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E_1936_Zeitung_Nr.084

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BERN, Freitag, 16. Oktober 1936 Nummer 20 Cts. 32. Jahrgang - N» 84 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Alugabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Verkehrswirtschaftliche Probleme im Spiegel der Abwertung Um den Faden dort wieder aufzunehmen, wo wir mit dem ersten Teil unserer kritischen Glossen zu der in einem bernischen Blatt erschienenen Einsendung « Abwertung und Bundesbahnsanierung» stehen geblieben sind, seien die Behauptungen nochmals wiederholt, die in erster Linie unsern Widerspruch herausgefordert. Wie schreibt doch Herr -i- ? « Sicher ist, dass dia» Abwertung im Zusammenhang mit der Gestaltung des Benzinpreises sich für die Bahnen günstig auswirken kann. Der Benzinpreis wird um 6—7 Rp. steigen, sofern nicht die Herkunftsländer abwerten, was derzeit unwahrscheinlich erscheint... Es wird also kostspieliger sein als bisher, die Bahnen zu konkurrenzieren ... Das ist aber nicht der einzige Nutzen. » Die selbstverständliche Sicherheit, die positive Art, womit diese Weisheiten in die Welt hinausposaunt werden, könnte verblüffen, aber man darf diese verstiegenen Tiraden schon deshalb um so gelassener hinnehmen, als just unser Volkswirtschaftsrnmister, Bundesrat öbrecht, dem Nationalrat vorgerechnet hat, dass beim Benzin höchstens eine Verteuerung, um 4 Rp., in Frage komme und dass sie durch eine Zollreduktion ausgeglichen werden könne. Womit wir allerdings noch keine absolute Gewähr dafür besitzen, dass diesem Können auch das Wollen und damit die Tat folgen werde. Indessen hat 45er Bundesrat durch die Massnahmen, die er nach der Abwertung ergriffen, den Weg seiner künftigen Wirtschafts- und Finanzpolitik selbst vorgezeichnet. Und dieser Weg heisst: Tiefhaltung der Lebenskosten mit allen Mitteln und um jeden Preis. Daraus fliesst als Konsequenz auch die Notwendigkeit einer Herabsetzung des gegenwärtigen, weit übersetzten Benzinpreises, zum allermindesten jedoch der unbedingten Vermeidung jeglicher Erhöhung. Für den Oktober bleibt das Benzin auf 43 Rp., aber der Moment wird und muss kommen, da der Ganzpreis infolge der Abwertung eine Verteuerung erfährt. Dann wird der Bundesrat Farbe bekennen müssen, dann wird ihm Gelegenheit geboten sein, durch eine Zollermässigung, welche Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 18. Fortsetzung. (Schluss.) Asphalt, Steine, — dann kam spröder, zertrampelter Lehmboden. Lukas zuckte zusammen und blieb stehen. Er warf den Kopf zurück und blickte angestrengt hinauf in die Dunkelheit. Aus dem Schwarz der Nacht hob sich ein grauer Koloss, strebte kühl und schön dem Himmel entgegen. Endloser, schimmernder Zug der Fensterreihen. Bänder aus Glas, durch sechzehn Stockwerke geflochten, hundert Fenster, tausend, mehr als tausend... Lukas stand regungslos, den Kopf tief ins Genick gestemmt. Er betrachtete sein Haus. Es dauerte eine gute Weile, bis er alle vier Seiten des mächtigen Rechtecks umschritten hatte. Die eine Schmalfront war noch mit Gerüsten verkleidet, und Lukas, die Blicke immer in die Höhe gerichtet, prallte mit der Stirn an einen Balken an. «Schlägst du mich, lausiger Affe?» fragte er. Er war gewohnt, mit dem Haus freundschaftliche 10.— Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste'* REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck. III414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 zum mindesten die Steigerung der Importpreise, kompensiert, zu dokumentieren, ob er die wirtschaftliche Bedeutung des Motorfahrzeuges erkannt hat und gewillt ist, dem Benzin endlich seinen Platz in der Kategorie der unentbehrlichen Bedarfsartikel einzuräumen. Wir Automobilisten wissen uns mit dieser Auffassung nicht allein. Dass man sich ihr auch in den politischen Kreisen nicht länger verschliesst, davon zeugt die Resolution, welche der Zentralvorstand der freisinnigdemokratischen Partei der Schweiz am 8. Oktober gefasst hat und worin er fordert, dass ein Ansteigen der Preise der lebenswichtigsten Konsumartikel, darunter auch des Benzins verhindert und. durch Zollherabsetzung ein Ausgleich geschaffen werde. Hat sjch