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E_1936_Zeitung_Nr.077

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Nachbarstaaten. Doch mit

Nachbarstaaten. Doch mit Ausnahme der Montagewerkstätten besitzt unser Land heute keine einzige Fabrik zur Herstellung von Personenwagen. Die Haltung eines den Kriegsbedürfnissen der Armee Genüge leistenden staatlichen Motorfahrzeugparkes aber ist, ganz abgesehen von den enormen finanziellen Mitteln, die eine solche erfordern würde, mit Rücksicht auf die Eigenartigkeit der schweizerischen Wehrverfassung ein Ding der Unmöglichkeit. Weit komplizierter noch liegen die Verhältnisse auf dem Gebiete des Schwerverkehrs. Sollte sich im Zuge der Bundesbahnsanierung eine starke Drosselung des Motorlastwagenbestandes entwickeln, dann stünden wir ganz einfach vor der Unmöglichkeit, unsere Armee mit den kriegsmässig notwendigen Schwerlastwagen zu versorgen! Man sieht: Einzig eine weitblickende Motorfahrzeugsteuerpolitik vermag die projektierte Motorisierung unseres Heeres zu gewährleisten. Wenn der Bund heute für den Ausbau unserer Alpenstrassen rund 100 Millionen Franken zur Verfügung stellt, wobei neben den touristischen vor allem landesverteidigungspolitische Gesichtspunkte den Ausschlag gaben, so muss konsequenterweise auch dem Motorfahrzeug die nötige Bewegungsfreiheit gelassen werden. Ausländische Beispiele zeigen übrigens, dass diese für die vermehrte Motorisierung unserer Armee unbedingt notwendige Forderung durchaus nicht mit einer Verminderung der Motorfahrzeugsteuereinnahmen identisch zu sein braucht. Heute nun gelangt die erste Tranche der 235 Millionen Franken betragenden Wehranleihe, die die Ausrüstung unserer Armee mit zeitgemässen Hilfsmitteln ermöglichen soll, zur Auflage. Nur klare Erkenntnis der eigenen wie der internationalen Lage und der sich hieraus ergebenden Notwendigkeiten werden diesem vaterländischen Dariehensgesuch zum Erfolg verhelfen. Hurrapatriotismus stand bei uns nie hoch in Blüte und ist in den letzten Jahren erst recht selten geworden — denn nicht nur die Automobilisten wurden in dieser Zeitspanne arg gerupft, dem grössten und dem kleinsten Kapitalisten hat der Fiskus gehörig zugesetzt. Beim Arbeiter wie beim Generaldirektor, vom Landwirt nicht zu sprechen, überwiegt die Auffassung, die Bürger seien über Gebühr zur Tragung öffentlicher Lasten herangezogen worden und es habe der Staat diese oft recht sauer verdienten Steuerbatzen nicht immer richtig und zum Besten des Volksganzen -verwendet. Gerade die Motorfahrzeugbesitzer und Benzinkonsumenten halten seiner neuerlichen Zumutung mit Recht die wenig entgegenkommende Behandlung, die man ihnen bisher angedeihen Hess, entgegen. Mit Recht — nicht weil sie einfach entlastet sein möchten aus eigensten Interessen, sondern weil ja wirklich die Wehranleihe hinsichtlich Motorisierung Benzinzölle, der Bundesbahnsanierung. - Sie der Armee nur Erfolg zu zeitigen vermag, mögen bedenken: Jede übermässige Belastung des Motorfahrzeugbestandes wider- wenn eine weitblickende Steuerpolitik sie unterstützt. Man,kann noch weitergehen: Ein spricht nicht nur dem Gedanken der Wehranleihe, sondern es ist unserer Armee mit Abbau der Motorfahrzeugsteuern käme einer Wehranleihe gleich, denn ein Belassen oder einem Verschärfen der heutigen Praktiken stellt den Staat unweigerlich vor die Notwendigkeit verlotterten und überalterten Fahrzeugpark der Flüssigmachung von neuerlichen Millionenbeträgen, die dann der Versorgung der fährden die unverhältnismässig hohen Neuzu- auch recht schlecht gedient und überdies ge- Armee mit den in der neuen Truppenordnung lassungen von Kleinwagen die kriegsmässige