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E_1936_Zeitung_Nr.091

E_1936_Zeitung_Nr.091

BERN, Dienstag, 10. November 1936 Sonderbeilage: Grossbritannien Nummer 20 Cts. 32. Jahrgang - N« 91 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: AntgBb« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicheruns) vierteljährlich Fr. 7.50 10.- Erscheint jeden Dienstaa und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich J mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenraiastr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Lflwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-P.REIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Rp. GrOssere Inserate nach SpezialtarK Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Probleme der Verkehrsteilung. Längst schon haben die andern Staaten den grossen Fragenkomplex der Verkehrsteilung zwischen Schiene und Strasse zu lösen versucht und diese weittragenden Probleme grösstenteils denn auch schon geregelt. Die Schweiz aber ist über den Anfang eines Versuches zur Beseitigung des herrschenden Verkehrschaos noch nicht hinausgekommen. 18 Monate sind ins Land gezogen, seit das Verkehrsteilungsgesetz, das bekanntlich von der Eisenbahnergewerkschaft nicht befürwortet, aber von den Bahnen mit nicht als besonders fair und sauber zu bezeichnenden Mitteln durchzusetzen versucht wurde, eindeutige Verwerfung erfuhr. Nach langem Hin und Her hat dann am 21. September 1936 endlich der Vorentwurf des eidg. Post- und Eisenbahndepartementes über die nämliche Materie das Licht der Welt erblickt. Da sogar der Verwaltungsrat der Schweizerischen Bundesbahnen diesem obrigkeitlichen Verkehrsteilungsvorschlag den Kampf ansagte, konnte das sehr dezidierte Veto, welches die am motorisierten Strassenverkehr interessierten Kreise dagegen einlegten, nicht verwundern. Ging die Departementsvorlage nun aber den S.B.B.-Gewaltigen, vor allem der Gewerkschaft, zu wenig- weit, so war sie für die Lastwagenbesitzer mit Rücksicht auf ihre recht . F E U I L L E T O N Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 25. Fortsetzung. « Unausdenkbar ! » sagte sich Lukas, aber er dachte trotzdem nur an das Eine: Sybil erwartete von ihm, dass auch er keine Kompromisse schloss, Gertie und das Btirschle verliess, genau wie sie Konstantin im Stich Hess. Vielleicht war sie sogar der Meinung, das müsse so sein und wäre das Natürlichste der Weli ? Vielleicht hielt sie ihn für einen Feigling, der nicht wagt, den Fahrplan des Alltags loszulassen und mit ihr in die ewigen Wälder zu reisen... « Sybil will, dass ich bei ihr bleibe », sagte er sich. « Denn, wenn man liebt, so will man miteinander sein, Stunde für Stunde, und womöglich eine kleine Ewigkeit lang. Wünsche ich denn nicht genau dasselbe ? Bin ich nicht verworfen genug, davon zu träumen : ich hätte Sybil vor vielen Jahren getroffen, — und das ganze Leben wäre anders geworden? Aber jetzt ist es zu spät, tausendmal zu spät, und selbst diese Träume sind Verrat. Ich kräftig ausgelegten Drosselungsbestimmungen einfach unannehmbar. Nach landläufigen Begriffen könnte nun aus dieser divergierenden Stellungnahme leicht geschlossen werden, dass der Entwurf des Eisenbahndepartementes so etwas wie einen goldenen Mittelweg darstelle. Weit gefehlt! Schon bei der Durchsicht der ersten Abschnitte dieses 68 Artikel enthaltenden Entwurfes erhellt sich jedem Unvoreingenommenen deren Unannehmbarkeit für Handel, Industrie und Gewerbe, von den direkt Betroffenen ganz zu schweigen, recht eindrücklich. Allein schon die Bekanntgabe dieses