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E_1936_Zeitung_Nr.080

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12 Antomobfl-Revne —

12 Antomobfl-Revne — ww Haben Sie Ihre Lösung für den Ich habe meinen Besitzer wenig gekostet. An den Ferientouren beförderte ich Leute «gegen Benzinentschädigung», die man durch Inserate gefunden hatte. Aber dann kam der Schwindel im Geschäft aus. Nun konnte ich die noble Madame nicht mehr zum Gemüseladen an die nächste Ecke führen, wo sie ihre Rübli kaufte, nun blieb ich im Stall und wurde immer mehr vernachlässigt. Zuletzt ersteigerte und verkaufte mich der Garagebesitzer, wütend über den geringen Erlös, an einep Italiener, der den Abbruchhandel als Spezialität treibt. Ach, wir werden schon eingeschickt? (bis 15. Oktober) I.Preis Fr.200.— in bar! Jede richtige Lösung tvird prämiert. Der LABICO-SERVICE vermittelt doch so oft nur den Ihnen ausschliesslich vertrauenswürdige Hotels und Speise-Restaurants. ein lotteriger, alter Geier. «BIoss um sein Schmusbänklein gleich mit sich zu führen, schön gegen Regen, Kälte und Blicke geschützt. So ist es jedtnfalls mir gegangen. Ich habe drum auch rundhtrum Vorhänge, und so brauchte ich nicht zu erröttn. Nur mit den Sprungfedern der hintern Sitzbank habe ich manchmal schüchtern gtseufzt,,.» damit schlägt er In heuchlerischer Züchtigkeit seine Parklichter nieder. Nun aber hält es der Orangeat nicht mehr au», «Sehtn Si* meine Pockennarben auf dem lack? Brandwunden, jawohlI Angezündet hat mich mein Besitzer, und niemand anders als ich weist es. Mein Besitzer hat esschlau angestellt. Er veränderte etwas an Zündung, Vergaser und Brennstoffzufuhr, liess darauf einen Mechaniker den Fehler suchen, und da ihn dieser nicht gleich fand, schalt er ihn zum Scheine aus, damit «r tin Alibi hatte. Und nur 200 Meter von hier hat er mich... bin ich verbrannt, damit die Abschleppkosten für mein Wrack recht klein waren.» Die andern Wagen sind indigniert. «Wissen Sie auch, was für schwere Beschuldigungen Sie aussprechen? Lag ein glaubhaftes Motiv denn überhaupt vor?», fragte der korrekte deutsche Dolores. «Selbstverständlich. Ich war gut gegen Kaskoschaden versichert. Und weil die Freundin meines Besitzers sich immer lustig machte über meine hohen altmodischen Formen, wollte er mich es werden lassen. Da ihm aber das Geld fehlte, machte er es mit einem Versicherungsbetrug. Mon Dieu, wie hart ist er aber gestraft worden! Er hat diese Frau geheiratet und nun betrügt sie ihn schandbar. Gut, dass seine Hörner keine Boschhörner sind, man würde den Skandal in der ganzen Schweiz herum hören, hahal» «Nun ja, betrogen und verraten fühlen wir uns ja alle auch. Einst waren wir die grosse Liebe unserer Herren, jetzt sind sie froh, dass sie uns los sind,» bemerkte der gemütvolle Quick. «Wir Frauen zuliebe angeschafft!» könnten eigentlich mal alle zusammen unsere «Tja, Sie könnten Recht haben,» geruht ein Hörner ertönen lassen und die schnöde Menschenbande erschrecken!» hellgelber Aubysler-Supersport-Kompressor zu bemerken, der bisher wie eine Sphinx dagelegen hat, weil sein Besitzer ihm die Federarme vorn Begeistert klatschen alle mit ihren Türen. Der gegeneinandergestaucht hatte, als er in eine