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E_1936_Zeitung_Nr.086

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BERN, Freitag, 23. Oktober 1936 Nummer 20 Cts. 32. Jahrgang - N° & ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jihrlteb Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallvenich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 10.— Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste'* REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97. Bern Telephon 28.222 Portcheck III4Ü Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern GesehartssteUr Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTI ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. ^ Grössere Inserate nach Spezialtarif Inseratensoblras 4 Tane vor Erschein der Nnmmer Vorbereitungen zum Winterbetrieb Im Automobil steht uns heute ein Transportmittel zur Verfügung, das Winter wie Sommer jedem Wetter zu trotzen vermag und uns selbst die Unbilden der Witterung vergessen lässt, vorausgesetzt allerdings, dass man ein gewisses Minimum an Pflege und Wartung aufbringt. Wie jede komplizierte Maschine, jeder Organismus, so hat auch/der Wagen immer noch bestimmte verwundbare Stellen, die nun einmal ein Mindestmass an Aufmerksamkeit erfordern. Hiezu zählt vor allen Dingen die Empfindlichkeit gegen die Einwirkung der Kälte, falls man es unterlassen hat, das Fahrzeug rechtzeitig den veränderten Witterungsbedingungen anzupassen. Im Grunde genommen rührt der grösste Teil dieser Schwierigkeiten von der Nichtbeachtung der physikalischen Eigenschaften der verschiedenartigen im Automobilbetrieb verwendeten Flüssigkeiten her. Die Hauptsorge gilt wohl bei plötzlich eintretender Kälte dem Kühlsystem, dessen Wasserinhalt unter Umständen gefrieren kann. F"rei .von dieser Gefahr sind nur die lüftgekühlten Motoren, die man noch verhältnismässig selten antrifft,, weil sie ur-, sprünffich'" etwas geräuschvoller arbeiteten als wassergekühlte Bauarten. Die Eisbildung an.,und für sich wäre-weiter nicht schlimm, wenn sich nicht das Wasser beim Uebergang von der flüssigen in die feste Form um einen gewissen Betrag im Volumen vergrösserte, wodurch die nicht dehnbaren, gusseisernen Wände des Wassermantels einer Sprengwirkung ausgesetzt, werden. Ausserdem besteht Aussicht auf das Einfrieren der Wasserpumpe mit dem Erfolg, dass der Antrieb beim Anlassen in die Brüche geht. Und es bedeutet nur einen schwachen Trost, wenn man sie vielfach über eine unterdimensionierte Kupplung mit dem Motor veröindet, der die Aufgabe zukommt, selbst den «Heldentod» zu erleiden, damit das Flügelrad der Pumpe vor Verletzungen, bewahrt bleibt. Zur Vermeidung dieser ^Eventualität hat man schon die verschiedenartigsten • Wagenscheiben innen und womöglich dazu Zusätze zum Kühlwasser gar im Frühjahr in Flaschen ab, um sie noch aussen beschlägt und sich sogar manchmal in schwer abwischbares Eis verwandelt. « erfolgreich » im nächsten Winter weiterzu- Gegen das Beschlagen der Fenster auf der ausprobiert, die eine Herabsetzung des Ge-verwendenfrierpunktes auf einen Wert bewirken sollen, Ueber die Mischungsverhältnisse der verschiedenen Gefrierschutzmittel orientieren Innenseite der bei uns auch in einem strengen Winter nicht erreicht wird. Es lässt sich wohl nicht stehen heute verschiedene durchsichtige Fo- mehr feststellen, wer zum erstenmal auf die Idee kam, dem Kühlwasser zu diesem Zweck Sprit beizufügen. Jedenfalls hat diese Beimischung zur winterlichen Kühlerfüllung lange Zeit das Feld beherrscht.. Für unsere klimatischen .Verhältnisse genügt es,. w*nrf man dem Kühler einen « Gror*T bestehend aus,40^r^Brit,,und 60% Wasser..