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E_1936_Zeitung_Nr.078

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12 Schrulle eines der

12 Schrulle eines der gelehrten Herren Botaniker angesehen wurde, bis man endlich die Wahrheit erfuhr. Der Betrag war aber lächerlich niedrig, wenn man bedenkt, dass fast sämtliche Kautschukbäume in allen Pflanzungen der Erde von eben diesem Transport Mr. Wickhams abstammen. Er bertchnete seine Ausgaben sthr genau mit 1505 Pfund, 4 Schilling, 2 Pencel H.A. Wickham — der Kautschukgärtner der Erde. Um die Jahrhundertwende hatte die Londoner Bors« ihre grösste Ueberraschung. Sie bestand in einem bescheidenen, aber immerhin marktfähigen Stapel Plantagenkautschuk, der aus dem Osten gekommen war. Nun schössen die Pflanzungen auf Ceylon und in der ganzen Malaya wie Pilze aus der Erde. Nach wenigen Jahren schon zahlten sie die unglaublichen Dividenden von 250, 287, von 325 und 375 Prozent. Der Anteil Brasiliens aber an der Weltkautschukproduktion ist heute auf 2 Prozent zusammengeschrumpft. In Manaos verfaulen deshalb die Schiffe. Ehe aber die Folgen von Mr. Wickhams genialem Handstreich auf diese Weise sichtbar wurden, vergingen drei Jahrzehnte. So lange war er unermüdlich tätig, offiziell als indischer Forstinspektor und Kronlandkommissar, als Polizei- Inspektor und Bezirksvorsteher in Honduras, tatsächlich aber immer noch der alte Entdecker, Pionier und Kautschukpflanzer, nur auf das eine Ziel bedacht, seinen Kautschukbaum auf alle geeigneten Gebiete des britischen Weltreiches zu verpflanzen, nach Zentral-Amerika, nach Australien, nach den pazifischen Inseln und nach Neu- Guinea. Wickham schrieb ein Buch über die Anlage von Kautschuk-Plantagen. Sein interessanter Kopf wurde ein Mittelpunkt im Gewühl der Londoner Kautschuk-Ausstellung von 1911. Er wurde als Vater aller Plantagen gefeiert, erhielt ansehnliche Ehrengaben und eine Jahresrente und, wenn auch etwas spät, 1920 den Ritteradel. Er starb erst vor wenigen Jahren, hat also noch erleben müssen, wie die Welt unter dem herrschenden Kautschuküberfluss stöhnte, wie sogar die Strossen damit gepflastert wurden. Moderne Bildung 1 verlangt moderne Sprachen Von Direktor Dr. Lusser, «Institut auf dem Rosenberg», St. Gallen. das Kulturleben der Völker einzudringen und für ihn besonders gilt das Wort, dass der Mensch mit jeder neuen Sprache eine neue Seele erringt. Dem Wirtschaftstätigen, der bei der heutigen Verflochtenheit der Wirtschaftsbeziehungen in Erdteilen denken und rechnen muss, sind sie das, was dem Soldaten das Gewehr und dem Flieger der Aeroplan: das unentbehrliche Werkzeug zur Ausübung des Berufes. Wie wichtig dieses Werkzeug ist, zeigt speziell die heutige Wirtschaftskrise, die Tausende von Unternehmungen zwingt, alte Verbindungen abzubrechen und sich auf neue Länder und Absatzgebiete umzustellen. Wie vermitteln gute Privatschulen die modernen Sprachen? Zunächst durch einen individualisierenden Unterricht in Kleinklassen, wobei der Unterricht meistens durch einen Lehrer aus dem betreffenden Sprachland erteilt wird. Grössere Privatschulen besitzen in der Regel in ihrem Lehrkörper einen geborenen Engländer, Italiener, Franzosen zum Unterricht in den betreffenden Sprachen. Der