vorgesehenen Motorfahrzeugen zu dienen Ausrüstung des Heeres mit zweckdienlichen hätten. Die heute in Bern zur Herbstsession Motorfahrzeugen bedenklich. Man sorge für zusammenkommenden Vertreter unseres Volkes mögen sich deshalb der Wechselbezie- Praxis auf diesem Gebiete, nicht um der Au- endliche Uebereinstimmung von Theorie und hungen zwischen Armee und privater Motorfahrzeughaltung bewusst sein und sie gebühtomobilisten willen, sondern im rend in Rechnung stellen bei ihren Entscheiden hinsichtlich Eindämmung der eidgenös- Die erste Tranche der Wehranleihe liegt Interesse unserer Landesverteidigung! sischen Schnapsflut, bei der Behandlung der auf. Unsere wirtschaftlichen Verhältnisse sind auf Gerties Wange. Wie ein Schönheitspflästerchen sah es aus. Auch Carola hatte den Klex bemerkt und überlegen gelächelt. Sie war schon mit vierzehn Jahren eine vollendete Gans. Aber Gertie war mit vierzehn Jahren noch ein aufrichtiges und bewundernswertes Kind... « Deine Flamme ! », nannte Carola sie und erklärte sanft: « Schenk mit hundert Briefmarken und deinen Briefbeschwerer und ,Von Bagdad nach Stambui' und führ mich Sonntag in die Konditorei! » « Warum ? » fragte Lukas, ohne zu begreifen. < Weil ich Gertie sonst nie melir einlade! > Oh nein, nein! Er war nicht der Mann, der sich für seine Leidenschaft erniedrigte und seine Liebe für schmutzige Gaben erhandelte. Drei Wochen lang spionierte er ums Mädchengymnasium, lief heimlich hinter Carola her, wenn sie Tennis spielen, schwimmen, in die Klavierstunde ging. Aber Gertie war spurlos verschwunden. Da half kein Suchen, keine List, kein stolzes Zähneknirschen. Lukas' Eltern waren tief beglückt, als er eines Sonntags verkündete, dass er mit Carola in die Konditorei gehen wollte. « Du warst zu Carola bis jetzt nur wenig Nur 10 Prozent werden wiedergefunden. In Paris werden jeden Monat 350 Automobile gestohlen. Nur ungefähr 10% davon finden den Weg zu ihren Eigentümern zurück, der Rest hingegen bleibt spurlos und auf Nimmerwiedersehen verschwunden. 15 Prozent-mehr Motorfahrzeuge in Deutschland als letztes Jahr. Laut deutschen Meldungen waren am 1. Juli dieses Jahres im ganzen Reich 2,475,000 Motorfahrzeuge im Betrieb, worin 1,184,000 Motorräder eingerechnet sind. So züchtet sich unser nördliches Nachbarland durch automobilfreundliche Gesetzgebung eine gesunde Industrie und ein blühendes Gewerbe, das natürlich auch dem Fiskus immer mehr einbringt. Man sieht «draussen» eben ein, dass eine gute Milchkuh auch entsprechend gefüttert werden muss und nicht wie eine Schindmähre bis aufs Blut ausgesogen werden darf, wie anderswo.., # Prager Automobilisten protestieren gegen Benzinverteuerung. Im Gegensatz zur Schweiz, wo als Protestkundgebung die eintägige Stillegung des Automobilverkehrs durchgeführt wurde, haben die Prager Automobilisten in jüngster Zeit auf Initiative der «Liga der tschechoslowakischen Automobilisten» eine riesige Protestauffahrt gegen die neuerliche Benzin- Preiserhöhung durchgeführt. Im Zentrum der Stadt, am Wenzelsplatz und in den umliegenden Strassen, erschienen gleichzeitig viele Hunderte von Motorfahrzeugen — Personenund Lastwagen, Autobusse und' Motorräder — und verursachten eine gewältige Verkehrsstauung, die etwa 1% Stunden lang nicht behoben werden konnte. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, riesige Menschenmassen verfolgten mit unverhohlener Schadenfreude ihre Bemühungen, den Verkehr wieder in Fluss zu bringen. Es wird sich ja herausstellen, ob diese lärmende Aktion mehr ausrichten wird als der $ stille» Protest der Schweizer, Das Auto als Wohnung. ' Aus amerikanischen Statistiken ist za ersehen, dass das Wohnauto als ständiger Aufenthalt von Berufstätigen in den USA immer beliebter wird. freundlich. Aber es scheint, du bist zur Einsicht gekommen, dass man auch seine Schwester wie eine junge Dame behandeln kann.. •> Ja, eine Dame! Er rannte stumm neben dieser Erpresserin her, sah verzweifelt zu, als sie langsam, langsam zwei Portionen Pfirsich Melba ass und mit einem Kadetten Blicke tauschte. Lange, schmerzliche Blicke. Wahrscheinlich hatte sie bereits Magenweh. « Bitte, Lukas, noch einen Krapfen ! > Auf dem Heimweg gab sie endlich ihr Geheimnis preis: « Deine Flamme ist nämlich nicht mehr in meiner Klasse. Sie geht jetzt ins Lyzeum. Seit wir Griechisch haben, ist sie bei jeder Prüfung durchgefallen. Kränk dich nicht, Lukas, es können eben nicht alle Menschen Griechisch lernen. > « Und wer macht deine Aufgaben •? ! Ich frage : Wer?» « Du ! T> gab Carola zu. « Aber wenn Ich wollte, könnt ich sie auch selbst machen, und das ist ein Unterschied. Aber du bist trotzdem ein lieber Kerl. Wenn ich erst verheiratet bin, werde ich dich oft einladen. Dich und deine Frau...» Wie sanft und träumerisch sie blicken AUTÖMÖBIL-REVUE , 22. f938 77 istischer Lautsprecher als Warnsignale im Verkehr. Akustische Verkehrssignale werden derzeit vor Kurven und Kreuzungen auf den französischen Landstrassen erprobt. Man baut vor solchen gefährlichen Stellen Schwellen in die Strasse ein, welche beim Ueberfahren durch Fahrzeuge als elektrische Kontakte wirken und einen Lautsprecher in Tätigkeit setzen, der als Warnsignal dient. Ein « Autostrassenbahnhof». Deutschland wird binnen kurzem seinen ersten «Strassenbahnhof» der Reichsautobahnen eröffnen können. Er liegt in der Nähe von Frankfurt a. M., an der Kreuzung der Reichsautobahn mit der Umgehungsstrasse Frankfurt-Wiesbaden und wird für eine Fre- zum Teil direkt entmutigend, die Kräfte des einzelnen aufs äusserste beansprucht. Und doch muss ihr ein voller Erfolg beschieden sein! Der Wehrwille unseres Volkes, der in diesem neuerlichen schweren Opfer seinen Ausdruck findet, gilt soviel — mehr noch als die beste materielle Ausrüstung unserer Armee. Es geht um das Vaterland — da muss jede Verärgerung zurücktreten, darüber müssen wir den Staat, der mehr als einen von uns heute arg bedrängt, vergessen. Wie schwuren unsere Vorväter einst: «Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Not uns trennen, noch Gefahr.» Die Not ist da; die Gefahr besteht. Es gilt den Beweis zu erbringen, dass sie uns aus der Trennung zu einen vermögen, in der Tat für unser Vaterland! Die Schweizerischen Bundesbahnen haben kürzlich der Presse die neuen Sicherungsanlagen des Hauptbahnhofs Zürich vorgeführt Ueber 2 Millionen Fr. haben die SBB in diese Signal- und SteHwerkeinrichtungen gesteckt, um dem Betrieb in ihrem grössten, Bahnhof zu einem Höchstmass an ZuverMs-^ sigkeit zu verhelfen. Und es soll freimutig* zugegeben werden, dass unsere Staatsbahn« in den letzten Jahren auf dem Gebiete des] Sicherungswesens Fortschritte gemacht und' etwa mit der automatischen Zugssicherung' selbst gegenüber dem gesamten Auslandi einen erheblichen Vorsprang gewonnen hat. Man begreift denn auch recht wohl, dass der 1 Kreisdirektor des III. Kreises den Zeitungs-^ leuten gegenüber mit Stolz erklärte, die« Sicherheit bei den Bundesbahnen sei guu zehnmal grösser als im Strassenverkehr. Wir wissen zwar nicht, wie Herr Dr. Cottier zu dieser Ueberlegenheit von 1 :10 gekommen ist; wir dürfen jedoch seinen Ausführungen wohl entgegenhalten, dass die verantwortungsbewussten Strassenverkehrs- quenz von täglich 12,000—74,000 ankommen-kreisden und abfahrenden Wagen ausgebaut. Die Erhöhung der Sicherheit des