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E_1936_Zeitung_Nr.085

E_1936_Zeitung_Nr.085

BERN, Dienstag, 20. Oktober 1936 Gelbe Liste Nummer 20 Cts. 32. Jahrgang - N«> 85 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlas, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freitag WSchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarit Inseratensehlms 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmer Um die gesetzliche Regelung der Verkehrsteilung zwischen Schiene und Strasse Während andere Staaten die drei Grundprobleme: Arbeitslosigkeit, Währungsfrage und Neuorganisation des Verkehrswesens auf irgendeine Art und Weise zur Abklärung brachten oder dieser mindestens entgegenführten, sind die diesbezüglichen Lösungsversuche in der Schweiz auf der ganzen Linie noch nicht über das Anfangsstadium hinaus gediehen. Dass diese drei Fragen aber mehr oder weniger miteinander verbunden sind, haben die letzten Septembertage mit aller Deutlichkeit gezeigt. Und allein hieraus schon drängt sich das Gebot nach einer weitblickenden, von kleinlichen Sonderinteressen unbeeinflussten Regelung vor allem auf verkehrspolitischem Gebiete auf, denn gerade hier haben sich die verschiedenen Interessengrupipen unbedingt allzusehr auf gewisse Positionen versteift. Das Verkehrsproblem, wie es sich heute präsentiert, wurde durch das Aufkommen von Automobil und Flugzeug aufgerollt. Während das letztere sich noch immer im Stadium der Entwicklung befindet, ist das Motorfahrzeug in verhältnismässig kurzer? Zeit zu einem derart gefährlichen Konkurrenten der Bahnen geworden, dass sich in allen Ländern gebieterisch die Forderung nach einem Ausgleich dieser beiden Transportsphären geltend machte. Sollte nicht die Gesamtwirtschaft Schaden leiden, dann musste ein Ausweg aus diesem sicherlich nicht leicht zu lösenden Dilemma gefunden werden. Vernünftigerweise kann es sich hierbei stets nur um die Frage nach einer natürlichen Verkehrsteilung, nach einem fairen Ausgleich der beiden Transportmittel handeln. Nun wird das Problem aber meist so angepackt, als handle es sich einzig darum, den Eisenbahnen ihren bisherigen Bestand zu erhalten und als sei eine neue Entwicklung, die der zunehmenden Motorisierung des Strassenverkehrs, nicht eingetreten, als sei kein neueres, leistungs- und anpassungsfähiges Verkehrsmittel im Motorfahrzeug entstanden. Will man aber in diesem Interessenkonflikt zu einer Lösung gelangen, die in erster Linie der Gesamtheit dienen soll, so hat man folgendes zu beachten: a) Die Verhältnisse ändern sich; es geht daher nicht an, unter veränderten Umständen das Alte um jeden Preis und in seiner bisherigen Form erhalten zu wollen; b) in erster Linie und unter allen Umständen äst den Belangen der Wirtschaft Rechnung zu tragen, selbst wenn diese den Wünschen und Interessen eines bisher mächtigen Verkehrsmittels nicht länger entsprechen; c) ein wirklicher Interessenausgleich vermag nur eine rein wirtschaftliche Lösung zu gewährleisten, die von allen politischen oder andern Machteinflüssen frei sein muss. Ausserdem ist, und zwar gerade bei uns in der Schweiz vor allem, darauf Bedacht zu nehmen, dass von der Art und Weise, in welcher das Problem Schiene - Strasse gelöst wird, weitgehend die gesamte Verkehrspolitik abhängt. Die nationale Verkehrspolitik der einzelnen Länder aber ermöglicht oder hemmt eine internationale Verkehrspolitik. Und weil nun das Automobil in immer zunehmendem Masse die Grenzen der einzelnen Länder passiert, entwickelt sich der motori-, sierte Strassenverkehr zu einem integrierenden Bestandteil des internationalen Verkehrs. Grundsätzlich lassen sich die Beziehungen zwischen Schiene und Strasse auf vier verschiedene Arten regeln: 1. Unbeschränkter Wettbewerb; 2. einheitliches Monopol für den r gesamten Landtransport; 3. Koordination von zwei miteinander in Wettbewerb stehenden Monopolen: das eine für den gesamten Eisenbahnverkehr, das andere für den gesamten Kraftverkehr; 4. regulierter Wettbewerb zwischen Schiene und Strasse im Rahmen ihrer gegenwärti- Organisation. Welchen Weg"' soll nun die Schweiz wählen? Nicht nur mit Rücksicht auf unsere Verfassung und in Nachachtung ihrer demokratischen Einrichtungen, sondern weit mehr noch in Würdigung der psychologischen Einstellung unseres Volkes, kann