beste Klassenunterricht kann [edoch eine Fremdsprache nicht perfekt vermitteln. Ebenso wichtig ist die tägliche Konversationsmöglichkeit. Das Fehlen dieser Möglichkeit an den öffentlichen Schulen bringt es mit sich, dass mancher Mafurand vielleicht die ersten Noten in Englisch erhält und die englische Literatur von A bis Z «beherrscht», wenn er aber nach London kommt, ist er kaum in der Lage, im Restaurant ein Beefsteak «fliessend englisch» zu bestellen. Daraus ergibt sich die unüberschätzbare Bedeutung der Konversationsübung in Instituten mit internationaler Schülerzusammenstellung. Um die praktische Auswertung der Konversationsmöglichkeiten zu veranschaulichen, darf ich vielleicht aus meinem persönlichen Erfahrungskreis berichten. Wie gewöhnen wir die jungen Leute an den lebendigen Gebrauch der fremden Sprachen? Durch viel* kleine Einrichtungen, die zusammenwirkend das grössere Endziel erreichen lassen. Zum Beispiel: als Zimmerkameraden werden zwei gleichaltrige Schüler von verschiedener Muttersprache bestimmt, etwa ein Franzose und ein Deutscher (politische Vorurteile kommen nicht vor, weil die gesunde, unverhetzte Jugend den Kameraden nicht nach der Politik, sondern nach der anständigen Gesinnung bewertet). Bei den Mahlzeiten sind wieder Kameraden verschiedener Sprachen Tischgenossen; im täglichen Internatsleben bei Sport und Spiel bietet sich hundertfältige Gelegenheit zur Uebung der modernen Sprachen. Muttersprache-Sünder bezahlen am Wochenende ihre Sprachbusse in die Schülerkasse. Nicht nur eine, sondern mehrere Sprachen können geübt werden. Jede Woche referieren einige Schüler vor der versammelten Schulgemeinde über die Welterelgnisse der Woche, aber nicht in der Muttersprache, sondern in einer Fremdsprache. Jede Woche versammeln sich die Schüler zu französischen oder englischen Cercles, wo ganz frei und ungezwungen geplaudert wird. Gute Erfahrungen haben wir auch mit Sprachexkursionen gemacht, bei denen unter Taschengeldbusse bestimmt war, dass nur eine Fremdsprache gesprochen werden dürfte. Wichtig ist seit einiger Zeit in privaten und öffentlichen Schulen die internationale Schülerkorrespondenz geworden; so korrespondieren zum Beispiel gegenwärtig viele unserer Schüler recht lebhaft mit Schülern und Schülerinnen in U. S. A. und Kanada. Diese Schülerkorrespondenz wird heute von vielen pädagogischen Instanzen, m der Schweiz zum Beispiel vom Bureau International d'Education in Genf sowie von Herrn Prof. Dr. Lätt in Zürich, vermittelt. Durch alle diese Dass die Beherrschung der verbreitetsten modernen Kultursprachen immer wichtiger wird, berer Länder lernen die Schüler nicht nur die Scheu lebensreichen Beziehungen mit Kameraden andedarf keiner langen Beweisführung. Dem geistig vor den Fremdsprachen fast spielend überwinden, Schaffenden sind die Sprachen das Mittel, um in sie weiten den Horizont, lernen andere Charaktere, Nationalitäten, Temperamente kennen und knüpfen über Grenzpfähle und Zollmauern hinweg starke Bande dir Lebenskameradschaft und des weltbürgerlichen Sichverstehens. Untersuchungen über den Nutzen der Schalprüfungen Das britische Unterachtsministerium -hat einen Untersuchungsausschuss eingesetzt, der beauftragt ist, eine Prüfung der Schulexamen, also