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E_1936_Zeitung_Nr.084

E_1936_Zeitung_Nr.084

keine besondere Vorsicht

keine besondere Vorsicht der Fahrzeugführer und keine vorsorgliche Geschwindigkeitsbeschränkung angezeigt wäre. Aber es ist falsch, diesen Erfolg durch künstliche Behinderung des Verkehrsflusses anzustreben. Jeder richtig denkende und seiner Anstandspflichten bewusste Autofahrer wird an solchen Stellen die Geschwindigkeit seines Fahrzeuges ohnehin der Verkehrslage und den übrigen Umständen anpassen, und das heisst freilich in den meisten Fällen : vermindern, um den übrigen Verkehrsteilnehmern mehr Aufmerksamkeit widmen und sich den sehr rasch wechselnden Verkehrssituationen möglichst anpassen zu können. Aber schon hier dürfen wir nicht ganz vergessen,- dass es für ein nicht schienengebundenes Fahrzeug im Gegensatz etwa zur Strassenbahn noch andere Mittel gibt, einer plötzlich auftretenden Gefahr zu begegnen, als nur den möglichst raschen Stop. Für das Auto etwa besteht die in vielen Fällen weitaus wirksamere Möglichkeit, seitlich auszuweichen; ja es kommt — horribile dictu — nicht eben selten vor, dass ein wenig Gas und eine gewisse Geschwindigkeitserhöhung das Beste sind, um einen Zusammenstoss oder einen sonstigen Unfall im Interesse aller Beteiligten zu vermeiden. Aber nun bedürfen nicht nur solche ausgesprochenen Notfallmanöver eines gewissen freien Platzes; eine gewisse Weiträumigkeit ist vielmehr in einem ganz allgemeinen Sinne für die reibungslose Abwicklung des Verkehrs unbedingt erforderlich, da sie dem Fahrzeugführer allein die nötige Bewegungsfreiheit gewährleistet, deren er zu raschem Handeln bedarf. Dazu aber eben ist es erforderlich, dass die Fahrbahn nicht eingeengt sei und sonst keine besondern Kindernisse aufweise. Unbefangene Beobachtung der Verkehrsabwicklung zeigt nämlich, dass an Stellen, wo irgendwelche fahrtechnische Schwierigkeiten dem Fahrer zu schaffen machen, dessen Aufmerksamkeit in einer durchaus unerwünschten Weise durch eben diese rein fahrtechnischen Schwierigkeiten in Anspruch genommen ist. Dadurch aber wird sie wichtigeren Dingen entzogen : der Fahrzeuglenker kann den übrigen Verkehrsteilnehmern, dem Verkehrsbetrieb überhaupt, weniger Beachtung schenken, und es braucht wohl nicht besonders betont zu werden, wie dadurch die Verkehrssicherheit leidet. Man kann es den Fahrern an solchen Stellen schon von aussen ansehen, wie sie unter Einsatz ihrer ganzen Fahrkunst um die scharfe Ecke einer ungünstig gestalteten Schutzinsel, durch die S-Kurve zwischen einer Trottoirecke und einem Monumentalbrunnen hindurch und an ähnlichen « Schikanen > vorbeisteuern. Wer ein Gefühl für derlei Dinge hat, merkt es mit Aug und Ohr, wie scharf da gelegentlich mit Gas und Bremsen und Lenkeinschlag operiert werden muss, um solche Stellen zu überwinden. Ist es da zu verwundern, wenn der Fahrer einfach nicht in der Lage ist, etwa auf die Fussgänger in der gebotenen Weise acht zu geben, die vielleicht, ausgerechnet hier durch ihren Schutzstreifen über die Fahrbahn geführt werden ? Das Gebot der allgemeinen Verkehrssicherheit fordert daher, dass dem Fahrverkehr gerade an Kreuzungen und dergleichen Stellen einer ohnehin schwierigen Verkehrsabwicklung keine Steine in den Weg gelegt werden. Die bauliche Gestaltung derartiger Anlagen soll «Halb zwei», sagt die Uhr. Merkwürdig, — erst halb zwei? Sybil kann es nicht glauben, sie tritt ans Fenster und prüft den Himmel. Nacht, blasser Mond zwischen treibenden Wolkenfetzen. Sie beugt sich vor und starrt in den Hof hinunter. Wo hat er gelegen? Dort? Oder mehr links .. Ja, dort. Vor fünf Jahren war Sybils Vater nachts aus dem Fenster gesprungen. Man hatte ihn erst am Morgen gefunden, eingeregnet und ein wenig Blut auf dem Mund. Er sah sehr glücklich aus, der Regen störte ihn nicht mehr. Feierlich und zufrieden lag er auf den nassen Steinen, die Augen geschlossen wie ein Mann, der in allen Ehren dahingegangen. «Er hat doch einen Revolver gehabt!» klagte die fassungslose Familie. Dass der alte Hofrat Selbstmord beging, war seine ganz private Angelegenheit. Aber er hätte dabei auch an seine Verwandten denken und standesgemäss sterben können. «Wir sind vom Schicksal verfolgt», hatte sein jüngster Bruder gesagt. « Gott weiss, was sich der arme Stephan gedacht hat... Ich für meine Person kann ihn nicht verstehn.