schienenfreiem in einem unablässigen Kampfe um die. Zu- und Ausfahrten sind vollkommen gefahrlos und ohne Kreuzung angelegt. einem Verkehrsmittel wie dem Auto, das in Landverkehrs stehen, dass man jedoch vonj wenigen Jahrzehnten eine ungeheure Verbreitung gewonnen hat, nicht gleich von Anfang an einen Sicherheitsfaktor erwarten» Verkehrszählung in Deutschland. Vom 1. Oktober an wird in Deutschland kann, zu dem die Bahnen immerhin etwa im Rahmen einer umfassenden Strassenverkehrszählung eine besondere Zusatzverkehrs- Schltesslich ist es ja auch nicht allzu- hundert Jahre gebraucht haben... zählung an insgesamt rund 300 Punkten des schwer, für die Sicherheit der Eisenbahn ztr' Reichs durchgeführt, wobei die Fahrzeuge sorgen, die einen ganz in sich geschlossenen nicht nur gezählt, sondern auch nach dem Abfahrtsort und dem Ziel der Fahrt und nach Betriebsapparat bildet und gegenüber einer dem Gewicht der Ladung festgestellt werden. Gefährdung durch Aussenstehende den Diese Erhebung, die zunächst nur den Lastwagenverkehr erfassen wird, dient der Pla- schärfsten Rechtsschutz geniesst, während^ das Auto sich auf der Strasse fast wehrlos« nung des deutschen Reichsautobahn- und mit einer Fülle von Elementen und einer Landstrassennetzes. Menge von Faktoren herumschlagen muss,. die sich kaum irgendwelcher Disziplin undH Strafsanktion zu fügen brauchen. Die Bahn Rennverbot in Brasilien ? verkehrt auf vollkommen abgeschlossenem) Auf Grund des Automobilunglückes beim Bahnkörper und ist durch strengste Bahnpolizeibestimmungen geschützt, die sie über- «Grossen Preis von Sao Paulo» ist im brasilianischen Parlament ein Antrag auf Verbot dies gar noch selbst anwenden darf; das^ aller Rennen und Geschwindigkeitsprüfungen Auto bewegt sich auf einer Fahrbahn, diedauernd von zahlreichen Personen in An- für Motorfahrzeuge eingegangen, der mit 85 gegen 65 Stimmen Annahme fand. Damit sieht sprach genommen wird, welche dort eigent-i sich die Regierung in die Zwangslage versetzt, das generelle Rennverbot auszuspre- lieh recht wenig zu tun haben. Und gegenj die Ordnungswidrigkeiten grosser Kategochen. Amerikas Flugzeugproduktion. Während des ersten Halbjahres 1936 sind in den Vereinigten Staaten von Amerika insgesamt 1363 Flugzeuge gegenüber nur 851 in der entsprechenden Vorjahresperiode hergestellt worden. konnte! Sie war gescheit, hübsch und schliesslich ohne Schuld an ihrer schlechten Erziehung. Lukas begann, ihr manches zu verzeihen. « Du wirst doch Gertie heiraten ? » fragte Carola. « Sag's, mir kannst du vertrauen...» Er vertraute ihr. In dieser Stunde zwischen elf und zwölf liefen sie planlos durch die Strassen der Stadt, küssten sich im Gehen, flüchtig und atemlos, als hätten sie Angst, sich zu berühren. Manchmal unterbrach Sybil die Erzählung: « Nein, ich will, nicht, dass du ein so braver, korrekter Bub warst! > Und fragte: « Keinen Freund hast du gehabt ? Nichts als Bücher, Schule, Träume? Aber das ist ja viel, glaub mir, Liebling, das ist Alles!» « Du Armer ! » tröstete sie. < Mein Engel, wie allein du warst.. .> In solchen Augenblicken wünschte Lukas, die Not seiner sechzehn Jahre wäre tiefer und schmerzlicher gewesen. Er begriff, dass Leiden erhöhen. Man könnte sich auf diese Kindereinsamkeit stellen wie auf ein Postament und Achtung fordern: «Ich habe viel gelitten! > Eins zu zehn. rien der Strassenbenützer bestehen kaum die* bescheidensten rechtlichen Handhaben, nmj sie zu richtigem Verhalten zu veranlassen.) Denn wir besitzen ja in der Schweiz keinen! Code de Ia Route wie Frankreich, und keinem Reichsstrassenverkehrsordnung wie Deutschland, die alle Strassenbenützer mit wirksamen Zwangsbestimmungen