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E_1936_Zeitung_Nr.076

E_1936_Zeitung_Nr.076

BERN, Freitag, 18. September 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N» 76 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISEt Aaifab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Anstand mit Portozuschlag, wenn nicht postämtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Untallverslch.) Vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Die Freunde des Automobilsports erinnern ' sich wohl mit Genugtuung der Jahre 1922 bis 1932, da der nationale. Automobilsport der Schweiz in seinem Kulminationspunkt stand und da sich Jahr für Jahr zahlreiche Amateure an den verschiedenen Bergrennen, die damals « en vogue» waren, mit Begeisterung beteiligten. Gewiss, der internationale Automobilsport bewegte sich damals bei uns in sehr bescheidenen ^Grenzen. Aussei, dem Klausenrennen gab es'noch keine Grossveranstaltungen, wie sie nachher im Grossen Preis der Schweiz und im Grand Prix von Montreux entstanden. Dass das Klausenrennen und der Berner Grand Prix viel zur Propagierung des Automobilsportes beigetragen haben, wird sicher niemand bestreiten und man muss den Organisatoren stets für ihre grossen Anstrengungen dankbar sein. Aber diese beiden Rennen sind doch heute vor allem auf die Zuschauer und nur in geringerem Masse auf die schweizerischen Fahrer eingestellt. Der Propagierung des aktiven Automobiisportes Sind sie wenig förderlich, wie ja die abwärts gerichtete Entwicklung der nationalen Rennen in den letzten. .vierJahren. deutlich gezeigt hat Unsere-offenen,~natiqnalen r Veranstaltungen, in denen die künftigen Könner herangebildet werden sollten, muss man bald suchen. 1936 waren es gerade noch ganze drei. Wo sind die Zeiten, da man in der Fachpresse noch darüber diskutierte, dass der Rennkalender überlastet, dass die Fahrer fast Sonntag für Sonntag in Anspruch genommen seien? Von all diesen prächtigen Rennen, wie Dornach-Gempen, Zügerberg, Mauborget, Chaumont,: Montre.ux-paux, Marchairuz, Weissenstein, Jaun; - Alibis,Bernina, Gurnigel, hört man nichts mehr, es ist still geworden um all die Namen, die einmal vorzüglichen Klang und auch Ansehen hatten. Und damit ist es auch still geworden um" die Förderung des Amateursportes. Gewiss, die wirtschaftlichen Verhältnisse fiegen heute für Fahrer und Organisatoren •wesentlich viel schwieriger als vor. 5. Jahren. Die Teilnahme an etlichen solcher Rennen erfordert vom Fahrer einen grossen Aufwand an Zeit und Geld, der es vielen unmöglich macht, einem solchen Privatvergnügen noch zu huldigen. Andere vermieden es, sich einen Wagen beizulegen, weil man in den letzten Jahren Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 11. Fortsetzung. «Nein», sagte die Stimme, es war das einzige Wort, das Sybil verstand, sprang laut und klar aus dem Hörer. «Nein...» Aber gleich darauf wurde die Stimme wieder undeutlich, lispelte fassungslos und verstört. Dann erlosch sie plötzlich, mitten im Satz, war fort und verschwunden. « Hallo ! > sagte Lukas. Er wollte noch nicht glauben, dass die Stimme sich ausgeschaltet und in Nacht zurückgesunken war. «Du irrst dich, es ist wahr...» Niemand antwortete am andern Ende des Drahtes, niemand hörte mehr zu. Lukas sprach trotzdem weiter : « Kindchen, dummes...» Er wurde ärgerlich und rief: « Gertie, ich kann es nicht ertragen, wenn du...», dann besann er sich und hängte den Hörer auf. Die Tür drehte sich kreischend zurück. Draussend war noch die gleiche Nachtluft, wohlschmeckend und mild wie Wein. Der Alte sass am Volant, glotzte schläfrig vor Erscheint Jeden Dlrnta* und Fr.lt«» Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gtlbe EKM" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Brettenrainrtr. 97, Bern Telephon 28.222 • Postcheck 411414 - Telejmmm^Adresse: Autoreva*. Ben GesehiltssUUe ZOrleht' Löwenstrasse 51, Telephon 39.74$ des schweif Autosp&ites oft überhaupt nicht wusste, wieviele • und welche Rennen eigentlich ausgefahren werden, und man zu spät vernahm, wie eigentlich die für die betreffende Sportsaison geltenden Vorschriften über Motor und Karosserie lauteten. Es ist hier von verschiederier Seite etwelches gesündigt worden, und es mag wohl an der Zeit sein, auf diese Tatsachen aufmerksam zu machen. Nicht mit dem Willen, nur zu kritisieren, sondern vielmehr um mitzuhelfen, dem Automobilsport in der Schweiz wiederum vermehrte Pflege und Förderung ängedeihen zu lassen,, seien nachstehende Anregungen, die keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit erheben, gestellt, zumal es bei allseitig gutem Willen möglich sein sollte, pro Jahr vier bis fünf gut beschickte, nationale Rennen mit starker Amateurbeteiligung zu inszenieren, wie. das letzte Les Rangiers-Rennen schlagend bewiesen hat Wo fehlt es? Der Ursachen sind etliche. Einmal liegen sie bei den Organisatoren, dann bei den Durchführungsmöglichkeiten der Veranstaltungen und schliesslich auch bei den Fahrern selbst. 