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E_1936_Zeitung_Nr.090

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10 Automobil-Revue —

10 Automobil-Revue — N" Mit«'grünen Knospen hat das Jahr begonnen. Ausgängen Herzen quoll der Maientraum. Ei^jjuften ging, ein Jauchzen durch den Raum, Und Rosen blühten auf wie kleine Sonnen. O goldne Tage, Zeit der süssen Wonnent Ihr starbt dahin, wir achteten' es kaum, Und bald steht arm'und leer "der letzte Baum*.. Es ist'lcein Blatt dem Welken noch entronnen. Vergänglich ist, was aus dem Schoss der Erde Ans Licht gesprosst, ob es ein Wunder zwar, Dem Schauen und dem Denken unfassbar. Schluss, dass es eine Art sinnlicher Liebe, ein ästhetisches Vergnügen an dem bestrickenden Zauber war, der von Juliette ausging, und bei dem körperliche Schönheit und Anmut- des Wesens auf das innigste miteinander verbunden waren. Die Schiiderungen rühmen ihre wundervolle Gestalt, die vollendeten Formen des Halses, des Busens und der Arme, die sie nach der Mode der Zeit unverhüllt zeigte; die feinen Hände, die blendend reine, rosig angehauchte Haut, die unnachahmliche Grazie, mit der sie den von natürlichen braunen Locken umrahmten Kopf trug. Der Ausdruck ihres Gesichts war der einer Raffaelschen Madonna, das Spiel ihrer braunen, mit einem leichten Goldton leuchtenden Augen unsagbar verführerisch. Selbst ihre kleinen Fehler, so der niedlichste Schnurrbart, machten sie nur noch reizender. Sie sprach wenig und bewegte sich ruhig, aber natürlich. Die Grazie, mit der sie in ihrem Salon ihre Gäste empfing, war bezaubernd. Den besten Begriff von der Art ihrer Schönheit geben uns ihre Bilder, und es sind ihrer nicht wenige. Am bekanntesten ist das Gemälde von J. L. David, das im Louvre hängt, und das in zartgrauen, heute uns an die modernen Engländer gemahnenden Tönen sie darstellt, wie sie halb liegend auf einem Empiresofa ruht, mit nackten Füssen, ein Samtband Ober der Stirn. Fast ebenso berühmt ist das Gemälde von Gerard, das sich im Nationalmuseum zu Versailles befindet. Es zeigt Juliette im Alter von dreissig Jahren — das Porträt von David war sieben Jahre früher entstanden —, sitzend, in lässiger Haltung, träumerisch und mit einem leisen Hauch von Melancholie vor sich hinblickend. Während ihres Aufenthaltes in Rom (1813)'hat ! Canova'eine Büste der «cara, carä Giulietta del Paradiso» geschaffen. Sie trägt einen Schleier und einen Kränz von Oelbaumblättern im Haar. Nachträglich hat Cänova diese Büste, deren Original sich im Museum zu Lyon befindet, dann als «Beatrice» bezeichnet, und es ist merkwürdig genug, dass sie der Typus und das Vorbild einer ganzen Anzahl anderer Beatrice-Darstellungen geworden ist. Auch von David d'Angers — wen hat dieser fruchtbare Künstler nicht porträtiert — besitzen wir ein Medaillonrelief der Madame Recamier; ein Gemälde von Eulalie Morin, das in Versailles hängt, gibt sie, noch sehr jugendlich, in einer Landschaft an einen Baum gelehnt, und auch der Schauplatz ihrer letzten Lebensjahre, die berühmte Klosterzeile in der Abbaye aux Bois, ist durch mehrere Darstellungen zeitgenössischer Künstler im Bilde erhalten. Wenn aber Juliette sich im Anfang vielleicht ihrer Macht nicht bewusst war, so ist es kein Wunder, wenn sie bei der Flut von Huldigungen, die ihr dargebracht wurden, schliesslich sich selbst als eine Art Göttin erscheinen musste. Zwar blieben ihre weissen Kleider in Schnitt und Ausputz stets von fast gesuchter Einfachheit, aber ihr Haus machte sie zu einem kostbaren Tempel ihrer Schönheit, in dem das Allerheiligste, ihr Schlafger mach, die reichste Ausstattung erhielt. Ein ehemaliger Kapellmeister Friedrichs II., Reichardt, der sich 1802 bis 1803 in Paris aufhielt, hat uns in seinen «Pariser Briefen» eine Beschreibung dieses