umfassen ; win haben ein Bundesgesetz über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr, das nur indürftigem Masse das Gebot der Rechtsgleichheit auf der Strasse verwirklicht und wesentliche Kategorien der Verkehrsteilnehmer nur mit'Handschuhen anfasst. All dies wird freilich die Strassenverkehrspresse nicht entmutigen, immer wieder für verbesserte Disziplinierung aller Verkehrsteilnehmer — auch der Autofahrer — einzutreten und alles zu tun, was von ihrer Seite getan werden kann, um die Sicherheit auf der Strasse zu verbessern. Und dass da noch vieles zu leisten ist, soll gar nicht verschwiegen werden. Wenn jedoch die Automobilistenkreise so frei mit Millionen schalten könnten, die später von irgend jemand anderem aufzubringen wären, so würden wir auf diesem Gebiet natürlich viel raschere Fortschritte erleben als jetzt, da man daran geht, ihnen die Defizite nicht nur der Staatsbahn, sondern noch ganz anderer Monopolverwaltungen aufzubürden... -n. Aber er blieb aufrichtig. Ihm genügte auch die Wahrheit. « Es war nicht sehr schlimm. Wenn ich zurückdenke — — eigentlich war alles so schön und gut und einfach...> Lukas blieb stehen und betrachtete ernst das Strassenpflaster, als sähe er dort die schöne, gute, einfache Jugend. Sie war vorbei, rettungslos dahin, und das war zu verschmerzen. Aber warum hatte Gertie sich so verwandeln müssen,. erwachsen werden ? Dies ruhige Frauengesicht mit wohlerzogenem Lächeln und ernsten Fältchen unter den Augen, konnte doch nur eine Maske sein, die sie zum Scherz vorhielt und eines Tages wieder sinken lassen würde ! Denn er liebte noch immer das fünfzehnjährige Mädchen, das in die Vergangenheit hinuntergestiegen und verschollen war. Nur ihr, einzig ihr hatte er Treue geschworen... «Hast du ihr schon gesagt, dass du sie heiraten willst ?» erkundigte sich Carola jedesmal. « Es ist ja so spannend ! » (Fortsetzung folgt)

N°77 — DIENSTAG, 22. SEPTEMBER "fö3»V Sportnachrichten Dem Grossen Preis von Amerika entgegen Wie bereits angekündigt, schifft sich am 24. September die Mannschaft der Scuderia Ferrari in Genua auf den < Rex > ein, um am 12. Oktober auf der neuen Roosevelt-Piste bei New York in den Kampf um den Grossen Preis von Amerika einzugreifen. Für das Rennen stehen der Mannschaft 3 neue Zwölfzylinder-Alfa Romeo zur Verfügung, denen sich als Reservewagen noch ein Achtzylinder hinzugesellt. Als Fahrer sind Nuvolari, Farina und Brivio in Aussicht genommen, doch möchten wir hinter den Start Brivios noch ein grosses Fragezeichen setzen.* Er laboriert nämlich noch immer an den Verletzungen herum, die ihm sein Sturz beim Training zum Grossen Preis von Italien eingetragen hat. In Begleitung der Fahrer befinden sich der Sekretär der Scuderia Ferrari, Ugolini, der technische Leiter Bazzi, der Trainingschef Marinoni und ein Ingenieur der Englebertwerke sowie 8 Mechaniker. Am 1. Oktober trifft der Dampfer in New York ein, so dass der italienischen Mannschaft noch volle 10 Tage bleiben, um sich mit der Piste und deren Eigenheiten vertraut zu machen. Europa oder Amerika? Der Vorteil sollte auf europäischer Seite liegen », meint Ferrari. Die Aussichten der Amerikaner in dieser für sie vollkommen neuen Gattung von Rennen beurteilt Enzo Ferrari wie folgt: «Es ist seit langen Jahren das erstemal, dass amerikanische Fahrer bei einem Rennen in die Arena steigen, das Kompressorwagen offen steht und sich auf einer ausgesprochen < ränkevollen > Piste abspielt. Diesem Umstand gilt es Rechnung zu tragen. So wie ich die Sache beurteile, sollte der Vorteil auf Seite der europäischen Wagen liegen, aber freilich darf man die Amerikaner nicht unterschätzen.» Sommer