bei uns einzig und allein das System des regulierten Wettbewerbs in Frage kommen. Diese Art der Verkehrsteilung lässt sich unabhängig von den Eigen- tümsverhältnissen durchführen und eignet sich zudem sowohl für Staats- als Privatbahnen. Das Hauptgewicht dieser Neuregelung fiele auf die Schaffung eines Gleichgewichtes zwischen Schienen- und Strassenverkehr, und zwar sowohl hinsichtlich ihrer Lasten als auch ihrer Möglichkeiten. Die Bahnen wären beispielsweise von denjenigen Lasten zu befreien, die ihnen behördlicherseits aus nichtwirtschaftlichen Gründen auferlegt wurden, während beim Motorfahrzeug der Ausgleich durch Steuern hergestellt werden müsste, deren Aufkommen die Kosten des Strassenunterhaltes zu decken hätte — selbstverständlich unter gebührender Berücksichtigung des Kostenanteiles, der sich aus der Benützung der Strasse durch andern Verkehr oder für andere als Transportzwecke ergäbe. Wie weit wir von einer solchen Lösung noch entfernt sind, zeigt in überzeugender Weise der vom Eidg. Post- und Eisenbahndepartement ausgearbeitete Vorentwurf vom 21. September 1936 zu einem Bundesbeschluss über den Transport von Personen und Gütern mit Motorfahrzeugen und über die Einführung einer eidgenössischen Verkehrsabgabe. Sehr im Gegensatz zu den sich immer mehr in den Vordergrund drängenden Bedürfnissen der Landesverteidigung, im Widerspruch zur neuen Truppenordnung, sieht dies neue Verkehrsteilungsgesetz nämlich zugunsten der Bahnen ;ehe möglichst weitgehende Drosselung der Sie ist schon imponierend, diese dreissigste Veranstaltung der englischen Automobilindustrie. Die Engländer behaupten, sie wäre die grösste der Welt. Niemand kann das wirklich kontrollieren, denn um den quantitativen Triumph streiten sich bekanntlich alle. Anderseits gibt die Zahl der Aussteller keine geeignete Vergleichsmögilichkeit, da auch in England verschiedene Nebenzweige zugelassen und mitgezählt werden. Letzten Endes kommt es auch nicht darauf an, obgleich die zum Bersten gefüllten Hallen den Gegensatz zum französischen Salon, worin manche Lücke klaffte, deutlich hervortreten lassen und die Prosperität der englischen Autoindustrie allen Ausländern zum Bewusstsein bringt. Wahrlich,, es bedurfte der 28 Wir berichten heute über: Fortsetzung der Citroen- Biographie. Nachschau zum Grossen Preis von Amerika. Entstehungsgeschichte moderner Karosserien. Wehranleihe und Alpenstrassenbau. motorisierten Strassentransporte vor, resp. es soll die Hälfte der Verkehrsabgabe dazu dienen, die Aufwendungen des Bundes zugunsten der konzessionierten Eisenbahn- und Schifffahrtsunternehmungen zu decken. Die durch diesen Departementsentwurf vorgesehene Lösung des Verkehrsteilungsproblems nimmt nicht nur keine Rücksicht auf die dem verwerfenden Volksentscheide vom 5. Mai 1935 zugrunde liegenden Anschauungen und Auffassungen der Majorität des Schweizervolkes hinsichtlich Gestaltung unserer Verkehrspolitik, sondern versucht sehr im Gegensatz zu den vor und nach den Abwertungsmassnahmen vom hohen Bundesrate in allen Tönen gepredigten Anpassungsbestrebungen durch erneute finanzielle Mehrbelastungen eine Transportkosten - Erhöhung herbeizuführen. (Fortsetzung Seite 2.) Die Londoner Olympia-Ausstellung Millionen Fr. betragenden Stiftung von Lord Nuffield, dem Besitzer der Morris-Werke, nicht, um diese Situation klarzulegen. Was gab es Neues in London ? Eine solche Ausstellung bringt naturgemäss eine Fülle an kleinen Neuerungen und Verbesserungen, deren Bedeutung keineswegs unterschätzt werden soll. Wenn aber nach den grossen durchgehenden Tendenzen gefragt wird, so muss die bewusste Abkehr von der Stromlinie, die Vergrösserung der Motoren, die Vorverlegung der Motoren und Sitzbänke, schliesslich die Verbreiterung der Spur, in erster Linie genannt werden. Es trifft zu, dass selbst in dieser Beobachtungsweise ein subjektives Urteil nicht F E U I L L E T O N Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 19. Fortsetzung. Aber ich habe überhaupt nichts erlebt, kein Glück, keine Angst, keine Pein, — gar nichts. Ich habe das Glas zerschlagen, weil über unsere Liebe kein freundlicher Gott wachte, sondern die Uhr. Ich muss Dir verheimlichen, dass ich einsam geblieben bin wie ein Stein und Dein Glück nicht teilen konnte. Ich glaubte nämlich, dass ein Mann in solchen