der Bundesrat schon durch die von ihm ausgegebene Parole der. Tiefhaltung unserer Gestehungskosten selbst auf; den neuen Kurs seiner Wirtschaftspolitik festgelegt, hat er ihn, soweit sich aus seinen der Abwertung folgenden Anordnungen und Verfügungen schliessen lässt, auch eingehalten, so möchten wir in diesem Zusammenhang noch ein anderes Moment in die Waagschale werfen,, das ihm ebenfalls die Pflicht auferlegt, ganz bestimmte Konsequenzen hinsichtlich der künftigen Gestaltung des Benzinpreises zu ziehen. Der Verkehr muss eine Wiederbelebung erfahren, hat Herr Bundespräsident Meyer erklärt, und damit,. gewollt oder ungewollt, auch die Richtlinien aufgestellt, wonach sich nicht nur die BenzinpoHtik, sondern die gesamte Automobilpolitik fortdauernd zu orientieren hat und die sich in einem Wort zusammenfassen lässt: Entlastung ! Dass nämlich der Verkehr nur von dieser Seite her neue Impulse empfangen kann, diese elementare Erkenntnis bedarf wohl keiner nähern Begründung mehr. Mit zunehmender Verschärfung der Krise, mit dem bedenklichen Sinken der ausländischen Gästekontjngente hat man in unserer Hotellerie sein Augenmerk wieder in vermehrtem Mass dem Schweizer Gast zugewendet, der wenigstens während der Konjunktur jähre in unserem Fremdengewerbe kaum Anlass zu «Klagen » hatte, sonderlich gepflegt und verwöhnt worden zu sein. So Männerworte zu sprechen. Aber diesmal kamen sie ihm nicht vom Herzen. Er presste den Mund zusammen und stolperte weiter. « M ein Haus!» dachte er. Viele, gute Dinge auf dieser Welt, aber keines so gut wie die Arbeit!» Er kroch unter einer Leiter durch, Kalkstaub rieselte ihm übers Gesicht. Klatsch ! Das war eine Eisenklammer! Lukas rieb sich das Schienbein. «Dieser Gruber, dieser LümmeLob er einmal daran denken wird, die Lampen...» Er brach ab. Gruber sollte machen, was er wollte, ägyptische Finsternis inszenieren oder bengalische Lichter anzünden. Alles so gleichgültig, so sinnlos... Als er den Rundgang beendet hatte, wieder auf die Strasse zurückkam, war er müde wie von einer Reise. Er versuchte sich aufzurütteln. Er sprach sich Mut zu wie einem guten Freund. «Hallo, Lukas, schau dein Haus an und sag selbst...» Er hob schwerfällig die Augen. Aus jedem Fenster blickte ihm Sybil entgegen. «Verdirbst du mir auch noch meine Arbeit?» fragte Lukas. Das Gespenst schwieg und war bleich wie Mondlicht. «Es ist absolut unwichtig, Häuser zu bauen. ganz von ungefähr geschah es somit nicht, wenn sich die Stimmen mehrten, die einer Förderung der Inlandtouristik das Wort redeten. Den Vorwurf aber können wir uns nicht versagen, dass man mit dem Ruf, den Schweizer wieder an sein Land zu fesseln, etwas sehr spät aufgestanden ist, dass man sich nicht eben besonders um ihn bemüht hat, solange der Zustrom von Fremden sich nicht dem Versiegen näherte. Nun krempelt die Abwertung die Situation von Grund aus um. Der Anreiz nach Reisen nach dem Ausland ist, teilweise mindestens, dahingefallen. Damit sollte, so will uns scheinen, der Zeitpunkt zu einer radikalen Schwenkung unserer Fremdenverkehrspolitik nach der Richtung einer Erleichterung des Binnenreiseverkehrs eingetreten sein. Kann man sich auch jetzt noch nicht zu einem entscheidenden Kurswechsel entschldessen, dann werden die Hoffnungen auf die Rückkehr besserer Zeiten für unser Gastgewerbe um ein Beträchtliches herabgeschraubt werden müssen. Einstweilen deutet allerdings wenig auf den Willen zu einer solchen Umstellung hin. Die Probe aufs Exempel liefert der Bundesrat mit seinem Beschluss, den Ausländern auch während des Winters die 30prozentige Taxreduktion auf den Bahnen weiter zu gewähren, und zwar —man höre und staune — auf den Wunsch der Hotellerie! Wie sich diese erneute Bevorzugung der Fremden mit der .von der nämlichen Hotellerie befürwor- Als vor hundert Jahren das Dampfross die erste grosse Umwälzung des durch undenkliche Zeiten kaum veränderten Landverkehrs ankündigte und pustend seine Rauchwolken gegen den Himmel stiess, erhoben besorgte Männer die Forderung, dass jeder Lokomotive ein Mann mit einer roten Fahne voranzugehen habe, um die Leute vor dem gefährlichen Teufelswerk zu warnen, ja, gelehrte Gesellschaften erliessen Eingaben, der ganze Schienenweg möge