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E_1936_Zeitung_Nr.090

E_1936_Zeitung_Nr.090

BERN, Freitag, 6. November 1936 Nummer 20 Cts. 32. Jahrgang - N» 90 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Ertchelnt jeden Dleratay and Freitag Wöchentliche Bella» „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION; Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 23.222 - Postcheck III414 - Telegnunm-Adressei Autorevue, Bern GtschiftssttUe ZOrleh: Ldwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS- PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Rp. GrOcsere Inserate nach Speziaitarit Inseratenscbluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Baut Radfahrwege! Die Schweiz sieht sich heute beinahe unvorbereitet vor die Erkenntnis gestellt, dass ein im Ausland stark ausgebildeter Zweig des Strassenverkehrswesens bei ihr noch kaum Fuss gefasst hat. Zwar hat unser Land die Verbreitung des Fahrrades als ein Verkehrsmittel von vielseitiger Verwendungsmöglichkeit und finanzieller Erreichbarkeit für weiteste Volkskreise gleich den übrigen Staaten mitgemacht. Wir stehen etwa hinter Deutschland, Holland und den nordischen Staaten nur um dasjenige Mass an «Fahrraddichte» zurück, das sich aus der geringeren Gunst unserer topographischen Verhältnisse gegenüber dem weit ausgeprägteren Flachlandcharakter der erwähnten Gebiete" ergibt. Während aber dort mit der Volkstümlichkeit des Fahrrades die Art und Weise Schritt hielt, wie man den durch den Riesenverkehr der Radfahrer heraufbeschworenen Verkehrsschwierigkeiten und Verkehrsgefahren zu Leibe rückte, ist die Schweiz an diesem Problem fast völlig vorbeigegangen. Jahrzehntelang haben wir zwar dem Radfahrer in Form von Gebühren nur mangelhaft versteckte Steuern abgenommen; ihm aber an Gegenleistung nicht das mindeste von dem geboten, was seinen besonderen Ansprüchen an die Ausgestaltung der Fahrbahn oder seinem Sicherheitsbedürfnis angemessen gewesen wäre. Aber nicht nur auf sie beschränkt sich der Kreis der Leidtragenden. Die übrigen Verkehrsteilnehmer, die Autofahrer also beispielsweise und vor allem, gehören mit dazu. Denn mit den angedeuteten Unterlassungssünden unterblieb auch die Sicherung dieser Strassenbenützer selber gegen die Gefahren, welche der dichte Fahrradverkehr auch für sie mit sich bringt. Jetzt lenkt die eben die grösseren Städte der Schweiz durchziehende Wanderausstellung für Radwege zum erstenmal das Bewusstsein der Oeffentlichkeit auf diesen grossen und sehr wichtigen Problemkreis. Dem Schweizerischen Autostrassenverein gebührt Dank dafür, dass er diese Ausstellung veranlasst hat. Mit Recht ist ihm -dabei die tatkräftige Unterstützung der übrigen grossen Organisationen zuteil geworden, die am Strassenverkehr interessiert sind. Es handelt sich, zumal wir ja seit einer Reihe von Jahren daran sind, unser Strassennetz den Bedürfnissen des motorisierten Strassenverkehrs anzupassen, zwar nicht darum, in unseren Anstrengungen innezuhalten, sondern darum, uns zu besinnen, was vielleicht auch einmal zugunsten einer bisher etwas stiefmütterlich bedachten Kategorie von Strassenbenützern getan werden könnte: eben der Radfahrer! Wunderte man sich bisher, dass ob allen Bemühungen um Verbesserung des Strassenverkehrs die allgemeine Unsicherheit auf der Strasse nicht schwinden wollte und die tagtäglichen Kalamitäten in den Großstädten und auf dem Dorfe fast immer dieselben blieben, so werden wir jetzt •—• eben zum grossen Teil dank jener Ausstek lung — auf einmal gewahr, dass wir mit 4er ständig weiter getriebenen Verbreiterung, der Strassen einfach eine immer breitere, .Verkehrsbahn mit grundsätzlich dem gleichen Durcheinander aller möglichen Arten von Strassenbenützern angefüllt haben, die sichdeswegen gar nicht besser miteinander vertrugen. Im Gegenteil: je mehr wir die Strassen durch die Verbesserung des Querprofils, die Vergrösserung der Kurvenradien, den Einbau gleitsicherer Beläge den besonderen Bedürfnissen des Autos anpassten, desto grösser wurde die Diskrepanz zwischen ihm und den übrigen Verkehrsteilnehmernj • - •" — Nun entdeckten ,wir, dass man in extremen^ Fällen die Fahrbahn des Autos sogar ver,- schmälern kann, ohne seine Bewegungsfreiheit zu beschneiden, sofern wir nur dazu, gelangen, den Radfahrer von der Strasse zu entfernen, was dadurch erreicht wird, dass wir auch ihm einen auf seine besonderen Bedürfnisse zugeschnittenen Fahrweg verschaffen, so gut wie der Fussgänger schon längst seinen eigenen. Öewegiingsräum besitzt. Allgemein geht es also darum, die Strassenbenützer besser zu sortieren und den grossen Kategorien unter ihnen je einen besonderen. Teil, des öffentlichen Verkehrsraumes zuzuweisen. Damit verschwinden zum mindesten jene Verkehrsgefahren, die eben gerade aus denrbisherigen-Durcheinander auf der Strasse entstehen. Darin sind uns nun zahlreiche Länder weit vorausgeeilt,' und wir stehen vor der schweren Aufgabe, deren Vorsprung nach Möglichkeit einzuholen. Schon in unserem Referat über die Berner « Stagione > der Wanderausstellung (Nr. 85 der «Automobil-Revue) haben-wir die eindrucksvollen Zahlen von 5Ö0O km Radfahrwegen und 2000 km Radfahrstreifen Deutschlands erwähnt, in denen die über 300 km der Stadt Berlin und die von Gemeinwesen unter 6000 Einwohnern unterhaltenen Radwege nicht einmal inbegriffen sind. Von den viel weitergehenden Projekten für die Zukunft wollen wir schon gar nicht reden... Die deutsche Fachsprache unterscheidet heute drei Arten von Sonderwegen für Radfahrer : 1. Der Radfahrstreilen ist der innerhalb der allgemeinen Strassenfahrbahn blöss durch einen