Schlafgemaches hinterlassen, das den Gästen des Hauses als Sehenswürdigkeit gezeigt wurde. Es war ein sehr grosser, fast ganz mit Spiegeln ausgekleideter Raum. Das Bett stand auf einer Estrade, zu der Stufen hinaufführten, und war auf derandern Seite von hohen achtarmigen Kandelabern flankiert. Das Lager wie der Betthimmel waren ganz weiss. Den Hintergrund bildete ein schwerer, violetter Damastvorhang, der, auseinandergerafft, eine Spiegelwand frei liess, so dass Juliette, wenn sie im Bette lag, sich vom Scheitel bis zur Zehe sehen konnte. Vergänglich ist's. — Doch bleibt ein Trost uns wahr: Der da zum Leben rief das junge Jahr, Nun sagt er « StirbJ» Einst spricht er wieder « Werde f » Wir lasen kürzlich im « Prager Tagblatt» folgendes interessantes Stimmungsbildchen: Nun hat-also auch, er daran glauben müssen, das gemünzte Sinnbild, der Neutralität, wetterfest und unerschütterlich wie seine Heimatgipfel, der Schweizer Franken. Wie ein Pionier schützte er die hohen Preise gegen die niederen Fremden, verwandelte das nahe Bergland so in ein fernes Dorado. .Kein Luftzug und kein Sturmwind auf dem internationalen Währungsmarkt konnte ihm etwas anhaben. Und wenn ein Habenichts von Mitteleuropäer seine Barschaft zusammenzählte/fügte er hinzu: «Das macht in Schweizerfranken ...» Erinnert man sich noch seiner Glanzzeit im und nach dem Kriege, wo sich-' die •.•-Welt an ihn gleich an einen Mastbaum klammerte und wie in den Suren des Koran in den Zeitungen Tag für Tag der Satz wiederkehrte: «Die Krone stand gestern'in Zürich'..'.» In "einer Posse, die in jenen Tagen ^gespielt wurde, kehrte ein Mann nach jahrlanger Abwesenheit aus dem Irrenhaus'heim. s Die Gattin. liest ihm friedlich aus der Zeitung vor: «Die Krone notierte gestern in Zürich...... -^- «Heiliger, Gott!.» uns terbric'ht er sin, «... was macht die Krone in Zürich? » Und glaubt, rezidiv geworden zu sein. Die Welt ist seither darin normaler geworden. Die österreichische Krone „notiert längst> nicht mehr in Zürich, der Mastbaum schwankt im Sturme und hat sich um 30 Pxo-> zent geneigt. Und es ist, als ob die Schweiz damit aufhörte, eine Insel im Herzen Europas zu sein und- sich']der,.übrigen Welt,,.demütig aopasste•..•»• . '- ...MISQ. ... Elegie auf den Schweizerfranken Abwertung, vom Ausland aus gesehen. November-Sonett Zeitgemäss v '/- : :••'• :''" .;" ' Jakob Bolli. Bilderfälscher, die Hyänen des spanischen Bürgerkrieges. Die Belebung des internationalen Kunsthandels infolge der Auswirkungen der Währungsmassnahmen in Frankreich, Holland, Italien und in der Schweiz hat sich in gesteigertem Masse fortgesetzt. Die grossen Börsengewinne, die in der vergangenen Woche gemacht wurden, sind zum Teil zg Kunstkäufen verwandt worden. Der niederländische Kunstmarkt steht im Zeichen einer starken Nachfrage nach Bildern holländischer und flämischer Meister. Bemerkenswert ist das starke Interesse für chinesisches Porzellan und für Delft. In den letzten Tagen wurden in Amsterdam sehr grosse Transaktionen für holländische, auch für englische und amerikanische Rechnung abgeschlossen. Das starke Angebot an spanischen Kunstwerken hält an. Gute Aufnahme fand eine Serie wundervoller flämischer Wandteppiche aus spanischem 'Besitz, bei dem es sich zum Teil um einzigartige Stücke handelt, für die sehr hohe Preise angelegt wurden. Gleichzeitig mit der Hausse auf dem Kunstmarkt tauchen zahlreiche Fälschungen gesuchter spanischer Meister — wie Greco, Velasquez und Goya — auf, die als ins Ausland verschleppter Kunstbesitz aus spanischem - Feudalbesitz sowie aus zerstörten Kirchen und Klöstern zu relativ billigen Preisen angeboten werden. In Wirklichkeit handelt es sich um Objekte aus den «Stocks» obskurer Kunsthandelsfirmen, die jetzt die Gelegenheit für günstig erachten, ihre