durch Bretterwände den Blicken der Zeitgenossen entzogen werden, auf dass sie nicht den Verstand verlören. Wir lachen heute über jene Einstellung. Aber es ist weit weniger lang her. seitdem das aufkommende Auto im Grunde den gleichen Widerständen begegnete. Noch etliche Jahre nach dem Kriege war es möglich, dass- in den « Stämmen aus dem Publikum » einer grossen Schweizer Zeitung das Begehren zu lesen war, man solle in die Gute Nacht, Sybil. Europa, Asien, Australien, Gehör und Gefühl. Jetzt ist es aus. Lebwohl, jetzt ist es zu Ende.» Lukas ging weiter, sehr langsam, manchmal blieb er stehen und sah ins Leere. Die feurig-flüssige Flammensäule war verweht. Von allem, auch von seiner Verzweiflung verlassen, ging Lukas langsam weiter. Wozu sich eilen... Jetzt lag nichts mehr vor ihm als die Wüste seines Lebens. «Er ist fort», denkt Sybil. «Er hat mich verlassen und ist fortgelaufen ! Wird er wiederkommen? Er ist fort, aber er kann ja noch umkehren und wiederkommen, vielleicht, vielleicht...» Sie liegt quer über dem Divan, das Gesicht in den Händen vergraben, und friert. Es ist eine schwüle, dunstige Nacht, aber Sybil friert. Sybil wandert durchs Zimmer und ruft entsetzt: «Lukas ist fort!» Der Schatten auf der hellen Tapete läuft mit, den Arm über die Stirn gepresst, riesengross. «Wird er wiederkommen? Lukas ist fort..» Und Sybil fragt, was jede verlassene Frau fragt: « Was hab ich dir getan, Lukas ? » INS ERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtaril Imeratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Wir berichten heute über: Europa triumphiert im Grossen Preis von Amerika. Internat. Sportkalender. Heizung für Garage, Wagen und Motor. Kampf um die Verkehrsteilung. Beilage: teten Ankurbelung des inländischen Reiseverkehrs zusammenreimt, darüber möge sich ein jeder seinen eigenen Spruch machen. Der schweizerische Bahnreisende empfindet sie als eine durch nichts zu rechtfertigende Zurücksetzung, genau so, wie das verbilligte Ausländer-Benzin den einheimischen Automobilisten in Harnisch bringt. Und damit berühren wir einen andern wunden Punkt unserer bisherigen Fremdenverkehrspolitik, der ebenfalls gebieterisch Remedur erheischt.. (Fortsetzung Seite 2.1 Behinderung oder Förderung? städtischen Strassen künstliche Querrinnen einfügen, um die «Raserei» der Autos zu unterbinden. Aber selbst heute ist ein letzter, wenn auch geringfügiger Rest dieser Mentalität noch nicht ganz überwunden. Erst kürzlich vertrat ein hoher Magistrat einer grossen Schweizerstadt vor dem städt. Parlament bei der Behandlung des Projektes für den Umbau eines Verkehrsplatzes die Ansicht, die vorgeschlagene Anlage zwinge allerdings die Autofahrer durch die ihnen auferlegten Umwege zu einer gewissen Verlangsamung, doch sei diese Geschwindigkeitsbeschränkung im Interesse der übrigen Strassenbenützer nur zu begrüssen. Dieser Gedankengang beruht auf unrichtigen Voraussetzungen. Nicht als ob an Strassenkreuzungen und auf Plätzen, wo sich mehrere wichtige Verkehrszüge schneiden und namentlich der Fussgänger vielfach eine gewisse Mühe hat, seinen Weg zu finden, Der Schatten macht verzweifelt kehrt und stürmt nach der anderen Richtung weiter. Einen Atemzug lang erlischt er: als Sybil an dem offenen dunklen Fenster vorbeihastet. Aber schon ist er wieder befreit, steht auf und wandelt. «Wir haben uns sehr kalte und schreckliche Worte gesagt, mein Geliebter. Aber verlässt man deshalb eine Frau? Wir haben uns wie Narren benommen und .ewiger Kampf der Geschlechter' gespielt. Aber verlässt man deshalb eine Frau? Die Liebe hat uns kein Glück gegeben. Aber...» Sybil klagt nicht an. Sie überlegt nur. Wundert sich. Sie ist ein paar Minuten lang so erstaunt, dass sie ihr Elend vergisst. «0 .Gott, — deshalb verlässt man eine Frau ? Was für ein Unsinn ! » Der Schatten wirft jäh zwei dünne Fäuste hoch und beginnt zu schwanken. «Schwindlig», murmelt Sybil und hält sich an einer Sessellehne fest. Dann, als das tanzende Zimmer wieder zur Ruhe kommt, stolpert Sybil zum Divan zurück. Aber sie hat keine Geduld, kaum dass sie ihr Herz wieder ruhiger schlagen fühlt, springt sie auf. Wie lange ist Lukas fort ? Sind nicht viele Stunden vergangen, kommt nicht schon der Morgen?»