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E_1936_Zeitung_Nr.089

E_1936_Zeitung_Nr.089

BERN, Dienstag, 3. November 1936 Nummer 20 Cts. 32. Jahrgang - N»89 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Atufab« A (ohne Versicherang) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Autotourismus im Spiegel der Statistik ' Hat schon die Behandlung der Interpellation Valloton und des Postulates von Allmen während der Herbstsession des Nationalrates die Unaufschiebbarkeit einer Lösung der immer brennender werdenden Probleme des Fremdenverkehrs überzeugend dargetan, so rückt dieser Fragenkomplex mit der Frankenabwertung vollends in den Vordergrund des öffentlichen Interesses. Was jetzt not tut, ist die Ausnützung der sich uns bietenden Chance, ist die planmässige und mit letzter Intensität einsetzende Propaganda. Der Wille zur Ausmerzung der bisherigen Uebelstände auf diesem Gebiet ist vorhanden, wie die Antwort von Bundesrat Pilet-Golaz auf das Postulat von Allmen erkennen Hess. Ob jedoch auch die Absicht besteht, dem Automobil im Rahmen der Reorganisation unserer Verkehrswerbung jenen Platz einzuräumen, auf den es als einer der Hauptexponenten unserer Verkehrswirtschaft schon längst Anspruch hat, darüber tappen wir einstweilen leider noch im Ungewissen. Soll die Umstellung unserer Fremdenverkehrspolitik auf einen neuen Kurs nicht in schönen Worten stecken bleiben, dann muss im Fluss dieser. Revision auch dem Autotourismus- in stärkerem Umfang Rücksicht getragen werden, jener .Gattung-•von Verkehr, dfe sich,, nehmt nur alles in allem,, in ihrer aufsteigenden Entwicklung auch durch den schwersten Krisendruck nicht hat aufhalten lassen. Zahlen reden eine eindrückliche Sprache und die Statistik der Eidg. Oberzolldirektion demonstriert es einem jeden, der sehen will, dass das Kontingent der ausländischen Automobilisten seit mehr als einem Dezennium in unaufhörlichem Wachstum begriffen ist, das Jahr 1935 freilich ausgenommen. Haben wir nicht ein eminentes Interesse daran, uns diesen Strom, der unversieglich und stets ergiebiger quillt, zu erhalten und ihn zu mehren? Dass nämlich die Lage unseres Gastgewerbes heute noch weit verzweifelter wäre, hätte nicht das Automobil dem katastrophalen Schrumpfungsprozess in der Fremdenfrequenz wenigstens teilweise entgegengewirkt, dieser Einsicht verschliesst sich .heute wohl niemand mehr. Sobald man jedoch in Einzelheiten einzudringen und beispielsweise die Frage näher zu beleuchten versucht, wieviel Gäste uns denn das Auto eigentlich bringt, wie viele Aufenthaltstage auf sein Konto fallen, wie sich das Verhältnis zwischen Autogästen und andern Gästen stellt, stösst man auf Schwierigkeiten, weil es uns nach dieser F E U I L L E T O N Musik der Nacht. Roman v%n Joe Lederer. 23. Fortsetzung. Sybil stützte sich auf die Ellbogen und betrachtete ernst sein Gesicht. «Wie glücklich du mich machst. Nie hab ich gedacht, dass ich einmal so glücklich sein werde...» Sie schwieg und malte mit dem Zeigefinger geheimnisvolle Zeichen auf seine Stirn. Plötzlich fragte sie: «Und dein Sohn? Wie sieht er aus, wie ist er?» «Das Bürschle...» Lukas lachte verlegen. «Braun, frech wie ein Pferdedieb, nie frisiert und sehr vergnügt.» iEr schwieg. «Sprechen wir von etwas anderm>, sagten seine Blicke. Aber Sybil wollte nicht- verstehen. «Geht er schon in die Schule?» «In die zweite Klasse. Rechnen begreift er leider nicht, aber schreiben kann er grossartig. Sehr hübsche Briefe schreibt er mir, 10.— Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste'* REDAKTION tu ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Geschäftsstelle Zürichs Lfrwenstrasse 51, Telephon 39.743 Richtung hin an umfassenden Erhebungen und ziffernmässigen Unterlagen fehlt. Und doch vermöchte gerade eine auf einwandfreier statistischer Grundlage beruhende Abklärung dieser Fragen die Bedeutung der Autotouristik für unsere nationale Verkehrswirtschaft schlagend zu illustrieren und die von uns je und je vertretene Auffassung zu erhärten, dass es unabweisbare Pflicht ist, die Anstrengungen zur Förderung dieses Verkehrs zu verdoppeln. Immerhin, ganz ohne jegliche Anhaltspunkte stehen wir in dieser Hinsicht denn doch nicht da. Seit 7 Jahren schon führt die Gemeindeverwaltung von St. Moritz Sommer für Sommer ihre Autostatistik durch, ein Vorgehen, dem man auch andernorts Nachahmung wünschen möchte und dem sich unseres Wissens inzwischen die Stadt Luzern angeschlossen hat. Sind wir uns dessen auch bewusst, dass es übers Ziel hinausschiessen hiesse, die Ergebnisse dieser Erhebung zu verallgemeinern, so vermitteln sie doch eine Fülle wertvoller Aufschlüsse. Sie bilden einen Gradmesser dafür, wie weit die Befruchtung des* Fremdenverkehrs durch das Automobil bereits fortgeschritten ist, und belegen damit die absolute Notwendigkeit, ihm mit allen Mitteln, wörtlich und bildlich gesprochen, den Weg zu ebnen. Denn auch der Wiederaufschwung, der die internationale Autotouristik nach der Schweiz im laufenden Jahr kennzeichnet, vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, dass es für uns gilt, den an das Ausland verlorenen Boden zurückzuerobern. Was lehrt nun die St. Moritzer Autostatistik? Um die Quintessenz gleich vorwegzunehmen: Dass der Engadiner Kurort im Sommer 1936 (bis 20. September) mehr als die Hälfte seiner Gäste ausschliesslich dem AatO' mobil verdankte und dass dessen Anteil an den Logiernächten nunmehr nahezu ein Drittel des Totais beträgt Dabei hat sich die Frequenz der Autogäste weiter über jene des Vorjahrs erhoben, währenddem die Rechnung bei den übrigen Gästen mit einem erheblichen Minus abschliesst. Zahl der Privatautomobile, welche In den St. Moritzer Hotels eintrafen; Sommer 1932 1933 1934 1935 1936 Privatwagen 2927 3371 4172 3839 3565 Gesellschaftswagen — 86 111 161 216 Im Gegensatz zur Bewegung auf gesamtschweizerischem Boden, wo sich die Zahl der zu vorübergehendem Aufenthalt bei uns wenn er Geld braucht. Ich sehe ihn doch so selten. Mittags bin ich in der Stadt, und wenn ich abends heimkomme, schläft er schon. Aber er legt mir grosse Zettel auf den Schreibtisch... Immer muss er .unbedingt' etwas haben: einen Fussball oder weisse Mäuse oder Eisenbahnschienen, — aber damit es nicht zu diktatorisch klingt, hat er eine hübsche Schlussformel für seine Briefe: «Ruf mich doch an! Dein liebes Bürschle..» Und dann einigen wir uns telephonisch. Vielleicht erziehe ich ihn unrichtig, weil ich ihn nämlich überhaupt nicht erziehe, — aber wir verstehen uns so gut und halten viel voneinander. Du kannst mir glauben, das Bürschle ist ein ganz besonders feiner Kerl.