Elaborates hat für den Lastwagen- und Anhängerbau und damit auch für die diversen Hilfsindustrien die nachteiligsten Folgen gehabt, führte sie doch zu einer Stockung und Schrumpfung der Aufträge in diesen Industriezweigen, die in äusserst bedauerlichem Gegensatze zu den in zahlreichen andern Branchen sich geltend machenden positiven Abwertungserfolgen stehen. Dieser Departementsvorschlag atmet denn auch einen Geist, der wirklich weder die Bedeutung des Motorfahrzeuges als Erwerbsmittel von Tausenden von Schweizerbürgern, noch die Belange unserer Wirtschaft betr. möglichster Tiefhaltung der Transportspesen berücksichtigt. Ausserdem — und das wird wiederum jeder Urlvoreingenommene verstehen — begegnen Anregungen des Eidg. Post- und Eisenbahndepartementes heute zum vornherein einem gewissen Misstrauen; die immer wieder auf die lange Bank geschobene Sanierung der Schweiz. Bundesbahnen hat viel Animosität geschaffen und die kürzlich für lebensnotwendige Importgüter erlassenen Tarifaufschläge (Aufhebung der Tarifbegünstigungeh), welche den bundesrätlichen Direktiven gerade zuwiderlaufen, ^irften ebenfalls nicht zur Entspannung der Lage beitragen. Kein Wunder also, wenn die gesamte Wirtschaft und nicht nur die Automobilisten einer solch einseitig technisch orientierten, nach möglichst weltfremden Prinzipien handelnden Verwaltung nicht das geringste Vertrauen mehr entgegenbringen und Vorschlägen aus diesen Kreisen zum vorneherein ablehnend gegenüberstehen. Sowohl der Verband schweizerischer Motorlastwagenbesitzer (Aspa) als die Via Vita haben nun zu diesem Departementsentwurfe Stellung genommen, ersteref in Form eines detaillierten, 52 Artikel umfassenden Gegenentwurfes mit 16seitigem Motivenbericht^ letztere in Form eines Schreibens. Im Grunde genommen ist dieser neue Start zur Regelung der Verkehrsteilung verfrüht, hat doch die Statistik über den Güterverkehr auf der Strasse mit ihren Erhebungen erst zwei Monate erfasst. Wozu denn plötzlich diese Eile ? Am Ende, weil das Ding diesmal etwas daneben geraten'ist, d. h. weil die statistischen Ergebnisse für den Monal Juli 1936, deren Richtigkeit diejenigen für den Monat August erneut belegen werden, mit der schönen vorgefassten Erklärung der Bundesbahnmisere gründlich aufräumten, weil sich nämlich die These : Der Verkehrsrückgang der Bahnen ist eine Folge der Automobilkonkurrenz ! nicht •mehr aufrecht erhalten lässt ? Nebenbei bemerkt — wir warten nur darauf, dass die Bahnen nun getreu der Methode eines aargauischen Nationalrates die Erhebungen des eidg. statistischen Amtes ebenfalls als Produkte eines Bundesamtes für optische Täuschungen qualifizieren. Jedenfalls — seit sich die Verkehrszählungsstatistik als Schlag ins Wasser dulde es nicht, dass Sybil schamlos meine Träume beim Namen nennt ! Eine Frau muss keusch sein...» Verzweifelt betrachtete er Sybils Gesicht. Sie lächelte ihm noch immer zu. Aber langsam verglomm das Lächeln, zuckte noch einmal auf wie ein kleiner Funke und war plötzlich fort. «Lukas..», begann Sybil, dann verstummte sie Ėr schwieg und starrte sie an. Wo war es hin, dies wunderbare «Ich vertraue dir»? Nein, jetzt vertraute er ihr nicht mehr, — auch wenn er verdammt war, sie trotzdem zu lieben. « Warum sprichst du nichts ? » flüsterte Sybil. « Kein Wort für mich ? Oh, du tust mir weh.» Er presste die Lippen zusammen und rührte sich nicht. Stark sein! Nicht nachgeben ! Der göttliche Dulder Odysseus fiel ihm ein, den es zum Palast der kräuterkundigen Kirke getrieben. «Alle verderblichen Künste der Zauberin will ich dir nennen. Mischtrank