> Die ganze Familie konnte ihn nicht verstehen. Noch zwanzig Jahre nachher fragten sie manchmal: «Warum hat sich der arme Stephan nicht erschossen?» vielmehr darauf ausgehen, den Verkehrsfhiss zu erleichtern. Ja, geschickte Verkehrstechnik wird darauf ausgehen, dem einzelnen Fahrer die Schwierigkeiten so weit wie möglich abzunehmen und zu ersparen, und eben dadurch erreichen, dass er seine Aufmerksamkeit für die übrigen Strassenbenützer frei bekommt. Nur auf diesem Wege kann ein Höchstmass an Verkehrssicherheit erreicht werden, die ja einzig und allein darauf beruht, dass die Verkehrsteilnehmer aufeinander möglichst Rücksicht nehmen. Eine derartige Entlastung des Fahrzeugführers von fahrtechnischen Schwierigkeiten, eine solche Zumessung genügenden Spielraums an den Verkehr ist keineswegs identisch mit gänzlicher Ungebundenheit. Ihn auf genau umschriebene Bahnen zu verweisen, ist im Gegenteil in seinem eigenen Interesse unerlässlich. Aber diese Bahnen sollen nach Verlauf und Breite seinen ungezwungenen Ablauf ganz eigentlich erleichtern, und wie ein gut gefasster Bach wird auch er dahinströmen, ohne Wirbel und Wellen zu bilden, die doch nur eine Störung seines Fliessens verkünden. H. W. Th. Verkehrswirtschaftliche Probleme im Spiegel der Abwertung. Noch hat der Bundesrat nichts darüber « verlautbart», was er in der Frage des um 30 % verbilligten Ausländer-Benzins zu unternehmen gedenkt. Also behält er sich alle Türen offen ? Wir zweifeln stark daran, ob er hier Wandel schaffen und die Entschlusskraft zum Verzicht auf dieses sogenannte Werbemittel aufbringen werde, nachdem er noch die Bahnrabatte für die Fremden verlängert hat mit der Begrüdung, es hätten inzwischen verschiedene Staaten ebenfalls abgewertet, so dass sich ihnen gegenüber am bisherigen Zustand wenig oder nichts ändere. Genau dasselbe Argument lässt sich natürlich auch für das Ausländerbenzin ins Treffen führen. Und was für die Bahnen recht, ist wohl für das Auto billig. Mochte die Zollrückvergütung auf dem von fremden Autogästen in der Schweiz bezogenen Benzin zu jener Zeit, da unser Land als Preisinsel hoch über allen andern thronte, noch einen Schein von Berechtigung — aber auch nicht mehr f — für sich haben, so müsste sie heute, im Zeichen der Abwertung, geradezu groteske Verhältnisse heraufbeschwören, die sich angesichts des Begehrens nach Förderung der inländischen Touristik schlechterdings wie ein bitterer Hohn ausnähmen. Beleuchten wir die Dinge an einem Beispiel: Konnte der ausländische. Fahrer bisher bei uns das Benzin zu 30 Rp.' beziehen, sofern' er von diesem Privileg: überhaupt Gebrauch machte, so geniessterf nun mit der Abwertung eine weitere Preis-' Senkung um rund 40 %, d.h. wenigstens die Touristen aus jenen Ländern, welche unserer Abwertung nicht gefolgt sind. Sie würden für den Liter Benzin somit noch ca. 18—20 Rp. bezahlen, der Schweizer aber darf nach wie vor seine 43 Rp. erlegen, wenn nicht gar noch mehr. Gegen einen derart unwürdigen Zustand bäumt sich das demokratische Denken und Empfinden auf. Heute mehr denn je erwächst dem Bund die unabweisbare Pflicht, sich : endlich von diesem < Propagandamittel» loszusagen, das von Anbeginn an ein übler Missgriff war. Was konnte die