Momenten ungewöhnlich glücklich ist. Und dann habe ich die Augen aufgemacht... Ich habe Dein Gesicht gesehen. Du warst wie ein Schuljunge nach einer Prügelei, zornig und verstört. Ich musste mir Mühe geben, Dich zu erkennen... Und nun der zweite Grund, der Dich beschämt: dass Du geglaubt hast, mir abgedroschene Worte sagen zu müssen, mir zerknitterte Phrasen anzubieten, wie man einer Kokotte eine Banknote überreicht. Aber während Du sprachst, gingen Deine Augen immer wieder zur Tür. Sie haben die Klinke umworben wie eine Geliebte, eine sehr ersehnte, von der man viel Glück erwartet... Ich habe Dir den Schlüssel gegeben und gesagt: Geh! Nicht weil ich edel bin, sondernweil ich befürchten musste, Du würdest in ein paar Minuten auch ohne meine Aufforderung gehen. Ich hatte nicht mit Deiner guten Erziehung gerechnet. Diese gute Erziehung hat verlangt, dass Du bleibst, mir schäbige Lügen sagst und mich zwingst, meine Selbstbeherrschung zu vergessen. Ich weiss nicht mehr, was ich Dir alles gesagt habe und habe auch Deine Antworten nicht mehr in der Erinnerung. Aber ich glaube, wir haben über Reue gesprochen. Wir waren darüber einig: grenzenlos zu bereuen ... Mein Liebling, ich bereue nichts, gar nichts, nur diese Viertelstunde, in der wir den Verstand verloren und alles taten, um unsere Liebe zu zerstören. Sie hätte die Enttäuschung dieser ersten Umarmung überleben können. Aber wir beide waren besessen von Feindseligkeit und bösem Stolz. Wir fanden Worte, verderblich und furchtbar wie Geschosse. Als Kind — ich war damals noch fromm — dachte ich oft nach wie Soldaten, deren Körper von Schrapnellen zerrissen und zerstört wurden, am jüngsten Tag auferstehen sollen. Es war fürchterlich, sich vorzustellen, wie sie dann ihre Körperfetzen aufsammeln, hier ein Stück, dort ein Stück... Aber jetzt glaube ich, dass es nicht so fürchterlich ist, nur mühsam. Mein Engel, ich will hoffen, dass man jedes Stück wiederfinden kann, jede Faser, jeden Gedanken, und dass nichts verloren geht...» Sybil legt die Feder aus der Hand und horcht. Was ist das? "Schritte? Nichts, — jetzt ist es wieder still. «Lukas ist fort!» ruft Sybil entsetzt. Sie fährt herum und starrt zur Tür. «Fort, fort!» Auf dem Tisch liegen beschriebene Bogen. «Ich hoffe, dass ich diesen Brief abschicken werde...» Ist es nicht genug, dass man unglücklich ist? Muss man sein Unglück auch noch eingestehen? Sybil lässt graue Schneeflocken aufs Parkett schneien. Dann hastet der Schatten wieder an den Wänden vorbei, unablässig, ohne Ruhe. «Lukas ist fort!» Manchmal bleibt sie beim Fenster stehn versucht, gleichgültig in die Tiefe zu schauen. Es kann nicht schaden, wenn man sich an diesen Anblick gewöhnt. Eines Tages wird man vielleicht zu müde sein, um dieses Leben weiter mit sich zu schleppen. Eines Tages wird man es fortwerfen, wie eine Mascotte, an die man nicht mehr glaubt... Sybil wandert durchs Zimmer. «Wir wollen alles vergessen! Komm zurück, mein Engel! Wir haben uns doch nicht einmal Adieu gesagt...» Sie beschwört ihn: «Du m u s s t zurückkommen! Hör mich an, ich will, dass du zurückkommst!» «Hast du mich für immer verlassen?» fragt Sybil verwirrt. «Sei vernünftig! Liebes, sei doch wieder vernünftig...» Lukas war der einzige Gast der Bar. Ein stummer, unfreundlicher Gast, der in sein Glas starrte, als wäre Medizin darin und nicht guter, tröstender Whisky. «Sybil», dachte Lukas. «Sybil-. ..» Er war durch die Strassen gehetzt und durch einen dunklen Park getappt. Er hatte auf einer staubigen Bank gesessen und Gott zur Rede gestellt: «Musste das sein? Sybil wird früh nach Zürich reisen. Und selbst diese paar Stunden, die uns geblieben wären, diese jämmerlichen, abgezählten Stunden... ,Nein' sagst du. .Schluss!' sagst du. Gut, alles muss einmal zu Ende sein. Aber auf eine richtige, ordentliche Art. Man nimmt Abschied, man küsst sich, man sieht dem Zug nach, der aus der Halle fährt. Das ist ein reinliches Unglück, und es tut nichts zur Sache, dass man es nie verwinden und sein ganzes Leben lang diesem Zug nachsehen wird... Ich frage dich: warum konnte es nicht so sein?» «Was soll mit meinem alten Leben werden?» hatte sich Lukas stürmisch erkundigt. «Glaubst du, dass es auf mich wartet, jetzt irgendwo herumliegt wie ein alter Rock, und ich muss nichts anderes tun, als ihn wieder