%&*$>&} reicht." Nun verflüchtigt sich aber der Alkohol sehr leicht, eine .Eigenschaft, die zur unkontrollierbaren Verminderung der Kältefestigkeit des Kühlwassers führt. Ueber ein Schnaps-Aräometer zur Kontrolle des Alkoholgehaltes verfügen gewiss die wenigsten Beim Oelwechsel erinnert man sich daran, dass Die elektrische «Zentrale» des Wagens ist in der neben dem Motor auch das Chassis ab und zu Winterzeit, wo sie speziell hoch beansprucht ist, einer neuen Schmierung bedarf. Hier wird das dankbar für eine gelegentliche Versorgung ihrer Lenkgehäuee frisch abgeschmiert. Lager mit-ein paar Tropfen dünnflüssigen Maechinenöls. F E U I L L E T O N Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 20. Portsetzung. Der Pianist, blasiert und schön, als wäre; er aus einem Modeiournal gestiegen, trommelte aufs Klavier los. In a little spanish town... € In a Httle spanish town 't was on a night like this », begann der fette Mulatte. Er sang halblaut, ohne sich um den Rhythmus des Klavierspielers zu kümmern. Manchmal brach er mitten im Wort ab und betrachtete gedan kenvoll die Jäzzschlägel. « Many skies have turned to gray, because we're far apart... Er sang scheinbar nur zu seinem eigenen Vergnügen, « many moons have past away, and. still she's in-'-my heart'», wiegte die: mächtigen Schultern und neigte sich zärtlich über das Schlagwerk. « Born ! » sagte die ; Trommel. VWe~made ~a promise...» ' Fahrer, weshalb sie nicht in der Lage sind, nach öfterem Nachfüllen festzustellen, wie hoch der Alkoholgehalt inzwischen gestiegen bzw^jwie tief der Gefrierpunkt des Gemisches im Moment gesunken ist. Neuerdings verwendet man an Stelle dieses leicht siedenden Zusatzes lieber Glyzerin oder auch verschiedene Marken- Frostschutzmittel auf Glyzerinbasis. Abgesehen davon, dass man? Sie zum mindesten ohne Nachfüllung den ? ganzen Winter gebrauchen kann, da auch beim Kochen des Kühlers nur Wasser verdampft, so bieten sie die weitere Sicherheit, dass ein solches Gemisch selbst beim Gefrieren ungefährlich ist, weil es dabei nur eine glaceartige Beschaffenheit annimmt und somit keine Sprengwirkung ausüben kann. Viele Fahrer zapfen die Kühlerflüssigkeit so- Am 5. Mai 1935 hat das Schweizervolk die Verkehrsteilungsvorlage in nicht misszuverstehender Weise verworfen. Jene Gesetzesvorlage, welche den Nahverkehr dem Automobil, den Fernverkehr den Bahnen zuteilen wollte, scheiterte vornehmlich am Widerstände derjenigen 'Wirtschaftskreise, die der Unterstellung privatwirtschaftlicher Betriebe unter die Fuchtel des Staates ablehnend gegenüberstanden. Die Bekämpfung der Vorlage durch den relativ Weihen Kreis der Eisenbahner aus nur jenen verständlichen Erwägungen darf nicht irre machen am tiefern Sinn der Verwerfung durch! die Mehrheit unseres Volkes, der unzweifelhaft im Willen zur Errichtung eines Dammes gegen weitere Monopolgelüste bürokratisch regierter, für das heutige Zeitalter unbedingt zu schwerfälliger Mammutunternehmungen verankert war. Inzwischen ist kostbare Zeit verstrichen Die finanzielle Situation der Schweiz. Bundesbahnen ist durch kein Wunder saniert worden. Mademoiselle Blanche erschien und reichte Lukas ihre Hand. Die Haut war wie aus Seidenpapier, sehr weich und ein wenig zerknittert. Blanche, schmales Vorstadtkätzchen mit witternder Stumpfnase, strohfarbenem Haar und dünnen Lippen. < We made a promise and sealed it with a kiss ! » « Es ist sehr liebenswürdig von Ihnen, dass sie mir Gesellschaft leisten», sagte Lukas. Er glaubte, ruhig und beherrscht zu sein. Er glaubte, auszusehen wie jedermann. Der Garderobier hatte ihm Anzug und Schuhe abgebürstet und ihn auf die schiefe Krawatte aufmerksam gemacht. Aber jetzt war alles in Ordnung, er hatte Whisky getrunken und dieser Dame einen vernünftigen Satz gesagt Lukas grinste — er war stolz auf sich. « Verrückt ? » dachte Blanche. « Besoffen ? » Sie war mit allen Salben gerieben, allen Wassern gewaschen und von allen Hunden gehetzt worden. Das gab Menschenkenntnis. Aber jetzt wusste sie trotzdem nicht, was sie von diesem Burschen halten sollte. «Wir haben erst gestern eröffnet. Wie