Massnahme schon als Erfolg für sich buchen ? Dass sie den ausländischen Autotourismus nach der Schweiz .1935 gar nicht, im laufenden Jahr nur unwesentlich zu befruchten vermochte, dass sie aber auf der Gegenseite unserem Gastgewerbe gewaltige Summen entzog, weil ungezählte schweizerische Automobilisten aus Protest gegen die ihnen zuteil gewordene Behandlung als Gäste zweiter Güte ihre Fahrten ins Ausland ver- Sybil sieht regungslos in die Tiefe. Alles einsteigen, der Weg in die Ewigkeit dauert nur ein paar Sekunden! Sybils Blicke messen schweigend den Weg, der in die Ewigkeit führt: vier Stockwerke hinunter. Das dunkle Pflaster beginnt zu schaukeln, auch die Leitungsdrähte, die den Hof überqueren, von einer Hausfront zur anderen gespannt sind, schaukeln mit. «Nein!» ruft Sybil und läuft ins Zimmer zurück. Sie hat kleine Schweissperlen auf der Stirn und sieht sich im Zimmer um, erstaunt, als wäre sie jahrelang fort gewesen. Ist noch immer nicht Morgen ? < Ein Uhr zweiunddreissig Minuten» meldet die Uhr. Sybil geht mit grossen Schritten zum Toilettentisch, reisst die Schublade auf. Zwei Mappen mit Photographien, ein Elefant aus Elfenbein, ein Elefant aus gelblakkiertem Holz, ein Elefant aus Porzellan. Wo ist das Briefpapier? Ein Bündel Theaterprogramme, ein verkrümmter Seestern, ein vierter Elefant aus rosa Glas. Wo — — hier ist das Briefpapier! «Lieber», schreibt Sybil, «ich hoffe, dass ich diesen Brief abschicken werde. Du bist fort. Die Uhr rührt sich nicht, der Zeiger braucht ein kleines Jahr, um von einer Minute zur andern zu rücken. Seit einer halben Stunde bist Du fort, das sind dreissig kleine Jahre, und Du kannst Dir leicht ausrechnen, um wieviel ich inzwischen älter geworden AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, 16. OKTOBER 1936 — N° 84 (Schluss von Seite 1.) legten, wo sie obendrein noch billiger wegkamen. Heute hat sich die Lage zwar verschoben, die vom Ausland ausgehende Lockung ist teilweise abgeschwächt. Geblieben, aber und nicht erloschen ist im schweizerischen Automobilisten die Verstimmung ob der stossenden Zurücksetzung, die er sich gegenüber den fremden Autogästen gefallen lassen muss. Auch jetzt noch gilt es damit zu rechnen. Der Möglichkeiten sind für ihn noch immer genug, sich der ihm zugedachten Rolle des Düpierten zu entziehen. Wie es dann um den Wiederaufschwung der innerschweizerischen Touristik bestellt sein und ob sie neuen Auftrieb erhalten wird, das allerdings steht auf einem andern Blatt. Denn dass zu dieser « Touristik » auch der Automobilverkehr gehört, ist für uns eine Selbstverständlichkeit, über die weiter kein Wort verloren werden soll. Der Hotelierverein und andere Verkehrsinteressenten freilich scheinen da anderer Meinung zu sein, wenn sie sich an der kürzlich stattgehabten Konferenz mit Bundesrat Obrecht damit begnügten, lediglich besondere Tarifvergünstigungen für das schweizerische Reisepublikum zu verlangen und damit einseitig für den Bahnreisenden Erleichterungen zu erstreben, währenddem sie doch wissen oder wissen müssten, dass beispielsweise St. Moritz während des vergangenen Sommers mehr als die Hälfte seiner Gäste und nahezu ein Drittel seiner Logiernächte dem Automobil verdankte. Soll die Aera unserer neuen schweizerischen Verkehrspolitik vielleicht damit anheben, dass >»nrari « Wiederbelebung ;der Inlandsreisen» sagt, damit aber die Bahnen und nur die Bahnen meint? Das hiesse einer fata morgana nachjagen. Und wo es dann in erster Linie lange Gesichter absetzenmüsste, das wäre in den Kreisen der Hoteliers* die heute den Automobilisten zu ihren besten Gästen zählen. Wir halten sogar ein unwiderlegliches Geständnis dafür in Händen: die sehr ungnädige Aufnahme, welche die Stillegungsaktion vom 5. Juli bei unserem Gastgewerbe gefunden, die beweglichen Klagen