sozusagen eine «Prüfung der Prüfungen» auf ihren Wert oder Unwert vorzunehmen. Schon jetzt ist der Ausschuss, der seine Arbeiten erst vor kurzem aufgenommen hat, zu einem Ergebnis gekommen, das er als «höchst beunruhigend» bezeichnet. Der Erfolg der Prüfungen hänge fast ausschliesslich von der Laune, dem Gesundheitszustand und der persönlichen Einstellung des prüfenden Lehrers ab. Alle möglichen • äusseren Umstände, die mit dem Wissensschatz des Prüflings nicht das'Geringste zu tun hätten, spielten mit, so beispielsweise die Oertlichkeit und die Tageszeit der Prüfung. Als besonders typisch wird das Resultat eines Examens bezeichnet, bei welchem 1 7 Lehrer, ausnahmslos erfahrene Pädagogen und Hochschuldozenten, über vier eingereichte Arbeiten zu entscheiden gehabt hätten. Nicht zwei unter den siebzehn Urteilen stimmten überein, die erteilten Noten wiesen einen geradezu erschreckenden Mangel an Gleichmässigkeit auf, und die Klassierung der Schüler war bei jedem der Examinatoren eine andere. Es hat den Anschein, als ob die Arbeiten des Untersuchungsausschusses einen vollständigen Fortfall aller Prüfungen zumindest in den unteren und mittleren Schulstufen zur Folge haben werden. Dass das britische Examenwesen und damit das Schulwesen überhaupt einer grundlegenden Aenderung unterzogen werden wird, kann bereits als feststehend betrachtet werden. cpr, Kinder und üehrer Gesegnete Mahlzeit! « So mag ich's leiden, Jackie », sagte die Mutter. «Heute mittag hast du wenigstens mal saubere Hände.» « Nicht wahr? i> • sagte Jackie stolz. « Aber da hättest du sie mal sehen sollen, bevor ich Mary geholfen habe, den Kuchenteig zu kneten.» Der Gelehrte. Herr und Frau Professor sollten ausgehen. Er trödelte im Schlafzimmer. Sie: «Mensch, was treibst du denn noch?» Er: «Ich suche.» « Was denn? » « Meine Handschuhe. Zwei habe ich schon — aber der dritte fehlt mir.» Das unverdorbene Rind. Die junge Lehrerin sprach zu den Kindern über die Schönheit des Sommers. «Heute morgen, als ich auf dem Bahnsteig auf meinen Zug wartete, schien die Sonne warm, und ich fühlte, wie mir etwas sanft die Wange streichelte Was war das wohl? » «Vielleicht der Stationsvorsteher, Fräulein», sagte ein kleines Mädchen. Ausklans Das sind die letzten Sommertage Voll heisser und brennender Glut. Sie glühen — und gehen zu Grabe, Und langsam versickert ihr Blut. So ist das Leben, das Sterben. Wir glühen und leuchten so rot. Wir trinken und handeln und werben, Am Ende — Verglühen und Tod. Die Hochzeit der Prohebraut. Kürzlich wurde in London Miss Lucie Silvia Clayton getraut. Bei .der Hochzeitstafel war eine grosse Gesellschaft anwesend, der die neuvermählte Frau erzählte, dass sie nunmehr ihre 300. Trauung mitgemacht habe. Sie sei entschlossen, dass sie die letzte sein solle. Miss Lucie Silvia Clayton war nämlich vorher Mannequin in einem berühmten Londoner Spezialgeschäft für Brautausstattungen und in dieser Funktion hat sie 299mal in vollem Brautornat Generalproben für fremde Trauungen abgehalten. In der Londoner Gesellschaft ist es Sitte, dass solche Proben einen Tag vor der Trauung in der Kirche stattfinden, die zu diesem Zwecke gesperrt wird. Bei diesem Anlass hat Miss Clayton den Bräuten der englischen Aristokratie gezeigt, wie