minderwertige Ware auf den Markt zu bringen. (Hamb. Fremdenblatt.) Richard Bi Hing er: Wir hatten eine arme Stadtverwandte, die in bösen Nachkriegs jähren von der Mutter Mehl- 1 und Butterpaketchen geschickt bekam. Eines Tages schrieb sie, dass ihr fünfjähriges Töchterlein vom Arzt einen Landaufenthalt verschrieben bekommen hätte, da die Luft der Großstadt der schwachen Lunge des Mädchens übelbringend geworden sei. Da entschloss sich die Mutter, das Kind der armen Stadtverwandten zu sich zu nehmen. Und eines Tages im verblühenden Mai traf das Mädel, begleitet von seiner Mutter, bei uns auf dem Dorfe ein. Die Mutter des Kindes musste bald wieder in die Stadt fahren, um ihrem Berufe dort zu dienen. Aber die kleine Ida blieb bei uns. Wir wollten ihr nun alle Schönheiten des Landlebens herzgemäss machen, sie in die Geheimnisse des Stalles, einer Scheune einführen. Die Kranke liess alle Liebesfülle auf ihr Herz wie Feuer prasseln, sie wurde nur immer noch stiller, wangenfahler, teilnahmsloser. Jetzt wendeten wir eine andere Führung an, wir Hessen sie in Ruhe. Nun zeigte es sich, dass das Stadtkind bald zu einem leisen Leben erwachte. Es sass im Baumgarten im Schatten, spielte mit den Blumen, liess den Schmetterling 1 auf dem abgelegten Strohhut ruhen. Es überliess sich wie mit glaszartem Herzen einer übermächtig wuchernden und zur Reife jagenden -Natur. Die Halmfelder streuten den Duft des blühenden Kornes in alle Hausgärten, die blattvollen Apfelbäume hüteten schon Vogelnester, winzig grüne Aepflein lagen abgefallen auf dem dicken Rasen. Das Mädchen rührte auch ohne Verbot keine dieser armgrünen und wurmgetöteten Früchtlein oder die hühnerbeflogenen Johannisstrauchbeeren an, es kostete und ass nichts, Hess den Napf mit Milch unberührt auf dem Grase stehen. Meine Mutter schalt es wegen dieses ihr völlig unbegreiflichen Unhungers, sie lockte die Schwache mit goldgebackenen Krapfen-, mit allen Kunstwerken einer dem gewaltigen Feuer dienenden Bauernküche. Eines Tages hörte ich die Mutter die kleine Verwandte loben: « Bist ein braves Kind, weil du die Milch jetzt so fleissig trinkst, bis die Schüssel den trockenen Boden kriegtf» , , |Uttd wirklich, Wie durch' Wunderkraft geretfet, erblühte das Stadtmädchen zu einer lockend schönen Gesundheit, Ihre Wangen 'trugen die Purpurflecklein, ihre Augen schauten wie aus einem tiefen, sternegründigen Himmel. Wir freuten Uns alle über unsere kräftespendende Erde, über' das aufblühende, aufwachende, lächende und jubelbereite Stadtmädchen. Meine Mutter stellte einen immer grösseren Napf mit Milch vor das in" seinem geliebten Baumgarten ruhende Mädchen. Sie' wunderte sich oft über die Trinkfreude der kleinen Verwandten, die die-gute Kuhmilch nun bis aufs letzte weisse Tropf lein aus der Schüssel leerte. , Es war an einem -der windgekühlten Sommertage des späten Juni, als ich auf meinem Liegestuhl hinter einem tischdicken Nussbäum in unserem Obstgarten* .lag.. Ich; fürchtete das Wogen des sonnegeil^n Lichtes auf' Strassen und Wegen, ich blieb wie ein Tageskranker auf meinem Stuhle liegen. Der Schatten der Bäume war tief, fest Und fast schwarz geworden, eine kleine Nacht barg, sich da oben in dem Baumgezweige. r Meine Mutter ging jetzt mit dem Schützling in den Garten, trug das Stühlchen in der einen, einen grossen Napf Milch in der anderen Hand. Sie lobte das Mädchen, sagte, es müsse auch heute wieder den ganzen Milchnapf leeren, um bald ganz gesund zu werden. Die Mutter ging in das Haus zurück, ich spähte leise nach der kleinen Milchtrinkerin. Das Mädchen sass auf dem Stuhl,, die Hände lagen in seinem Schoss wie zwei abgebrochene Rosenzweige. So hilflos habe ich noch nie eines Menschen Kind gesehen. Die nackten Füsse wagten kaum den Rasen zu berühren. So wie die Mutter die kleine Ve'rwandte auf den Stuhl gesetzt hatte, so in der gleichen'Lage und derselben Haltung verharrte die kleine Gartenbesucherin. 