über Verdienstausfall, welche damals aus dessen Lager ertönten. Mutet es deshalb nicht mehr als seltsam an, wenn jetzt die nämliche Hotelerie in der Ermässigung der Bahntarife den einzigen Weg zur Wieder-in-Gangbringung des inländischen Reiseverkehrs erblickt, für das Automobil dagegen keine Erleichterungen postuliert? Glaubt sie denn wirklich irn Ernst an eine Verbesserung ihrer Lage, wenn nicht auch dem Auto gegeben wird, was des Autos ist? bin. Ich würde nicht staunen, wenn ich morgen früh alt genug wäre, um zu sterben. Aber ich fürchte, dass morgen alles wie sonst sein muss, und die Minuten wieder aus sechzig Sekunden bestehen werden.» Die Buchstaben tanzen übers Papier, zart, hilflos und leicht. Es ist eine altmodische Schrift, die viel Platz verbraucht, in langen Endstrichen Atem holt und sich besinnt. «Vielleicht begreifst Du nicht,* dass ich Dir nach — wie sagt man nur: nach all dem — schreibe. Mein Liebling, Du hast überhaupt nichts begriffen. Mir sind in dieser Nacht sehr viele Dinge geschehen, ich bin eine Frau geworden, ich war bald darauf eine verlassene Geliebte und bin jetzt fast eine Greisin, weit über fünfzig Jahre alt. Und nun kann ich Dir auch Deine letzte Frage beantworten. Du bist bei der Tür gestanden und hast mir zugerufen: Warum lässt Du mich gehen! Ich konnte Dir nicht antworten; ich habe in diesem Augenblick gewusst, dass ich eine verlassene Geliebte sein werde, und musste sofort lernen, mich an diesen Gedanken zu gewöhnen. Es hätte sicher noch Zeit gehabt, — aber ich war der Meinung, dass ich nicht früh genug damit beginnen kann. Dann ist die Tür zugefallen. Wenn Du gewartet hättest, wärst Du von meiner Antwort enttäuscht gewesen.-. Liebling, ich habe damals erst geahnt, warum ich Dich gehen Hess, Jetzt- weiss ich es.» Schweizerische Rundschau Automobil und Wehranleihe. Der überraschende Erfolg der Wehranleihe hat den Bundesrai bewogen, keine zweite Tranche mehr aufzulegen, denn die 235 Millionen mögen im Moment, da wir diese Zeilen schreiben, voll gezeichnet, wenn nicht bereits überschritten sein. Trotzdem die Automobilisten angesichts der «Behandlung» durch den Bund doch wohl Anlass gehabt hätten, sich in den Schmollwinkel zurückzuziehen, sind sie über allen Groll und Aerger hinweg ihren Pflichten gegenüber dem Vaterland voll und ganz nachgekommen. Die Zeichnungsliste bringt es nämlich an den Tag, dass einer unserer grossen Strassenverkehrsverbände allein 148,500 Fr. gezeichnet hat. Und dabei handelt es sich ausschliesslich um die Subskription des Zentralsitzes und der Sektionsvorstände. Wieviel daneben die Zehntausende von anonymen Einzelmitgliedern gezeichnet haben, wer weiss es ? Und wer weiss um die Tribute der übrigen Verbände des Strassenverkehrs ? Wie wär's nun, wenn der Bundesrat auf diese prächtige Haltung einer Schicht von Bürgern, denen sich der Fiskus immer und jederzeit nur von seiner « einnehmendsten » Seite gezeigt, mit einer analogen Geste antworten würde ? Etwa mit einer Erleichterung der Lasten, die sowohl im Interesse unserer Volkswirtschaft als auch der Stärkung unserer Wehrkraft liegt ? Aber weil gebrannte Kinder das Feuer fürchten und weil wir unsere Pappenheimer kennen, käme es uns nicht einmal sehr überraschend, wenn er etwa folgende Ueberlegungen anstellen würde: Die Automobilisten haben massenhaft gezeichnet, ergo haben sie Geld, ergo können sie auch zahlen, zahlen für die Alkoholverwaltung und die Bahnen. Wie gesagt, wir würden uns ob solcher «Folgerungen > kaum übermässig wundern. Wanderwege im Kanton Thurgau. Wir haben seinerzeit an dieser Stelle über den Beschluss der Thurgauischen Verkehrsvereinigung berichtet, die Lösung der Frage von Wanderwegen im Kanton Thurgau an die Hand zu nehmen. Inzwischen sind die Arbeiten soweit gefördert worden, das die für