Zürcher zählt «Eis, zwei, drü!» und über das Feld Mauer fuhr. «Mein Besitzer hat mit mir den Tod erschallt ein ohrbetäubendes Getute. Wie auf gesucht wegen einer untreuen Frau. Die Zeitungen schrieben zwar anders, bis zum Bankkrach Kommando schweigen alle und tun als ob sie schliefen. Von den Kirchtürmen schlägt es Eins und nachher, als es sich erwies, dass der junge Besitzer sich wegen dieser Frau ruiniert hatte. ein leiser Regen hat eingesetzt. Herrgott, hatte ich ein LebenI Nur moussierendes Esso und Dynamin hatte ich zu trinken, denn Bundesfusel verdaue ich schon gar nicht, ich weiss das von manchen Auslandsfahrten. Wenn ich ja bloss an die eleganten Parfüms denke, die über meine Polster schwebten ...> «Ach ja, die Menschenweiber, aber ich kann's ja nicht sagen !>, seufzte wieder der Orangeot. «Hihi, wenn es ausschliesslich Damen ohne Unterleib gäbe, so wie ich eine unter den Autos bin!», lacht jetzt hässlich ein sonderbares Gefährt, ein Lastwagen mit Sechsradantrieb und ohne Ladebrücke, offenbar eine Kreuzung zwischen Tank und Traktor. Missbilligend überhört man das konstruktive Monstrum, hat es sich doch herumgesprochen, dass es ein technisches Plagiat sei. «Renommiert doch nicht so naiv mit Euern Menschenweibern. Wenn einer davon etwas sagen kann, so bin ich es!», spricht mit grober Stimme ein grosses Landaulet, dem man von weitem den alten Taxi ansieht. «Schliesslich habe ich am meisten gesehen. Zu mir kamen die Leute, bei denen es pressierte. Nicht nur auf den Zug. Auch obdachlose Menschlein habe ich in langen, sanften Fahrten zueinander bringen dürfen. Hingeschaut habe ich nie, aber es wird nicht so schlimm gewesen sein, wie alte verhinderte Kracher in ihrem gelben Neid daherreden. Manchmal habe ich mich ja schon ein bisschen verwundert, wenn dann so ein armer, schüchterner Teufel plötzlich ein sündhaftes Geld fröhlich zahlen konnte. Wie lange es ihn noch gefreut hat, interessierte mich allerdings nie...» «Darum kauft der Jüngling dann einen eigenen Wagen, gehauen oder gestochen,» meint Märchen der Neuzeit Ludwig Anton Es war einmal ein Mann, der lenkte sein Automobil durch die Strassen einer Stadt. Als er zu einer Kreuzung kam, fuhr unglücklicherweise im gleichen Augenblick ein Lastkraftwagen aus der. Querstrasse. Beide bremsten, aber einen kleinen Moment zu spät, und stiessen ziemlich heftig zusammen. Es gab einen lauten Krach und einige heftige Stösse, dann standen beide Gefährte, ineinander verkeilt, mitten auf der Kreuzung. Es gelang den beiden Männern auch sogleich, die Wagen auseinandefzubekommen, und so fuhren sie an den nächsten Gehsteigrand, um den Verkehr nicht zu stören; dann stiegen sie aus und besahen sich den Schaden. « ., «Es tut mir schrecklich leid, was ich da angerichtet habe,» sagte der Mann zu dem Lastkraftwagenlenker. «Es war ganz meine Schuld. » Dieser, ein Huhne von Gestalt, nahm seine Mütze vom Kopf und kratzte sich nachdenklich hinter dem Ohr. «Nein, keineswegs, Herr, » sagte er freundlich abwehrend, « es war meine Schuld. Ich hätte nicht so rasch um die Ecke fahren dürfen.» Der andere hob abwehrend die Hand. « Ich selbst bin über fünfzig gefahren, » sagte er, « ich will es nicht verheimlichen. »•-- • Der Lastkraftwagenlenker schüttelte den Kopf. « An mir wäre es gewesen, Vorsicht zu üben. Schauen Sie nur her, wie arg Ihr Kotflügel verbogen ist.» «Das macht nichts. Das kann leicht geradegehämmert werden, und ausserdem wollte ich* den Wagen schon längst frisch lackieren lassen. Das geht jetzt in einem.»