1 Der grosse irdene Napf stand auf dem Rasen, randgefüllt mit der weissen, duftenden Milch. Da raschelte etwas im Grase. Ich er}- schrak bis in die tiefste Seele. Eine wohl eintmdeinhalbmeterlange Schlange zog sich durch den Rasen, jetzt hatte sie den Milchnapf er- Teicht, jetzt erhob sie sich in halber Leibeshöhe, liess ihr Zünglein tanzen, sie pfiff, lieblich klang es, als möchte das Tier das Mädchen begrüssen. Und das Stadtkind sass gleichmütig auf dem Stuhl, ich-sah, es lächelte und nickte mit dem Kopf der Schlange einen Gruss. Das hungrige Tier trank schon die reine, heilige Milch, es trank, bis das letzte Tröpfchen •aus dem Napf schwand. Dann schlängelte es. davon, es raschelte kaum, da der Wind oben Im Laub zu nisten begonnen hatte. ' Die Schlange Ich hielt mich ruhig, lag gebannt. Wie lange? Wohl eine und wohl zwei Stunden lang) Das Mädchen sass, das Silberlächeln der Güte und Liebe flog nicht mehr von seinen Lippen, wie ein Wölklein ruhte es auf dem Holzstuhl. Als die Mutter kam, wurde es wegen seiner Trinkfreude gelobt, wurde sein gesundes Aussehen gepriesen. Bald werde es wie ein üorfkind stark und übermütig sein! ' Am nächsten und übernächsten Tage,.belauschte ich wieder den Besuch der Schlänge.. Es wiederholte sich stets die Begrüssung und das selige, gewährende Kopfnicken der kleinen.' Spenderin. '[ Eines Nachts weckte mich die Mutter. Ich. müsse den Arzt holen, die kleine Ida habe das hohe-Fieber. Ich holte den Arzt, der da;.rasende Fieber der Tuberkulosen « konstatierte ».' Es gäbe da wohl keine Hilfe und Rettung mehr. Ich telegraphierte am Morgen der Mut-, ter der Todkranken. Als die Verwandte am. Abend eintraf, war die kleine Ida schon gestorben. Ich hatte mich während des Tages wieder, auf meinen Lauscherposten hinter dem Nussbaum gestellt. Es war auch die Schlange wie-., dergekommen, hatte aber vergeblich nach der kleinen Milchgeberin gespäht. Als sie mich, jäh entdeckte, schoss sie wie ein Pfeil in das' hohe Gras zurück und entfloh. :, Wir begruben das Stadtkind auf unserem Dorffriedhof. Wir trösteten die Mutter, gönnten es ihr, die Schmerzenstage in unserem- Hause zu verbringen, bis sie wieder in die, grosse, ferne, arbeitsgetriebene Stadt fahren musste. So oft ich mich auf Lauer legte, den gefüllt, ten Milchnapf in das Gras stellte — -die Schlange kam niemals wieder in unseren; Garten. Ein Indianerstamm, der den ganzen Winter versc Der argentinische Ethnologe Dr. Jose Copol hat im Feuerland an den Küsten des Lago Fagnano einen Indianerstamm entdeckt, der eine unter den Menschen wohl einzigartige Lebensweise führt: die Männer dieses Stammes halten regelrechten Winterschlaf. Etwa im März jeden Jahres —, man darf nicht vergessen, dass auf der südlichen Halbkugel die Jahreszeiten cverkehrt» liegen — ziehen sich die. Männer dieses Stammest, der den Sommer über in primitiven Rindenhütteo, lebt, in tiefe Erdlöcher zurück, aus denen sie erst" wieder bei Beginn der wärmeren Jahreszeit hervorkriechen. Während des ganzen „Winters liegt die Sorge für den Unterhalt des kleinen Volke^ restlos in den Händen des «schwächeren» Ge^ schlechtes. Die Frauen versehen nicht" nur den Haushalt, sondern gehen auch auf die' Jagd und; auf den Fischfang, denn die Männer sind 1 nicht etwa den Sommer über besonders fleissig, um Vorr- 1 rate für den Winter zu sammeln. Allerdings wer* den die Frauen dafür im Sommer nach Möglich! keit geschont, nicht nur, um sie für die Strapazen des Winters entsprechend vorzubereiten, sondern 1 auch deshalb, weil es zu den Lebensgewohnheiteni! des Stammes gehört; dass Kinder fast-ausnahmslos in den letzten Sommermonaten auf die Welt kommen. ' Dass die Entdeckung der merkwürdigen Sit- 1 ten dieser Feuerländer erst jetzt erfolgte, ist darauf zurückzuführen, dass das Innere des Landes itt den Wintermonaten nur unter grossen Schwierigkeiten zugänglich ist. cpr. Wozu Aberglauben gut sein kann In einem italienischen Bergdorf in der Näh* von Como ist einer Bauernfamilie durch ihre? Aberglauben ein wertvoller Fund geglückt. Eil uralter, in die Holzverschalung einer Zimmerwanc eingelassener Spiegel war in Scherben gegangen Da aber Spiegelscherben Unglück bedeuten, lies der Bauer den Schaden nicht etwa ,an Ort unc Stelle wieder beheben, sondern riss aus laut« Angst vor den bösen Geistern den Rahmen sami der Rückwand aus der Holzverschalung heraus dabei entdeckte er in einem Mauerloch eine völlij verschimmelte kleine Truhe, in der sich ein schwe rer goldener Damenschmuck, zwei -Perlenkettei und einige hochkarätige Brillantringe befanden. — Nach sachverständigen Feststellungen rührt da Fund etwa aus der Zeit der oberitalienüchei Kämpfe mit den Radetzkitruppen her. cpr. Ä ' • *

1J0 90 — Änfomobil-Revue Geschichten, die das Leben schrieb (Fortsetzung): Im Herbst des Jahres 1935 erregte in Italien eise ungewöhnliche Geschichte grösstes Aufsehen. Sie war in der Tat nicht alltäglich und durch die Grausamkeit des Schicksals, die sie offenbarte, geeignet, die Herzen zu rühren und tiefes Mitgefühl wachzurufen. Viele Jahre war es her, als sich in Mailand ein wohlhabender Kaufman verheiratete. Es war eine Liebesheirat. Aber wie so oft in solchen Fällen, stellte sich auch hier heraus, dass für die Dauerhaftigkeit einer Ehe mehr erforderlich ist als die Leidenschaft, die manchmal sehr rasch vergeht. Schon nach Jahresfrist mussten beide Ehegatten feststellen, dass ihre Charaktere nicht zueinander passten. Streitigkeiten waren an der Tagesordnung; mit dem häuslichen Frieden war es vorbei. Selbst die Geburt eines Sohnes vermochte diesen traurigen Zuständen keine Wendung zu geben. So entschlossen sich denn beide, auseinander zu gehen. Doch schon nach einigen Monaten zog es sie wieder zueinander hin, und sie lebten von neuem in gemeinsamem Haushalt. Eine Tochter wurde geboren, an der der Vater mit zärtlicher Liebe hing; die beiden Kinder schienen ein Band zu sein, das die Ehegatten fest umschlungen hielt. Doch nur zu bald stellte es sich heraus, dass auch das eine Täuschung war. Wieder entstand Zwietracht und Streit Sie trennten sich daher endgültig, wobei vom Gericht der Sohn dem Vater und die Tochter der Mutter zugesprochen wurde. Diese, von Hass erfüllt, Hess es aber nicht zu, dass der Vater seine kleine Tochter wiedersah. Empört über diese Herzlosigkeit, verliess er Italien und begab sich mit seinem Sohn ins Ausland. Die Mutter hat ihren Sohn und Gatten nie wieder gesehen. Als sie starb, war ihre Tochter Alba" 18 Jahre alt. Sie war zu einem blühenden Mädchen herangewachsen und die Männer blickten Blindes Schicksal Tatsachenbericht von Christian Windecke ihr bewundernd nach, wenn sie durch die Strassen ging. Doch sie war stolz und unnahbar. Sie wartete auf das grosse Erlebnis, auf den Mann, in den sie sich auf den ersten Blick verlieben würde. Dies Erlebnis kam, als sie 23 Jahre alt war, auf einem Wohltätigkeitsfest in Mailand. Auf diesem Fest lernte sie einen jungen deutschen Fabrikanten kennen, der gerade in Geschäften in Italien weilte. Beide liebten sich von dem Augenblick an, als sie sich zum erstenmal gegenüberstanden und sich in die Augen blickten. Noch an demselben Abend verlobten sie sich, in dem Bewusstsein, fürs Leben zueinander zu gehören. Sie beschlossen, sobald als möglich zu heiraten. Von Freude und Glück erfüllt, teilte der junge Mann seinem Vater die Absicht mit, die schöne Mailänderin zu heiraten. Klar und wolkenlos lag scheinbar die Zukunft vor den beiden Glücklichen, die sich dem Ziel ihrer Wünsche so nahe glaubten. Der Vater des Bräutigams traf in Mailand ein. Als ihm nun sein Sohn von seiner Braut erzählte, erfuhr er zum erstenmal auch ihren Vaternämen, denn bisher hatte ihm sein Sohn in seinen Briefen nur ihren Vornamen Alba genannt. Als er nun den Vaternamen vernahm, da stutzte er plötzlich und sein Gesicht nahm einen erschrockenen und besorgten Ausdruck an. Er Hess sich den Geburtsschein des jungen Mädchens geben und hatte damit die Gewissheit, eine Gewissheit, die schrecklich und unheilvoll war. Und so zögerte er nicht, einzugreifen, um noch im letzten Augenblick Schlimmeres zu verhüten. Er nahm seinen Sohn beiseite und sagte zu ihm: « Mein lieber Sohn, ich muss dir, um ein Unglück zu verhüten, ein Geheimnis preisgeben, das du sonst nie von mir erfahren hättest. Ich bin nämlich nicht, wie du bisher geglaubt hast, dein Vater; ich habe dich adoptiert, als du Copyright by th» Author Sehnsucht nach der Ferne. Ihn lockte Asien. Er wanderte nach China aus, wo es ihm gut ging. Nur fühlte er sich einsam in der gelben Welt, Die zierlichen Chinesinnen vermochten nicht, ihm zu gefallen, und lange Zeit sehnte er sich nach einem Weibe aus Europa. Da wollte es der Zufall, dass er eine junge Deutsche kennenlernte, die bereits seit längerer Zeit im Reich der Mitte ansässig war. Sie bewohnte ein hübsches kleines Haus in Shanghai und befand sich in auskömmlichen Verhältnissen. Vor Jahren war sie als Stütze eines reichen Kaufmanns nach China gekommen und hatte nach seinem Tode sein Haus geerbt Auch sie fühlte sich einsam inmitten der gelben Flut und sehnte sich nach einem Mann der weissen Rasse. Beide waren glücklich, einander getroffen zu haben und fühlten bald, dass sie sich mehr bedeuteten, als sie anfänglich vermutet hatten. Eine leidenschaftliche Zuneigung flammte in ihnen auf und kettete sie aneinander. Beide lebten glücklich und zufrieden in dem kleinen Häuschen, und ihrer Liebe entspross ein Mädchen. Einige Jahre vergingen, da fiel der erste Schatten auf ihr Glück. Den Mann packte Sehnsucht nach der Heimat. Die Leidenschaft war verrauscht. Und so entschloss er sich, wieder nach Europa mit vier Jahren Waise wurdest. Dein Vater, mit dem ich aufs engste befreundet war, hat mich auf dem Sterbebett gebeten, dir nie etwas von deiner wahren Herkunft zu erzählen. Ich zurückzukehren. Nicht lange nach seiner Abreise verliess auch die Frau mit ihrer Tochter versprach es ihm. Heute aber muss ich das Versprechen, das ich deinem Vater gab, brechen, denn ich würde mich eines Verbrechens Verwandte hatte. Der Briefwechsel zwischen China und begab sich nach Amerika, wo sie schuldig machen, wenn ich auch weiterhin ihnen nahm bald ein Ende, und beide hörten schweigen würde. Dein Vater hat mir ausführlich seine Familienverhältnisse geschildert, nichts mehr voneinander. und ich weiss, dass du eine Schwester hast. Viele Jahre vergingen. In einem deutschen Diese blieb bei ihrer Mutter, als dein Vater Badeort lernte er, nun bereits über 40 Jahre sich von seiner Frau scheiden Hess. Du hast alt, eines schönen Tages eine junge Deutschamerikanerin kennen. Er verliebte sich in das deine Schwester nie gekannt und von ihrer Existenz nichts gewusst. Unglücklicherweise hübsche Mädchen, und seine Zuneigung wurde hat es das blinde Schicksal gewollt, dass du erwidert. Sie verlobten sich und beschlossen sie kennengelernt hast, denn Alba, deine zu heiraten. Sehr bald bemerkte er aber, dass Braut, ist deine Schwester, die du, in Unkenntnis dieser Tatsache, heiraten wolltest. Du wie es in Amerika üblich ist, auf reiche Ge- seine Braut äusserst anspruchsvoll war und, musst auf sie verzichten!» Erschüttert und schenke rechnete. Um ihr nicht offenbaren zu niedergeschmettert vernahm der junge Mann müssen, dass ihm die Mittel fehlten, ihre weitgehenden Wünschs zu erfüllen, tat er etwas, diese fürchterliche Offenbarung, die sein Glück so unverschuldet mit einem Schlage in Scherben schlug. Aus zwei leidenschaftlich Ver- Abends drang er in ein Hotelzimmer ein, wo, was schwerlich, gut ausgehen konnte. Eines liebten waren Geschwister geworden. wie er wusste, eine reiche Dame wohnte und stahl ihren Schmuck. Als er ihn verkaufen wollte, wurde er verhaftet. Seine Braut war untröstlich und tief gerührt, als sie aus seinem Munde erfuhr, weshalb er das Verbrechen begangen hatte, und dass er nur aus Liebe zu Im Jahre 1930 stand vor den Schranken des Berliner Strafgerichts ein Mann, der beschuldigt war, einen Einbruch verübt zu haben. ihr zum Dieb geworden war. Sie unterrichtete ihre Mutter von der schrecklichen Wendung Der Angeklagte, ein rüstiger Vierziger von der Dinge und bat sie, unverzüglich zu kommen, um ihr in ihrem Unglück beizustehen. sympathischem Aussehen, erweckte keineswegs den Eindruck, ein Berufsverbrecher zu sein. Als sie mit ihrer Tochter zusammen den Verhafteten besuchte, da brach sie bei seinem An- Die Verhandlung enthüllte die merkwürdigen Umstände, die ihn hatten straucheln lassen. blick in einen Schrei der Ueberraschung und Als er 20 Jahre alt war, erwachte in ihm die des Schreckens aus. Denn sie erkannte in dem Verlobten ihrer Tochter den Vater ihres Kindes! Es war der Mann, dem sie einst in China eine Tochter geboren hatte. Vor Gericht trat sie mit bewegten Worten für ihn ein. Der Angeklagte wurde freigesprochen. Sein tragisches Schicksal erschien wohl dem Richter bereits als genügende Sühne, die keiner weiteren Ergänzung mehr bedurfte. Warum nicht auch in Ihre Tasche? 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G E FA Genossenschaft für Arbeitsbeschaffung • GRENCHEN Scheiden tut weh Beängstigende «Hausse» in Amerika. — Neue Feststellungen in der Tschechoslowakei aber die «kritischen Jahre». Die Zahl der Ehescheidungen hat in New York im letzten Jahr hunderttausend überschritten und damit ein Stadium erreicht, das von den Behörden als bedrohlich empfunden wird. In den letzten 40 Jahren hat sich die Zahl der Eheschliessungen vervierfacht und entspricht damit etwa dem Bevölkerungszuwachs — die Zahl der Scheidungen dagegen ist auf das Zehnfache angewachsen! Noch erstaunlicher ist ein Vergleich mit der Zeit vor 70 Jahren: Damals wurde alljährlich nur eine von 235 Ehen geschieden, während heute eine unter 5—6 Ehen nach Ablauf eines Jahres durch Scheidung aufgelöst ist. Die Ursache für diese «Scheidungskrise», wie man den Zustand offiziell bezeichnet, ist in dem niedrigen Heiratsalter und weiter darin zu suchen, dass die meisten Ehen wirtschaftlich darauf aufgebaut sind, dass beide Partner verdienen; sowie einer arbeitslos wird, reicht das Geld nicht mehr aus, und der materielle Notstand zieht den Ehenotstand nach sich. Hinzu kommt noch die Tätigkeit der Scheidungsanwälte, der nunmehr — und das ist die erste Reform, mit der man der Scheidungskrise zu begegnen beabsichtigt — eine neue Behörde entgegengesetzt werden soll. Bevor eine Scheidung ausgesprochen wird, sollen die Ehepartner nach Möglichkeit versöhnt werden; hierbei wird aber der Amtscharakter der Behörde zurückgestellt; ältere Herren versuchen die Ehemänner, ältere Damen die Ehefrauen zu beeinflussen, von ihrer Scheidungsabsicht Abstand zu nehmen. Man verspricht sich davon eine Besserung der Lage und damit ein Abstoppen der beschleunigten Demoralisierung der amerikanischen Massen. In der Tschechoslowakei ha t man aus einer statistischen Auswertung der 4300 Ehescheidungen des Vorjahres interessantes Material über diverse Fragen gewonnen, insbesondere über die «kritischen» Jahre einer Ehe. Man hat zwei derartige Stadien festgestellt, und zwar zuerst das dritte Ehejahr, dann aber die zweite Hälfte des zweiten Ehejahrzehnts, also das IS.