diesen Zweck eingesetzte Kommission 35 Routen bestimmen konnte, welche das Gebiet des Thurgaus nach allen Richtungen durchziehen. Darüber hinaus wurde auch mit den Regierungen der angrenzenden Kantone Fühlung genommen, um ihnen die Erstellung von Anschlussrouten nahezulegen, womit die Möglichkeit der Anlage durchgehender Wanderweg-Routen geschaffen würde, z. B. von Frauenfeld nach dem Hörnli im Zürcher Oberland, von Winterthur über den Sonnenberg nach Weinfelden usw. Wegweiser mit Standort- und Höhenquoten, mit Distanzangaben für Nah- und Fernziele werden die Benützung der Wanderwege erleichtern. Im laufenden Jahr schon soll mit der Markierung einer Anzahl von Routen begonnen werden. Welches Interesse übrigens die Automobilverbände der Bewegung entgegenbringen, geht aus der Tatsache hervor, dass der j Touring-Club seine finanzielle Unterstützung j bereits zugesagt hat. Sofern die Arbeiten , keine Verzögerung erleiden, sollen bereits im j Frühjahr 1937 die ersten Wanderwegrouten mit der Markierung versehen sein. Nach der Vollendung des ganzen Werkes erscheint eine Beschreibung der Wanderwege in Broschürenform, womit die Notwendigkeit der Anschaffung besonderen Kartenmaterials dahinfällt. Sybil schreibt jetzt sehr rasch, ihre Hand jagt hinter den Gedanken her wie ein Windspiel hinter dem elektrischen Hasen. Es ist ein Kampf, bei dem die Worte verlieren. Sybil gönnt ihnen kein Komma, keinen I-Punkt und reisst ihnen die wichtigsten Buchstaben aus dem Leib. «Es sind zwei Gründe. Der eine Grund beschämt Dich, und er ist die eigentliche Ursache, warum ich Dich gehen Hess. Aber der andere Grund ist der wichtigere... Ich habe zu viel von der Liebe erwartet. Mein Liebling, ich dachte, die Liebe sei etwas, das sich ungefähr mit dem Rausch des Fliegens vergleichen lässt^ man hat die Erde vergessen und ist dem Himmel nah genug, um die Heiligen zu fragen: ist Eure Seligkeit auch so gross, — oder ein Wenig kleiner? Ich weiss nicht, ob ich Dir erzählt habe, dass ich in einem Hotel zur Welt gekommen bin. Das ist eine gefährliche Sache, genau so, als wäre man unter einem bösen Stern geboren. Mein Leben ist ein sehr unruhiges Leben. Und deshalb habe ich von der Liebe noch ein zweites Glück erhofft: Ruhe. "Eine so grosse, warme, dunkle Ruhe, wie sie ein I Kind .hat, das noch in seiner Mutter Hegt. Diese beiden Seligkeiten habe ich von der Liebe erwartet. Aber da ich viele Frauen kenne, die mir ihre Erfahrungen erzählt haben, so wusste ich, dass meine Träume vielleicht enttäuscht werden. (Forts, folgt.)

N° 84 — FREITAG, 16. OKTOBER 1936 AUTOMOBIL-REVUE 3 Sportnachrichten Jjm Qtassen Jjieis, van Amerika: Nuvolari weit in Front! Der Mantuaner siegt mit 12 Minuten Abstand auf Wimille bei einem Durchschnitt von 106,109 km/St. — Brivio, Sommer und Trossi auf den nächsten Plätzen. — Etancelin im 8. Rang. — Mauri Rose, der erste Amerikaner, rund 25 Minuten hinter dem Spitzenreiter. — Keine Zwischenfälle. — Aber die Piste vollkommen ausgefahren ! Der hüben und drüben mit höchster Spannung erwartete I. Grosse Preis von Amerika auf der nigelnagelneuen, vier Meilen langen Roosevelt-Bahn nördlich von New York gehört der Vergangenheit an. Es war ein Rennen ohne Sensationen, ohne Zwischen- und Unfälle. Man atmet geradezu erleichtert und befreit auf nach all den wenig günstigen Nachrichten, welche die europäischen Spezialberichterstatter ihren Blättern noch kurz vor dem Rennen über die Beschaffenheit der Piste und die technische' Organisation kabelten. Man hörte, dass die italienischen, französischen und englischen Piloten von der Strecke, die mit unsern Grand-Prix-Pisten nicht die entfernteste Aehnlichkeit hat, schwer enttäuscht seien, dass sie die weite und kostspielige Reise über den Atlantik bereuten, um so mehr, als durch die Macht der Umstände ein