1. Die Nationalen Sportbehörden sollten es sich nun" einmal *ur Pflicht, raacherij, spätestens auf Ende November mit dem nationalen Sportkalender '"• herauszurücken. Dabei sollte bis zu jenem Zeitpunkt aber auch^ definitiv entschieden sein, ob die betreffenden Organisatoren die angekündigten Rennen auch durchführen. Es geht nun einmal nicht mehr an, dass, wie es in diesem Jahr der Fall war, drei Bergrennen im Kalender figurieren, von denen dann nur ein einziges Wirklichkeit wird» Mit dem Modus der provisorischen Eintragungen im nationalen, ja dieses Jahr sogar im internationalen Kalender (was dem ACS unnütze Auslagen verursacht hat), muss nun endlich Schluss gemacht werden. Der Fahrer muss mit Bestimmtheit zum voraus wissen, auf welche Rennen er zählen kann. 2. Die für das kommende Jahr geltenden nationalen Sportreglemente müssen bis spätestens Ende November veröffentlicht sein, damit der Fahrer weiss, welche Vorschriften für Motor und Karosserie gelten. Nur dann bleibt ihm genügend Zeit, seinen Wagen vorzubereiten. 3. Es sollte ein engerer Kontakt zwischen den nationalen Sportbehörden und den Fahrern geschaffen werden, damit diese nicht das Gefühl haben, sie seien nur «geduldet». Eine alljährliche > * sich hin. Sie stiegen ein, horchten wie der Motor anzog, und schwiegen. Geräuschvoll setzte sich das Auto in Bewegung. Soldaten, die ins Gefecht gehen, führen ihre Fahne vor sich her. Barken, ins Ungewisse ziehend, haben ihre Gallionsfigur am Bug. Der Spieler wägt nur dann den grossen Einsatz, wenn er seine Mascötte bei sich trägt. Lukas hatte gewusst, warum er Sybil bat, mit ihm in die Telephonzelle zu kommen. Er hatte sich noch nie im Betrug versucht, es fiel ihm schwer, damit zu beginnen. Sybil sollte dabei sein, er wollte ihre Gegenwart fühlen und vergessen, ob das, was er tat, Recht oder Unrecht war.. Aber jetzt dämmerte ihm langsam die Erkenntnis, dass er sich benommen hatte wie ein Narr. Er warf sich vor, ein erbärmlicher Kerl zu sein. Dass man feig wurde, wenn es galt, einem andern Menschen weh zu tun, war weniger ein nobler Charakterzug als Schwäche. Dass Gertie in dieser Nacht nicht schlief, vielleicht sogar weinte — das musste man mit sich allein abmachen. Sybil hätte nichts von alldem erfahren dürfen. Sie schien selbst gesegnet mit Unruhe und reich an eigenen Tränen. Dass auch für ihn diese neue Liebe Aussprache mit den aktiven Automobil. Sportlern könnte nur gute Früchte zeitigen. Freilich sollte man dabei aber auf deren berechtigte Begehren auch gebührend »Rücksicht nehmen. 4. Die Eintragung der nationalen Rennen in den Internationalen Automobilsportkalender, wie man sie 1936 praktizierte, hat wohl ihre Vor- und Nachteile. Wird, wie bei Les Rangiers, ein nationales Rennen angegliedert, so erfährt damit der Amateur-Automobilsport sicherlich eine starke, fühlbare Förderung. 5. Nötig ist, dass der Amateursport bei uns wieder auf breiter Basis aufgebaut wird, wie man eis in Deutschland in den letzten 2 Jahren er|ebte. Dazu gehört aber etwas s ; mehr Vielgestaltigkeit in der-Art der Wettbewerbe. Zu den Rundstrecken-, Berg- und Kilometerrennen sollten noch schwere Geländefahrten* Zuverlässigkeitsfahrten etc., treten. Üni djes zu ermöglichen, wäre es wünschenswert, wenn die nationalen Sportbehörden Jahr für Jahr Art und Zahl der Veranstaltungen festlegen, z. B. ein Kilometerrennen, ein Rundstreckenrennen, zwei Bergrennen und eine schwere Gelände- oder Zuverlässigkeitsfahrt. Jeder dieser fünf Wettbewerbe wäre je an eine oder zwei ACS- Sektionen zu vergeben, welche die Durchführung fest zu übernehmen hätten. Um sie keinen finanziellen Risiken auszusetzen, würde Herrn W. Bd., Pressedienst der Schweiz. Bundesbahnen Bern. Mein Lieber! Nun bin ich aber doch' empört. Was ist Dir eigentlich in die Krone gefahren? Du hast Deine schöne Stellung bei der Generaldirektion und Deine monatlichen drei Spalten in der Neuen Zürcher Zeitung, dazu die Aussicht auf die schöne Stadt Bern, die Alpen, auf Beförderung und Pension. Hat Dich dies schon übermütig gemacht? Weil es Dir gut geht, hast (Du doch kein Recht, über die Stränge zu hauen und die Vorgesetzten öffentlich zu blamieren. Erstens macht man so etwas grundsätzlich nicht und zweitens schadet es der Karriere. Du verstehst nicht? Gut, ich will es Dir erklären. In der «NZZ» vom 3. September hast Du geschrieben: «Der beim Verkehrsteilüngsgesetz richtunggebende Grundsatz: musste verrückt oder schlecht sein, wenn man ihr Herz auch noch damit belud. Verrückt und schlecht! entschied Lukas. Gerechte Strafe, wenn sie jetzt sagte : Geh ! Aber Sybil war eine Dame, würde förmlich sein. Es ist spät geworden, würde sie sagen, ihm die Fingerspitzen hinstrecken. Leben Sie wohl... Einstweilen machte sie noch immer keine Anstalt, zu sprechen. Sie hatte eine Zigarette angezündet und sog den Rauch ein. Mit ernsten Augen betrachtete sie die dunklen Vorstadthäuser, die jetzt den Weg einzäunten.- Sie studierte die vorbeigleitenden Geschäftsschilder nachdenklich, als wäre mehr von ihnen abzulesen ate leere Namen. Lukas wartete. Er versuchte an Dinge zu denken, die ihm gleichgültig waren : dass er morgen ins Theater gehen wollte. Dass die Strasse elend gepflastert war. Der frische Wind tat gut... Gertie lief jetzt sicher im Zimmer auf und ab, Kopf gesenkt, verweinte Augen. Sie würde nicht fassen können, dass er Geheimnisse vor ihr hatte. Nein, nicht an Gertie denken... Hoffentlich war Baurat Wagner nicht beleidigt und hatte morgen abend Zeit. Ach so, morgen abend Verhängnis war. ging sie nichts an. Man war Theater. Signor GigH singt — naäa, INSERTIONS- PREIS: Dia aehtgetpaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. : Grfissere Inserate nach Spezialtarif. Inserntensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Wir berichten heute über: Rennausklang 1936: Abschluss in Monza. Weltrekorde fallen. Stossdämpfer. Ausführungsbestimmungen über die Verdunkelung im Luftschutz. Beilage: ihnen eine finanzielle Unterstützung aus dem vom ACS geschaffenen Sportfonds gewährt, der ja in den letzten Jahren nur selten in Anspruch genommen worden ist. Wird eine dieser Veranstaltungen international ausgetragen, so ist ein spezielles nationales Rennen vorzusehen. Selbstverständlich sind die Fahrer in Amateure und Experten eingeteilt zu klassieren. (Forlsetzung auf Seite 2.) Die Teilung des Verkehrs zwischen Schiene und Strasse der Nahverkehr dem Automobil, der Fernverkehr der Eisenbahn, hat sich nicht in jeder Hinsicht als praktisch durchführbar erwiesen.» Ja, hast Du Dir denn gar nicht überlegt, dass das Verkehrsteilungsgesetz unter der Assistenz von drei Generaldirektoren, einem Kreisdirektor und allen Abteilungsvorständen, also von Deinen sämtlichen Vorgesetzten, ausgearbeitet wurde? Hast Du vergessen, dass der hohe Bundesrat dem Gesetz und dem in ihm verankerten Grundsatz den Segen und das Parlament die letzte Weihe gab? Und nun gehst Du, Unglücklicher, hin und behauptest, alle diese ehrenwerten Fachleute und Magistraten hätten eine Dummheit begangen. Nein, mein Lieber, solche Sachen darf ein Subalterner wohl denken, niemals aber schreiben. So was gehört sich nicht und verstösst gegen die Disziplin. Ja, höre ich Dich sagen, ich muss doch jeden Monat meinen Artikel schreiben und schön. Der Herr Baurat wird sich bis übermorgen gedulden müssen... Dann kam Sybils Hand durchs Dunkel. Hand, Atem, Stimme. « Hast du auch Kinder ? t> — « Eines.» Und nach einer Pause: «Er ist schon sieben Jahre.» Sie schwiegen, sahen sich stumm in die Augen. Ja, die Minuten jagten unerbittlich vorbei, ja, es würde grausam rasch Morgen werden —, aber nun hatten sie Zeit, sich in ruhigen, schweigsamen Blicken zu verschwenden. Erst nach einer Weile flüsterte Sybil: « Liebst du deine Frau sehr ? » * Ja !» sagte Lukas entschlossen. Aber dann wurde er unsicher. Eine Frau, die man sehr liebt, kränkt man nicht. Man kommt überhaupt nicht in die Lage, sie zu kränken. « Wir sind miteinander aufgewachsen. Als ich sie zum erstenmal gesehen habe, war sie ein Schulmädchen mit nackten Beinen und einem Tintenklecks auf der Wange. Seit damals habe ich an keine andere gedacht... Es war alles so selbstverständlich, konnte gar nicht anders sein. Natürlich lieb ich sie sehr, sie und das Bürschle.—.*