tippt auf einen Sieg der Europäer. Ueber die Chancen der Europäer m diesem great event hat eine französische Sportszeitung ihren (übrigens auch bei uns bekannten) Landsmann Raymond Sommer befragt, der, wie man sich erinnert, am 12. Oktober *drüben» mit von der Partie sein wird. Was er von der Piste denke ? Nun, nach den Photographien und andern Illustrationen, die ihm zu Gesicht gekommen seien, halte er sie für ziemlich schwierig. Für ihn als Einzelfahrer werde die Sache noch dadurch erschwert, dass er die 650 km allein, ohne die ^Möglichkeit einer Ablösung, durchstehen Müsse. Ob den Amerikanern oder den Europäern die besseren Siegeschancen eingeräumt werden müssen? Sommer ist von einem Erfolg der Europäer, genauer gesagt Nuvolaris mit seinem 12-Zylinder-Alfa-iRomeo, so gut wie überzeugt, daneben erblickt er auch in Wimille, der gegenwärtig seinen 4,7-Liter-Bugatfi in Arbeit hat, um ihn für das Rennen vorzubereiten, einen ernsthaften Anwärter auf den ersten Platz. Womit er denn die Ursachen der Inferiorität der Amerikaner erkläre? Zum einen aus der Tatsache, dass ihnen Rennen auf Strassenstrecken etwas vollkommen Unbekanntes seien, denn ihre Erfahrungen beschränken sich auf ausgesprochene, richtiggehende Rennbahnen, die sich nicht gerade durch Kurvenreichtum auszeichnen. Zum andern glaube er nicht, dass es ihnen gelingen werde, an ihren Wagen jene Aenderungen zu verwirklichen, die erforderlich wären, um daraus eine Waffe zur Niederringung der Europäer zu schmieden. Die amerikanischen Rennwagen seien ausschliesslich auf Geschwindigkeiten eingestellt und auch dementsprechend konstruiert, es gebreche ihnen an Anzugsvermögen und an wirksamen Bremsen. Dazu lassen auch die Strassenhaltung und das Getriebe allerlei Wünsche offen. Nichtsdestoweniger aber neige er zur Auffassung, Amerika werde sich, wenn es uns Europäern einmal in die Karten geguckt, als gelehriger Schüler entpuppen und nichts unversucht lassen, um dafür zu sorgen, dass nächstes Jahr die Trauben für uns beträchtlich höher hängen. »...und was Etancelin sagt. Etwas skeptischer sieht die Sache der Franzose Etancelin, der auf einem Maserati ebenfalls in den Kampf eingreifen wird. Für ihn gilt ein europäischer Erfolg noch keineswegs als ausgemachte Angelegenheit und eine Ueberraschung von Seiten der Amerikaner scheint ihm durchaus im Bereich des Möglichen zu liegen. Gewiss, die Teilnehmer aus dem alten Kontinent können für sich das Plus der grösseren Erfahrung auf Strassenpisten buchen, aber ob sie allein für einen Sieg genüge, stehe auf einem andern Blatt. Welche Anziehungskraft übrigens das Rennen ausgeübt und was für einen Massenandrang es heraufbeschworen, illustriert die Tatsache, dass dafür nicht weniger als 67 Meldungen eingegangen sind. Selbstverständlich kann keine Rede davon sein, diese ganze Meute auf die Piste loszulassen, vielmehr werden Ausscheidungen nötig sein. Sie finden am 27. September statt und es wird sich dannzumal auf Grund der Ergebnisse zeigen, wie die 36 Glücklichen heissen, die am 12. Oktober um Sieg und Ehre in diesem Grand Prix kämpfen. Die internationale Sportkommission tagt in Paris. Heute Nachmittag eröffnet die internationale Sportkommission den Reigen der Konferenzen und Tagungen, die jeweilen vor und während des Pariser Salons zusammentreten. ;• Am Anfang der Beratungen steht die Fixierung des Gerippes des internationalen Sportkalenders 1937, d. h. die Festlegung der Daten der Grossen Preise von Deutschland, Belgien, Spanien, Frankreich, der Schweiz, von Indianapolis, Italien und Monaco. (Was den schweizerischen Grand Prix anbelangt, so hat der Aussehuss des Organisationskomitees den Termin