Europäer-Sieg schlechthin in Frage gestellt sei und man sich übrigens auf das Schlimmste gefasst machen könne. Glücklicherweise nichts von alledem. Es ist wieder einmal anders gekommen als «man» dachte. Von schweren Unglücksfällen nicht die Spur. Im Rennen selbst blieb jede Sensation aus, es handelte sich im grossen und ganzen um eine fade, kraft- und saftlose Sache. Dafür aber stellt der Ausgang des ersten Treffens zwischen Amerikanern und Europäern eine Sensation und Ueberraschung ersten Ranges dar. Sie liegt darin, dass von 45 Gestarteten 30, also immerhin 66%, das Rennen zu Ende fuhren und dass sich unter den 8 Erstplazierten nicht weniger als 6 Europäer .,i. r ... befinden. Unwillkürlich wird man an die vor einigen Wochen in Los Angeles zum Austrag gelangten grossen Luftrennen erinnert, an denen, ebenfalls zum erstenmal, einer der «Unsern» teilnahm, der — es handelt sich um den Franzosen Michel Detroyat — den amerikanischen Fliegern Sieg um Sieg wegschnappte. Damals schrieben wir von einem Triumph Europas über Amerika, ein Triumph, der im Kampf um die Coupe Vanderbilt noch ganz andere Formen angenommen hat. Der Gefeierte des Tages heisst Tazio Nuvolarl, der unentwegte Spitzenfahrer der Scuderia Ferrari, der bald nach seiner Ankunft in den Staaten angesichts des wenig erfreulichen Zustandes der Piste erklärt hatte, «wenn es nicht anders gehe, werde er eben in Akrobatie machen». Wer die Art des Mantuaners kennt weiss, dass er es gewohnt ist, seine Worte auch in die Tat umzusetzen. Er hat denn auch vom Start weg in überlegener, überragender Weise geführt, ohne von irgendeinem seiner Rivalen, namentlich aber von keinem Amerikaner je bedrängt zu werden, die teilweise mit merkwürdigen Vehikeln in den Kampf zogen, mit Rennwagen, wie sie an europäischen Konkurrenzen kaum zugelassen würden. Sein Rennen war «sans histoire», wie der Franzose sagt, sein Alfa Romeo 12- Zylinder bockte nicht ein einziges Mal. Schon nach der 5. Runde überrundete er die am Schwanz des Feldes dahinziehenden Konkurrenten und Brivio, der bis dahin an 3. Stelle •gelegen hatte, wies den Amerikaner Winn auf Miller endgültig hinter sich. Der dritte Alfa-Fahrer, Dottore Farina, geriet in der 19. Runde aus der Bahn, nachdem er eben zu seinen beiden Stallgefährten aufgeschlossen hatte. Dabei schied er wegen den erlittenen starken Beschädigungen seines Rennwagens aus. Ein phantastisches Tempo legte Nuvolari auf der Geraden los, wo er mehrmals mit einer Geschwindigkeit von 245 km/St. registriert wurde. Kein Wunder, dass er sich dadurch einen Vorsprung herauswirtschften konnte, der im Schlussklassement auf den Zweitplacierten Wimille auf Bugatti 4,7 Liter, 12 Minuten und auf den ersten Amerikaner, Mauri Rose, ganze 25 Minuten beträgt. Pech hatte Graf Brivio, der in der 72. von total 75 zu fahrenden Runden wegen eines Defektes in der Benzinleitung an die Boxen gehen und volle 9 Minuten laborieren musste, ehe er wieder vom Fleck kam. Dadurch verlor er seinen mit Sicherheit in Aussicht gestandenen Ehrenplatz an den Franzosen Wimille, Auch das ziffernmässige Verhältnis von den Rundstreckenrennen zu den Bergprüfungs-, Langstrecken- und Sternfahrten ist im grossen ganzen dasselbe geblieben. Ausserordentlich mager wird die Anteilnahme der Schweiz am internationalen Automobilrennsport auch nächstes Jahr wieder ausfallen. Waren für 1936 noch 8 Veranstaltungen eingeschrieben (Internat. Sternfahrt nach St. Moritz. Genfer Sporttage, Grosser Preis von Genf, Bergder ebenfalls glänzende Figur machte. Nicht weniger erfreulich ist der 4. Platz von Sommer auf Alfa Romeo Achtzylinder und derjenige des Australiers MacEvoy auf Maserati 1,5 Liter, der zusammen mit Trossi im 5. Rang landete, während Etancelin mit seinem Achtzylinder-Maserati, der gegen Schluss des Rennens