sie sich bei der wichtigsten Zeremonie ihres Lebens zu benehmen haben. Sie erklärte, dass sie bei ihrer eigenen Trauung trotzdem so aufgeregt war wie noch nie und den ihr wohlbekannten Weg durch das Seitenschiff der Kirche verfehlt hätte, wenn ihr Mann sie nicht geführt hätte. Sie wird nun eine Schule für Mannequins eröffnen. In der Gerichtskasse von Pirot an der jugoslawisch-bulgarischen Grenze liegt seit mehr als zwei Jahren eine Million Lewa, und niemand weiss, wem das Geld gehört. 1934 durchsuchten jugoslawische Sicherheitsbeamte den aus Bulgarien eingetroffenen Zug und fanden, unter Polstern versteckt, diesen Betrag in Banknoten; zweifellos hatte er geschmuggelt werden sollen, und der Schmuggler hatte wohl im letzten Augenblick Angst bekommen, sich zu seinem Gelde zu bekennen. Später gab ein Kaufmann aus Wien an, es sei sein Geld; gleichzeitig erhob aber der bulgarische Staat Anspruch auf die Summe, die als Schmuggelgut verfallen sei; nur die jugoslawischen Behörden fanden keinen Grund, das Geld zu beanspruchen, da die Einfuhr selbst geschmuggelter Devisen nach Jugoslawien gestattet ist. Das Bezirksgericht in Pirot hat zunächst versucht, den schwierigen Fall auf ein internationales Gericht abzuwälzen, dies ist ihm aber nicht gelungen. Inzwischen sind der Kaufmann aus Wien und die bulgarischen Organe immer dringlicher geworden, und nun muss, obwohl das Gericht den Fall von Termin zu Termin vertagt, die komplizierte juristische Frage gelöst werden, wem die geschmuggelte Million gehört cpr. Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich in O. R. Wagners CH Touring, Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. C. S. Schönste Aussichtsterrassen auf den Rheintall. Forellen. Zimmer mit fl. Wasser. Bäder. Eigene Garage und Parkplatz. Tel. 548. Rheinfall-Beleuchtuntiprogramm kostenlos. A. Wldmar, Bes. Altbek. gutbürgerliches Haus. Zimmer mit fliess. Wasser zu Fr. 3.60. Speziabt, in Küche n. Keller. Garage. Tel. 81.332. Maienfelder Beerliwelne und Sttssdrnekweine, Eigenbau. J. Zyndel, Weinbauer Gutburgerüches Haus. Alle Zimmer mit Messendem Wasser v. Fr. 3.50 an. Pension v. Fr. 9.50 an. Im. Butterküche. Grosser und kleiner Saal für Gesellschaften. Garage. Tel. 49. Fam. R. Wys«. Dmo larese. Es gibt merkwürdige Dinge [Automobn-Revoe Wem gehört die Million? Neuhausen am Rheinfall *.c.s. Hotel Belevue Maienfeld Gasthaus zum Ochsen DaVQS-PlatZ Sporthotel Bahnhof Terminus •••••• GAIS Hotel Krone Terrassen-Restaurant. Sorgfältige Küche. Seltwtgekelterte Weine. Neu renovierte Zimmer. Garage. Höfl. Empfehlung: H. Baumann, K'ohef. Herr Gastwirt! N*78 DER AUTLER WIRD GERNE BEI IHNEN EINKEHREN, WENN SIE IHN IN SEINEM FACHBLATT DAZU EINLADEN! Empfehlenswerte LUllCn Unterhaltes-u.Gaststätten Stadttheater Abends 8 ühr, Sonntag StUdfO Nord-SÜd Schifflandeplab nachmittags 3 Uhr. u derniire p4a| i$ ,ti 0 „ dt Jean Renoir: «U Ff. abinl/25. Sept. Martha, Oper von Flotow " crime de M. Lange». (A-Ab. 2). •_• i • n Sa. abend 26. Sept. Hoffmanns Erzählungen, Oper HUngaNa - JOIHiy Bar von J. J. Offenbach. Beatengasse 11 So.niChm.27.Sipt. Die lustige Witwt. Erstkl. Küche, gepflegte Weine. — Täglich So abend 27 Seot Zum erstenmal: Madame Butter- Konzerte erster Orchester. 