gefällt es Ihnen hier ? > «O Ja — nett!» sagte Lukas. Seine Angen wanderten über die wartenden Tische, die leeren Fauteuils. An der Wand lehnte der Kellner und stierte gelangweilt vor sich hin. Lukas hatte das Gefühl, er müsste jetzt aufstehen und das gesamte Personal um Ver-r zeihung bitten : es ist mir überaus peinlich, euch zu stören... « Sie - tanzen ? Nein? Das ist schade. Jonny singt hübsch, nicht wahr ?» « Was ach so, er singt! •» murmelte Lukas. Er dachte : ich habe Gertie, das Bürschle — warum tröstet mich das nicht ? Immer hab ich sie geliebt, warum helfen sie mir jetzt nicht ? Mich so allein zu lassen... « Jonny singt in allen Sprachen, grossartig ist er. Mir sind überhaupt Schwarze sehr sympathisch...» Blanche plauderte, lachte, hob das bleiche, verwelkte Kindergesicht zu Lukas. Er blickte sie überrascht an und sagte laut, was er nur zu denken meinte : «... gar nicht mehr so jung f » Eine Weile blieb es still. Lukas konnte den Mund nicht auftun vor Bestürzung, und Blanche betrachtete den kirschroten Teppich. « Born •», stöhnte die Trommel, «'t was on a night like this ». Schluss, Born, Bumm ! Lukas sass da, stumm und versteinert, als die Instruktionen des Fabrikanten. Sofern man Glyzerin bevorzugt, so raten wir zur Verwendungreiner reinen Qualität, die dem Kühler keinen Schaden zufügen kann. Ein Zusatz von 35 %•, d. h. je 1 Liter auf 2 Liter Wasser genügt bei uns vollkommen, um einen, Stusreichenden Schutz zu gewährleisten. Als Hauptbedingung muss man von einem guten Gefrierschutzmittel ausserdem verlangen, dass es keinerlei Säuren oder Salze enthält, die das Metall des Kühlers angreifen können. Wie angezeigt es ist, immer wieder an dieses Erfordernis zu erinnern, beweist das periodische Erscheinen von Präparaten, deren Anwendung nichts anderes bedeutet, als den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Der Einfluss des Wassers und seiner physikalischen Eigenschaften auf den Winterbetrieb des Wagens zeigt sich noch anderswo als nur. gerade im Kühler. Ganz abgesehen davon, .dass es im winterlichen «Pflüder» in alle möglichen unzugänglichen Stellen dringt und dort Korrosion verursacht, macht sich sein Einfluss gern auch in allernächster Nähe des Fahrers bemerkbar, indem es die lien zur Verfügung, die man auf das Glas klebt. Die Wirkung dieser dünnen Schichten ist ganz frappant, passiert es doch, dass die Scheibe neben der Folie total undurchsichtig wird, währenddem die Sicht an den dermassen « tapezierten» Stellen nicht im ge- ringsten nachlässt Schluss auf Seite 5. IHoncpol der Schiene über die Strasse Anstatt einer wöchentlichen Zunahme der Verschuldung um eine Million Franken haben wir heute eine solche von beinahe zwei Millionen Franken. Trotz allen Kassandrarufen,aus den eigenen Reihen und in Missachtung der Mahnungen unserer Wirtschaft entzogen sich die verantwortlichen Kreise je und je der Vorkehrung einschneidender Reorganisationsmassnahmen. Im Hoheitsgebiete des Eidg. Post- und Eisenbahndepartements scheint die Bärenhaut noch' immer hoch im Kurse zu stehen. Man wartete ruhig weiter und hoffte zuversichtlich, dass sich eines Tages so ganz von ungefähr Mittel und Wege zur Wiederflottmachung dieses verfahrenen Karrens von selbst bieten würden. Es kam der 26. September 1936, die Abwertung des Schweizerfrankens! Das um den Nullpunkt herum wechselnde Stimmungsbarometer auf dem Eidg. Eisenbahndepartement begann rapid zu klettern. Endlich eine neue Ausrede, um die Reorganisation dieses grössten Staatsbetriebes, dessen Rie- wäre er sein eigenes Monument. Schliesslich brachte er: es fertig, nach dem Whiskyglas zu greifen. Während er trank, blinzelte er aus den Lidspalten zu Blanche hinüber. Ihr Gesicht verriet nichts, war blass und vorge- Wir berichten heute über: Vortnttsrecht d*r Hauptstrasse. Querschnitt. Sport aus aller Weit. Um die Gestaltung unseres Benzinpreise*. Beilage: