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E_1936_Zeitung_Nr.090

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8 AUTOMOBIL-REVUE

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BERN, Freitag, 6. November 1936 Automobil-Revife, II. Blatt . Nr. 90 Frauenschicksa Weltgeschichte Madame Kecamier Ein Frauenleben aus der Empirezeit. Heirat mit grosser Eile betrieb. Er hatte damit für Madame Recamier ist eine Erscheinung, die an den Fall seines Todes Juliette sein ganzes beträchtliches Vermögen gesichert, und dies war die Ab- keinem anderen Orte der Welt so denkbar ist wie in Paris. Denn nur hier vermag eine Frau durch sicht seiner — Vaterliebe gewesen, die er anders Schönheit und Koketterie eine solche Macht zu in unauffälliger Weise nicht hätte erreichen können. 1 gewinnen. Madame Recamier war gewiss nicht beschränkt, aber sie war ebensowenig bedeutend,, und die spöttische Bezeichnung einer «Madone de \a cönversation», die die Goncourts ihr gaben, ist nicht ganz ungerechtfertigt. Sie war, als ihre Rolle begann, noch viel zu jung und unreif, um durch Geist zu glänzen; sie war ihrem ganzen Wesen nach zu weiblich weich und unentschieden, um irgendwo entschlossen Partei zu ergreifen. Die Aeusserungen, die Briefe, die wir von ihr besitzen, zeigen niemals einen Ansatz zu einer eigentümlichen Anschauung, zu einem kräftig geprägten Gedanken; über einen liebenswürdigen Plauderton geht sie nie hinaus. Das Rüstzeug ihres Geistes war Anmut und sanfte Weiblichkeit. Allerdings blieb der unausgesetzte vertrauliche Umgang mit bedeutenden Männern nicht ohne erziehlichen Einfluss, und so wurde aus der ein wenig oberflächlichen und vergnügungssüchtigen Kokette im Alter dennoch eine zwar nicht geistreiche, aber doch geistig fein empfindende Matrone. Aber der Grund zu alledem und der weitgehende Einfluss, den sie ausübte, lag in ihrer Schönheit. Madame Recamier wurde 1777 als Jeanne Francoise Adelaide Julie Bernard in Lyon geboren. Ihre Mutter war eine ausserordentlich hübsche Frau, die als echte Französin in der Pflege ihrer Reize eine ihrer vornehmsten Pflichten sah und auch die Tochter in diesem Sinne erzog. Monsieur Bernard nahm als wohlhabender Notar eine angesehene Stellung ein. Juliette erhielt ihre Schulbildung in La Deserte bei Lyon, einem klösterlichen Institut, das eine beschränkte Anzahl von Töchtern guter Familien aufnahm. Während ihrer Schulzeit aber, noch vor der Revolution, siedelten Monsieur und Madame Bernard nach Paris über und lebten dort in dem vornehmen Quartier Saint Germain auf ziemlich grossem Fusse. Als Juliette vierzehn Jahre alt war, Hessen die Eltern sie.zu sich kommen und führten sie in die Geselligkeit ihres Hauses ein. Im folgenden Jahre, 1793, verheirateten sie die Fünfzehnjährige mit dem zweiundvierzigjährigen Bankier Jacques-Rose Recamier, der ebenfalls aus Lyon stammte. Es ist uns ein Brief erhalten, in dem Herr Recamier einen nahen Verwandten von seinem Verlöbnis mit Fräulein Bernard in Kenntnis setzte. Ein sehr merkwürdiger, sehr diplomatischer, klug ausweichender Brief. Er ist die kühl wägende Erklärung eines Mannes, der zwar im voraus weiss, dass man für seine Handlung andere Beweggründe suchen wird als die, welche er angibt, dessen Wille es aber ist, dass die Darstellung, die er für gut hält, wenigstens offiziell anerkannt werde. Mit seiner Vorsicht ist in dem Briefe von den Beziehungen die Rede, die Herrn Recamier einst mit der hübschen Mutter seiner Verlobten verbunden hatten. Es war eine schlimme Zeit damals im Jahre 1793, und die Köpfe von Männern wie Recamier sassen wenig fest auf den Schultern ihrer Träger. Jacques-Rose war vollständig darauf gefasst, den seinigen zu verlieren, und es musste die Leute allerdings stutzig machen, dass er unter so gefährlichen Verhältnissen nicht nur überhaupt an eine schon an und für sich ungewöhnliche. Eheschliesnung dachte, sondern auch die Vollziehung der Die schöne Gegnerin Napoleons Von Dr. 6. A. Welti Indessen blieb Herr Recamier von der Schrekkensherrschaft verschont. Er erreichte sogar ein Alter von nahezu achtzig Jahren, und Juliette war durch diese seltsame Scheinehe gefesselt, ohne jemals den Mut zu finden, sich davon zu befreien. Ihr Vater-Gatte begegnete ihr mit freundlicher Güte, er umgab sie, fast über sein Vermögen, mit Luxus und Geselligkeit. Sie selbst bemühte sich mit liebenswürdiger Zartheit um sein Wohlergehen,, und erst im Jahre 1818, als Recamier zum dritten Male einen geschäftlichen Zusammenbruch erlebte, ging sie von ihm, um sich in bescheidenen Verhältnissen in die Abbaye aux Bois im Faubourg St. Germain zurückzuziehen. Aber man geht wohl nicht fehl, wenn man in dieser merkwürdigen Verbindung die psychologische Erklärung für manchen sonst schwer erklärlichen Charakterzug der schönen Juliette sucht. Es war vielleicht ein tiefes Bedürfnis ihrer Frauenseele, was sie die heisse Leidenschaft, die sie unzähligemal erweckte, niemals zurückstossen liess. Und sie fühlte sich doch zu gebunden, um sich selbst jemals rückhaltlos hinzugeben. So kam sie zu jenem Verhalten, das kein Gewähren und kein Versagen war und das man eben als ihre grosse Koketterie bezeichnete. Es wird schwer sein, festzustellen, ob nicht die süsse Unschuld, die reizende Miene kindlicher Reinheit, die wir auf allen ihren Bildern finden, bis zu einem gewissen Grade ebenfalls Berechnung waren, wie denn auch in der Betonung ihrer Jungfräulichkeit, die sie durch ihre stets weisse Kleidung gewissermassen symbolisch hervorhob, eine absichtsvolle Lockung lag. Ob Madame Recamier wirklich so tugendhaft war, wie sie die Welt wollte glauben machen, ob, wie einige wissen wollen, ihre Tugend nur in einem organischen Fehler begründet lag, mag dahingestellt bleiben. Den Schein der Tugend hat sie jedenfalls zu wahren gewusst, und die Mutterschaft ist ihr fremd geblieben. Unter dem Direktorium fing Julie Recamier an, eine Rolle zu spielen. Sie wird neben Josephine Beauharnais und Madame Tallien als die dritte Grazie des Direktoriums bezeichnet. Damals auch begann sie die ersten Huldigungen zu empfangen. Ein junger Neffe, Paul David, verliebte sich in sie mit der ganzen überströmenden Gefühlsseligkeit jugendlicher Leidenschaft. Gefährlicher und ernsthafter war für die Zweiundzwanzigjährige der Ansturm, den einer der Brüder Napoleons, Lucien Bonaparte, auf sie machte. Lucien war damals Minister des Innern und vor kurzem Witwer geworden. Gewalttätig und leidenschaftlich, ein guter Frauenkenner und an Siege gewöhnt, war er beim ersten Anblick der schönen Frau, von der Chateaubriand noch in einem viel späteren Alter sagte, man wisse nie, ob man sie für die Verkörperung der Liebe oder die Verkörperung der Keuschheit halten soll, von dem glühenden Wunsche erfasst worden, sie zu erobern. Zum ersten Male wandte Juliette ihm gegenüber jene schon erwähnte Taktik an, durch Mitleid Hoffnung zu erwecken und diese durch Sorglosigkeit wieder zu zerstören, sobald sie ihren Anbeter beruhigt sah. Jedenfalls nahm ihre Kühle Lucien eine Zeitlang alle Besinnung. Da er aber endlich einsah, dass seine Mühe vergeblich bleiben würde, und da er kein Talent hatte, den Schmachtenden zu spielen, brach er die Beziehung eines Tages ebenso kurz ab, wie er sie leidenschaftlich begonnen hatte. Noch in die Zeit des Direktoriums fällt auch die erste Bekanntschaft der Madame Recamier mit Frau von Stael. Es war der Zufall einer geschäftlichen Angelegenheit, der die beiden zusammen* menführte. Frau von Stael war zehn Jahre älter als Juliette, sie hatte politisch von. sich reden gemacht, sie war als geistreiche Schriftstellerin anerkannt. Was Wunder, wenn Juliette sich ihr gegenüber ein wenig schüchtern zeigte.. Aber die :§ lebhafte, - impulsive Dichterin^ ward sofort durch die Anmut der jungen, Frau' gefangen, und diese fühlte wiederum, dass sie in der Ueberlegenheit der anderen einen Halt, eine Stütze für ihren der Führung und Anlehnung bedürftigen Geist finden könne. Sie schlössen sich sehr schnell innig aneinander an. Man muss nur die Briefe der Frau von Stael an Juliette lesen. Sie sind voller Zärtlichkeit, voller Sehnsucht; sie sind wie die Briefe eines Liebenden an die Geliebte. Und solche Billette flogen sehr häufig, mitunter täglich zu der «belle Juliette», der «chpre et parfaite amie» hinüber, die ihrerseits im Antworten viel lässiger war. «Ich umarme Sie wie ein Liebhaber», schreibt Frau von Stael das eine .Mal an ihre «schöne Heilige». Und ein anderes Mal, da sie ihr ihren Freund Benjamin Constant schickt: «Ihrer bediene ich mich, wenn ich meine Freunde belohnen will.» Und wieder: «Ich liebe Sie, ich leide, und ich möchte Sie wiedersehen ...» «Wenn Sie wüssten, wie schmerzlich mir diese Wartezeit ist,:Sie würden sie durch Ihre himmlische Gegenwart versüssen ...» Fragt man sich, was ein Geist wie Frau von Stael derart bei Madame Recamier anziehen konnte, die ihr gegenüber doch stets die "Neh# mende blieb, so kommt man abermals zu derrt (Paris, Petit Pabü) Rgcaxnicx, nach dem: Gemälde von Görard.