rührt sie dir ein und gibt ihr Gift in die Speise...» Im Frühling, in der Achten, hatten sie die Odyssee gelesen, und der Griechischlehrer hatte Uebelacker geheissen. Sie lernen fürs Leben, hatte er gesagt. Lukas' erwies — pressiert es mit der Einschränkung des motorisierten Strassenverkehrs ungemein; es eilt sogar tsehr, dass sowohl Reorganisation der schweizerischen Bundesund Privatbahnen als die finanzielle Sanierung unseres grössten Staatsbetriebes plötzlich Wieder erst in zweiter Linie erfolgen sollen. Nun muss aber auf der durch die Aspa, die Via Vita und nicht zuletzt auch durch Kreise aus Industrie und Handel verlangten Reorganisation und Sanierung der S'BB parallel zur Regelung der Verkehrsteilung • um so unnachgiebiger beharrt werden, als die durch eine verwirklichte Reorganisasation und Ordnung der Strassentransporte den Bahnen zu Teil werdenden Erleichterungen diesen die Möglichkeit des 'Weiterwursteins im alten Fahrwasser gäben. Konzentration auf interne Sanierung und Neugestaltung würde von diesen dann augenblicklich als etwas höchst Ueberflüssiges empfunden, eine Annahme, die um so berechtigter erscheint, als sie ja erst kürzlich wieder den Beweis erbrachten, dass ihre Interessen denjenigen des gesamten Schweizervolkes noch immer weit vorangehen. Conditio sine qua non einer Verkehrsteilung ist und bliebt also im Interesse- der ganzen Wirtschaft die mindestens gleichzeitige, wenn nicht vorausgehende organisatorische und finanzielle Neuordnung des schweizerischen Eisenbahnwesens. Bei Licht besehen, liegt diese Forderung übri- £$ris nicht allein im Interesse des gesamten La'ndes, sondern ebensosehr in demjenigen der* Bahnen selbst. Und zu dieser einen Bedingung gesellt sich eine zweite, nicht weniger wichtige: Eine Regelung der Verkehrsteilungsmaterie darf nur unter Berücksichtigung der Bedürfnisse unserer Landesverteidigung geschehen: Der Gegenentwurf der Aspa äussert sich hiezu wie folgt: « Es ist ohne weiteres klar, dass im Zeitalter der gewaltigen Entwicklung der Luftwaffe das Eisenbahnnetz' im Kriegsfalle ganz wesentlich an Bedeutung und Wert eingebüsst" hat. Namentlich in unserem kleinen Lande, das für Flugzeuge überhaupt keine ins Gewicht fallenden Dimensionen aufweist, sind die Eisenbahnen auch für den Nachund Rückechub, sowie für sämtlichen zivilen Verkehr hinter der Front nur bedingt verwendbar, indem für deren Instandhaltung eine sehr leistungsfähige aktive Luftabwehr vorhanden sein muss. Es erübrigt sich hier auszuführen, dass mit der immer weiter ausgedehnten Elektrifizierung die Verwiindbarkeit des Schienenstranges nochmals stark zugenommen hat. Wenn auch eine gewisse Zahl von Dampflokomotiven in Reserve gehalten wird, so dürfen daran keine grossen Erwartungen geknüpft weVden. Im übrigen kann beobachtet werden, dass sämtliche aufrüstenden Staaten mit allen Mitteln die Motorisierung des Zivilverkehrs fördern, in der Ueberlegung, daes eine technisch in jeder Hinsicht sonst gut ausgerüstete Armee heute mehr oder we- Blicke hingen düster an Sybil. Jetzt begriff er, dass Uebelacker ein weiser Mann gewesen ... «Ich verstehe, Liebling... es ist nicht gut für uns, wenn ich hier bleibe? Du hast recht, du bist mein kluger Geliebte^. Ich werde reisen, nicht nach Zürich, — irgendwohin! » Sybil machte ein paar Schritte, eilig, als wollte sie auf der Stelle das Zimmer verlassen und in die Welt verreisen. Sie sagte ruhig : « Es gibt so viele Städte, ich werde reisen. Was willst du noch, Lukas ? Dass ich dich vergessen soll ? » Sie war auf ihrer Wanderung beim Toilettetisch angelangt und