- Er ging ein paar Schritte weiter, wo das Lastauto stand. « Schrecklich I » rief er entsetzt. « Ich habe Ihnen die Stossfänger ganz heruntergerissen.» «Nicht der Rede wert, Herr,» entgegnete der Lastkraftwagenlenker. « Deswegen lassen Sie sich keine grauen Haare wachsen., Das kann für einen Pappenstiel gerichtet werden.» « Dann wäre also alles soweit in Ordnung?) » « Ja, gewiss. Guten Tag. » « Auf Wiedersehen. » . Beide Männer setzten sich an du Lenkrad ihrer Wagen und fuhren weiter. Es war einmal ein Mann, der ging zum Zahnarzt. Als er in den Warteraum kam, nannte er der Assistentin seinen Namen. Sie blickte auf den Vormerkkalender und sagte: « Sie sind für 10.20 Uhr bestellt. Es ist jetzt genau 10.19 Uhr. Der Herr Doktor wird Sie in einer Minute vornehmen. » Um lTüttcrnad)t ßteg bic tlaäit ans £anb, träumen*) an bcv Serge VOanb, 2tuge ftefjt bic Qolb'nc V0a$c nun Per $tit in gleichen Schalen ftillc xuifn; Unb tcäcv raufdjen bic Quellen f?ert>or, Sie fingen bcv Htutter, bcx Xlaäit, jns ©fjr ücm Sage, Pom fjeute getoefenen Sage. Das uralt alte Sc^fummerHeö, Sie adjtet's ntdjt, fte tft es müb'; 3^r Hingt öes fjtmmcls Sichte füfjer notf|, 2>er flüdjt'gcn Stunben gleidjgcfdjttmng'nes 3o$* Z)oc$ immer behalten bic Quellen bas TOott €s fingen bic tüaffer im Schlafe noäi fort Pom £age, Dom f?eute gewefenen Sage. 4öuarö Hlörtte. Genau sechzig Sekunden später öffnete sich die Tür zum Ordinationszimmer, und der Zahnarzt bat ihn, einzutreten. Hier könnte das Märchen enden, denn es ist wirklich wunderbar. Aber es wird noch schöner. Nachdem der Mann auf dem bekannten Stuhl Platz genommen hatte, bat ihn der Arzt, den Mund recht weit zu öffnen. Dann untersuchte er das Gebiss sehr genau und sagte: «Ich kann nicht das Geringste finden. Ihre Zähne sind in bester Verfassung. Ich weiss gar nicht, weshalb Sie gekommen sind.» « Aus Vorsicht, Herr Doktor, » antwortete der Mann. « Was bin ich schuldig? » « Nichts, mein Herr. Ich habe Sie ja nicht behandelt.» Es war einmal ein Mwnn, der ging in ein Kaffeehaus, in dem er nicht Stammgast war. Er bestellte eine Tasse Tee und elf verschiedene Zeitungen. Der Kellner brachte ihm nicht nur den Tee, sondern auch innerhalb von fünf Minuten die bestellten elf Zeitungen. Dann sagte er: T\ in Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich in O.R.Wagners CHTourlng, Föhrer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. C.S. Herbst- Zugerland Ausflug ins T.C.S. A.C.S. Ist und isst man ausgezeichnet. Pension v. Fr. 7.-bis 8.