinigen wird, indem die Daimler-Benz A.-G., wie wir schon vor einiger Zeit ankündigten, mit dem "Grossen Preis der Schweiz ihre diesjährige Rennsaison als abgeschlossen betrachtet und somit dem Kampfe unter Italiens heisser Sonne fernbleibt. Die Ursache hiefür äst unsern Lesern ebenfalls bekannt. In Monza — das sei hier gleich hervorgehoben — wird man neuerdings einem Zweikamp! zwischen der Auto-Union und der Scuderia Ferrari auf Alfa Romeo beiwohnen, wobei es kaum übertrieben sein dürfte, wenn man die Zschopauer Firma als Favoritin bezeichnet. Ihre Wagen und Fahrer sind fit im besten Sinne des Wortes. Natürlich ist auch hier wieder mit Ueberraschungen zu rechnen, obwohl es uns etwas allzuhoch in die Harfe gegriffen scheint, wenn in der italienischen Fachpresse gesagt wird, dass das Duell zwischen Auto-Union und Alfa Romeo zum erstenmal unter «normalen» (was heisst übrigens in diesem Falle «normal»?) Verhältnissen ausgetragen werde. Die Scuderia Ferrari hat mit Nuvolari, Brivio und Dreyfus sofort nach dem Grossen Preis der Schweiz in Monza ihr Lager aufgeschlagen, um den 12-Zylinder-Rennwagen einer generellen Ueberholung zu unterziehen und die in Pescara und Bern zutage getretenen Schäden zu beheben. Dies soll italienischen Meldungen zufolge vollständig gelungen sein; die Probefahrten hätten ausgezeichnete Ergebnisse gezeitigt. Nun ist immerhin zu bedenken, dass 73 Runden ä 6,890 km •= 502 km 970 durchzustehen sind und die [Resultate aus den Versuchsfahrten somit nur ein sehr relatives Bild über die Leistung der Boliden zu geben in der Lage sind, was sich bereits in Bern einmal mehr bewahrheitete. Kommt noch dazu, dass die oberitalienische Rennstrecke als eine der gefährlichsten der Welt gilt. Die in Monza erzielbaren Geschwindigkeiten liegen ausserordentlich hoch. Da zudem der Ausbau der Piste vielfach zu wünschen "übrig lässt und damit die für Fahrer und Publikum verbundenen Gefahren relativ hoch sind, haben die Organisatoren auch dieses Jahr wieder vier «Schikanen» installiert, welche auf unserm Plan deutlich sichtbar sind und naturgemäss an Bremsen und Getriebe, sowie an die Fahrkunst der Piloten bedeutende Anforderungen stellen. Im Hinblick auf die Tatsache, dass die Untertürkheimer Werke nicht mit von der Partie sein werden, ist die Am 8. September a.a sind von Zürich aus 37, insgesamt 20 Nutzfahrzeuge und Omnibusse, betrieben mit Holz- und Alkohol- Mischtriebstoffen, sowie Wagen mit Dieselbetrieb zur zweiten internationalen Alpenwertungsfahrt für Nutzkraftfahrzeuge mit Ersatztriebstoffen gestartet. Die Wertungsfahrt führt über die bekanntesten Alpenpässe der Schweiz, u. a. Flüela, JuMer, öberalp, Lukmanier, St Gotthard, Eurka, Grimsei, Nennllste mit nur 12 Fahrern für eine « grande epreuve > ungewöhnlich mager, ausgefallen. Das Rennreglement schreibt. bekanntlich vor, dass Jede Fabrik höchstens durch vier Rennwagen, einschliesslich der yom Königl. Italienischen Automobil-Club eingeladenen Einzelbewerber vertreten sein darf. Vier Mann stellt die Auto- Union mit Rosemeyer, Varzi, Stuck und von Delius, -wobei Hasse, der sich in Bern überaus tapfer schlug, die Rolle des Ersatzpiloten übernommen hat. Für Alfa Romeo sind Nuvolari, Brivio, Farina und Dreyfus gemeldet, wovon mindestens ihrer drei das Zwölfzylindermodell steuern werden. Verbleiben noch vier Maserati mit Trossi als Fabrikfahrer und Biondetti, Ghersi und Dusio von den Rennorganisationen von Turin und Florenz, während der neue Achtzylinder-Bugatti "Wimilles, von dessen Teilnahme ursprünglich auch die Rede war, nach seinem Pech am Grossen Preis der Schweiz offenbar nicht rechtzeitig wiederhergestellt werden konnte. Jedenfalls figuriert er nicht auf der Nennliste. Ueberflüssig zu bemerken, dass die Maseratis kaum einen entscheidenden Einfluss auf den Gang des Rennens ausüben können und sich infolgedessen die eigentlichen Kämpfe um die Spitze zwischen den Gladiatoren der Auto-Union und der Scuderia Ferrari abspielen werden. Die Auto-Union ist bereits- am Dienstag in Monza eingetroffen und hat am Mittwoch, allerdings unvollständig, am TRAINING teilgenommen. Einzig Hasse und Delius begaben sich auf die Piste; beide fuhren mit 3:03,2 = 138,309 km/St, die schnellste Runde. Während also Rosemeyer, Stuck und Varzi erst am Donnerstag zu den Trainingsfahrten antraten, herrschte bei Ferrari schon am Mittwoch Hochbetrieb. Sowohl Nuvolari als auch Brivio, Dreyfus und Farina waren äusserst aktiv. Als sich Brivio mit dem Zwölfzylinder auf die Strecke begab, ereignete sich schon nach der ersten Runde ein Zwischenfall, indem er am Ausgang der zweiten Schikane mit dem Vorderrad an die äussere Mauer stiess. Durch die Wucht des Aufschlages verlor er die Herrschaft über den Wagen und wurde in die Wiese hinausgeschleudert, während sich die Maschine überschlug. Brivio wurde sofort in die Klinik verbracht, wo man einige unschwere Verletzungen feststellte. Immerhin ist es sehr wohl möglich, dass er dem Start am nächsten Sonntag fernbleiben muss, indem er alle Mühe haben dürfte, seinen Wagen zu meistern, da ausgerechnet sein linker. Arm am schlimmsten mitgenommen ist. DIE NENNLISTE. Nr. 2, Stuck, Auto-Union Nr. 4, Rosemeyer, Auto-Unioa II. Alpenwertungsfahrt für Nutzkraftfahrzeuge aeuchäWt BalsOiall tfesed Stoffe erweisen sollte, nunmehr"* namentlich über die Wirtschaftlichkeit in Verbrauch und Wartung, über die Fahreigenschaften und insbesondere über die Bewährung der Triebstoffanlagen Aufschluss zu geben. Der erste Fahrtag führte von Zürich über St Gallen 'ävifcti das Appenzellerland nach dem Töggenburg, durch das Rheintal nach Davos (237 km). Insbesondere wurden Prüfungen über die Fahr- und Steigfähigkeit sowie über STGAILEN Klausen, Simplem usw. Diese Veranstaltung hat die Aufgabe, in Fortsetzung der ersten Wertungsfahrt im Jahre 1934, welche die technische Brauchbarkeit der Ersatztriebdas Anzugsvermögen, die Durchschnittsgeschwindigkeit und die Geschmeidigkeit der einzelnen Konkurrenzfahrzeuge durchgeführt. Alle Wagen kamen wohlbehalten nach Davos. Nr. 6, Varzi, Auto-Union Nr. 8, Delius, Auto-Union Nr. 10, Trossi, Maserati 8 Zyt Nr. 12, Biondetti, Maserati 6 ZyL Nr. 14, Ghersi, Maserati 6 ZyL Nr. 16, Dusio, Maserati 6 ZyL Nr. 18, Nuvolari, Alfa Romeo 12 ZyL Nr. 20, Brivio, Alfa Romeo 12 Zyl. Nr. 22, Farina, Alfa Romeo 12 ZyL Nr. 24, Dreyfus, Alfa Romeo 8 ZyL Di© Sieger der 13 GrossenPreise von Jahr 1923 1924 1925 1926 1927 1928 1929 1930 1931 1932 1933 1934 1935 Italien. Fahrer und Marke Salamano (Fiat) Ascari (Alfa Romeo) Brilli Peri (Alfa Romeo) Charavel (Bugatti) Benoiet (Delage) Ghiron (Bugatti) Varzi (Alfa Romeo) Varzi (Maserati) Campari (Alfa Romeo) Nuvolari (Alfa Romeo) Fagioli (Alfa Romeo) Caracciola (Mercedes-Benz) Stuck (Auto-Union) Distanz 800 km 800 km 800 km 600 km 500 km 600 km 99 km 240 km 800 km 5 Std. 500 km 500 km 500 km km/St 146,502 158,896 152,596 138,204 144,928 159,895 187,786 150,444 155,775 167,521 174,740 105,200 137,080 Neue Weltrekorde des Amerikaners Jenkins. Es sind ziemlich genau zwei Monate her, daes der Engländer Capt. G. E. T. Eyston in der Salz« wüste von Bonneville im Staate Utah 20 Weltrekorde aufstellte, vom Rekord über 200 Kilomete* bis zu demjenigen über 48 Stunden. Dieser Tage nun sind diese Weltrekorde teil* weise erneut über den Haufen gerannt worden, und zwar vom Amerikaner Jenkins, der ursprünglich, beabsichtigte, dem 24- und 48-Stunden-Dauerrekord zu Leibe zu rücken, was ihm allerdings vorbeigelungen ist, indem er die Fahrt wegen eines Motor» Schadens vorzeitig abbrechen musste. Die Welt ist dennoch bei dieser Gelegenheit im einige Rekorde reicher geworden, wobei Jeniins folgende Stundenmittel erreichte: 200 Meilen 260,037 km/St 500 Kilometer 261,469 km/St. 500 Meilen 255,933 km/St. 1000 Kilometer 256,544 km/St 1000 Meilen 251,813 km/St 2000 Kilometer 252,956 km/St 3000 Kilometer 246,250 km/St. 3 Stunden 255,772 km/St. 6 Stunden 253,197 km/St. 12 Stunden 245,971 km/St Am Shelsley-Walsh-Bergrennen vom nächsten Samstag nimmt auch der Zürcher* fahrer Hans Ruesch teil, und zwar hat er sich für einen Doppelstart gemeldet. Er wird je einen Alfa Romeo 2,9 und 3,8 Liter steuern. Es handelt sich bei dieser Veranstaltung um das kürzeste Bergren* nen der Welt, das über 1000 Yards geht, wobei ein stehender Start in Aussicht genommen wird. Re*> kordinhaber ist Raymond Mays auf ERA mit 39,81 Sekunden.