—19. Ehejahr. Die meisten Scheidungen entfallen auf Ehen, in denen der Altersunterschied zwischen den Gatten 6 Jahre beträgt und das Alter des Mannes rwischen 30 und 34, des der Frau zwischen 25 und 29 Jahren liegt. cpr. Ein vorbildlicher Beamter Als der Portier eines grossen wiener kaufmännischen Unternehmens abends gegen 8 Uhr in eines der Bureaux der Firma kam, um sauber zu machen, sass vor einem der Schreibtische ein Herr, eben damit beschäftigt, aus der offenen Schublade eine Reihe von Büchern herauszuholen. Er legte die Bücher vor sich hin, zog den Rock aus und fing im Schweisse seines Angesichtes an, zu addieren, zu subtrahieren, zu kollationieren — und was eben sonst die Arbeit eines geplagten Buchhalters ist. Der Portier, der durchaus nicht alle Angestellten des Hauses kennt, begnügte sich damit, ihm «Guten Abend» zu sagen, und ging dann seinen Geschäften nach. Etwa eine halbe Stunde arbeitete der f leissige Beamte noch, dann brummte er, «jetzt habe er aber genug», zog den Rock wieder an, nahm Mantel und Hut und ging grusslos von dannen. Als am nächsten Morgen das Bureaupersonal antrat, entdeckte man voller Schrecken, dass nahezu sämtliche Schreibtische und Schränke beraubt waren. Unter den Anwesenden befand sich niemand, der am vorhergehenden Abend Ueberstunden gemacht hätte. Es war der Einbrecher gewesen, der mit immerhin anerkennenswerter Geistesgegenwart den fleissigen Beamten gemimt hatte und so den Portier zu täuschen vermochte. Von dem Verbrecher «fehlt vorläufig jede Spur». Kommende Ereignisse | Baden: 8. NOT.: Oratorienaunöhrung des Gemischten Chor» Baden (Kursaal). Basel: 1.—22. Nov.: Jubiläumsausstellung Hr. Müller, Maria Laroche und jüngere Basler, Porträtszeichnungen (Kunsthalle}. 7.,18.NOT.: Arbeitstage der «Schola Cantorum Builiensiw: Weihnachtsmusilc. 14. NOT.: A.C.S.-BaU. Bern: 7. Nov.: Presseball, veranstaltet vom Bundesstlduschen Presseverein (Bellevue-Palace). 10.—19. Nov.: Kant. Gewerbe-Museum: Ausstellung. Bern. Töpferei einst und jetzt. 12. Nov.: Volkssymphoniekonzert des Bern. Orchester- Vereins (Franz. Kirche). 13. Nov.: Sonaten-Abend Ad. Busch/Rud. Serkin (Kasino). 15. Nov.: Berner Waldlauf (Sportplatz Neufeld). Fribourg: 8. Nov.: Concert avec le concours de M. Blanchet, pianiste. Oenire: 10 —IS. Nov.: Charopionnate de Ceneve en tennis sur courts couverts (Champel). 10. Nov.: Kecital de violon-piano Busch-Serkin (Conservatoixe). 12. Nov.: Concert Ivette Guilbert (Or. Theatre). Lugano: 1.— 30. Nov.: Golfwettspiele. Iiuxera: 13. Nov.: Vortrag Pro!. Dr. Arthur Lieben, Belgrads «Das Problem dar Wahrheit«, Kunsthaus. Neuchttel: 8. Nov.: Championnat suisse national et championnat suisse international de tennis de table (Geleries du Rivage). Rapperswil: 8., 12. od. 14.Nov.: Auffuhrungen der Dramatischen Gesellschaft der Operette «Der fidele Bauer» von Leo Fall. Rorscmach: 18. Nov.: Grosses Konzert veranstaltet von denMünnerchSren Frohsinn und Helvetia: Gemischte Kantate von Lendwei und «Divico» von G. Haug, St. Gallen. St. GaUen: bis 22. Nov.: Kunstmuseum: Ausstellung E. Ammann (Basel), E. Schlatter (Uttwil), E. Schenker (Bern). Vevey: IS. Nov.: Concert Ad. Busch, violoniste, Rud. Serkin, pianiste. Wiaterthur: bis 22. Nov.: Kunstmuseum-Ausstellung Fred Stauffer, Hermann Burte-Strube, Emma Sulzer-Forrer, Joh. v. Tschamer. Ztrich: 8. Nov.: Fussball-Länderspiel Schweiz/Oesterreich. 9. —18. Nov.: Hallen-Tennismeisterschalt. 10.Nov.: Extrakonzert Strawinskv (Tonhalle). 12. Nov.: Meisterabend Ad. Busch/Rud. Serkin i. d. Tonhalle. 12. Nov.: Vortragszyklus Ludwig Hages zur Einführung in die Charakterkunde (Kunstgewerbemuseum).