-an. Ruhig, sonnig und behaglich. Strandbad. See-Terrasse. Garage. Tel. 44.110 A. Schwyter-Wörner, Bes. « Wünschen Sie vielleicht noch Gebäck?! — Nein?! — Nun, hier sind noch einige Zeitungen, die Sie vielleicht auch gerne lesen möchten.» Als der Mann den Tee getrunken und die Zeitungen gelesen hatte, rief ers c Bitte zahlen! » Der Kellner, der etwa drei Tische weit eni* fernt stand, ging nicht erst in die entgegengesetzte Richtung des Lokals, um dort irgend eine zwecklose Handlung auszuführen oder mit einem Gast ein gleichgültiges Gespräch zu führen, sondern kam sofort zum Tisch des Gastes und kassierte dessen Zeche ein. Es war einmal eine Frau, die ging mit ihrem Mann durch die Strassen der Stadt spazieren. Vor einem Modengeschäft blieben sie stehen und betrachteten in den Schaufenstern die ausgestellten Kleider. « Schau dir einmal dieses Kleid an, da hinten links, ja, das dunkelblaue,» sagte sie. «Ist das nicht bezaubernd? So einfach im Schnitt und doch so elegant! Und es kostet gar nicht viel. » «Wir sind nächste Woche zu der Verlobungsfeier bei Kramers eingeladen, » sagte der Mann. « Willst du nicht hineingehen und es dir zeigen lassen? » « Ich habe auch schon daran gedacht, » antwortete die Frau. «Aber für so ein Kleid muss man jünger sein und eine bessere Figur haben als ich. Es war sehr nett von dir, es mir anzutragen. Aber das schwarze vom vorigen Jahr wird bestimmt genügen.» Es waren einmal zwei Männer, die einander flüchtig kannten. Eines Tages trafen sie zufällig in der Strassenbahn zusammen. « Wie geht es Ihnen? » fragte der eine. « Interessiert Sie das wirklich? » erkundigte sich der andere. « Nein. » Zugersee — Aegerisee — Zugerberg GutgefOhrte Hotels. Pensionen und Kinderheime. Auskünfte und Prospekte durch das kant. Verkehrsbureau Zug. Unterägeri fQr Ferien- und Kuraufenthalt.' Gut geführte Hotels und Pensione Ueber ein Dutzend Kinder-Kurhäuser, n. Prospekte und Auskunft durch das Verkehrsbureau Unterägerl. Telephon 74. 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N°80 — Automobil-Revue' 13 Geschichten, die das Leben schrieb Tatsachenberichte von Christian Windeke Vor mehr als 2 Jahrzehnteii beschäftigte ein Kriminalfall, dessen Opfer ein spanischer Grande war, die Oeffentlichkeit Spaniens auf das lebhafteste. Besonders in der Madrider Gesellschaft erregte er das grösste Aufsehen. Tagelang brachten die Zeitungen spaltenlange Berichte über den geheimnisvollen Mord, der trotz der fieberhaften Bemühungen der Polizei ein ungelöstes Rätsel blieb. So lange, bis vor 5 Jahren der Schleier fiel und ein erschütterndes Drama enthüllte, in dessen Mittelpunkt eine Frau stand. Es war die Gattin des Ermordeten, deren Leben eine Tragödie der Schuld und ein Hohelied der Sühne war. Graf Alfonso Sebradalla entstammte dem spanischen Uradel und war ein reicher Grossgrundbesitzer in der Nähe von Madrid. Man schätzte den Wert des Vermögens auf 25 Millionen Pesetas. Das Schicksal hatte ihm alles gegeben, wonach des Menschen Herz verlangt, Reichtum, Gesundheit, Ansehen, aber auch, da nun einmal nichts im Leben vollkommen ist, einen leichten Sinn, allzu unbeschwert von dem Gefühl der Verantwortung. Dieser Charakterfehler war es, an dem er scheitern sollte und der das verhängnisvolle Drama heraufbeschwor. Graf Sebradalla lernte Donna Dolorosa kennen, eine junge Dame, die einer der ersten Adelsfamilien des Landes angehörte und wegen ihrer vollendeten Schönheit viel umworben war. Unter ihren Bewerbern war es besonders ein angesehener Arzt, der sich leidenschaftlich in sie verliebt hatte und sich um ihre Gunst bemühte. Allein Donna Dolorosa wollte* nichts von ihm wissen und wies seinen Heiratsantrag zurück. Ihr Herz gehörte dem Grafen Alfonso Sebradalla. Es war bei ihr Liebe auf den ersten Blick. Sie fühlte, dass dies der Mann war, dem einzig sie angehören konnte und der allein imstande war, sie glücklich zu machen. Auch Graf Alfonso fühlte sich zu dem schönen Mädchen hingezogen, doch wusste er, dass sie für ihn nur eine unter vielen war, freilich eine, die alle anderen überstrahlte. Als er bemerkte, dass seine Huldigungen auf fruchtbaren Boden fielen, da war es vor allem seine Eitelkeit, die durch diese Entdeckung befriedigt wurde. War doch das abweisende Benehmen und die Zurückhaltung der schönen Dolorosa allgemein bekannt. Nun war er der Sieger! Auch war er des Junggesellenlebens müde und der bezahlten Liebesfreuden satt. Er sehnte sich nach einer Gattin, mit der er sich in der Gesellschaft sehen lassen konnte, nach einer Frau, um die ihn seine Freunde beneiden würden. Donna Dolorosa war es wert, die Frau eines spanischen Granden und Millionärs zu sein. Sie würde ihm treu sein, dafür bürgte ihr Charakter und ihre Erziehung, und sie würde ihn lieben, nur ihn, das hatte er bereits bei den 'e ^Oüsserin ersten Worten gefühlt, die er mit ihr gewechselt hatte. Und so war es geschehen, dass Graf Alfonso um ihre Hand angehalten hatte. Die Hochzeit fand unter grossem Prunk statt und vereinigte die Elite des spanischen Hochadels. Das neuvermählte Paar nahm auf einem der Güter des Grafen Aufenthalt, Da, zwei Tage nur nach der Hochzeit, geschah das Unerwartete. Hinter einem Gebüsch im Garten der Villa, die das junge Paar bewohnte, fand in der Frühe des Morgens der Gärtner seinen Herrn auf dem Boden liegend. Er war tot. Aus seiner Brust sickerte Blut. Unzweifelhaft war er ermordet worden. Von wem und weshalb? Diese Fragen bemühte sich die Kriminalpolizei zu lösen, die alsbald auf dem Schauplatz der grausigen Tat erschien. Die Nachforschungen wurden mit grösstem Eifer betrieben. Der Verdacht richtete sich zuerst auf den Arzt, dessen Bewerbungen Donna Dolorosa zurückgewiesen hatte. Er wurde verhaftet und einem strengen Verhör unterzogen. 48 Stunden darauf wurde er jedoch wieder freigelassen, da er für die Zeit, in der der Mord geschehen sein musste, ein einwandfreies Alibi nachweisen konnte. Nunmehr richtete sich der Verdacht gegen den Kammerdiener des Grafen. Man vermutete, er habe im Auftrage einer früheren Freundin des Grafen seinen Herrn erstochen. Allein auch diese Spur erwies sich als falsch. Zwei andere Verhaftungen führten zu keinem besseren Ergebnis. Der Täter war und blieb unauffindbar, und nach Verlauf von 2 Jahren stellte die Polizei ihre Ermittlungen ein. Eine Mordtat, die ungesühnt blieb, wie so manche andere, deren Protokolle in den Aktenschränken verstaubten. Aber blieb sie wirklich ungesühnt? Die junge Gräfin schien über den Tod ihres Gatten untröstlich. Von namenlosem Schmerz gebeugt, war sie dem Sarge ihres Mannes gefolgt. Nachdem die Begräbnisfeierlichkeiten vorüber waren, schloss sie sich im Schlafzimmer ihrer Villa ein. Sie hat es nie mehr verlassen. Ihr Gram und ihre Trauer machten ihr jede Berührung mit der Aussenwelt unerträglich. Ein paar Monate lang empfing sie noch die Besuche ihrer Verwandten, die erschüttert die Verwandlung der einst so lebensfrohen Frau in eine von Schmerz und Leid Verstörte feststellten. Dann empfing sie auch diese nicht mehr und schloss sich nunmehr gänzlich von der Umwelt ab. Sie versperrte die Türe des Schlafzimmers und öffnete sie nur ein wenig, um sich von dem Stubenmädchen das tägliche Essen reichen zu lassen. Diese Bediente war das einzige lebende Wesen, mit dem sie 20 Jahre hindurch gesprochen hat. War diese freiwillige Gefangenschaft, die Gräfin Dolorosa sich auferlegtet schon seltsam, so war ein anderer Umstand noch merkwürdiger und rätselhafter. Sie Hess sich nämlich täglich alle nur erreichbaren spanischen Zeitungen bringen, etwa 30 an der Zahl, die sie, nachdem sie sie gelesen hatte, wieder herausreichte. Da bemerkte eines Tages das Dienstpersonal, dass sie aus sämtlichen Zeitungen alle Todesanzeigen herausgeschnitten hatte.' Diese Entdeckung bekräftigte die Dienerschaft noch mehr in dem Glauben, dass ihre Herrin den Verstand verloren habe. 20 lange Jahre hindurch öffnete sich Tag für Tag der Spalt der Tür, durch den das Essen und die Zeitungen gereicht wurden. Was sonst in dem Zimmer vorging, wusste niemand. Niemand bekümmerte sich auch darum, was Grafin Dolorosa den langen Tag und die langen Nächte machte. In der Gesellschaft war sie bald in Vergessenheit geraten und ihre Dienerschaft war zufrieden, ihren reichlichen Lohn zu erhalten und kümmerte sich nicht weiter um das Schicksal ihrer Herrin. Eines Tages jedoch öffnete sich die Schlafzimmertür nicht wie gewöhnlich, auch nicht auf das heftige Klopfen des Stubenmädchens, sondern blieb verschlossen. Als auch des Abends keine Antwort erfolgte und im Zimmer alles ruhig blieb, befürchtete das Mädchen, dass die Gräfin vielleicht erkrankt sei, vielleicht von einer plötzlichen Ohnmacht befallen sei, die sie daran hinderte, sich bemerkbar zu machen und die Türe zu öffnen. Man holte daher einen Schlosser, der die Türe aufschloss und drang in das Zimmer ein. Was die Eintretenden erblickten, war ungewöhnlich und grauenhaft. Auf ihrem Bette lag lang ausgestreckt und in unglaublich verwahrlostem Zustand, mit verwildertem Haar und weitgeöffneten Augen, Gräfin Dolorosa. Sie war tot. In der verkrampften Hand hielt sie eine aus Brotkrumen geformte Puppe. Die Wände des Zimmers aber waren über und über bis zur Decke hinauf mit aus den Zeitungen ausgeschnittenen Todesanzeigen bedeckt, die die Gräfin dort mit Reissnägeln befestigt hatte. Unter dem Kopfkissen fand man ein Testament, in dem Gräfin Dolorosa ihr gesamtes Vermögen in Höhe von 25 Millionen Pesetas der Kirche vermacht hatte. Auf ihrem Schreibtisch aber lag ein Brief, dessen Parier bereits verblichen und dessen Schrift längst verblasst war. Er musste schon vor vielen Jahren geschrieben worden sein. Dieser Brief war die grösste Ueberraschung, denn er löste das Rätsel der vor 20 Jahren geschehenen Mordtat. Dieser Brief war ein Bekenntnis und lieferte zugleich den Schlüssel zu dem absonderlichen Leben, das die Tote 20 Jahre lang geführt hatte. Aus ihren Aufzeichnungen ging klar und deutlich hervor, was sich kurz nach der Hochzeit in der Villa ereignet hatte. Folgendes war geschehen. In der der Hochzeitsnacht folgenden Nacht war Gräfin