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N«78 Äutomobil-Revue 13 Leon Lalage: Der tote Hahn Hochbetrieb für Hausfrauen: September, Monat der Früchte. Seit acht Tagen summt es im Hause der Frau Pigne wie in einem Bienenkorb. Alles ist erfällt vom säuerlichen und süsslichen Duft des Obstes, das geschält, entkernt und geschnitten in grossen irdenen Bottichen über dem Holzfeuer steht. Schwarze Johannisbeeren, Cassis genannt, und Wacholder weichen in Glasgefässen neben grossen Töpfen, die sich bald mit bernsteinund rubinfarbener Marmelade füllen werden. In Flaschen sind Liköre angesetzt. In Tragen, Körben und Körbchen kommen Duft und Farbe des Gartens herein. Am Rand der rot und grün gestrichenen Platten zucken gefrässige, gierige Wespen, von ihrem Schicksal ereilt. Zwischen Geschrei, dem Wiegen von Zucker, dem Messen von Alkohol huschen Nachbarskinder umher und stibitzen, was sich bietet. Mit Quitten beladen, mit verstörtem Gesicht, mut- und kraftlos steht plötzlich die alte Dienerin auf der Küchenschwelle. Achtlos lässt sie ihrem Korb die harten, goldfarbenen Früchte entkollern. Und diesem dumpfen Rollen folgt sofort die Trauerklage: «Gnädige Frtu, gnädiges Fräulein, der ... 'unser Hahn ist tot! » « Der Hahn, Thresou? Der Hahn ist tot? » « Ja, » schluchzt die alte Magd. « Als ich vorhin in den Garten ging, sah ich ihn inmitten seiner Hühner. Er schien mir wie benommen, fast toll. Er schleppte sich an alle möglichen Richtungen, schlug rn.it den Flügeln, krähte unaufhörlich. Ich dachte: er ist neu, i«t jung. Das wird vorübergehen. Und als ich zurückkam — jawohl, da war es vorübergegangen. Da lag er unter einer Bank und rührte sich nicht mehr. Er ist tot...» . Es, war ein Rassehahn gewesen. Ein prachtvolles Zuchtstück. Und nun war er tot. Alles rannte in den Hühnerhof. Nur Base Amelie blieb oben und rührte den Sud. Nachbarinnen waren schon zur Stelle und überboten, einander in Ratschlägen und Vermutungen. ; Die Hennen aber hatten sich in ausgesprochen weiblicher Oberflächlichkeit wieder dem , alten Dorking-Hahn zugewandt, der seiner vor* geschrittenen, Jahre wegen seit zwei /Wochen dem Suppentopf verschrieben war, i Wie eine Bruthenne beugte sich Frau Pigne über ihren toten Hahn. Das Herz voll tiefer ^ Trauer. Jeder Züchter wird das wohl verstehen können. Hatte es am Ende einen Hahnenkampf gegeben. Und war der junge Recke unterlegen? 1 « Schlachtenlärm hätten wir hören müssen, » tagte Thresou, die mit gebauschten Röcken neben ihrer Herrin hockte. « Wir haben aber nichts gehört; Der Kamm ist rot und unverletzt. Das Gefieder ist nicht zerzaust. » Sie erhob sich, die Fäuste in die Hüften ge- «tetnmt Es war klar, dass sie daranging, ein gewichtiges Wort zu sprechen. « Heute mittag (die Stunde der Hähne) war er den zwölften Tag im Hühnerhof. Wenn etwas uns trösten kann: er hat seine Pflicht getan. Unsere Hühner werden gute Eier legen I » Und dann bezeugte die Magd Thresou in glänzender Weise ihre stets wachsame Sparsamkeit. Das Tier war gesund, war noch warm, war schwer und gut gemästet. «Wir wollen ihn abstechen, Frau Pigne, und dann am Rost braten. » Dies war der zweite Trost. «Sie haben recht, Thresou, » pflichtete Frau Pigne ihr bei. Man fasste ihn an den Füssen. Himmel, war der schwer! Dann wurden einige Halsfedern ausgerupft. Thresou schloss in gewohnter Wehleidigkeit die Augen und schritt zur Tat. Das Blut füllte schon eine bereitgehaltene Schüssel, als zum Entsetzen der Weiber der Hahn plötzlich wild mit den Flügeln schlug und einen heiseren Schrei durch die Küche ertönen Hess. Es war ein Wiedererwachen — aber es kam zu spät. Die letzten Tropfen seines Lebens entsickerten. Thresou hatte ihn in unbestimmter Angst vor Hexerei zu Boden gleiten lassen. Diesmal war er wirklich tot. «c Dann hatte er aber ja noch gelebt? Was mochte ihm gewesen sein, als man ihn unter der Bank gefunden hatte? » « Das werden wir beim Ausnehmen merken,» knurrte Thresou, während sie ihn rupfte. Illustration Paul Bachmann. Der Kropf war prall und mächtig., Mit einem einzigen Schnitt schlitzte Thresou ihn auf. Er klaffte wie ein reifer Granatapfel. Ein Granatapfel voll schwarzer Körner von unverkennbar « geistigem » Duft. « Cassis! » rief Frau Pigne, Ja, das waren schwarze Johannisbeeren, die sie in Schüsseln gefüllt hatte, nachdem sie etliche Wochen im grossen Bottich der Wirkung des Alkohols ausgesetzt gewesen war. Der Hahn war auf das Fensterbrett geflogen und hatte, ohne die Hennen teilhaben zu lassen, von den schwarzen Perlen gepickt, die ihm wohlschmeckender dünkten als Weizen und Hirsekorn. Er war betrunken gewesen wie ein alter Säufer. Und hatte in seinem Rausch unbeweglich im Hühnerhof gelegen.,. «So ein* Unglück, » sagte die Magd. Für Frau Pigne wohl. Aber für ihn? Hätte er nochmals die Augen geöffnet, sie hätten des Lebens schwärzeste Untreue geschaut. Hätten seine Hennen gesehen, die sich am Morgen mit verliebten Blicken um ihn geschart hatten und schon am Abend, als wäre er niemals gewesen, einem alten abgelebten Hahn anhingen. Am Rost gebraten, schmeckte er königlich. Gerührt ass Thresou ihren Teil. «Du lässt mich an meinen armen Mann denken,» seufzte sie still. Und niemand fragte, ob diese Erinnerung etwa durch die Trunksucht des Hahnes geweckt worden war. Gefunden: Ein Skelett Man vergisst Handschuhe, Handtaschen, Regenschirme. Dass auch ein Sarg mit Leichentuch vergessen werden kann, gehört wohl zu den Ausnahmen. Alles schon dagewesen. Ein vergessener Sarg wurde kürzlich bei einer Londoner Fundversteigerung ausgestellt. Dabei erinnerte man sich an,ein ähnliches Kuriosum, an das Skelett des zerstreuten Londoner Medizinstudenten. Dieser Student hatte es von einem Krankenhaus zum andern zu bringen. Wahrscheinlich war ihm dessen Anatomie nicht geheuer, offenbar fürchtete er sich vor dem Examen und hätte lieber alle Skelette aus der Welt geschafft. Kurz, er vergass seinen Begleiter in der Bahn. ~ Von Skeletten abgesehen, gibt es recht nette Fundgegenstände, die lieblichsten nennen wir zum Schluss. Wäschereibesitzer könnten zuweilen eigene Fundbureaus eröffnen, und (— müssen auch zu schweigen wissen I In abgelieferter Wäsche finden sich vergessene Manchetten- und Kragenknöpfe, Ringe, Geldstücke, Banknoten und Füllfederhalter, ja sogar Gebisse. Dazu verfängliche Postsachen.