Ermüdungsspuren aufwies, hinter den Amerikanern Rose und Cummings an 8. Stelle abschnitt. Wie bereits erwähnt: die vorgekommenen Zwischenfälle waren durchwegs harmloser Natur. Ein einziges Mal bestand eine gewisse Gefahr, der ausgerechnet Nuvolari dadurch ausgesetzt wurde, dass ihm ein Amerikaner beinahe in die Flanke gerast wäre. Indessen konnte dieser sein Vehikel noch rechtzeitig meistern; er berührte jedoch des Alfa-Fahrers linkes Hinterrad, ohne dass dabei glücklicherweise ein Malheur passiert ist. Auf eine eingehende Würdigung des Rennverlaufes können wir füglich verzichten; er war, wie schon gesagt, äusserst uninteressant und zeichnete sich durch eine klare Ueberlegenheit der europäischen Asse aus. Die Sonderberichterstatter der europäischen Fachblätter haben sich die Strecke nach Abschluss des Rennens näher angesehen und fanden ihre im voraus'ausgesprochenen Vermutungen bestätigt, indem die Strecke einem Staub- und Pulverfelde in Reinkultur glich, das zahlreiche Löcher aufwies. Kurzum, es verlautet, die Piste befinde sich in einem erbärmlichen Zustand und man fragt sich allen Ernstes, ob mit dem ,. gewaltigen Kostenaufwand nicht etwas Haltbares hätte konstruiert werden können. Im übrigen ist die Besucherzahl weit hinter den Erwartungen der Organisatoren zurückgeblieben. Man rechnete mit rund 200,000 Zuschauern und schätzt die Zahl der Anwesenden auf nicht mehr als 80,000. Dies trotz der mächtigen Reklame all Americana ! SCHLUSSKLASSEMENT 1. NUVOLARI AUF ALFA RO- MEO 12 ZYL. 300 MEI- LEN = 482,802 KM IN 4Std.32'44" 4/100 = 106,109 KM/ST. 3.—7. Frankreich: Tourenwettbewerb Paris-Vichy- ' St. Raphael für Damen. 8.—14. SCHWEIZ: GENFER SPORTTAGE (GEN- FER AUTOMOBIL-SALON). 28. Amerika: 500-Meilen-Rennen von Los Angeles. 29. England: Rennen in Brooklands. 4. Hauen: XI. Mille Miglia. 10. England: Rennen um die Trophäe des briti- • sehen Weltreichs. 18. Italien: II. Rundrennen von Turin. 25. Italien: III. Rundrennen von Neapel, Coppa Principessa Piemonte. 2. Frankreich: 2. Int. Meeting der «Independanis». 6. Italien: IV. Sternfahrt nach Tripolis. 5.—25. Frankreich: II. Internationale Sternfahrt nach Französisch-Marokko. 9. Finnland: Elaintarhanajo (????) 9. Italien: XI. Grosser Preis von Tripolis. 12. England: International Trophy Race. 16.—17. Frankreich: XVI. Bol d'Or-Rennen. 16. Belgien: XII. Grosser Grenzpreis. 16. Frankreich: VIII. Grosser Preis von Tunis. 17. England: Meeting in Brooklands. 22. Irland: Rennen von Cork. 23. Frankreich- XIV. Vogesen-Rundfahrt. 23. Italien: XXVII. Targa Florio in Sizilien. 30. Deutschland: Internationales Avus-Rennen. 30. Amerika: Grosser Preis von Indianapolis. 3, England: Int. Rennen auf der Insel Man. '5. England: Shelsley-Walsh-Bergrennen. 6. Brasilien: Grosser Preis von Rio de Janeiro. Frankreich- Dreistundenrennen von Marseille. 12. England: Nuffield-Trophäe (Donington-Park). der Sie zu nichts verpflichtet, keine grossen Auslagen mit sich bringt und Sie dennoch zu überzeugen vermag, so ist dies ein Versuch mit dem Für den Personenwagen eignet sich speziell das Modell BF, das den Brennstoffverbrauch vermindert und die Leistungsfähigkeit des Motors erhöht. Für den Lastwagen ist das Modell RDV geschaffen, welches ermöglicht, eine Höchstgeschwindigkeit festzulegen, die von den Fahrzeugen nicht mehr überboten werden kann, was frühzeitigen Verschleiss des Materials und unnötige Benzin-Vergeudung verhindert. In beiden Fällen wird der Motor augenblicklich anspringen, ungeachtet der atmosphärischen Verhältnisse. 