Dolorosa aus dem Schlaf erwacht. Irgend ein Geräusch hatte sie aufgeschreckt. War es der nächtliche Wind, der an den Fensterläden gerüttelt hatte, waren es Einbrecher? Angstvoll stand sie auf und öffnete die Tür zu dem Schlafzimmer ihres Gatten, Als ihr auf ihre Frage niemand antwortete, drehte sie das Licht an und sah zu ihrem Erstaunen, dass das Bett ihres Mannes leer war. Von bösen Ahnungen gepackt, durcheilte sie die Zimmer, riss die Türen auf, aber ihr Gatte war nirgends zu finden. Sie trat auf den Gang hinaus und horchte die Treppe zum oberen Stockwerk hinauf. Ein Geräusch Hess sie zusammenfahren. Leise schlich sie die Treppe zum 1. Stock hinauf. Plötzlich blieb säe wie angewurzelt stehen. War das nicht das Lachen ihres Gatten, das sie so gut kannte, dieses unbändige, kraftstrotzende Lachen, das sie so liebte? Es musste aus einem der Zimmer kommen, in denen die Dienerschaft untergebracht war. Mit einem Satz war sie im 1. Stock angelangt und horchte. Jetzt vernahm sie deutlich seine Stimme. Sie drang aus dem Zimmer ihrer Zofe. Gräfin Dolorosa wusste genug. Einer Ohnmacht nahe taumelte sie die Treppe hinunter und warf sich fassungslos schluchzend auf das Bett. Betrogen und verraten schon am ersten Tage nach der Hochzeit von dem Manne, den sie so liebte. Ihre zarten, kleinen Hände ballten sich zur Faust und nur ein Gedanke war in ihrem Hirn: Rache für die Schmach, die ihr Gatte ihr angetan hatte. Als er ihr beim Frühstückstisch unbefangen, als sei nichts geschehen, gegenübertrat und sie küssen wollte, stiess sie ihn zurück und stellte ihn zur Rede. Graf Alfonso dachte nicht daran zu leugnen, sondern gab ihr eine herausfordernde Antwort und verliess das Zimmer. Er schritt in den Garten hinaus, wo gerade die Vögel in den Bäumen und Gebüschen ihr Morgenlied anstimmten und der Tau auf Blumen und Gräsern im Strahl der Morgensonne glitzerte. Rasend vor Wut stürzte seine Gattin in ihr Schlafzimmer und entnahm einem kunstvoll geschnitzten Kasten aus Ebenholz einen zierlichen Dolch. Dann eilte sie ihrem Gatten in den Garten nach. Vor einem dichten Gebüsch erreichte sie den Ahnungslosen und stiess ihm mit aller Kraft den zierlichen Dolch in den Rücken. Ohne auch nur einen Laut von sich zu geben, stürzte Graf Alfonso, zu Tode getroffen, zu Boden. Von niemand gesehen, eilte die Mörderin in die Villa zurück, wo sie sofort den Dolch von den Blutspuren reinigte und in den Ebenholzkasten zurücklegte. Jetzt erst wurde ihr bewusst, was sie getan hatte. Und da brach sie zusammen unter der Last ihres furchtbaren Wissens um das Verbrechen, das sie begangen hatte, und sie beschloss, ihre Tat zu sühnen durch Gebet und freiwilligen Verzicht auf alle Freuden des Daseins bis an das Ende ihres Lebens.* Und so betete und büsste sie in dem selbstgewählten Gefängnis und merkte nicht, dass ihr Geist sich in der grausamen Qual der Einsamkeit und Verlassenheit trübte und verwirrte, und wusste nicht, dass ihr Geist schon längst tot war, ehe noch ihr Leben dem Tode verfallen war. Mme Dr. med. S. Boehnlen, Luzern Sempacher Strasse 3 Telephon 22.187 Sprechstunden: 9—12 und 2—7 Uhr Jede Dame kann sich eine Behandlung bei mir leisten. 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