> Lukas lächelte diesem winzigen Bürschle zu, das den unwürdigen Vater mit so viel Bewunderung, Freundschaft und spröden Zärtlichkeiten beschenkte. «Gescheit ist er auch, das hab ich vergessen zu sagen. Sehr klug ist er für sein Alter. Und die Augen, — ich kann sie dir nicht beschreiben, aber es sind einfach räubermässige Augen!» «Ich kann mir schon vorstellen, dass er ein ganz ungewöhnliches Kind ist. » Aber Lukas wehrte bescheiden ab. «Ein siebenjähriger Bub, genau wie alle eingetroffenen ausländischen Motorfahrzeuge im Vergleich zu 1935 um 5,4 % vermehrt hat, registriert St. Moritz, gemessen an der Vorjahressaison einen weitern Ausfall um 7 %, sofern man nur die Privatwagen ins Auge fasst. Gegenüber der Vorjahressaison beziffert er sich sogar auf 14 %. Leider unterscheidet die Statistik nicht zwischen Wagen schweizerischer und ausländischer Herkunft. Zur genauen Ermittlung des Verhältnisses, in welchem der inländische und der fremde Tourismus an diesem Rückgang partizipieren, mangeln uns somit die Grundlagen. Aber die Tatsache, dass der ausländische Autotourismus nach der Schweiz im Zeichen einer Wiederbelebung verläuft, die am Engadin wohl kaum ganz spurlos vorbeigegangen ist, könnte doch die Vermutung aufkommen lassen, die Ursache dieses Verkehrsschwundes sei eher in einem vermehrten Ausbleiben der Schweizer Automobilisten zu suchen, eine Vermutung übrigens, die man auch deshalb kaum ohne weiteres als unstichhaltig abtun darf, weil die Untragbarkeit der fiskalischen Lasten Tausende und Abertausende unserer Gegenwärtig steht in der Schweiz die Diskussion über eine Regelung des Verhältnisses von Eisenbahn und Automobil im Vordergrund. Es entbehrt deshalb nicht des Interesses, die Stellung der ausländischen Eisenbahnen zum Konkurrenzproblem kurz zu beleuchten und Vergleiche anzustellen. Die Unterlagen dazu bietet das kürzlich erschienene Buch von Vital Gawer: «Die Eisenbahnkrise, ihre Ursachen und ihre Entwicklung», das sich auch mit den Verhältnissen der Eisenbahnen in neun ausländischen Staaten befasst und dabei die Massnahmen gegen die Automobilkonkurrenz erörtert. Frankreich besitzt ein Eisenbahnnetz von rund 30 500 km Länge, die auf fünf private Gesellschaften und bloss zwei Staatsbahnen (mit zusammen 11900 km Schienenlänge) entfallen. Der Autoverkehr hat sich in Frankreich dank der guten Strassen rasch entwickelt. Von 1928 bis 1934 ist die Zahl der Lastwagen von 306 452 auf 458 121, und der Bestand an Personenwagen von 642 744 auf 1432 053 gestiegen. andern. Ich bin froh, dass nichts Aussergewöhnliches an ihm ist. Wunderkinder sind schrecklich — aber das Bürschle ist ein sehr normales, gesundes Geschöpf. > Sybil hatte sich vollends aufgesetzt. Lukas starrte sie an, zärtlich und entzückt. Heidnische Prinzessin! Da sass sie, in ihrem prunkvollen Mantel, auf dem die ganze Welt abgebildet war, schwieg und betrachtete nachdenklich die goldene Sonne, die über ihrem linken Knie aufging. Er war glücklich, sie ansehen zu dürfen. Sie war vollkommener als jede Frau, die in seinen Träumen geschimmert hatte. Und sie liebte ihn... «Lukas», sagte Sybil leise, «was ist nachher gewesen, nachdem du geheiratet hast ? » « Da musste ich wieder an die Front. Ich hatte nur zehn Tage Urlaub und musste zurück in die Karpathen. Von dort kamen