- Einen solch verfänglichen lettre d'amour fand einmal die Wäscherin im Schürzchen einer Zwölfjährigen. Er stammte von einem Zehnjährigen welschen Geblüts und endete mit den Worten, «chere Doni, wenn du mir dreu bleubst, bleube ich dich auch dreu.» gej Eine sonderbare « Schiffahrtgesellschaft* hat sich von Tampa an der Westküste Florida», im Süden der Vereinigten Staaten aufgemacht. Sie ist vom Pech verfolgt. Ein Kapitän mit Frau, zwei Töchtern, einem Sohn und verschiedenen weiteren Anhängern hat den Schoner «Fleetwood» gemietet. Was sie wollen, ist die Gründung einer neuen Nudistengemeinde auf den Virgin-Inseln (das bedeutet eine Entfernung von 1400 Meilen). Es sind Pioniere aus Kalifornien. Die gesuchten Inseln sind ein Teil der Karibischen Inseln und liegen östlich von Haiti. Das Schiff wird vom Unglück verfolgt. Schon früh stellte sich die grösste Schwierigkeit heraus; es fand sich nämlich kein seekundiger Schiffer, der die Nacktkulturpioniere befördern wollte. Gleich nach dem Auslaufen aus Tampa lief das Schiff nach zehn Meilen auf ein Küstenriff. Weil eben der Steuermann fehlte und ein Kapitän auch nicht allerorten sein kann. Nach dem zweiten Auslaufen wurde es von einem Flugzeug beobachtet; es nahm eine Zeitlang gute Fahrt, nur etwas ängstlich, der Küste entlang. Dann lief es zum zweitenmal fest und diesmal auf einer Sandbank bei Boca Grande, hundert Meilen von Tampa entfernt. Einige Insassen sprangen an Land und wollten Hilfe suchen. Ob die armen Leute Hilfe fanden, ist noch nicht klar. Unklar scheint auch, ob ihnen die Kolonie auf den Virgin-Inseln gestattet wird, falls sie dort landen. Gouverneur Cramer, der gegenwärtig in Washington weilt, hat allerdings geäussert, dass er gegen Kapitän Allard und seine Anhänger nichts unternehmen werde. Hoffen wir das Beste. Y. Schützet die Heimat! Zeichnet WEHRANLEIHE öie dient zur Verstärkung der Landesverteidigung schafft Arbeitsmöglichkeiten belebt die Wirtschaft ist von der Emissions- und Ocrapon-Stempelabgabe befreit ist kurzfristig und wird planmässig getilgt ' Ist eine siohere Spar- und Kapitalanlage Zeichnungen werden * vom 21. September bis 15. Oktober 1936 entgegengenommen von: sämtlichen Niederlassungen der Schweizerischen Nationalbank, sämtlichen Banken, Bankfinnen, Spar- und* Darlehenskassen der Schweiz, sämtlichen schweizerischen Poststellen. Prospekte Hegen bei allen ZeichnungssteHen auf. Die kleinsten Titel lauten auf 100 Franken. Einzahlungen können • monatlich von 10 Franken an gemacht werden. Die guten Schweizer Portables 7iiRir.il Waisenhausstrasse 2, b. Bahnhof Telephon 56.694 Vertreter in allen Kantonen Immer munter und fidel Das Geheimnis des Wohlbefindens eines Hundes liegt in seinem Blut. Heisses Wetter, ungeeignete Nahrung, zu wenig Bewegung verursachen Blutstörungen, die sich rasch in ernstere Krankheiten verwandeln können. Lustlosigkeit, Appetitlosigkeit, mürrisches Wesen und übermässiges Kratzen sind sichere Anzeichen von unreinem Blut Bob Martin's Conditions-Pulver wurden speziell zur Blutreinigung für Hunde hergestellt und haben sich seit 1892 ausgezeichnet bewährt. Sie reinigen und frischen das Blut Ihres Hundes auf und stärken seine sämtlichen Organe. Seine frohe Laune und tadellose Erscheinung werden Ihnen diese kleine Ausgabe um ein Vielfaches belohnen. — Ausführliche Prospekte durch die Sanochem A.-G. Bellevue, Limmatquai 3, Zürich 1. Tel. 46.388. 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