für das nächste Jahr bereits bestimmt, und zwar auf Sonntag den 22. August.) In seinen Einzelheiten wird der internationale Sportkalender freilich erst bei Anlass der Oktobertagung der int. Sportkbmmission bereinigt. Einen weiteren Verhandlungsgegenstand bildet die Festsetzung der internationalen Formel für die Rennen der Saison 1937 und der folgenden Jahre. Für 1937 allerdings ist eine Ueberraschung nicht zu erwarten, denn der Geltungsbereich der bisherigen Formel wird auch auf das kommende Jahr ausgedehnt, zumal es als ein Ding der Unmöglichkeit angesprochen werden muss, ein paar Monate vor Anbruch der Saison 1937 eine neue Formel in Kraft zu setzen. Dass die paar bis dahin verbleibenden Monate niemals Werbeschaufenster für die VIII. Internationale Alpenfahrt im Ausland. In den Auslandsagenturen, der SBB/SVZ sind durch Vermittlung der Schweizerischen Verkehrszentrale zu diesem Anlass besondere Schaufenster ausgestattet worden, die beim Publikum starke Beachtung fanden. für den Bau. neuer Wagen ausreichen würden, leuchtet ohne weiteres ein. Wenn auch nichts Offizielles darüber verlautet, so kann es doch keinem Zweifel unterliegen, dass wir bei den Grands Prix dieselben Wagen am Start sehen werden wie in den verflossenen drei Jahren. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Sitzung im weiteren einen Gedankenaustausch über die Formel zeitigen, die von 1938 an Geltung erlangen soll. Wie sie schliesslich aussehen wird, darüber lassen sich heute nicht einmal Vermutungen anstellen. Währenddem nämlich einzelne Firmen eine Rückkehr zu einer Beschränkung des Zylinderinhaltes auf 1500 ccm nicht ungern sehen würden, plädieren andere für-die Beibehaltung des gegenwärtigen Standes der Dinge. Die 500 Meilen von Brooklands, welche am vergangenen ^Samstag den Schlusspunkt hinter die Serie der «rossen englischen Rennen setzten, gestalteten sich zu einem neuen Triumph für Freddie Dixon (Riley), der kurz zuvor schon die Tourist Trophy nach Hause gefahren hatte. Leicht war die Beute allerdings nicht zu erringen, und erst nach einem erbitterten Kampf vermochte Dixon seine Gegner abzuschütteln. Die 800,45 km wurden vom Sieger in 4 St. 38 Min. 15 Sek. erledigt, d.h. mit einem Stundenmittel von 186 km 761. Als Zweite klassierten sich Pacey-Baker Carr (Pacey Hassan), währenddem Hamilton-Marquis de la Belleroche (Alfa Romeo) als Dritte einkamen. Nuvolari gewinnt die italienische Automobilmeisterschaft. A% fünfter und letzter Lauf der italienischen AutomobiLmeisterschaft ging am letzten Sonntag das Rundrennen von Modena von Stapel, das abermals Nuvolari in Front sah. Mit diesem Sieg sicherte sich der Mantuaner den Titel des italienischen Automobilmeisters 1936. Erinnern wir in diesem Zusammenhang daran, dass ausser Modena für das Championnat noch die Coppa Ciano, die Coppa Acerbo, das Mailänder Rundrennen und Monza zählten. Ueberraschend kam Nuvölaris erster Rang niemandem, denn praktisch hatte er keine Gegner; er gewann denn auch auf seinem Zwölfzylinder Alfa, wie er wollte. Nach dem Start übernahm Tadini auf dem Alfa Achtzylinder die Führung bis zur dritten Runde, gefolgt von Nuvolari, Farina, Biondetti, Ghersi, Battaglia, Barbieri usw. Dann I aber litt es Nuvolari nicht mehr auf dem) zweiten Platz, er stiess vor, verdrängte Ta-i dini von der Spitze und beherrschte von da; an die Situation souverän. Zwar folgte ihmj Tadini wie ein Schatten, aber er vermochte i ihn nichts anzuhaben. Durch Defekte wurden Ghersi (Maserati), de Rham (Maserati), Biondetti (Alfa Romeo) und schliesslich auch Pintacuda aus dem Rennen geworfen. Bei « Halbzeit», d.h. nach 25 Runden, ergab sich folgender Stand : Nuvolari