betrachtete versunken die Spiegelscheibe. Licht schwamm durch das geschliffene Glas, schwankte, trübte sich. Sybil konnte ihr Gesicht nicht mehr erkennen. Sie nahm eine Puderquaste auf, drehte sie hin und her, warf sie dann wieder zurück. «Ich werde mich bemühen, dich zu vergessen, — aber ich hoffe, dass es mir nicht gelingen wird. Man ist zu arm, wenn man nichts hat, wonach man sich sehnen darf, und nicht weiss, wohin man denken soll. Vielleicht kommt dir das lächerlich vor...» Sie klagte: «Du kannst es nicht verstehen. Ein Mann Wir berichten heute über: Eine Kundgebung für die Walenseetalstrasse. Citroen und die Eroberung der Sahara. Die neue Rennformel. Zwei Bundesgerichtsentscheide zu Art. 50 MFG. Spezial-Vergaser für Ersatzbrennstoffe. niger wertlos ist, wenn ihr nicht der nötige Transportapparat zur Verfügung gestellt werden kann. Dabei ist die Bedeutung der im Zivilverkehr stehenden Motorfahrzeuge für Kriegszwecke bei uns noch viel ausgesprochener, als in Staaten mit stehenden Heeren. Schließlich sei auch noch auf den begonnenen Ausbau unserer Alpenstrassen hingewiesen, womit die Verwendbarkeit der Motorfahrzeuge nochmals stark erhöht werden kann. > Die dritte Forderung stellt die durch Aspa und Via Vita verlangte Revision von drei Artikeln der Vollziehungsverordnung zum MFG. dar und bezweckt die Wiederherstellung der technischen Grundlagen für einen wirtschaftlichen Lastwagenbetrieb, d. h. die Zulassung einer Nutzlast von 10 Tonnen mit der beim Bahnbetrieb üblichen Toleranz. Die Erfüllung dieses vom Standpunkt der modernen Automobiltechnik durchaus berechtigten Wunsches bei Durchführung einer Regelung der Verkehrsteilung ist eine Selbstverständlichkeit, die weiterer Worte entbehren kann. Wir weisen einzig noch darauf hin, dass durch diese Massnahme eine Verbilligung, der Transporte möglich wäre, was gerade unter den heutigen Umständen bestimmt im allgemeinen Interesse liegt. Es müsste entschieden zu weit führen, wollten wir hier die Verschiedenheiten der einzelnen Verkehrsteilungsvorschläge eingehend skizzieren. Wir beschränken uns deshalb auf die Behandlung einiger hauptsächlichster Abweichungen und können dies mit gutem Gewissen tun, bilden diese sämtlichen Entwürfe doch erst die Diskussionsgrundlage für die kommenden Verhandlungen. Wir greifen deshalb heraus: 1. Geltungsdauer, 2. Werkverkehr, 3. Transportbewilligungen, 4. Gewerbsmässiger Verkehr, 5. Transportrecht, 6. Tarife, 7. Dringlichkeitsklausel. hat seinen Beruf, nicht wahr, — aber ich, ich habe nichts als Liebe.» «Ich kann nicht mit dir sprechen !» stammelte Lukas. «Ich weiss alle deine Antworten voraus : Liebe ist heilig, schicksalsgewollt, Liebe ist ein Freibrief zu jeder Tat. Und wenn ich dir aufzähle, was tausendmal heiliger ist: Verantwortung, Pflicht, ein Wort, das man nicht brechen darf... wahrscheinlich würdest du trotzdem auf alles .Liebe' sagen.» « Was sollte ich denn sagen ? » Sybil' kam langsam auf ihn zu, aber sie Hess einen Meter Entfernung zwischen sich und ihm. « Was sollte ich denn sagen ? » wiederholte sie geduldig. Sie war bereit, seinen Rat zu hören und sogar zu befolgen. Aber Lukas schwieg. Scheinbar gab es keinen Rat für Menschen, die nichts haben als Liebe. Sybil zog den Kimono eng zusammen. Sie fror. Zwischen ihr und diesem Mann, der sich wie ein Betrunkener benahm, war nur ein Meter Raum. Aber Sybil begann zu zweifeln, ob sie je über diesen Abgrund hinwegkäme. Sie sagte hoffnungslos : «Gott weiss, was mit dir ist. Willst du mich quälen ? Du hättest dir jemand aussuchen müssen, der zurückschlagen kann. So