wir nach Frankreich, dann nach Polen, dann nach Italien... ja, wir waren so ziemlich überall. Und 1918 bin ich zurückgekommen.» « Und was war dann ? » «Dann...» Lukas suchte in seiner Erinnerung, aber es fand sich plötzlich so wenig, was erzählenswert schien. War diese erste Zeit mit Gertie nicht wunderbar und reich gewesen ? INS ERTIONS- PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Baum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtaril Inseratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Wir berichten heute über: Rekordpläne von Capt. Eyston. Mailänder Salon. Holzgasverwendung zu motorischen Zwecken. Durch Indien im Automobil. Benzinpreise und Verkehrsdichte. eigenen Leute dazu bewogen hat, ihren Fährbetrieb einzuschränken. Umgekehrt hält die aufsteigende Entwicklung im Gesellschaftswagenverkehr unvermindert an, hat sich doch deren Zahl gegen 1935 um 34 % erhöht, verglichen mit dem Sommer 1933, da sich die Bündnerstrassen diesem Fahrzeug erstmals erschlossen, sogar um 151 %. (Schluss folgt.) Eissnbahnkrise nnd Autokonknrrenz WAS HAT DAS AUSLAND UNTERNOMMEN? ) Siehe «Automobil-Revue> No. 88. Zur Bekämpfung der Automobilkonkurrenz haben die Bahngesellschaften folgende Massnahmen ergriffen: Verkürzung der Lieferfristen im Güterverkehr, Einführung des Sammelladungsverkehrs, Einführung des Behälterverkehrs, Einführung eines bahneigenen Haus-Hausdienstes, Verbesserung des Wagenparkes, Beschleunigung der Personenzüge. Ausserdem wurden eine Anzahl unrentabler kleinerer Bisenbahnlinien durch Automobillinien ersetzt und dabei die Möglichkeit kombinierter Tarife für Esenbahn und Automobillinien geschaffen.' Eine Notverordnung vom 19. April 1934 führte die Konzessionspflicht für sämtliche öffentlichen Automobiltransporte von Personen und Gütern ein. Konzessionen werden nur erteilt, wenn zuvor eine örtliche Einigung, über die Verkehrsteilung zwischen den Unternehmern des .Automobilverkehrs und den Eisenbahnen zustandegekommen ist. Die deutsche Reichsbahn. Deutschland ist seit dem Reichsbahngesetz von 1924 zu einem gemischtwirtschaftlichen Eisenbahnsystem übergegangen. Die Leitung « Dann waren wir eben beisammen und sehr glücklich. Meine Prüfungen hatte ich noch während des Krieges abgelegt, jetzt nahm ich eine Stellung an, um mich in der Praxis umzusehen. Viel hat das nicht eingetragen, und von unserem Vermögen war so gut wie nichts übrig geblieben — alles fortgeflogen in der Inflation. Wir mussten sehr bescheiden sein, wir hatten Sorgen, aber wir sind immer sehr glücklich gewesen. Int dritten Jahr erst kam das Bürschle. Später hab ich die Stellung aufgegeben und begonnen, für eigene Rechnung zu arbeiten. Damals fing es an, dieses Keine-Zeit-haben, das Bürschle nur zu den Mahlzeiten sehen. Und als die grösseren Aufträge kamen k ist es noch ärger geworden. Seit eineinhalb Jahren baue ich das Sechzehn-Etagen-Haus —- und was die anderen Menschen sonst haben dürfen : Bücher lesen, Theater, Reisen — das hab ich alles mithineinbauen müssen. Aber es tut mir nicht leid. Aber für — — für Gertie ist es traurig. Eigentlich bin ich nur Samstag, Sonntag daheim, da gibt es eine Menge Gäste, und ich bin fast auch nur ein Gast...» «Und deine Frau ? » b'egann Sybil vorsichtig. « Sie ist hübsch ? Sie ist sanft ? » « Ja », sagte Lukas kurz.