12b, rue de l'Höpftai 3.rue de Fribourg Löwenstrasse31 TEL 48.42 Tel. 26.343 Tel. 58.824 48.43 58.825 48.44 2. Wimille auf Bugatti 4,7 I 4 St d. 44'41" 93/100 = 101,750 km/St. 3. Brivio auf Alfa R. 12 Zyl. 4 Std. 45' 44" 40/100 = 101,379 km/St. 4. Sommer auf Alfa R. 8 Zyl. 4 Std. 46' 59" 53/100 5. Trossi/MacEvoy (Mas. 1,5 I) 4 Std. 57'25" 83/100 6. Mauri Rose (Bird Piston 4428 ocm) 4 Std. 57' 35" 27/100 7 Cumminse (Miller 4380 ccm) 4 Std. 57'43" 11/100 8. Etancelin (Mas. 4400 ccm) 4 Std. 59'05" 52/100 9. Litz (Miller 4180 ccm) 5 Std. 01' 05" 82/100 10. Tabor (Miller 4180 ccm) 5 Std. 04' 06" 69/100 11. Andres (Miller 4180 ccm) 5 Std. 05' 54" 97/100 12. Roy Lake (Ambler 5887 ccm) 5 Std. 07' 09" 64/100 13. Culotta (Duray 3600 ccm) 5 Std. 07' 34" 43/100 Infernal. Sportkalender 1937 Januar. 1. Südafrika: III. Grosser Preis von Südafrika. 26.—31. Monaco: XVI. Int. Sternfahrt nach Monte Carlo. Februar. 21. Frankreich; Grosser Preis von Pau. März. April. Mai. Juni. Wenn es einen Versuch gibt, Vergaser mit Starter, mit Düsensystem 20 Versuchsweise Montage bei Ihrem Garagisten. Generalagentur für die Schweiz: Henri Bachmann Genf Zürich 13. Italien: II. Rundrennen von Florenz. 13. Deutschland: Internationales Eifel-Rennen. 19. Irland: Ulster-Trophäe. 19.—20. Oesterreich: Zuverlässigkeitsprüfung. 19.—20. Frankreich: 24-Stunden-Rennen von Le Mans. 20. Italien; II. Stadtrundrennen von Mailand. 20. Portugal: Rundrennen von Vilareal für Sportwagen. 20.—26. Polen: XII. Int. Touren Wettbewerb. 20.—30. Frankreich: Internationale Sternfahrt zur Pariser Weltausstellung. 26. England: Relay-Rennen. 27. Frankreich: XII. Grasser Preis der Picardie. 27. Ungarn: II. Grosser Preis von Ungarn. 4. Frankreich: Grosser Preis von Frankreich. 5. Amerika: Pan American Cup Race. 10.—14. Frankreich: VI. Franz. Alpen-Sternfahrt 11. Belgien; Grosser Preis von Belgien. 11. Frankreich: V. Rundrennen von Albi. 17. Irland: Leinster-Trophäe. 18. Italien: XIV. Susa-Moncenisio-Bergrennen. 18. Oesterreich: Gaisbergrennen. 18. Frankreich: XII. Grosser Preis der Marne. 25. Portugal: Rundrennen von Vilareal für Rennwagen. 25. Deutschland: Grosser Preis vom Deutschland. 25. Frankreich: Faucille-Bergrennen. 31. Juli—6. August: Frankreich: XVI. Int. Zuverlässigkeitsfahrt Paris—Nizza. 1. Deutschland: Grosser Bergpreis von Deutschland. 1. Italien: XVII. Coppa Ciano in Livorno. 1. Frankreich: XIII. Grosser Preis von Cetnminges. , 2. Irland: Grosser Preis von Limerick. • 2. England: Meeting in Brcoklands. 5. Frankreich: XXIII. Int. Turbie-Bergrennen. 8. Monaco: IX. Grosser Preis von Monaco. 12. Italien: V. Targa Abruzzo. 15. Italien: XIII. Coppa Acerbo in Pescara. 15. Frankreich: Mont-Ventoux-Bergrennen. 18.—22. Belgien: Zuverlässigkeitsfahrt Lüttich-Rom- Lüttich. 22. SCHWEIZ: GROSSER PREIS DER SCHWEIZ UND PREIS VON BERN. 28. Ennland: 200-Meilen-Rennen von Donington. 29. Italien: VI. Stilfserjoch-Bergrennen (Coppa Mercanti). 1. England: Ennlische Tourist-Trophy. 5. Italien: Rundrennen von Modena. 11. England: Shelsley-Walsh-Bergrennen. 11. Irland: Rundrennen im Phönix-Park. 12. Italien: XV. Grosser Preis von Italien. 18. England: 500-Meilen-Rennen von Brooklands. 19. Spanien; Grosser Preis von Spanien. 26. Tschechoslowakei: VI. Masaryk-Rundrennen, 2. 3. 10. 12. 16. m Juli. August. September. Oktober. England: Grosser Preis von Donington. Oesterreich: Grosser Preis von Oesterreich. Rumänien: Feleac-Bergrennen. Amerika: Coupe Vanderbilt. England: Meeting in Brooklands. November. Amerika: 500 Meilen von Los Angeles. Rein zahlenmässig betrachtet hält sich der internationale Sportkalender pro 1937 ziemlich genau im gleichen Rahmen wie derjenige der abgelaufenen Saison, was durch folgende Zusammenstellung veranschaulicht sei: Zahl der eingeschriebener Land Veranstaltungen: 1937 1936 Frankreich 20 17 England 16 14 Italien 15 15 Amerika 5 3 Deutschland 4 4 Irland 4 3 Belgien 3 3 Oesterreich 3 3 Schweiz 3 8 Monaco 2 3 Portugal 2 ^ — Brasilien 1 1 Finnland 1 — Polen 1 — Rumänien 1 1 Spanien 1 2 Südafrika 1 1 Tschechoslowakei 1 1 Ungarn 1 1 Schweden — 2 85 82